Whataboutism

Ein beliebtes Argument im Feminismus oder interesektionalen Bewegungen ist, der anderen Seite „Whataboutism“ vorzuwerfen.

Der Wikipedia-Artikel zu dem Begriff ist ganz interessant:

Whataboutism (aus dem englischen What about? = „Was ist mit?“ und dem Suffix -ism = „ismus“ zusammengesetzt) ist eine oft als unsachlich kritisierte Gesprächstechnik, die unter diesem Namen ursprünglich der Sowjetunion bei ihrem Umgang mit Kritik aus der westlichen Welt als Propagandatechnik vorgehalten wurde. Es bezeichnet heute allgemein die Ablenkung von unliebsamer Kritik durch Hinweise auf andere wirkliche oder vermeintliche Missstände.

Whataboutism ist nach der Definition des Oxford Living Dictionary „die Technik oder Praxis, auf eine Anschuldigung oder eine schwierige Frage mit einer Gegenfrage zu antworten oder ein anderes Thema aufzugreifen“. Der Begriff stammt nach Angaben des Wörterbuchs aus den 90er Jahren und ist synonym zu dem Begriff „whataboutery“, der in den 1970er Jahren aufkam.[1] Er wird auch in deutschsprachigen Artikeln verwendet

Whataboutism kann als Spezialfall des tu quoque aufgefasst werden. Das Ziel dieses als rhetorisches Mittel eingesetzten Verfahrens ist oft, die Position des Gegners zu diskreditieren, ohne seine Argumente zu widerlegen. Als klassisches und zum Sprichwort gewordenes Beispiel des Whataboutism gilt der in der Sowjetunion als Erwiderung auf Kritik am Kommunismus häufig geäußerte Satz „Und in Amerika lynchen sie Schwarze“.[4]

Dieses Verhalten bleibt dem Gesprächspartner die sachliche Antwort auf seine Kritik schuldig, kann aber auch die Korrektheit der Vorwürfe direkt oder indirekt eingestehen. Die oft vorwurfsvoll geäußerte Frage spricht dem Kritiker in der Regel die Berechtigung zu seiner Kritik ab

Ein Beispiel wäre:

Feministin: Frauen sind unterdrückt

Gegenmeinung: Männer haben auch viele Nachteile, Frauen dafür andere Vorteile. Insofern kann man nicht einfach behaupten, dass Frauen unterdrückt wären

Feministin: Whataboutism!

Tatsächlich geht es gar nicht darum, dass man unliebsame Kritik abwendet, sondern eher darum, dass man die Behauptung, dass Frauen einseitig alle Nachteile der Gesellschaft tragen, während Männer alle Vorteile der Gesellschaft genießen, widerlegen will.

Es ist also ein Hinweis darauf, dass das System nicht so einseitig ist, wie der Feminismus es darstellen will, der durchaus berechtigt ist.  Tatsächlich kann man da aber aneinander vorbeireden, denn der Hinweis auf Benachteiligungen der Männer ist kein Gegenargument zu bestimmten Benachteiligungen von Frauen. Es lässt diese ersteinmal unberührt, es verweist nur darauf, dass es Männern deswegen nicht gut gehen muss und damit die „Opferhierarchie“ nicht mehr so eindeutig ist.

Tatsächlich kann „Whataboutism“ selbst als Todschlagargument gebraucht werden: Es kann dazu dienen eine Benachteiligung, die sich aus  einem behaupteten System ergibt, vor Kritik zu bewahren, indem der Einwand gegen das System als unzulässige Entkräftung der Benachteiligung umgedeutet und damit für unzulässig erklärt wird.

Aus der „Kritik“-Kategorie der Wikipedia:

Christian Christensen, Professor für Journalismus in Stockholm, macht deutlich, dass die Zurückweisung von Gegenvorwürfen auch ein Ausdruck davon sein kann, dass man die eigenen Fehler in verzerrter Selbstwahrnehmung als geringerwertig empfindet, dass man also doppelte Standards zugrunde legt. So erscheint die Handlung des Gegners etwa als verbotene Folter, die eigenen Maßnahmen als „erweiterte Verhörmethoden“, die Gewalt des anderen als Aggression, die eigene lediglich als Reaktion. Christensen sieht sogar einen Nutzen im Gebrauch des Arguments: „Die sogenannten ‘whataboutists’ stellen das bisher nicht in Frage Gestellte infrage und bringen Widersprüche, Doppelstandards und Heuchelei ans Tageslicht. Das ist keine naive Rechtfertigung oder Rationalisierung […], es ist die Herausforderung, kritisch über die (manchmal schmerzhafte) Wahrheit unserer Stellung in der Welt kritisch nachzudenken.“

In der Tat ist das ein häufiger Ansatz: Denn der Feminismus oder andere intersektionale Bewegungen fordern häufig Gegenmaßnahmen, die sich daraus herleiten, dass einem Gruppe ein besonderes Unrecht passiert. Wenn nun angeführt werden kann, dass andere Gruppen nicht besser dran sind, dann kann das schlicht der Hinweis darauf sein, dass die Beeinträchtigung nicht schlimmer ist als auch bei anderen Gruppen und daher auch nicht mehr Aufmerksamkeit verdient. Damit greift man auch die Position an, dass die Seite um Gleichberechtigung bemüht ist und Männer und Frauen gleichermaßen helfen will.

Die Kritik des „whataboutism“ kann auch einen Selbstwiderspruch enthalten, weil schon der erste Schritt des Gesprächs eine Form des „whataboutism“ sein kann. Vorwurf und Gegenvorwurf können beide Ausdruck einer selektiven und verzerrten Wahrnehmung des anderen und der eigenen Position sein. Daher schreibt Glenn Greenwald: „Der Heuchler ist als derjenige zu definieren, der einzelne schreckliche Handlungen verurteilt, aber nicht alle.“

Und auch diese Verwendung ist häufig: Du kritisierst, dass Frauen weniger verdienen, aber dir ist egal, dass Männer wesentlich mehr Überstunden machen, den überaus größten Teil aller Arbeitsunfälle erleiden und wesentlich weniger Zeit mit ihrer Familie haben. Du suchst dir Nachteile einer Seite heraus, die Nachteile der anderen Seite ignorierst du.

In seiner Analyse von „whataboutism“ kommt Logik-Professor Axel Barceló von der UNAM zu dem Schluss, dass der Gegenvorwurf oft den gerechtfertigten Verdacht ausdrückt, dass die Kritik nicht der wirklichen Position und den wahren Gründen des Kritikers entsprechen.

Ein klassisches Beispiel wäre:

Feminist: Feminismus will Diskriminierungen für beide Geschlechter abbauen.

Erwiderung: Was macht ihr denn dagegen, dass unverheiratete Männer kein Sorgerecht haben?

Feminist: Whataboutism

Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Vorwurf des Whataboutism häufig als eine der vielen Immunisierungstaktiken des Feminismus eingesetzt wird, mit dem diese Kritik abwehren ohne sich wirklich mit dem Einwand auseinandersetzen zu müssen.

24 Gedanken zu “Whataboutism

  1. Wenn ich mal mansplainen darf: Ist Whataboutism nicht einfach nur das männliche derailen ganz am Anfang einer nicht stattfinden sollenden Diskussion? 😉

    Ich glaube, all diese label lassen sich zurückführen auf: „WIR haben die Diskurshegemonie über ALLE Geschlechterthemen sowie die gesamte Geschlechterdebatte und wir sind nicht bereit, unseren Vaginamonolog zu beenden bzw. uns dazwischen reden zu lassen!“

    Es gibt nur EINE Bewegung, die gerechtfertigt für die Anliegen BEIDER Geschlechter das Wort ergreifen darf und das ist der Feminismus.
    Deshalb heißt er ja auch Feminismus, um zu zeigen, wie umfassend *beide Geschlechter* in ihm gleichermaßen eine Rolle spielen.
    In Equalismus z.B. wäre einfach zu viel toxische Männlichkeit enthalten.
    Ich glaube, damit ist bereits alles geklärt.

    • Im 2005er King Kong Film gibt es eine Passage, die in der Wikipedia so beschrieben wird:

      Englehorn organizes a rescue party, led by Hayes and Driscoll. They encounter and kill a Ferrucutus. The rescue party is then caught in the middle of a pack of Venatosaurus saevidicus and the herd of Brontosaurus baxteri they are hunting, and six [men] are killed, including cameraman Herb. The rest of the rescue party come across a swamp where actor Bruce Baxter and two others leave the group. The rest cross the swamp on rafts, only to be attacked by „Scorpio-pedes“, as well by a „Piranhadon“, which devours three [men]. The rescue party is making their way across a fallen log over a ravine when Kong attacks. Five crewmen (…) are killed after being thrown off the log, and the rest of the crew ride the log down the ravine and land in a pit. (…) The remaining rescue party find the pit to be full of giant insects. Lumpy is killed by the maggot-like „Carnictics Sordicus“ while two others are killed by spider-like creatures. Englehorn, Baxter and the two crewmen return, saving the last four survivors of the rescue party from the pit.

      MaW: 17 Männer werden gemetzelt beim Versuch, eine Frau zu „retten“, von der mittlerweile heißt:

      Ann wins Kong over with juggling and dancing, and begins to grasp Kong’s intelligence and capacity for emotion.

      Ich kenne nicht eine einzige Frau, die nach dem Film meinte, hier sei ein gewisses Missverhältnis zu beobachten.

      Bei Saving Private Ryan ist das sogar Thema im Film selbst:

      Reiben and Ryan are with Miller as he dies and says his last words, „James…earn this. Earn it.“ In the present day, the elderly Ryan and his family visit the Normandy American Cemetery and Memorial and discover Miller’s grave. Ryan expresses his appreciation for what Miller and the others did for him. He then asks his wife if he is a „good man“ worthy of their sacrifices

      Es braucht viel, viel, viel mehr, bevor eine Frau fragen würde, ob sie oder eine andere Frau das Opfer von Männern verdient hätte.
      „50 Schatten in Gruselig“ redet nicht zufällig ständig von der „Göttin in ihr“: Ihr stehen selbstverständlich Männeropfer zu. Das ist die Natur der Dinge: Der Mann opfert und die Frau entscheidet, ob sie das Opfer gnädig annimmt oder nicht.

      Vor diesem Hintergrund: Ich glaube, der durchschnittlichen Mein-Feminismus-Feministin geht es nicht um Hegemonie oder dergl.
      Es ist schlicht und einfach ehrliche Verwirrung, wie jemand das Leid von Frauen und das Leid von Männern in einem Atemzug nennen kann.
      Natürlich reagiert sie auf den Hinweis auf das Leid von Männern mit „LENK NICHT AB“, denn es ist doch k l a r, wessen Leid das allein relevante ist.

      • Gab da vor einer Zeit mal auf Twitter einen Thread in dem eine Feministin meinte, dass Gewalt gegen Frauen in Filmen so normalisiert seien, es sei Bestandteil der Unterhaltung. Finde den Thread nicht mehr, aber damals hatte ich ihr dieses Video hingeknallt (ohne Antwort zu bekommen natürlich)

        Mir ist schleierhaft, wie Feministen überhaupt auf die Idee kommen könnten, dass Gewalt an Frauen in Filmen etwas „normales“ sei. Aber das passiert ja häufiger. Gab ja auch die Diskussion mit dem X-Men Filmplakat, wo ein männlicher Charakter einen weiblichen Charakter würgt und eine Schauspielerin sich darüber öffentlich aufregte

        „The fantasy life can involve violence against women, and that shows how normalized it is.“
        http://www.hollywoodreporter.com/rambling-reporter/rose-mcgowan-calls-x-men-898538

        Lustigerweise hat eben diese Schauspielerin in Filmen wie der Splatter-Parodie „Planet Terror“ mitgespielt, in welchem sie als Femme-Fatale mit einer Maschinengewehr-Beinprotese genüsslich vor sich hin metzelt (in dem Film sind natürlich alle Antagonisten männlich und werden sämtlichst umgebracht).

        Totale feministische kognitive Dissonanz.

        • @mindph

          „Mir ist schleierhaft, wie Feministen überhaupt auf die Idee kommen könnten, dass Gewalt an Frauen in Filmen etwas „normales“ sei.“
          Weil auch die Theorie der rape culture daraus besteht, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen nicht geahndet wird und Vergewaltigung eine Art Bagatelldelikt..

          Der §177 StGB ist unserer Phantasie entsprungen, denn den gibt es in der feministischen Wirklichkeit nicht. In der subjektiv feministischen Wahrnehmung der Wirklichkeit (WAHN), wird ein sexistischer Angriff auf eine Frau gesellschaftlich als „Bagatelle“ empfunden und nicht als schwere Straftat geahndet.
          Leider gibt es da immer noch die saublöde „objektive Realität“.
          Die *Mindeststrafe* ist hier DOPPELT SO HOCH wie bei einer schweren Körperverletzung nach §226 StGB und das vergleichbare Strafmaß findet sich erst im §227 StGB, nämlich der Körperverletzung mit Todesfolge.
          Der Gesetzgeber hat also, durch das Strafmaß erkennbar, eine abschreckende Wirkung auf einen potentiellen Täter intendiert, gerade WENN diese Straftat besonders Frauen betrifft – was für klar denkende Menschen ein Signal sein sollte, welches Geschlecht in dieser Gesellschaft als besonders schutzbedürftig gilt.

          Welches Geschlecht welche Straftat mehr betrifft dürfte bekannt sein und ebenso, dass das Strafmaß einer Vergewaltigung – der weit überwiegend Frauen zum Opfer fallen – auf dem gleichen Niveau angesiedelt ist wie die Körperverletzung mit Todesfolge.
          Womit das „Patriarchat“ als Opfer gleichwertig ansieht: Einen toten Mann und eine vergewaltigte Frau. Pech, wenn Mann in die erste Opferkategorie fällt.

          Das Problem schient mir noch eine Stufe über der „kognitiven Dissonanz“ angesiedelt zu sein, es handelt sich m.E. um eine wahnbedingte Verleugnung der objektiven Realität und den Versuch, die feministische Sicht propagandistisch durchzusetzen (Defma).
          Warum dies über den Feminismus (im engeren Sinn) hinausgreift, lässt sich in dessen Versuch sehen, „Frau“ als ideelles Gesamtopfer der Gesamtgeschichte der Menschheit zu etablieren.
          Hier gelten ja ebenfalls Marktgesetze: Die Nachfrage muss da sein, sonst wäre das Angebot nicht da.
          Mit all den widersprüchlichen Effekten für das Ego, die Christian für die gesellschaftlichen Boni der produzierten Opferidentitäten der Identitätspolitik beschrieben hat.

          • „der weit überwiegend Frauen zum Opfer fallen“

            Wobei ich das gar nicht mal so unumstößlich hinstellen würde. Es kommt halt dabei stark darauf an, wie Vergewaltigung definiert wird. Zwar fehlen mir aus Deutschland da konkrete Zahlen, aber in den USA gibt es dazu ein paar wenige Studien die zeigen, dass die Zahlen der männlichen Opfer da viel höher sein könnten, als man im Allgemeinen glaubt.

            Das (eigentlich eher feministisch orientierte) Magazin hat dazu mal einen Artikel veröffentlicht:
            http://www.vocativ.com/underworld/crime/hard-truth-girl-guy-rape/
            Dort verlinken sie eine Studie die davon spricht, dass 51% der befragten Studenten von sexueller Belästigung berichten, bei überwiegend weiblichen Tätern. Und 17% der Befragten sprachen sogar von vollendeter Vergewaltigung. Dazu sind jedoch zwei Dinge zu beachten, wenn man diese Zahlen interpretieren möchte: 1. wie der Artikel selber andeutet („overlooked“), werden solche Studien wenig beachtet und auch relativ selten sind und 2. war bis 2010 der Mann als Opfer einer Vergewaltigung rechtlich gar nicht vorgesehen, da das FBI nur von weiblichen Opfern sprach. Erst mit einer Novelle der Definition wurde das geändert – wobei männliche Opfer jetzt zwar generell möglich sind, aber nur wenn sie penetriert wurden (was weibliche Täter wohl sehr viel seltener tun als männliche Täter, womit die Definition sich wohl haupsächlich auf männliche Opfer homosexueller Vergewaltigungen beziehen wird). Wie auch der Artikel andeutet, ist davon auszugehen, dass das eine oder das andere Opfer die Tat vielleicht gar nicht als Vergewaltigung angesehen hat, sondern eher meint, er sei halt verführt worden oder so. Man kennt das ja auch aus Medien und Film, dass eine Frau die einen Mann zum Sex „überredet“ ihn halt verführt (soo romantisch!) während das Gleiche umgekehrt, besonders aus feministischer Perspektive, wohl eher als Übergriff gewertet werden würde (vgl. „nein heißt nein“). „Of course, most men assume they’ll be ostracized for reporting such emasculating violations, so the real numbers are likely at lot higher.“

          • @Mindph

            „Wobei ich das gar nicht mal so unumstößlich hinstellen würde. Es kommt halt dabei stark darauf an, wie Vergewaltigung definiert wird. Zwar fehlen mir aus Deutschland da konkrete Zahlen, aber in den USA gibt es dazu ein paar wenige Studien die zeigen, dass die Zahlen der männlichen Opfer da viel höher sein könnten, als man im Allgemeinen glaubt.“

            Hmmmmmmmm.

            Einerseits ist generell richtig, dass bspw. Vergewaltigungserfahrungen oder sexuelle Nötigung von Männern im Strafvollzug ausgeblendet, weil sie in der Regel gar nicht erfasst werden.
            Das ist ein Punkt.
            Diesen wiederum sollte man von *der Definition der Vergewaltigung* trennen, die „Penetration“ oder „das eindringen in den Körper“ beinhaltet – was ebenfalls Gegenstand einer der letzten Sexualstrafrechtsreformen in Deutschland war (die übrigens inflationär geändert worden sind).

            Jetzt kommen mehrere Probleme auf einmal zusammen, weil nämlich a. nicht präzise niedergeschrieben worden ist, mit welchem Körperteil in welches Körperteil „das eindringen“ erfolgt. Aber so bald es um „das eindringen“ geht und dies festgestellt worden ist, kann es sich nicht mehr „nur“ um sexuelle Nötigung handeln, sondern *nur* um eine Vergewaltigung (die sexuelle Nötigung ist früher ein eigener Straftatbestand gewesen, nach einer weiteren Reform nicht mehr, sondern Spezialfall der Vergewaltigung).
            D.h. nicht nur Penis in Vagina, sondern auch Zunge oder Finger, was theoretisch umgekehrt genauso für Männer gelten (Anus) könnte, nur ist das als sexuelle Praxis zwischen Mann und Frau nicht so verbreitet.
            Volkstümlich würde man orale „Penetration“ gar nicht für eine Vergewaltigung halten, strafrechtlich ist es aber so.

            „Man kennt das ja auch aus Medien und Film, dass eine Frau die einen Mann zum Sex „überredet“ ihn halt verführt (soo romantisch!) während das Gleiche umgekehrt, besonders aus feministischer Perspektive, wohl eher als Übergriff gewertet werden würde (vgl. „nein heißt nein“).“

            Das ist noch so ein Ding, was *noch* perfider ist.
            In der großen Lügen-Studie des BMFSFJ von 2003/4 wurde bei der Befragung großen Wert darauf gelegt zu erfahren, ob sich die Frauen gedrängt ODER psychisch ODER moralisch unter Druck *gefühlt* hätten Sex zu haben.
            Es versteht sich von selbst, eine solche Befragung für *Männer* gab und gibt es generell nicht.
            Der Witz ist aber, dass diese Fragen als „breitere Definition“ der sexuellen Belästigung gefasst worden sind – selbstverständlich, um die Opfer-Zahlen in der Studie nach oben zu treiben.
            In den USA gab es hingegen eine Studie, in der auch Männer gefragt worden sind, ob sie schon einmal „MADE to penetrate“ wurden – und plötzlich waren die Opfer zwischen den Geschlechtern gleich verteilt.
            Schau an, schau an…

            Meines Erachtens müssen wir wirklich dafür kämpfen, dass von den Bundesministerien endlich wenigstens ANNÄHERND so viel Geld für die Erforschung der (sozialen, gesundheitlichen) Lage von Männern ausgegeben wird, wie die von Frauen.
            Diese Forschung darf aber auf keinen Fall von Feministinnen und pro-feminitischen Männern betrieben werden, denn die halte ich für mehr oder weniger pathologische Lügner und Lügnerinnen.
            Es wäre herausgeworfenes Geld (unser Geld!)

            Subcomandante crumar

          • Ja, darum schrieb ich ja, es kommt auf die Definition an. Wenn Sexualverkehr ohne Konsent generell als Vergewaltigung gilt, dann muss man auch „made to penetrate“ hinzu ziehen. Es wurden ja auch schon oft Männer verurteilt, die etwa ausgenutzt haben, dass eine Frau bewusstlos oder so betrunken war, dass sie gar nicht mehr zustimmen konnte (siehe Fall Brock Turner). Also muss das für Männer auch so gelten (siehe Fall „Charlie“ im verlinkten Artikel). Und dann sind, wie du auch schon geschrieben hast, die Zahlen plötzlich gar nicht mehr so unterschiedlich.

            Im Falle der FBI-Definition ist es ja so, dass dort der Akt des Eindringens in einen Körper mit einem Körperteil oder Gegenstand ohne Konsent des Opfers als Vergerwaltigung gewertet wird: „Penetration, no matter how slight, of the vagina or anus with any body part or object, or oral penetration by a sex organ of another person, without the consent of the victim.“
            Das heißt: Vergewaltigung ist die Penetration, wenn…

            Feministen feierten das als Sieg und führen es öfter als Beispiel an, dass sie auch etwas für Männer tun würden, indem sie jahrelang darauf gedrängt haben, die Definition, welche voher lautete „Der Sexualverkehr mit einer weiblichen Person erzwungen oder gegen ihren Willen“, also Männer gar nicht mit einbezog, auch auf Männer auszuweiten. Es stimmt also schon, Männer werden jetzt mitgezählt, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn ein Tatbestand von „made to penetrate“ lässt sich aus dieser Definition nach wie vor nicht zweifelsfrei ableiten, schließt als weibliche Täterschaft quasi aus.

          • @mindph

            Ok, *deshalb* beharre ich unbedingt auf Differenzierung im Einzelfall:

            „Wenn Sexualverkehr ohne Konsent generell als Vergewaltigung gilt, dann muss man auch „made to penetrate“ hinzu ziehen.“

            Korrekt. Der eigentliche Witz ist jedoch, dass Männer in einer Beziehung *ebenfalls* dazu neigen, einen sexuellen Akt zu vollziehen, nur um ihre Partnerin zufrieden zustellen. Die sexuelle Bedürfnisbefriedigung der Partnerin hat also einen höheren Stellenwert als die *individuell empfundene Lust*.
            Der springende Punkt ist: Zu Gunsten eines gemeinsamen „Dritten“ (Beziehung) ist die Frage der individuellen Laust nachrangig.

            „Es wurden ja auch schon oft Männer verurteilt, die etwa ausgenutzt haben, dass eine Frau bewusstlos oder so betrunken war, dass sie gar nicht mehr zustimmen konnte (siehe Fall Brock Turner).“

            Nope. Bei Brock Turner war die Frage, wie besoffen müssen BEIDE sein, um *einen von ihnen* eine Schuld zuzuweisen. SIE hatte sich mit Alkohol weggeschossen, ER AUCH. Wer Schuld ist klärt in Zukunft ein Bluttest – nämlich wer eher in Ohnmacht gefallen ist oder sein könnte, weil er zu besoffen war. Den Richter beneide ich nicht.

            „Es stimmt also schon, Männer werden jetzt mitgezählt, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn ein Tatbestand von „made to penetrate“ lässt sich aus dieser Definition nach wie vor nicht zweifelsfrei ableiten, schließt als weibliche Täterschaft quasi aus.“

            Korrekt. Denn die „Waffe“ *zur Penetration* ist vom Prinzip her – also biologisch – einseitig.
            Es sei denn, wir bewerten gleichermaßen das Fingern von Ohren als Penetration – „das eindringen“ kann dann tatsächlich eine Streitfrage werden.
            Der Witz ist auch hier, das „made to penetrate“ – also die Herstellung von männlicher Geilheit – komplett ohne weibliche Beteiligung abläuft. Es ist die eine – kontrafaktische – biologische Unschuldsvermutung.

        • Mir ist schleierhaft, wie Feministen überhaupt auf die Idee kommen könnten, dass Gewalt an Frauen in Filmen etwas „normales“ sei.

          Darüber habe ich neulich auch nachgedacht, als ich beide Teile von „John Wick“ angesehen habe. Story: Killer killt Trillionen Männer. Und in beiden Teilen insgesamt zwei Frauen.

          (Sorry für den Spoiler, aber die Filme wären auch bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis in Sachen Bodycount sterbenslangweilig).

          • John Wick (76) fand ich ein Quäntchen besser noch als „Shoot’em up“ (128).

            Aber klar: Es ist grotesk, wieviele Frauen hier erschossen werden.

  2. Die Mädels wissen wie Unterdrückung funktioniert und sind perfekt darin, durch tägliches Training. Dagegen hilft kein sachliches oder logisches Argumentieren. Man(n) braucht andere Mittel für den Aufstand!

  3. Ist ja mal interessant: eine Systematik vom „Rhetorischen Totschlag“. Ich erkenne vieles aus dem richtigen Leben wieder.

    Dieser Whataboutism taucht dort auf, wo es um Aufbruchstimmung und Weltbild geht, oder um „uns“ (die Lieben) gegen „euch“ (die Bösen). Insbesondere ist es die argumentative Blutgrätsche: „Ich bin im Recht, weil du sowieso ein Bösewicht bist.“

    Was mir bei den vorgetragenen Beispielen auffällt: bei ordentlicher Begrifflichkeit gibt es Methoden zur Neutralisierung, ohne den Gegenüber niederzubügeln.

    Feministin: Frauen sind unterdrückt

    Gegenmeinung: Männer haben auch viele Nachteile, Frauen dafür andere Vorteile. Insofern kann man nicht einfach behaupten, dass Frauen unterdrückt wären

    Feministin: Whataboutism!

    Neutralisierung: Nein. Die Gegenüberstellung zur „Unterdrückung der Frau“ weist darauf, dass „Unterdrückung“ nicht spezifisch für Frauen gilt, sondern auch für Männer, also allgemein. Das ist was anderes als Whataboutism.

    Aber natürlich muss man dafür pfiffig sein, geistesgegenwärtig, schlagfertig; in Einzelfällen (etwa bei mir) sind ein, zwei Bierchen hilfreich.

    Wobei ich – bei aller Abscheu gegen den gegenwärtigen Feminismus – die Frauen liebe. (Bin so, kann nichts dafür.)

    • Die Gegenüberstellung zur „Unterdrückung der Frau“ weist darauf, dass „Unterdrückung“ nicht spezifisch für Frauen gilt, sondern auch für Männer, also allgemein.

      Darum geht es in vielen Fällen. Feministen stellen ein Problem als spezifisch weibliches Problem dar, obwohl es das nicht ist.
      Es gibt unzählige Beispiele: Frauen werden während der Arbeit blöd angemacht! Passiert einem Mann im Leben nicht oder was? Frauen kriegen keinen Sitzplatz im Bus, weil sich ein Mann breit macht und zwei Plätze belegt. Ah ja, niemals nie wird einem Mann ein Platz genommen, weil Madame ihr Handtäschchen und was sie sonst noch so mit sich schleppt auf einen freien Platz abstellt.
      Es geht nun mal nicht an, dass solche Dinge als Beleg für die Unterdrückung der Frau angeführt werden. Das sind Ärgernisse, mit denen sich alle fünf Trillionen Geschlechter rumschlagen müssen.

  4. Was soll denn dieser pseudointellektuelle Fremdwortschwachsinn wieder?
    Aggressives Genörgel ist und bleibt aggressives Genörgel.
    Und sinnvolle Vergleiche/Gegenüberstellungen bleiben sinnvolle Vergleiche/Gegenüberstellungen.
    Da gibt es einfach nix neu zu definieren/klären/auszudiskutieren.
    Whataboutism ist eine der unzähligen, täglich sprießenden, karnevalistischen Begriffsverarschungen der Feministen und Punkt.

    Und was is mit Tee?

    Blablaism!

  5. Hier evtl. noch ein Beispiel für Whataboutism:

    – „Auf der Kölner Domplatte haben an Silvester vorwiegend Migranten sehr viele Frauen sexuell belästigt.“
    – „Mag sein, aber what about Oktoberfest?“

  6. Pingback: „Disposable Men“ (entsorgbare Männer) und Unterschiede zwischen Rettungsaktionen für eine Frau bzw einen Mann im Film | Alles Evolution

  7. Oink, habe den Whataboutism-Vorwurf auch schon als Totschlagargument erleben müssen.

    Sagt der Mörder zum Dieb: Wie konntest du nur!! Stehlen ist absolut unterste Schublade!! Das macht man einfach nicht!

    Dieb: Moment mal, wie kommst du dazu dich mir gegenüber moralisch zu profilieren!? Du bist ein Mörder! Du bist viel schlimmer als ich!

    Mörder (triumphierend; hämisch): Whataboutism!

    Als hätte derjenige, der zuerst mit irgendeiner Anschuldigung nach vorne gekommen ist, ein Recht, dass die Argumentation nun ausschließlich darum zu kreisen hat. Weil dann noch mit einem Anglizismus um sich geworfen wird, gelingt der Ablenkungsversuch vermutlich häufig.

    Andererseits gibt es nichts Nervigeres als ein Gegenüber, das permanent ausweicht und jede These mit einer Gegenthese beantwortet – ohne jemals inhaltliche auf dich einzugehen. Kann aber auch nicht schaden, sich selbst dahingehend zu hinterfragen. Nicht selten argumentieren beide destruktiv. Will jedenfalls nicht behaupten, dass ich noch nie in einer Diskussion zu schnell zum Gegenangriff übergegangen bin.

    Krass, wie selbstkritisch ich heute bin. Ob das ein erster Anflug von Altersmilde ist? 🙃

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