23 Gedanken zu “Mehr Bildung reduziert religiöse und abergläubische Einstellungen

    • Das ist so dämlich!

      Wäre ich Rassist und wollte Afrikaner in jeder Hinsicht beherrschen und bevormunden, dann würde ich ihnen genau den Scheiss erzählen wie die dummen Nüsse da, das nämlich Wissenschaft als „weiss“ abzulehnen sei und sie sich doch weiterhin an ihren Voodoo-Zauber halten sollten.

      • Es ist wie mit dem Staunen bei kleinen Kindern. I.d.R. legen es Menschen ab, wenn Sie erwachsen werden. Wenn erwachsene Menschen immer noch staunen, sind sie entweder blöd oder sehr intelligent.
        Ein gebildeter Erwachsene versteht die Argumente gegen Religion, weil die Argumente analytisch rational sind. Eins sehr gebildeter Erwachsene versteht die Argumente für Religion, weil er sie nicht analytisch rational nimmt. Er übernimmt eine eher synthetische Perspektive, welche das zusätzliche Problem wuchten muss, dass die Synthese nicht mit analytischen Werkzeug herstellbar ist, was wiederum die Schwächung der Gegenargumente gegen den Glauben zur Folge hat.
        Diese Argumentation funktioniert nur bei Menschen, die eine Synthesis wollen. Bei Menschen, die das nicht wollen, wie zum Beispiel bei Materialisten, trifft meine Behauptung der umgekehrten Korrelation vermutlich nicht zu.

      • „aber den Glauben an die heiligen Schriften der monotheistischen Religionen“

        Nicht den kindlich naiven Glauben.
        Aber vielleicht den Sinn in den Schriften entdecken, in denen unsere Kultur wurzelt?
        Verstehen, was Nietzsche meinte mit „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? „?

        • Aber die Frage nach dem Sinn der alten Schriften ist eine rationale Herangehensweise, die nicht zur Religiosität führt. „Gott bleibt tot“, wie Nietzsche richtig feststellt. Sich dem nicht zu stellen läuft darauf hinaus „willfully blind“ zu sein.

          • Das kann sein. Kann auch sein, dass nicht.

            Soweit ich das beurteilen kann, steht fest, dass kein Mensch, auch der rationalste nicht, ohne Glauben auskommt. Leszek glaubt an die Allmacht des Verstandes, Christian an die Wirkmacht des egoistischen Gens, Feministinnen an die strahlende Heilskraft per se unschuldiger Frauen, Sozialisten an die Güte erzwungener Gleicheit, Kapitalisten an die unsichtbare Hand etc.

            „Sich dem nicht zu stellen läuft darauf hinaus “willfully blind” zu sein.“

            Kurios, dass du grad auf Osiris anspielst. Denk dran, wie die Geschichte ausging:

            Horus erweckt Osiris wieder zum Leben, erneuert ihn.

            Vielleicht endet der anstehende Krieg all der neuen kleinen Götter in der Erneuerung Gottes, so dass auch betont rationale Menschen ohne gefühlten Widerspruch wieder in ihn glauben können.
            Vielleicht auch nicht.

        • Ja, eine Weltvorstellung hat jeder. Ohne geht es nicht. Aber „Osiris“ kann nur erneuert wiederkommen. Ich verstehe das nicht als Wiedereinsetzung in den vorigen Zustand, sondern als Veränderung, als Verbesserung durch die Herausforderung, gewonnen durch Horus in der Unterwelt und symbolisiert durch sein Auge, welches Osiris bekommt um wieder zu sehen.

          Du hast natürlich völlig recht, dass niemand von uns weiß, wie diese Erneuerung aussehen könnte. Aber auch nach vielen Stunden Peterson halte ich weiter an meiner These fest, dass es nicht möglich ist aus freiem Willen und Gründen des Verstandes „zur Irrationalität zurückzukehren“. Das geht so wenig wie Adam und Eva zurück ins Paradies können. Und meiner Ansicht nach steckte vor allem in der gesellschaftsstiftenden Wirkung „Gottes“ notwendig ein irrationales Element. Man kann vielleicht selbst zum Glauben zurückkehren, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die anderen mitmachen und alle zusammen „in Gottesfurcht“ leben. Und genau das Fehlen des gemeinsamen Narrativs ist das Problem, individuelle Lebensverbesserungsüberzeugungen gibt es wie Sand am Meer.

          • Ich hab grad versucht, eine Antwort zu schreiben, bin aber gescheitert, weil meine Gedanken noch zu unklar sind.

            Dass es keinen Weg zurück ins Paradies gibt, stimmt wohl.

            Dass wir in Deutschland und Umgebung das gemeinsame Narrativ verloren haben und die als Ersatz gedachte Aufklärung immer kläglicher aussieht, stimmt wohl auch.

  1. Ich möchte mich natürlich nicht mit Rolf Degen anlegen – bin aber dennoch skeptisch.

    Im Bible Belt der USA gibt es sehr viele hochgebildete Menschen – die sind trotzdem religiös. Soweit mir bekannt ist, hat der Grad der Religiösität eher etwas mit sozialer Absicherung zu tun. Der Rückgang der Religiösität in West-Europa im 20. Jahrhundert ist das Ergebnis der zunehmend besseren Absicherung in diesen Ländern.

    Auch wenn man sich mal die Theorie von J. Haidt anschaut: Warum gibt es Religion? Sehr verkürzt: Weil Religion heilige Werte schafft, und mit der Anerkennung dieser Werte wird ein Grundproblem größerer Bevölkerungs-Gruppen gelöst: Zusammenhalt, Vereinheitlichung.

    Wenn das so stimmt, dann würde ich eher vermuten: Wie religiös bestimmte Bevölkerungs-Gruppen sind, hängt nicht von ihrem Bildungsgrad ab, sondern eher davon, ein wie starkes Interesse sie an Zusammenhalt und Vereinheitlichung haben, und mit welchen Mitteln sie meinen, dieses Ziel erreichen zu können (es könnte ja außer der Religion noch andere Mittel geben, z. B. Opfer-Kultur, Political Correctness, Feminismus, …)

    Das sind nur so etwas ratlose Vermutungen von mir. Tatsache ist: Es gibt massenhaft hochgebildete Leute, die trotzdem religiös sind. Es ist ein bißchen wie mit den Ärzten: Die meisten rauchen trotzdem.

    • Die religiösen im Bible Belt lassen sich aber von ihrer Religion nicht in ihre berufliche Tätigkeit reinreden.
      Und sie fordern auch keine Gesetze auf der Basis religiöser Schriften. Religion ist Gemeinschaft, aber sie gibt wenig vor und spielt wenig ins Leben hinein bei den meisten

    • @Jochen
      „Ich möchte mich natürlich nicht mit Rolf Degen anlegen – bin aber dennoch skeptisch.“

      Teile die Skepsis voll und ganz. Aber Herr Degen schränkt „Bildung“ durch das kleine, aber feine „formal“ ein, um klarzumachen, dass es sich um „weltanschaulich neutrale“ Bildung handlet, bzw um Bildung, wie wir sie als „ideologiefrei“ und „unzweckhaft“ verstehen.
      „Bildung“ als solche wäre eben auch 20 Jahre den Koran und all die anderen Schriften zu lernen und zu verinnerlichen ….
      Es kommt ganz auf die Art der Bildung an, die gemeint ist!

      Das ist alles sehr wichtig zu differenzieren, da Bildung wie eine Art Fetisch und Allheilmittel hochgehalten wird, was sie sicherlich nicht ist.

  2. Warum sind dann nicht wenige islamische Fanatiker so gut ausgebildet? Ich glaube nicht, dass Bildung das Allheilmittel ist. Die Korrelation hier könnte sich vielleicht auf das andere Umfeld zurückführen lassen. In „gebildeten“ Kreisen ist es eben uncool religiös zu sein.

  3. Der Aberglaube reduziert sich mit zunehmender Bildung, das glaube ich auch. Das hat aber nur ganz bedingt mit Religion zu tun, auch wenn der Hausherr hier eine andere Meinung hat. Was sich ändert ist das Gottesbild. Aber das passiert in der Regel ohnehin mit dem Erwachsenwerden.

    Ich denke, eigentlich passiert gerade das Gegenteil: Glaubenssysteme haben zur Zeit gerade in Bildungskreisen Konjunktur oder wie erklärt Ihr Euch Genderwissenschaften oder SJW?

    • Da herrschen noch ganz andere Glaubenssysteme. Man kann fast behaupten, dass die Gebildeten besonders anfällig für Glaubenssysteme aller Art sind.
      Zum heutigen Glaubenssystem gehört unbedingt „Feminismus“ dazu, um die Überlegenheit einer besonderen Sorte zu zelebrieren. Man darf ja nicht vergessen, dass die Frauensymbolbilder auch absolute Menschenbilder sind, im Zeitalter des Narzissmus. So sieht sich die gesamte Kultur selbst ;).
      Es ist überaus spannend die Entwicklungsgeschichte dieser Glaubenssysteme zu verfolgen.

    • Aberglaube ist das Annehmen einer Kausalität ohne nähere Begründung aufgrund von übergewichteten Zufallsereignissen im eigenen Leben (z.B. „Immer wenn auf der Fahrt zur Arbeit Kanninchen über den Radweg hoppeln, steigt die Börse an diesem Tag!“) Mancher Aberglaube verstetigt sich und wird tradiert (z.B. der Hexenglaube in Mitteleuropa).

      Religion ist die Vorgabe von sozialen Verhaltensregeln durch das Annehmen einer (unbegründeten?) Kausalität aufgrund von generationenübergreifender Erfahrung, die in einer Erzählung codifiziert ist.

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