Normalverteilungen, Unterschiede im Schnitt und das fehlende Verständnis dafür

Inzwischen wurde der Ersteller des Manifestos von Google gefeuert. Aber es gibt auch immerhin eine vollständige Version seines Manifests, hier auch in deutscher Übersetzung, in der diesmal die Grafiken enthalten sind. Sie ist hier abgebildet:

Ich finde es unglaublich, dass eine solche Grafik, die ganz deutlich macht, dass er nicht von absoluten Unterschieden ausgeht, herausgenommen worden ist. Natürlich: Mit dieser Grafik wäre ein Entstellen seiner Meinung noch schwieriger gewesen. Viel Text wird vielleicht nicht gelesen, aber eine solche Grafik fällt sofort ins Auge.

Es ist erschreckend, wie verzerrt die Darstellung in den Medien ist. Die meisten der Journalisten scheinen nur Artikel über das Manifest gelesen zu haben. Sie lesen noch nicht einmal eine leicht zugängliche Primärquelle oder recherchieren etwas, warum jemand so etwas schreiben könnte und ob das in der Wissenschaft vertreten wird.

Sehr gut macht das der direkte Vergleich eines Textes über den Text mit dem Text selbst deutlich:

Auch die Süddeutsche führt an, dass er Frauen Fähigkeiten abspricht, während im Orignaltext eine Grafik verlinkt war, die das genaue Gegenteil deutlich macht: Er meint, dass sowohl bestimmte Männer als auch bestimmte Frauen geringere Fähigkeitsausprägungen in bestimmten Bereichen haben, aber etwas mehr Frauen als Männer, während durchaus viele Männer und Frauen hinreichend hohe Fähigkeitsausprägungen in dem Bereich haben, aber eben mehr Männer, da er eben von Normalverteilungen ausgeht, die sich teilweise überlappen, aber verschobene Mittelwerte haben.

Was einen auch zu dem alten Problem bringt, dass „im Schnitt“ anscheinend etwas ist, was sehr schwer zugänglich ist.

Ich hatte schon Artikel dazu:

Wenn den Leuten klar werden würde, was in diesem Sinne „im Schnitt“ bedeutet, insbesondere bei einer Normalverteilung, dann wäre viel gewonnen.

Der Doktorant tweetet dazu

Es ist interessant, dass uns dieses Denken so schwer fällt. Unser Gehirn scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, generelle Eigenschaften abzuspeichern und persönliche konkreten Personen zuzuordnen als sich eine solche Verteilung vorzustellen.

Advertisements

68 Gedanken zu “Normalverteilungen, Unterschiede im Schnitt und das fehlende Verständnis dafür

  1. Wichtigste Erkenntnis aus Kahnemanns „Thinking Fast and Slow“: Menschen haben KEINE Intuition bezüglich Wahrscheinlichkeiten.

    Wann immer es um Wahrscheinlichkeit geht, kommen Heuristiken zum Zuge, die letztlich nichts mit Wahrscheinlichkeit zu tun haben. Zum Beispiel: Statt der Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass eine beliebige Frau in der Lage ist, einen Auutoreifen zu wechseln?“ beantwortet der normale Mensch die Frage „Wie lange muss ich grübeln, bevor mir eine konkrete Frau aus meinem Bekanntenkreis einfällt, der ich das zutraue“

    Ein guter Beleg für diesen Umstand ist m.E. Miria, die unermüdlich Normalverteilungen mit einem „Ja, aber: ich..“ zu widerlegen sucht. Ihr fällt nämlich immer SOFORT ein Beispiel ein.

    Tl;dr: Das Verständnis von Normalverteilungen muss man erst LERNEN. In der Schule wird das nicht gelehrt. Und wenn man dann noch kein Talent für das Thema hat, dann wird man halt Feminist oder Journalist.

    • „Unser Gehirn scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, generelle Eigenschaften abzuspeichern und persönliche konkreten Personen zuzuordnen als sich eine solche Verteilung vorzustellen.“

      Tja, am Ende eines Denkprozesses sollte doch eine Erkenntnis stehen. Da ist evolutionär gesehen eine falsche Erkenntnis vermutlich besser als gar keine, weil sich aus einer falschen Erkenntnis heraus zumindest ein Handlungsauftrag / ein geplantes Vorgehen entwickeln lässt.

      Denn die Alternative wäre meistens, den Denkprozess mangels belastbarer Daten abzubrechen und zu sagen: „ich kann es nicht so genau wissen.“

      Ich seh den Steinzeitmenschen gerade vor mir, der ewig grübelt, schließlich seufzt und mit den Schultern zuckt, während andere längst zur Tat geschritten sind.

      • Denn die Alternative wäre meistens, den Denkprozess mangels belastbarer Daten abzubrechen und zu sagen: „ich kann es nicht so genau wissen.“

        Nachtrag: dabei ist genau das natürlich auch ein Ergebnis, sogar ein richtiges. Dabei aber eben keines, dass dabei hilft sich in der physischen Welt besser orientieren zu können oder Entscheidungen zu treffen.

      • „angesprochen“

        Das scheint mir der Punkt.
        Wer außer den Nerds hat nach dem „Ansprechen“ so lange drüber nachgedacht, dass er den Unterschied zwischen den beiden Diagrammen oben in sein Unterbewusstes gekriegt hat?

        Wenn mehr als 95% aller Schulabgänger unter „Im Schnitt sind Frauen so und Männer so“ diese Interpretation im Kopf haben:

        und nicht diese:

        dann läuft das für mich unter „Das wird in der Schule nicht gelehrt“, was auch immer im Lehrplan steht.

        • „Wenn mehr als 95% aller Schulabgänger unter „Im Schnitt sind Frauen so und Männer so“ diese Interpretation im Kopf haben“

          Glaubst du wirklich dass der Großteil der Menschen so beschränkt ist? Ich weiß nicht… Ich denke die meisten haben keine Problem, den Sinn der Aussage „Männer sind im Schnitt 1,80m, Frauen im Schnitt 1,60m“ zu erfassen. Und zwar im richtigen statistischen Sinn, d.h. sie gehen selbstverständlich davon aus in Wirklichkeit verhält es sich so wie auf der 2. Grafik, NICHT wie auf der ersten. Diese Selbstverständlichkeit kommt daher, dass man nur mal 5 Minuten auf die Straße zu gehen braucht, um Männer mit verschiedenen (!!!) Körpergrößen von 1,60m bis 2,00m zu sehen. Der Sinn der Aussage „Männer sind im Schnitt 1,80m“ erschließt sich somit völlig natürlich im Sinne der zweiten Grafik.

          • „Glaubst du wirklich dass der Großteil der Menschen so beschränkt ist? “

            Ja. Absolut. Die meisten intelligenten Menschen, die ich kenne (Ha! Heuristik, ick hör dir trapsen), würden vielleicht auf das zweite Diagramm kommen, wenn man sie zwingt, drüber nachzudenken.

            „sie gehen selbstverständlich davon aus in Wirklichkeit verhält es sich so wie auf der 2. Grafik, NICHT wie auf der ersten“

            Da bist du m.E. zu optimistisch.
            Die normale Reaktion ist „Ja, Frauen sind kleiner.“
            Und dann, irgendwann später, kommt (von selbst oder anderen) der Einwand: „Aber was ist mit Tanta Tanja? Die ist 1,80m“ mit der Reaktion: „Ja, OK, es gibt vielleicht Ausnahmen.“
            Eine gaußsche Glocke erscheint aber nicht ein einziges Mal vor dem geistigen Auge.

          • „Da bist du m.E. zu optimistisch.“

            Ja, das mag sein.

            „Die normale Reaktion ist “Ja, Frauen sind kleiner.”
            Und dann, irgendwann später, kommt (von selbst oder anderen) der Einwand: “Aber was ist mit Tanta Tanja? Die ist 1,80m” mit der Reaktion: “Ja, OK, es gibt vielleicht Ausnahmen.”“

            Das ist doch eigentlich recht vernünftig, oder? Ich denke, der springende Punkt hierbei ist folgender:

            „Eine gaußsche Glocke erscheint aber nicht ein einziges Mal vor dem geistigen Auge.“

            Genau das ist aus meiner Sicht auch gar nicht nötig. Wenn man in der Lage ist, die Realität wahrzunehmen, sich vernünftig darin zu bewegen, und ev. ein paar krude Heuristiken und Regeln daraus abzuleiten, dann BRAUCHT man die Glockenkurve nicht verstanden zu haben. Zumindest nicht für das normale tägliche Leben.

            „Diese Aussage hat eigentlich nichts mit Statistik zu tun.
            Es ist lediglich eine funktionierende Ersatzantwort.“

            Der entscheidende Punkt ist nicht ob die Antwort etwas mit Statistik zu tun hat oder ob es eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten ist. Der entscheidende Punkt ist, ob die Antwort FUNKTIONIERT. Wenn es funktioniert, ist es eine gute Antwort. Es gibt keinen Grund, das als Ersatzantwort zu bezeichnen, als wäre es irgendwie unvollständig oder minderwertig.

            Natürlich ist es auch sinnvoll, nach dem Grund WARUM es funktioniert zu suchen. Aber was ich heute vielfach beobachte ist gewissermaßen eine Umkehrung der Prioritäten: Zuerst muss das Warum geklärt werden, wissenschaftliche Abhandlungen, Erklärungen mit allem Pipapo. Der ganze Streit dreht sich doch einzig darum, was „wissenschaftlich richtig“ ist. Die Frage, ob es in der Realität funktioniert, ob es für Otto Normalverbraucher NÜTTZLICH ist, rangiert irgendwo ganz weit hinten.

            Aus meiner Sicht wäre ein vernünftiger Ansatz, diese verkehrten Prioritäten wieder zurechtzurücken: Wichtig ist zuerst die Frage, ob etwas funktioniert. Das kann auch eine Heuristik sein, solange die Heuristik stimmt ist das überhaupt kein Grund sie abzuwerten. Dann, wenn man Zeit und Muße hat, kann man versuchen herauszufinden warum die Heuristik funktioniert.

            Machine Learning macht genau das: Es lernt Zusammenhänge (Korrelationen) in einem riesigen Datenberg. Keine Erklärung, nur Korrelationen. Nur Heuristik, einfache Daumenregeln. Und siehe da, die Ergebnisse sind quer durch die Bank WESENTLICH besser als alle Expertensysteme, welche auf komplizierten Modellen und Kausalitätsverknüpfungen beruhen.

          • „Der entscheidende Punkt ist nicht ob die Antwort etwas mit Statistik zu tun hat oder ob es eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten ist. Der entscheidende Punkt ist, ob die Antwort FUNKTIONIERT.“

            Damit sind wir am Ausgangspunkt: Es gibt massenweise Leute, die die Aussagen im Google-Memo nicht verstanden haben, eben weil sie im Denken mit Glockenkurven keine Übung haben.
            Für all diese Leute funktionieren die hier genannten Heuristiken NICHT.

            Eben, weil es keine statistische Intuition gibt, sondern nur Ersatz-Heuristiken, die bei abstrakten Sachverhalten versagen.

          • „Damit sind wir am Ausgangspunkt: Es gibt massenweise Leute, die die Aussagen im Google-Memo nicht verstanden haben, eben weil sie im Denken mit Glockenkurven keine Übung haben.“

            M.M.n. verhält es eher so, wie Carnofis unten schreibt: Diese Leute wollen die Aussage bewusst verzerrt bzw. falsch verstehen. Daran ändert auch das Verständnis oder Nicht-Verständnis von Normalverteilungen nichts, das ist größtenteils eine bewusste Entscheidung. Meinetwegen beeinflusst durch übertriebene PC, das wäre zu untersuchen.

            „Für all diese Leute funktionieren die hier genannten Heuristiken NICHT.“

            Ob eine Heuristik funktioniert zeigt sich an der Realität, nicht daran was die Menschen beschließen zu glauben. Das ist ja gerade das Problem der radikalen Gender-Ideologie: Die dumme Wirklichkeit will sich partout nicht den Glaubenssätzen beugen. Das geht solange gut bis einer ruft „Der Kaiser hat ja gar nichts an!“. Dann folgt der unvermeidliche Crash beim Zusammenstoß mit der wirklichen Welt.

            Die Heuristik funktioniert, aber manche Leute ziehen es vor diese Tatsache zu leugnen. Es kann nicht sein was nicht sein darf.

        • „Ich denke die meisten haben keine Problem, den Sinn der Aussage „Männer sind im Schnitt 1,80m, Frauen im Schnitt 1,60m“ zu erfassen.“

          Bin Deiner Meinung.
          Statistische Verteilungen und der Umgang mit ihnen ist gelebter Alltag.
          Wenn ich ein bestimmtes Produkt kaufen will, dann gehe ich in ein Geschäft, in dem ich es am wahrscheinlichsten erwarte und klapper nicht alle Läden ab, die potentiell in Frage kommen.
          Ein erfahrener Pilzsammler kann einem Wald schon vom Weiten ansehen, ob es sich lohnt, in ihm zu suchen. Welche Kriterien er dabei zugrunde legt, würde er wahrscheinlich nicht einmal erklären können.

          Falschinterpretationen von Normalverteilungen, wenn es um Genderfragen geht, halte ich für vorsätzlich und politisch gewollt, wenn sie nicht PC sind.
          Deshalb wird ja auch in den Vorwürfen immer wieder betont, der Beschuldigte habe behauptet „Frauen können nicht …“ und nicht wahrheitsgemäß „Frauen können weniger häufig, …“

        • „Statistische Verteilungen und der Umgang mit ihnen ist gelebter Alltag.“

          Indem du Heuristiken verwendest, die nicht wirklich über Wahrscheinlichkeiten Aussagen treffen.
          Ein Pilzesammler sieht einen Wald mit Eigenschaften, die seinen Mustererkenner triggern oder eben nicht.
          Er kann nicht sagen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Wald mehr als 100 Pfifferlinge wachsen, ist 0,27“ Stattdessen sag er: „In Wäldern, die so ähnlich aussehen wie dieser, habe ich in der Vergangenheit viele Pfifferlinge gefunden.“
          Diese Aussage hat eigentlich nichts mit Statistik zu tun.
          Es ist lediglich eine funktionierende Ersatzantwort.

          Wirklich, lest „Thinking Fast and Slow“
          Pflichtlektüre, meines Erachtens.

        • „Indem du Heuristiken verwendest, die nicht wirklich über Wahrscheinlichkeiten Aussagen treffen.“

          Mir geht es nicht um die Fähigkeit, Statistiken exakt lesen und interpretieren zu können.
          Ich wollte nur belegen, dass Menschen auch mit Hauptschulbildung sehr wohl intuitiv in der Lage sind, Wahrscheinlichkeiten nicht als ausschließende Eigenschaften zu lesen, wie uns einige Medien suggerieren wollen.

        • „Glaubst du wirklich dass der Großteil der Menschen so beschränkt ist? “
          Oh ja, selbst der Großteil der studierten Menschen ist so beschränkt und praktisch alle Ideologen. Journalisten sind übrigens besonders beschränkt, jedenfalls wenn es keine Quereinsteiger aus einem MINT Fach sind.
          Das Problem ist, dass das Gehirn einen denkenden und einen beweisenden Teil hat. Was der Denker denkt will der Beweisführer beweisen. Wenn jemand also glaubt, dass alle Frauen 21% weniger verdienen, dann wird er auch die Beweise dafür finden. Die gegenteiligen Beweise werden einfach nicht zur Kenntnis genommen. Sehr schön wird dies in dem Buch „der neue Prometheus“ von R.A. Wilson beschrieben. Dein Glaube erschafft deine Realität und wenn du glaubst, dass 2+2=5 ist, dann ist das so. Keiner kann dich davon abbringen, weswegen Glaube auch so mörderisch gefährlich werden kann.
          Wir sind halt immer noch primitive Affen denen die Haare ausgefallen sind und die nun in einer High-Tech Welt leben. Ohne genetische Aufwertung wird uns nur die Hoffnung auf eine echte KI bleiben welche das Erbe der Menschheit antreten kann.

      • „Ich wollte nur belegen, dass Menschen auch mit Hauptschulbildung sehr wohl intuitiv in der Lage sind, Wahrscheinlichkeiten nicht als ausschließende Eigenschaften zu lesen, wie uns einige Medien suggerieren wollen.“

        Dieses intuitive Verständnis ist aber eng an die Erfahrung der Hauptschüler gekoppelt. Sie wissen ja aus eigener Anschauung, dass Männer im Schnitt größer sind als Frauen.

        • Ja natürlich. Jede Daumenregel bzw. Heuristik entsteht aus Beobachtung und Erfahrung. Das ist der Grund, warum die Weisheit älterer Leute seit Jahrtausenden hoch geschätzt wird.

      • „Glaubst du wirklich dass der Großteil der Menschen so beschränkt ist? “

        Definitiv, da bin ich ganz bei „only_me“.

        Dem menschlichen Geist merkt man seine evolutionäre Formung buchstäblich an, es gibt nur sehr wenige, die sich intellektuell daraus befreien können. Ich sehe das durchaus auch als Schulversagen…

        Auch auffällig: das vollkommene Ignorieren, von langsam aber permanent ansteigender Gefahr (Frosch auf der Herdplatte-Symptom). Solange nicht akut eine Schwelle überschritten wird, kann man immer weiter machen, die Menschen gewöhnen sich schneller, als sie die Änderung wahrnehmen. Erst wenn es unerträglich wird, reagieren sie, aber dann kann es längst zu spät sein. Egal ob bei globaler Erwärmung, Überbevölkerung oder Islamisierung…

    • Es ist noch viel schlimmer: Selbst WENN man den Umgang mit Normalverteilungen gelernt hat, heißt das noch lange nicht dass man die Konzepte in der wissenschaftlichen Forschung richtig verwendet. Die missbräuchliche Verwendung von p-values ist einer der Gründe für den erschreckenden Befund, dass nur ~35% (hab die genaue Zahl nicht im Kopf) von Studien die in Top-Journals veröffentlicht wurden replizierbar sind. Und von diesen 35% zeigen wiederum nur 10% denselben EFFEKT wie in der Originalstudie behauptet.

      https://en.wikipedia.org/wiki/Misunderstandings_of_p-values

      Das betrifft auch viele (evo)psych Studien: p-values sind NICHT für Inferenz geeignet, d.h. p-values können nicht dafür verwendet werden um zu entscheiden (klassifizieren), ob eine Hypothese wahr oder falsch ist. Quasi jede Studie, welche „statistische Signifikanz“ anhand von p-values behauptet, tut aber genau das.

      In vielen Fällen des praktischen Lebens sind Heuristiken wesentlich besser geeignet. Die liefern zwar keine Erklärung, funktionieren aber wenigstens meistens.

    • Ein guter Beleg für diesen Umstand ist m.E. Miria, die unermüdlich Normalverteilungen mit einem „Ja, aber: ich..“ zu widerlegen sucht. Ihr fällt nämlich immer SOFORT ein Beispiel ein.

      • Sehr schoen. Um bei den Koerpergroessen zu bleiben:
        A sagt: Maenner sind im Schnitt groesser als Frauen.
        B versteht: Maenner sind groesser als Frauen. Denkt sich, ok stimmt ja meistens.
        C versteht: Alle Maenner sind groesser als alle Frauen. Fuehlt sich getriggert und muss seiner Ignoranz mit #notall Ausdruck verleihen.
        Ist einfach confirmation bias, wobei man bei einer Aussage das einblendet was einem passt, oder das ausblendet was einem nicht passt.

    • „Das Verständnis von Normalverteilungen muss man erst LERNEN. In der Schule wird das nicht gelehrt. Und wenn man dann noch kein Talent für das Thema hat, dann wird man halt Feminist oder Journalist.“

      Die allermeisten Menschen bevorzugen intuitiv die eigene Erfahrung zur Klärung abstrakt-statistischer Sachverhalte. Warum gibt es aber auch manche, die nicht so denken und denen bewusst ist, dass sie ihr eigenes Erleben nicht verabsolutieren dürfen? Ich vermute, dass es sich dabei um eine Frage der Persönlichkeit bzw. des Mindsets handelt. Da sind die Möglichkeiten der Schule begrenzt.

  2. „Das Verständnis von Normalverteilungen muss man erst LERNEN.“

    Schafft aber nicht jeder (auch nicht jedes männliche Wesen…). Erst recht konfus ist das Thema für Anfänger und Otto Normalverbraucher, weil die Normalverteilungen i.d.R. als Dichtefunktion dargestellt wird und nicht als Verteilungsfunktion und umgangssprachlich die Dichtefunktion meist als Häufigkeitsverteilung bezeichnet wird, insb. bei klassierten Daten. Das sind eigentlich nur didaktische Hindernisse, aber daran scheitern viele glaube ich endgültig.

    „In der Schule wird das nicht gelehrt.“
    In der Oberstufe wird das in der Mathematik durchaus gelehrt, zwar eher in Leistungskursen, aber immerhin. Was davon hängen bleibt und 2 Jahre später noch bekannt ist, ist eine andere Frage.

    • „(auch nicht jedes männliche Wesen…)“

      Kurios, dass das immer wieder, auch hier, betont werden muss. Natürlich gibt es auch viele männliche Wesen (mir fällt grad Kemper ein 😉 , die das nicht begreifen können.

    • „Schafft aber nicht jeder (auch nicht jedes männliche Wesen…).“

      Ich denke, dass wir es hier auch mit einem psychologischen Phänomen zu tun haben. Wenn wir uns die beiden Glockenkurven oben ansehen, dann vergleichen wir die eine Linie an beliebiger Stelle intuitiv mit dem nächtgelegenen Punkt der anderen Linie. Das ist bei dicht nebeneinander liegenden Kurven meistens ein Punkt rechts vom betrachteten, obwohl der richtige Vergleichspunkt natürlich senkrecht unter dem betrachteten liegt.
      Im intuitiven Fall liegen die Punkte dicht beieinander, im korrekten Fall können sie sehr weit auseinander liegen.
      Passiert auch mir jedesmal, wenn ich solche Kurven vergleiche, obwohl ich im Lesen dieser Graphiken geschult bin.

    • „Das Verständnis von Normalverteilungen muss man erst LERNEN.“
      Setzt aber voraus, daß man das Konzept einer Zufallsvariablen verstanden hat: Nämlich daß diese „verallgemeinerte Zahlen“ sind, die bestimmte Werte aus einem Wertebereich mit einer bestimmten normierten Maßzahl (der Wahrscheinlichkeit) annehmen.
      Wenn wir also über Gewicht reden, das einer hat, so sprechen wir davon, daß die Zufallsvariable Gewicht G, die Werte bis zu einem konkreten Gewicht von g mit einer Wahrscheinlichkeit von P(G<g) annehmen, sich zu dem beobachteten Gewicht realisieren.
      Wenn die Verteilung einigermaßen vernünftig ist, kann man von einer "verallgemeinerten Zahl" sprechen, die einen Mittelwert und eine Verianz hat (aber vorsicht es gibt Zufallsgrößen mit Verteilungen, die noch nicht einmal einen Erwartungswert besitzen -Cauchy Verteilung- was empirisch zur Folge hat, daß der Mittelwert mit wachsendem Stichprobenumfang beliebige Werte annimmt.)
      Während aber der Umgang mit Normalverteilungen einigermaßen intuitiv ist scheitert das induitive Denken schon an der Tatsache, daß die Erwartungswerte einer Verweildauerverteilung wie die Exponentialverteilung nicht davon Abhängt, wie lange man wartet, sondern unabhängig von der Wartezeit sind.

  3. Wenn den Leuten klar werden würde, was in diesem Sinne „im Schnitt“ bedeutet, insbesondere bei einer Normalverteilung, dann wäre viel gewonnen.

    Ich bevorzuge ja die Bezeichnung „im statistischen Mittel“, habe aber auch keine Lust, das bei jeder noch so selbstverständlichen Aussage jedesmal mitzuerklären.

    Leider reduzieren sehr viele Leute Aussagen alleine auf den Mittelwert, und verallgemeinern diesen auf alle Individuen, ohne Varianzen zu berücksichtigen.
    Außerdem verstehen sie nicht, dass statistische Ausreißer die eigentlichen Aussagen nicht widerlegen, sondern lediglich Ausdruck von Individualität sind.

  4. Ist wohl wieder ein Fall von Journalismus mit Haltung, oder wie man es früher nannte: Propaganda

    Wer den Medien heute noch traut, ist schlicht ein Idiot. Selbst die simpelsten Dinge bekommen viele Journalisten nicht vernünftig hin.

      • Hihi, wohl wahr, wohl wahr.

        Allerdings gab es früher tatsächlich Journalisten, die auch was drauf hatten, einigermaßen neutral blieben und nicht auf Twitter-Niveau schrieben und sich auch nicht nur dort informierten. Heute schreiben die in unabhängigen Blogs…

  5. Ich denke, es sollte eigentlich einem immer deutlicher und klarer werden, dass wir es mit Medien zu tun haben, die nicht mehr informieren, sondern politische Ziele verfolgen.. Es ist daher völlig egal, was passiert, weil die Medien es immer so entstellen werden, dass die politische Propaganda betrieben wird. Sei es im Feminismus, sei es gegen Trump, sei es gegen die AfD, sei es gegen Putin, … Es sind nur noch Meinungsmanipulationsmedien und wer sich nicht einmal die Mühe macht, auch die Gegenposition mal verstehen zu wollen, der wird halt völlig verblödet.

    Ich gehe davon aus, dass – wie Ulfkotte es ja auch mal berichtet hatte -, dass viele der politischen Berichte in den Medien im Prinzip von den Geheimdiensten vorgeschrieben und in den Mainstreamzeitungen plaziert werden. Er beschrieb das ja so, dass es für alle angenehm erschien. Für den BND, weil diese ihre Propaganda unter das Volk bringen konnten, für den Journalist, weil er für den Artikel nicht arbeiten brauchte und für die Zeitung, weil diese dadurch gute Kontakte zu den Regierenden hatte.

    Und so wäre dann auch zu erklären, warum die Medien so flächendeckend die gleiche politische Propaganda unter das Volk bringen bzw. die gleichen Fehler machen.

  6. Es ist interessant, dass uns dieses Denken so schwer fällt. Unser Gehirn scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, generelle Eigenschaften abzuspeichern und persönliche konkreten Personen zuzuordnen als sich eine solche Verteilung vorzustellen.

    Das mag bei manchen so sein. Allerdings gibt es eine Menge Leute, die es falsch verstehen wollen und in jeder kritischen Meinung lediglich ihre Vorurteile bestätigt finden wollen. Und dann gibt es eine Menge Opportunisten, die keine Gelegenheit auslassen, ihre Tugendhaftigkeit zu demonstrieren.

    Der CEO Sundar Pichai aber weiss ganz genau, was eine Normalverteilung ist. Er hat ganz sicher den notwendigen mathematischen Background und hätte, wenn er denn Eier in der Hose hätte, die Fehlinterpretationen richtig stellen können. Stattdessen hat er in den diffamierenden Chor eingestimmt. Ganz schwach.

    • „Und dann gibt es eine Menge Opportunisten, die keine Gelegenheit auslassen, ihre Tugendhaftigkeit zu demonstrieren.“

      Ich frage mich häufig, ob so viele Menschen kalt kalkulierende Opportunisten sein können – oder ob das nicht vielmehr emotionale Denker sind, für die Dazugehören, Nicht-Anecken und Zu-Den-Guten-Gehören einfach die bestimmenden Parameter sind und für die es sich ganz natürlich anfühlt, nach diesen zu handeln.

      Hab mal mit Schoppe auf mantau darüber diskutiert. Schoppe würde ich jetzt nicht bei den emotionalen Denkern einordnen. Und doch gab er auf Nachfrage frei zu bekennen, für ihn sei es wichtig, zu den Guten zu gehören. Für mich ist das in einer so komplexen Welt der Grautöne einfach kein Maßstab. Die echte Welt ist doch nicht StarWars, herrje …

      Zu den Guten gehören zu wollen ist wohl Teil menschlicher sozialer Dynamik. Daher meine These: Schulbildung über Normalverteilung würde auch nicht helfen. Am Ende siegt ja doch Emotionalität über Sachlichkeit …

      Schulbildung … ihr seid aber heute auch mal wieder zu Scherzen aufgelegt ^^

    • @ kafü

      Ich frage mich häufig, ob so viele Menschen kalt kalkulierende Opportunisten sein können – oder ob das nicht vielmehr emotionale Denker sind, für die Dazugehören, Nicht-Anecken und Zu-Den-Guten-Gehören einfach die bestimmenden Parameter sind und für die es sich ganz natürlich anfühlt, nach diesen zu handeln.

      Ja, das ist eine interessante Frage. In diesem Fall wäre Opportunismus Teil der Persönlichkeitsstruktur, eine Persönlichkeitsstruktur, die dazu verleitet, sich anzupassen und Konformität zu fördern. Die extremste Manifestation solchen Verhaltens ist die Sekte. Bei den Genderisten ist der Konformitätsdruck derart ausgeprägt, so dass ich sie als Sekte qualifiziere.

  7. Es ist sicherlich wünschenswert, wenn viele Menschen sich mehr mit Normalverteilungen befassen würden.

    Aber trotzdem können die meisten Menschen m.E. auch ohne nähere Kenntnisse hierzu verstehen, was im „im Schnitt“ bedeutet. Ich denke, fast jeder erwachsene Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz kann in kognitiver Hinsicht problemlos verstehen, was „im Schnitt“ bedeutet.

    Übrigens gibt es ja auch differenzfeministische Strömungen, die davon ausgehen, dass sich Frauen und Männer im Schnitt unterscheiden, z.B. der italienische Differenzfeminismus in der Tradition Luisa Muraros (eine Feminismus-Variante, die ich aus anderen Gründen ablehne) oder der Evolutionary Feminism von Griet Vandermassen und zumindest die erstgenannte feministische Strömung ist in der innerfeministische Diskussion auch durchaus bekannt.

    Dass Journalisten bei diesem Thema inkompetenten Stuss schreiben, liegt m.E. vor allem daran, dass bei vielen Zeitungen von vornherein darauf geachtet wird, Leute einzustellen, die hinsichtlich ihrer Weltsicht bestimmten politisch korrekten Vorgaben entsprechen und dass Journalisten, die zu stark davon abweichen mit Sanktionen zu rechnen hätten.

    Die postmoderne Political Correctness wird m.E. von bestimmten Fraktionen der ökonomischen Herrschaftseliten gefördert, um die Linke mit pc-ideologischen Blödsinn zu zersetzen, sie dadurch der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, um die Linke als konstruktive politische Kraft und als wirksame Opposition gegen Herrschaft und Ausbeutung lahmzulegen, um sie durch Fixierung auf eine falsch angelegte (Anti-)Diskriminierungstheorie und auf postmodernistische Identitätspolitik von Kapitalismuskritik und ökonomischem Klassenkampf abzubringen und in ein neoliberales Spaltungsinstrument zu verwandeln, indem Menschengruppen gegeneinander ausgespielt werden und eine Teile-und herrsche-Politik im Sinne der herrschen Klasse initiiert und am Laufen gehalten wird:

    https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/11/02/gastartikel-nutzt-die-postmoderne-political-correctness-den-neoliberalen-oekonomischen-herrschaftseliten/

    Und die Parteispitzen der sogenannten linken politischen Parteien (die m.E. genauso von Superreichen und Großkapitalisten gekauft sind oder erpresst werden wie die Parteispitzen der bürgerlichen Parteien) fördern die postmoderne Political Correctness außerdem u.a., um davon abzulenken, dass sie nicht die Interessen der Arbeiterklasse (im weitesten Sinne verstanden) vertreten, sondern eine neoliberale Politik betreiben (wie die bürgerlichen Parteien auch):

    https://allesevolution.wordpress.com/2015/04/18/11989/

    Entsprechend muss man sich nicht wundern, dass viele Journalisten eben das schreiben, was den Vorgaben der ökonomischen und politischen Herrschaftseliten entspricht, denn große Teile der Presse haben in einer kapitalistischen Gesellschaft nunmal faktisch die Funktion die herrschaftsstabilisierenden Ideologien der herrschenden Klasse zu verbreiten und Journalisten werden in der Regel keine Sanktionen oder gar ihren Job riskieren, indem sie zu stark davon abweichen.

    Vor den 1970er Jahren – bis dorthin gebe ich der klassischen linken Analyse weitgehend Recht – verwendete die herrschende Klasse tendenziell primär gegen Frauen gerichteten Sexismus, gegen Nicht-Weiße gerichteten Rassismus sowie Homophobie um Widerstandspotentiale in der Bevölkerung zu spalten.

    Spätestens in den 80er Jahren setzte diesbezüglich m.E. ein Strategiewechsel ein, der in den 90er Jahren immer deutlicher wurde: Nun wird seitens der herrschenden Klasse primär versucht durch Förderung des PC-Feinbildes weißer heterosexueller Mann bzw. durch Förderung von postmodernistischer Identitätspolitik und kulturrelativistischem Multikulturalismus Spaltungen von Widerstandspotentialen in der Bevölkerung zu erzeugen, wobei die postmoderne Political Correctness wiederum Gegenreaktionen erzeugt und insbesondere auf rechter Seite z.T. auch wieder klassische Ressentiments gegen Frauen, Nicht-Weiße oder Homosexuelle aktiviert.

    Des Weiteren tendieren kulturrelativistischer Multikulturalismus und zunehmende Islamisierungsprozesse dazu die politische Rechte zu stärken, denn solange Linke, Liberale oder demokratisch-menschenrechtliche Konservative reale soziale Probleme im Zusammenhang mit der Migrations- und Integrationspolitik ignorieren, werden rechtspopulistische, rechtskonservative und rechtsradikale Kräfte damit punkten, dass sie diese Felder besetzen.

    Die Linke hat diesen Strategiewechsel der herrschenden Klasse leider nicht ausreichend mitreflektiert und dies wurde m.E. zum Einfallstor dafür, dass sich größere Teile der Linken in ein neoliberales Spaltungsinstrument verwandeln ließen.

    Die postmoderne Political Correctness funktioniert (um zum obigen Thema zurückzukommen) – ebenso wie rechte oder liberale Formen von PC, die es auch gibt – indem versucht wird argumentfreie moralisierende Diskursstrategien für politische Zwecke zu nutzen. Es geht darum irrationale Über-Ich-Funktionen zu erzeugen, Menschen ein argumentfreies „Du sollst“ und du „Du darfst nicht“ in den Kopf zu setzen, politische Gegner mittels argumentfreier negativer Zuschreibungen zu diskreditieren und negative Emotionen an Begriffe, Ideen und Konzepte zu koppeln.

    Wenn Letzteres gelingt, dann erzeugt die Erwähnung bestimmter Begriffe, Ideen und Konzepte automatisch und ohne rationale Hinterfragung negative Emotionen.
    Gelingt es also z.B., die Idee, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt pc-propagandistisch an für die meisten Menschen negative Begriffe wie „Gleichberechtigungsgegner“ und „frauenfeindlich“ zu ankern, dann wird beides automatisch als emotional miteinander verknüpft erlebt. Die rationale Reflektion kommt dann oftmals nicht zum Zug und deshalb wird das „im Schnitt“ nicht berücksichtigt und nicht, weil die meisten Menschen in kognitiver Hinsicht nicht verstehen könnten, was „im Schnitt“ bedeutet.

    Vielmehr erzeugt durch die hergestellte assoziative emotionale Koppelung von „Geschlechtsunterschieden“ mit „frauenfeindlich“ und „Gleichberechtigungsgegner“ dann bereits die Erwähnung von Geschlechtsunterschieden automatisch jene negativen Gefühle, die die Begriffe „frauenfeindlich“ und „Gleichberechtigungsgegner“ erzeugen.

    Es ist daher um diesen psychologischen Mechanismus zu durchbrechen, in entsprechenden Situationen kommunikationspragmatisch m.E. sehr sinnvoll, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Aussage sich auf den Durchschnitt bezieht und was dies bedeutet – denn die meisten Menschen können dies durchaus verstehen und müssen auf diese Erklärung hin ihren Verstand wieder einschalten.

    Selbstverständlich arbeiten Vertreter rechter Formen von PC genauso. Wenn z.B. Jordan Peterson als ein Vertreter rechter Political Correctness in einem seiner Videos im histrionisch-propagandistischen Kommunikationsstil den französische Philosophen Jaques Derrida als den gefährlichsten Menschen im 20 Jahrhundert nach Hitler, Stalin und Mao darstellt, wenn er behauptet Derrida habe eine „Philosophie des extremen Ressentiments“ vertreten, die jede Kategorisierung als unmoralisch ablehne und wenn Peterson eine falsche Darstellung z.B. von Derridas oder Foucaults philosophischen Positionen gibt, dann geht es auch hier nicht um wahrheitsorientierte Informationsvermittlung und rationale Argumentation, sondern um die manipulative Erzeugung negativer emotionaler assoziativer Koppelungen, mit denen Peterson seine Anhänger manipulieren und indoktrinieren will.

    Linke und rechte Political Correctness unterscheiden sich hinsichtlich der Nutzung solcher psychologischer Mechanismen überhaupt nicht.

      • Also aaahm als demokratischer Jakobiner empfehle ich dir, dich etwas nach links zu bewegen. Links und rechts sind Relativbezüge. Geh nach links und es gibt fast keine Linken mehr sondern nur noch Rechte und das Problem ist gelöst.

        • Werden Sie doch einfach etwas toleranter, sagte der gruene Paedophile zu den Eltern die ihn lynchen wollten.

          Das wertfreie Relativieren ist die Basis des Postmodernismus.

        • Werden Sie doch einfach etwas toleranter, sagte der gruene Paedophile zu den Eltern die ihn lynchen wollten.

          Das wertfreie Relativieren ist die Basis des Postmodernismus.

          Die Denkerpose lässt Tiefsinn vermuten!

    • Eine sehr gute Analyse. Insbesondere dies ist eine wichtige Beobachtung:

      Gelingt es also z.B., die Idee, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt pc-propagandistisch an für die meisten Menschen negative Begriffe wie „Gleichberechtigungsgegner“ und „frauenfeindlich“ zu ankern, dann wird beides automatisch als emotional miteinander verknüpft erlebt. Die rationale Reflektion kommt dann oftmals nicht zum Zug und deshalb wird das „im Schnitt“ nicht berücksichtigt und nicht, weil die meisten Menschen in kognitiver Hinsicht nicht verstehen könnten, was „im Schnitt“ bedeutet.

      Das entscheidende für diesen Mechanismus ist aber, dass die Bereitschaft bereits besteht oder geschaffen wird, nicht rational sondern emotional zu denken. Dies überhaupt zu bewerkstelligen, ist die eigentliche Manipulation.

      Und hier sehe ich Unterschieden zwischen „klassischen Rechten“ und der Neo-Linken. Die klassischen Rechten haben zwar immer auch mit oftmals irrationalen Ängsten und anderen Emotionalitäten gearbeitet, in dem sie sich diese nutzbar gemacht haben. Aber sie mussten dafür diese Emotionalitäten jeweils schon vorfinden. Vor der Nutzbarmachung durch die Rechten konnten diese Ängste vielleicht nicht artikuliert werden, jedenfalls nicht öffentlich. Aber die Angst (etwa vor Zuwanderung) ist fast immer schon vorher da. Zumindest aber ist die Bereitschaft ein Thema emotional zu behandeln schon vorher da.

      Die Neo-Linke geht hier einen Schritt weiter. Indem die Vorstellungen vom Guten in der postmodernen Political Correctness aus so vielen Selbstwidersprüchen und Irrationalitäten bestehen, ist es überhaupt nicht mehr möglich auf rationalem Wege einer von den Guten zu sein. Feministische Allies kennen das Problem und feministische Äußerungen zum Umgang mit Allies verdeutlichen das Programm. Die moralischen Imperative der postmodernen Political Correctness (und des Feminismus erst recht) sind bei Licht betrachtet typische Double Binds, denen gerecht zu werden schlicht nicht möglich ist.
      Die Konsequenz daraus ist aber die Abwendung von der rationalen Betrachtung, die dieses Problem nicht lösen kann und die Hinwendung zu einer emotionalen Betrachtung, die mit diesen Selbstwidersprüchlichkeiten kein Problem hat. Es handelt sich letztlich um einen ähnlichen Mechanismus wie bei dem in PUA-Kreisen Betaisierung genannten Vorgang. Damit erzeugen die Neo-Linken aber erst die Abwendung vom Rationalen und hin zum Emotionalen, was ich in der Form bei den „klassischen Rechten“ nicht finde.

      • Das entscheidende für diesen Mechanismus ist aber, dass die Bereitschaft bereits besteht oder geschaffen wird, nicht rational sondern emotional zu denken. Dies überhaupt zu bewerkstelligen, ist die eigentliche Manipulation.

        Ich frage mich manchmal, ob das mit einem Prestigeverlust der Wissenschaften zu tun hat. Oder eine Art Vertrauensverlust durch zunehmende Komplexität.

        • „Ich frage mich manchmal, ob das mit einem Prestigeverlust der Wissenschaften zu tun hat. Oder eine Art Vertrauensverlust durch zunehmende Komplexität.“

          JA!

          Wer kann denn schon die globale Erwärmung nachvollziehen, ob der Irak Massenvernichtungswaffen hat oder ob ein Joint gesundheitsgefährlich ist? So gut wie NIEMAND. Letztlich muss man GLAUBEN. GLAUBEN, dass Experte X mehr Recht hat, als Experte Y, dass er aufrichtiger und erfahrener ist. Wurde dieser GLAUBE mehrmals vermeintlich missbraucht oder der ausgewählte Experte irrte, glaubt man eben nicht mehr.

          Wissen versteckt sich in überkomplexen Studien und Wahrscheinlichkeiten und die Wissenschaftler sind in der Interpretation oft selbst nicht einig. Kommt dann noch eine Lobby dazu und verwirrt mit „alternativen“ Versionen (was so gut wie immer der Fall ist), ist es ganz aus. Die Schlaueren finden einen wahrscheinlichen Weg, auf Basis von Plausibilitäten, durch das Dickicht, aber selbst die sind sich meist nicht sicher.

          Die Dümmeren glauben einfach das, was ihnen gefällt, egal wie blödsinnig und widersprüchlich es ist.

          Und Letzteres haben zu allem Übel sämtliche Werbefachleute und Propagandisten längst realisiert und nutzen es perfekt aus. An diesem Punkt befindet sich unsere Zivilisation!

    • @kafü
      Die Frage bleibt aber was die herrschende Klasse von dieser Spaltung hat? In Japan hat der ganze traditionelle Quatsch dazu geführt, dass 60% einer Generation zu Grassessern geworden ist welche weder konsumieren, noch arbeiten, noch sich vermehren. In den USA geht es in eine ähnliche Richtung – immer weniger wollen überhaupt noch etwas mit dem anderen Geschlecht zu tun haben was zu einem geringeren Absatz an Statussymbolen führt. Hierzulande ist es noch nicht so weit aber wenn die Feministen so weitermachen werden auch hier immer mehr Leute keine Lust mehr auf das andere Geschlecht haben, was dann auch zu massiven Veränderungen führt. Es muss ja noch nicht mal so weit gehen, dass alle plötzlich zu MGTOW werden, selbst 10% der männlichen Bevölkerung würden schon dafür sorgen können, dass Deutschland deutlich schlechter da steht als bisher. 10% Männer die weniger arbeiten und weniger Konsumieren machen den Unterschied zwischen -0,5% und +0,5% Wirtschaftswachstum aus. Nicht viel aber für unsere Bonzen ZU viel.
      Also stellt sich doch die Frage: Was nützt es ihnen?

      • „Was nützt es ihnen?“

        An dieser Stelle kann man zwei Wege gehen:

        a) es steckt niemand dahinter, eine natürliche Fehlentwicklung

        b) man erweitert seine VT um diesen Fakt und gleicht ihn mit der Tatsache ab, dass anderen fruchtbareren (aber wenig erfolgreichen) Ethnien gerade der Weg hierher geebnet wird

  8. Ich glaube nicht, dass es hier wirklich am mangelnden logischen Verständnis liegt. Ansonsten müsste es es das gleiche Verständnisproblem damit geben, dass im Sportunterricht die Leistungen von Mädchen und Jungen unterschiedlich bewertet werden.

    Überdies werden ja auch keine Quoten bei den Scheißjobs gefordert.

    Es geht hier letztlich nur um Virtue Signalling und Politcal Correctness. Dafür werden auch die absurdesten Widersprüche und Lügen in Kauf genommen.

    Interessant fand ich, wie Cassie Jaye von ihrer eigenen feministischen Wahrnehmungsverzerrung berichtete.

    Ab Minute 9 nennt sie 3 konkrete Beispiele, wie sie beim Interviewen von Männerrechtlern oft etwas ganz anderes zu hören glaubte als sie tatsächlich sagten:

    a Mens Rights Activist would say, „There are over 2000 domestic violence shelters for women in the US, and only one for men. Yet most of all studies show that man are just as likely to be abused by an intimate partner.“ I would hear them say, „We don’t need 2000 shelters for women, they are lying about being abused, it’s all a scam.“
    […]
    Mens Rights Activists would say, „Where is justice for the man who is falsely accused of raping a woman and because of his accusation he loses his college scholarship and is branded with the inescapable title of rapist?“ I would hear, „A woman being raped isn’t a big deal.“ It’s as if I didn’t hear the word „falsely accused of rape“, I only [?], „He was accused of rape.“
    […]
    A Mens Rights Activist would say, „Female genital mutilation is outlawed in most countries throughout the world yet infant male genital mutilation, also known as circumcision, is routinely practiced and rarely questioned.“ I would honestly think they said, „Female genital mutilation should be legal too.“
    This is so far beyond what they said –
    why was I doing this? I was assuming the absolute worst in that because I thought they were my enemy.

    Dann beschreibt sie, dass sie die von Männerrechtlern vorgebrachten „Issues“ schließlich anerkennen musste, jedoch, um ihnen weiterhin widersprechen zu können, damit begann, diese Probleme als Diskriminierung von Frauen umzudeuten (wieder mit konkreten und geradezu absurden Beispielen, dazu entsprechende Heiterkeit im Publikum).

    • Ja, das dürfte derselbe Mechanismus sein. Jemand wird anhand eines ganz oberflächlichen Blicks oder einer Erwartung als Feind einsortiert und dann übernimmt das Reptiliengehirn.

      Und das ist die Gefahr der feminisierten Gesellschaft: Männer haben Mechanismen entwickelt, um auch unter konflikthaften Bedingungen kooperieren zu können. Eine Methode ist zum Beispiel der rationale Diskurs. Männer suchen nach Wahrheit, um sich nicht die Köpfe einschlagen zu müssen.

  9. „Immer und überall lugt der moralische Zeigefinger aufdringlich hervor. Fast wie früher sind die Regionalseiten oftmals noch die verträglichsten Angebote. Es widert mich derart an, dass ich nicht einmal mehr Lust auf den Wetterbericht habe. Das Belehrende, Erziehende, Umerziehende (verbunden mit medialer Aufbereitung für ein Publikum, das offenbar auf dem Niveau eines Klippschülers vermutet wird).“

    http://www.achgut.com/artikel/salto_mortale_westpresse_vor_1989_und_heute

    Die Medien machen heute vor allem in primitiven Moralismus. Da ist es wirklich viel zu viel verlangt, die Kompliziertheit eines Konzeptes wie der Normalverteilung zu berücksichtigen, wenn es um eine Schwarz-Weiss-Sicht geht, die an das zu bevormundende Publikum gebracht werden soll, ganz zu seinem eigenen Nutzen: Männer böse/Frauen gut.

    Dass es auch andersrum geht, wenn es sein muss, beweist die Berichterstattung der letzten Jahrzehnte über Israel, in der doch tatsächlich die bösartigsten Terroristen die die Welt zu bieten hat als „Friedenspartner“ und völlig bedenkenlos dargestellt und ihre sie antreibende Kraft als „Religion des Friedens“ hingestellt wurde — alles aus Gründen der fairen Ausgewogenheit, ein Schwarz-Weiss-Bild ist ja immer so undifferenziert.

    Vor allem der Moralismus im letzten Fall sollte längst überdeutlich gemacht haben, mit was für einer moralischen Grundhaltung man es bei „den Medien“ so zu tun hat. (1989 hat jedenfalls nichts damit zu schaffen)

    Wer glaubt, in den Medien würden sie nach der Wahrheit streben, glaubt bestimmt auch, dass richtiger Kommunismus erst noch versucht werden muss oder dass sich der Kauf einer Bücke in Brooklyn lohnen würde, lol

  10. Um die Reaktionen zu verstehen ist wohl eher die Psychologie als die Mathematik heran zu ziehen.

    Die Behauptung, dass Männer im Schnitt etwas besser für IT geeignet sind wird als Grenzverletzung erlebt. Es fällt den Genderisten sogar schwer, die grössere Leistungsfähigkeit der Männer im Sport als Tatsache zu akzeptieren, wo Leistung in den meisten Disziplinen exakt gemessen werden kann. Man erinnere sich an die Reaktionen auf Mc Enroes Aussage bezüglich Serena Williams und ihr (geschätztes) Ranking bei den Herren.
    Es ist, wie bereits diskutiert, ein unerlässliches Dogma der Frauenprivilegierungsindustrie, dass nämlich die Unterschiede auf Benachteiligungen zurück zu führen sind, Benachteiligungen, die sodann eine Kompensation – sprich Privilegien – rechtfertigen.

    • Wäre also durchaus effektiv eine reine Männerfirma zu gründen da Männer ja effektiver im IT Bereich arbeiten. Leider wird das bei der aktuellen Gesetzeslage nicht möglich sein aber vielleicht gibt es ja Möglichkeiten Frauen aus einer Firma raus zu halten. Die Begründung dafür müsste aber immer Pro-Frau sein damit mögliche Angriffe ins Leere laufen, z.B. keine Klimaanlagen in Kalifornien zu installieren weil es ja so zieht und Frauen nicht diskriminiert werden sollen. Dafür dürfen die Männer in Unterhose (oder nackt) arbeiten. Man könnte auch besonders abstoßende Pheromone versprühen die Frauen zwar unterbewusst wahrnehmen, Männer aber nicht. Ein anderer Vorschlag wäre es einfach die (gemeinsamen) Toiletten nicht mehr durch Wände zu trennen da keine Diskriminierung stattfinden soll.

  11. Das hier ist auf so vielen Ebenen ignorant, kann man nur noch mit der Kneifzange anfassen:

    „getting fired bc you told the thousands of women you work with that you believe they’re genetically inferior is not a free speech issue“

    Interessant ist die Wertung „genetisch niedriger stehend“, die natürlich dem Vokabular und den Werten der Sozialdarwinisten und Rassisten von einst entlehnt ist und eben nicht dem Damore-Memo. Interessant, da die Social Justice Ideologie immer so funktioniert: dass sie sich zu eigen macht, was sie anderen vorwirft. Schon bald werden die Nachfolger der Genderideologie genau so argumentueren: voll rassistisch und sozialdarwinistisch, sie sind ja schon halbwegs auf dem Wege dahin.

    Oder wie sollen die das mit der „toxischen Männlichkeit“ sonst noch aufrechterhalten? Das Pseudo-Argument mit der „sozialen Konstruktion“ zielte doch von Anfang an ohnehin auf den späteren Ersatz durch biologistische Agumente ab.

  12. Durchklicken:

    Das ist jener Aspekt, der die progressiven Linken & Feministen so Scientology-ähnlich macht.

    Dass „Diversity“ jetzt von einem „industriellen Komplex“ vermarktet wird, ist einfach nur natürlich: sowohl Feminismus als auch „Psychoindustrie“ teilen die gleiche Geschichte, Usprung in der irrationalistischen New Age-Bewegung, die sich in den 90ern professionalisierte und seitdem an allen Fronten der „Lebensberatung“ und „Psychologie“ mitwerkelt, mehr oder minder massgeblich. Scientology war nur eine spezielle Sekte, die sich diesen generellen Trend zu Nutzen gemacht hat.

    Als „Firmenberater“ versuchen die jetzt natürlich auch. Mit sehr viel Erfolg. Der Schaden dürfte sehr gross sein, den dieser Unfug angerichtet hat und immer noch anrichtet.

    Für mich zeugt die Inanspruchnahme dieser extrem fragwürdigen Dienstleistungen nur von einer tiefergehenden Korrumpiertheit bei den entsprechenen Unternehmen.

  13. Google selbst ist einem Missverständnis der Normalverteilung zum Opfer gefallen. Wenn man besonders intelligente Mitarbeiter einstellt, dann erwischt man halt auch ganz besonders und übermässig Intelligente wie jetzt den Damore — die einem dann nur Schwierigkeiten bereiten. Google war also vermutlich nicht mit dem Konzept „tail risk“ vertraut 🙂

    Man kann weiter spekulieren, dass es bei Google auch schlauere Menschen gab, die die Einstellungskriterien aufweichen wollen, um eben nicht die grossen Intelligenzbestien einzustellen, die am Ende einem nur in die Suppe spucken. Und die kamen dann auf die klasse Idee, per „Diversity“ die Anforderungen an die Bewerber zu senken, um so mehr eher ungefährliche Ja-Sager um sich zu scharen.

    Und dann kommt doch dieser Oberstreber und -intelligenzler, der wahrscheinlich nur an sich denkt und an sein Bedürfnis nur mit anderen Oberstrebern und -intelligenzlern zusammenzuarbeiten.

    Das geht ja gar nicht, es lebe die tiefe Mittelmässigkeit, es lebe „Diversity“!

    😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s