Begabungen und Talente

In einer Diskussion in den Kommentaren wurde vorgebracht, dass Begabungen und Talente allenfalls für den außerordentlichen Spitzenbereich interessant seien, im übrigen würde Übung den Meister machen.

Demnach seien auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern allenfalls über Vorlieben relevant, nicht aber bezüglich besonderer Fähigkeiten.

Aus meiner Sicht ist das so nicht richtig. Natürlich kann man viele, gerade einfachere Sachen schlicht üben und wird eine gewisse Fähigkeit in ihnen erhalten.

Aber jemand der „begabt“ ist oder „ein Talent“ für einen bestimmten Bereich hat, der wird den Vorteil haben, dass er schneller Fortschritte macht, dass ihm das Lernen in dem Bereich mehr Spass macht, schlicht weil er besser in dem Bereich ist und er wird vielleicht ab einem gewissen Schwierigkeitsgrad immer deutlicher besser werden oder er wird diesen mit weniger Anstrengung aufrecht erhalten können.

Ich finde es interessant über Begabungen, Talente und ihr Wesen bzw ihre Auswirkungen zu diskutieren.

Was meint ihr wodurch sie entstehen und wie stark wirken sie sich aus?

 

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51 Gedanken zu “Begabungen und Talente

  1. Ich glaube, dass man für viele Dinge einfach eine Begabung braucht, z.B. gerade künstlerische Sachen wie Zeichnen, Darstellen oder Musik. In dem Fall geht es oft auch um das Gefühl für bestimmte Darstellungen und das ist schwer zu lernen im Gegensatz zu Technik.
    Andere Dinge hingegen, kann man mit einem Talent evtl. leichter lernen, aber die anderen Dinge kann jeder irgendwie lernen. Hinzu kommt, dass sich da etwas ergibt wie ein „positiver Teufelskreis“: Wenn man etwas gut kann, dann macht es Spaß und wenn etwas Spaß macht, lernt man es leichter oder macht es auch automatisch häufiger.

    Mein Spezialgebiet ist z.B. Mathematik, da habe ich ein Talent für, weil ich sehr gut logisch denken kann, aber das kann man mit Übung auch gut lernen. Ich gebe ja auch Nachhilfeunterricht und da sehe ich bei meinen Schülern sehr oft den Punkt, an dem es anfängt, ihnen Spaß zu machen (oft auch als Aussage der Schüler selbst „Mathe macht mir jetzt sogar Spaß“ oder „im Moment freu ich mich sogar auf die Nachhilfe“) und von da an lässt sich auch eine sehr gute Note problemlos halten. Mit Spaß an der Sache werden Schüler, die zuvor negativ sind und die Meinung hatten, sie könnten einfach kein Mathe plötzlich zu den Besten in der Klasse.
    Also ich glaube, davon hängt sehr sehr viel ab, dass man Spaß bei dem hat, was man lernen will.

    • “ und das ist schwer zu lernen im Gegensatz zu Technik“

      Da musste ich an das Kapitel in „Surely you are joking, Mr. Feynman“ denken, in dem Feynman und ein befreundeter Künstler den Deal machen, dass der eine dem anderen das Zeichnen beibringt und der andere dem einen die Physik.
      Nach einem Jahr ist Feynman gut genug im Zeichnen, dass einige seiner Blätter in einer Galerie verkauft werden. Der Künstler aber bricht den Deal nach 2 Sessions ab.

      Ganz gutes Interview dazu, wie die Persönlichkeit mit reinspielt, ob man Künstler oder Ingenieur wird:

    • „Ich glaube, dass man für viele Dinge einfach eine Begabung braucht, z.B. gerade künstlerische Sachen wie Zeichnen, Darstellen oder Musik. In dem Fall geht es oft auch um das Gefühl für bestimmte Darstellungen und das ist schwer zu lernen im Gegensatz zu Technik.“

      Das sagst du. Jemand der nicht technikaffin ist, kann daran sehr schnell scheitern. Musik und Kunst sind m.E. Beschäftigungsfächer. Sie lassen sich logisch schwerer erschließen (das meinst du vermutlich), aber sie lassen sich üben und man bekommt ein immer besseres Gefühl für sie, je mehr man mit ihnen zu tun hat. So wie jemand ohne logische Begabung das auch erst trainieren muss.

      Ich merke das auch an meinem Musikgeschmack, der sich mit den Jahren immer weiter aufgefächert hat und immer komplexerer Musik zugewandt. Für einen Musiker hätte ich vermutlich immer noch einen furchtbar platten und primitiven Geschmack und keinerlei Musikgefühl, gegenüber einem Jugendlichen, der nur Charts hört, bin ich hingegen sowas wie ein Spezialist 🙂

      „Also ich glaube, davon hängt sehr sehr viel ab, dass man Spaß bei dem hat, was man lernen will.“

      Definitiv. Was man aber auch nie vergessen darf: den Ehrgeiz. Mir ist Mathe nie zugeflogen, aber ich wollte immer verstehen, was ich gerade tat und habe dann so lang an einer Aufgabe herumgeknobelt, bis ich es endlich raushatte. Selbst wenn die Klasse schon zwei Aufgaben weiter war.

      Der Erfolg liegt dann eigentlich nur darin, es kapiert zu haben. Aber das allein reichte mir schon für ein Hochgefühl.

      Später habe ich dann selbst auch Nachhilfe in Mathe gegeben, da ist es sogar ein Vorteil, wenn man selbst schlecht war, man kennt jede Hürde 🙂

      • @Androsch Kubi:
        „Das sagst du. Jemand der nicht technikaffin ist, kann daran sehr schnell scheitern. Musik und Kunst sind m.E. Beschäftigungsfächer.“

        Ich glaube, du hast mich nicht richtig verstanden…
        Ich meine, die Technik, ein Bild zu malen oder Klavier zu spielen lässt sich sicher erlernen, aber das Gefühl und Verständnis, um wirklich gute künstlerische Bilder oder Klavierstücke entstehen zu lassen eher weniger.
        Das war kein Gegensatz zwischen Logik und Musik etc.
        Es ist eher im Gegenteil so, dass gerade Kunst auch sehr oft logischen Regeln folgt. Nicht selten waren die bekanntesten Künstler eben Naturwissenschaftler.

        „So wie jemand ohne logische Begabung das auch erst trainieren muss.“

        Logische Denkweisen sind leichter und gezielter zu trainieren als ein Musik- oder Kunstverständnis!
        Aber genau das wird beides sehr selten tatsächlich in der Schule unterrichtet.

        „Später habe ich dann selbst auch Nachhilfe in Mathe gegeben, da ist es sogar ein Vorteil, wenn man selbst schlecht war, man kennt jede Hürde “

        Ich glaube nicht, dass das unbedingt ein Vorteil sein muss. Vielleicht hilft es dir persönlich, aber das bedeutet nicht, dass das generell ein Vorteil ist. Es macht einen großen Unterschied, ob man Mathematik durch dauerhaftes trainieren und pauken lernt oder eben logisches Verständnis erlernt. Bei Zweitem kann man sich ersteres nämlich sparen und hat mehr Spaß an der Sache. Und wie soll jemand, der selbst nicht so ein großes logisches Verständnis hat, das gut unterrichten können?
        Ich glaube, es ist nur ein Vorteil, wenn die Schüler tatsächlich an den gleichen Punkten Probleme haben wie der Lehrer zuvor selbst, sonst eher nicht.

      • Gerade in der Musik habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass das musikalische „Talent“ sich sehr mit der Übung weiter entwickelt. Mein motorisches und rhythmisch sehr ausgeprägtes Talent ist anscheinend für elektrische Gitarre wichtiger als mein eher klägliches natürliches musikalisches Talent.

        Diese Musikalität hat sich aber nach jahrelangem Üben weiterentwickelt und mir wird jetzt ein ausgeprägtes Talent für E-Gitarre bescheinigt, was bei einigen Lehrern die Kinnlade runterklappen ließ beim Examen. Ich weiß genau einzuordnen dass ich als Laie niemals die Virtuosität eines Profis, der bis zu 12 Stunden täglich übt, erreichen werde. Auch werde ich niemals ein Mozart oder Beethoven, aber vielleicht ein Mobi, oder Hendrix, ein DJ-Mixgenie, Battlerapper? Vielleicht wäre ich aber zu einem Mozart geworden, hätte ich schon mit 4 Jahren virtuos gespielt?

        Wie ich schon schrieb, gerade bei der klassischen Musik ist die Virtuosität proportional zur Übungszeit und nur die obersten ersten Solomusiker unterscheiden sich durch ihr Talent. Wer will schon mit 3 -4 Jahren 10 Stunden am Klavier sitzen? Ein Psycho? Ein Autist? Ein Genie?

        Im Sport hat mich auch das begeistert was ich gut konnte – Ausdauer. Trotzdem war ich einer der Besten im Kugelstoßen in der Schule. Später habe ich dann als Suchtmittelersatz extrem Sport getrieben, Ausdauer und 5x die Woche Krafttraining, was mir durchaus auch sehr viel Spaß macht. Ich würde nie aussehen wie Schwarzenegger, aber problemlos wie Spiderman und Batman dank kleiner toxischer Pillchen aus Thailand oder was besserem von Bayer und Co.

  2. Ich glaube nicht, dass so etwas wie Talent existiert. Es ist natürlich als Ausrede immer gut zu haben. „Ich habe einfach kein Talent für X“. Diese Ausrede haben wir alle schon einmal benutzt. Richtig wäre wohl: „Ich habe schlicht kein Interesse und keine Lust mich damit zu beschäftigen.“

        • „Glaubst du, dass ein Sänger mit absolutem Gehör leichter den Ton trifft als einer ohne?“ Nein. Singen und Hören sind zwei verschiedene Fähigkeiten.

      • Dazu gibt es Studien:
        „Neurowissenschaftler glauben, dass die frühe Musikausbildung eine funktionelle Umstrukturierung des Hörzentrums im Gehirn fördert. Sowohl in Asien als auch in Amerika zeigte sich: Die Bestwerte in Deutschs Studie wurden von den Studenten erreicht, die schon mit vier bis fünf Jahren ihren ersten musikalischen Unterricht hatten.“
        https://www.welt.de/wissenschaft/hirnforschung/article3765702/Forscher-lueften-Geheimnis-des-absoluten-Gehoers.html

        Jemand der Musik sehr liebt, wird tendentiell eher auch ein absolutes Gehör haben, weil er eher Unterricht hatte. Bedauerlicherweise lassen sich die Kausalitäten aber nicht sauber ermitteln, nur plausibel Relationen feststellen…

        • Nein, absolutes Gehör kann nicht erworben werden. Es ist eine vererbbare Fähigkeit. Die meisten Musiker können jedoch nach einer Weile recht gut aus dem Kontext „raten“. Absolutes Gehör heißt aber, daß DU sofort weißt welcher Ton gespielt wird, unabhängig vom musikalischen Kontext.

        • „Tests ergaben, dass die Erblichkeit des absoluten Gehörs, ähnlich die der Körpergröße, bei 70 bis 80 Prozent liegt.“

          Außerdem habt ihr meinen Einwand nicht verstanden.

          Es geht nicht darum, ob jemand mit absolutem Gehör automatisch ein guter Musiker ist. NATÜRLICH gibt es da keine 1:1 Kausalität.
          Die Frage ist, ob ein absolutes Gehör ein nützliches Talent beim Musizieren ist, also ob – alles andere gleich – der Musiker mit dem absoluten Gehör besser abschneiden wird als der ohne.

          Dass zu „x hat ein Talent zum Musizieren“ noch viele andere Fähigkeiten – die einige haben, andere aber nicht – gehören, ist m.E. selbstverständlich.
          Nicht alle dieser Fähigkeiten sind lernbar.

          Deswegen auch das mit dem räumlichen Denken. Wenn du 3D-Artist werden willst, kannst aber im Kopf einen Torus nicht aus jeder Richtung anschauen, dann hast du schlechte Karten. Oder: dann hast du kein Talent.

        • @only_me

          „Nicht alle dieser Fähigkeiten sind lernbar.“

          Um diese Frage streiten wir ja gerade.

          Es gibt körperliche Voraussetzungen, die nicht ausgleichbar sind. Ein rot-grün-Blinder wird nie ein guter Maler werden, jemand mit krummen Beinen nie Weltrekordhalter im Langstreckenlauf, jemand der schlecht hört, wird kein guter Dirigent usw.

          Diese Einschränkungen liegen aber alle außerhalb des Gehirns. Das Gehirn selbst ist sehr anpassungsfähig und es lernt durch Wiederholungen. Wie schnell es lernt und wie gut es Zusammenhänge erkennt und verknüpft, entscheidet darüber, wie intelligent bzw. lernfähig jemand ist. Wie oft wiederholt wird, entscheiden hingegen: Interesse, Ehrgeiz und auch Erfolgserlebnisse.

          Ob es Gehirnbereiche gibt, die sich bei einigen leicht, bei anderen schwer oder gar nicht mehr umstrukturieren und inwiefern da Alter und Geschlecht eine Rolle spielen, ist m.E. noch nicht abschließend geklärt. Hier können wir ewig diskutieren, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

          Auch das absolute Gehör ist, guten Hörsinn vorausgesetzt, offenbar trainierbar:
          „das absolute gehör IST antrainierbar, genauso wie zunge rollen oder pfeifen. natürlich braucht man eine gewisse musikalität, aber es ist möglich, sich ein absolutesw gehör mit viiiel training anzutrainieren. da ich schülerin einer musik-spezial-klasse bin, wurde es mir ermöglicht, mein gehör auszubilden, mit professionellen personen, sodass ich nun auch ein absolutes gehör habe, d.h. ich kann tonhöhen bestimmen, ohne hilfsgeräte zu benutzen. antrainieren kann man es sich, indem man ein instrument lernt und es oft spielt (die meisten menschen mit absolutem gehör sind geigenspieler, da es auch vierteltöne etc gibt), singt und jeden tag einen ton hört, z.b. mit einer stimmgabel dehr oft den ton nachsingt. von ihm aus kann man sich dann andere töne suchen, und wenn man es oft genug tut, weiß man, wo alle töne liegen. das dauert allerdings sehr lange und erfordert HARTES training!!“
          https://www.gutefrage.net/frage/ist-das-absolute-gehoer-trainierbar

      • Was soll den absolutes Gehör sein? Übrigens, wenn du mir wissenschaftliche Studien zeigst, die Talent belegen, dann ändere ich gerne meine Meinung. Aber im Moment habe ich die notwendigen Informationen schlicht nicht. Ich habe auch nie behauptet, ein Experte auf diesem Gebiet zu sein.

        • http://bit.ly/2uFTm5l

          „Übrigens, wenn du mir wissenschaftliche Studien zeigst, die Talent belegen…“

          Hier passt der alte Spruch: „Es gibt einen technischen Begriff für Leute, die glauben, es gäbe keinen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen: ‚kinderlos'“

          Nimm zwei Kinder, im gleichen Elternhaus aufgewachsen, so weit man das beurteilen kann gleich erzogen mit gleichen Schwerpunktsetzungen etc.
          Nach deiner Überzeugung müsste es unmöglich sein, dass der 4-jährige bessere Zeichnungen erstellt als der 6-jährige. Schließlich hatte der 6-jährige mehr als doppelt so viel Zeit zum Trainieren.

          Und wenn du schon dabei bist, müsstest du eine bessere Erklärung als „Talent“ dafür finden, dass Mozart das einzige bekannte Kind ist, das mit 4 Jahren eine Symphonie seines Vaters in dessen Abwesenheit fertig schreiben konnte. Wieso war das nicht bei anderen Komponistenkindern zu beobachten?

        • „Nach deiner Überzeugung müsste es unmöglich sein, dass der 4-jährige bessere Zeichnungen erstellt als der 6-jährige. Schließlich hatte der 6-jährige mehr als doppelt so viel Zeit zum Trainieren.“
          Ich glaube, ich habe lange nicht mehr etwas so idiotisches gelesen. Du willst hier wirklich den totalen Strohmann schaffen. Hier sind vereinfacht nur zwei Faktoren relevant: Intelligenz und Zeit, die man mit üben verbracht (nicht Zeit, die man mit üben hätte verbringen können.)

          „Und wenn du schon dabei bist, müsstest du eine bessere Erklärung als „Talent“ dafür finden, dass Mozart das einzige bekannte Kind ist, das mit 4 Jahren eine Symphonie seines Vaters in dessen Abwesenheit fertig schreiben konnte. Wieso war das nicht bei anderen Komponistenkindern zu beobachten?“
          Vielleicht weil Mozart einen deutlich höheren IQ als andere Komponistenkinder hatte? Vielleicht weil sein Vater ihn besser förderte? Es gibt hunderte Faktoren, die das erklären können.

      • „Kein Talent“ ist, wenn du schlecht darin bist (egal ob du es tust oder nicht). „Kein Interesse“ ist, wenn du es nichtmal probierst.

      • Talent bezieht sich darauf, dass man besonders gut in der Tätigkeit ist bzw. besonders schnell lernt (in diesen bestimmten Bereich). Interesse trifft keine Aussage über meine Lerngeschwindigkeit, Lernfähigkeit oder Kenntnisstand. Es sagt schlicht, ich bin bereit Zeit in dieses Gebiet zu investieren.

    • @Henkrik:
      „Ich glaube nicht, dass so etwas wie Talent existiert.“

      Man kann es nennen wie man will, aber natürlich existiert es. Allein durch einen hohen IQ ist man in der Lage, Dinge viel schneller zu begreifen und anzuwenden – ohne sich lange damit zu beschäftigen. Hier lässt sich über Training nur sehr wenig ändern.

      „Richtig wäre wohl: „Ich habe schlicht kein Interesse und keine Lust mich damit zu beschäftigen.““

      Der Punkt ist, Leute mit Talent müssen sich gar nicht so oft so lange damit beschäftigen. Ich hatte in der Schule auch keine Lust auf Hausaufgaben (wie wohl die meisten Schüler) und war daher froh, dass ich nach 15-30min meist damit fertig war. Im Gegensatz dazu gab es aber andere Schüler, die sich damit 2h beschäftigen mussten. Natürlich liegt das nicht daran, dass mich das mehr interessiert hat, sondern an Talent.

      • „Allein durch einen hohen IQ ist man in der Lage, Dinge viel schneller zu begreifen und anzuwenden“
        Talent impliziert für mich, dass man in einem gewissen Bereich „von Natur aus“ besser ist. IQ wirkt ja generell und fällt deshalb für mich nicht unter Talent.

        “ Im Gegensatz dazu gab es aber andere Schüler, die sich damit 2h beschäftigen mussten. Natürlich liegt das nicht daran, dass mich das mehr interessiert hat, sondern an Talent.“
        Das ist erst einmal nur deine Annahme und nicht mehr. Ich war auch mit Hausaufgaben immer schneller fertig als andere. Aber liegt das am Talent oder schlicht daran, dass ich einen höheren IQ als manch andere Schüler hatte? Letzteres erscheint mir deutlich wahrscheinlicher. Außerdem lieben es viele Leute ihre Lern- oder Arbeitszeiten künstlich aufzublasen. Da wird nebenbei noch auf Facebook gesurft oder andere Dinge, die nichts mit der eigentlichen Tätigkeit zu tun haben, nachgegangen. Dann ist man eben nicht so effizient.

        • @Henrik:
          Wie genau definierst du Talent?
          Meiner Auffassung nach führt in hoher IQ zu guten Gedächtnisleistungen bzw. logischem Verständnis, warum wäre das for dich kein Talent?

  3. „Ich finde es interessant über Begabungen, Talente und ihr Wesen bzw ihre Auswirkungen zu diskutieren.
    Was meint ihr wodurch sie entstehen und wie stark wirken sie sich aus?“

    In meinen Augen ist das die Henne-Ei-Frage. Was war zeitiger da? Das Interesse oder die, ich nenne es mal neutral, „Fähigkeit“.

    Meiner festen Überzeugung nach, korreliert beides miteinander. Frauen können m.E. wesentlich besser auswendig lernen und haben eine starke Prämisse fürs Soziale, Männer suchen mehr nach logischen Zusammenhängen und merken sich Sachen eher auf diese Weise und finden Technik daher tendenziell interessanter.

    Trotzdem ist der Überlappungsbereich sehr groß, was man u.a. an den Studienfächern sieht, wo Medizin und Juristik gleichermaßen Frauen und Männer anspricht. Während aber bei den Geschwätz- und Sprach“wissenschaften“ Frauen überwiegen und bei den technischen Fächern Männer.

    Trotzdem kann eine Frau programmieren und ein Mann eine andere Sprache sprechen lernen. Nur finden die das halt gähnend langweilig und anstrengend und tun es daher seltener.

    Das Gehirn ist ein sehr flexibles Organ, m.E. kann jeder alles lernen. Wie schnell das geht, hängt allein vom Intellekt ab, OB es passiert, hängt hingegen von Interesse und auch Ehrgeiz ab.

    Man darf das mit dem „Interesse“ auch nicht zu eng definieren. Das Gehirn trainiert sich ständig selbst, an Sachen die es reizvoll findet. Ich habe z.B. schon als kleines Kind Wörter, Zeichnungen usw. mengenmäßig gruppiert und versucht herauszufinden, ob eine gerade Anzahl Elemente darin ist oder nicht, oder ob man ein Wort z.B. in 3-Buchstabengruppen aufteilen kann oder nicht usw. Das war eine reine Langeweilebeschäftigung und ich ertappe mich immer noch gelegentlich dabei. Für mich war das vollkommen normal, mittlerweile weiß ich aber, dass das sonst fast niemand macht.

    Ebenso wälzt ein Mädchen, welches eine soziale Ader hat, vermutlich ständig gedanklich entsprechende Dialoge, spielt Szenarien mit ihren Puppen durch, schaut entsprechende Serien an usw. sucht später interessante Anreize vielleicht im Urlaub irgendwo im Ausland etc.

    Also kurz: ich halte den Hauptgrund für die auseinandertriftende Beschäftigungen im Interesse begründet, was aber nicht ausschließt, dass für die entsprechenden Interessen auch bessere Bedingungen im Gehirn vorherrschen.

    VERMUTLICH ist diese Trennung zu künstlich und lässt sich in der Gehirnforschung nicht aufrecht erhalten, VIELLEICHT sorgt ein und dieselbe Ursache im Gehirn für das einfachere Erfassen ebenso, wie für das Interesse.

    • @Androsch Kubi:
      „Ich habe z.B. schon als kleines Kind Wörter, Zeichnungen usw. mengenmäßig gruppiert und versucht herauszufinden, ob eine gerade Anzahl Elemente darin ist oder nicht, oder ob man ein Wort z.B. in 3-Buchstabengruppen aufteilen kann oder nicht usw. Das war eine reine Langeweilebeschäftigung und ich ertappe mich immer noch gelegentlich dabei. “

      Interessant. Bei mir waren es oft Fliesen und irgendwelche anderen Dinge, die ich gezählt bzw. dann auch teilweise mit Multiplikation errechnet habe. Gerade beim Duschen oder auf der Toilette hat man sonst wenig zu tun.
      War auch letztens wieder im Freibad und da waren so winzig kleine Fliesen an der Wand der Dusche – Waren insgesamt wohl knapp 12.000 nur alleine an der Innenwand. Sowas mach ich eben auch immernoch, wenn mir langweilig ist.

      • Ich bin viele Jahre 3x pro Woche 45 Minuten geschwommen. Da gehört Fliesenzählen dazu. Ich glaube kein Weltklasseschwimmer ist nicht auch Fliesenzähler.

  4. Übung und Fleiß sind wichtig, und in vielen Bereichen reichen sie aus, um eine Aufgabe zumindest „zum Hausgebrauch“ ausführen zu können, also für ein gutes Mittelmaß.

    Aber sie haben auch ihre Grenzen.
    Wer von vornherein interessiert ist, wird gerne von sich aus üben. Ein anderer macht das ganze nur widerwillig, und schafft die Aufgabe vielleicht nach hundert Durchläufen halbwegs (hat es nahc einem halben Jahr schon wieder vergessen), während ein Begabter in der gleichen Zeit schon viel weiter ist.
    Erfolge sorgen für positive Rückkopplung, Fehlschläge für negative.

    Auswendiglernen kann keine Kreativität ersetzen, und nur die wenigsten Geigespieler haben das Zeug zum Paganini.

    Spätestens wo Tätigkeiten nicht nur dumb wiederholt werden müssen, sondern es darum geht, Kenntnisse und Fähigkeiten neu anzuwenden und weiterzuentwickeln, reicht Übung alleine nicht mehr aus.

    Beispielsweise habe ich eine recht ordentliche Sopranstimme, aber auch wenn ich noch so viel üben würde, würde es nicht für eine Operndiva reichen.

    • „Beispielsweise habe ich eine recht ordentliche Sopranstimme, aber auch wenn ich noch so viel üben würde, würde es nicht für eine Operndiva reichen.“

      Woher willst du das wissen?

        • Nein. Ich denke er meint, dass sie es gar nicht versucht hat und damit auch nicht wissen kann, ob es gereicht hätte.

      • Nö – da mache ich mir keine Illusionen.
        Ich hatte ja mal ein paar Jahre Gesangsunterricht. Da sind mir meine Grenzen schon bewusst.
        Durch Übung kann man z.B. Tonumfang und Stimmvolumen (bis zu einem gewissen Punkt) erweitern.
        Für einen (anspruchsvollen) Chor mag es reichen, das hohe cis (c#) sauber singen zu können, für eine Solistin noch lange nicht.

        • „Für einen (anspruchsvollen) Chor mag es reichen, das hohe cis (c#) sauber singen zu können, für eine Solistin noch lange nicht.“

          Da wäre also ein körperlicher Grund hinderlich (Stimmlippen, Klangvolumen etc.), keiner im Gehirn, den man durch Wiederholungen trainieren könnte. Also hat es nichts mit meiner Definition von „Talent“ zu tun.

          Genau das wollte ich wissen, Danke.

        • Da wäre also ein körperlicher Grund hinderlich (Stimmlippen, Klangvolumen etc.), keiner im Gehirn

          Lies nochmal, was Anne geschrieben hat. Sie schreibt erstens nicht, dass sie am cis gescheitert ist. Zweitens sagt sie nicht, dass das, was ihr noch fehlt, im körperlichen Bereich liegt. (Würde auch nicht zu ihr passen …)

      • Wie gesagt – ohne eine grundlegende (angeborene) Begabung kann man sich anstrengen wie man will, und wird trotzdem nicht die Spitze erreichen, weil die talentierteren Personen eben noch besser sind.

        Ein Beispiel von der anderen Seite des Begabungsspektrums:
        Einen faulen Schüler und einen Legastheniker unterscheidet, das ersterer besser in Rechtschreibung wird, wenn er nur genügend übt.

        • Da schreibst du etwas Interessantes. Tatsächlich gibt es Unterschiede im Gehirn, die darauf hindeuten, dass das Gehirn partiell bei manchen besser, bei manchen schlechter funktioniert und dass das u.U. auch abhängig vom Zeitfenster ist, in dem man das lernt.

          Ich habe einen Neffen der Legastheniker ist, die verbessern sich beim Üben übrigens auch:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Lese-_und_Rechtschreibst%C3%B6rung#Pr.C3.A4vention_und_Therapie
          nur haben die es viel schwerer. Er ist m.E. dazu geworden, weil er eine Augenstörung hatte (leichtes Schielen oder so), das wurde zwar noch vor der Schulzeit, mehr oder weniger, therapiert, aber das war für sein Gehirn offenbar schon zu spät.

          Bei Stotterei ist es ähnlich, die gilt ab 12 Jahren (oder so) als faktisch unheilbar. Trotzdem können die durch entsprechend hartes Training noch eine enorme Besserung erreichen.

          Wenn es negative Abweichungen gibt, sind natürlich auch positive denkbar. Auch der optimale Zeitpunkt, um etwas zu lernen, wäre sehr interessant. Kommen überdurchschnittliche Funktion, perfekter Zeitpunkt und hartes Training zusammen, dürfte man tatsächlich fast unschlagbar sein (zumindest bezogen auf den dafür aufgewendeten Lernaufwand). Das würde ugs. dann wohl „Talent“ genannt. Meines Erachtens tritt das aber ähnlich selten auf, wie die entsprechenden Erkrankungen, wahrscheinlich seltener.

    • Nun ja Kreativität ist wieder eine andere Baustelle. „Don’t mistake lack of talent as genius“.

      Kreative Lösungen z.B. in der Informatik können eine Katastrophe sein. Ich habe Regex gelernt, weil ich es für ein Hobby-Projekt brauchte und hatte einige m.E. kreative Lösungen gefunden, die ich in keinem Forum im Internet fand.

      Ein Programmierer sagte mir kürzlich. Wenn du ein Problem hast und das mit Regex zu lösen versuchst hast du 2 Probleme;-)

      Bei meinem Projekt ging es aber nicht ohne und ich halte Regex für unabdingbar für viele Projekte oder Searches.

      Ich bin aber kein Talent, habe nur sehr gute Werte was logisches Denken anbelangt. Da hatte ich einmal einen Test von Mensa gemacht in einer Zeitung, in dem sich auch noch ein Fehler verbarg. Ich habe alle Fragen korrekt beantwortet. Der nächste Schritt wäre ein Besuch bei Mensa gewesen aber dazu fehlte mir der Mut.

      Ich glaube ich hätte viel erreichen können (nicht bei Mensa), hätte hätte Fahrradkette. Aber den Gitarrenlärm nimmt mir keiner weg und Skifahrn, Velo, Joggen, Schwimmen und tumbes Krafttraining. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer sagt „das beste Gehirnjogging ist Jogging“. Ich würde noch hinzufügen „Krafttraining“ „Musik“ und „Mathe-Informatik“…. oder ähnliches …..

      • Regex .. 🙄

        Bei manchen Fähigkeiten spielt Kreativität k(aum )eine Rolle. Das sind all diejenigen, wo man mit solidem „Handwerkszeug“ und Standardabläufen schon sehr weit kommt. Das kann man erlernen, üben, und umfangreiche Erfahrung erwerben.
        Aber überall dort, wo es um neue Ideen, Innovationen, erfinderische Ansätze, Entwickeln von Lösungen. etc. geht, ist Kreativität unumgänglich, sofern man wirklich etwas erreichen will, und sich nicht mit dem Mittelfeld (das selbstverständlich auch notwendig ist) zufrieden gibt.

  5. Meine persönliche Erfahrung geht dahin, daß „echte Begabung“ eine Komponente hat, die mit Übung allein kaum erklärbar ist. Vor allem wirkt diese derart integriert in die Persönlichkeit, daß es nur der Umwelt auffällt, der Person selbst aber nicht.
    Jemand, der mit viel Mühe etwas entwickelt, ist meist auch stolz darauf etc etc. Diese „echte Begabung“ hingegen ist für die Betreffenden vollkommen normales Verhalten. Und das kann man kaum mit Lernen und Üben entwickeln. Und es scheint irgendwie auch nicht wirklich vererbt, sondern eher singulär.

    • Ein Talent das brach liegen bleibt führt zu nichts. Nicht umsonst stammen fast alle Talente aus Familien mit einem bestimmten Hintergrund oder hatten begabte Mäzene, Lehrer usw…. Nur der Autismus ist mitr ein Rätsel.

      Ein Mann hatte einen Hirnschlag un war von einem Tag zum anderen musikalisch begabt. Da liegen wohl Talente verborgen die von Allgemeinfähigkeiten regelrecht erstickt werden. Ein Freund von mir hat schon lange vor dem Chemieunterricht die Periodentafel auswendig gelernt. Wüsste gern was aus ihm geworden ist.

      Jedenfalls mehr wie aus mir. Tjah dieses Suchttalent, einfach nur genial…. 😉

  6. Talent zeigt sich:
    durch schnelle Fortschritte und dem Potential, ein hohes Niveau zu erreichen. Bis zu einem gewissen Niveau kann fehlendes Talent durch Fleiss kompensiert werden. Die beste Voraussetzung, um ein hohes Niveau zu erreichen, hat derjenige, der talentiert und fleissig ist. Je höher das Niveau, desto seltener werden die Individuen, die nur eine der beiden Eigenschaften ausgeprägt besitzen. Ist eigentlich alles ziemlich trivial. Allerdings ist das Talent erst bewiesen, wenn das Potential tatsächlich verwirklicht wurde. Schnelle Fortschritte allein sind i.m.h.o kein Nachweis, weil das Potential trotzdem limitiert („nicht sehr hoch“) sein könnte.
    Ich weiss echt nicht, was es hier grossartig zu diskutieren gibt.

    • Wissenschaftlich kann man nur feststellen, dass „talentierte“ Schüler Probleme mit weit weniger Aufwand lösen als die schlechten Schüler.

      Mich würde interessieren was aus all diesen Babyexperimenten aus Japan geworden ist. Es waren einmal japanische Kollegen (Juristen) bei uns um sich unser Gericht anzuschauen. Ich hatte noch längere Zeit mit einem von ihnen Kontakt. Er konnte Englisch und Deutsch, war Rechtspfleger und hatte kein Privatleben. Er war zerfressen von Übermotivation, wollte an einem deutschen Gericht als Austauschschüler arbeiten. Ich weiß nicht ob das geklappt hat, aber mein Photo in der Robe hat es auf das japanische Rechtspflegermagazin geschafft. Sie wollten unbedingt ein Foto und die Robe (einer Kollegin) war viel zu klein, wie ein Minirock ….

      Adrian wäre wohl fasziniert davon?! 🙂

      • „Mich würde interessieren was aus all diesen Babyexperimenten aus Japan geworden ist.“

        Was wurde da experimentiert?

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