Geschlechterunterschiede in der Häufigkeit neuronaler und psychiatrischer Erkrankungen

Auch ein deutlicher Hinweis auf biologische Geschlechterunterschiede

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Selbermach Samstag 249 (05.08.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

„Würden wir Astrophysik so behandeln wie Gender Studies..:“

Ich lese über den nachfolgend zitierten Tweet einen kurzen Auszug aus einem Buch von Margarete Stokowski:

Tatsächlich ist ja die Kritik an den Gender Studies, dass sie reine Ideologie verbreiten und nicht tatsächliche Wissenschaft.

Wenn man Astrophysik so behandeln würde wie Gender Studies, dann würde man kein Problem damit haben, wenn Sie „Vulvaförmige Raketen“ bauen würden und in Fachzeitschriften würden erbitterte Artikel stehen, dass diese gefälligst genauso gut fliegen können müssten, wie lange, spitze Raketen.

Wir dürften uns auf weitere Artikel im Stil von Sandra Harding freuen:

One phenomenon feminist historians have focused on is the rape and torture metaphors in the writings of Sir Francis Bacon and others (e.g. Machiavelli) enthusiastic about the new scientific method. Traditional historians and philosophers have said that these metaphors are irrelevant to the real meanings and referents of scientific concepts held by those who used them and by the public for whom they wrote. But when it comes to regarding nature as a machine, they have quite a different analysis: here, we are told, the metaphor provides the interpretations of Newton’s mathematical laws: it directs inquirers to fruitful ways to apply his theory and suggests the appropriate methods of inquiry and the kind of metaphyiscs the new theory supports. But if we are to believe that mechanistic metaphors were a fundamental component of the explanations the new science provided, why should we believe that the gender metaphors were not? A consistent analysis would lead to the conclusion that understanding nature as a woman indifferent to or even welcoming rape was equally fundamental to the interpretations of these new conceptions of nature and inquiry. Presumably these metaphors, too, had fruitful pragmatic, methodological, and metaphysical consequences for science. In that case, why is it not as illuminating and honest to refer to Newton’s laws as „Newton’s rape manual“ as it is to call them „Newton’s mechanics“?

Der Wichtigste Forschungsansatz in der Physik wäre nicht mehr, wie man Leute zum Mond oder zum Mars bekommt, sondern wie genau man die Quoten an Behinderten, Schwarzen, Homosexuellen und sonstigen nicht privilegierten Menschen in der Mitarbeiterschaft oder dem Lehrstuhl erhöht. Statt Berechnungen durchzuführen, die für die Raumfahrt erfoderlich sind, würde man erst einmal „critical  astrophysics“ einrichten und die Geschichte der Astrophysik auf ihre weißen Ursprünge hin überprüfen.

Ein Schwerpunkt: Die Nazis nutzen die ersten Raketen, dabei haben sie das nur von den Chinesen gestohlen, also Cultural Approbation betrieben, weswegen man gleich für die Abschaffung der Astrophyisk in allen westlichen Ländern stimmt, solange diese nicht von chinesischstämmigen betrieben wird. PoCs führen an, dass auch ihre Kultur reich an Vorläufern waren, immerhin hätten die Afrikaner die ersten Speerschleudern entwickelt und jedenfalls schon die Sterne beobachtet. Im prähistorischen schwarzen Ägypten sei Astronomie eine wichtige Wissenschaft gewesen und die Mesopotanier hätten alte Aufzeichnungen über den Verlauf der Sterne gehabt.

Daraufhin bildet sich noch eine Untergruppe „colonial astrophyisks“, die erforscht, wie den Schwarzen dieses Wissen entwendet worden ist.

Man beschließt, dass es nicht länger zu dulden ist, dass Planeten in unserem Sonnensystem ganz überwiegend nach weißen, männlichen Göttern benannt sind und nur einer nach einer weiblichen Göttin, die dazu nach klischeehaft für Liebe zuständig ist.

Demnach bildet sich sofort ein neues Feld, die „Black Astrostudies“  in dem es darum geht, dass die Planeten umgenannt werden, nach alten, PoC-Namen, vorzugsweise nach queeren Gottheiten. Es wird zudem beschlossen, dass es unfair ist, wenn einem Planeten eine höhere Anziehungskraft zugesprochen wird, alle sollen fortan in dieser Hinsicht gleichberechtigt sein. Alle noch bestehenden Missionen von Sonden, die gegenwärtig noch laufen, werden entsprechend umprogrammiert, um dieses neue Wissen zu nutzen. Leider kommt dieses umprogrammieren aber zu spät bzw. patriarchale Kräfte behindern die Umstellungen, so dass die Missionen ohne verschulden des neuen Weges scheitern.

Keine einzige der neuen Vulvaförmigen Raketen wird tatsächlich auf eine Startrampe gebracht. Das Satellitennetz der Erde kann nicht erneuert werden. Die Raketen sind dennoch richtig und wichtig und außerdem ein Vorbild für alle Mädchen.

Erbitterte Streitigkeiten unter der Astrophysik brechen auf, wer die bestehenden Ungerechtigkeiten effektiver beseitigt und wer doch noch ein paar phallusförmige Raketen nutzt. Einige Richtungen erklären, dass sie Transraketennutzen wollen, weil man das nicht ausblenden dürfe, man müsse in jede queere Richtung forschen.

Zudem beschwert man sich, dass dieser neue Weg kritisch gesehen wird. Warum sollte all das unwissenschaftlich sein? Man verwende da ganz moderne Ansätze, die eben nur ganzheitlicher vorgehen würde als die alten Denkweisen. Das müsse sich sicherlich noch einspielen, die Kritik werfe einem zu unrecht vor, dass man keine neuen wichtigen Thesen aufgestellt hat und das die neuen Formeln allgemein wenig akzeptiert seien.

Denn die sozialen Verhältnisse sind komplex, und das, was Menschen empirisch für sich und mit anderen draus machen, ist es auch. Das ist eine lebensweltliche Binse, das ist noch unterhalb von Astrophysik 101 (@Intersektionalität). Critical Astrophysik diskutiert – ob im aktivistischen, akademischen oder policy Rahmen – die Universalisierung und Unsichtbarmachung einer partikularen Form (das „weiß-Sein“), dessen historische Dynamik (Kolonialismus, Rassismus, Exotisierungen usw.), kulturellen Verhandlungen, individuellen Effekte, Institutionalisierung. Wer von Astophysik sprechen will – ob forschend oder politisch –, kann dazu nicht schweigen

Um der Zurschaustellung eigener moralischer Überlegenheit willen bedienen sich diese Kritiker einer Strategie, die – mit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt fatalen Folgen – zu Prozessen der Entsolidarisierung beiträgt. Indem sie der Empörung den Vorzug geben vor dem Ausloten der Aporien von Solidarität, betreiben sie das Geschäft der Herrschaft, das anzuprangern sie vorgeblich angetreten sind. Und diese Herrschaft macht eben auch vor der Astrophysik nicht halt und ist auch dort zu thematisieren. Das nunmehr erst die lange vernachlässigten Wichtigen Verbindungen und Dynaimiken wie etwa der Rassismus und der Kolonialismus aufgschlüsselt werden muss, ist diesem neuen Ansatz wohl kaum vorzuwerfen.