Sekundärpatriarchalismus

Im Text der Missy bin ich auf den Begriff „Sekundärpatriarchalismus“ gestoßen:

Ich habe mal danach gesucht:

Hier etwas dazu:

Das feministische Konzept des Sekundärpatriarchalismus (vgl. Beer 1990, Beer/Chalupsky 1993) liefert eine analytische Begründung für die letztlich erstaunliche Durchschlagskraft und Zählebigkeit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungen. Die Geschlechtsspezifik in der primären Zuweisung von entgeltlicher und unentgeltlicher Arbeit an jeweils eines der beiden Geschlechter (vgl. Beer 1984) hat zur Folge, dass Frauen, die diesem Modell voll entsprechen, als „Lohn“ für ihre Arbeit allenfalls auf „Liebe“ rechnen dürfen (Bock/Duden 1977), verknüpft mit ehelichfamilialem Unterhalt und abgeleiteten Ansprüchen an die Systeme der sozialen Sicherheit (vgl. Ostner 1995). Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Frauen vorrangig auf unentgeltliche Arbeit in der Familie festlegt, entbindet diese jedoch keineswegs vom Zwang zur Aufnahme von Erwerbsarbeit, wenn die familiale Existenzsicherung das erfordert. Frauen befinden sich damit von vornherein im Nachteil gegenüber Männern, denn auf diese Weise wird ihnen der Zugang zu einer hochbedeutsamen gesellschaftlichen Ressource verwehrt oder erschwert: Geld als Medium einer Tausch- und Warengesellschaft. Wer nicht über Vermögenswerte verfügt und sie zum Lebensunterhalt einsetzen kann, muss ihre oder seine Existenz mit der Aufnahme und Ausübung von Erwerbsarbeit sicher stellen.

Ein weiterer Beitrag:

Geschlecht als Strukturkategorie

Was die andere Seite des Verhältnisses von Klasse und Geschlecht angeht, so haben wir uns bei den Theorien des Geschlechterverhältnisses insbesondere auf Regina Becker-Schmidts Konzepte von Geschlecht als Strukturkategorie (1993) und der doppelten Vergesellschaftung von Frauen (1987) gestützt. Ihr zufolge strukturiert die Geschlechtszugehörigkeit (ähnlich wie die Klassenzugehörigkeit) systematisch die Möglichkeiten und Chancen, objektive wie subjektive, die jemand in dieser Gesellschaft hat. Außerdem sind Frauen grundsätzlich in zwei Praxisbereichen vergesellschaftet: dem Bereich der privaten Haus- und Familienarbeit und dem Bereich der Erwerbsarbeit.

Des Weiteren hat Ursula Beer (1990) das bei uns herrschende Verhältnis zwischen den Geschlechtern als doppelten Sekundärpatriarchalismus gekennzeichnet. Im Gegensatz zum klassischen patriarchalischen System bezeichnet der Sekundärpatriarchalismus den Umstand, dass fast ausschließlich Männer Positionen mit Macht- und Herrschaftsbefugnissen besetzen, und dies, nach der historischen Trennung in Erwerbs- und öffentliche Sphäre auf der einen, Familien- und Privatsphäre auf der anderen Seite, zweifach: in Gestalt besser dotierter Posten im Produktions- und Politsystem und in Gestalt ökonomischer Abhängigkeit und einseitiger Verpflichtung zu generativer Versorgungsleistung im Reproduktionssystem für die Frauen.

Mit dem Fortwirken der alten (wenn auch in modernisierter Form) patriarchalischen Muster wird den Frauen institutionell und gewohnheitsmäßig unbewusst trotz formal gleicher Rechte immer noch eher der Platz drinnen, d.h. im Haus, im Privaten, bei den Kindern, im Gefühls- und Seelenleben, in den „weichen“ Studiengängen und Berufsfeldern zugewiesen, während das Draußensein, auf den Plätzen, in der Öffentlichkeit, in den Konkurrenz- und Machtkämpfen (der Männer) für Frauen immer noch für unpassend, weil unweiblich gehalten wird, auch von ihnen selbst. Bourdieu (1997, 1998) zufolge ist dies einer der wichtigsten Effekte der auch bei uns andauernden männlichenHerrschaft mit ihren von der männlichen „libido dominandi“ angetriebenen männlichen Spielen, in denen die Männer zwar Macht und Ansehen akkumulieren, aber auch gefangen sind (das Privileg als Falle), während die Frauen dem Ausschluss von diesen Spielen den „luziden Blick“, das Durchschauen der Unsinnigkeit der den Spielen zugrunde liegenden Konkurrenzkämpfe verdanken.

Anlage und Ergebnisse der Studie

Mit diesem klassen- und geschlechtertheoretischen Rüstzeug ausgestattet haben wir uns an die empirische Erforschung des Verhältnisses von Klasse und Geschlecht gemacht, von deren Ergebnissen ich hier eine kleine Auswahl darstellen will. Methodisch haben wir uns der Untersuchung mithilfe der drei oben genannten Hypothesen (Geschlechts-, Klassen- und Klassengeschlechtshypothese), einer Datenauswertung des Sozioökonomischen Panels (1990 Westdeutschland) und (1994 geführten) Interviews mit Paaren aus vier modernisierten bzw. teilmodernisierten Klassenmilieus aus dem von Vester u.a. (1993) für Deutschland modifizierten sozialen Raum genähert.

Einer anderen Darstellung fand ich auch interessant, habe sie aber leider nicht als Text gefunden:

Das ganze Konzept geht von einer starken Passivität der Frau aus. Sie darf nicht selbst ein Wahlrecht haben oder lieber bei den Kindern bleiben statt im Büro. Sie muss es passiv machen, weil der Mann ihr keine andere Wahl lässt, da er sich die Macht bewahren will.

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45 Gedanken zu “Sekundärpatriarchalismus

  1. Hilft nichts. Wir müssen Frauen zwingen 40h Wochen zu arbeiten damit Frauen endlich Zugang zu Geld bekommen und nicht nur läppische 80% aller privaten Kaufentscheidungen treffen.

  2. Das ist ein toller Text:

    Die Geschlechtsspezifik in der primären Zuweisung von entgeltlicher und unentgeltlicher Arbeit an jeweils eines der beiden Geschlechter (vgl. Beer 1984) hat zur Folge, dass Frauen, die diesem Modell voll entsprechen, als „Lohn“ für ihre Arbeit allenfalls auf „Liebe“ rechnen dürfen (Bock/Duden 1977), verknüpft mit ehelichfamilialem Unterhalt und abgeleiteten Ansprüchen an die Systeme der sozialen Sicherheit (vgl. Ostner 1995). Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Frauen vorrangig auf unentgeltliche Arbeit in der Familie festlegt, entbindet diese jedoch keineswegs vom Zwang zur Aufnahme von Erwerbsarbeit, wenn die familiale Existenzsicherung das erfordert. Frauen befinden sich damit von vornherein im Nachteil gegenüber Männern, denn auf diese Weise wird ihnen der Zugang zu einer hochbedeutsamen gesellschaftlichen Ressource verwehrt oder erschwert: Geld als Medium einer Tausch- und Warengesellschaft. Wer nicht über Vermögenswerte verfügt und sie zum Lebensunterhalt einsetzen kann, muss ihre oder seine Existenz mit der Aufnahme und Ausübung von Erwerbsarbeit sicher stellen.

    Ich frag mich, ob man ihn ins Deutsche übersetzen kann?

    Frauen dürfen nicht selbst wählen, ob sie arbeiten gehen oder nicht, das wird ihnen „zugewiesen“.

    Die Opfer dieser Zuweisung bekommen dafür, dass sie mit ihren Kindern spielen, rein gar nichts, außer:
    – die Liebe ihrer Familie
    – vollumfängliche Versorgung in den sozialen Netzen
    – rechtlich abgesicherten Anspruch auf die Hälfte von allem, was der Mann erwirtschaftet
    – üblicherweise Kontrolle über die gemeinsame Haushaltskasse

    Falls der Mann nicht genug ranschafft, und nur dann, MÜSSEN sie selbst arbeiten gehen.
    Andernfalls können sie zwar arbeiten gehen, müssen aber nicht und deswegen haben sie kein Geld.
    Es ist ein Skandal, dass eine Frau, die kein Vermögen, keinen Job und keinen gut verdienenden Mann (der Teil fehlt versehentlich im Original) hat, kein Geld hat.

    Sie ist eine Frau, for fucks sake!! Gebt ihr Geld!!!

    • Noch besser ist das hier:

      „eher der Platz drinnen, d.h. im Haus, im Privaten, bei den Kindern, im Gefühls- und Seelenleben, in den „weichen“ Studiengängen und Berufsfeldern zugewiesen,“

      Da gibt es extra Fördertage, um Frauen in die „harten“ Fächer zu locken und die studieren doch lieber Genderschwachsinn, Politologie, Kunstgeschichte oder Amerikanistik, aber das liegt natürlich nur daran, dass denen das gemeinerweise zugewiesen wurde…

      Würde man sie nur endlich lassen, sie würden den außerdem den Maurern und Klempnern und all den „harten“ Berufen, die Türen einrennen.

      Eigentlich wäre es nach einem solchen Text konsequent, wenn man jeder, die sich darauf bezieht, einen „harten“ Job tatsächlich zuweist. Ohne wenn und aber.

  3. „, habe sie aber leider nicht als Text gefunden:“

    – Speichere das Bild in Google drive
    – rechts Klick auf das Bild in Google Drive => Öffnen mit => Google DOcs
    Google Docs öffnet sich, das Bild wird oben im Docs-Document eingebunden, und darunter eine OCR-Version des Textes geschrieben.
    – markiere den Text, copy, und hier wieder einfügen.

    Bei einer so schönen Vorlage klappt das hervorragend und der gesamte Vorgang dauert nur Sekunden. Das Ergebnis:

    „schafts- und Bevölkerungsweise“ geht Ursula Beer (1990 149-275) der Frage nach, wie das Arbeits- und Fortpflanzungsvermögen von Männern und Frauen in diesem Übergang in ungleicher Weise vergesellschaftet wurde und wie das Geschlechterverhältnis in Gestalt der Geschlechterhierarchie zu Gunsten von Männern und Zu Ungunsten von Frauen Zum historischen Konstituens der kapitalistischen Gesellschaftsformation geworden ist. Es sind nach Ursula Beer (1991: 260261) im Hinblick auf den Übergang von der „ständisch-feudalen“ zur „industriellkapitalistischen“ „Wirtschafts- und Bevölkerungsweise“ vor allem zwei gesellSchaftliche Entwicklungen, die hier ineinander laufen die Herausbildung der freien Lohnarbeit als Kehrseite des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Aufhebung der Eheverbole wie in der Folge die Verallgemeinerung dieser Arbeitsform und der Ehe als Lebensform. Diese Prozesse rekonstruiert die Autorin dahingehend, wie die Markt-, „Versorgungs- und Fortpflanzungsökonomie“ und darin die Geschlechter zueinander in Beziehung gesetzt worden sind. Empirisch und somit bezogen auf den gesellschaftlichen „Funktionszusammenhang“ der Gesellschaft untersucht sie hierzu die Rechtskomplexe Arbeits-, Sozial-, Familien- und Steuerrecht. Im Ergebnis Zeigt sie, dass jeder dieser Komplexe die Vorrangstellung von Männern gegenüber Frauen formal voneinander unabhängig von den übrigen Komplexen gewährleistete und sie auf diesem Wege zum durchgängigen Muster werden ließ (vgl. Beer 1990: 153-257). Dieses Muster bezeichnet Ursula Beer (1991: 260-288, zuerst 1990) als „Sekundärpatriarchalismus“. Der „Primärpatriarchalismus“, wie die Autorin die in erster Linie an Eigentum an Grund und Boden gebundene Form vom Patriarchalismus nennt, sei einem „beruflichen“ und „familialen „Sekundärpatriarchalismus“ gewichen, welcher nicht mchr primär auf Eigentum an Grund und Boden gründe, sondern einerseits auf der Verfügung über Kapital und andererseits mit der Verallgemeinerung der formal freien Lohnarbeit auch auf Ressourcen aus Erwerbsarbeit. In Gestalt des Formwandels vom „Primär-“ Zum „Sekundärpatriarchalismus“ ist Geschlechterungleichheit also für beide Seiten des Kapitalverhältnisses, für das Privateigentum an Produktionsmitteln und für die Lohnarbeit, als historisch konstitutiv zu begreisen (vgl. Beer 1991). In Bezug auf seine Bedeutung für die Gesellschaft bezeichnet der „Sekundärpatriarchalismus“ eine durchgängige Vorrangstellung von Männern, Wclche mit einer bedingten, bis Vor noch nicht allzu langer Zeit rechtlich legitimierten Verfügung über das Arbeits-, Sexual- und Fortpflanzungsvermögen von Frauen einhergegangen ist (vgl. Beer 1990: 192-257).

  4. Diese Fehlversuche zur Analyse machen diesen Denkfehler: im familiären Raum ist die Interaktion zwischen den Partnern keine Kauf- oder Verkaufssituation.

    Dass überhaupt von Liebe als Bezahlung die Rede ist, ist voll daneben. Die Kernfamilie ist eine Team-ähnliche soziale Einheit. Das Team kann funktionieren oder nicht, aber der Team-Charakter bleibt.

    Im funktionierenden Team wird niemand sagen: tu du dein Teil, oder ich verweigere meine anteilige Teamleistung. Im Team sind die Ressourcen nicht „dein und mein“, sondern „unser“.

    Übersetzt ins wirkliche Leben: die Knete, die Paps heimträgt, gehört Paps und Mamsi GEMEINSAM.

    Die Geisteskrankheit der Genderista besteht darin, die Teammitgliedern als Marktteilnehmer zu betrachten, und das Eheleben als Bazar.

    Meine Fresse.

    • „Die Kernfamilie ist eine Team-ähnliche soziale Einheit.“

      In vielen Fällen ist es sogar eine Überlebensstrategie, d.h. der Feind ist außen und nicht innen. Historisch war das vermutlich der Normalfall, heute ist es vermutlich seltener, zumindest in Wohlstandsgesellschaften.

      „Die Geisteskrankheit der Genderista besteht darin, die Teammitgliedern als Marktteilnehmer zu betrachten,“

      Klar, das ist das altbekannte zentrale Dogma der Gender Studies und des Feminismus, daß die Männer die Frauen unterdrücken und insofern die Geschlechterbeziehungen prinzipiell immer als Machtkampf zu verstehen sind, sowohl individuell in Beziehungen (das private ist politisch…) als auch mit Männern und Frauen als sozialen Klassen auf Populationsebene (daher Quoten).

    • Die Geisteskrankheit der Genderista besteht darin, die Teammitgliedern als Marktteilnehmer zu betrachten,

      Darin liegt übrigens eine bemerkenswerte Parallele zum Neoliberalismus: Auch dem geht es darum, möglichst viele Beziehungen als Marktverhältnisse zu organisieren. Die „natürliche“ Organisationsform des Menschen ist nämlich eigentlich die Team- oder Gemeinschaftsbildung – Sozialismus. Jedes Unternehmen besteht in seiner inneren Organisation gerade nicht aus Marktbeziehungen, sondern deren Abwesenheit. Für die Familie gilt natürlich ähnliches.

      Und in der Tat wird ja inzwischen sogar von Teilen des Feminismus gesehen, dass die Emanzipation der Frau in die „Berufstätigkeit für alle“ den Kapitalinteressen enorm nützlich ist.

      Ich vermute ehrlich gesagt, dass der Feminismus wie schon zuvor beim Marxismus diese neoliberalen Ideen nur aufgeschnappt und in das eigene durch den elaborierten Jargon überhöhte Gebrabbel eingebaut hat, ohne auch nur zu verstehen, was eigentlich hinter diesen Konzepten steckt und warum Männer sich die überhaupt ausgedacht haben.

      • @lh

        „Darin liegt übrigens eine bemerkenswerte Parallele zum Neoliberalismus: Auch dem geht es darum, möglichst viele Beziehungen als Marktverhältnisse zu organisieren.“

        Stimme ich zu.
        Der Feminismus ist komplett kompatibel mit neoliberaler Ideologie.
        Die Kernthese des Feminismus, wonach männliche Macht die gesamte Gesellschaft strukturiert, lässt machtlose Männer komplett verschwinden.

        Die maximale Einsicht ist, das Patriarchat verletzt „auch“ Männer – wie das gleiche Patriarchat es schafft, vorgeblich allen Männern zu nutzen und dafür zu sorgen, dass die Mehrheit der Männer nicht vom Patriarchat profitiert ist ein Widerspruch in sich. Don`t give it a second thought…

        Die feministische Theorie, wonach wenn Männer keine ökonomische oder politische Macht haben, dann wenigstens die über Frauen ist 1:1 das neoliberale „trickle down pattern“.

        Die haltlose *Unterstellung*, wonach in einer patriarchalen Gesellschaft aber Männer die Macht haben *müssten*, macht diejenigen, die objektiv keine haben, obwohl sie diese theoretisch haben *sollten*, klammheimlich zu Würstchen. Da Männer sowieso die Macht haben, braucht ihnen nicht geholfen zu werden, denn der jetzige Zustand ist genau der, der ausschließlich Männern nützt. QED
        Es muss bei den männlichen Verlierern also an ihrer subjektiven/biologischen Unzulänglichkeit liegen oder anders herum: SELBER SCHULD (gleiches Spiel mit white supremacy: weiß und arm? Selber Schuld bzw. „white trash“!).

        Weil die Schuld tief verwurzelt in (biologischer) „Männlichkeit“ ist, kann die Problemlage auch nicht gesellschaftlich behoben werden und eröffnet daher politische Einsparpotentiale in Höhe von 50%.

        D.h. die feministische Ideologie ist wie geschaffen für die neoliberale.
        Es brauchte gar keine „neoliberale Wende“ des Feminismus – sie war von Anfang an „all inclusive“.

        Gruß crumar
        (Organisation MGTOW)

      • „Darin liegt übrigens eine bemerkenswerte Parallele zum Neoliberalismus: Auch dem geht es darum, möglichst viele Beziehungen als Marktverhältnisse zu organisieren. “

        Eigentlich nicht. Denn Neoliberalismus heißt ja, dass jeder für sein eigenes Einkommen zu sorgen hat ohne Subventionieren durch Staat und Gesellschaft.
        Umverteilung und Partizipation ohne Qualifikation oder Eigenverantwortung – von Feministen seit jeher gefordert – ist ein genuin sozialistisches Konzept.

        • Denn Neoliberalismus heißt ja, dass jeder für sein eigenes Einkommen zu sorgen hat ohne Subventionieren durch Staat und Gesellschaft.

          Außer von Dir habe ich dieses Ziel des Neoliberalismus noch von niemandem gelesen und mir fällt auch keine bedeutende wirtschaftspolitische Maßnahme der neoliberalen Ära ein, die dies verfolgt hätte?

        • @Adrian

          Bestandteil der neocon Agenda war bspw. in den USA die Reduzierung der Truppenstärke in besetzten Ländern und die gleichzeitige Übertragung von Aufgaben, die die Armee geleistet hatte auf private Dienstleister (s. Blackwater). Die selbstverständlich wesentlich teurer waren, als wenn dies Angehörige der Armee geleistet hätten.
          Auch das gesamte Rüstungsbudget entzieht sich weitgehend marktwirtschaftlicher Regelungen und sichert den Firmen einen fixen Profit zu.
          Das könnte man also eine Art „Kriegskeynesianismus“ nennen und selbstverständlich handelt es sich dabei um eine Subvention.

          Weiter: Die Privatisierungsgelüste staatlicher Firmen galten und gelten selbstverständlich eher solchen Firmen, die ein (regionales) Monopol hatten – siehe hier die Berliner Wasserwerke, siehe die Bundesdruckerei, die nach beeindruckenden zwei Jahren nach Privatisierung schon pleite war.
          Dass die (Teil-)Privatisierung von Monopolen irgendwie auf die Preise durchschlägt – wer konnte das ahnen???

          „Am günstigsten war Trinkwasser im vergangenen Jahr in Niedersachsen, wo 1,23 Euro für 1000 Liter bezahlt werden mussten. Am teuersten war es in Berlin mit 2,17 Euro für dieselbe Menge. Hier hat das Bundeskartellamt jedoch eine Preissenkung erzwungen, was den Preis in diesem Jahr auf 1,81 Euro sinken lässt.“
          https://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article126045252/Das-teuerste-Wasser-trinken-die-Berliner.html

          Nun ist „sinken“ bei einem Preisaufschlag von fast 50% gegenüber einem anderen regionalen Anbieter höchst relativ…

          Auch die PPP-Projekte erweisen sich regelmäßig als teuer Flop:
          „Bei genauem Hinsehen stellten die Prüfer des Bundesrechnungshofs ernüchtert fest, dass die Zahl der Fehlschläge ungefähr genauso groß ist wie die Zahl der Projekte. Die Mehrkosten für die Bürgerinnen und Bürger gehen in die Milliarden: Fünf von sechs Projekten verursachen Mehrkosten von über 1,9 Milliarden Euro. Das Geld hätte man sparen können, wenn man die Projekte rein öffentlich umgesetzt hätte. Ihre Trickserei lassen sich die politischen Repräsentanten also auch noch teuer von den Steuerzahlern bezahlen.“
          https://www.heise.de/tp/features/Das-unsaegliche-Elend-der-Public-Private-Partnerships-PPP-3376963.html?seite=3

          Ob es Lobby-Tätigkeiten sind, die darauf abzielen öffentliche Infrastruktur (s. Autobahnen) zu verschachern oder sinnvolle Regulierungen auszuhebeln (s. Finanzmärkte), überall geht es darum, durch diese Tätigkeiten den Markt und demokratische Kontrolle auszuhebeln und Profite für Banken und Versicherungen zu generieren.

          Wenn diese am Markt ihre selbst gesteckten Renditeerwartungen nicht realisieren können, ist es nicht Aufgabe der Steuerzahler, für solche Erwartungen aufzukommen.
          Denn selbstverständlich handelt es sich hierbei ebenfalls um eine verborgene Subvention.
          Was der Neoliberalismus als Ideologie von sich selbst behauptet hat mit seiner eigenen Praxis wenig zu tun.

          Gruß crumar
          (Organisation MGTOW)

        • Nein, Neoliberalismus bedeutet u.a. auch die die Zerschlagung kollektiver politischer Einrichtungen wie Gewerkschaften oder Sozialsysteme, die durch die Selbstorganisation von Menschen entstanden sind. Neoliberalismus bedeutet, Menschen daran zu hindern, sich zu organisieren und solidarisch ihre Interessen zu vertreten.

        • Z.B. auch indem man eine Gesellschaft mit Fremden überflutet und den Zusammenhalt der Menschen zerstört, indem man an die Stelle von durch Geschichte, gemeinsame Sprache und Kultur geprägten Gemeinschaften einen Menschenbrei aus Fremden setzt, der unfähig ist, solidarisch seine Interessen zu vertreten.

        • @El Mocho

          „indem man eine Gesellschaft mit Fremden überflutet und den Zusammenhalt der Menschen zerstört, indem man an die Stelle von durch Geschichte, gemeinsame Sprache und Kultur geprägten Gemeinschaften einen Menschenbrei aus Fremden setzt, der unfähig ist, solidarisch seine Interessen zu vertreten.“

          Das Kapital ist ja ein scheues Reh und natürlich ist die eine Seite der Demographie, dass leider kein Geld mehr da sein wird, wenn die „baby boomer“/Generation X in Rente gehen. Ätsch!
          Die andere Seite ist, selbst wenn diese den Löffel abgeben, wird herrschen heulen und zähneklappern für die nächsten 20 Jahre, denn seit dem peak der Geburtenraten von 1962-1966 gibt es bis 2009 nur eine einzige Richtung: Abwärts. Seit 1964 hat sich die Zahl der Geburten bis 2015 ungefähr halbiert, nämlich von 1,4 Millionen auf 738.000.

          Angenommen, wir glauben an die Rente mit 67, werden also ab 2029-33 *jedes Jahr* mehr als 1,2 Millionen Menschen aus dem Produktionsprozess ausscheiden, um naturgemäß ersetzt zu werden von der nächsten Generation.
          Aber diese weist eine Deckungslücke an Geburten im 1990-1995 (Geburt der Kinder der Jahrgänge 1962-1966) von wenigstens 400.000 Menschen im Jahr auf, d.h. *nur in diesen 5 Jahren* werden mehr als 2 Millionen Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt verschwunden sein.

          Es droht also ernsthaft Vollbeschäftigung, denn Angesichts der Realinvestitionen sehe ich nicht, dass diese Entwicklung durch Automatisierung konterkariert werden kann.
          Das mag das Kapital natürlich gar nicht, wenn so eine schicke Erpressung wegfällt. 😉

          Von daher macht die Propaganda von der „Einwanderungsgesellschaft“ als Kapitalstrategie natürlich Sinn.
          Denn es ist wesentlich billiger, fertig ausgebildete Menschen zu integrieren, als für deren Aufzucht und Qualifikation zu bezahlen.
          Leider verfolgen alle neoliberalen Länder *die identische* beggar thy neighbour-Strategie und man kann bspw. polnische Ärzte eben nicht beliebig aufteilen (dass es widerlich ist, ärmere Länder zu nötigen, für den eigenen Arbeitsmarkt Menschen teuer zu qualifizieren, deren Herkunftsgesellschaft von dieser bezahlten Qualifikation jedoch nicht profitiert, brauche ich wohl nicht zu betonen > Euphemismus „brain drain“).

          Es hat als Erfordernis aber WIRKLICH einen realen Kern, denn wenn die Geburtenzahl mit 665.000 im Jahr 2009 die niedrigste seit Bestehen der Bunderepublik war und das Durchschnittsalter für die erste Geburt sich bei 30 einpegelt, gibt es das nächste Problem spätestens 2039.
          Bei 1,5 Kindern pro Frau und 333.000 Frauen sind das ca. 500.000 Geburten für diesen Jahrgang – das nennt man auch „Abwärtsspirale“.
          Es wären dann abermals 25% weniger Kinder…

          Dass die Einwanderungspolitik die Strategie verfolgt Löhne zu drücken ist altbekannt, aber wie hoch sind denn die Chancen, dass sie Erfolg hat?
          Erinnert sich noch jemand an die Debatte um die green card für Informatiker?
          War ein gigantischer Flop.

          Die Hoffnung auf gebildete, qualifizierte Flüchtlinge oder Immigranten war insgesamt eher trügerisch und Angesichts der Arbeitsmarktentwicklung kann man natürlich davon ausgehen, es wird versucht, den Mindestlohn zu drücken respektive abzuschaffen.
          Das ist aber eine Strategie, die auf Drückung der Preise für *unqualifizierte Arbeit* abzielt – wie viele Arbeitsplätze gibt es hier noch, die so beschaffen sind?

          Dann möchte ich Angesichts der empirischen Daten darum bitten, die Bälle flach zu halten:
          „Ausländer werden von den verschiedenen Statistiken unterschiedlich erfasst. Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der Nicht-EU-Ausländer in Deutschland auf 4,8 Millionen. EU-Bürger mit eingerechnet leben 8,7 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik.“

          Ergo:
          Nicht EU-Ausländer: 4,8 Millionen
          EU-Ausländer: 3,9 Millionen
          Und ich mag diese EU-Ausländer, besonders die Griechen, bzw. ganz besonders die Griechinnen!

          „Am weitesten gefasst ist die Definition, die alle im Ausland geborenen Menschen als „Ausländer“ erfasst, inklusive zum Beispiel der türkischstämmigen Einwohner, die die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben. Nach dieser am weitesten gefasste Definition liegt die Zahl der Migranten bei 10,9 Millionen.“
          https://www.welt.de/wirtschaft/article165969350/Deutschland-ist-das-groesste-Ziel-der-neuen-Voelkerwanderung.html

          So etwas finde ich persönlich absolut fragwürdig.
          Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist Deutscher. Punkt

          Angesichts der Tatsache, dass die Gesamtbevölkerung 81 Millionen beträgt, finde ich bei einem Ausländeranteil von faktisch 10,7% die Idee, diese käme einer geplanten „Umvolkung“ gleich irrational.
          Der Idee allerdings, wir würden uns alle in einen großen multikulturellen melting pot verwandeln a la USA steht entgegen, dass hier keine indigene Bevölkerung eliminiert worden ist und es sich um ein „Land ohne Volk“ handeln würde. Die Bevölkerungsentwicklung der USA ist weder zu kopieren, noch überhaupt ein Vorbild, jede „critical whiteness“-Idiotie stößt auf den Fakt, hier sind 85%+ der Bevölkerung mit dieser Hautfarbe versehen, demzufolge ist das sinnlos.
          Aber den Aussagen der „copy&paste“-Ideologen mit ebenso irrealen Ängsten zu begegnen ist einfach keine Lösung.
          Und – wie oben schon ausgeführt – hat die Projektion der Geburtenraten den realen Kern, auch Ausgangspunkt einer unumkehrbaren Abwärtsspirale sein zu können. Diese Gefahr ist tatsächlich real.

          Gruß crumar
          (Organisation MGTOW)

          PS: Ich persönlich würde mich natürlich auch vermehren; aber nur gegen Bezahlung und bspw. mit Griechinnen.

        • @Henrik:

          „Wenn man ehrlich ist, hat das Neo vor Liberalismus keinen Sinn. Es ist schlicht Liberalismus.“

          Die Begriffe gehen alle fehl.

          Historisch ist der Liberalismus eine politische Bewegung, gegen die Monarchie bzw. den Obrigkeitsstaat, er hat daher in einer Demokratie eigentlich kein Ziel mehr (wenn wir eine Demokratie hätten).

          Wie der Begriff „Neoliberalismus“ entstanden ist, weiß ich nicht genau, aber es handelt sich eher um eine ökonomische Ideologie (weniger eine politische), die sich aus der sogenannten Neoklassik ableitet:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Neoklassische_Theorie
          Vielleicht ist mit Neoliberalismus der politische Auswuchs der Neoklassik bezeichnet.

          Fakt ist, dass die „neoklassische Theorie“ mehr oder weniger reine Ideologie ist, ähnlich dem gender-Blödsinn. Sie beinhaltet ein, mehr oder weniger, komplexes Modell, aus, mehr oder weniger, plausiblen Lehrsätzen und jeder Menge Mathematik. Nur eines kann sie nicht: sinnvolle Aussagen zur wirtschaftlichen Wirklichkeit liefern. In der Praxis scheitert sie immer wieder und redet sich, ähnlich wie alle dämlichen Ideologien, damit heraus, dass das Modell nicht gut genug umgesetzt wurde (ala: „der Markt scheiterte nur, weil sich die Politik noch nicht genug rausgehalten hat“ usw.).

        • @all
          Die Bedeutungs-Geschichte von Neoliberalismus ist interessant. Ursprünglich bezog sich der Begriff auf die Situation Grossbritaniens, welches seit dem ersten Liberalismus immer regulierter, zu einer regelrechten Planwirtschaft wurde. Durch Thatcher wurde ein Prozess angestossen, der sich „Neoliberalismus“ nannte. Andere sattelten drauf, obwohl sie ganz andere Entwicklung hatten, wie die USA, die nie wie GB so überreguliert gewesen wäre. Die sinnvollen Regulationen und Gesetze der Nachzeit der Weltwirtschaftskrise wurden abgeschafft, unterhöhlt oder irrelevant gemacht. Diese finanzielle Deregulation wurde dann auch „Neoliberalismus“ genannt.
          Ebenso wurde jede weitere Entwicklung mit diesem neuen Liberalismus identifiziert, der Begriff hatte sich verselbstständigt. Sowohl in der Linken als auch in der Rechten verursachte er viel Bruwahu, als Begriff der Insinuation des Bösen. Die Neoliberalen oder das Neoliberale wurden stilisiert zu allem, was falsch, ungerecht und ausbeuterisch ist. Dabei nahmen Welthandel und Reichtum der Welt in dieser Zeit massgeblich zu! Diese Entwicklung, die alles einrahmt, wurde dann schliesslich auch mit dem Neoliberalismus in Verbindung gebracht, war aber ganz analog dem Reichtum der Nationen, also nach dem alten Liberalismus.

    • „Die Geisteskrankheit der Genderista besteht darin, die Teammitgliedern als Marktteilnehmer zu betrachten, und das Eheleben als Bazar.“

      Nein, nicht das ist die Krankheit. Insbesondere lassen sich naürlich tatsächlich auch die einzelmitglieder eine kooperativen teams als Marktteilnehnmer betrachten. Das ist im Grunde legitim, wenn man da ergebnisoffen schaut, zu wass für erkenntnissen man kommt.
      Die Geisteskrankheit der Genderista liegt genau darin, eben nicht Ergebnisoffen hinzuschauen, sondern immer mit dem vor-festgelegten Ergebnis:
      Inwiefern sehen wir da eine Unterdrückung der Frau?

  5. @Christian @Matze

    Willkommen in der Welt, in der ich Feminismus kennen gelernt habe.

    Das erste, was hier auffällt: Hier bemühen sich Feministinnen wirklich, auf Basis einer Theorie (die erkennbar marxistische inspiriert ist) konsistent zu argumentieren und den Zusammenhang von Klasse und Geschlecht in einer historischen Entwicklung zu entfalteten.

    Zweitens (was im Text nur angedeutet wird), die Bemühung, mit Rückgriff auf empirische Daten (sozio-ökonomisches Panel) die Plausibilität ihrer Thesen zu stützen bzw. zu beweisen.

    Wenn ihr solche Texte lest, dann sind diese – gebt es zu! – um Meilen entfernt von dem irrationalen Gequatsche einer bspw. Laurie Penny.

    Damit könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wieso eine ganze linke Generation pro-feministisch aufgewachsen ist. Der Rückgriff feministischer Theorie auf ein framework einerseits, welches ohnehin in der Linken existierte und zweitens hat diese Generation Feministinnen wirklich wissenschaftlich gearbeitet. Die so entwickelten Thesen klangen daher (wenigstens) „anscheinsplausibel“ – dazu später mehr.

    Auf der Basis der Jahreszahlen der Veröffentlichungen kann man allerdings klar erkennen, die komplette Fraktion solcher so argumentierenden Feministinnen war nach dem Ende des „real-existierenden Sozialismus“ einerseits und dem Durchbruch des postmodernen Feminismus mehr oder weniger abgemeldet und marginalisiert. Wohlbemerkt: In ihrem eigenen feministischen Lager.

    Wenn „Missy“ auf Begriffe zurückgreift, die in diesen Zeiten entwickelt worden sind, dann ist das m.E. der Ausdruck der Erkenntnis, mit dem aktuellen theoretischen Instrumentarium in die Krise geraten zu sein.
    *Dass* diese Krise existiert lässt sich daraus herleiten, wie einfach es geworden ist, jedwede postmodern/genderistisch-feministische Veröffentlichung in fünf Minuten auseinander zu nehmen.
    Und wie – mitm berechtigt herausstellt – sich dabei auch noch zu langweilen.

    Die damalige Intention, mit dem Begriff des “Sekundärpatriarchalismus” zu arbeiten, lässt sich zur Hälfte aus dem Text herleiten.
    Indem man unterstellt, es habe einen „Primärpatriachalismus“ gegeben, der sich dem *Besitz an Grund und Boden* verdankt.
    Wer marxistische Theorie kennt, wird das (anscheins-)plausibel finden: Eine feudalistische Gesellschaft produziert eine spezifische Ideologie zur Absicherung von Herrschaft, eine kapitalistische eine andere.
    Denn eine kapitalistische Gesellschaft ist primär gekennzeichnet durch den Privatbesitz an Produktionsmitteln und der Verallgemeinerung der Lohnarbeit, der Besitz an Grund und Boden ist demgegenüber sekundär.
    Demzufolge ist diese Gesellschaft formbestimmend gegenüber der Ideologie und auch die Ideologie muss sich wandeln, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse es tun.

    Was sich in dieser Trennung jedoch ausdrückt und was nicht im Text gesagt wird: Es ist die Revision der Theorie, es habe *ein einziges* überhistorisches Patriarchat gegeben.
    Welches überhistorische gültige und geltende Zwangsmittel einsetzt, um Frauen auf ihren (untergeordneten) Platz in der Gesellschaft zu verweisen.

    Diese Strategie macht den „Charme“ und zugleich die Schwäche radikal-feministischer Theorie aus, die sich im angelsächsischen Lager durchgesetzt hat.
    Damit meine ich u.a. die (völlig absurde) Theorie der „rape culture“, demzufolge durch sexuelle Gewalt alle Frauen in Angst und Schrecken versetzt werden und damit in eine Position der permanenten Unterordnung.
    Eine solche Theorie, wonach sexuelle Gewalt überhistorisch von der Gruppe aller Männer eingesetzt wird, um ein solches Resultat zu erzielen, lässt sich durch den Verweis auf die durchgehend drakonischen Strafen für Vergewaltigung in der Geschichte jedoch recht einfach widerlegen.
    So dass im Kern nur permanente Propaganda übrig bleibt, um eine solche falsche These zu stützen. Da sie aber falsch ist, wird sie über kurz oder lang unhaltbar sein (natürlich kann man jede Kritik an solchen Lügen immer als „hate speech“ bezeichnen und bestrafen; lässt sich jedoch nur diktatorisch durchsetzten).

    Im obigen *Text* findet findet sich hingegen die These, es bestehe ein „Fortwirken der alten (wenn auch in modernisierter Form) patriarchalischen Muster“ und damit die Absage an eine solche Denkweise, es gäbe ein *ahistorisches* Patriarchat *ohne* gesellschaftliche Formbestimmtheit.

    Der Begriff des Patriarchats wird damit
    a. selber „historisiert“, es wird
    b. unterstellt, ihm sei es gelungen, sich mit den wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen selber zu modernisieren und dadurch (das ist der Clou)
    c. die „Vorrangstellung der Männer“ *weiterhin* zu gewährleisten.

    D.h. unser aller (*der* Männer) Ziel ist natürlich c., aber dem Weltgeist/Patriarchat/jüdischen Bolschewismus gelingt eine geschmeidige Anpassung an sich wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse.

    Das wiederum macht den Charme des Begriffs „Sekundärpatriachalismus“ aus: Er eröffnet den Blick auf die sich wandelnden *Formen* des Patriarchats in einer sich wandelnden Gesellschaft, ohne die Idee aufzugeben, es handle sich dem *Wesen* nach um eine patriarchale Gesellschaft.

    Gruß crumar

    • „Auf der Basis der Jahreszahlen der Veröffentlichungen…“

      Die Beachtung dieser Jahreszahlen und damit des historischen Kontextes, in dem diese Theorien entstanden sind, ist wichtig. Wir haben seit den 1980er Jahren, wo diese Theorien entstanden sind, riesige Fortschritte in der Erforschung unterbewußten „irrationalen“ menschlichen Verhaltens gemacht. Nur ein Beispiel, wo es eigentlich rational zugehen müßte: Börsenpsychologie.

      Auch ist nach meinem Halbwissen (als Nicht-Soziologe) die Luhmannsche Systemtheorie erst im Laufe der 1980er voll entwickelt und in breiteren Kreisen bekannt geworden.

      Den damaligen feministischen Theorien fehlte also wesentliches Vorwissen, und deswegen kann man sie heute nicht einfach ungeprüft übernehmen. Das gilt übrigens am allermeisten für Gender Trouble von Butler (an dieser Stelle eine Werbeeinblendung für die mMn hervorragende Analyse von Gender Trouble von djadmoros: https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2015/04/20/feministische-theoriewoche-soziale-konstruktion-der-geschlechter)

      Daß sich die Missy-Aktivistinnen auf den Wissenstand der 1980er beziehen, bestätigt nur meinen Eindruck, daß die Zeit für diese Damen ungefähr damals stehengeblieben ist und spätere Erkenntnisse mental abgeblockt werden: damals war der Glaube an den Opferstatus noch ungebrochen und Allgemeingut.

      • @mitm

        „Daß sich die Missy-Aktivistinnen auf den Wissenstand der 1980er beziehen, bestätigt nur meinen Eindruck, daß die Zeit für diese Damen ungefähr damals stehengeblieben ist“

        Da muss ich leider widersprechen.
        Der Einbruch der Postmoderne in diesen Feminismus erfolgte mit Butler in den 1990ern, dieser wiederum sind gesellschaftliche und historische Bezüge, wie den auf Feudalismus oder Kapitalismus, völlig fremd.

        Wenn sich „Missy“ also wieder an *diesem* Feminismus aus den 80ern orientiert, dann m.E., weil ihnen (unbewusst) schwant, dass der Ausflug in den Postmodernismus/Genderismus in den Untergang führt.

        Gruß crumar
        (Organisation MGTOW)

        • Du hast recht. Ich hatte das zu allgemein formuliert, es wr nur für die biologischen / medizinischen / verhaltenspsychologischen Grundlagen gemeint.

        • @mitm

          „es war nur für die biologischen / medizinischen / verhaltenspsychologischen Grundlagen gemeint.“

          Wie jetzt?
          Insbesondere Frauen sollen Biologie, Medizin und Verhaltenspsychologie zur Kenntnis nehmen?
          Sind das nicht alles zutiefst patriarchale Wissenschaften, du misogyner Mausewicht??? 😉

      • „Der Einbruch der Postmoderne in diesen Feminismus erfolgte mit Butler in den 1990ern“

        Aber nein. Viel wichtiger ist die Hinwendung zur Esoterik gleich zu Anfang der 2.Welle Ende der 1960er. Tauchte in den 90ern auf dem Höhepunkt plötzlich unter und ging mainstream, abgelöst vom Genderismus von Butler, den man als den Versuch einer Synthese der marxistischen und der esoterischen Feminismus sehen müsste.

    • @crumar

      „*Dass* diese Krise existiert lässt sich daraus herleiten, wie einfach es geworden ist, jedwede postmodern/genderistisch-feministische Veröffentlichung in fünf Minuten auseinander zu nehmen.“

      Ein grundlegendes Update steht an. Da ist der Feminismus ja Spitze drin, den Phoenix aus der Asche abzugeben. Ich glaube immer noch die nächste Inkarnation wird ein biologistischer Feminismus sein, der sich an der evolutionären Psychologie orientiert. Dafür war der Genderquatsch gut.

      • @Alex

        Glaube ich nicht.

        Stell dir vor, sie müssten dem gläubigen Publikum nun sagen: „Der ganze sozialkonstruktivistische Blödsinn, an den haben wir sowieso nie geglaubt. Ätsch! So und nun habt mich wieder lieb, denn sonst ist das frauenfeindlich!“

        Sie können vom Sozialkonstruktivismus und radikalen Subjektivismus nicht weg. Die größten Erfolge haben sie mit diesen Ideologien erreicht und auf einmal wechseln sie die Gäule im vollem Galopp?

        Gruß crumar
        (Organisation MGTOW)

        • @crumar
          „Sie können vom Sozialkonstruktivismus und radikalen Subjektivismus nicht weg.“

          Das ist zentrales Merkmal des Feminismus. Der radikale Subjektivismus erlaubt aber eine völlige Sprunghaftigkeit und Diskontinuität bei der Wahl, wie man seine Weltanschauung das nächste Mal verkauft.
          An sich ist die Form absolut frei wählbar, in der Feminismus auftritt. Das macht aber auch den Reiz aus, seine nächste Erscheinungsform vorherzusagen. Dass er in die reguläre Wissenschaft drängt wissen wir ja, vom Sprungbrett Sozialwissenschaften und Philosophie soll es in die Naturwissenschaften gehen, insbesondere in die Biologie.

          „Die größten Erfolge haben sie mit diesen Ideologien erreicht und auf einmal wechseln sie die Gäule im vollem Galopp?“

          Das ist schlau, denn „it´s all downhill from here“. Mittlerweile dämmert es doch jedem und seinem Hund, wie schwachköpfig „Gender“ ist. Ein guter Moment, um eine neue Metamorphose zu vollziehen.

          Stell dir den darwinistischen Biologismus vor, der zu wilhelminischen Zeiten herrschte. Dahingehen stelle ich mir die Entwicklung vor….

        • @Alex. Wie soll das gehen? Sie müssten dazu die naturwissenschaftliche Methode außer Kraft setzen, die immer wiederzu Ergebnissen führt, die ihren Theorien fundamental widersprechen. Deshalb auch die ganze diskurstheoretische und soziologische Wissenschafttskritik, die sich der Feminismus zu eigen macht.

        • @ElMocho
          „Sie müssten dazu die naturwissenschaftliche Methode außer Kraft setzen“

          Die haben sie schon jetzt mit Erfolg umgangen. So gut wie nirgendwo wird ihre rein theoriegeleitete besser ideologische „Wissenschaftlichkeit“ ernsthaft angezeifelt, trotz einer Omnipräsenz. Die Absichtserklärungen, Ableger der „Geschlechterforschung“ zur Begründung eines neuen Ansatzes in der Biologie gibt es schon längst, zB von der nicht ganz unbedeutenden Uni Marburg zB.

          Weiterhin dürfte die Parxis des Peer-Review-Systems ihnen nicht im Wege stehen….

          Und ein „Darwinian Feminism“ steht ganz diskret schon bereit.

        • @Alex

          „Der radikale Subjektivismus erlaubt aber eine völlige Sprunghaftigkeit und Diskontinuität bei der Wahl, wie man seine Weltanschauung das nächste Mal verkauft.
          An sich ist die Form absolut frei wählbar, in der Feminismus auftritt.“

          Schön gesagt! 😉
          Aber deine Prognose mit der Biologie halte ich für gewagt, denn bisher hat sich nur Kutschera aufgemacht, den Kreationismus im Genderismus zu kritisieren.
          Wenn die Genderisten sich aber aus der Deckung wagen, die Biologie in Gänze anzugreifen, beziehen sie m.E. so satt und lang eins auf die Fresse, so haben sie noch nie in ihrem Leben Dresche bezogen.

          Aber ich bin gespannt!

          Gruß crumar
          (Organisation MGTOW)

    • „Eine solche Theorie, wonach sexuelle Gewalt überhistorisch von der Gruppe aller Männer eingesetzt wird, um ein solches Resultat zu erzielen, lässt sich durch den Verweis auf die durchgehend drakonischen Strafen für Vergewaltigung in der Geschichte jedoch recht einfach widerlegen.
      So dass im Kern nur permanente Propaganda übrig bleibt, um eine solche falsche These zu stützen. Da sie aber falsch ist, wird sie über kurz oder lang unhaltbar sein (natürlich kann man jede Kritik an solchen Lügen immer als „hate speech“ bezeichnen und bestrafen; lässt sich jedoch nur diktatorisch durchsetzten).“
      Deinen Optimismus bzgl der „unhaltbarkeit“ teile ich nicht.
      Da hat , denke ich, das Goebbels zugeschriebene Zitat leider seine Gültigkeit: „Man muss eine Lüge nur oft genug wiederholen, damit sie zur Wahrheit wird“.
      Insbesondere, weil ich schon denke, dass wir eine durchaus schon biologisch vorgegebene Bereitschaft haben, Aussagen solcher Art über verfolgte und daher zu beschützende Frauen mit allergrößtem Enthusiasmus zu glauben, und jeder, der sie bezweifelt, schon mal deshalb ein widerlicher Frauenverachtender Feind ist.
      Das braucht schon sehr viel geduldiger Aufklärungsarbeit, um wenigstens ein paar Leute auf ein paar Unstimmigkeiten dieser Idee aufmerksam zu machen, während jede heranwachsende neue Generation aufs neue zuerst einmal besonders empfänglich ist für die Idee der bedrängten und zu beschützenden Frau.

      • @maddes

        Das würde ich auch nicht bestreiten, möchte jedoch darauf hinweisen, dass die Zahl der medial hofierten Vergewaltigungsfälle, die sich ex post als Falschbeschuldigung entpuppt haben kontinuierlich gestiegen ist.

        In den USA sind ja ganze Zeitschriften (Rolling Stone) abgefackelt und in D haben sich unlängst ein Minister und eine Ministerin mit dem Fall Gina-Lisa blamiert (Maas, Schwesig).

        D.h. mit dem „listen and believe“ kann es – erkennbar – so nicht weitergehen.

        Es wird jetzt ein Streit losbrechen (meine Mutmaßung) wie hoch der Anteil an Falschbeschuldigungen ist und die Gegenseite (KFN, terre des femmes) wird m.E. von sich aus 15% bieten.
        Im Grunde, weil sie schon lange (KFN) wissen, es werden eher 30% sein.

        Gruß crumar
        (Organisation MGTOW)

        • „die Gegenseite (KFN, terre des femmes) wird m.E. von sich aus 15% bieten.
          Im Grunde, weil sie schon lange (KFN) wissen, es werden eher 30% sein.“

          Glaube ich nicht. jedenfalls nicht so schnell.
          Hier liegt eine gänzlich andere Situation vor als beim Pay Gap, bei dem die offiziel zu zitierende Stelle selbst seit jeher neben dem unbereinigten Pay Gap einen bereinigten anbietet, den femin_istx*e einfach unterschlagen haben, und den man mittlerweile nicht mehr einfach unterschlagen kann, weil zu oft darauf hingewiesen wurde.

          Solange man amtlich feststellen kann, dass lediglich 2% aller angezeigten Vergewaltigungsfälle zu einer Verurteilung wegen Falschbeschuldigung führen, wird man an einer solchen zahl auch festhalten.

          Kein Bedarf vorhanden, daran selbst etwas zu ändern und irgendwas „anzubieten“.

          Der Angelpunkt, den man hartnäckig angreifen muss, um dieses „argument“ zumindest in Frage zu stellen, ist der Punkt, wo weiter behauptet wird, dass nur 2% aller „vergewaltigungen“ (nicht etwa anzeigen) zu einer Verurteilung führen…

          Was weiter vernebelt, dass mit diesen beiden Zahlen die Wahrheit im Grunde beliebig zwischen 2% und 98% liegen könnte.
          Dass man diese Aussagen nicht gleichzeitig zu seinen Gunsten verwursten kann, lässt sich wohl durchaus darstellen – und vor diesem Hintergrund gewinnen die populären Fälle von Falschbeschuldigungen dann ein Gewicht.

    • @ddbz

      Korrekt. Eher 30.
      Es gibt jedoch – wie geschrieben – gute Gründe, sich zurück zu besinnnen.
      Gruß crumar
      (Organisation MGTOW)

  6. Nachtrag: Das hängt hieran:

    > während die Frauen dem Ausschluss von diesen Spielen den „luziden Blick“, das Durchschauen der Unsinnigkeit der den Spielen zugrunde liegenden Konkurrenzkämpfe verdanken

    Während das Partiarchat etwas böses ist, was Frauen unterdrückt und sie nicht mitspielen lässt, ist das Sekundärpatriarchat etwas böses, was Unsinn machen will, den Frauen nicht machen wollen, obwohl Frauen sämtlich heilige Hellseherinnen sind und alles besser machen würden.

    Auf die Idee, dass irgendwelche gesellschaftlich etablierten Systeme irgendeinen Sinn haben könnten, kommen die Erleuchteten nichtmal.

    Da es ja nun zunehmend schwieriger wird, zu behaupten, Männer würden Frauen nicht mitspielen lassen, wird nun behauptet, Frauen könnten ein viel besseres Spiel machen. Welches? Ketzer! *Listen and believe!*

  7. Dass Frauen für die „familiale Existenzsicherung“ arbeiten gehen müssen ist in Wirklichkeit ein Komplott zu ihrer Versklavung! Sekundärpatriarchat! ….. „denn auf diese Weise wird ihnen der Zugang zu einer hochbedeutsamen gesellschaftlichen Ressource verwehrt oder erschwert: Geld als Medium einer Tausch- und Warengesellschaft.“

    Nur gut, dass die Frau mit ihrem angeborenem „luziden Blick“, „das Durchschauen der Unsinnigkeit der den Spielen zugrunde liegenden Konkurrenzkämpfe“ absolut beherrschen und über allen Dingen stehen!

    Hahaha.

  8. Niemand hält Frauen von einer gut bezahlten Karriere ab. Die meisten wollen es nicht. Unternehmen haben Probleme ihre gut qualifizierten Frauen langfristig zu halten.

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