Männer in Film und Fernsehen: Eine schrecklich nette Familie (Married with Children)

Es gibt einige Filme oder Serien die ich aus maskulistischer Sicht interessant finde. Diese Woche geht es (teilweise ) um kurze Versuche dies darzustellen.

Was passiert:

Die Serie folgt dem Alltagsleben der Bundys. Al Bundy ist ein ehemaliger Highschool-Footballspieler, der sein Leben lang davon zehrt, auf der Polk High School in einem einzigen Spiel vier Touchdowns erzielt zu haben, und seit seiner Heirat gezwungen ist, den Familienunterhalt als Damenschuhverkäufer zu verdienen; seine stets arbeitsunwillige Frau Peggy ist bekannt für ihr hochtoupiertes rotes Haar, kitschig/trashige Kleidung und ihre starke Abneigung gegenüber dem eigenen Haushalt; schließlich die gemeinsamen Kinder Kelly – ihre stets begriffsstutzige und promiske Tochter – und Bud, der durchaus intelligente, aber bei Mädchen stets erfolglose jüngste Spross der Familie.

Kammerspielartig konzentriert sich die Serie um das Sofa im Wohnzimmer der Familie Bundy.[2]

Mehr oder weniger gerne gesehene Gäste in ihrem Zuhause sind die Nachbarin Marcy Rhoades (nach erneuter Heirat D’Arcy), eine gut verdienende Bankangestellte mit feministischen bis männerhassenden Ansichten, sowie ihr erster und späterer zweiter Ehemann Steve bzw. Jefferson.

Meine Kurzinterpretation:

Al Bundy ist erfolglos und trauert seiner großen Zeit nach, als er Status hatte und beinahe Footballprofi geworden ist. Seine Frau ist faul und er interessiert sich auch nicht mehr wirklich für sie, kann aber auch nicht so recht ohne sie. Seine Tochter ist eine Schlampe, sein Sohn ein Versager. Er verdient das Geld für alle in einem Job, der ihm keinen Spass macht.

Es stellt insofern die Festgefahrenheit einer Ehe dar, einen Mann, der auf eine gewisse Weise aufgegeben hat, sich aber nicht unterbekommen lässt. Mit ihrem dunklen Humor und ihren fortwährenden Verstößen gegen die Political Correctness wäre sie so wahrscheinlich heute nicht mehr zu machen gewesen. Al Bundy wertet seine Frau als faul ab, macht sich über fette Frauen lustig, macht Witze über seine feministische Nachbarin. Deren Mann ist erst ein Beta, dann ist es ein Playboy, der eher auf ihr Geld aus zu seien scheint.

Al Bundy gründete zudem „No Ma’am“, die einzige wenn auch satirische Männerbewegung im Fernsehen, die mir einfällt:

NO MA’AM ist die von Al Bundy und seinen Freunden ins Leben gerufene Organisation zur Bekämpfung der Machtergreifung von Frauen in der Gesellschaft. Die Abkürzung steht für National Organisation of Men Against Amazonian Masterhood (deutsch Nationale Organisation der Männer gegen die Amazonen-Machtausübung). Sie wurde spontan gegründet, als Jerry Springer sich in seiner Talkshow als männlicher Feminist geoutet hatte.

In seiner Funktion als Präsident der Organisation wird Als großes Rednertalent deutlich. So spricht er als Vertreter der Gruppe unter anderem vor dem US-Senat in Washington, D.C., um gegen die Absetzung seiner Lieblingsserie Psycho Dad zu protestieren.

Als die Regierung die Biersteuer anheben wollte, startete Al den Versuch, NO MA’AM als kirchliche Vereinigung darzustellen und somit der Steuererhöhung zu entkommen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Ich will damit nicht sagen, dass Al Bundy ein Vorbild für die Männerbewegung wäre. Eher ist es eine interessante Sendung, die Unzufriedenheit von Männern darstellt und ist politisch unkorrekt und sarkastisch artikulieren lässt.

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23 Gedanken zu “Männer in Film und Fernsehen: Eine schrecklich nette Familie (Married with Children)

  1. Al Bundy zeigte mir früh, was man als Mann im günstigsten Fall in einer Ehe erwarten kann. Heute halte ich es mehr mit dem Dude 😉

  2. „Ted Bundy wertet seine Frau als faul ab, macht sich über fette Frauen lustig, macht Witze über seine feministische Nachbarin.“

    Vom Schuhverkäufer zum Serienmörder ist bei der Ehefrau nur ein kleiner Schritt.

  3. Bundy fand ich nie besonders witzig, besonders als Jugendlicher war man da ja auch eher keine Zielgruppe. Läuft das überhaupt noch unzensiert irgendwo? Das müsste ja jedensmal in einen totalen Krieg mit den Landwalen mit dem Sender enden, wenn das so ausgestrahlt wird?

  4. Treffender Kommentar.
    Interessant dass Al eigentlich in der Serie der einzige Sympathieträger ist.
    Sein Sohn Bud, akademischer Überflieger und Versager eher in Hinsicht auf Frauen, ist ein interessanter Fall fürs Pick-Up. Er erinnert mich etwas an Howard später bei Big Bang Theory.
    Die Serie ist natürlich, mit der sehr negativen Zeichnung von Peggy, den Dickenwitzen etc. ziemlich Anti-PC.

  5. Ich liebe diese Serie!
    Wurde kürzlich im TV wiederholt und machte Spaß mal wieder rein zu schauen.
    Besonders das „politisch unkorrekte“ ist herrlich.

  6. Du hättest das Zitat nehmen sollen, warum Al ein Gewinner ist. Sorry das fehlt hier. Btingt die ganze Serie für mich auf den Punkt.

  7. Tja, Du hast die Serie recht gut skizziert, Christian. Wie auch andere hier schon anmerkten: heute gingen manche Scherze und Seitenhiebe aufgrund der erstickenden PC nicht mehr. In den 90er Jahren war man da definitiv noch freier.

    Das wichtigste ist natürlich die Befolgung des ersten Gebotes von NO MA’AM: ‚Du sollst nicht begehren dein eigen Weib!‘

    Unvergessen die Episoden mit Aaron, einem Schüler von Polk High, der ähnlich wie Al Bundy ein hervorragender Footballspieler ist. In ihm sieht Al den Sohn, den er gerne gehabt hätte. Aaron erzählt Al von seiner Freundin; daraufhin versucht Al Aaron von seiner Freundin abzubringen, was ihm schlussendlich auch gelingt. Dann lernt Al per Zufall ebendiese Freundin von Aaron kennen, als sie seinen Laden besucht: Sie hat einen eigenen Job, liebt Sport, und achtet sehr auf ihr Aussehen, während sie gleichzeitig Aaron seine Freiräume lässt – kurzum, eine Traumfrau, welche auch Al gerne heiraten würde, was er dadurch ausdrück, dass er ihr spontan einen Heiratsantrag macht, was diese wiederum süss findet. Leider hat Aaron auf Als Drängen hin diese Traumfrau fahren lassen und trifft sich wieder mit seiner alten Ex-Freundin Meg, eine Rothaarige, die vom Outfit und Verhalten her Pegs jüngere Schwester sein könnte. In der Schlussszene sieht man Peg und Meg auf der Couch sitzen, Bonbons futtern und fernsehen, während beide charakteristisch im Gleichtakt mit dem Bein wippen. Al hat diese Tragödie ungewollt ausgelöst und ist verzweifelt, dass er Aaron nun dasselbe Schicksal beschert, wie er selbst erlitten hat; Aaron hingegen blickt stolz und verliebt auf seine alte neue Freundin. Er ahnt (noch) nichts von seinem Schicksal.

    In einer anderen Folge mit Aaron zeigt Al diesem den ‚Ort der Verdammten‘: der Wartebereich im Einkaufscenter, wo die Ehemänner auf ihre shoppenden Ehefrauen warten, auf deren Einkaufstüten aufpassen und stupide vor sich hin stieren. Ein Stuhl ist noch frei, welcher, laut Aussage von Al, für Aaron reserviert ist. Dieser kann nicht glauben, dass all diese Ehemänner ihre Ehefrauen nicht mehr lieben und nur noch völlig desillusioniert und resigniert ihr Leben fristen. Al verkündet seinen Leidensgenossen, dass sich ein Ungläubiger unter ihnen befindet und bittet sie darum Aaron vom Gegenteil zu überzeugen. Daraufhin stehen alle auf und singen ein paar kurze Zeilen, in denen sie ihr eheliches Elend beschreiben. Ebenfalls eine sehr geile Szene.

    Ein weiterer Running Gag ist Psycho Dad eine fiktive Fernsehserie, in der ein Familienvater mit ausufernder Gewalt für jene Gerechtigkeit und patriarchalen Zustände in der Familie sorgt, die Al und seine Leidensgenossen von NO MA’AM gerne hätten. Unglücklicherweise beendet der Schauspieler sein Engagement als Psycho Dad, nachdem er einen bewundernden Brief von Al bekommen hat, der ihm die ganze Primitivität seiner Rolle bewusst macht, wie er öffentlich im Fernsehen verkündet. Fortan werde er in einer anderen neuen Fernsehserie die Hauptrolle spielen: ‚Lefkowitz, die Erlebnisse eines Sonderschullehrers.‘ Während der ehemalige Psycho Dad das verkündet, wird er flankiert von fies grinsenden Feministinnen, die ihren Triumph sichtlich geniessen, dass sie den grössten Fernsehmacho zum Feminismus bekehrt haben. Al konstatiert, dass Psycho Dad einer feministischen Gehirnwäsche unterzogen wurde; der echte Psycho Dad würde nämlich niemals Worte aussprechen wie ‚Sonderschule‘ oder ‚Lefkowitz‘. Die NO MA’AM-Gruppe beschliesst daraufhin, vor dem Fernsehsender gegen die Absetzung von Psycho Dad zu protestieren – und das im tiefsten Winter Chicagos. Nachdem sich die Proteste als erfolglos erwiesen, weil man sich lieber in die warme Garage von Al zurückzog, anstatt sich in der winterlichen Kälte vor dem Sender den Arsch abzufrieren, beschliesst NO MA’AM nach Washington zu gehen. Dort bringt Jefferson D’Arcy es über seine dunklen Kontakte (wahrscheinlich zu früheren Kollegen des Geheimdienstes) fertig, dass NO MA’AM vor dem Senat über die Absetzung von Psycho Dad sprechen darf, um die Wiedereinsetzung der Fernsehserie zu erzwingen. Leider ist auch das nicht von Erfolg gekrönt, was nicht zuletzt den unbeholfenen Reden der NO-MA’AM-Mitglieder vor dem Senat zurückzuführen ist. Al stellt verdriesslich fest, dass man besser im Hotel eine gute Rede vorbereitet hätte, anstatt sich die ganze Nacht den Porno-Nikolaus reinzuziehen, der auf dem Pay-TV-Pornokanal des Hotels lief, und dessen Verschlüsselung die NO MA’AM-Mitglieder kurzerhand geknackt hatten, um nichts dafür bezahlen zu müssen.

  8. Also ich muss mal loben, wie vielfältig diese neue Artikelreihe schon jetzt ist – vom tragikomischen poetischen „American Beauty“ direkt zum trashigen „Married with Children“. Heiße ich gut!

    Einen Punkt würde ich aber noch ergänzen:

    „Er verdient das Geld für alle in einem Job, der ihm keinen Spass macht.“

    Nicht nur das, er wird dafür auch noch allgemein verachtet. Es ist ja ein Running Gag, dass Damenschuhverkäufer in der Welt der Serie als niederste, und verabscheuungswürdigste Tätigkeit überhaupt gilt und sofort auf schlechten Charakter schließen lässt. Das ist auch das Image, mit dem der – ja durchaus schmierige und chauvinistische – Al geschlagen ist. Dass er damit, wie du schon sagst, die Familie allein ernährt (ohne, dass sich Peggy irgendwie erkenntlich zeigt, oder einen Beitrag leistet) wird ausgeblendet und einfach so hingenommen.
    Ich verstehe schon, dass man es nicht aus ideologischen Gründen, sondern für den Witz gemacht hat, aber „geredpilled“ fällt einem schon auf, was es über die Gesellschaft sagt, dass das funktioniert.

    Erinnern möchte ich auch an den Moment, als Al klagt, seit wann es ein Verbrechen wäre, als Mann auf die Welt zu kommen und Bud ihm einen konkreten Gerichtsfall nennen kann, in dem ein Baby wegen Exhibitionismus verurteilt wurde, weil es nackt auf die Welt kam.

      • Da werfe ich doch gleich mal „Fight Club“ ein, der uns sowol die uns sowohl die echten aktuellen Probleme der Männlichkeit zeigte, als auch, was NICHT die Lösung ist.

        (Und nein, ich habe den Roman nie gelesen und das plagt mich.)

      • „Ich nehme auch gern Vorschläge“
        Der Malteser Falke
        Absolute Power
        Il Postino
        Eins Zwei Drei
        African Queen
        Dick Tracy

        Und für nächsten Monat als Themenwoche: „Die ideale Frau im Film.“
        Auswahlkriterium: Ein kompetenter Mann wirft für eine Frau alle seine Pläne oder Prinzipien über den Haufen und der Zuschauer denkt nicht „Was für ein Idiot“ sondern „Ja, würde ich auch machen.“
        Zum Beispiel: Audrey Hepburn in Roman Holiday.

  9. Habe ich immer gerne angeschaut, als Jugendlicher. Meine Eltern mochten das nie 🙂

    Wäre heutzutage vermutlich nicht mehr möglich, sowas zu drehen, angesichts der multiplen Kreisch- und Zensurspinner.

    Allerdings werden nicht nur die Frauenrollen überzeichnet. Der Bub ist ein garstiger, dauergeiler, verpickelter Pechvogel. Bundy selbst erfolglos, lustlos, ungepflegt, rüpelhaft. Der Freund der Nachbarin ein unterbelichteter und gehorsamer Schönling, der sich von der Feministin aushalten lässt.

    Und da sind wir schon bei den unrealistischeren Elementen. Eine (gut verdienende) Feministin, die sich einen Fickling hält. Die dauergeile Ehefrau von Bundy, die ihn (ungepflegt und erfolglos) gerne öfter im Bett hätte (während er nicht will). Das Familienleben trostlos und feindselig. Das Setting ist lustig, aber natürlich nicht sehr wirklichkeitsnah.

    Von daher ist die Übertragbarkeit, auf unsere Realität, eher begrenzt. Ein Typ wie Bundy wäre in Deutschland längst geschieden. Ein Typ wie seine Frau würde im Bordell arbeiten oder hätte sich einen anderen geangelt. Die Feministin wäre vermutlich Lesbe und bestenfalls auf einer staatlichen Alimentierungsstelle als „Gleichstellungsbeauftragte“. Ihr Schönling würde eher mit Bundys Tochter herumhängen usw.

    Dass Bundy an seiner alten Karriere klammert, als einzigem Sinngeber im Leben, hat etwas desillusionierendes und lässt ihn m.E. selbst unterbelichtet erscheinen. Dass man als junger Mann gelegentlich hochfliegende Träume hat, die meist versanden, keine Frage, aber so tief wie Bundy landen wohl auch nur wenige…

  10. Marcy wurde mal als „Kampfemanze“ bezeichnet, aber das tut dem Chara unrecht, da sie erstens auch Banker-Klischees verkörpert und außerdem immer dann kampfemanzig ist, wenn sie sich mit Al anlegt, was man eigentlich auch verstehen kann.
    Immerhin ist hier die Botschaft, dass Frauen durchaus gute Jobs kriegen können, wenn sie Feministin sind.

    Ich gucke das natürlich nur wegen der Empowerung.

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