Abgrenzung Antifeminist vs. Männerrechtler

Im Rahmen der Diskussion zu den antifeministischen Widersprüchen kam auch die Frage zu einer Abgrenzung von Antifeministen und Männerrechtlern auf.

Das wäre aus meiner Sicht einfach:

  • Maskulist ist man, wenn man einen männlichen Standpunkt in der Geschlechterdebatte qualifiziert vertritt.
  • Antifeminist ist man, wenn die Kritik am Feminismus im Vordergrund steht  ohne das man dadurch zugleich Männerrechte wahren will

Damit können sich beide Bereiche überschneiden. Es kann aber auch klare Unterschiede geben. Antifeminist  zB kann auch jemand sein, der nur für Gleichberechtigung ist und deswegen den Feminismus kritisiert, aber keine speziellen männerrechtlichen Anliegen hat. Antifeminismus kann auch schlicht in einer Ablehnung eines feministischen Ansatzes liegen, etwa dem dortigen Sozialkonstruktivismus oder der Gruppentheorien des intersektionalen Feminismus. Kombiniert man das damit, dass man sich zusätzlich dafür einsetzt, dass Männeranliegen mehr beachtet werden, kann es ein maskulistischer Ansatz sein.

In einem Versuch die thematischen Inhalte von Männerrechtlern darzulegen schrieb ich in einem anderen Artikel:

  • Dabei werden Männerrechte insbesondere in den Bereichen diskutiert, in denen
    • Männern besondere Pflichten auferlegt werden
    • Männern bestimmte Rechte nicht oder nur eingeschränkt gewährt werden
    • Männer abgewertet werden.

    Dies scheinen mir die drei Hauptbereiche zu sein, in denen eine Diskussion um Männerrechte stattfindet und sinnvoll ist.

Und dann zu dem dortigen Dritten Punkt:

c) Männerrechte als Abwehr von Abwertungen

Ein dritter Bereich ist aus meiner Sicht die Abwehr von Abwertungen. Männer sind keine schlechteren Menschen, sie sind vielleicht anderes als Frauen, aber das rechtfertigt es nicht, ihre Art und Weise als moralisch verwerflich darzustellen. Natürlich ergibt sich daraus auch nicht, dass diese moralisch richtig ist. 

Häufige Bereiche, in denen Männerrechte durch Abwertungen beeinträchtigt sind, sind:

  • Die Sexualität: Der Mann als Schwein, die Abwertung von männlichen Interessen an schönen Frauen, Busen, schnellen Sex, als primitiv und verachtenswert. Die Dämonisierung männlicher Sexualität
  • Die Einordnung von Männern als Unterdrücker von Frauen

In diesem Bereich ist eine Überschneidung von Männerrechten mit einem Antifeminismus vorhanden, nämlich insoweit als im (radikalen) Feminismus diese Abwertungen gegenüber Männern erfolgt, indem Männern hier wie oben dargestellt abgewertet werden. Ein Einsatz für Männerrechte erfordert insofern, diesen einseitigen Abwertungen eigene Positionen gegenüber zu stellen und deutlich zu machen, dass Unterschiede nicht per se eine Unterdrückung als Grund haben müssen. Es ist aus meiner Sicht auch eine männerrechtliche Position darzustellen, dass männliche Sexualität ihre eigenen Rechte hat und hier die weiblichen Vorstellungen keinen Deutungsvorgang in moralischer Hinsicht haben.

Wer also seine Feminismuskritik gerade deswegen betreibt, weil er die dortige Abwertung von Männern und auch die Anspruchshaltung („Hinterfragt eure Privilegien und tut Buße für eure Männlichkeit“) abwehren will, der kann insoweit einen aus einer maskulistischen oder aber auch humanistischen Position, je nach Ausrichtung,  heraus Antifeminismus betreiben

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27 Gedanken zu “Abgrenzung Antifeminist vs. Männerrechtler

  1. Antifeminismus ist:

    1. ein Kampfbegriff, der von den heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden feministischen Strömungen (klassischer Radikalfeminismus, postmoderner Gender/Queer-Feminismus, Staatsfeminismus) verwendet wird, um zu versuchen a) sich selbst als DER Feminismus zu setzen und b) alle Feminismuskritiker pauschal zu diskreditieren, denn der Begriff Antifeminismus wird innerhalb des Feminismus sowie innerhalb der zeitgenössischen Linken als Synonym für „Gleichberechtigungsgegner“ und „frauenfeindlich“ verwendet.

    2. gibt es im Spektrum der Feminismuskritik auch Personen, die sich selbst als Antifeministen bezeichnen (was nicht heißt, dass sie Gleichberechtigungsgegner und frauenfeindlich sein müssten). Diese Selbstbezeichnung als Antifeminist wird aber keineswegs grundsätzlich von Feminismuskritikern verwendet. Es gibt viele Feminismuskritiker, die sich selbst nicht als Antifeministen bezeichnen und das unabhängig davon, wie ihre Einstellung zum Thema Männerrechte aussieht.

    Was Personen, die sich selbst als Antifeministen bezeichnen jeweils genau darunter verstehen, kann sich erfahrungsgemäß unterscheiden. Es müsste daher jeweils aus ihren spezifischen vertretenen geschlechterpolitischen Positionen heraus rekonstruiert werden oder sie müssten selbst explizit eine Definition für ihre jeweilige Begriffsverwendung von Antifeminist angeben.

    M.E. sollte man aber besser vermeiden einfach eine allgemeine Definition zu erfinden und diese pauschal auf solche Feminismuskritiker auszudehnen, bei denen Männerrechte nicht im Fokus stehen.
    Antifeminist ist schließlich auch ein feministischer Kampfbegriff und solche Feminismuskritiker, die sich selbst begründet nicht als Antifeministen sehen, haben ein Recht darauf, dass diese Zuschreibung nicht auf sie angewendet wird.

    Ich hatte hierzu ja bereits kürzlich an anderer Stelle geschrieben:

    Bei Diskussionen über Antifeministen/Antifeminismus fehlt mir oft eine Erklärung oder Definition, was unter Antifeminismus denn nun genau zu verstehen ist.
    Ich selbst verorte mich in geschlechterpolitischer Hinsicht als integraler Antisexist und linker Männerrechtler/Maskulist, nicht als Antifeminist.

    Meinem Eindruck nach ist es eher selten, dass sowohl Personen, die sich selbst ausdrücklich als Antifeministen identifizieren als auch feministische Kritiker/innen von Antifeminismus ihre jeweilige Verwendung des Begriffs Antifeminismus etwas präzisieren.

    Meiner Beobachtung nach kann es bei Personen, die sich selbst als Antifeministen bezeichnen, allerdings wesentliche Unterschiede geben, was sie damit jeweils meinen.

    Eine kurze Analyse verschiedener Begriffsverwendungen von Antifeminismus, nebst dem ersten vorläufigen Versuch einer Typologisierung hatte ich übrigens mal in einer Diskussion bei Onyx versucht. (Anlass war, dass Onyx die Ansicht äußerte, eine antifeministische und einer rassistische Sichtweise würden gewisse Parallelen aufweisen.)

    Ich gelangte zu einer vorläufigen Typologie von 6 Formen von Antifeminismus, kann in diesem Kommentar hier nachgelesen werden:

    https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2015/03/14/du-akzeptierst-keine-manner-weil-weil-weil-halt-weil-du-uber-rape-culture-redestdrolf-logik-von-antifeministen/#comment-13427

    D.h. also: DEN Antifeminismus gibt es nicht.

  2. Hätte überhaupt jemand angefangen, sich für „Männerrechte“ einzusetzen, wenn nicht vorher Feministinnen mit dem Kampf um „Frauenrechte“ „Männerrechte“ so weit angegriffen hätten, dass dies notwendig wurde? Meiner Ansicht ist daher Antifeminismus die große Gemeinsamkeit, bei der sich alle Strömungen der Manosphere zusammenfinden.

    Auch die von VirtualCD vorgenommene Feststellung, dass die 3 Richtungen der Manosphere den psychologischen Wegen aus dem Double Bind entsprechen (vgl. https://allesevolution.wordpress.com/2017/07/20/virtual-cd-zu-aktiven-und-passiven-verhalten-beim-herstellen-des-kontakts/ ) führt zu dieser Feststellung, denn Feminismus ist wenig mehr als die ungehemmte Verwendung solcher Double Binds auf gesellschaftlicher Ebene.

  3. Ich halte dies für eine gute Zusammenfassung.
    Das Einfordern von Empathie ggü. Jungen und Männern, sowie von einer männlichen Betrachtungsweise halte ich auch für ein Ziel der Männerrechte. Das kann zu den 3 o.g. Zielen führen bzw. als Beschleuniger dienen, halte ich aber auch an sich für einen verfolgenswerten Ansatz.

  4. Das halte ich für recht einfach:
    Anti-Feminist ist ein recht breites Spektrum, wie die Manosphere.
    Männerrechtler ist eine spezifische Fraktion von Anti-Feminist. (Ein Männerrechtler kann kein Feminist sein). Tradcons beispielsweise sind auch Anti-Feministen, aber keine Männerrechtler.

    Ich glaube die interessantere Frage ist: Wer gehört in das Spektrum der Gynozentristen, und wer in das Spektrum der Reformer (da Gynozentrismus meiner Ansicht nach nicht abgeschafft werden kann, sondern nur zurückgestutzt).
    Die allermeisten Anti-Feministen sind Gynozentristen, oder Egalitaristen, wie sie sich gerne selbst nennen. Das führt allerdings dazu, dass sie nur Symptome behandeln, aber nicht die Wurzeln.

  5. Die Bezeichnung „Anti-“ gibt IMHO dem Feminismus viel zu viel Raum.
    Ich definiere mich nicht als „gegen“ den Feminismus, sondern sehe mich als Kritikerin. Dass es da sehr viel zu kritisieren gibt, bedeutet aber dennoch keine pauschale, undifferenzierte Ablehnung, wie sie durch „Anti-“ impliziert wird.

  6. Dem selbständigen Begriff „Antifeminismus“ – also nicht als Wortkonstruktion aus „Feminismus“ und „anti“ – bin ich erstmals in der hiesigen Diskussion über das Flintenweib Onyx gestoßen.

    Dann hab ich mal nach dem Begriff gegoogelt, und siehe, Wikipedia widmet ihm einen eigenen Artikel. Erste Verwendung 1902 bei Hedwig Dohm.

    Im Unterschied zum Feminismus assoziiere ich dabbei nicht eine mehr oder weniger einheitliche politische Front, sondern in meinem bescheidenen Wortgebrauch bleibt der Begriff ein zusammengesetzter solcher, siehe oben. Also bin ich ohne irgendwelches Bekenntnis Anti-Feminist, denn ich kann es herleiten.

    Wenn ihr das anders seht, bitte antworten.

    Diese Begriffsklärung führt zwanglos zur Trennung vom „Männerrechtler“ oder artverwandten Begriffen. In der Tat bin ich keiner. Das will ich kurz ausführen:

    Jede einzelne Forderung von euch begrüße ich mehr oder weniger, insbesondere etwa die widerwärtige Legalisierung von Beschneidung.

    Aber eins haben die Männerrechtler mit dem Feminismus gemein: sie laufen beide in die Polarisierungsfalle. Da werden politische Grenzen festgeschrieben für alle Zeiten. An anderer Stelle habe ich die Befürchtung geäußert, dass Generationen nach euch/uns das Pendel zurückschlägt und die Männerrechtler die gleiche Stufe III erreichen wie die Feministen heute. (Brrr.) Ich habe keinen Widerspruch erhalten.

    Ich will keinen einzigen von euch auf meine Seite ziehen. Es gibt keinen größeren Fehler auf der Welt, als Wolf-Dieter blindlings zu folgen! Was ich will, ist dies: ihr sollt wissen, dass diese Bedenken auf der Welt sind. Und ihr sollt es im Hinterkopf behalten.

    Gruß Wolf-Dieter Busch

    • „Dem selbständigen Begriff „Antifeminismus“ – also nicht als Wortkonstruktion aus „Feminismus“ und „anti“ – bin ich erstmals in der hiesigen Diskussion über das Flintenweib Onyx gestoßen.“

      Nach meinem Eindruck hat „Antifeminismus“ im Sinne einer inhaltleeren Herabsetzung jeglicher Feminismuskritik eine lange Tradition, das ist keine Erfinndung von Onyx.

      Wo wir bei Anti-XYZ-Begriffen sind: der Kampfbegriff „Anti-Genderismus“ ist noch kurioser, weil es den Basisbegriff „Genderismus“ zumindest in der deutschen feministischen Terminologie nicht gibt – von Feminismuskritikern wird er allerdings passend benutzt – und in der englischen Terminologie „Genderism“ exakt das Gegenteil des deutschen Genderismus bedeutet. Dieses Begriffschaos spricht für sich.

    • Hallo Wolf-Dieter,

      ich bin mir so sicher ob ich mich noch in die Männerrechtler stecken soll, aber ich denke nicht dass Männerrechtler/Maskus jemals ein Spiegelbild des Feminismus erreichen werden:

      1. Hat der Feminismus so viele so gründlich mit dem Geschlechterthema genervt, dass sie davon gar nichts mehr hören wollen.
      2. Entstand zumindest ein Teil der Männerrechtler als Gegenbewegung zum Feminismus, daher wollen sie auf keinen Fall genauso werden.
      3. Sind die Voraussetzungen andere. Das was Feminismus so anziehend und effektiv macht(e) ist, dass er in vielem die Stereotypen der Frau nutzt und weiterführt, wie meckern, Opfer, Macht darpber was sozial Gut ist, und Macht über Sex.

      Ich habe das ein wenig hier beschrieben: https://mannfraukram.wordpress.com/2017/06/02/feminismus-der-falsche-feind-und-freund/ , und wollte demnächst darüber schreiben, was Männerrechtler vom Feminismus lernen können, um insbesondere die Fehler nicht zu wiederholen.

      Wo es durchaus eine Gefahr gibt, ist beim allgemeinen Opfer-sein-lohnt-sich. Da sollte man(n) aufpassen: bei aller Notwendigkeit mehr für männliche Opfer zu tun brauchen wir nicht noch eine Opferindustrie, die aus Selbsterhaltungsinteresse ständig neue Horroropferstatistiken produziert.

    • Ja, Antifeminismus hat Tradition.

      There is only one case known of indirectly by the present writer, and that not of a prominent writer or speaker on the subject, that would afford any plausible excuse whatever for alleging anti-Feminist views to have been influenced by personal motives of this kind.

      Ernest Belfort Bax: The Fraud of Feminism,1913, Seite 8

  7. Antifeminismus eignet sich wohl deshalb als Kampfbegriff, weil man irgendwie assoziieren kann, es ginge da „gegen Frauen“. Es wird dann als Ismus verstanden, der das Antifeminine zum Gegenstand hat. Eine Denkschule gegen das Weibliche, also Antifemin-Ismus. Deshalb auch der Kampfbegriff Maskulinismus.

    Die meisten Antifeministen, die sich selbst so bezeichnen, verstehen es eher als Gegnerschaft zum Feminismus, Anti-Feminismus.

    Wenn wir ehrlich sind, wenden sich die meisten von uns natürlich auch gegen weibliche Denkweisen, sind also durchaus Antifeministen im ersteren Sinn. Aus diplomatischen Gründen sagt man es vielleicht nicht so direkt.

    • Wenn wir ehrlich sind, wenden sich die meisten von uns natürlich auch gegen weibliche Denkweisen, sind also durchaus Antifeministen im ersteren Sinn.

      Vorsicht Falle. Es ist ein verbreiteter Irrtum, der Feminismus agitiere für die Frauen: tut er nicht, sondern missbraucht sie als menschlichen Schutzschild. Frag irgend eine Bäckereifachverkäuferin, was sie vom Feminismus konkret hat: nichts und dreimal nichts.

      Nein. Der Feminismus III agitiert nur für sich selbst.

      • Frag hingegen eine Bäckereifachverkäuferin, ob sie sich als Frau benachteiligt fühlt oder irgendwie unterdrückt, und du hast gute Chancen, handfeste Zustimmung zu bekommen.

  8. Ist man wirklich ein Männerrechtler oder Maskulist, sobald man Männerpolitik, also die Vertretung von Männerinteressen für erforderlich hält? Kann man nicht sowohl Frauen- als auch Männerpolitik vertreten? Ist man dann beides, Männer- und Frauenrechtler?

    Ich assoziiere mit solchen Begriffen immer einen gewissen Dogmatismus.

  9. Die Selbstbezeichnung ist das eine. die Wirkung beim Adressaten ist andere

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell

    Sag ich „Maskulist“, verstehen 95 % der Leute um mich herum nur „Bahnhof“, assoziieren eventuell noch was mit Body-Building…

    Sag ich „Männerrechtler“, verstehen vielleicht die Hälfte, worum es geht.

    Sag ich „Antifeminist“, wissen 98 % Prozent, was ich meine; habe allerdings all diejenigen (auf der emotionalen Seite) zum Gegner, denen seit 30 Jahren eingetrichtert wurde, dass Feminismus prinzipiell und absolut was richtiges ist.

  10. kann man hier nicht einfach gegen jegliche form des über/untermenschentumsideologischen sein ohne eine als „gut“ picken zu müssen? ich zb bin gegen arierrechte/förderung/quoten und gleichermaßen gegen femi wie nazi odoer masku menschenrechtsfeindlichkeit. muss sich ds denn ausschließen?

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