Kurzrezension The Evolution of Beauty. How Darwin‘s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us

Ein Gastartikel von Jochen

Dieser schreibt vorweg:

Ich habe mir die Mühe gemacht ein neu erschienenes Buch von Richard Prum zu lesen.Es wurde in amerikanischen Medien als “ unerwartetes feministisches Manifest“ und als „Entdeckung feministischer Konzepte in der Biologie selbst“ gefeiert. Sogar der „Spiegel“ hat ein Interview mit dem Autor geführt. Es steht also zu befürchten, dass demnächst biologistische, evolutionäre Rechtfertigungen des Feminismus ventiliert werden.
Ich möchte Ihnen meine kurze Rezension dieses Buches zur Veröffentlichung anbieten.

Kurzrezension
The Evolution of Beauty. How Darwin‘s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the
Animal World – and Us
Richard O. Prum
Doubleday, 2017
Gewöhnlich beschweren sich Naturwissenschaftler über die spekulativen und unwissenschaftlichen Methoden der Geistes- und Sozialwissenschaftler. Dass es auch andersherum geht zeigt Prum mit seinem Buch „Evolution of Beauty“, das ein Beispiel ist wie ein Vogelkundler soziale Ideologien mit biologischen Argumenten unterfüttert.

Prum hat drei Anliegen: In der seit Darwin und Wallace diskutierten Frage der Evolutionslehre um das Verhältnis der natürlichen Selektion durch Anpassung (Darwin
1859) und der sexuellen Selektion durch Partnerwahl (Darwin 1871). Hier zeigt Prum detailliert und überzeugend, dass die sexuelle Selektion zu den ästhetisch elaborierten Formen des Balzverhaltens bei Vögeln geführt hat, die mit natürlicher Selektion nicht
möglich gewesen wären. Vielmehr seien die aufwändigen ästhetischen Ornamente, wie das Federkleid bei männlichen Vögeln, deren Gesang und soziales, territoriales und
architektonisches Balzverhalten biologisch kostspielig und teilweise Anpassungen, die
vordergründig das Überleben nicht fördern. Es ist ihm wichtig zu zeigen, dass auch nichtmenschliche Tiere die kognitiven Voraussetzungen besitzen ästhetische Entscheidungen fällen können. Dadurch erhält die Evolution ein willkürliches, subjektives Instrument.

Damit etabliert er das biologische Grundprinzip, das er später auf den Menschen anwendet. Dadurch, dass weibliche Vögel eine größere Investition zur Fortpflanzung
tätigen müssen als männliche Vögel – insbesondere bei den Vogelarten wo die Männchen nicht an der Brutaufzucht beteiligt sind – sind sie sehr wählerisch bei der Partnersuche. Im Gegensatz zur adaptiven Evolutionslehre, bei der die Auswahl auf die Merkmale fällt, die das „survival of the fittest“ signalisieren, ist die Triebkraft der ästhetischen Evolution die sexuelle Autonomie der weiblichen Vögel. Diese sexuelle Unabhängigkeit setzen sie bei der Partnerwahl (mate choice) durch, indem sie alleine entscheiden welche männlichen Gene an die nächste Generation weitergegeben werden. Diese ästhetische Evolution wird angetrieben von der sexuellen Anziehung der weiblichen Vögel, die bei der Partnerwahl die männlichen Vögel zum ästhetischen Wettkampf zwingen. Bemerkenswert dabei ist, dass die ästhetischen Wünsche und Präferenzen der weiblichen Vögel eine ästhetische Koevolution der männlichen Vögel steuern und so das äussere Erscheinungsbild, das Verhalten und die Balzrituale hervorbringen.
Dieser Drang nach sexueller Autonomie der weiblichen Vögel versuchen die männlichen Vögel mit Gewalt, Zwangsmaßnahmen und Vergewaltigungen zu konterkarieren. Diese Gegenkräfte haben wohl nichts mit der ästhetischen Evolution zu tun, sondern lassen sich wohl eher durch adaptive Vorgänge erklären. Ebenso untersucht Prum auch nicht diese Mechanismen bei Vogelarten, die eine gemeinsame Brutaufzucht praktizieren.

Hier läßt sich das zweite Anliegen des Buchs erkennen. Nachdem die biologischen
Gegensätze weibliche sexuelle Autonomie, vorangetrieben durch ästhetische Evolution gegen männliches Gewaltverhalten etabliert sind, geht er daran dieses Prinzip in der menschlichen Evolution nachzuweisen. Dabei findet er zahlreiche Beispiele bei unseren Vorfahren (Menschenaffen), die diese Dichotomie bestätigen. Beim Menschen wird der Konflikt zwischen männlicher sexueller Gewalt und weiblicher sexueller Selbstbestimmung durch die Paarbindung gelöst, die Ergebnis einer ästhetischen Koentwicklung zu einer  sozialen Beziehung der gegenseitigen männlichen und weiblichen reproduktiven Interessen geführt hat. Die langwierige und kompliziere Aufzucht des menschlichen Nachwuchs macht die väterliche Sorge notwendig. Die weibliche Partnerwahl hat über die ästhetische Evolution die männliche sexuelle Gewalt domestiziert.
Wie das passiert ist handelt er unter dem Titel „Der Lysistrata Effekt“ ab. Auch wenn der Autor zugesteht, dass der die Entwicklung zur weiblichen Partnerwahl beim Menschen, die bei Gorillas und Schimpansen nicht existiert, nicht erklären kann, hält er die Verweigerung von Sex für einen plausiblen Ausgangspunkt. Dadurch seien Männer, wie damals in Athen und Sparta gezwungen worden ihre Waffen niederzulegen und die Partnerwahl an die Frauen abzugeben. Er beschreibt minutiös welche körperlichen und verhaltensmäßigen Folgen das gehabt hat. Die weibliche Partnerwahl auf der seine gesamte Theorie aufbaut und ohne die alle seine Schlußfolgerungen zusammenbrechen hat er bei einigen Vogelarten mit leidenschaftlicher Detailversessenheit untersucht und beschrieben. Beim Menschen beschreibt er ausführlich, was sie bewirkt hat und begründet damit seine zentrale Hypothese. Das nennt man gemeinhin einen Zirkelschluss!

Wenn er dann schreibt: „I hope, therefore, that aesthetic evolution and sexual conflict
theory will provide a productive new intellectual interface between evolutionary biology, contemporary culture, and gender studies“ (5252), erkennt man wo der Autor falsch abgebogen ist und kann vermuten, dass der Wunsch Vater des Gedanken war.
Das dritte Anliegen des Autors is die Ästhetik und das Verhältnis von Schönheit und
Wahrheit. Hierbei handelt es sich um die Dritt-Verwertung des gleichen Gedankens.

Die herkömmliche Ästhetik drehe sich nur um die menschliche Wahrnehmung und
künstlerische Kommunikation. Diese müsse entsprechend den sensorischen und
kognitiven Fähigkeiten auch den Tieren und Pflanzen zugesprochen werden, die aufgrund der ästhetischen Evolution durch die weibliche Partnerwahl zu ästhetischem Empfinden und Ausdrucksformen befähigt seien. Analog zu der Vorstellung der adaptiven Evolutionslehre, die äußerliche Merkmale als ehrliche und wahrhaftige Signale von genetischer Überlegenheit interpretiert, lasse die ästhetische Evolution auch Signale zu die subjektiv und willkürlich sind und nicht zwangsläufig Wahrheit kommunizieren.

Für ästhetische Praktiker (Künstler) keine große Erkenntnis. Meiner Meinung nach ließe sich diese Idee der ästhetischen Evolution durch die weibliche Partnerwahl auf weitere Gebiete anwenden, z.B. auf Architektur oder Musik (was erklären würde, warum Männer die überlegenen Komponisten sind).

 

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17 Gedanken zu “Kurzrezension The Evolution of Beauty. How Darwin‘s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us

  1. „Hier zeigt Prum detailliert und überzeugend, dass die sexuelle Selektion zu den ästhetisch elaborierten Formen des Balzverhaltens bei Vögeln geführt hat, die mit natürlicher Selektion nicht
    möglich gewesen wären.“

    „Sexuelle Selektion“ ist ein Teil der „natürlichen Selektion“, nichts anderes. Das „nicht möglich“ gewesen – behauptet das Prum selbst? Warum schafft Prum künstlich zwei Arten der Selektion? Damit er die eine links liegen lassen kann (die „natürliche“) und über die „sexuelle“ so abheben, wie er es für die „natürliche“ nie könnte (etwa weil ihm die Leute scharenweise in die Parade fahren würden)??

    „seien die aufwändigen ästhetischen Ornamente, wie das Federkleid bei männlichen Vögeln, deren Gesang und soziales, territoriales und architektonisches Balzverhalten biologisch kostspielig“

    So wird das immer kolportiert. Da wird dann gerechnet bzw grob überschlagen und sich über vermeintliche Aufwändigkeit aufgeregt. Das ist reiner Anthropozentrismus. Wohin die Reise geht, deutet der Titel „Evolution of Beauty“ an, wobei man natürlich sagen muss, dass Schönheit ein vollkommen unwissenschaftlicher Begriff ist.

    „… dass auch nichtmenschliche Tiere die kognitiven Voraussetzungen besitzen ästhetische Entscheidungen fällen können ….“

    „Ästhetische Entscheidungen“?? Wirklich? Was sonst leicht als Reflex auf eingeprägte oder vererbte Muster interpretiert wird, wird bei Prum jetzt zu einer „Entscheidung“, zu einer „ästehtischen Entscheidung“ gar? Das ist lächerlich, wie auch der absurde Anthrozentrismus an dieser Stelle („nichtmenschliche Tiere“).
    Anscheinend ist dieses Konzept der „ästhetischen Entscheidungen“ der Knackpunkt des ganzen Buches von Prum: „Dadurch erhält die Evolution ein willkürliches, subjektives Instrument.“

    Damit hat Prum ganz nach Art der Kreationisten in die Evolutionstheorie den „grossen Nachhelfer“ reingeschmuggelt, der nach seinem Gutdünken die Dinge formt — hier als „willkürliches, subjektives Instrument“ bezeichnet. Dann ist auch klar, warum die „sexuelle Selektion“ vorher von der „natürlichen“ scharf abgetrennt wird, Verwirrung des Publikums.

    „Dadurch, dass weibliche Vögel eine größere Investition zur Fortpflanzung
    tätigen müssen als männliche Vögel – insbesondere bei den Vogelarten wo die Männchen nicht an der Brutaufzucht beteiligt sind – sind sie sehr wählerisch bei der Partnersuche.“

    Das ist dann das pseudovernünftige Resultat. Hier werden dann antropozentrisch „Investitionen“ eines Geschlechts theoretisiert, um ein besonders wählerisches Verhalten damit direkt erklären zu können. Diese Beziehung besteht so direkt aber nicht, sondern könnten eher zwei ganz verschiedene Phänomene sein. Denn die „Investition“ wäre höchstens Netto zu vergleichen und das wäre von (Vogel)-Art zu (Vogel)-Art, denn die Fortpflanzung betrifft und formt immer die *Art*. Hier (wie auch bei den Theoretikern der „Evolutionären Psychologie“) wird so getan als seien die Geschlechter sowas wie verschiedene Arten.

    „Im Gegensatz zur adaptiven Evolutionslehre, bei der die Auswahl auf die Merkmale fällt, die das „survival of the fittest“ signalisieren, ist die Triebkraft der ästhetischen Evolution die sexuelle Autonomie der weiblichen Vögel.“

    Ich hätte es ahnen können: Feminismus in der Biologie bedient sich ähnlicher Tricks wie die Kreationisten, um ihre Idee der Göttlichkeit in die Evolutionstheorie reinzutragen, hier „sexuelle Autonomie“ genannt. Meine Fresse, ist das zum Fremdschämen… 😦

    „Diese sexuelle Unabhängigkeit setzen sie bei der Partnerwahl (mate choice) durch, indem sie alleine entscheiden welche männlichen Gene an die nächste Generation weitergegeben werden.“

    Fehlt nur noch, dass der Prum diese Vögel als menschlicher als die Menschen hinstellt, weil bei Ihnen „Geschlechtergerechtigkeit“ herrschen würde…. LOL

    Und ganz urplötzlich taucht noch ein zweites ganz „willkürliches, subjektives Instrument“ auf, ganz verschieden von den „ästhetischen Entscheidungen“!

    „Dieser Drang nach sexueller Autonomie der weiblichen Vögel versuchen die männlichen Vögel mit Gewalt, Zwangsmaßnahmen und Vergewaltigungen zu konterkarieren.“

    Aber: „Diese Gegenkräfte haben wohl nichts mit der ästhetischen Evolution zu tun, sondern lassen sich wohl eher durch adaptive Vorgänge erklären.“

    Das ist doch sicherlich die primär wirkende Kraft des Antigöttlichen, die Kraft des Patriarchats! Da winkt der „alternative Nobelpreis“ für diese unglaubliche Entdeckung! Und Prum hält den Ball so bescheiden flach, dass er selbst nur was von „adaptiven Vorgängen“ raunt und sonst über seine ungeheuerliche nebenbei aufgestellte Hypothese hinweggeht?

    „Hier läßt sich das zweite Anliegen des Buchs erkennen. Nachdem die biologischen
    Gegensätze weibliche sexuelle Autonomie, vorangetrieben durch ästhetische Evolution gegen männliches Gewaltverhalten etabliert sind, geht er daran dieses Prinzip in der menschlichen Evolution nachzuweisen.“

    Das wird wohl nicht das „zweite Anliegen“, sondern das Hauptanliegen des gesamten Machwerks sein.

    „…. Beim Menschen beschreibt er ausführlich, was sie bewirkt hat und begründet damit seine zentrale Hypothese. Das nennt man gemeinhin einen Zirkelschluss!“

    Das hört sich plausibel an, dass sich die Argumentation im Kreis dreht. Es scheint ja offensichtlich, dass sich Prum die Evolutionstheorie aneignen wollte, wie das ein Ideologe üblicherweise macht, mit untergeschmuggelten Prämissen, die dann zur Bestätigung seiner tollen „Hypothese“ hingebogen werden.

    „Für ästhetische Praktiker (Künstler) keine große Erkenntnis.“

    @Jochen, „Erkenntnis“? Das sind ästhetisierende Phantasien, nichts weiter…. Ein echt peinlicher Neo-Platonismus, pseudowissenschaftlich und plump rein politisch motiviert.

    Danke für diese sehr wertvolle Kritik und damit den Hinweis auf dieses Machwerk!

      • Die „geschlechtliche Zuchtwahl“ ist ein ganz kurzes Unterkapitel von Kapitel 4 der „Entstehung der Arten“ — welches „Natürliche Zuchtwahl oder Überleben des Tüchtigsten“ benannt ist – und wird in die Nähe der „künstlichen Zuchtwahl“ (also „das Züchten“ von Brieftauben, etc durch den Menschen) gerückt: „geschlechtliche Zuchtwahl“ hinge vom „Kampf zwischen den Individuen eines Geschlechts, gewöhnlich des männlichen, ….“ ab und sei weniger streng als die „natürliche Zuchtwahl“, da Erfolglosigkeit nicht den Tod, sondern „nur“ geringe oder gar keine Nachkommenschaft bedeute….

        Das zeigt, dass Darwin der „geschlechtlichen Zuchtwahl“ keine grosse Bedeutung beimass, er darüber lediglich „veranlasst“ sich sah „einige Worte“ zu verlieren. Insbesondere werden detailierte Beobachtungen zum Sexualdimorphismus wiedergegeben. Dann schreibt Darwin: „Ich kann hier nicht auf alle möglichen Einzelheiten eingehen; wenn jedoch der Mensch fähig ist, seinen Bantamhühnern in kurzer Zeit eine Schönheit nach seinen Begriffen und eine elegante Haltung zu verleihen, so kann ich nicht daran zweifeln, dass weibliche Vögel, die sich unzählige Generationen hindurch die melodiereichsten und schönsten Männchen erwählten, nicht ebenfalls ein merkliches Resultat sollten hervorbringen können.“

        Der letzte Satz, eine schöne, schlüssige, aber recht belanglose Polemik, könnte die ganze Inspiration für Prum geliefert haben, btw 🙂

        Es ist also nicht gerechtfertigt, der „geschlechtlichen Zuchtwahl“ eine besondere Stellung einzuräumen, wie Darwin dies (höchstens scheinbar) macht.

        Das wird im Kontext des Werkes noch klarer: Eine der entscheidenen Stellen des ganzen Werks, sicherlich der argumentative Höhepunkt, schwächt den Stellenwert der „geschlechtlichen Zuchtwahl“ implizit weiter ab (ohne das dies diskutiert wird): als es um die sozialen Insekten und ihre geschlechtslosen Kasten von „Arbeitern“ geht. Das Hervorbringen dieser Formen wird zum obersten Test und möglichst besten Einwand gegen seine Hypothese der „natürlichen Zuchtwahl“ und zum grössten argumentativen Triumpf. (An dieser Stelle hebt die „Entstehung der Arten“ regelrecht ab und flösst dem Leser Begeisterung ein, bzw lässt an Darwins Begeisterung teilnehmen):

        „Ich muss aber bekennen, dass ich bei all meinem Vertrauen zur natürlichen Zuchtwahl doch nie vorauszusetzen gewagt hätte, dass sie so hochgradig wirksam sein könnte, wenn mich nicht der interessante Fall dieser geschlechtslosen Insekten überzeugt hätte.“ (gegen Ende des 8. Kapitels, „Instinkt“)

        Diese Art von „geschlechtlicher Zuchtwahl“, nämlich auf das A-geschlechtliche hin ist klar der „natürlichen Zuchtwahl“ zuzuschreiben und verweist damit die ganze „geschlechtliche Zuchtwahl“ auf die hinteren Ränge. Wie sollte man auch unterscheiden, ob ein Sexualdimorphismus tatsächlich nur durch die „geschlechtliche Zuchtwahl“ und nicht doch, heimlich und indirekt, eher durch „natürliche Zuchtwahl“ bewerkstelligt wurde?! Also kann die „geschlechtliche“ nichts weiter als ein Unterpunkt der „natürlichen Zuchtwahl“ sein, wie auch die „künstliche Zuchtwahl“ nichts anderes als ein Spezialfall der natürlichen ist.

      • Übrigens ist es ja auch faszinierend sich gewahr zu werden, wie die „Genderisten“ mit der Doktrin der „Totalen sozialen Konstruktion“ den Menschen zu einem geschlechtslosen Wesen machen wollen, wie es wohl optimal für die grösstmöglichste Nutzung, ja wahrlich „Ausbeutung“, der menschlichen Arbeit zugunsten der „Geschlechtskaste“ in einem totalitären Staat wäre: nach dem Vorbild des Staats sozialer Insekten.

        „Wir können verstehen, dass die Erzeugung dieser Arbeiter für eine soziale Ameisengemeinschaft nützlich war, aus denselben Gründen, aus dem die Arbeitsteilung für den Kulturmenschen vorteilhaft ist.“

        Und so könnte man den Versuch von Genderisten wie Prum der Vereinnahmung Darwins als Versuch deuten einen neuen Darwinismus zu etablieren, bei dem der Ameisenstaat zum Vorbild für die Menschen wird….

        • @Alex

          Es ist wirklich Kreationismus und was für einer!

          „Diese ästhetische Evolution wird angetrieben von der sexuellen Anziehung der weiblichen Vögel, die bei der Partnerwahl die männlichen Vögel zum ästhetischen Wettkampf zwingen. Bemerkenswert dabei ist, dass die ästhetischen Wünsche und Präferenzen der weiblichen Vögel eine ästhetische Koevolution der männlichen Vögel steuern und so das äussere Erscheinungsbild, das Verhalten und die Balzrituale hervorbringen.“

          Zusammengedampft auf die Bedeutung:

          „Die Evolution wird angetrieben (!!!) von den weiblichen Vögeln.
          Die Wünsche und Präferenzen der weiblichen Vögel (steuern) die KO(!!!)evolution der männlichen Vögel.
          Und (bringen) so das äussere Erscheinungsbild, das Verhalten und die Balzrituale (der männlichen Vögel) hervor.“

          Merke: Die Evolution ist eine Göttin.

          In einem der letzten Artikel von Christian bin ich darüber gestolpert, das „sexual harassment“ auf das Tierreich ausgedehnt wird, weil es keinerlei Sinn macht. In DIESEM Kontext macht es zutiefst Sinn.

          Lasst uns diesem Wahnsinn energisch entgegentreten!

          Gruß crumar

  2. Aus einer (positiven!) Rezension (der ersten) bei Amazon:

    „Prum’s heresy is to refute the Darwinists by going back to Darwin’s original texts, in particular The Descent of Man. This second opus was not nearly as well received as The Origin of Species. Darwin’s avid fans, led by Alfred Russell Wallace, thought that Darwin had gone off the deep end to propose that sexual preference, alone and apart from evolutionary fitness, was a prime mover in evolution. Wallace and Darwin argued until the latter’s death, after which it became standard Darwinist dogma to insist that aesthetics operated only as signals of evolutionary fitness. Viz: the peacock’s cumbersome tail is a signal that it must be a very healthy bird indeed to bear such a handicap and yet survive.“

    „The Descent of Man“ kenne ich nicht, aber dieses Buch ist vermutlich eher so eine Art Gedankensteinbruch, in dem man sich schnell was zusammensuchen kann was einem passt. Dieses Buch soll wohl daher auch den Eugenikern und Rassisten für ihren „Sozialdarwinismus“ am besten gefallen haben…

    weiter Reviewer1, Graham H. Seibert:
    „Prum’s book is serious, his arguments well formed, and intellectual honesty demands that those (conservatives) who would disagree cite scientific arguments to refute him. It is a five-star effort all around.“

    Nein, bloss den Füchsen nicht das Hühnerhaus überlassen….;) Dieses Werk von Prum stinkt geradezu nach dem Versuch einer Neuauflage eines Sozialdarwinismus und muss daher unbedingt „von links“ aus scharf kritisiert werden. Oder sollte „links“ gar nur noch bedeuten, dass man für den Ameisenstaat ist!?!

    Besonders „vertrauenserweckend“ ist die kurze Kritik einer „vivere“:

    „Female autonomy and choice helped (literally) defang infanticidal males in the human species and reduce size dimorphism. Current patriarchal tendencies are cultural. Read all about it in this book.“

    • haha, dies sind Zitate aus dem Buch, in dem Prum sich deutlichst als feministischer Ideologe zu erlennen gibt (von einem Richard Gilbert, der das Ganze sehr positiv sieht):

      „The concept of an ongoing, culturally waged sexual conflict arms race also allows us to understand what is at stake in the battle between contemporary feminists and advocates of conservative, patriarchal views of human sexuality. After all, control over reproduction—including birth control and abortion—is at the very core of sexual conflict.

      „Like the evolved sexual autonomy of ducks, feminism is not an ideology of power or control over others; rather, it is an ideology of freedom of choice. This asymmetry of goals—the patriarchal aim of advancing male dominance versus the feminist commitment to freedom of choice—is inherent in all sexual conflict, from ducks to humans. But it gives the contemporary cultural struggle over universal sexual rights an especially frustrating quality.“

      „Feminism is not an ideology of power or control over others, rather, it is an ideology of freedom of choice. “ 😀

      Feminismus kennt NUR die Idee der „Macht und Kontrolle über andere“ und nichts anderes! Das imaginierte „Patriachat“ ist nur die eigene Wunschvorstellung des totalen Ameisenstaats, den man ansteuert.

      Negative Kritiken, zwei, nur diese ist bemerkenswert:

      „A more accurate title of the book should be, „A Feminist point of view on Evolution .. Book started off promising with some very interesting insights into the world of bird mating. I was expecting a good scientific debate. However, half way into the book the political innuendos started appearing. Everything good in nature is somehow related to evolution of female choice while everything bad in nature is related to male aggression. ….“

      Na, so stellt man sich das vor, wenn der Auor vor allem ein feministischer Ideologe ist und nebenbei auch noch Biologe….

  3. Sehr schöner post, der zeigt, daß rationale Rekonstruktionen zu angeblich evolutionär bedingtem Partnerwahlverhalten im Grunde beliebig ausgetauscht werden können, ohne daß sich die Plausibilität der Gute-Nacht-Geschichte ändert.

    • 1. Das ist nicht richtig. Man kann hier durchaus aufzeigen, was falsch ist und Selektionen und ihre Gesetze lassen sich auch mit entsprechenden Studien überprüfen.
      2. soziale Theorien sind eher noch anfälliger dazu. Gerade alles, was du so anbringst hat überhaupt kein Fundament. Im Gegenteil, du musst erhebliche Forschung dazu ignorieren, siehe „Sex und Frauen“ aus der letzten Diskussion

      • Falsch. Evolutionäre Erklärungen müssen immer in ein historisches Szenario eingebettet werden – was hier nie gemacht wird. Das sind elementare Fehler und auf habe ich schon vor Jahren hingewiesen, aber immer wird hier alles ignoriert.

      • „Evolutionäre Erklärungen müssen immer in ein historisches Szenario eingebettet werden …“

        Die Erklärungen, also unsere Sicht auf die Evolution, oder die Evolution selbst?
        Beides ist im Prinzip richtig. Aber das gilt letztlich für alle Wissenschaften, die auf Axiome aufbauen.
        Bei chemischen Reaktionen wissen wir z.B. in den wenigsten Fällen den tatsächlichen Ablauf. Dennoch ist es hinreichend, wenn aufgrund von Beobachtungen ein Erklärungsmodell den Prozess beschreibt – bis es widerlegt wird.

        „… da lernst du, daß die Evolution nicht unabhängig von der lokalen Umgebung ist, in der sie abläuft.“

        Hat das jemand behauptet? Ohne lokale Umgebung mit ihren wandelnden Eigenheiten würde eine evolutionäre Veränderung keinen Sinn machen.

  4. Vielen Dank für die aufschlussreichen Kommentare. Ich denke Prums Buch ist ein Paradebeispiel dafür, wie heute Wissenschaft vermarktet wird. Ohne die feministische Propaganda hätten nur ein paar Ornithologen das Buch gelesen und die „citation counts“ wären gleich null. Ebenso sein Bekanntheitsgrad und seine Möglichkeiten Forschungsgelder zu mobilisieren. Persönliche Eitelkeit lässt sich mit rein wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht befriedigen. Rock Star Status geht nur mit Groupies.

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