Selbermach Mittwoch 120 (05.07.2017)

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83 Gedanken zu “Selbermach Mittwoch 120 (05.07.2017)

  1. In der FAZ gibt es einen guten Text über die Nöte des klassischen Linksliberalen vor der Bundestagswahl. Der Autor Ralf Bönt benennt am Ende die Neuordnung des Geschlechterverhältnisses als eines der zentralen Probleme unserer Zeit:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/ralf-boent-ueber-sein-linksliberales-wahldilemma-15075709-p4.html?printPagedArticle=true#pageIndex_4

    „Zentral ist dabei jetzt das Verhältnis von Familie und Arbeit, es befindet sich mitten in ihrer vollständigen Neuerfindung. Hundertfünfzig Jahre nach der Urbarmachung der Elektrizität und dem Rückgang der Geburtenrate von über dreizehn auf nunmehr anderthalb, durch Bildung und Frauenrechte, den Übergang von der Schwerindustrie zur dezentralen Dienstleistungsgesellschaft ordnet sich das Leben von Frau und Mann vollkommen neu. Unser Gespräch darüber ist jedoch jämmerlich. Es ist steckengeblieben in einem dekadenalten Mantra von tätschelnder Frauenquote und dem gender pay gap. Wir schaffen es bis heute nicht, Quoten in den Erziehungsberufen zu diskutieren oder einen gender jail gap, einen gender suicide gap, geschweige denn die Mutter aller gender gaps, den gender life expectancy gap. Auch hier nimmt niemand mehr sein Gegenüber als Mensch wahr, sondern nur als Teil einer bestimmten Gruppe. Wie tief wir in der gegenseitigen Verachtung bereits gefallen sind, wurde offenbar, als Malerstar Daniel Richter kürzlich bei einer Leseveranstaltung in Berlin das Manifest zur Vernichtung der Männer vorlas, das oberdumme, volksverhetzende Pamphlet, mit dem Valery Solanas ihren Mordversuch an Andy Warhol begründete. Richters Bemerkung dazu: Das sei ein sehr wichtiger Text für ihn, er lese ihn einmal im Jahr. Niemand protestierte. Genau wie niemand protestierte, als Hillary Clinton nach ihrer Niederlage sagte, die Zukunft sei weiblich. Hat eigentlich noch nie jemand gesagt, die Zukunft sei weiß, sowjetisch oder arisch?

    Ralf Bönt hat 2012 „Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann.“ geschrieben. Die Beschreibungen dazu klingen mir wenig vertrauenerweckend, ein neuer Versuch den „Neuen Mann“ als Anpassung an weibliche Wünsche zu erfüllen.

    Wie sind hier die Meinungen zu Ralf Bönt? Hat das Buch jemand gelesen?

    • Die „moderne“ Gesellschaft zestört sich selbst. Einer Gesellschaft mit 1,4 Kindern pro Frau gehört die Zukunft zumindest nicht, so viel kann ich sagen.

      • Dem stimmen ja sogar die meisten zu. Es wagen nur zu wenige, das mit der Situation der Männer zu verknüpfen, die diese Kinder zeugen und versorgen sollen.

    • „Wie sind hier die Meinungen zu Ralf Bönt? Hat das Buch jemand gelesen?“

      Ja hab ich. Ich erinnere mich nicht, irgendeinen Erkenntnisgewinn daraus gezogen zu haben, und nach dem, was ich sonst noch von ihm gelesen habe, halte ich ihn tendenziell bloß für einen denkfaulen Schwätzer.

      Als Beweisstück lege ich folgenden Auszug aus seinem jüngsten Artikel vor:

      „Das Konzept moderner Vaterschaft in Zeiten der DNA ist eigentlich lächerlich simpel: Auf die Leiblichkeit kommt es an. Muss man wirklich daran erinnern, welch starkes Band sie ist?

      Die Ehe für alle ist gut gemeint. Aber sie läuft Gefahr, die echte Vaterschaft weiter zu unterminieren. Denn schwule Paare werden nach Jahren auf dem Adoptionsamt bestimmt auch jene Erfolglosigkeit erleben, die für leibliche Väter beim Sorgerecht längst bleierner Alltag ist.

      Dass Schwule sich gern darauf berufen, auch Jesus habe zwei Väter gehabt, zeigt, dass sie sich mit dem Problem der leiblichen Vaterschaft und der politischen Debatte darüber nicht auseinandergesetzt haben.

      Vielleicht schreibt ein Dramatiker ja in der Zwischenzeit das Stück über den Mann, der mit dem Wunsch auf Vaterschaftstest scheitert, während sein Sohn von der Mutter zur Adoption freigegeben wird und schließlich bei zwei netten Frauen aufwächst…“

      http://www.zeit.de/2017/28/eltern-vaeter-muetter-gleichstellung

      Zurück in die Realität:

      Ein lesbisches Paar besitzt häufig sogar zwei funktionierende Gebärmütter, was bedeutet, dass sie zur Erfüllung ihres Kinderwunsches schlicht nicht darauf angewiesen sind, dass irgendeine Verzweifelte ihr leibliches, von ihr ausgetragenes und geborenes Kind an sie abgibt.

      Ein schwules Paar wäre es hingegen noch.

      Jetzt die gute Nachricht:
      Rettung naht!

      https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2017/britische-aerzte-wollen-maenner-zu-muettern-machen/

      Wenn das klappt (man müsste die Kosten für dieses Verfahren sicher nicht – und schon gar nicht komplett – auf die Gemeinschaft umlegen), brauchen (u.a.) schwule Männer dann nurnoch eine Änderung bezüglich der Eizellenspende durchkämpfen, um auch ihre eigene Familie gründen zu können.

      • Fragt Ihr Euch eigentlich so wie ich, ob die bei den rund 150.000 jährlichen Hysterektomien entnommenen Organe bereits irgendwo eingelagert werden für z. B. diesen Zweck?
        Oder werden die noch als Biomüll deklariert?

  2. Ich habe mich mit den Gedanken eines Herrn Maas zum Thema Abstammungsrecht befasst und speziell mit der unterschiedlichen Betrachtung von Schwulen und Lesben:

    Elter1 + Elter2 = (Mit-)Mutterschaft

    Nachdem man mit großen Getöse und viel Konfetti die „Ehe für Alle“ (EfA) eingeführt hatte, um anschließend eines der massivsten Eingriffe in die freie Äußerung der Meinung, das s.g. „Netzwerk-Durchsetzungsgesetz“ (NetzDG) im kleinen Kreis, mit gerade mal 60 Abgeordnete durchzupeitschen, so macht sich nun der verhinderte Justizminister Heiko Maas an sein nächstes ‚Husarenstück‘, wie die „Zeit“, heute am 4. Juli berichtete:

    [..] Im Klartext: Schwulen Männern verbietet man die Leihmutterschaft und das Recht auf Reproduktion, bei lesbischen Frauen sollen aber nun beide Mutter sein dürfen.

    https://emannzer.wordpress.com/2017/07/04/elter1-elter2-mit-mutterschaft/

    • Im Großen und Ganzen gibts dafür ein Lob von mir Richtung Heiko Maas. Muss auch mal sein.

      Ja, ich denke, eine Eizellenspende müsste schon noch irgendwie möglich werden in naher Zukunft.

      But then again: bei dem Fortschrittstempo auf dem Gebiet der Reproduktionstechnik dauert es vermutlich auch nicht mehr ganz so lange, bis männliche in weibliche Keimzellen und umgekehrt umgewandelt werden können, und damit wären beide homosexuellen Elternteile leibliche Erzeuger, was sicherlich noch stärker ihrem Wunsch entspräche als eine (für mindestens einen der Beteiligten) „Kuckuckselternschaft“.

      • Und als nächstes die künstliche Gebährmutter, die ja durchaus angedacht ist, nebst abschließendem „Soylent Green“ -zwecks Recyclings zur Bekämpfung des Welthungers per ‚Altersentsorgung‘- oder was, Semikolon?

        Babys aus dem Getränkeautomaten, mit Vorauswahl der Haarfarbe, des Geschlechts und je nach Verwendungszweck im Wirtschaftskreislauf?

        Zugegebenermaßen auch ein Alptraum für Hetero-Ehen, welche man ja wohl abschaffen möchte und durch soziale Elternschaft ersetzen will. Spinnt man diesen Gedanken weiter, dann kann man ziemlich ins Grübeln kommen, denke ich.

        Und so lange, wie das Alles noch utopische Gedanken sind, könnte man ja mal daran arbeiten, Kuckucksvaterschaften zu unterbinden. Der Prozentsatz dieser liegt weitaus höher, als die der schwul-lesbischen Ehen, über die das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.

        Generell sagt doch dein abschließender Teilsatz nichts anderes aus. Insofern kann ich diesem sogar zustimmen.

        Aber, sind solche, nicht allzufernen Utopien tatsächlich der richtige Weg – oder planieren diese die Straße des Eingangs erwähnten Dystopien?

        Die Natur hat bisher immer ihren Weg gefunden und der hieß: Evolution = Mutation und Selektion.

        Und das will man nun per Reagenzglas völlig selbst beseelt aushebeln; ich weiß nicht …

        • „Und als nächstes die künstliche Gebährmutter, die ja durchaus angedacht ist“

          Ich bin nicht unglücklich mit der Überzeugung, dass DAS (während meiner Lebenszeit wenigstens) Nichts werden wird.

          Zwar haben wir bereits die minimale In-Utero-Phase für jedes menschliche Wesen innerhalb der letzten vier, fünf Jahrzehnte auf annähernd die halbe Zeit runterdrücken können (ab etwa der 24. SSW ist ein Kind Dank mod. Med. und mit Glück bzw. im Prinzip zumindest überlebensfähig außerhalb der Mutter), aber größere Sprünge würd ich da jedenfalls nicht mehr erwarten – weil ich weiß, wie aufwändig und risikoreich die anschließende lange Phase (meist Monate über den eigentlichen Geburtstermin hinaus, häufig begleitet von mehreren OPs) der Intensiv-Kinder-Nothilfe in solchen Fällen dann ist.

          „Und so lange, wie das Alles noch utopische Gedanken sind, könnte man ja mal daran arbeiten, Kuckucksvaterschaften zu unterbinden. Der Prozentsatz dieser liegt weitaus höher, als die der schwul-lesbischen Ehen, über die das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.“

          Am höchsten in dem Gesamt-Zusammenhang liegt allerdings der Prozentsatz derjenigen, die bewusst die juristische Vaterschaft für ein Kind übernahmen, das nicht ihr Leibliches ist.

          „Aber, sind solche, nicht allzufernen Utopien tatsächlich der richtige Weg – “

          Ähm, jetzt muss ich doch glatt nochmal klicken… „Warum darf sich die lesbische Mutter via Samenspende replizieren, der schwule Vater aber per Leihmutterschaft nicht?“ hast Du gefragt. Du hast eine Diskriminierung von Männern gewittert, wo man sich eigentlich bloß scheut, der Ausbeutung von Frauen Vorschub zu leisten/eine legale Grundlage für zu erschaffen. Ich hätte nach Deinem Text angenommen, dass Du Wunsch-Elternschaft schwulen Männer zugestehen würdest. Per Organtransplantation Männern zumindest das Austragen zu ermöglichen, ist doch nun zweifellos die bessere, nicht allzuferne Utopie im Vergleich mit der gegenwärtigen Realität von Leihmutterschaften?

          • Dass mag sein, @Semikolon:

            „Per Organtransplantation Männern zumindest das Austragen zu ermöglichen, ist doch nun zweifellos die bessere, nicht allzuferne Utopie im Vergleich mit der gegenwärtigen Realität von Leihmutterschaften?“

            Das hier sehe ich allerdings nicht so:

            „… wo man sich eigentlich bloß scheut, der Ausbeutung von Frauen Vorschub zu leisten …“

            Genau damit und solchen Begriffen wie „Ausbeteutung von Frauen“ verherrlicht man den heiligen Mutterschutz, wie der aktuelle Entwurf dieser ‚Expertenkommission‘ ja aufzeigt. Denn niemand zwingt diese Frauen dazu, ein Kind auszutragen.

            Und wenn die Heilige Mutter ihr Kind bei eBay zur Adoptionsversteigerung anbietet (schon mehrfach geschehen aber gelöscht), dann hört man aus den Kreisen des Feminismus‘ nichts dazu; warum eigentlich?

            Aber wie mit Vätern und ihren Rechten umgegangen wird, da geht das Krakeele in Richtung „noch mehr“ immer weiter. Nun also auch bei den Schwulen. Denn was zählt, dass ist die Mama, der geheiligte Schoß der Gesetzgebung.

            Sperm is cheap – oder was?

  3. Bönt bleibt in seinem Gefängnis, über dessen Tor steht: „Frauenversteher -Lebenslänglich.“
    In diesem Text hat er mal die Feile angesetzt.

  4. Ein Artikel in der WELT über intersektionalen Feminismus und dessen Folgen:

    „So komplex die Struktur der Unterdrückung damit zu werden droht, so simpel ist die Zuschreibung ihrer Ursache: Wirkendes Prinzip in diesen Stratifikationen ist immer der weiße Mann. „Critical Whiteness“ sucht Wege der Therapie.

    Dass dieses Denken längst nicht mehr nur in esoterischen Zirkeln an Ostküsten-Universitäten gepflegt wird, sondern große politische Kraft entfaltet, zeigt der jüngst von Familienministerin Katarina Barley vorgestellte „Aktionsplan gegen Rassismus“. Dort werden die Begriffe der postkolonialen und Gender-Theorie zur Analyse- und Handlungsgrundlage der Bundesregierung gemacht: „Durch die Verbindung von Geschlecht und weiteren Merkmalen, die die Lebenssituation von Frauen prägen (Intersektionalität), werden diese zu einer besonders verletzlichen Gruppe“, heißt es da.“

    Und weiter:

    „Hier fällt uns der ganze Kladderadatsch dieser Theorien auf die Füße: Die Diskriminierung einer Frau mit Kopftuch wird als „Rassismus“ bezeichnet. Religion wäre also eine Art angeborenes und nicht abzulegendes Merkmal der Person. Muslimische Frauen werden im Sinne des bewusst angeeigneten Begriffs der „Intersektionalität“ als doppelt unterdrückt angesehen – aber doppelt unterdrückt von der Mehrheitsgesellschaft: als Frau und als Muslimin. Dass das Kopftuch selbst Zeichen der Unterdrückung innerhalb einer anderen Kultur ist, fällt unter den Tisch.“

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166259875/Der-Regenbogen-ist-ein-Zeichen-der-Verdraengung.html

  5. Gibt es ein Außerhalb des Textes? Kommt darauf an, was man unter dem Begriff Text versteht, meint der französische poststrukturalistische Philosoph Jaques Derrida.

    Es folgt ein Schock für politisch korrekte postmoderne (pseudo-)linke Fanatiker und rechts-autoritäre PC-Kritiker gleichermaßen: Es gibt doch Wahrheit! – meint der poststrukturalistische Philosoph und Begründer der Philosophie und Methode der Dekonstruktion Jaques Derrida.

    US-amerikanische politisch korrekte links-autoritäre Ideologen berufen sich u.a. auf eine Formulierung von Jaques Derrida, um ihre radikal-konstruktivistische Perspektive, dass es Wahrheit nicht gebe, sondern nur Interpretationen, zu legitimieren: „Es gibt kein Außerhalb des Textes.“

    US-amerikanische rechts-autoritäre PC-Kritiker (die in Wahrheit eine eigene Variante von Political Correctness vertreten – von mir als „Political Correctness von rechts“ bezeichnet) pöbeln manchmal gegen Jaques Derrida – ohne freilich jemals etwas von ihm gelesen zu haben – und verhalten sich davon abgesehen aber genauso wahrheitsrelativistisch und unwissenschaftlich wie ihre links-autoritären politisch korrekten Gegenspieler.

    Da jeder, dem die Einhaltung von Standards wissenschaftlichen Arbeitens bei geisteswissenschaftlichen Themen wichtig ist und der versucht die US-amerikanischen (pseudo-)linken PC-Diskurse sowie die US-amerikanischen rechten Anti-PC-Diskurse – die beide aus den USA leider auch nach Europa importiert wurden und werden – gleichermaßen kritisch zu analysieren, m.E. schnell zu der Erkenntnis gelangen wird, dass man in beiden genannten Lagern auf ein nicht gerade geringes Maß an Unwissenschaftlichkeit und Messen mit zweierlei Maß trifft, empfiehlt es sich meiner Erfahrung nach bei Zitaten zu überprüfen, ob dies wirklich von Person X so gesagt wurde und wenn ja, was diese im ursprünglichen Kontext damit meinte.

    Hat Jaques Derrida nun also gesagt, dass es kein Außerhalb des Textes gebe? Und falls ja, hat er damit wirklich gemeint, dass es bezüglich der empirischen Wirklichkeit Wahrheit nicht gebe, dass es nur Interpretationen gebe und dass man daher auf Bemühen um Objektivität, Einhaltung wissenschaftlicher Standards, rationale Argumente und Belege pfeifen könne, wie es links-autoritäre politisch Korrekte und rechts-autoritäre PC-Kritiker ja beide gleichermaßen praktizieren?

    Im Folgenden dazu ein paar Zitate von Jaques Derrida:

    „Das, was man die „Objektivität“ nennt, zum Beispiel die wissenschaftliche (an die ich in einer gegebenen Situation fest glaube), besteht nur innerhalb eines extrem großen, alten, stark verankerten, in einem Netz von Konventionen (zum Beispiel denen der Sprache) stabilisierten oder verwurzelten Kontextes, der nichtsdestoweniger ein Kontext bleibt. Und das Auftauchen des Wertes der Objektivität (und so vieler anderer mit ihm) gehört ebenfalls einem Kontext an. Man kann, wenn Sie so wollen, die gesamte „reale Weltgeschichte“ den „Kontext“ nennen, in dem dieser Wert Objektivität und im weiteren Sinne der der Wahrheit Bedeutung gewonnen und sich behauptet haben. Das diskreditiert sie in keiner Weise. In welchem Namen, im Namen welcher anderen „Wahrheit“ würde man sie im übrigen diskreditieren? Eine der Definitionen dessen, was man Dekonstruktion nennt, wäre das Miteinbeziehen dieses unbegrenzten Kontextes, die möglichst wache und umfassende Beachtung des Kontextes und somit eine unablässige Bewegung der Rekontextualisierung. Der Satz der für manche gleichsam zum Slogan der Dekonstruktion geworden ist und im allgemeinen völlig falsch verstanden wurde („es gibt kein außerhalb des Textes“) (…), heißt nichts anderes als: Es gibt kein außerhalb des Kontextes (…). In dieser Form, die genau dasselbe besagt, hätte diese Formel sicher weniger schockiert.“

    (aus: Jaques Derrida – Unterwegs zu einer Ethik der Diskussion, in: Jaques Derrida – Die differance. Ausgewählte Texte, Reclam, 2004, S. 289 f.)

    „Dieses Denken des Kontextes ist als solches kein Relativismus, mit allem, was man damit assoziieren könnte (…). Zunächst einmal, Husserl, hat es besser denn irgend jemand sonst gezeigt, weil der Relativismus, ebenso wie all seine Surrogate, eine philosophische Position bleibt, die sich selbst widerspricht. Dann weil dieses „dekonstruktive“ Denken des Kontextes weder eine philosophische Position noch eine Kritik der abgeschlossenen Kontexte ist, die es ohne absoluten Vorsprung analysiert. In dem Maße jedoch, in dem es durch seinen Diskurs, seine sozio-institutionelle Situation, seine Sprache (langue), die historische Einschreibung seiner Gesten in einen gegebenen (aber stets differenzierten und beweglichen) Kontext verwurzelt ist, kann es nicht (es darf und kann es nicht) auf die herrschenden „Werte“ in diesem Kontext verzichten (zum Beispiel auf den der Wahrheit.).“

    (ebd. S. 290 f.)

    „Ich wollte daran erinnern, dass der von mir vorgeschlagene Begriff des Textes weder auf die Graphie noch auf das Buch, noch auf den Diskurs und noch weniger auf den semantischen, repräsentativen, symbolischen, ideellen oder ideologischen Bereich beschränkt ist. Was ich „Text“ nenne, beinhaltet alle sogenannten „realen“, „ökonomischen“, „historischen“, gesellschaftlich-institutionellen Strukturen, kurz alle möglichen Referenten. Mit anderen Worten erinnere ich nochmals daran, dass es kein Außerhalb des Textes gibt. Das bedeutet nicht, dass alle Referenten außer Kraft gesetzt, geleugnet oder in ein Buch eingeschlossen werden, wie oft vorgegeben wird oder wie man oft naiverweise glaubt und mir vorwirft.“

    (ebd. S. 311)

    „Denn natürlich gibt es einen „richtigen Weg“ , einen besseren Weg, und ich war, nebenbei bemerkt, oft erstaunt, beziehungsweise je nach Gemütslage erheitert oder entmutigt, über den Gebrauch oder Mißbrauch des folgenden Arguments: Da man annimmt, dass der Dekonstruktrionist (…) nicht an die Wahrheit, die Stabilität oder Einheit der Bedeutung, an die Intention und das Sagen-Wollen glaubt, wie kann er dann von uns verlangen, ihn mit Kompetenz, Genauigkeit und Strenge zu lesen? Wie kann er fordern, dass man seinen eigenen Text richtig interpretiert? Wie kann er jemanden beschuldigen, ihn schlecht verstanden zu haben, vereinfacht oder entstellt zu haben? Anders gesagt, wie kann er etwas diskutieren und wie kann er die Lektüre dessen diskutieren, was er schreibt? Die Antwort ist recht einfach: Diese Definition des Dekonstruktionisten ist falsch (ich sage wirklich falsch: nicht richtig) und schwach; sie folgt einer schlechten Lektüre (ich sage wirklich schlecht: nicht gut) und einer schwachen Lektüre zahlreicher Texte, auch meiner, die man lesen muss, wenn man über sie reden will. Man wird sehen, dass der Wert der Wahrheit (und aller dazugehörigen) darin nie bestritten oder zerstört, sondern nur in stärkere, weitere und vielschichtigere Kontexte eingeschrieben wird. Und dass man innerhalb dieser relativ stabilen und bisweilen nahezu unerschütterlich scheinenden Kontexte der Interpretation (…) Regeln der Kompetenz, Kriterien der Diskussion und des Konsenses, guten Glauben, Hellsichtigkeit, Strenge, Kritik und Pädagogik geltend machen können muss.“

    (ebd. S. 308 f.)

    „Eine „radikale Infragestellung“ von Begriffen wie der Wahrheit, der Referenz und der Stabilität von Interpretationskontexten“ habe ich nie betrieben, wenn „radikale Infragestellung“ bedeutet, dass bestritten wird, dass es Wahrheit, Referenz und stabile Interpretationskontexte gibt und geben muss.“

    (ebd. S. 316)

    Und es kommt noch schlimmer für unsere links-autoritären und rechts-autoritären PC´ler:
    Jaques Derrida erwähnt außerdem, dass seine Philosophie der Dekonstruktion neben einer progressiven/kritischen Dimension, auch eine bewahrende/konservative Dimension besitzt:

    „Ich sehe wohl, worin bestimmte meiner Texte oder bestimmte meiner Praktiken (zum Beispiel) etwas „Konservatives“ haben, und ich bekenne mich dazu. Ich bin für die Bewahrung, die Erinnerung – die eifersüchtige Erhaltung – zahlreicher Traditionen, zum Beispiel, aber nicht nur an der Universität und in der wissenschaftlichen, philosophischen und literarischen Tradition. Ich kämpfe sogar für diese Bewahrung. Aber ich könnte auch zeigen, inwiefern einige meiner Texte (manchmal dieselben) oder einige meiner Praktiken (manchmal dieselben) die Grundlagen dieser Tradition wieder in Frage stellen, und ich bekenne mich auch dazu. Was bedeutet das? Dass das Gegensatzpaar konservativ/revolutionär zum Verständnis dessen, was mit diesen Texten und diesen Praktiken geschieht, nicht mehr relevant ist.
    (…)
    Da sie an sich weder „konservativ“, noch das Gegenteil ist, wird die politische Bewertung jeder ihrer sogenannten dekonstruierenden Gesten, wenn sie streng und der Sache, über die sie spricht, angemessen sein soll, von sehr schwierigen, genauen und in Bezug auf die Stereotypen des institutionellen politischen Diskurses sehr freien Detailanalysen abhängen. Die Dekonstruktion existiert nicht irgendwo, rein, eigentlich, mit sich selbst identisch, außerhalb ihrer Einschreibungen in konfliktbeladene und differenzierte Kontexte, sie „ist“ nur das, was sie macht und was man aus ihr macht, dort, wo sie stattfindet.“

    (aus: Jaques Derrida – Unterwegs zu einer Ethik der Diskussion, in: Jaques Derrida – Die differance. Ausgewählte Texte, Reclam, 2004, S. 298 f.)

    • Derrida ist Saussure auf Stereoiden.

      Jemand, der Derrida studiert, wird ohne weiteres die nachfolgende Charakterisierung seiner Ideen als zutreffend einschätzen. Wenn Derrida seine frühreren Analysen relativiert, kann die Ursache hierfür schlicht Altersmilde sein. Foucault wurde mit zunehmenden Alter auch zahmer. Warum soll sich ein autoritärer PC’ler auf den alten Derrida beziehen, wenn der junge soviel geiler ist? Ich glaube auch, dass Derrida bodenständig war, er war aber auch, wie Foucault, ein demagogische Polemiker. Das wird sein Vermächtnis bleiben, ob er das bestreitet oder nicht.

      Das Konzept der différence bei Saussure impliziert, dass das Zeichen nicht mehr auf ein Referenzobjekt zeigt (sich nicht mehr direkt auf die Welt bezieht). Die Bedeutung (le signifié) entsteht durch das Spiel von Differenzen. Eine Art differentielle Identitätsbildung. Es „gibt“ bei Saussure keine präexistente Bedeutung. Der Bezug des Zeichens auf eine Welt ist mittelbar. Aber es gibt bei Saussure noch ein (brüchiges) Subjekt und Identitäten. Es gibt noch präsente Einheiten und Sinn.

      Die différance (mit „a“) bei Saussure löst Subjekt und Präsenz völlig auf. Sie bedeutet ein räumliches und zeitliches Auseinanderdriften. Das Konzept der Zeit Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft wird verworfen. Es kann nie eine Gegenwart (Präsenz) geben, nur eine absolute Vergangenheit, die sich in „Spuren“ (traces) zeigt. Es gibt kein Innehalten, keine Einteilung in Momente der Gegenwart und des Sinns, nicht einmal eine Annäherung an eine Momenthaftigkeit. Keine Erinnerung oder Erwartung kann irgendetwas präsent werden lassen. Nie kann eine Einheit, eine Erkenntnis gewonnen werden.

      Das hat er gepredigt. Guter Stoff, um schlimme Sachen damit anzustellen.

      • @ quellwerk

        „Wenn Derrida seine frühreren Analysen relativiert, kann die Ursache hierfür schlicht Altersmilde sein.“

        Es handelt sich um Zitate aus dem Nachwort des Buches „Limited inc.“, das die sprachphilosophische Diskussion zwischen Jaques Derrida und John Searle dokumentiert, ich finde leider auf Anhieb keine Jahresangabe, wann genau er dieses Nachwort geschrieben hat.

        „Foucault wurde mit zunehmenden Alter auch zahmer.“

        Mir gefällt sein Spätwerk übrigens am besten.

        „Warum soll sich ein autoritärer PC’ler auf den alten Derrida beziehen, wenn der junge soviel geiler ist?“

        Weil der ältere Derrida wahrheitsrelativistischen Interpretationen seines früheren Werkes hier ausdrücklich jede Legitimation entzieht. Das gefällt mir – und kann außerdem pragmatisch zur Zurückdrängung postmodernistisch-wahrheitsrelativistischer Positionen genutzt werden.

        „Ich glaube auch, dass Derrida bodenständig war, er war aber auch, wie Foucault, ein demagogische Polemiker.“

        Mir sind von beiden bisher kaum Passagen bekannt, die sich begründet als polemisch bezeichnen ließen. Gerade auch in den Interviews, die ich von ihnen kenne, finde ich beide meist sehr sachlich.

        „Das wird sein Vermächtnis bleiben, ob er das bestreitet oder nicht.“

        Ich habe kürzlich Derridas Biographie quergelesen. Derrida scheint ein recht sensibler Typ gewesen zu sein, als Polemiker wird er auch dort nicht dargestellt. Welche seiner Schriften findest du denn polemisch?

        „Das Konzept der différence bei Saussure impliziert, dass das Zeichen nicht mehr auf ein Referenzobjekt zeigt (sich nicht mehr direkt auf die Welt bezieht).“

        Aber Saussure kappt ja trotzdem nicht völlig den Bezug zur Außenwelt bzw. es gibt auch weiterhin den Referenten.

        „Die Bedeutung (le signifié) entsteht durch das Spiel von Differenzen. Eine Art differentielle Identitätsbildung. Es „gibt“ bei Saussure keine präexistente Bedeutung. Der Bezug des Zeichens auf eine Welt ist mittelbar. Aber es gibt bei Saussure noch ein (brüchiges) Subjekt und Identitäten. Es gibt noch präsente Einheiten und Sinn.“

        Die Bedeutung eines Begriffs ist kontextabhängig – das stimmt ja auch.

        „Die différance (mit „a“) bei Saussure löst Subjekt und Präsenz völlig auf.“

        Du meinst hier vermutlich bei Derrida.

        „Sie bedeutet ein räumliches und zeitliches Auseinanderdriften. Das Konzept der Zeit Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft wird verworfen. Es kann nie eine Gegenwart (Präsenz) geben, nur eine absolute Vergangenheit, die sich in „Spuren“ (traces) zeigt. Es gibt kein Innehalten, keine Einteilung in Momente der Gegenwart und des Sinns, nicht einmal eine Annäherung an eine Momenthaftigkeit. Keine Erinnerung oder Erwartung kann irgendetwas präsent werden lassen. Nie kann eine Einheit, eine Erkenntnis gewonnen werden.“

        Ich verstehe ihn so, dass er darauf hinaus will, dass Bedeutung nicht endgültig festgelegt werden kann, dass es stets die Möglichkeit von Bedeutungsverschiebungen gibt. Auch das stimmt – was man ja u.a. daran sieht, dass viele zentrale Begriffe in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften in ihrem Bedeutungsgehalt umstritten sind.

        Du verstehst Derrida, wenn ich dich richtig verstehe, so, als wenn er sagen wollte: „Es gibt keinen Sinn/keine Bedeutung mit Bezug auf einen Referenten in der Außenwelt.“ Ich verstehe ihn so, als wenn er sagen wollte: „Sinn/Bedeutung kann nicht endgültig fixiert werden. Verschiebungen sind stets möglich. Sie haben sich in der Vergangenheit ereignet und werden sich wohl auch in Zukunft ereignen.“

        „Das hat er gepredigt. Guter Stoff, um schlimme Sachen damit anzustellen.“

        Ich habe kürzlich etwas in älteren Interviews mit Derrida aus der Frühpase seines Werkes in dem Buch „Positionen“ gelesen, habe ihn aber auch dort bisher nicht als so extrem verstanden wie du. Auch zu dieser Zeit hatte er übrigens bereits großen Wert auf sehr genaue Lektüre gelegt, hat also oberflächliche und willkürliche Interpretationen/Dekonstruktionen ausdrücklich abgelehnt.

        Des Weiteren hat Derrida ab der mittleren Phase seines Werkes bestimmte Begriffe – die mit für ihn wichtigen moralischen Werten assoziiert waren – für undekonstruierbar erklärt.

        (Ich bin allerdings ausdrücklich kein Anhänger einer „Philosophie der Differenz“ wie die französischen Poststrukturalisten, eher im Gegenteil, ich präferiere eine Philosophie der Integration/Synthese, wäre also vermutlich eher als „neo-hegelianisch“ zu verorten – was die französischen Poststrukturalisten ja gerade ablehnten.
        Gerade weil ich eine Philosophie der Integration anstatt eine Philosophie der Differenz präferiere, frage ich aber trotzdem auch nach den Teilwahrheiten im französischen Poststrukturalismus.)

      • @ quellwerk

        „Korrektur: Die différance (mit „a“) bei Saussure -> die différance (mit „a“) bei Derrida“

        Hatte ich zu spät gesehen.

        Hier mal zwei Zitate von Jaques Derrida aus einem Interview aus dem Jahre 1971, also in der Phase seines Frühwerkes.

        Jaques Derrida:

        „Das Beharren auf der Materie als absolutem Draußen des Gegensatzes, das materialistische Beharren (in Verbindung mit dem, was der Materialismus als Widerstandskraft in der Geschichte dargestellt hat) erscheint mir notwendig, wenn es in die allgemeine Ökonomie (Bataille) und in die doppelte Schreibweise, von der wir vorhin sprachen, wieder streng eingeschrieben wird. Diese Notwendigkeit variiert mit den Orten, den strategischen Situationen und den Punkten des praktischen und theoretischen Vordringens. In einem sehr genau festgelegten Feld der gerade sehr aktuellen Situation scheint mir dieses Beharren die Funktion zu haben, zu verhindern, dass eine notwendige Verallgemeinerung des Textbegriffs, seine Ausweitung ohne eine nur äußere Grenze (die auch jenes Durchlaufen des metaphysischen Gegensatzes voraussetzt), sich unter dem Einfluss ganz bestimmter Interessen und reaktiver Kräfte, die die Arbeit in Unklarheiten treiben möchten, zur Definition einer neuen Selbstinnerlichkeit, eines neuen „Idealismus“ des Textes, wenn Sie so wollen, führen würde. Man muss in der Tat vermeiden, dass die unentbehrliche Kritik an einem gewissen naiven Bezug zum Signifikat oder zum Referenten, zum Sinn oder zur Sache, sich nicht in einer Aufhebung oder gar in einer schlichten und einfachen Abschaffung des Sinns oder des Referenten verfestigte. Ich glaube, in den Aussagen, die ich getan habe, die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu haben. Aber es stimmt – und es fehlt nicht an Beweisen -, dass das nie ausreicht.“

        (aus: Positionen. Gespräch mit Jean-Louis Houdebine & Guy Scarpetta (1971), in: Jaques Derrida – Positionen. Gespräche mit Henri Rosen, Julia Kristeva, Jean-Louis Houdebine, Guy Scarpetta, Passagen Verlag, 2009, S. 94 f.)

        „Wie Sie selbst in Erinnerung gerufen haben, habe ich nie behauptet, dass es kein „Subjekt der Schrift“ gebe. Ich habe auch nie behauptet, dass es kein Subjekt gebe. Bei der Diskussion anlässlich meines Vertrages über „Die differance“ musste ich Goldmann daran erinnern, weil er sich auch große Sorgen um das Subjekt, und um die Frage, wohin es denn verschwunden sei, machte.“

        (ebd. S. 118)

      • @ quellwerk

        Zum Thema „Michel Foucault und Polemik“ habe ich hier übrigens auch noch einen interessanten Text aus einem Interview mit Michel Foucault aus dem Jahre 1984. Foucault entwirft dort quasi Grundlagen für eine Diskursethik.

        Zwar bin ich selbst zugegebenermaßen nicht immer ein gutes Beispiel für den von Foucault gewünschten Diskussionsstil, (ich halte polemische Stilmittel in bestimmten Kontexten für legitim).
        Und auch manche andere Leute auf diesem Blog sind nicht unbedingt immer leuchtende Beispiele für die Umsetzung von Foucaults Diskursethik.
        Aber es gibt ja u.a. auch Personen wie Graublau, Man in the Middle oder Lucas Schoppe, die in dieser Hinsicht schon näher an Foucaults Vorstellungen sind.

        Also – Diskursethik nach Michel Foucault:

        P. Rabinow: Weshalb halten Sie sich von Polemik fern?

        M. Foucault: Ich diskutiere gern, und auf Fragen, die man mir stellt, bemühe ich mich zu antworten. Ich nehme nicht gern, das ist wahr, an Polemiken teil. Wenn ich ein Buch aufschlage, in dem der Autor einen Gegner als „pubertären Linksradikalen“ taxiert, schlage ich es gleich wieder zu. Diese Verhaltensweisen sind nicht die meinen; ich gehöre der Welt derjenigen, die derlei verwenden, nicht an. An diesem Unterschied halte ich als etwas Wesentlichem fest: Es geht darin um eine ganze Moral, diejenige, die die Suche nach der Wahrheit und die Beziehung zum anderen betrifft.

        Im ernsthaften Spiel von Fragen und Antworten, in der Arbeit wechselseitiger Erhellung, sind die Rechte eines jeden gewissermaßen Teil der Diskussion. Sie sind allein an die Situation des Dialogs gebunden. Derjenige, der fragt, macht nur Gebrauch von dem ihm gegebenen Recht: nicht überzeugt zu sein, einen Widerspruch wahrzunehmen, zusätzliche Informationen zu benötigen, unterschiedliche Postulate geltend zu machen, einen Fehler in der Gedankenführung aufzudecken. Und derjenige, der antwortet, verfügt genauso wenig über ein über die Diskussion selbst hinausgehendes Recht; er ist durch die Logik seines eigenen Diskurses an das, was er zuvor gesagt hat, und durch das Akzeptieren des Dialogs an die Befragung durch den anderen gebunden. Fragen und Antworten gehören zu einem Spiel – zu einem sowohl angenehmen als auch schwierigen Spiel -, bei dem jeder der beiden Partner sich darum bemüht, nur von den Rechten Gebrauch zu machen, die ihm durch den anderen und durch die akzeptierte Form des Dialogs gegeben werden.

        Der Polemiker dagegen tritt vor, gepanzert mit Vorrechten, die er von vornherein innehat und die er niemals in Frage stellen lässt. Er besitzt von Grund auf die Rechte, die ihn zur Kriegsführung autorisieren und die aus diesem Kampf ein gerechtes Unternehmen machen; er hat zum gegenüber nicht einen Partner in der Suche nach der Wahrheit, sondern einen Gegner, einen Feind, der Unrecht hat, der schädlich ist und dessen Existenz bereits eine Bedrohung darstellt. Das Spiel besteht für ihn folglich nicht darin, ihn als Subjekt anzuerkennen, das das Recht hat, auch das Wort zu ergreifen, sondern ihn als Gesprächspartner jedes möglichen Dialogs zu annullieren, und sein letztes Ziel wird es nicht sein, sich so gut er vermag einer schwierigen Wahrheit zu nähern, sondern die gerechte Sache triumphieren zu lassen, deren offenkundiger Träger er von Beginn an ist. Der Polemiker stützt sich auf eine Legitimität, von der sein Gegner per definitionem ausgeschlossen ist.

        Eines Tages wird man vielleicht die ausführliche Geschichte der Polemik als parasitärer Figur der Diskussion und Hindernis für die Suche nach der Wahrheit schreiben müssen. Sehr schematisch gesehen, scheint es mir, dass man heute darin das Vorhandensein dreier Modelle erkennen könnte: ein religiöses Modell, ein gerichtliches Modell, ein politisches Modell. Wie in der Häresiologie macht es sich die Polemik zur Aufgabe, die Stelle des unberührbaren Dogmas, das fundamentale und notwendige Prinzip zu bestimmen, das der Gegner vernachlässigt, ignoriert oder überschritten hat; und an dieser Vernachlässigung klagt sie das moralische Vergehen an; an der Wurzel des Irrtums entdeckt sie die Leidenschaft, den Wunsch und das Interesse, eine ganze Reihe von Schwächen und uneingestehbaren Bindungen, die ihn schuldig werden lassen. Wie in der Praxis des Gerichts eröffnet die Polemik nicht die Möglichkeit einer gleichen Diskussion; sie leitet einen Prozess ein; sie hat es nicht mit einem Gesprächspartner zu tun, sondern behandelt einen Verdächtigen; sie sammelt die Beweise für seine Schuld, und mit der Benennung des von ihm begangenen Verstoßes spricht sie das Urteil aus und führt die Verdammung herbei.
        Jedenfalls befindet man sich damit nicht in der Ordnung einer gemeinschaftlich durchgeführten Untersuchung; der Polemiker sagt die Wahrheit in der Form des Urteils und gemäß der Autorität, die er sich selbst zugebilligt hat.

        Das mächtigste Modell heute ist indes das politische Modell. Die Polemik legt Bündnisse fest, rekrutiert Parteigänger, führt Interessen oder Meinungen zusammen, repräsentiert eine Partei; sie konstituiert den anderen als einen Feind, der entgegengesetzte Interessen vertritt und gegen den man so lange kämpfen muss, bis ihm, besiegt, nichts anderes mehr übrig bleibt als sich zu unterwerfen oder unterzugehen.

        Selbstverständlich ist die Reaktivierung dieser politischen, gerichtlichen oder religiösen Praktiken in der Polemik nichts mehr als Theater. Man gestikuliert: Anathemata, Exkommunikationen, Verdammungen, Schlachten, Siege und Niederlagen sind schließlich nur Redeweisen. Und doch sind sie in der Ordnung des Diskurses auch Tätigkeitsweisen, die nicht ohne Folge sind. Es gibt Sterilisierungswirkungen: Hat man je eine neue Idee aus einer Polemik hervorgehen sehen?

        (aus: Polemik, Politik und Problematisierungen. Gespräch mit P. Rabinow, Mai 1984, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 724 f.)

    • Nachdem ich oben jeweils Zitate von Jaques Derrida und Michel Foucault postete, in denen diese sich zu bestimmten Themen erfreulicherweise gegenteilig äußern, wie sie in der postmodernen Political Correctness leider rezipiert wurden, hier noch eins von dem französischen poststrukturalistischen Philosophen Jean-Francois Lyotard.

      Dessen Werk wurde im Zuge jener einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus, aus der die postmoderne Political Correctness hervorging, u.a. zur theoretischen Fundierung des kulturrelativistischen Multikulturalismus (und somit zur Relativierung der Menschenrechte) verwendet.
      In einem Interview aus dem Jahre 1987 bekennt sich Lyotard allerdings zum Respekt vor Menschenrechten bzw. fundamentalen Freiheitsrechten, die man absolut nicht relativieren dürfe.

      Jean-Francois Lyotard:

      „Wir haben nur noch ein Minimum an Sicherheiten, und dieses Minimum nenne ich die Politik des Widerstands. Was ist Widerstand? Und was sind die Ansatzpunkte für Widerstand? Einerseits sind das die Punkte, die ich vorhin erwähnte, als ich vor dem Respekt vor den Menschenrechten sprach, d.h. vom Schutz der elementaren Freiheiten. (Da haben wir die Pflicht einzugreifen, wenn sie gefährdet sind).“

      (aus: Willem van Reijen/Dick Veerman – Die Aufklärung, das Erhabene, Philosophie, Ästhetik. Gespräch mit Jean-Francois-Lyotard (1987), in: Walter Reese-Schäfer – Lyotard zur Einführung, Junius, 1995, S. 158)

      „Sie sehen, dass wir hier wieder auf das Problem der Natur stoßen, dass man offensichtlich in den Naturrechten, in den fundamentalen Freiheitsrechten Grenzen der Formgebung finden kann und dass darin schließlich die Legitimität des Widerstands gegen die Nazis begründet war. Das ist zumindest in dem Maße der Fall in dem die von letzteren beschworene „Natur“ diese Rechte mißachtete. Das ist das mindeste, was man dazu sagen muss. Diese Rechte sind jedoch bloß Minimalforderungen, die man in gewisser Weise absolut nicht relativieren darf. Ich will damit sagen, dass man, wenn man diese Rechte nicht akzeptiert, absolut zu verurteilen ist.“

      (ebd. S. 151)

  6. Das läuft unter „Wenn Feministinnen etwas behaupten, ist meistens das Gegenteil näher an der Wahrheit“:

    Gegenüber anonymen Bewerbungen haben Bewerbungen mit Frauennamen eine 2,9% höhere Chance auf eine Vorstellungsgespräch und Bewerbungen mit Männernamen eine 3,2% geringere Chance.

    Man ist selbstverständlich davon ausgegangen das Frauen diskriminiert werden und daher mit anonymen Bewerbungen bessere Chancen erhalten. Daher war man dann doch überrascht, dass diese bis dahin unbewiesene Behauptung sich als falsch erwies. Ich glaube aber nicht das irgendwer wo diesen Opferideologen jetzt aufhören zu behaupten das Frauen auf dem Jobmarkt diskriminiert werden oder zugeben wird das Frauen es in sehr vielen Bereichen deutlich einfacher haben, weil sie Frauen sind.

    Eher werden sie sich neuen Bullshit ausdenken um Frauen auf ewig als Opfergeschlechter bevorzugen zu können.

  7. Interessanter Artikel des neomarxistischen Sozialwissenschaftlers Hartmut Krauss zum Zusammenhang von orthodox-konservativ-islamischer Sozialisation und Integrationsproblemen:

    Hartmut Krauss – Säkulare Risikogesellschaft und islamisch-patriarchalische Sozialisation. Ein Problemüberblick

    Aus dem Artikel:

    „Eine kritische Betrachtung zuwanderungsbedingter Probleme steht hierzulande vielfach immer noch unter dem Generalverdacht der Fremdenfeindlichkeit. Dabei geht es im Interesse einer tabufreien und wahrheitsorientierten Analyse gar nicht darum, sämtliche Zuwanderer von vornherein auszugrenzen oder aber negativ zu bewerten. Vielmehr geht es darum, reale Integrationshemmnisse zu benennen und die tatsächliche Anhäufung von Indikatoren der Desintegration bei bestimmten Gruppen von Zuwanderern nicht von vornherein durch das Aufstellen von ideologischen Verbotsschildern zu verschleiern oder aber zu verharmlosen.

    Angesichts der ungesteuerten Massenimmigration von Asylsuchenden aus islamischen und afrikanischen Krisenländern hatte sich die öffentliche Debattenlage noch einmal nachhaltig verschärft, so dass eine kritisch-rationale Analyse dringender denn je ist.

    In diesem Sinne geht es im Folgenden zunächst um die knappe Darlegung elementarer bevölkerungsstatistischer Grunddaten und die Skizzierung des objektiven Integrationsstandes muslimischer Immigranten. Im Anschluss daran werden einige wesentliche Konstitutionsmerkmale der islamisch-patriarchalischen Sozialisation aufgezeigt und in ihrer ursächlichen Bedeutung für misslingende oder problembehaftete Integrationsverläufe beleuchtet. Abschließend werden dann einige politisch-strategische Schlussfolgerungen zumindest angetippt.“

    http://www.gam-online.de/text-Sekul-rel.html

  8. „Ist Religion ein Instinkt?“
    https://www.heise.de/tp/features/Ist-Religion-ein-Instinkt-3763084.html
    „Die am Ulster Institute for Social Research und an der Universität Rotterdam forschenden Psychologen Edward Dutton und Dimitri Van der Linden haben im Personality and Social Psychology Review eine Hypothese veröffentlicht, mit der sie erklären wollen, warum Atheisten bei Intelligenztests durchschnittlich besser abschneiden als Teilnehmer, die sich einer Religion zuordnen. Letzteres entnehmen die Wissenschaftler den Ergebnissen von 63 Untersuchungen, die sie ausgewertet haben.
    Die Hypothese beruht darauf, Religion – obwohl sie oft sehr komplexe Ausprägungen annimmt – nicht als Teil einer bewussten Problemlösung zu sehen, sondern als einen „Instinkt“, den der Mensch im Laufe seiner Evolutionsgeschichte entwickelte, weil er sich in früheren Situationen als Überlebens- und/oder Fortpflanzungsvorteil erwies. Menschen und ihrer Vorfahren konnten damit immer wiederkehrende Probleme schnell und ohne großen Denkaufwand lösen.
    Intelligenz sehen die beiden Wissenschaftler dagegen als Fähigkeit an, instinktbestimmtes Handeln zu überwinden und auf Herausforderungen sowohl analytisch-reflexiv als auch kreativ zu reagieren. Deshalb nützt sie gegenwärtig lebenden Menschen in einer Umgebung, die sich technisch, wirtschaftlich und Sozial schnell verändert, potenziell mehr, als in einer Savanne, die Jägern und Sammlern über viele Generationen hinweg mit immer gleichen Situationen konfrontiert.
    Dass Religion im 21. Jahrhundert trotzdem eine große Rolle spielt, erklären sich Dutton und Van der Linden mit Stresssituationen, in denen sie ebenso zutage tritt wie andere angeborene Verhaltensweisen wie Flucht oder Aggression.“

  9. Die Sache mit den Genen ist komplizierter als angenommen. Ein Mensch besitzt kein fixes Genom, sondern ein (in gewissen Grenzen) variables. Schlüsselement sind die Transposons, mobile Einheiten die ihre Position im Genom ändern können. Fast die Hälfte des menschlichen Genoms besteht aus DNA von solchen mobilen Elementen.
    http://www.nature.com/nrn/journal/v15/n8/abs/nrn3730.html
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19763152

    Die genetischen Veränderungen in meinem Gehirn sind einzigartig. Sie treten nur in meinem Gehirn auf, nicht in Ihrem. Sie sind auch nicht im ursprünglichen Sinne genetisch. Ich habe sie nicht von meinen Eltern geerbt und gebe sie nicht an meine Nachkommen weiter. Denn sie entstehen im Gehirn und beeinflussen nicht die Keimzellen.“
    Gene, die nicht vererbt werden, das scheint ein Widerspruch in sich. Sind sie doch ursprünglich und per Definition Einheiten der Vererbung. Sie sorgen dafür, dass wir unseren Eltern und unseren Vorfahren ähneln.
    Doch nun scheint das alles nur noch ein Teil der Wahrheit zu sein. Gene sind bewegliche Einheiten. Sie passen sich den Gegebenheiten an. Das Genom als Gesamtheit der Gene ist immer in Bewegung, so Fred Gage:
    „Es gibt eine genetische Anpassungsfähigkeit im Netzwerk der Nervenzellen, hervorgerufen durch individuelle Veränderungen im Genom. Deshalb unterscheiden sich die Nervenzellen. So entsteht eine Vielfalt, die in das Gehirn eingebaut ist, und die brauchen wir, sobald sich unsere Umwelt ändert.“
    Mit dem Genom verliert auch das Theoriegebäude der Wissenschaftler seine Stabilität. Die einfachen reduktionistischen Modelle können vieles nicht mehr erklären. Alles ist komplizierter. Das haben auch andere Wissenschaftler begriffen, freut sich Fred Gage.

    http://www.deutschlandfunk.de/genom-in-aufruhr-der-mensch-ist-genetisch-instabil.740.de.html?dram:article_id=372348

        • OK, es ist nicht nur Feminismus.
          Es ist außerdem die Vergötterung des Jungseins, wo auch immer das herkommt. Ich hab mal einen Artikel gelesen, der argumentierte, das sei u.a. auf gynozentrische Werbung zurückzuführen, aber ich entsinne mich nicht mehr der Details.

        • Soo schlimm ist das mit dem sinkenden Selbstwert auch nicht. Die meisten Frauen spüren irgendwie, dass es ihre Aufgabe ist durch die Kinderproduktion „verbraucht“ zu werden.

          Und Frauen kompensieren den Selbstwertverlust indem sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf ihr Muttersein hinweisen und dafür Achtung einfordern.

  10. Der hier ist auch schon ein paar Tage alt, aber war hier glaube ich noch nicht:

    Polyamorie – Kolumbien erkennt Ehe zwischen drei Männern an
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=29037

    Erstmals registrierten die Behörden eine Beziehung zwischen mehr als zwei Partnern. Eigentlich war sogar noch ein vierter vorgesehen, doch der starb zuvor an Krebs.

  11. Ich bin auf ein „Antisexismusbündnis“ gestoßen, das Broschüren herausbringt.
    http://asbb.blogsport.de/

    Die 4. und gerade aktuelle hatte ich letztens in der Hand.
    http://asbb.blogsport.de/images/ASISM04_fertig_web.pdf

    mit so schönen Artikeln:
    – Feindbild Feminismus – Über Antifeminismus und was es noch zu tun gibt
    Wir können uns entscheiden, ob wir Kinder haben wollen oder nicht. Wir werden mit getrennten Eltern, Patch-Work-Familien oder alleinerziehenden Müttern groß. Wir können schwul oder lesbisch sein, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen. All dies ist für die meisten von uns mittlerweile möglich und Ergebnis langer Jahre feministischer Kämpfe. Emanzipatorische Errungenschaften, wie selbst zu entscheiden, wie wir leben und lieben, stehen jedoch immer wieder unter Beschuss von rechten und konservativen Kräften.

    – Meiblich? Wännlich? Other!

    – Selbstbestimmung – Abtreibung – Behinderung
    Niemandem gefällt es, wenn immer andere bestimmen, was man tun und lassen soll. Darum wehren sich Menschen gegen Unterdrückung und Diskriminierung. Sie schließen sich zu Bewegungen zusammen, um für ihre Selbstbestimmung zu kämpfen. Um eine Person zu sein, die selbst entscheiden kann, muss man als autonome, zu freien Entscheidungen über die eigene Lebensführung fähige und berechtigte Person gesellschaftlich anerkannt werden. Dies wurde früher nur weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Männern* zugestanden – Frauen* und Behinderte mussten sich das erst erkämpfen.

    – Cis my ass – zu Trans*feindlichkeit in feministischen Zusammenhängen

    – Mann tut was Mann kann – Kritische Männlichkeit

    – ‚Köln‘ ist überall – Die rassistische Vereinahmung von Frauenrechten durch Konservative, Rechtspopulisten und Neonazis

    – Interview „Das Sichtbarmachen von widerständigen und rebellischen *FLTI* ist uns ein Anliegen“
    Vertreter zweier F_Antifa-Gruppen

    – Hot Topic! – Antisexistische Tools für Politgruppen

    Es ist zum Haare raufen, diese Texte zu lesen!

  12. Was wäre, wenn…Von Koffein-Vätern und Equal Spending Days

    Wie mich einmal ein Männerbeauftragter zu einer kleinen Sommerserie inspirierte
    Es ist noch gar nicht lange her, dass ich über Geschlechterpolitik so dachte wie die meisten Männer aus maßvoll linken Milieus. Da ich selbstverständlich für Gleichberechtigung und Emanzipation bin, war ich grundsätzlich wohlwollend gegenüber feministischen Ideen. Ich vermied es aber, mich mit Positionen auseinanderzusetzen, die ich insgeheim überzogen, einseitig oder einfach etwas verrückt fand.

    https://man-tau.com/2017/07/05/was-waere-wenn-koffein-vaeter-equal-spending-days/

  13. Er hier beschreibt wie Feministinnen in Australien das Justiz-System umgestalten um Männern die Verteidigung vor Gericht zu erschweren, in dem sie dort wo Männer Verbrechen an Frauen begehen Verteidigungsmöglichkeiten abschaffen, die es ansonsten bei jeder anderen Straftat gibt. Im Grunde gibt die Politikerin die das durchsetzen will auch zu das sie das macht weil hier hauptsächlich Männer als Täter festgenommen werden. Als sie nämlich auf einen Fall angesprochen wird bei dem eine Frau eine Mann umgebracht hat und sie dann ja auch nicht auf diese Verteidigung zurückgreifen könnte, antwortet die Politikerin das Frauen ja nur selten die Täter sind. Wäre es also anders, würde die Verteidigungsmöglichkeiten nicht abgeschafft.

    Alle Männer sollten Feministen werden…

    Zusätzlich bringt er noch ein Beispiel für die Ungleichbehandlung vor Gericht:
    Wenn eine Mutter ihre beiden Kinder umbringt, wird sie wegen Kindstötung angeklagt. Die maximale Strafe dafür sind 5 Jahre und wenn der Richter Mitleid hat „weil die Mutter ja schon genug bestraft ist“, dann geht sie nicht mal einen Tag ins Gefängnis.
    Wenn ein Vater das gleiche mit seinen Kindern macht, wird er wegen zweifachen Mord angeklagt, 2x 25 Jahre.

    E-Q-U-A-L-I-T-Y

  14. Feminismus in Reinstform:

    „Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Wegen sexueller Übergriffe wird eines der größten Musikfestivals in Schweden abgesagt. 2018 soll das mehrtägige Bråvalla-Festival ausfallen. Wie die Polizei am Dienstag bestätigte, hatten bei dem Spektakel in Norrköping, das am Samstag endete, vier Frauen angegeben, vergewaltigt worden zu sein.

    „Was haltet ihr davon, wenn wir ein großartiges Festival organisieren, auf dem ausschließlich Nicht-Männer willkommen sind und wir dieses so lange veranstalten, bis Männer gelernt haben sich zu benehmen?“, fragte die schwedische Komikerin Emma Knyckare auf Twitter. Auf Nachfrage von schwedischen Medien konkretisierte sie ihre Aussage: Nicht nur männliche Gäste würden ausgeschlossen werden, auch männliche Musiker dürften nicht auftreten.“

    https://www.welt.de/vermischtes/article166324366/Findet-das-schwedische-Festival-doch-statt-ohne-Maenner.html

  15. Echt abgefahren was da in den Medien in den USA abgeht… da wird 100% gelogen und wenn sie erwischt werden, behaupten sie das diejenigen die sie der Lüge bezichtigen in einer Fantasiewelt leben!

    lol

    • Voll die Unterdrückung.

      Da will sich eine junge Frau mal frei ausdrücken und wird sofort dämonisiert und ausgegrenzt und unterdrückt und mit internalisierter Misogynie verstopft!

      Ich finde das ein wundervolles Gleichnis.

    • Oder eben leasing mit Vollkasko.

    • Ich finde es erschreckend, wie in unseren Qualitätsmedien nahezu durchgehend behauptet wurde, die Räumung sei entgegen einer gerichtlichen Entscheidung erfolgt (von den Medien also als offensichtlich rechtswidrig dargestellt wurde). Soweit ich weiß, beruhte die Räumung auf einer neuen, konkretisierten Verbotsverfügung, die vom Verwaltungsgericht in einer weiteren Eilentscheidung ausdrücklich bestätigt wurde.
      Also schlicht Fake News der Medien, aber „böse Polizei, die gegenüber unschuldigen Demonstranten das Recht bricht“, passt wohl einfach zu gut ins Narrativ, als dass jemand Veranlassung sehen würde, die Tatsachen zu überprüfen…

      • „…. passt wohl einfach zu gut ins Narrativ, als dass jemand Veranlassung sehen würde, die Tatsachen zu überprüfen…“

        Aus genau diesem Grund sind Typen wie Linda Sarsour immer mehr Darlings der Medien:

        Die kann ungeniert zum „Jihad“ gegen die „Trump Admin“ aufrufen und keiner stört sich dran.

        • Oder die notorischen Demokratiefreunde der SPD, aus Schwesig-Hohlstein: „Dumm, dümmer, Stegner“ (Henryk B, http://www.achgut.com/artikel/dumm_duemmer_stegner):

          „Wann immer in diesem unseren Lande etwas passiert, das die nützlichen Idioten der gesellschaftlichen Nivellierung irritiert, ihre Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit in Frage stellt, sind sie nicht über die Tat entsetzt, sondern machen sich Sorgen um deren mögliche Folgen. Ob das, was passiert ist, dazu angetan wäre, Vorurteile zu schüren und die Fremdenfeindlichkeit zu befördern.“

          Sein statement:

          „Am Ende profitiert von Gewalt politische Rechte, deren Ziel es ist, das zu diskreditieren, wofür friedliche Globalisierungskritiker kämpfen! Gewalttäter von Hamburg werden möglicherweise zweifelhaftes Verdienst haben, Rechtsruck verursacht zu haben,der Köln in den Schatten stellt!“

          Diese Wendung ist ja mittlerweile notorisch geworden, als Islam-Apologie nach jedem x-beliebigen Terroranschlag (s. auch Sarsour).

        • Yasmine schiesst hier den islamofaschistischen Goodwin-Vogel ab:

  16. Diesen Abschnitt aus Schoppes neuem Text find ich besonders gelungen

    Wie unsere Sprache Männer unsichtbar macht
    Ein Beispiel dafür, dass Maskulisten leider trotz ihres großen Engagements für soziale Gerechtigkeit Schwierigkeiten bekommen, ihre wichtigen Anliegen einer Mehrheit der Menschen verständlich zu machen, ist die geschlechtergerechte Sprache.

    Die Linguistin Anna Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin erläutert eine Auffälligkeit der deutschen Sprache: Während in der Einzahl noch er/sie/es, der/die/das unterschieden werden, werde in den Pluralformen allein das weibliche Pronomen resp. der weibliche Artikel verwendet: „der Mensch“ wird zu „die Menschen“, er, sie oder es wird gleichermaßen zu sie. Das Männliche sei also nur im Vereinzelten zu finden, das Weibliche allein repräsentiere das Allgemeine.

    Dass das kein Zufall ist, erläutert Stefanowitsch an Berufsbezeichnungen. Dort gebe es Bezeichnungen, die eine berufliche Funktion ausdrücken (Lehrer, Maurer, Dachdecker, Polizist etc.), und es gebe spezifische weibliche Formen, die durch ein eigenes Suffix markiert würden (Lehrerin, Maurerin, Dachdeckerin, Polizistin etc.). Spezifische männliche Formen aber fehlten so selbstverständlich, dass ihr Fehlen niemandem auffalle.

    Das Resultat: Während Männer schon in ihrer sprachlichen Repräsentation ganz in ihrer Funktion aufgingen, würde bei Frauen signalisiert, dass zu ihrer Identität noch ein Surplus gehöre, etwas, was über die bloße Funktion hinausweise. Dieses Menschliche, das nicht in Funktionen aufgehe, werde sprachlich als Spezifikum des Weiblichen dargestellt. Männer hingegen würden als Menschen unsichtbar gemacht.

    Medienanstalten und Universitäten empfehlen daher schon lange den Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache, manche Dozenten machen sie auch zur Bedingung bei der Annahme von Arbeiten. Bei Allgemeinbegriffen sollten zum Beispiel spezifisch weibliche Begriffe gemieden werden: statt „die Gerechtigkeit“ lieber „das gerechte Leben“, statt „die Freiheit“ lieber „das Freisein“, statt „die Menscheit“ eher „das Menschentum“. Zusätzlich fordern einige Linguisten, den Gebrauch der weiblichen Formen bei Berufsbezeichnungen ganz zu vermeiden.

    Einen anderen Weg geht zum Beispiel Lann Hornscheidt, ehemals Professor an der Humboldt-Universität, der erklärt, dass zusätzlich zur weiblichen Form auch eine männliche benutzt werden müsse: Lehrerus, Maurerus, Dachdeckerus, Polizistus usw. Er fordert seine Studenten auf, ihn als „Professorus Hornscheidt“ anzusprechen oder anzuschreiben.

    Die Professoren der Universität Leipzig bezeichnen sich unabhängig vom Geschlecht seit 2013 in ihrer Grundordnung als „Professorusse“.


    Das Phänomen des „unsichtbaren Mannes“: Sie trägt ein leuchtend rotes Kostüm, er aber einen grauen Anzug, mit dem er sich von Hintergrund kaum abhebt – so dass er auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist. Kein Wunder, dass er verdrießlich in die Kamera schaut.

    https://man-tau.com/2017/07/08/was-waere-wenn-unsichtbare-maenner-solanas/

    • Haha, die von der Humbolt-Universität tun bestimmt irgendwann noch mal so als sein der Text ernst gemeint und beweisen dann damit die Opferideologie von Männerrechtlern. ^^

      • Ich finde den Text exakt genau so ernst zu nehmen wie alles rund um „gendergerechtes Sprechen“.

        Das mit der -us Endung wäre, wenn man Gleichstellung im Sinn hat, sogar die einzig angemessene, gerechte und praktikable Lösung.
        Aber es geht Feministinnen ja gar nicht um Gleichheit oder Gerechtigkeit.

        • Feministinnen haben kein Problem damit völlig offen einen Doppelstandard zu fordern, daher ist es für sie auch kein Problem Frauenbevorzugung zur verlangen, weil Frauen ja nur durch Frauen repräsentiert werden können, aber sobald es Männer sind, die nicht entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil repräsentiert werden, zu argumentieren das durch eine Männerbevorzugung Frauen die Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Bedenken die sie bei Männern niemals haben würden.

          • ICh hab grad gestern erst wieder diesen Film von Coltaine noch mal gesehen.

            Ich finde, er argumentiert recht plausibel, dass das mit den Doppelstandards nicht auf Feministinnen beschränkt ist.
            Dazu kenne ich auch zu viele „normale“ Frauen, die jede Form von Extrawurst für Frauen nur fair finden.

        • @only
          „… Dazu kenne ich auch zu viele „normale“ Frauen, die jede Form von Extrawurst für Frauen nur fair finden.“

          Kann nur zustimmen. Scheint mir am weitgehend unbewussten Internalisieren der Pseudo-Anspruchshaltung des Feminismus zu liegen (um diese Phrase mal aufzugreifen und anzubringen, wo sie passt), wie er seit ein paar Jahrzehnten propagiert wird. Ignoriert wird der kollektivistische Grundimpuls des Feminismus und übrig als message bleibt „was kann ich abziehen?“. Dass man sich hier für eine das Individdum leugende Ideologie entscheidet, wollen die Mitläuferinnen natürlich nicht wissen.

  17. „Es ist einfach nur sinnlos“:
    1:50 „vielleicht auch nur Testosteron“ , die Dame weiß es nicht, vermutet aber doch stark, und auch der NDR findet diese Äußerung sendenswert:
    http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/gipfel2124-player_image-5f2a01c6-3514-454f-acb6-04efbc7eae6d_theme-ndrde.html#
    bzw. hier:
    http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/G20-Liveblog-Neue-Demos-und-Aufraeumen-in-der-Schanze-,liveticker542.html
    11:06 Uhr
    „Es ist einfach nur sinnlos“: Fassungslose Anwohner und Aufräumarbeiten im Schanzenviertel

  18. Antisemitischer Geschichtsrevisionismus der UNESCO „vom Allerfeinsten“, Akt II:

    Jeder Ort der Welt sollte zutiefst beschämt sein, zur UNESCO-„Weltkulturstätte“ erklärt worden zu sein und diese „Auszeichnung“ zurückweisen! In D:

    http://www.unesco.de/kultur/welterbe/welterbestaetten/welterbe-deutschland.html

    „41 Stätten in Deutschland sind in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen. …“

    Kann nicht mal die Wartburg oder das Bauhaus protestieren?

  19. Ich liebe das, wenn ein Chef-Politiker, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der eigentlich ein Fürsprecher der Demokratie sein sollte, zur Erklärung der angeblichen Popularität einer „Adelshochzeit“ meint: „Wir tragen die kollektive Erinnerung an die Adelsherrschaft“, also quasi in unseren Genen:

    https://www.welt.de/vermischtes/article166425755/Wir-tragen-die-kollektive-Erinnerung-an-die-Adelsherrschaft.html

    Wieder ein SPD-Mann… kann niemanden wundern.

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