Warum eine eigenständige, nicht in den Feminismus eingegliederte Männervertretung dringend erforderlich ist

Ein Artikel in der Zeitung taz geht sehr kritisch mit der Gründung einer neuen Männergruppe in der FDP um, deren Programm hier auch schon diskutiert worden ist.

Ansatzpunkt ist, dass der Feminismus bereits hinreichend Vertretung bietet. Jede Organisation, die neben einem Feminismus steht, wird dabei als unangemessen angesehen, weil der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat.

1. Warum eine Interessenvertretung für Männer im Feminismus nicht effektiv ist

Das birgt einige Probleme:

  • Feminismus ist ausdrücklich ausgestaltet als eine Vertretung von Frauen.  Dort geht man davon aus, dass Männer privilegiert sind und lediglich die Abbau dieser Privilegien eine gerechte Welt herbeiführen kann.
  • Des Weiteren geht man davon aus, dass lediglich derjenige, der von einer Diskriminierung betroffen ist, diese auch hinreichend erkennen kann und insoweit eine gewisse Deutungshoheit hat.
  • Da in dem gegenwärtigen modernen Feminismus lediglich Frauen von einem Sexismus oder einer Diskriminierung betroffen sein können können Männer von vornherein keine aktive Agenda in einem modernen Feminismus haben.

Viele Feministinnen gehen daher davon aus, dass Männer aufgrund dieser fehlenden unterdrückungs Erfahrung auch keine eigene Stimme im Feminismus haben sollten, sondern lediglich als sogenannte Allies oder Verbündete angeführt werden sollten, die allenfalls Unterstützung leisten können und müssen, gleichzeitig aber eigene Idee Ideen nicht einbringen können und auch stets darauf achten müssten, dass sie Frauen den entsprechenden Raum lassen und diesen eine Führungsposition zugestehen

Insbesondere im Zusammenspiel damit, dass  Männer von vornherein als nicht diskriminierbar angesehen werden können  erklärte dies zwar den Widerstand, macht aber eine Interessenvertretung von Männern unmöglich.

2. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung bei Beibehaltung des Grundsatzes, dass nur Betroffene eine Diskriminierung erkennen können

Wirft man hingegen hingegen dieses Dogma. dass eine Diskriminierung von Männern nicht möglich ist, über Bord und dann ist eine Interessenvertretung von Männern gerade zu denknotwendig durch diese vorzunehmen. Denn dann können auch nur Männer die bei ihnen bestehende Diskriminierung voll erfassen. Ihn muss daher zwingend eine eigene Vertretung zugestanden werden.

3. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung weil Subjektivität nicht die beste Sicht auf ein Problem ist

Gleichzeitig ist der Ansatz, dass lediglich der Betroffene seine Diskriminierung erkennen und bewerten kann und daher eine Deutungshoheit hat, keineswegs gut durchdacht. Gerade der Betroffenheit hat häufig eine sehr subjektive und von seinen eigenen Interessen und seiner eigenen Sichtweise aus gebremste Betrachtung der ihn betreffenden Gegebenheiten. Damit muss eine zutreffende Erfassung der Gegebenheiten nicht verbunden sein, vielmehr kann gerade das subjektive und insoweit unangebrachte gegenüber dem objektiven und gerechten überwiegen.

Aus guten Grund stellen viele Bewertungssysteme gerade darauf ab, dass bei zwei Interessen, die in einem Konflikt stehen, eine dritte Partei oder sogar Objektive Vertreter für beide Parteien in die Schlichtung miteinbezogen werden.

Beispielsweise ist es in Gerichtsverhandlungen üblich, dass beide Seiten sich eines Anwalts bedienen, der den subjektiven Vortrag seines Mandanten in einen objektiven Vortrag umwandelt und auch daraufhin überprüft, ob dieses Vorbringen in der Sache dienlich ist und diese voranbringt. Ein Inquisitionsprozess, also ein Prozess, bei dem der Ankläger zugleich der Richter ist, gilt als allgemein als rückständig, da diese Positionen aus guten Grund getrennt sein sollten:

Wir Menschen neigen dazu, dass wir uns die Positionen zu eigen machen, so dass derjenige, der eine Anklage geschrieben hat, sich eben auch als Ankläger sieht und deren Richtigkeit beweisen will. Der Richter hingegen soll diese gerade kritisch prüfen. Die eigene kritische Prüfung einer Anklage führt jedoch selten zu einer objektiven Überprüfung, diese kann vielmehr wesentlich Objektive durch einen Dritten durchgeführt werden.

Ein Prozess, bei dem der Betroffene Ankläger und Richter ist, also sogar drei Ämter verbunden werden, führt er noch zu einer wesentlich schlechteren Position. Nimmt man dann hinzu, dass der Betroffene sich selbst Vorteile verschaffen kann und keineswegs darauf beschränkt ist, dass er objektiv Diskriminierungen beseitigt, dann wird deutlich, dass auf diesem Weg eine hohe Missbrauchsgefahr besteht.

4. Notwendigkeit der eigenen Vertretung, weil man beide Seiten hören muss

Auch bei einer Betrachtung von der anderen Seite her ist das Verfahren nicht gerechter. Bei dem Geschlechterverhältnis handelt es sich nicht um eine einseitige gestaltbares Verhältnis. Vielmehr müssen die Interessen von Männern und Frauen in Einklang gebracht werden bzw zu einem gerechten Ausgleich gebracht werden. Wenn dann einer Seite lediglich zugestanden wird, dass sie die Vorstellung der anderen Seite akzeptieren muss und noch nicht einmal eigene Vorstellungen vorbringen kann oder auf Punkte hinweisen kann, die ihr selbst ungerecht erscheinen, dann ist von vornherein kein faires Verfahren wir geben.

Jeder, der insoweit an einer gerechten Interessenvertretung in dem Geschlechterverhältnis interessiert ist müsste sich dafür einsetzen, dass eine Männerrechtsbewegung als Verhandlungspartner für den Feminismus entsteht, indem auch Männer ihre Position einbringen können.

5. Menschenbild, wenn man einer Gruppe ihre eigene Vertretung abspricht

Wer hingegen darauf besteht, dass der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat, der kann nicht davon ausgehen, dass Männer eigene Interessen haben können und ein Anspruch darauf haben, diese auf eine gerechte und fairer Weise einzubringen.

Er muss gleichzeitig  ein sehr schlechtes Männerbild haben, da er anscheinend in einer Interessenvertretung lediglich eine Ungerechtigkeit sieht, über die lediglich Vorteile gesichert werden sollen. Dies erfordert ein sehr negatives Männerbild, bei dem diese nicht zu fairen Verhandlungen bereit sind und lediglich ihre Herrschaft über Frauen unterhalten wollen. Es spricht Männern jegliche berechtigte Agenda ab und weist ihnen die Rolle des Schurken zu, von dem Frauen sich befreien müssen. Ein faires Männerbild kann damit nicht verbunden sein, da man ansonsten jedenfalls davon ausgehen müsste, dass auch Männer Interessen berechtigterweise vertreten können und nicht nur Vorteile absichern wollen. Wer davon ausgeht, dass der andere nicht an einer Verhandlung zu dem gemeinsamen Verhältnis beteiligt werden darf, der hätte diesen entweder für abgrundtief schlecht oder für jemanden, der in keiner Weise eine Berechtigung zur Vertretung seiner Position hat, also der anderen Seite untergeordnet ist.

6. Männerbild im Feminismus

Der gegenwärtige Feminismus hat Ansätze von beidem:

Er geht davon aus, dass Männer die Frauen unterdrücken und eine Befreiung der Frau nur dann möglich ist, wenn man Männer keine Agenda zugesteht.

Daraus resultiert der alleinige Vertretungsanspruch der Frau.

Es werden strukturelle Hindernisse gesehen, die lediglich einseitig zulasten der Frauen eine Unterwerfung dieser herbeigeführt haben. Nur aus dieser „Kriegssituation“  lässt sich einen Alleinvertretungsanspruch herleiten, bei dem  die Männer dann als frühere Schurken und diejenigen, die bisher alle Vorteile genossen haben, kein Mitspracherecht haben, weil sie sich nicht gebessert haben.

Die Angabe, dass der Feminismus insoweit nichts gegen Männer hat, wird durch diese Position bereits hinreichend widerlegt.  Denn wenn der Feminismus Männer als  nicht schlecht ansehen würde, dann müsste er ihnen auch für die neue Gestaltung des Geschlechterverhältnisses eine eigene Position zugestehen.

7. Wenn der Feminismus nichts gegen Männer hätte, dann wäre eine Vertretung eigener Interessen unproblematisch.

Dann aber besteht auch kein Grund dafür, dass diese Vertretung lediglich unter dem Dach des Feminismus erfolgt. Natürlich wäre es möglich, dass eine Interessenvertretung sich Theorien des Feminismus anschließt oder dortigen Positionen zustimmt . Letztendlich muss es aber die Sache jeder Partei sein, wie sie ihre Vertretung ausrichtet und welche Inhalte sie dabei vertritt. Denn eine Vertretung, die Inhalte vorgegeben bekommt, ist keine echte Vertretung. Vielmehr nimmt eine solche Vertretung in dann den Charakter eines Diktats an.

8. Inhaltliche Vorgaben bedeuten die Aufkündigung eines fairen Dialogs

Vergleichbar wäre dies damit, dass man in einem Strafprozess fordern würde, dass der Rechtsanwalt, der den Angeklagten vertritt, im Büro des Staatsanwalts arbeiten würde und von den dortigen Schreibkräften seine Schriftsätze fertigen lassen müsste sowie auch ansonsten in dessen Organisation verpflichtend eingebunden ist.

Nach den Vorstellungen des gegenwärtigen Feminismus es wäre es sogar so, dass dessen Verteidigungsvorbringen von vorne herein einer Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft unterliegen würde und nur dann genehmigt und berücksichtigt werden könnte, wenn es dieser gefällt.

Auch hier wird deutlich, dass es mit einem fairen Verfahren nicht zu tun hat. Natürlich würde man hier von der Gegenseite her anwenden, dass in diesem Fall ja die Staatsanwaltschaft auf die Interessen beider guckt, die objektivste Behörde der Welt ist und insoweit auch die Interessen des Beschuldigten waren muss. Dadurch könne also kein Nachteil entstehen. Dass dieses Bild einen Angeklagten wenig überzeugen würde, dürfte aber verständlich sein.

9. Ist eine Wahrnehmung der Interessen der Frauen nur möglich, wenn Männer keine eigene Vertretung haben, weil Männer sonst alles behindern?

Der Feminismus selbst wird hingegen das Bild präferieren, bei dem bisher ein Monopol bestand, welches den Markt zu Gunsten des Monopolisten gestaltet hat. Der Monopolist hat bisher einen Marktzugang anderer Marktteilnehmer mit unfairen Mitteln verhindert und alle Profite eingestrichen.

Der Feminismus führt nun mehr an, dass man kaum erwarten können, dass der Versuch einer Neugestaltung gelingt, wenn sich der große Monopolist mit dem kleinen Konkurrenten an einen Tisch setzt und so dann über die Änderung an der Monopolsituation geredet wird.

Denn insbesondere wenn man davon ausgeht, dass Änderungen an der Monopolsituation einstimmig getroffen werden müssen, dann kommt es indirekt zu einer Pattsituation, da der Monopolist alle verändernden Vorschläge ablehnen kann.

Er hat dann quasi ein Veto, sodass er dadurch sein Monopol beibehalten kann. Er behält die Vorteile des zuvor zu unrecht eroberten Marktes und die Benachteiligung hält insofern an.

Auch hier ist allerdings der Monopolist zweifellos der böse, was erneut deutlich macht, dass dies mit einem positiven Männerbild nicht zu vereinen ist.

10. Warum das Bild der alleinigen Macht der Männer falsch ist

Tatsächlich ist die Situation zwischen den Geschlechtern auch mit dieser Monopolsituation in nicht vergleichbar.

Frauen haben theoretisch sogar die Mehrheit der Wählerstimmen  bei freien und geheimen Wahlen in einer Demokratie. Sie können, wenn sie dies wollen, umfassen Änderungen vorbringen.

Tatsächlich scheint der Feminismus selbst die Monopolposition wahren zu wollen.

Denn genau dies stellt ein Alleinvertretungsanspruch im Geschlechterverhältnis letztendlich da.

Hiergegen wird der Feminismus anführen, dass Frauen ja in allen Positionen benachteiligt ist. Dies ist allerdings nur bei einem sehr selektiven Blick richtig.

Es gibt viele Positionen mehr, die zugunsten von Frauen ausgestaltet sind. Dies ist zum einen der Umstand, dass sie üblicherweise wesentlich mehr Zeit mit der Familie verbringen, ihnen auch nach Trennung üblicherweise er die Kinder verbleiben, sie üblicherweise, obwohl sie ihre Berufs Gestaltung weniger auf Geld ausrichten, zumindestens in einer Ehe der gleiche Lebensstandard wie Männern zukommt und erhebliche Transferleistungen an sie geleistet werden.

Hier ist es gerade eine Frage des Blickwinkels, ob man etwas als Benachteiligung ansieht oder aber als bestimmte Ausgestaltung seines Lebens. Die meisten Frauen sind, wie auch Umfragen deutlich machen, wie eine Frauen, und wollen ihre Lebensgestaltung gerade auf eine Weise ausrichten, die den Beruf und die Karriere, insbesondere wenn damit Überstunden verbunden sind, nicht in den Vordergrund stellt, sondern eher die Familie betont. Das einseitige Abstellen darauf, dass sie weniger verdienen wird dabei der der sächlichen Lage nicht gerecht.

Denn die Frauen verdienen insoweit weniger unter Berücksichtigung geringerer Überstunden, eines Berufs, den sie bewusst so ausgewählt haben, dass er Ihnen gefällt, der Vermeidung von Stress in hohen Positionen und des häufigeren Umganges mit Kindern, weniger. Bei gleichen Verhalten ist der Gender Pay Gap schon jetzt nahezu vollständig zu bereinigen.

Auch verkennt diese Beschreibung, dass die allermeisten Männer gerade nicht in Führungspositionen sind und dass Personen in Führungspositionen keineswegs Leute nach ihrem Geschlecht bevorzugen müssen, sondern eben auch Vertreter der Interessen des anderen Geschlechtes sein können.

11. Ein fairer Umgang mit Fakten ist die Grundlage jeder Diskussion

Zu einer fairen Verhandlungspositionen gehört, dass beide Seiten ihre Positionen vortragen können und Position einer Seite nicht von vornherein tabuisiert werden. Es gehört zu dem dazu, dass Argumente beider Seiten auf ihre Richtigkeit überprüft werden können und nicht von vornherein akzeptiert werden müssen. Es muss insbesondere auch möglich sein, Nachweise zu verlangen, die diese Position belegen und mit Gegenargumenten dagegen vorzugehen, ohne das dies von vorne herein abgewertet wird. Insbesondere muss eine gewisse Objektivität und Fairness in das Verfahren einbezogen, so dass Studien etc vorgebracht werden müssen, statt auf subjektives Empfinden abzustellen, welches lediglich dazu dienen kann, dass es als Anlass für tatsächliche Überprüfung vorgenommen wird.

Das Bestehen darauf, das subjektive Positionen des Betroffenen Fakten ersetzen kann nicht zu einer fairen Diskussion führen, bei der einen für beide Seiten gerechtes Ergebnis gefunden wird.

12. Frauen haben Macht, beispielsweise im Familienrecht

Der Feminismus führt an, dass Frauen keinerlei Gestaltungsmacht haben und insoweit auch eine Diskriminierung von Männern durch Frauen/die Gesellschaft denknotwendig ausgeschlossen ist.

Tatsächlich sind gegenwärtig aber in allen großen Parteien feministische Position stark vertreten, alle Parteien haben Frauen Gremien, die sich gerade den Interessen der Frauen verpflichtet fühlen und in denen Lobbyarbeit durch Frauenverbände betrieben wird. Der

Familienausschuss des Deutschen Bundestages, also das wesentliche Gremium, in dem familienrechtliche Änderung beschlossen werden, ist überwiegend weiblich besetzt.

Selbst die Männer, die dort noch vorhanden sind verstehen sich eher feministisch ein ausgewiesen Männer rechtlicher Vertreter oder jemand, der angibt, dass er dort ist um auch die Interessen der Männer zu wahren, ist mir insoweit nicht bekannt.

Demnach hat der Feminismus bzw Frauen hier durchaus eine Machtposition, sie sind in diesem für die Geschlechterpolitik sehr wichtigen Bereich überproportional vertreten, sie können hier die Politik gestalten und insoweit auch Macht ausüben.

Es könnte darauf zurückzuführen sein, dass Väter sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, beispielsweise Vaterschaften anzufechten, dass sie als unverheiratete Väter von vornherein kein Sorgerecht haben, sofern Ihnen dies nicht durch die Mutter zugestanden wird oder Sie dieses einklagen und sie im übrigen auch nach wie vor eine Residenzmodell hinnehmen müssen, bei dem sie ihre Kinder lediglich an jedem zweiten Wochenende sehen und überdies hohe Unterhaltsbeiträge zahlen müssen. Gleichzeitig besteht teilweise immer noch ein sehr striktes Unterhaltsrecht, bei dem die Erwerbsobliegenheiten der Frau beispielsweise im Trennungsjahr ohne dass dafür ein Grund vorhanden ist nicht bestehen. Auch beim Kindesunterhalt wird insoweit kein gerechter Ausgleich herbeigeführt, das Einkommen der Kindesmutter spielt abgesehen von sehr sehr hohen Gehalts unterschieden zugunsten der Mutter quasi keine Rolle, der Vater kann also als unterhaltsverpflichteter auf den Selbstbehalt verwiesen werden, auch wenn die Mutter gut verdienend oder über einen neuen Partner eine sehr hohen Lebensstandard hat. Ebenso ist für den Vater kaum eine Möglichkeit vorhanden bei jungen Kindern ein Umziehen der Mutter auch in große Entfernung zu verhindern. Dies erlaubt der Mutter dann, wenn ihr ein solcher Umzug möglich ist, den Vater, sofern diese nicht hinterher ziehen kann, effektiv vom Kontakt mit seinen Kindern auszuschließen oder jedenfalls stark einzuschränken.

Eine gerechte Verhandlungspositionen würde erfordern, dass hier Männer ihre eigenen Positionen als solche einbringen können, ohne dafür sogleich beschimpft zu werden, dass sie zurück in die 50er wollten oder lediglich um ihre Privilegien fürchten.

Solche Tabuisierung in einer berechtigten Interessenvertretung machen vielmehr deutlich, dass Frauen gerade nicht machtlos sind. Denn derjenige der vorgibt, über was nicht gesprochen werden darf, hat üblicherweise eine sehr hohe macht, da er ansonsten solche Verbote nicht durch bringen könnte und diese Positionen nicht der Lächerlichkeit preisgeben könnte.

13. Männer und Frauen als Gruppe und Macht

Tatsächlich sind Männer und Frauen überdies auch sehr heterogene Gruppen. Die Vorstellung, dass Männer per se Macht haben, ist falsch, da nur sehr wenige Männer auf wichtigen Positionen sitzen und dies häufig unter Aufgabe vieler anderen Bereiche ihres Lebens. Es bedeutet auch nicht, dass diese Männer damit Männerpositionen vertreten oder anderen Männer per se an die Macht helfen.

Viele Männer werden schlicht ihr Unternehmen groß und erfolgreich machen wollen und nicht Männer, sie wollen für sich und ihre Familie reich werden, nicht für Männer. Sie wollen vielleicht sogar allgemein ein Image von sich errichten, bei dem sie dann als Frauenförderer und Unterstützer von Gleichberechtigung gelten und fördern daher nach Möglichkeit Frauen.

Natürlich fördern sie auch Töchter oder andere weibliche Verwandte oder Freunde, die ihnen näher stehen als die Gruppe der Männer.

Es ist daher auch bei Frauen und Männern für verschiedenste Interessengruppen Platz, die alle unterschiedliche Interessen vertreten können, die zu ihrer Lebenslage und ihren Ansichten passen.

Das zeigt sich auch bereits am Feminismus: Die wenigsten Frauen werden den Ansichten des gegenwärtigen radikalen intersektionalen Feminismus und seiner Vorstellung, dass alles sexistisch, rassistisch, abelistisch und überhaupts *istisch ist, zustimmen. Der Feminismus ist bereits innerhalb seiner selbst gespalten, die radikalen sind nur eine sehr kleine, aber laute und andere ausschaltende Gruppe.

Wenn schon die meisten Frauen sich nicht von diesem vertreten fühlen, warum sollten es dann die Männer, die von diesem nur die Rolle als Schurke zugestanden bekommen?

14. Fazit

Die Forderung, dass Männerinteressen nur als Teil des Feminismus wahrgenommen werden dürfen macht das schlechte Männerbild des Feminismus deutlich, lässt keine faire Vertretung berechtigter Interessen zu und ist ein Versuch, selbst Macht zu erhalten.

Der ereignislose Besuch einer „nur für Frauen“-Vorstellung von Wonder Women

In New York gibt es ein Verbot jemanden wegen seines Geschlechtes bei öffentlichen Veranstaltungen zu diskriminieren, dennoch bot eine Kinokette „women only“-Vorstellungen des gerade laufenden Films „Wonder Woman“ an.

Ein Reporter erklärte daraufhin, dass er sich ein Ticket für diese Veranstaltung gekauft hatte und diese besuchen wollte.
Feministinnen regten sich darüber auf, dass ein Mann ihnen nicht dieses Ereignis lassen wollte, beispielsweise sei hier Valenti zitiert:

Natürlich eine ganz klassische Beleidigung nach dem evolutionären Partnerwert.

Der tatsächliche Besuch verlief dann wesentlich unproblematischer als man es bei dieser Aufregung erwarten konnte:

To avoid any possible conflicts in the lobby or media (The Daily Show had offered to tag along to “document” the adventure, as did provocateur Milo Yiannopoulos. I declined both.) I purchased tickets to an earlier showing of another film, then simply walked past security into the theater showing Wonder Woman directly across.

When I took my seat there were no hisses. No soda bombs. No photographs. No Daily Show ambushes or mobs of proud boys, whatever the hell they are. No managers asking me to leave.

I was greeted by a lovely waitress who asked to see my ticket and nothing more. So again, why the controversy over a summer superhero film that had very little cultural controversy leading up to it’s release?

(…)

By the reaction upon arrival, it became apparent how Twitter outrage is not real life (surprise) and as I had predicted, that no one in the theater would care. This was a movie theater, not a college campus and everyone there was there for the same reason. It’s the most anti-climatic case of a man buying a movie ticket in recent history. 

Er machte aber eine andere interessante Beobachtung:

Any apprehension dissipated, not when the movie started, but during the preview of the upcoming Justice League film, strangely enough. When Aquaman’s Jason Mamoa came on screen with water splashing all over his tanned, shirtless tattooed chest, an entire theater of women wooed and whistled. They totally objectified him. There were similar hollers at the screen when Chris Pine emerges nude from a bath early on in Wonder Woman and awkward tension between his character Steve Trevor and Gal Gadot’s title character.

Ich bin entsetzt!

Zum Schluss schreibt der Autor, dem der Film im übrigen gut gefallen hat:

In the end, what made Alamo’s publicity stunt all the more head scratching, is the character arc of Wonder Woman herself. While her all female family clan of Amazons believe mankind isn’t worth the effort because of their own superiority, Diana Prince believes in fighting for both her species, and mankind, equally, to better both of their worlds. 

Wonder Woman is only a movie. It doesn’t belong to women or men, the right or the left. It belongs to anyone who chooses to participate in it, regardless of what one group of people say, or one movie theater chain.

Lustigerweise hatten sich die Feministinnen ja auch mal aufgeregt, als Wonder Women zur UN- Sonderbotschafterin ernannt werden sollte: Sie sei zu unfeministisch dafür.

„Männer inszenieren sich plötzlich als Opfer gesellschaftlicher Diskriminierung“

Rege mich gerade etwas über dieses Video von Julian Dörr in der SZ auf. Warum muss man so verächtlich sein bei einem solchen Thema?

 

„9,5 Thesen über den Liberalen Feminismus“

In der FDP gibt neben den neu erschienenen „liberalen Männern“ es auch die „liberalen Feministinnen“. Deren Programm lautet wie folgt:

1. Feminismus ist liberal, Liberalismus ist feministisch.

Feminismus ist ein breites Feld mit vielen verschiedenen Phasen und Strömungen. Grundsätzlich teilt er mit dem Liberalismus aber dieselben Werte: Gleichheit und Freiheit von Individuen und die Ablehnung von Hierarchien. Deshalb dürfen feministische Liberale Freiheitsrechte von Frauen nicht dem linken Spektrum überlassen. Ein gemeinsamer Nenner aller feministischen Strömungen ist die Überzeugung, dass Frauen von gesellschaftlicher Unterdrückung und Einschränkungen in ihrer Lebensgestaltung befreit sein sollen.

Somit setzt sich Feminismus für die positive und negative Freiheit der Frau ein. Gleichzeitig richtet der moderne (liberale) Feminismus auch ein Augenmerk darauf, grundsätzliche Geschlechtergerechtigkeit herzustellen und allen Geschlechtern somit mündige und freie Entscheidungen zu ermöglichen.

2. Schluss mit dem Feindbild Feminismus

Nicht repräsentativ für den Feminismus sind die radikaleren, spezifischeren Strömungen des Feminismus, welche die Geschlechter mit neuen Freiheitseinschränkungen einengen oder Männlichkeit grundsätzlich negativ betrachten. Weder haben linke Strömungen die alleinige Deutungshoheit über den Begriff Feminismus, noch ist Feminismus ein verbrannter Kampfbegriff.

Antifeministische Aussagen passen nicht in eine liberale Organisation, da diese sich immer auch gegen die positiven Gleichberechtigungsbestrebungen des Feminismus richten. Statt ein Feindbild des Feminismus zu zeichnen und zu pflegen, sind Liberale in der Pflicht, eine positive Strömung des Feminismus zu prägen – einen modernen, liberalen Feminismus, der die Kernziele des Feminismus und damit auch des Liberalismus weiter in die heutige Gesellschaft trägt.

3. Ein liberaler Feminismus will einschließen, nicht ausgrenzen

Ein liberaler Feminismus will Frauen nicht zu Ungunsten der Männer emanzipieren, sondern seinen Teil zur Emanzipation und Gleichberechtigung aller Individuen beitragen. Langfristiges Ziel ist es, Diskriminierungen und überholte Rollenzuschreibungen für alle Geschlechter aufzuheben und so die freie Entfaltung jedes Menschen zu ermöglichen. Emanzipation – die Befreiung aus der Abhängigkeit und Unmündigkeit – ist immer eine Befreiung Einzelner aus den Normen und Bevormundungen von gesellschaftlichen Gruppen. Die Emanzipation von Frauen erleichtert dabei die Emanzipation der Männer – und umgekehrt. Denn verschiedene Männer- und Frauenbilder, sowie vom binären Geschlecht abweichende Geschlechter haben ihren Platz in einer liberalen Gesellschaft und tragen zur Verwirklichung eines liberalen Feminismus bei.

Der Handlungsraum Einzelner darf in einem liberalen Gesellschaftsentwurf nur eingeschränkt werden, wenn dies den Freiheitsraum anderer ermöglicht und bewahrt. Genauso darf ein liberaler Feminismus Individuen und Gruppen nur soweit in ihrem Handeln einschränken, wie dies Benachteiligungen von Frauen abbaut und ihre gleichberechtigte Freiheit bewahrt.

4. Gemeinsam verbessern statt gegeneinander kämpfen

Eine Welt völlig frei von Geschlechterstereotypen ist ein Idealzustand, der angestrebt, aber wohl nie vollkommen erreicht werden kann. Im Bewusstsein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft durch Stereotype geprägt sind, strebt ein liberaler Feminismus daher eine versöhnliche, auf das einzelne Individuum bezogene Grundhaltung an. Ziel des liberalen Feminismus ist es nicht, andersdenkende Menschen zu bekämpfen. Stattdessen soll er aufklären und diejenigen Denkmuster abbauen, die vor allem zur Diskriminierung aufgrund von Geschlechterzughörigkeit führen.

5. Feminismus betrifft auch immer Männer

Liberaler Feminismus will Chancengerechtigkeit zur Selbstverwirklichung schaffen – auch für Männer. Nach wie vor gibt es feste Rollenzuschreibungen. Weichen Menschen davon ab oder weisen diese Zuschreibungen zurück, wird dies in vielen Bereichen der Gesellschaft kritisch bis negativ bewertet. Durch Aufbrechen dieser althergebrachten Muster und durch den Einsatz für selbstbestimmte Entscheidungen in allen Lebenslagen kann sich jeder Mensch, unabhängig seines Geschlechts frei entfalten, und es entsteht echte Wahlfreiheit. Dies kann aber nur gelingen, wenn Männer und Frauen sich gemeinsam für einen liberalen Feminismus einsetzen.

Denn: Frauenpolitik ist Männerpolitik ist Gesellschaftspolitik ist Generationenpolitik.

6. Liberalismus verpflichtet. Feminismus auch.

Der liberale Feminismus verpflichtet sich, zivilgesellschaftlich ein Bewusstsein für die mangelnde Gleichstellung und Gleichbehandlung der Geschlechter zu schaffen. Dabei lebt der liberale Feminismus von der freiwilligen Selbstverpflichtung zur Zivilcourage, Selbsterkenntnis und Eigenverantwortung einzelner Individuen.

7. Feministisch ist Ökonomisch.

Frauen, die in vorwiegend männlich geprägten Berufen arbeiten möchten, ob mit oder ohne Kind, sind zu unterstützen. Es muss schon in der KiTa, im Kindergarten und in der Schule begonnen werden, überholte Rollenbilder abzubauen. Es geht darum, Mädchen wie auch Jungen eine freie Berufswahl zu ermöglichen, die ihren Neigungen und Interessen entspricht. Ob Ingenieur.in, Krankenpfleger.in, Kindergärtner.in oder Richter.in – jede und jeder soll sich frei entfalten und das Leben gestalten können. Dazu gehört auch die freie Entscheidung, ob und wie lange er oder sie die Berufslaufbahn zur Kindererziehung unterbricht oder die Arbeitszeit dafür reduziert. Gerade in Zeiten steigenden Fachkräftemangels kann es sich unsere Gesellschaft nicht leisten, auf einen großen Teil der gut ausgebildeten Arbeitskräfte zu verzichten, bloß weil fehlende Betreuungsinfrastruktur oder Jahrhunderte alte Rollenbilder dem immer noch entgegen stehen. Dadurch erhöht sich neben der Gleichberechtigung aller Geschlechter insgesamt auch der wirtschaftliche Selbstverwertungsfaktor von Frauen.

Ein liberaler Feminismus stellt sich nicht gegen marktwirtschaftliche Prinzipien, sondern will Wettbewerbshemmnisse auflösen und Chancen schaffen. Daher ist dieser auch aus ökonomischer Sicht zu begrüßen.

8. Liberale Familienpolitik als gesellschaftliche Verantwortung

Der liberale Feminismus kann nur verwirklicht werden, wenn „Familienpolitik“ mehr ist als Politik für Mütter und Kinder. Familie ist für Liberale der Ort, an dem Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft füreinander Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Auch spielt die Prägung durch das Jahrhunderte alte Bild der westlichen Kernfamilie die Hauptrolle, auch hier sollte die Definition von Form und Funktion einer Familie überprüft und neu definiert werden. Der Staat sollte verschiedenen Formen von Gemeinschaften ermöglichen, ihr Lebensmodell zu leben. Natürlich soll der Staat nicht alles regeln, aber er kann Strukturen und Voraussetzungen für das Wahrnehmen von gemeinsamen Rechten und Pflichten schaffen, bei denen es vor allem um die Wertschätzung von Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten der Gemeinschaftsmitglieder geht. Es gilt den Individuen zu ermöglichen, ihr Leben gemeinsam zu gestalten und füreinander zu sorgen.

9. Freiheit = Individualismus + Vielfalt

Der liberale Feminismus stellt Forderungen, die zur Verwirklichung einer Gesellschaft mit freien und gleichen Individuen beitragen. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Feminismus, Anti-Rassismus, die LGBTI*-Bewegung und alle weiteren Bewegungen gegen überholte hierarchische Strukturen überflüssig werden. Gesellschaftliche Einschränkungen, die sich allein darauf beziehen, welches Geschlecht, welche Herkunft, sexuelle Orientierung oder sonstige Merkmale ein Individuum hat, haben in einer liberalen Gesellschaft keinen Platz!

9,5.

„Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“

 Simone de Beauvoir

Was sagt ihr dazu?

Die Evolution der Kooperation

In der Diskussion zu den egoistischen Genen tauchte noch einmal die Frage auf, wie sich dann Kooperation entwickeln konnte.

Ich zitiere dazu aus einem passenden Wikipediaartikel:

Axelrod geht von einem iterativen Gefangenendilemma aus. In diesem einfachen Zwei-Personen-Spiel haben beide Spieler den Anreiz, sich unkooperativ zu verhalten, wenn sie rational und egoistisch handeln – wenn keine weiteren Aspekte wie Moral oder gegenseitiges Vertrauen hinzu kommen, und wenn sie sich nur einmal und dann niemals wieder in dieser Situation begegnen. Das Dilemma des Gefangenendilemmas besteht darin, dass zwar Defektion für jeden Spieler aus seiner Sicht richtig (rational) wäre, es sich jedoch um ein Nichtnullsummen-Spiel handelt, bei dem nicht nur einer gewinnen kann, sondern beide den Gesamt-Gewinn durch Kooperation maximieren können.

Axelrod untersuchte, was sich ergibt, wenn sich diese Situation über viele Male wiederholt; wenn sich die beiden Spieler immer wieder begegnen, ohne zu wissen, wann sie zum letzten Mal zusammentreffen werden (iteriertes Gefangenendilemma). Von vornherein gibt es keine beste Strategie, da die Strategie immer von der Strategie des Gegners abhängt. In zwei Programmierwettbewerben ließ er verschiedene, zum Teil sehr ausgeklügelte Strategien zusammentreffen. Die Programme stammen von vielen Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen, darunter Mathematiker, Informatiker, Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen. Es zeigte sich, dass sich in einem iterierten Gefangenendilemma kooperative Strategien durchsetzen.

Es stellte sich heraus, dass eine sehr einfache Strategie beide Male am erfolgreichsten war: Tit for Tat, gewann beide Wettbewerbe und bekam insgesamt, summiert über alle Spiele eines Turniers, die meisten Punkte. Tit for Tat setzte sich gegen komplexe, teilweise stochastische Verfahren, darunter Strategien, die trickreich versuchten, die anderen zu übertölpeln, durch. Tit for Tat besteht darin, beim ersten Zusammentreffen mit einem anderen Spieler zu kooperieren und in allen weiteren Runden dann stets dessen Verhalten aus der Runde davor nachzuahmen.

Axelrods Experiment liegen idealisierende Annahmen zu Grunde:

  • Alle Spieler sind mit den gleichen Ressourcen ausgestattet. Abgesehen von der Möglichkeit, in den einzelnen Spielrunden zu kooperieren oder zu verweigern, haben sie keine Möglichkeit, anderen Mitspielern Belohnungen zukommen zu lassen oder Repressalien auszuüben.
  • Abgesehen von der bisherigen Geschichte ihrer Interaktion in den vorangegangenen Spielrunden wissen die Spieler nichts voneinander.

Diese Annahmen mögen weltfremd erscheinen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von realen Situationen, in denen sich dieses Mehrrunden-Gefangenendilemma wiederfindet. Im Kern tritt es immer dann auf, wenn eine Gruppe von Personen die Wahl hat, eine gemeinsame Ressource zum maximalen Eigennutz auszubeuten – oder sich zwecks Maximierung des gemeinsamen, nachhaltigen Nutzens zurückzuhalten. Axelrods Arbeit wurde deshalb zur Grundlage einer großen Anzahl weiterer Forschungsarbeiten in den Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften.

Die Analyse der beiden Wettbewerbe ergab folgende Bedingungen für eine erfolgreiche Strategie:

  1. Die Strategie muss freundlich sein, das heißt: Niemals als Erste nicht kooperieren (defektieren)! Alle Strategien, die niemals als Erste defektierten (nicht kooperierten), befanden sich auf den vorderen Plätzen.
  2. Die Strategie muss schlagkräftig sein und nicht nachtragend, das heißt, eine Defektion des Gegners mit einer eigenen Defektion zurückzahlen können und dann wieder kooperieren. Dies ist wichtig, um nicht ausgenutzt zu werden. Die Strategie muss aus den Handlungen des Gegners lernen und sich dessen Züge merken können. Um nicht in einem unendlichen Echo der gegenseitigen Defektion zu enden, sollte der Rückschlag deutlich, aber deeskalierend sein.
  3. Die Strategie darf nicht neidisch sein! Wenn die Strategie niemals zuerst defektiert, kann sie immer nur genauso gut wie der Gegner werden und niemals besser. Indem sie gegnerische Defektionen beantwortet, hinkt sie sogar immer einen Schritt hinterher und hat am Schluss ein paar Punkte weniger. Beim Versuch, diesen Rückstand aufzuholen, wird der Weg der besten Strategie verlassen, man schneidet insgesamt schlechter ab!
    Das heißt konkret, dass Tit for Tat den Wettbewerb nicht gewinnt, weil es eine hohe Zahl von Einzelsiegen erringt, sondern weil Tit for Tat zwar im Gegenteil im direkten Duell recht einfach zu besiegen ist und somit eher wenige Duelle gewinnt, dafür diese Niederlagen aber mit hohen Punktzahlen einhergehen.
  4. Sei nicht zu raffiniert, das heißt, die Strategie muss für den Gegner durchschaubar sein, damit er sich auf sie einstellen kann und nicht glaubt, es sei eine zufällige Strategie (Random hat nicht besonders gut abgeschnitten).
  5. Jede Strategie funktioniert nur, wenn die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Spiels und damit von zukünftigem Gewinn ausreichend hoch ist. Ist diese Wahrscheinlichkeit zu klein, ist es immer besser zu defektieren und den jetzigen Gewinn zu sichern. Wer Kooperation mit seinem Gegner möchte, muss also für eine ausreichend häufige und ausreichend sichere Wiederkehr des Spiels sorgen.

Von allen zum Wettbewerb eingesandten Strategien erfüllte Tit for Tat diese Bedingungen am besten. Ein Nachteil ergibt sich aus den nicht deeskalierend ausgeführten Rückschlägen von Tit for Tat, wodurch diese Strategie nicht fehlerrobust ist. Interpretiert ein Spieler das kooperative Verhalten seines Mitspielers fälschlich als Defektion, dann dauert die gegenseitige Defektion an, obwohl beide Parteien im Grunde auf Kooperation ausgerichtet sind. In der Politik können solche Missverständnisse beispielsweise zum Wettrüsten wider Willen, zu wechselseitigen Handelsembargos oder anderen krisenhaften Entwicklungen führen. Aber nicht nur Missverständnisse, sondern auch das übertriebene Ausspielen von Tit for Tat kann dazu führen, dass auf Defektion immer wieder Defektion folgt, was zu einer kaum Gewinn bringenden Kette führen würde.

Abhilfe kann dadurch geschehen, dass nach zufälliger, d. h. für den Gegner nicht abschätzbarer Anzahl Wiederholungen spontan einseitig Kooperation gespielt wird, um den Kreislauf der Konfrontation zu durchbrechen, was Tit for Tat allerdings nicht vorsieht.

Natürlich ist die Wirklichkeit etwas komplizierter als das von Axelrod konzipierte Spiel. Die tatsächliche Welt muss auch einmalige Spiele beachten, mit Fremden, und hat gleichzeitig nicht nur das Ziel, eine bestimmte Ressource anzuhäufen, sondern benötigt eine Vielzahl verschiedener Ressourcen, die auch nicht gleichmäßig verteilt sind und bei denen Monopole bestehen. Es gibt wesentlich mehr Handlungsptionen, von Gewalt bis hin dazu andere mittels Kooperationen auszuschließen. Und dann kommen noch Verwandte dazu, dann der Wunsch als attraktiver Partner zu erscheinen und viele viele andere Punkte, nicht zuletzt

Dennoch gibt es denke ich ein gutes Grundmodell wieder, welches einem erlaubt die evolutionäre Entstehung nachzuvollziehen.

Vieles in unserem Verhalten lässt sich in diesem Licht verstehen, insbesondere viele unserer Emtionen und unser Sozialverhalten. Wir haben ein starkes Bedürfnis als jemand angesehen zu werden, der fair ist, der die Gruppe nicht ausnutzt, der sich auch nicht ausnutzen lässt, der Potential für eine Zusammenarbeit mit wichtigen Leuten hat. Wir sind entsetzt, wenn jemand, den wir zu unserem Freundeskreis zählen nicht gibt oder gar sich eigene Vorteile zuschustert, womöglich noch zu Lasten der Gruppe. Viele dieser Emotionen entstehen dabei nicht rational, sondern eben unterbewußt, als Teil unserer unterbewußten Programmierung.

 

„Frauen fertig machen, Geld verdienen“

Bento hat aus meiner Sicht eine Vielzahl unglaublich schlechter, häufig feministischer Beiträge. In einem vermutlich von Pinkstinks inspirierten Artikel nimmt man sich der Sprache in Frauenmagazinen wie „Inside“ an.

Die „Inside“ titelt aktuell: „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“.

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: „Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall.“ Weiter: „Lästige Löcher! ‚Booty Shorts‘ heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack.“

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen „Inside“ (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: „Krater-Kummer! Die ‚Gossip‘-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben.“ Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: „Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!“

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie „böse Beulen“ haben oder „zerbeulte Beine“ oder „hinten Verdruss“.

Eine Erklärung hat man nicht. Man regt sich mit entsprechenden Fragen auf:

Die „Inside“ aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren?
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 
Aus meiner Sicht ist das recht einfach aufzulösen:

  • Der Artikel soll ein „die da oben sind auch nicht besser als wir“ Gefühl erzeugen, mittels dessen Frauen sich besser fühlen, weil andere heruntergezogen werden.
  • Er ist insoweit ein „Gutfühlartikel“ innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, der eine Hierarchie einreißen soll: Da oben die Hollywoodstars etc unten die Normalos. Hier sind die Hollywoodstars aber auch nur Normalos, die eben nur Photoshop nutzen und sogar noch hässlicher sind als viele andere Frauen.
  • Weil das ganze ein Lästern ist, bei dem die Abwertung gerade dazu dient, dass die anderen sich besser fühlen, verwendet es eine entsprechende Sprache, wie Frauen sie wahrscheinlich auch sonst beim Lästern unter Freundinnen verwenden

Ob man das in einer Zeitung drucken sollte wäre eine andere Frage. Das es Leser eines Klatsch und Tratsch Magazins, dass üblicherweise „Stars sind auch nur Menschen“ zum Thema hat, aber ebenso mit dem Motiv „Das tolle Leben der Promis“ spielt, wenn das eben passt, anspricht halte ich aber für sehr wahrscheinlich.

Auf Pinkstinks wettert man dazu:

Ist ja krass: Ungeschminkt sehen die meisten Menschen eher durschnittlich aus. Und an  alternden Frauen lassen sich Alterserscheinungen feststellen. Teufel noch eins, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Apropos Teufel: Wer könnte wohl dafür (mit)verantwortlich sein, dass der weibliche Körper als Versuchs- und Schlachtfeld für eine milliardenschwere Industrie herhalten muss. Kommst du selber drauf, Inside Magazin, oder musst du schnell noch durch die letzten deiner Ausgaben blättern?

Auch das scheint mir leicht erklärbar zu sein: Die Frauen wollen ihren Marktwert steigern und brauchend dazu Schönheitstipps. Sie mögen es gleichzeitig zu lesen, dass die ganz oben es auch nicht einfach haben und gar nicht so toll sind, was nicht das Ideal in Frage stellt, sondern es nur erreichbarer macht.

Aber es könnte mir doch egal sein, nicht?! Ich bin ja ein Mann und somit zwar auch zunehmend Schönheitszwängen ausgesetzt aber im Grunde bislang davon ziemlich unbehelligt geblieben. Mein Bauch ist kein „Horror“ und meine Falten kein „Desaster“.

Bei Männern ist eben anderes attraktiv. Auch der Körper, etwa mit Muskeln und Sixpack, aber eben insbesondere Status. Und auch da gibt es genug Druck und Lästerei-

Es ist mir aber nicht egal. Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten. In deiner Herzensgüte hättest du ihnen da schon mal „die heißesten Sommertrends“ zusammengestellt.

Das kann, nein das darf mir nicht egal sein. Und als wäre das nicht genug, gibt dein Verlag auch noch die Zeitschrift Mädchen heraus. Die ist zwar deutlich besser als du, aber letztendlich geht es da auch nur darum, welcher Disney-Prinz zur Leserin passt und wie viel Stalker angeblich in ihr steckt. Was das mit mir zu tun hat? Meine älteste Tochter wird in ein paar Wochen 12 und ist damit Zielgruppenmaterial für die Mädchen. Einer Zeitschrift, die sich genau wie du mit dem Attribut frechschmückt. Was habt ihr nur aus diesem schönen Wort gemacht? Hatte ich erwähnt, dass ich dich hasse?!

Wer hätte es gedacht, Verlage bringen Zeitschriften nicht nach Überzeugung, sondern verteilt nach den Interessen der Leserinnen heraus. Also nach dem, was am Markt abgenommen wird.

„Das egoistische Gen“ vs „Gruppenselektion“

Zu dem Thema „egoistisches Gen“ als Metapher dafür, dass bei der Selektion nicht auf die Gruppe abzustellen ist, sondern immer darauf, dass ein bestimmtes Gen selektiert werden muss, habe ich bereits einiges geschrieben, es wird aber immer wieder kritisch diskutiert. Daher noch einmal etwas dazu. Die bisherigen Artikel:

Ein passender Wikipediaartikel dazu wäre:

Ich halte das Konzept der genzentrischen Selektion für einen der absolut wichtigsten Grundsätze, die man verstehen muss, wenn man evolutionäre Biologie verstehen will:

  • In die nächste Generation weitergeben werden nur unsere Gene.
  • Veränderungen (=Mutationen) erfolgen nicht über eine Spezies, sondern immer nur über einzelne Gene.
  • Gene, die dem Träger Nachteile bringen, aber der Gruppe Vorteile. werden damit nicht selektiert
  • Wann immer etwas nur der Gruppe einen Vorteil bringt, werden gleichzeitig auch Mutationen darauf selektiert, dass man die Vorteile mitnimmt, aber die Nachteile nicht trägt.

Das zweite, was man verstehen muss, ist, dass Evolution keinen Plan haben kann. Sie kann nicht darauf schauen, was für die Spezies insgesamt gut ist und dann bestimmte Gene „fördern“, die der Gruppe bzw der Spezies helfen. Alle Erwägungen, die darauf abstellen, dass damit die Spezies an sich doch besser gestellt wäre, können sich nur evolutionär auswirken, wenn sie zumindest gleichzeitig einen Vorteil, der größer ist als die Kosten, für die Anreicherung der Gene des Einzelwesens haben. Zudem darf es auch keinen noch größeren Vorteil bringen, dass System dahingehend auszunutzen, dass man die eigenen Gene noch stärker weitergibt.

Meist ist damit eine „Gruppenselektion“ nur möglich, wenn sie über eine Verwandtenselektion läuft. Einzelwesen Gruppen mit einer relativ hohen Verwandtschaft können durch die Förderung und den Schutz von Gruppenmitgliedern Kopien ihrer Gene schützen, so dass diese sich anreichern können.

Mich würde hier einfach mal der Meinungsstand interessieren:

Ich würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren dazu ein paar Angaben machen könntet:

  • Wie habt ihr abgestimmt
  • Habt ihr Bücher wie zB „Das egoistische Gen“ gelesen?
  • Wenn ihr zustimmt: Was überzeugt euch?“
  • Wenn ihr unsicher seid oder dagegen seid: Was erscheint euch nicht logisch/Welche Theorie findet ihr besser?