2. Gleichstellungsbericht

Der 2. Gleichstellungsbericht ist erschienen:

Es wird insbesondere angeführt, dass Frauen viel mehr Carearbeit machen. Dazu auch zwei Tweets

Aber nun zu den eigentlichen Empfehlungen, aus dem Bericht kopiert:

Die Sachverständigenkommission empfiehlt für die Förderung
der Gleichstellung in der abhängigen Erwerbsarbeit:
– die Einführung eines Wahlarbeitszeitgesetzes
(sowie flankierend flexible Arbeitszeiten mit
Gesundheitsschutz und Grenzmanagement)
– eine öffentliche Debatte über die Vorstellungen
von „Vollzeit“

– die Förderung von Entgelttransparenz insbesondere
durch gesetzlich verpflichtende betriebliche Entgeltaudits
und Auskunftsansprüche (sowie flankierend
Berichterstattung und Verbesserungen im
Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG))
– Maßnahmen der betrieblichen Gleichstellungspolitik
und deren Flankierung durch gesetzliche
Pflichten zu Berichterstattung und Gleichstellungsaktionsplänen
(sowie ergänzend Erweiterung des
Anwendungsbereichs des FüPoG und Unterstützung
freiwilliger Instrumente, u. a. eines Code of Ethics
für Personalberatungen)
– diskriminierungsfreie und gleichstellungsorientierte
Personalbeurteilung im öffentlichen Dienst

Die Sachverständigenkommission empfiehlt für die
geschlechtergerechte Gestaltung von Berufswahl und
beruflicher Weiterbildung:
– gleichstellungsorientierte Berufsberatung und
-orientierung
– „Qualitätsoffensive Weiterbildung“ als Anlaufstelle
– familienfreundliche und gleichstellungsorientierte
Gestaltung öffentlicher und betrieblicher Weiterbildungsangebote
(und flankierend die Förderung
regionaler Weiterbildungsverbünde)
– gleichstellungsorientierte Finanzierung von Weiterbildung
durch Verbesserung der Erwachsenenbildungsförderung,
Erweiterung der Anspruchsberechtigung
nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III sowie
Schaffung persönlicher Weiterbildungsbudgets

Die Sachverständigenkommission hält im Bereich der
selbstständigen Erwerbsarbeit zwei Handlungsempfehlungen
für zentral:
– Optimierung des Zugangs zu Kapital, Kompetenzen
und Netzwerken für alle Selbstständigen
– Verbesserung der sozialen Sicherung von Soloselbstständigen,
insbesondere von weiblichen Selbstständigen,
durch eine konsequente Einbindung in die
Sozialversicherungssysteme; hierzu gehören u. a.
auch die Erstreckung des Mutterschutzes auf
weibliche Selbstständige sowie die Behebung von
Defiziten der derzeitigen Elterngeld-Regelung

Die Sachverständigenkommission empfiehlt für
die Aufwertung der erwerbsförmigen Sorgearbeit:
– Reform der Berufsprofile, der Aus- und Weiterbildung
und der Aufstiegsmöglichkeiten
– Förderung geeigneter Nachfrage- und Honorierungsstrukturen
für höherqualifizierte Beschäf­tigte
in den entsprechenden Berufen
– Reform der institutionellen Rahmenbedingungen
für Pflegeberufe

Die Sachverständigenkommission empfiehlt für mehr
Gleichstellung im Bereich der Sorge für Kinder:
– bedarfsgerechte Qualitätsverbesserung der
Betreuungsinfrastruktur in Kindertageseinrichtungen
und Ganztagsschulen
– Überprüfung der Auswirkungen der U2-Umlage,
Einführung einer Vaterschaftsfreistellung nach
Geburt eines Kindes, Ausbau der Partnermonate
– Unterstützung und Flankierung einer partnerschaftlichen
Aufteilung familiärer Sorgearbeit
durch Förderung einer Familienarbeitszeit
– Stärkung Alleinerziehender durch eine Reform
des Unterhaltsvorschussgesetzes

Für geschlechtergerechte Pflegeinfrastrukturen
empfiehlt die Sachverständigenkommission:
– Berücksichtigung von Genderaspekten bei der Planung
und Finanzierung von Pflegeinfrastrukturen
– geschlechtergerechte Pflegeangebote im Sozialraum
– Abkehr vom Primat informeller Pflege und Hinwendung
zu familienfreundlichen gemischten
Betreuungsarrangements
– weitere Stärkung der Kompetenzen professionell
Pflegender
– unterstützende Maßnahmen für professionell
Pflegende, insbesondere bei der Personalbemessung
Um die Situation informell Pflegender zu verbessern,
empfiehlt die Sachverständigenkommission:
– Freistellungsoptionen für informell Pflegende
– Finanzierung der Freistellungsoptionen durch
ein Zeitbudget mit Entgeltersatzleistung

Die Sachverständigenkommission empfiehlt
für eine verbesserte Infrastruktur der
privaten Haushaltsführung:
– Regelung arbeitsrechtlicher Mindeststandards
– Entwicklung von Standards und Zertifizierung
guter haushaltsnaher Dienstleistungsarbeit
– Einführung öffentlich geförderter Gutscheine
für haushaltsnahe Dienstleistungen

Die Sachverständigenkommission empfiehlt
im Einkommenssteuerrecht folgende Schritte:
– Streichung der Lohnsteuerklasse V
– Weiterentwicklung zu einem Realsplitting

Die Sachverständigenkommission empfiehlt in Bezug
auf das arbeitsmarktpolitische Instrument des Minijobs:
– Besteuerung von Einkommen aus geringfügiger
Beschäftigung
– Einführung einer Sozialversicherungspflicht
für geringfügige Beschäftigung

Die Sachverständigenkommission empfiehlt
in Bezug auf das Güterstandsrecht:
– Einführung des gesetzlichen Güterstands der
Errungenschaftsgemeinschaft
– Informationspolitik betreffend: Umbenennung des
Güterstands der Zugewinngemeinschaft; frühzeitige
Vermittlung von Informationen über die Folgen
von Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft;
Einbeziehung ehe- und familienrechtlicher Fragen
in Programmen zur Förderung der finanziellen
Allgemeinbildung von („financial literacy“)
– Untersuchung der Praxis der Eheverträge und
eine Beratungspflicht vor Vereinbarung einer
Gütertrennung

Die Sachverständigenkommission empfiehlt
in Bezug auf Rente und Alterssicherung:
– Einführung einer durchgängigen Rentenversicherungspflicht
– Verbesserung der Anrechnung von Pflegezeiten
in der gesetzlichen Rentenversicherung
– Verlagerung von der abgeleiteten hin zur eigenständigen
Sicherung, insbesondere Einführung
eines Anwartschaftssplittings bei Ehepartnerinnen
und Ehepartnern sowie Eingetragenen Lebenspartnerinnen
und Lebenspartnern als Regelmodell
– nachsorgender sozialer Ausgleich bei niedrigen
Rentenansprüchen
– Verbesserung des Zugangs von Frauen zur
betrieblichen und privaten Alterssicherung

 

Die Sachverständigenkommission empfiehlt für
einen leichteren Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit :
– arbeitsförderungsrechtliche Unterstützung durch
Information, Beratung und Weiterbildung, die
verpflichtende Institutionalisierung der Angebote
des Programms „Perspektive Wiedereinstieg“
sowie sozialleistungsunabhängige Beratungsund
Informationsangebote
– Rechte auf Rückkehr und bei Rückkehr in den
Betrieb oder die Dienststelle; Erwerbsarbeitsunterbrechungen
im öffentlichen Dienst sollen künftig
nicht mehr automatisch zu Rückstufungen führen
– arbeitsrechtlichen Anspruch auf ein „betriebliches
Wiedereinstiegsmanagement“

 

 

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49 Gedanken zu “2. Gleichstellungsbericht

  1. „Es wird insbesondere angeführt, dass Frauen viel mehr Carearbeit machen.“

    Woher stammen eigentlich die Daten, dass dem wirklich so ist. Basiert das auf Umfragen?

    • Daß mehr Frauen als Männer Angehörige pflegen, ist korrekt, s. Hammer (2014): 3.2 vs. 1.8 Mio.
      Die aufgewandte Zeiten dürften stark mit dieser Zahl korrelieren.

      Ob Frauen jetzt „viel mehr / unfaßbar viel mehr / so gut wie alle“ Carearbeit leisten, ist Frage der gewünschten Progandaeffekte.

      Außerdem ist die Aussage Frauen leisten „unbezahlte Sorgearbeit“ in Vergleichen mit der Arbeitsbelastung von Frauen und Männern ein prinzipieller Denkfehler. Sieht man sehr schnell, wenn sich fragt, wer denn der Zahlungspflichtige ist, der diese Arbeit eigentlich bezahlen müßte. Beispiel; Frau pflegt ihre Mutter, muß ihr Mann diese Leistung kompensieren?

      • Als Ergänzung zu dem Denkfehler: Angenommen, ein lediger Mann pflegt seinen Vater 4 Std./Woche und eine ledige Frau pflegt ihre Mutter 7 Std./Woche. Zusammen pflegen sie Angehörige 11 Std./Woche, der Mann leistet statistisch davon nur ca. 36%, Skandal! Der Mann diskriminiert diese Frau (auch wenn er sie nie gesehen hat. Oder ist er nur effizienter oder schludriger oder schickt für Geld jemand anders hin?

        Wenn man die Pflegearbeit von Männern und Frauen vergleicht und hat sehr viele Singles in den Populationen, dann kann man das nicht verrechnen mit den Zeiten für die Erziehung gemeinsamer Kinder, denn dafür ist man als Paar gemeinsam zuständig. Selbst bei Paaren ist im Prinzip jeder alleine (zusammen mit seinen Geschwistern) zuständig für die Pflege seiner eigenen Eltern, das ist nicht eindeutig eine originäre gemeinsame Aufgabe des Paars.

        Deswegen sind mir die diversen pauschalen Vergleiche, „die Frauen“ würden X Stunden pro Woche pflegen und „die Männer“ Y Stunden, suspekt.

        • @mitm

          Zumal man berücksichtigen muss, dass sich viele Männer ihrer Pflegepflichten heimtückisch entziehen, indem sie sich durch ihren sogenannten „Tod“ frühzeitig vom Acker machen.

          Wie Frau Clinton richtig feststellte, können Männer einfach sterben und hinterlassen Frauen, die davon mindestens doppelt betroffen sind.
          Und dieses männliche Privileg prangere ich an!

          Dieses Forum sollte sich gemeinsam überlegen, wie wir alle den „gender death gap“ schließen können.

          Gruß crumar

        • Ok, danke für die Ausführungen

          „Deswegen sind mir die diversen pauschalen Vergleiche, „die Frauen“ würden X Stunden pro Woche pflegen und „die Männer“ Y Stunden, suspekt.“
          Ja, mir ebenfalls

        • @crumar: „.. entziehen, indem sie sich durch ihren sogenannten #Tod“ frühzeitig vom Acker machen.“

          Das berührt einen weiteren Punkt, der hinsichtlich der Statistiken zu klären wäre, und zwar ob die gegenseitige Pflege von Ehepartnern ebenfalls zu den statistischen Pflegeleistungen von Männern bzw. Frauen gehört, und welchen Anteil diese Pflegeleistungen an den Gesamtzeiten haben.

          Weiß das jemand hier?

          Falls ja, wäre schon durch die geringere Lebenserwartung von Männern automatisch klar, daß Frauen häufiger pflegen, weil tote Männer nicht pflegen können und weil man i.d.R. nur in den letzten Lebensjahren vor dem Tod pflegebedürftig ist, und da hätten die Männer einen Zeitvorsprung.

          Ein viel wichtigerer Faktor scheint mir aber die Altersdifferenz von Ehepaaren zu sein. Dieser Artikel schreibt: „Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag im Jahr 2012 bei Ehepaaren die Altersdifferenz mit 3,9 Jahren etwas niedriger als bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit 4,5 Jahren.“ Fand ich erstaunlich hoch. Spannend wäre noch die Varianz dieser Größen.

          Diese Altersdifferenz ist mMn viel relevanter als die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen, denn in die allgemeine Lebenserwartungsstatistik gehen auch die vielen Singles mit ein.

          Einer Frau, die einen 4 – 8 Jahre älteren Mann heiratet, sollte sonnenklar sein, daß sie ein hohes Risiko eingeht, ihren Göttergatten am Lebensende pflegen zu müssen. Diese Entscheidung als Diskriminierung der Frau zu verkaufen, ist Unsinn.

          Das führt übrigens noch zu einem weiteren Punkt: Pflegeleistungen werden oft von Personen im Ruhestand erbracht. Die haben nicht zugleich auch junge Kinder, die versorgt werden müssen. D.h. man kann nicht einfach die durchschnittlichen Zeitbelastungen für Kindererziehung, Altenpflege und Erwerbsarbeit addieren, wie das in diversen Graphiken gemacht wird, wenn diese zeitlich in verschiedenen Lebensphasen anfallen. Insofern erscheinen mir diese pauschalen Angaben zu durchschnittlichen Gesamtbelastung von Frauen bzw. Männern suspekt.

        • @mitm

          Der Witz ist, das du das nicht errechnen kannst, weil es – komisch, oder? – nicht genderspezifisch erfasst wird.

          In der Pflegeversicherung in Deutschland wird abstrakt von einer Lebenserwartung von 80 Jahren ausgegangen.
          Das ist eine doppelte Lüge, weil es die differierenden Lebenserwartungen nach Geschlecht nicht berücksichtigt und natürlich auch nicht, dass mit der Steigerung der Lebenserwartung nicht gerechnet werden kann.
          Meine These ist, wir haben „peak age“ schon lange hinter uns.

          Aktuell ist eine Lebenserwartung von m=78 zu w=83 Jahren und Pi mal Daumen 2,5 Jahre Pflegezeit angesagt.
          Es ist offensichtlich, dass in der Altersspanne, wo Männer ihre Frauen pflegen *könnten*, die Wahrscheinlichkeit dagegen spricht, dass sie dieses Alter lebend erreichen.
          Zumal der Altersabstand in der Ehe diese Wahrscheinlichkeit weiter verringert.

          Die gesamte Statistik ist eine Farce.

          Gruß crumar

      • Das die „Carearbeit“, früher sagte man mal Haushaltspflichten, unbezahlt ist eine Propagandalüge. Technisch gesehen korrekt, dafür wird aber Kost und Logis vom Mann bezahlt. Soviel würde sie in der freien Wirtschaft nie bekommen.

        • Das Institut des Zugewinnausgleichs existiert genau für diesen Grund. Es soll sicherstellen, dass beim Scheitern der Ehe oder Tod des anderen Ehegatten diese „unbezahlten Tätigkeiten“ ausgeglichen werden. Außerdem sollte man daran denken, dass Geld nicht alles ist. Gerüchten zufolge sorgen Frauen und Männer für manche Leute gerne und auch ohne Geld dafür zu nehmen.

      • Ebenfalls ist davon auszugehen, dass immer noch die allermeisten Entscheidungen bei Paaren GEMEINSAME Entscheidungen sind. Und wenn nun mal ER in einem Technikberuf 5000 € monatlich heimbringt und SIE in einem kaufmännischen Beruf 3000 Euro bekommt, ist bei einer gemeinsamen Entscheidung, wer nun das Pensum reduziert zur Angehörigenpflege, schnell klar, wie diese GEMEINSAME Entscheidung ausfällt…

  2. Im Kommentarforum des Tagesspiegels zu diesem Artikel

    http://www.tagesspiegel.de/politik/einkommensunterschiede-zwischen-maennern-und-frauen-gleichstellungsbericht-verzeichnet-kaum-fortschritte/19962592.html

    postete jemand diesen link, um die Berufswahl von Frauen und Männern zu erklären:

    „Die Relevanz von Geschlechterstereotypen für Berufsentscheidungen“

    http://www.genderkompetenz.info/veranstaltungs_publikations_und_news_archiv/genderlectures/2008_06_23_hu.html

    Dort heißt es:

    „Einen Pol stellen strukturorientierte Erklärungen dar. Eine entsprechende These ist, dass Frauen diese „Frauenberufe” eben deshalb wählen, weil sie keine andere Wahl haben. Getrennte, parallele Berufsbildungsstrukturen mit historisch gewollter geschlechtersegregierender Funktion haben die Geschlechterdualität in den Institutionen verankert und führen zu Ausschlüssen qua Geschlecht.
    Der andere Pol sind die subjektorientierten Erklärungen, die die Handlungen der Beteiligten fokussieren. In diesem Sinne sind geschlechtsspezifische Berufsentscheidungen das Ergebnis eines Kosten-Nutzen-Kalküls im Rahmen der eigenen biografischen Geschlechterkonstruktion. Geschlechtlich konnotierte Berufe werden auch gewählt, weil sie gewissermaßen als eine Ressource für das eigene „doing gender” – die Darstellung als Frau oder Mann – fungieren können. Eine weitere These ist, dass Frauen die „Frauenberufe” auch aufgrund inhaltlicher Interessen und Erwartungen an Berufe wählen und dafür die ungünstigen Rahmenbedingungen in Kauf nehmen oder sich über diese nicht im Klaren sind.
    Dr. Cornelißen unterstrich, dass es an der Zeit sei, diese Ansätze nicht länger polarisierend gegenüber zu stellen. Vielmehr seien die Mechanismen in den verschiedenen Segmenten unterschiedlich und beispielsweise Zwänge größer oder kleiner.
    Zwischen den strukturtheoretischen und den subjektorientierten Erklärungsansätzen kann der Begriff der „Geschlechterstereotype” eine Brücke schlagen. Diese können nach PD Dr. Cornelißen definiert werden als Vorstellungen über Frauen und Männer, die gesellschaftlich kursieren und in verschiedenen Kontexten für Realität gehalten werden (Dölling 2005).“

    Ich halte das, gelinde gesagt, für Quatsch. Frauen haben keine Wahl?

    • Ja natürlich haben die Frauen keine Wahl. Wenn sie eine hätten, dann wären sie ja selbst schuld, und dann sind sie ja keine armen Hascherl mehr, um die sich Scharen von „Experten“ kümmern müssen, sondern halt wahlweise faul oder dumm.

    • Sie haben insofern weniger Wahl, als sie wesentlich größere Aversionen haben, irgendwo anzuecken.
      Der Gedanke, allen ihren Freundinnen erklären zu müssen, warum sie an Autos schrauben mag, ist horrende.

      Und da liegt auch der Quatsch: Es ist nicht die anonyme Gesellschaft, die den Druck ausübt. Es sind die konkreten Frauen im Bekanntenkreis.

    • „Ich halte das, gelinde gesagt, für Quatsch.“

      Wenn ich die verschwurbelte Diktion mal beiseite lasse (sofern ich sie überhaupt verstehe), dann hat das einen sehr plausiblen Kern: alle Heteros/as steigern gerne ihren Beziehungsmarktwert, indem sie sich mit tertiären Geschlechtsmerkmalen „schmücken“. Dazu gehören neben Kleidung, Schminken usw. auch Berufe. Sobald irgendetwas von einem Geschlecht in der Öffentlichkeit deutlich erkennbar dominiert wird, wird es implizit zu einem tertiären Geschlechtsmerkmal und damit für die dominierende Gruppe noch attraktiver.

      • @mitm

        Wählt man seinen Beruf danach aus, welche Präferenzen man auf dem Partnermarkt einbringen will? Hat das nicht eher was mit Interessenlagen zu tun?

        • @FocusTurnier: „Wählt man seinen Beruf danach aus, welche Präferenzen man auf dem Partnermarkt einbringen will? Hat das nicht eher was mit Interessenlagen zu tun?“

          Natürlich, s. Berufswahlkriterien, -Präferenzen und die Unterschlagung nichtmonetärer Vergütungen

          Beruf als tertiäres Geschlechtsmerkmal kann aber durchaus ein weiteres Kriterium (fehlt in der obigen Kriterien-Liste) neben anderen sein, das Gewicht kann natürlich variieren oder auch Null sein.

          Ich hatte vor einiger Zeit ein Schlüsselerlebnis, als ich mit einer Abiturientin über ihre Berufspläne redete und sie fast wörtlich dagte, es kämen nur frauendominierte Berufe für sie infrage. Die Dominiertheit vom eigenen Geschlecht war bei ihr ein Muß-Kriterium (!), bei anderen Frauen ist es ggf. nur ein Soll-Kriterium.
          Gründe dafür kann es mehrere geben: Beruf als tertiäres attraktivitätssteigerndes Geschlechtsmerkmal, die Vermutung, daß es unter Personen gleichen Geschlechts einfacher / angenehmer ist, Angst vor der Diskrimierung gegenüber Männern, von der man ja täglich hört, usw.

          Das ganze fällt jedenfalls nach meinem Eindruck unter den Begriff „subjektorientierten Erklärungen“ (für Berufsentscheidungen).

      • @mitm

        Ich zitiere den verschwurbelten Text noch einmal mit Hervorhebung:
        „eine RESSOURCE für das EIGENE „doing gender” – die Darstellung als Frau oder Mann – fungieren können.“

        Der Fokus auf die Geschlechterbeziehung, bzw. die Dynamik zwischen diesen verdeckt m.E. den Aspekt der Selbstvergewisserung.
        Der einfachste fallback zur Bildung einer Identität ist immer das Geschlecht.
        Insofern ist „doing gender“ Ressource für die *Bildung* dieser Identität und das wäre dann der springende Punkt, nicht deren Darstellung.

        Gruß crumar

    • Es sind die Mütter, die ihre Töchter bei der Berufswahl beraten.
      Und es sind die Mütter, die ihre Töchter NICHT dahin gehend beraten, welche Berufswahl welche (langfristigen) Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen ermöglicht.
      Falls dann doch ein Mann die Warnung vor prekären Verdienstmöglichkeiten ausspricht, wird er als „profitorientierter Patriarch“ diffamiert…

      • „Es sind die Mütter, die ihre Töchter bei der Berufswahl beraten.“
        In meiner Familie läuft dies nicht so. Berufsberatend für meine Schwester wirken sowohl mein Vater als auch meine Mutter. Ich denke hier sind viel mehr beide Elternteile prägend.

        • es ist doch wichtiger, ob papa oder mama unterschiedlich beraten.

          Gerade wenn es so würe dass ein teil (vmtl eher die mami) dazu rät, hauptsache sich selbstzuverwirklichen (glücklich zu werden, …) – dann ist das
          1) die (einkommenstechnisch) eher schlechte wahl, und
          2) viel viel angenehmer zu befolgen.

          Und das Resultat sind zig nutz- und wertlose Geistesschwafler

        • Also in Richtung Jurastudium wurde ich eher von meiner Mutter getrieben. Als Selbstverwirklichung würde ich das jetzt vielleicht nicht direkt bezeichnen 🙂
          Aber wir sind auch eine Familie im ländlichen Bayern, da gibt es sowas nicht.

  3. Die Sachverständigenkommission empfiehlt für die
    geschlechtergerechte Gestaltung von Berufswahl und
    beruflicher Weiterbildung:
    – gleichstellungsorientierte Berufsberatung und
    -orientierung

    Schon wie bei der Istanbul-convention und der neuen weiterführenden Gleichstellungspolitik der EU ab 2015 handelt es sich bei dem Thema immer nur um Frauen

  4. Die Sachverständigenkommission empfiehlt
    in Bezug auf Rente und Alterssicherung…

    Was im Alter aus der Rentenkasse ausbezahlt werden soll, muss nun mal vorher einbezahlt werden!

    Eine Anrechnung von beitragslosen Zeiten führt de facto zu einer Verringerung der Auszahlung bei denen, die lückenlos und in Relation zu ihrem Verdienst einbezahlt haben.

    Und das wäre dann eine weitere Absenkung des Rentenniveaus! Auf deutsch: Altersarmut für alle…

  5. „Die Sachverständigenkommission empfiehlt
    in Bezug auf das Güterstandsrecht:
    – Einführung des gesetzlichen Güterstands der
    Errungenschaftsgemeinschaft“

    Dazu kurz aus der WIkipedia:

    Bei der Errungenschaftsgemeinschaft handelt es sich um einen ehelichen Güterstand.

    Sie ist ebenso wie die Fahrnisgemeinschaft eine Zwischenform von Gütertrennung und allgemeiner Gütergemeinschaft, bei der eine Gemeinschaft des Vermögens nicht hinsichtlich der Gesamtmasse, sondern nur hinsichtlich gewisser Vermögensteile eintritt. Es handelt sich also um eine Form der beschränkten Gütergemeinschaft.

    Bei der Errungenschaftsgemeinschaft werden die Errungenschaften während der Ehe zum gemeinsamen Vermögen der Ehepartner.

    Die Errungenschaftsgemeinschaft ist abzugrenzen von der Zugewinngemeinschaft: bei der Zugewinngemeinschaft bleibt das Vermögen der Ehegatten getrennt, und nur bei der Beendigung des Güterstandes – etwa wegen einer Scheidung – wird der während der Ehe erwirtschaftete Zugewinn im Nachhinein ausgeglichen.[1]

    In Europa ist die Errungenschaftsgemeinschaft der am weitesten verbreitete Güterstand. Er regelt in mehreren Ländern, so auch Frankreich, die Eigentumsverhältnisse während einer Ehe, wenn die Eheleute keine andere Vereinbarung getroffen haben.[2] Im Gegensatz dazu liegt in Deutschland eine Zugewinngemeinschaft vor, wenn keine andere Vereinbarung getroffen wurde.

    Heißt also, dass das in der Ehe errichtete Haus automatisch beiden gehört

    dazu aus dem Bericht:

    Immer mehr Paare sichern
    das Familieneinkommen der Familie mit im Lebensverlauf
    wechselnden Rollen, etwa als Ernährer oder
    Ernährerin, und dies mit schwankenden Anteilen
    (vgl. Klammer et al. 2010). Daher ist die Förderung
    partnerschaftlicher Vermögensentscheidungen in
    Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft von
    besonderer Dringlichkeit. Diese Lebens-, Wirtschafts-
    und Verantwortungsgemeinschaften auf
    Lebenszeit (BVerfGE 81, 1; siehe § 1353 Abs. 1 BGB;
    §§ 1 und 2 LPartG) verlangen nach einem Güterrecht,
    das auch dann partnerschaftliche Entscheidungen
    befördert, wenn die ehelichen Rahmenbedingungen
    sich  – geplant oder unverhofft  – verändern. Denn
    verfassungsrechtliches Leitbild der Ehe ist das einer
    Lebensgemeinschaft als gleichberechtigter Partnerschaft
    (BVerfGE 103, 89; BVerfGE 105, 1).
    (…)
    Der wesentliche Unterschied zum geltenden Recht
    bestünde darin, dass „der Anspruch auf gleiche Teilhabe
    am gemeinsam Erwirtschafteten“ (BVerfGE
    105, 1) und damit die Anerkennung des Werts der
    Familien- und Sorgearbeit nicht erst nach Ende der
    Ehe verwirklicht würde; er schlüge sich sofort und
    bereits während der Ehe in Vermögenswerten nieder.
    Dies hat insbesondere Auswirkungen, wenn die
    vermögensmäßig schwächere Person in der Ehe oder
    Eingetragenen Lebenspartnerschaft einen Kredit aufnehmen
    möchte (z. B. um eine selbstständige berufliche
    Tätigkeit oder eine Fort- oder Weiterbildung zu
    beginnen). Nach geltendem Recht verfügt sie hierfür
    nicht über Sicherungsvermögen; in einer Errungenschaftsgemeinschaft
    hingegen könnte das hälftige
    Eigentum am gemeinsam erarbeiteten Zugewinn als
    Sicherungsgrundlage eines Kredits dienen.

    „– Informationspolitik betreffend: Umbenennung des
    Güterstands der Zugewinngemeinschaft; frühzeitige
    Vermittlung von Informationen über die Folgen
    von Ehe und Eingetragener Lebenspartnerschaft;
    Einbeziehung ehe- und familienrechtlicher Fragen
    in Programmen zur Förderung der finanziellen
    Allgemeinbildung von („financial literacy“)“

    dazu aus dem Bericht:

    In jedem Fall bedarf es einer Änderung der Bezeichnung
    des (hier als Wahlgüterstand empfohlenen)
    Güterstands der Zugewinngemeinschaft. Denn diese
    Bezeichnung erzeugt die falsche Assoziation, dass
    während der Ehe Gütergemeinschaft bestünde. Um
    Orientierungssicherheit zu schaffen, empfiehlt die
    Sachverständigenkommission die Umbenennung
    des Güterstands der „Zugewinngemeinschaft“ in
    „Gütertrennung mit Ausgleich des Zugewinns“ (siehe
    Gesetzentwurf Bundesregierung 1952).

    Diese herrliche Naivität, dass die Leute wissen, dass sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben ist ja schon interessant.
    Aber hauptsache man ändert die Namen, dann wird alles besser.

    „– Untersuchung der Praxis der Eheverträge und
    eine Beratungspflicht vor Vereinbarung einer
    Gütertrennung“

    Kaum jemand vereinbart heute noch Gütertrennung. Es wird vielmehr die Zugewinngemeinschaft dahingehend modifiziert, dass für den Fall, dass die Ehe anders als durch den Tod endet ein Zugewinnausgleich nicht durchgeführt wird.
    Das gibt Vorteile bei der Erbschaft, wenn die Ehe gut läuft, sowohl was die Erbquote als auch die Erbschaftssteuer angeht.
    Dennoch schreibt die „Expertenkommision“:

    Besondere Probleme können Verträge, in denen Gütertrennung vereinbart wird, aufwerfen (BGHZ 158, 81ff.; BVerfGE 103, 89ff.). Ein solcher Ehe- oder Lebenspartnerschaftsvertrag kann diejenige Partnerin oder denjenigen Partner, der oder die über geringeres Vermögen und geringere Einkünfte verfügt, aber keine finanziellen Beiträge zur Ehe oder Lebenspartnerschaft leistet, vermögensrechtlich ganz erheblich schwächen (Meder 2012: 152ff.). Es wäre empirisch von gro-ßem Interesse, wenn genauer untersucht würde, in welcher Zahl, mit welchen Motiven und in welchen Konstellationen solche Verträge geschlossen werden.

    Sie wurden häufig von Gesellschaftern vereinbart, oft ist es sogar im Gesellschaftsvertrag festgeschrieben gewesen, dass es vereinbart werden muss, weil die die anderen Gesellschafter nicht wollten, dass einer ihrer Partner Anteile an der Firma verkaufen muss und die eine umfangreiche Bewertung etc durchführen müssen, wenn er sich scheiden lässt.
    Heute spielen sie im wesentlichen nur noch für die „Güterstandschaukel“ eine Rolle: Man will der Frau vermögen zukommen lassen, aber keine Schenkungssteuer zahlen. Also vereinbart man Gütertrennung weswegen der Zugwinnausgleich fällig wird. Der ist steuerfrei und so kann man der Frau zB ein paar Häuser übertragen. Dann wechselt man wieder in die Zugewinngemeinschaft und kann das spiel bei neuen Zugwinn noch mal machen oder zusätzlich noch die Schenkungsfreibeträge ausnutzen. Auch gut, wenn man schnell Vermögen in Sicherheit bringen möchte, weil man pleite geht.

    „Denn „der Staat hat […] der Freiheit der Ehegatten, mit Hilfe von Verträgen die ehelichen Beziehungen und wechselseitigen Rechte und Pflichten zu gestalten, dort Grenzen zu setzen, wo der Vertrag nicht Ausdruck 1und Ergebnis gleichberechtigter Lebenspartnerschaft
    ist, sondern eine auf ungleichen Verhandlungspositionen basierende einseitige Dominanz eines Ehepartners widerspiegelt“ (BVerfGE 103, 89).“

    Okay, das bezieht sich auf eine ganz andere Situation, in der die andere Seite überrascht oder übervorteilt wird. Der beschluss ist ein „schwangerschaftsbeschluss“, Dies ist der Fall, wenn der Vertrag die Schwangere einseitig belastet und ihre Interessen keine angemessene Berücksichtigung finden (vgl. BVerfGE 89, 214 [234]). bei der man einer hochschwangeren mal gerade ohne vorwarnung zum Notar schleppt, dieser dann zum ersten Maö den Ehevertrag vorlegt und dieser sagt, dass sie den jetzt entweder beurkunden lässt oder ihr Kind werde in Schande geboren und sie können sehen wo sie bleibt, er würde die Hochzeit morgen dann absagen und sie könne das dann ihren Freunden und verwandten erklären
    (die Rechtsprechung da ist sehr streng, so streng, dass viele Notare sagen, dass Schwangere quasi nicht zurechnungsfähig sind und dem Mann raten nicht zu heiraten, bis das Kind geboren ist und dann erst danach den Ehevertrag zu machen und dann zu heiraten)
    Das urteil findet sich zB hier:
    http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv103089.html#Rn033
    Beim Zugewinn hingegen geht die Rechtsprechung davon aus, dass man so ziemlich alles inhaltlich vereinbaren kann, wenn man eben keinen besonderen Druck aufbaut und die Zeit lässt.
    Siehe zB

    c) Der Zugewinnausgleich erweist sich ehevertraglicher Disposition am weitesten zugänglich. Das Eheverständnis erfordert, worauf Schwab (aaO S. 16) mit Recht hingewiesen hat, keine bestimmte Zuordnung des Vermögenserwerbs in der Ehe. Die eheliche Lebensgemeinschaft war und ist – auch als gleichberechtigte Partnerschaft von Mann und Frau – nicht notwendig auch eine Vermögensgemeinschaft. Auch die vom Bundesverfassungsgericht (FamRZ 2002 aaO S. 529) – für das Recht des nachehelichen Unterhalts – betonte Gleichgewichtigkeit von Erwerbstätigkeit und Familienarbeit hat keine bestimmte Strukturierung der ehelichen Vermögenssphäre zur Folge. Wie § 1360 Satz 2 BGB (vgl. auch § 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB) verdeutlicht, sind nicht etwa das Erwerbseinkommen des einen und die Haushaltsführung des anderen Ehegatten einander gleichwertig. Für die Erfüllung des Anspruchs auf Familienunterhalt gleiches Gewicht haben nur die Unterhaltsbeiträge, welche die Ehegatten aus ihrem Erwerbseinkommen oder als Familienarbeit erbringen (BVerfG FamRZ 2002 aaO; so auch Gernhuber/Coester-Waltjen Lehrbuch des Familienrechts 4. Aufl. § 34 I 5 S. 495, insbes. Fußn. 4). Zwar sieht der gesetzliche Güterstand eine gleiche Teilhabe der Ehegatten am gemeinsam erwirtschafteten Vermögen vor. Dem liegt die typisierende Vorstellung zugrunde, daß die Ehegatten in ökonomisch gleichwertiger Weise zur Vermögensbildung beitragen. Diese – nur fiktive – Gleichwertigkeit hindert die Ehegatten jedoch nicht, durch Modifizierung oder Abwahl des Regelgüterstandes ihre interne Vermögensordnung einvernehmlich an die individuellen Verhältnisse ihrer konkret beabsichtigten oder gelebten Eheform anzupassen und dabei auch eigene ökonomische Bewertungen an die Stelle der gesetzlichen Typisierung zu setzen. Schließlich fordert auch das Gebot ehelicher Solidarität keine wechselseitige Vermögensbeteiligung der Ehegatten: Deren Verantwortung füreinander (§ 1353 Abs. 1 Satz 2 2. Halbs. BGB) tritt bei konkreten und aktuellen Versorgungsbedürfnissen auf den Plan; ihr trägt – wie gezeigt – das geltende Unterhaltsrecht Rechnung. Das geltende Güterrecht knüpft demgegenüber nicht an Bedarfslagen an; die vom Regelgüterstand verfolgte Gewinnbeteiligung hat keine unterhaltsrechtlichen Funktionen (Schwab aaO). Zwar wird bei einer Gesamtschau die Versorgungslage des nicht- oder nicht voll erwerbstätigen Ehegatten im Einzelfall auch durch das Ehevermögensrecht mitbestimmt. Grob unbillige Versorgungsdefizite, die sich aus den für den Scheidungsfall getroffenen Absprachen der Ehegatten ergeben, sind jedoch vorrangig im Unterhaltsrecht – weil bedarfsorientiert – und allenfalls hilfsweise durch Korrektur der von den Ehegatten gewählten Vermögensordnung zu kompensieren.

    „Die notarielle Information ermöglicht keine hinreichende Einschätzung der Risiken für die jeweils schwächere Seite. Deshalb sollte der Gesetzgeber bei Ehe- und Lebenspartnerschaftsverträgen eine vorherige Information und Beratung für beide Seiten einführen.“

    Herrlich. Ich bin gespannt, wen sie damit beauftragen wollen, der qualifizierter als ein Notar ist. Es müsste dann eigentlich ein Rechtsanwalt sein. Denn ich bezweifele, dass abseits dieser zwei Berufe jemand in der Lage ist, zu den Folgen eines Ehevertrages zu beraten.

    Auch interessant: Die Haftung für diese Fälle für den Inhalt der Beratung, wenn es jemand anderes als diese zwei Gruppen macht.

    • „so kann man der Frau zB ein paar Häuser übertragen“

      Weißt Du zufällig, wieviele Privatpersonen bzw. welcher Bevölkerungsanteil „ein paar Häuser“ besitzen/besitzen?

      • In den letzten 8 Jahren habe ich übrigens u.a. hunderte Schüler und Schülerinnen ihre ideale Zukunft malen sowie erläutern lassen (und dabei bloß ein einziges Talent entdeckt: https://ollisfanart.wordpress.com/ – sie lebt leider nicht mehr, wurde von einem Zug überrollt, offiziell wars aber ein Unfall), Fazit: fast Alle jungen Menschen träumen vom Eigenheim und min. 2 Kindern.

        Kann diese Gesellschaft die Weichen so stellen, dass die Mehrheit der jungen Leute hierzulande auch tatsächlich eine realistische Chance auf ihren (begrenzten) Immobilienbesitz haben wird?

        Ich meine: höchstens dann, wenn wir das Recht darauf begrenzen.

        • Bei der zweiten Frage tendiere ich eher zu „nein“ als Antwort.

          Für die Obergrenz-Diskussion bei Privatpersonen sollte man bedenken, wieviel Wohnraum deutschen Staatsbürgern (theoretisch!) mindestens zusteht (für den Fall des Bezugs von Leistungen nach SGB II).

          Alleinlebende: 45 m²
          2 (in einem Haushalt lebende) Personen: 55 – 60 m²
          3 Personen: bis 75 m²
          4 Personen: bis 90 m²
          und für jede weitere Person mehr werden zusätzliche 10 m² gewährt

          Man könnte bspw. recherchieren, wieviel Wohnfläche insgesamt zur Zeit zur Verfügung steht um davon ausgehend Ziele zu formulieren, oder man könnte sich auf einen Faktor (z. B. das 10-fache davon) einigen.

          Ist letztlich eine Frage, die im gesellschaftlichen Diskurs entschieden werden müsste.

      • @Semikolon

        Die Güterstandsschaukel ist nur interessant für Leute mit hohem Vermögen. Ansonsten ist der Schenkungsfreibetrag zwischen Eheleuten bereits bei einer halben Million und im Erbschaftsrecht ist der Zugewinn steuerfrei und das Eigenheim wird rausgerechnet.
        Zudem müssen die ersparten Steuern eben auch über den Kosten für den Notar liegen, für zwei Eheverträge (einmal aus der Zugewinngemeinschaft in die Gütertrennung, dann wieder zurück).

    • Eine Errungenschaftsgemeinschaft abzuwickeln ist sicher noch mehr Spaß als eine Zugewinngemeinschaft abzuwickeln. Da freut sich der Anwalt und da weint der Richter.

      • @henrik

        So viel nimmt es sich nicht. Faktisch haben viele „Normalverdiener“ eine „Errungenschaftsgemeinschaft“: Sie haben ein Haus, einen Kredit auf dem Haus, beide sind zur Hälfte im Grundbuch eingetragen. Innerhalb der Ehe wird der Kredit abgezahlt und das ist das wesentliche Vermögen.
        Ansonsten muss man eben ebenso prüfen, was in der Ehe erworben worden ist und was nicht und dann im realen teilen.

        Interessant wird es, wenn Eheleute ein Grundstück kaufen und einer Schulden hat. Bisher hat dann eben nur einer gekauft. Jetzt können die Gläubiger bei passender Ausgestaltung plötzlich auf das vermögen zugreifen.
        Man müsste also vorher dann mittels eines Ehevertrages den Güterstand anpassen. Da fällt dann aber evtl wieder ein auseinandersetzungsanspruch an….
        Als „Europäische Angleichung“ mag es durchaus interessant sein.
        Wäre interessant, wie es sich auf Schenkungs- und Erbschaftsteuer auswirkt.

        • „Ansonsten muss man eben ebenso prüfen, was in der Ehe erworben worden ist und was nicht und dann im realen teilen.“
          Viel Spaß dabei. Selbst in der Zugewinngemeinschaft sind solche Aufstellungen oft ein Ding der Unmöglichkeit. Wer weiß nach 20 Jahren noch, wann er was gekauft hat? In Fällen von Immobilien ist dank Grundbuch die Sache nicht so kompliziert. Aber oft existieren auch abseits von Immobilien Vermögen, welches durchaus in die tausende, wenn nicht zehntausende gehen kann.

          „Als „Europäische Angleichung“ mag es durchaus interessant sein.“
          Ich bin gegen weitere Angleichungen der europäischen Rechtsordnungen.

  6. Pingback: Zum 2. Gleichstellungsbericht | ☨auschfrei

  7. Preisfrage:
    Wie wird ein Propagandabericht einer schwer ideologisch feministisch verseuchten Hetztruppe wohl aussehen, wenn beispielsweise:

    a)
    eine Frau möglicherweise im Durchschnitt beim Einkauf gerne mehr Zeit verbringt, weil z.B. für ihre persönlichen Ansprüche alles einen besonderen Standard erfüllen muss (z.B. Biofleisch vom Bioschlachter in x km Entfernung, Bioeier vom Biohof in y km Entfernung, …), während der Mann lediglich zu Aldi geht und alles im gleichen Laden in wenigen Minuten einkauft.

    b)
    Frauen möglicherweise auch in Bezug auf den Haushalt im Durchschnitt höhere Anforderungen stellen, während Männer im Durchschnitt viele Tätigkeiten für völlig überflüssig halten.

    c)
    Frauen und Männer im Durchschnitt einfach andere Interessen haben; also möglicherweise Frauen gerne (subjektiv empfundende) Verbesserungen an der Wohnung vornehmen (z.B. Auswahl besonderer Gardinen, Umgestaltungen, viele Pflanzen, …), während Männer möglicherweise eher Interessen an (subjektiv epfundenen) Verbesserungen am Fahrzeug, Computer, Musikanlage, … vornehmen.
    Wer könnte wohl auf die Idee kommen, dass das beim Mann unter persönliches Hobbie fällt, auch wenn die Frau auch mal mit dem Fahrzeug mitfährt oder die Musikanlage mitbenutzen kann, während das bei Frauen unter ausbeuterischer unbezahlter Arbeit fällt.

    d)
    Oder wie wird das wohl bewertet, wenn unterschiedliche Interessen zu unterschiedlichen Arbeitsverteilungen führen; wenn also nur ein Partner sich z.B. unbedingt einen Hund (Kind, Garten, …) wünscht, während der andere Partner zu diesen Dingen bzw. zur Mitfinanzierung nur dann bereit ist, wenn er von der diesbezüglichen Arbeit weitestgehend freigehalten wird.
    Wird das in einem feministisch verseuchten Hetzbericht wohl auch bewertet?

    Stellen wir uns vor, der Mann wünscht sich unbedingt einen Garten und möchte daher einen Kleingarten anmieten, wo er Obst für die Familie anbaut und die Familie auch an Wochenenden zusammen entspannen kann, während die Frau die Anmietung dieses Kleingartens nur duldet, wenn sie mit der diesbezüglichen Arbeit nichts zu tun hat. Wird man dann die Arbeit des Mannes in diesem Garten dann wohl als privates Hobbie oder aber unbezahlte Arbeit betrachten?

    Nehmen wir jetzt hingegen mal umgekehrt an, die Frau wünscht sich unbedingt ein Kind, während der Mann hierzu nur bereit ist, wenn er über die Mitfinanzierung hinaus von der diesbezüglichen Arbeit weitestgehend freigehalten wird. Ob dann die Arbeit der Frau in Bezug auf das Kind wohl auch unter der Rubrik Freizeit verbucht wird, weil es ja im Wesentlichen ihren Intresse und Bedürfnissen diente?

    e)
    Oder wie wird wohl Folgendes von einer feministischen Hetztruppe in einem Propagandabericht bewertet bzw. auch wohl vom Durchschnitt der Bevölkerung empfunden, wenn z.B. eine teilzeiterwerbstätige Frau mit dem Kind auf dem Spielplatz ist, das Kind im Wesentlichen nur beaufsichtigt, während sie mit anderen Müttern den elementar wichtigen Dorftratsch aufrechterhält, während der vollzeittätige Mann dann vielleicht am Wochenende mit dem gleichen Kind zusammen Fußball spielt.
    Könnte es vielleicht sein, dass Einige das beim Mann unter Freizeit und Hobby verbuchen werden, während das bei Frauen unter unbezahlte Carearbeit gebucht wird.

    e)
    Oder wie wird es in einem feminitsichen Propagandabericht wohl bewertet, wenn z.B. der Mann abends völlig mit einer Schnitte Brot und Aufschnitt aus dem Supermarkt einverstanden wäre, während die Frau großen Wert auf aufwändiges Kochen legt (Einkäufe der Nahrungsmittel in Spezialmärkten, Schälen und Vorbereiten der Nahrungsmittel, Umfangreicheres Verschmutzen der Küche und mehr Verbrauch von Geschirr, Verursachung von größeren Putzaufwand).

    f)
    Oder wie wird Folgendes bewertet. Zumindest nach meinen Erfahrungen produzieren Frauen wöchentlich verhältnismäißig deutlich mehr Wäsche und legen auch deutlich mehr Wert darauf, dass die Wäsche gebügelt wird, während Männer nach meinen Beobachtungen auch keine besonderen Probleme haben, Wäsche auch mal mehrfach anzuziehen bzw. weniger Wert auf bügeln legen. Wenn also z.B. für seine Wäsche/Bügeln in der Woche nur 20 Minuten benötigt und die Frau für ihre Wäsche/Bügeln 40 Minuten, wie wird dann wohl ein Propagandabericht einer feministischen Hetztruppe aussehen?

    Diese Propagandaberichte zeigen daher eigentlich nur, dass feministische Ideologen Frauen für dumm halten, weil quasi alles, was Frauen in Bezug auf ihre eigene Wunscherfüllung tun als unbezahlte Arbeit bewertet wird und man Frauen nicht zutraut, dass diese diesbezügliche Arbeit wie Männer einfach als Hobbie zur eigenen Wunscherfüllung betrachten könnten bzw. selbst frei entscheiden können, welche Arbeit ihnen die eigene Wunscherfüllung wert ist. Frauen werden quasi als Opfer ihrer eigenen Wünsche betrachtet, die zu blöd sind, selber entscheiden zu können.

    Bei einem Mann käme hingegen kein Mensch auf die hirntote Idee, Leistungen in Bezug auf seine persönlichen Wunscherfüllungen als Arbeit zu beweren. Wenn z.B. ein Mann gerne Fußball spielt, wird wohl kaum einer auf die Idee kommen, diesbezügliches Training oder die Fußballspiele als unbezahlte Arbeit darzustellen. Wenn hingegen die Frau gerne Pflanzen in der Wohnung hat, dann scheinen hingegen mehr Menschen geneigt zu sein, die diesbezügliche Tätigkeiten (z.B. regelmäßiges gießen, …) zur eigenen Wunscherfüllung als Arbeit zu bewerten, obwohl es wie beim Fußballspielen einfach nur der eigenen persönlichen Wunschbefriedigung dient.

    Wenn ein Geschlecht daher im Durchschnitt an alles bzw. an das Leben höhere Ansprüche stellt (z.B. höhere Ansprüche an Sauberkeit, höhere Ansprüche an die Optik der Einrichtung und Dekoration der Wohnung, höhere Ansprüche an die Qualität der Nahrungsmittel, höhere Ansprüche an die Kleidung, höhere Ansprüche an die Kochkünste, höhere Ansprüche …), dann ist es geradezu logisch, dass dieses Geschlecht diesbezüglich mehr Zeit aufbringen wird.

    Der Plärrbericht der feministischen Propagandatruppe zeigt daher eigentlich nur, dass Frauen komplizierter bzw. umständlicher sind und offenbar auch weniger in der Lage sind, Dinge einfach zu unterlassen, wenn sie die diesbezügliche Arbeit nicht als Freizeit zur eigenen Wunschbefriedigung betrachten können.

  8. Arbeit? Wie viel verdienen denn die Damen dabei? Zahl ihnen der Ehemann ein Gehalt oder macht das der Staat? Zahlen die auch alle ihre Steuern und Sozialabgaben oder ist das Schwarzarbeit? Was ist wenn sie nicht arbeiten – kriegen sie dann die Kündigung von dem der da bezahlt? Haben die Damen denn einen Arbeitsvertrag?
    So viele Fragen…

    Übrigens leisten auch Männer sehr viel unbezahlte Arbeit – wenn sie z.B. bei ein Computerspiel spielen dann ist das Arbeit genau wie Fernsehen gucken auch unbezahlte Arbeit ist. Auch wenn ein Mann scheißen geht ist das Arbeit und erst Nachts, die ganze Schlafesarbeit – unglaublich!!!

    Vielleicht sollten wir einfach erst mal definieren was „Arbeit“ eigentlich bedeutet. Wenn das dann klar ist, sollte dann einfach in der Schule beim Sozialkundeunterricht erklärt werden, dass Frauen einfach Singles bleiben sollen, dann müssen sie auch nicht „arbeiten“.

    • Vor allen Dingen sollte man vielleicht auch mal die Frage beantworten, wie Frauen das hinbekommen, dass sie angeblich ca. 80% der Kaufentscheidungen treffen, obwohl sie doch die ganze Zeit im Job und in ihrer Freizeit von der Gesellschaft nur unterbezahlt bzw sogar unbezahlt unterdrückt und ausgebeutet werden!

    • Die werden wohl irgendeinen Goldesel haben, also nur das, was ihnen aufgrund ihrer bloßen Existenz bereits als bloße Selbstverständlichkeit zusteht und daher nicht mit berücksichtigt werden darf.

  9. Allein das solche Berichte überhaupt verfasst werden und veröffentlicht werden, beweist wie recht der Scherzspruch ist: früher war die Lage der Menschheit ernst aber nicht hoffnungslos, heute ist sie hoffnungslos aber nicht mehr ernst.

    Für Frauen sehe ich bei dieser ganzen Quacksalberei ein Problem ähnlich wie das der Moslems mit dem islamistischen Terror.
    Sie laufen immer Gefahr mit dem Feminismus in einen Topf geworfen zu werden, wie die Moslems mit dem Terror, weil sie sich nicht eindeutig distanzieren. Auf Nachfrage sagen zwar diese wie jene mit voller Entrüstung, das hat überhaupt nichts mit uns zu tun, man kann es ihnen aber so recht nicht glauben, weil ihr beredtes allgemeines Stillschweigen annehmen lassen muss, daß sie am Ende doch den Terror, bzw. die Bevorteilung gutheißen.

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