Doktorant: Identitätspolitik – Eine Analyse

vgl auch:

Advertisements

Work-Life-Balance und Risikobereitschaft

Ein interessanter Artikel stellt einen Zusammenhang dar zwischen der Risikobereitschaft und der „Work-Life-Balance“:

Zwei andere Forscherinnen haben jetzt nachgewiesen: Hochqualifizierte Frauen tun sich mit der Work-Life-Balance schwerer als hochqualifizierte Männer – und das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen Risiken scheuen.

Risiken sind alltäglicher Teil der Kindererziehung. Riskieren die Eltern, dass ein Kind beim Laufen lernen hinfällt, oder fangen sie es auf? Riskieren sie, dass sie das Kind zehn Minuten zu spät aus dem Kindergarten abholen, oder kommen sie lieber eine Viertelstunde zu früh? Ständig haben Eltern solche Entscheidungen zu treffen. Risiken sind aber auch alltäglicher Teil vieler hochqualifizierter Tätigkeiten: Ärzte müssen entscheiden, ob sie noch eine zusätzliche Untersuchung anordnen. Angestellte müssen entscheiden, ob sie das Risiko eingehen, eine Aufgabe ihres Chefs noch liegen zu lassen – schließlich schließt der Kindergarten bald.

Eine Studie der Ökonominnen Anne Busch-Heizmann und Elke Holst zeigt: Wer Risiken scheut, hat mehr Probleme mit der Work-Life-Balance. Das ermitteln sie aus dem sozio-ökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 20.000 Deutschen. Die Umfrage zeigt: Frauen fühlen sich auch häufiger unterbezahlt als Männer und bei der Arbeit oft nicht angemessen gewürdigt. Aber: Entscheidend für die Work-Life-Balance ist, wie man mit Risiken umgeht. Risikoscheue Männer fühlen sich ebenso zwischen Arbeit und Familie zerrissen wie risikoscheue Frauen. Allerdings sind es die Frauen, die Risiken häufiger aus dem Weg gehen – und in der Folge größere Probleme mit der Work-Life-Balance haben.

Der Gedanke scheint auch zu sein, dass einen eine höhere Risikobereitschaft besser damit zurechtkommen lässt, dass man zwischen zwei Fronten steht, einmal Karriere und einmal Mutterschaft.

Das könnte auch den Stress erklären, den viele Mütter empfinden, weil sie in jedem Bereich eher als Männer Risiken sehen, wie sie etwas nicht schaffen und Leute unzufrieden mit ihnen sind oder sie dadurch Nachteile haben.

Dieses Risiko lässt sich dann besser ausschalten, indem man sich für eine der beiden Seiten entscheidet und entweder keine Kinder bekommt oder eben zB über Halbtagsarbeit deutlich macht, dass man den Schwerpunkt bei der Familie gesetzt hat.

Es könnte auch den Drang zur „klassischen Arbeitsteilung“ verschärfen, wenn die Frau immer wieder das Gefühl hat, dass der Mann die Arbeit priorisiert, wenn er eigentlich nur ein höheres Risiko eingeht und deswegen weniger Sicherheiten einplant. Wenn die Mutter dies dann als Stress empfindet, dann kommt sie zu dem Ergebnis, dass sie es dann auch gleich selbst machen kann, weil er es ja eh nicht ernst nimmt.

In dem Artikel geht es dann noch darum, dass Mädchen von vorneherein vorsichtiger behandelt werden und man ihnen weniger erlaubt Risiken einzugehen und die wird als mögliche Ursache angesprochen.
Gleichzeitig scheint es mir eine umfangreiche Literatur dazu zu geben, dass Testosteron Selbstbewußtstein und Risikobereitschaft erhöht, so dass es auch schlicht der umgekehrte Effekt sein kann: Weil wir wissen, dass Mädchen weniger Risiko bereit sind, schützen wir sie auch eher vor solchen Risiken (der Effekt könnte sich gegenseitig verstärken)