„Männer inszenieren sich plötzlich als Opfer gesellschaftlicher Diskriminierung“

Rege mich gerade etwas über dieses Video von Julian Dörr in der SZ auf. Warum muss man so verächtlich sein bei einem solchen Thema?

 

Advertisements

„9,5 Thesen über den Liberalen Feminismus“

In der FDP gibt neben den neu erschienenen „liberalen Männern“ es auch die „liberalen Feministinnen“. Deren Programm lautet wie folgt:

1. Feminismus ist liberal, Liberalismus ist feministisch.

Feminismus ist ein breites Feld mit vielen verschiedenen Phasen und Strömungen. Grundsätzlich teilt er mit dem Liberalismus aber dieselben Werte: Gleichheit und Freiheit von Individuen und die Ablehnung von Hierarchien. Deshalb dürfen feministische Liberale Freiheitsrechte von Frauen nicht dem linken Spektrum überlassen. Ein gemeinsamer Nenner aller feministischen Strömungen ist die Überzeugung, dass Frauen von gesellschaftlicher Unterdrückung und Einschränkungen in ihrer Lebensgestaltung befreit sein sollen.

Somit setzt sich Feminismus für die positive und negative Freiheit der Frau ein. Gleichzeitig richtet der moderne (liberale) Feminismus auch ein Augenmerk darauf, grundsätzliche Geschlechtergerechtigkeit herzustellen und allen Geschlechtern somit mündige und freie Entscheidungen zu ermöglichen.

2. Schluss mit dem Feindbild Feminismus

Nicht repräsentativ für den Feminismus sind die radikaleren, spezifischeren Strömungen des Feminismus, welche die Geschlechter mit neuen Freiheitseinschränkungen einengen oder Männlichkeit grundsätzlich negativ betrachten. Weder haben linke Strömungen die alleinige Deutungshoheit über den Begriff Feminismus, noch ist Feminismus ein verbrannter Kampfbegriff.

Antifeministische Aussagen passen nicht in eine liberale Organisation, da diese sich immer auch gegen die positiven Gleichberechtigungsbestrebungen des Feminismus richten. Statt ein Feindbild des Feminismus zu zeichnen und zu pflegen, sind Liberale in der Pflicht, eine positive Strömung des Feminismus zu prägen – einen modernen, liberalen Feminismus, der die Kernziele des Feminismus und damit auch des Liberalismus weiter in die heutige Gesellschaft trägt.

3. Ein liberaler Feminismus will einschließen, nicht ausgrenzen

Ein liberaler Feminismus will Frauen nicht zu Ungunsten der Männer emanzipieren, sondern seinen Teil zur Emanzipation und Gleichberechtigung aller Individuen beitragen. Langfristiges Ziel ist es, Diskriminierungen und überholte Rollenzuschreibungen für alle Geschlechter aufzuheben und so die freie Entfaltung jedes Menschen zu ermöglichen. Emanzipation – die Befreiung aus der Abhängigkeit und Unmündigkeit – ist immer eine Befreiung Einzelner aus den Normen und Bevormundungen von gesellschaftlichen Gruppen. Die Emanzipation von Frauen erleichtert dabei die Emanzipation der Männer – und umgekehrt. Denn verschiedene Männer- und Frauenbilder, sowie vom binären Geschlecht abweichende Geschlechter haben ihren Platz in einer liberalen Gesellschaft und tragen zur Verwirklichung eines liberalen Feminismus bei.

Der Handlungsraum Einzelner darf in einem liberalen Gesellschaftsentwurf nur eingeschränkt werden, wenn dies den Freiheitsraum anderer ermöglicht und bewahrt. Genauso darf ein liberaler Feminismus Individuen und Gruppen nur soweit in ihrem Handeln einschränken, wie dies Benachteiligungen von Frauen abbaut und ihre gleichberechtigte Freiheit bewahrt.

4. Gemeinsam verbessern statt gegeneinander kämpfen

Eine Welt völlig frei von Geschlechterstereotypen ist ein Idealzustand, der angestrebt, aber wohl nie vollkommen erreicht werden kann. Im Bewusstsein, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft durch Stereotype geprägt sind, strebt ein liberaler Feminismus daher eine versöhnliche, auf das einzelne Individuum bezogene Grundhaltung an. Ziel des liberalen Feminismus ist es nicht, andersdenkende Menschen zu bekämpfen. Stattdessen soll er aufklären und diejenigen Denkmuster abbauen, die vor allem zur Diskriminierung aufgrund von Geschlechterzughörigkeit führen.

5. Feminismus betrifft auch immer Männer

Liberaler Feminismus will Chancengerechtigkeit zur Selbstverwirklichung schaffen – auch für Männer. Nach wie vor gibt es feste Rollenzuschreibungen. Weichen Menschen davon ab oder weisen diese Zuschreibungen zurück, wird dies in vielen Bereichen der Gesellschaft kritisch bis negativ bewertet. Durch Aufbrechen dieser althergebrachten Muster und durch den Einsatz für selbstbestimmte Entscheidungen in allen Lebenslagen kann sich jeder Mensch, unabhängig seines Geschlechts frei entfalten, und es entsteht echte Wahlfreiheit. Dies kann aber nur gelingen, wenn Männer und Frauen sich gemeinsam für einen liberalen Feminismus einsetzen.

Denn: Frauenpolitik ist Männerpolitik ist Gesellschaftspolitik ist Generationenpolitik.

6. Liberalismus verpflichtet. Feminismus auch.

Der liberale Feminismus verpflichtet sich, zivilgesellschaftlich ein Bewusstsein für die mangelnde Gleichstellung und Gleichbehandlung der Geschlechter zu schaffen. Dabei lebt der liberale Feminismus von der freiwilligen Selbstverpflichtung zur Zivilcourage, Selbsterkenntnis und Eigenverantwortung einzelner Individuen.

7. Feministisch ist Ökonomisch.

Frauen, die in vorwiegend männlich geprägten Berufen arbeiten möchten, ob mit oder ohne Kind, sind zu unterstützen. Es muss schon in der KiTa, im Kindergarten und in der Schule begonnen werden, überholte Rollenbilder abzubauen. Es geht darum, Mädchen wie auch Jungen eine freie Berufswahl zu ermöglichen, die ihren Neigungen und Interessen entspricht. Ob Ingenieur.in, Krankenpfleger.in, Kindergärtner.in oder Richter.in – jede und jeder soll sich frei entfalten und das Leben gestalten können. Dazu gehört auch die freie Entscheidung, ob und wie lange er oder sie die Berufslaufbahn zur Kindererziehung unterbricht oder die Arbeitszeit dafür reduziert. Gerade in Zeiten steigenden Fachkräftemangels kann es sich unsere Gesellschaft nicht leisten, auf einen großen Teil der gut ausgebildeten Arbeitskräfte zu verzichten, bloß weil fehlende Betreuungsinfrastruktur oder Jahrhunderte alte Rollenbilder dem immer noch entgegen stehen. Dadurch erhöht sich neben der Gleichberechtigung aller Geschlechter insgesamt auch der wirtschaftliche Selbstverwertungsfaktor von Frauen.

Ein liberaler Feminismus stellt sich nicht gegen marktwirtschaftliche Prinzipien, sondern will Wettbewerbshemmnisse auflösen und Chancen schaffen. Daher ist dieser auch aus ökonomischer Sicht zu begrüßen.

8. Liberale Familienpolitik als gesellschaftliche Verantwortung

Der liberale Feminismus kann nur verwirklicht werden, wenn „Familienpolitik“ mehr ist als Politik für Mütter und Kinder. Familie ist für Liberale der Ort, an dem Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft füreinander Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Auch spielt die Prägung durch das Jahrhunderte alte Bild der westlichen Kernfamilie die Hauptrolle, auch hier sollte die Definition von Form und Funktion einer Familie überprüft und neu definiert werden. Der Staat sollte verschiedenen Formen von Gemeinschaften ermöglichen, ihr Lebensmodell zu leben. Natürlich soll der Staat nicht alles regeln, aber er kann Strukturen und Voraussetzungen für das Wahrnehmen von gemeinsamen Rechten und Pflichten schaffen, bei denen es vor allem um die Wertschätzung von Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten der Gemeinschaftsmitglieder geht. Es gilt den Individuen zu ermöglichen, ihr Leben gemeinsam zu gestalten und füreinander zu sorgen.

9. Freiheit = Individualismus + Vielfalt

Der liberale Feminismus stellt Forderungen, die zur Verwirklichung einer Gesellschaft mit freien und gleichen Individuen beitragen. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Feminismus, Anti-Rassismus, die LGBTI*-Bewegung und alle weiteren Bewegungen gegen überholte hierarchische Strukturen überflüssig werden. Gesellschaftliche Einschränkungen, die sich allein darauf beziehen, welches Geschlecht, welche Herkunft, sexuelle Orientierung oder sonstige Merkmale ein Individuum hat, haben in einer liberalen Gesellschaft keinen Platz!

9,5.

„Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“

 Simone de Beauvoir

Was sagt ihr dazu?

Die Evolution der Kooperation

In der Diskussion zu den egoistischen Genen tauchte noch einmal die Frage auf, wie sich dann Kooperation entwickeln konnte.

Ich zitiere dazu aus einem passenden Wikipediaartikel:

Axelrod geht von einem iterativen Gefangenendilemma aus. In diesem einfachen Zwei-Personen-Spiel haben beide Spieler den Anreiz, sich unkooperativ zu verhalten, wenn sie rational und egoistisch handeln – wenn keine weiteren Aspekte wie Moral oder gegenseitiges Vertrauen hinzu kommen, und wenn sie sich nur einmal und dann niemals wieder in dieser Situation begegnen. Das Dilemma des Gefangenendilemmas besteht darin, dass zwar Defektion für jeden Spieler aus seiner Sicht richtig (rational) wäre, es sich jedoch um ein Nichtnullsummen-Spiel handelt, bei dem nicht nur einer gewinnen kann, sondern beide den Gesamt-Gewinn durch Kooperation maximieren können.

Axelrod untersuchte, was sich ergibt, wenn sich diese Situation über viele Male wiederholt; wenn sich die beiden Spieler immer wieder begegnen, ohne zu wissen, wann sie zum letzten Mal zusammentreffen werden (iteriertes Gefangenendilemma). Von vornherein gibt es keine beste Strategie, da die Strategie immer von der Strategie des Gegners abhängt. In zwei Programmierwettbewerben ließ er verschiedene, zum Teil sehr ausgeklügelte Strategien zusammentreffen. Die Programme stammen von vielen Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen, darunter Mathematiker, Informatiker, Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen. Es zeigte sich, dass sich in einem iterierten Gefangenendilemma kooperative Strategien durchsetzen.

Es stellte sich heraus, dass eine sehr einfache Strategie beide Male am erfolgreichsten war: Tit for Tat, gewann beide Wettbewerbe und bekam insgesamt, summiert über alle Spiele eines Turniers, die meisten Punkte. Tit for Tat setzte sich gegen komplexe, teilweise stochastische Verfahren, darunter Strategien, die trickreich versuchten, die anderen zu übertölpeln, durch. Tit for Tat besteht darin, beim ersten Zusammentreffen mit einem anderen Spieler zu kooperieren und in allen weiteren Runden dann stets dessen Verhalten aus der Runde davor nachzuahmen.

Axelrods Experiment liegen idealisierende Annahmen zu Grunde:

  • Alle Spieler sind mit den gleichen Ressourcen ausgestattet. Abgesehen von der Möglichkeit, in den einzelnen Spielrunden zu kooperieren oder zu verweigern, haben sie keine Möglichkeit, anderen Mitspielern Belohnungen zukommen zu lassen oder Repressalien auszuüben.
  • Abgesehen von der bisherigen Geschichte ihrer Interaktion in den vorangegangenen Spielrunden wissen die Spieler nichts voneinander.

Diese Annahmen mögen weltfremd erscheinen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von realen Situationen, in denen sich dieses Mehrrunden-Gefangenendilemma wiederfindet. Im Kern tritt es immer dann auf, wenn eine Gruppe von Personen die Wahl hat, eine gemeinsame Ressource zum maximalen Eigennutz auszubeuten – oder sich zwecks Maximierung des gemeinsamen, nachhaltigen Nutzens zurückzuhalten. Axelrods Arbeit wurde deshalb zur Grundlage einer großen Anzahl weiterer Forschungsarbeiten in den Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften.

Die Analyse der beiden Wettbewerbe ergab folgende Bedingungen für eine erfolgreiche Strategie:

  1. Die Strategie muss freundlich sein, das heißt: Niemals als Erste nicht kooperieren (defektieren)! Alle Strategien, die niemals als Erste defektierten (nicht kooperierten), befanden sich auf den vorderen Plätzen.
  2. Die Strategie muss schlagkräftig sein und nicht nachtragend, das heißt, eine Defektion des Gegners mit einer eigenen Defektion zurückzahlen können und dann wieder kooperieren. Dies ist wichtig, um nicht ausgenutzt zu werden. Die Strategie muss aus den Handlungen des Gegners lernen und sich dessen Züge merken können. Um nicht in einem unendlichen Echo der gegenseitigen Defektion zu enden, sollte der Rückschlag deutlich, aber deeskalierend sein.
  3. Die Strategie darf nicht neidisch sein! Wenn die Strategie niemals zuerst defektiert, kann sie immer nur genauso gut wie der Gegner werden und niemals besser. Indem sie gegnerische Defektionen beantwortet, hinkt sie sogar immer einen Schritt hinterher und hat am Schluss ein paar Punkte weniger. Beim Versuch, diesen Rückstand aufzuholen, wird der Weg der besten Strategie verlassen, man schneidet insgesamt schlechter ab!
    Das heißt konkret, dass Tit for Tat den Wettbewerb nicht gewinnt, weil es eine hohe Zahl von Einzelsiegen erringt, sondern weil Tit for Tat zwar im Gegenteil im direkten Duell recht einfach zu besiegen ist und somit eher wenige Duelle gewinnt, dafür diese Niederlagen aber mit hohen Punktzahlen einhergehen.
  4. Sei nicht zu raffiniert, das heißt, die Strategie muss für den Gegner durchschaubar sein, damit er sich auf sie einstellen kann und nicht glaubt, es sei eine zufällige Strategie (Random hat nicht besonders gut abgeschnitten).
  5. Jede Strategie funktioniert nur, wenn die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Spiels und damit von zukünftigem Gewinn ausreichend hoch ist. Ist diese Wahrscheinlichkeit zu klein, ist es immer besser zu defektieren und den jetzigen Gewinn zu sichern. Wer Kooperation mit seinem Gegner möchte, muss also für eine ausreichend häufige und ausreichend sichere Wiederkehr des Spiels sorgen.

Von allen zum Wettbewerb eingesandten Strategien erfüllte Tit for Tat diese Bedingungen am besten. Ein Nachteil ergibt sich aus den nicht deeskalierend ausgeführten Rückschlägen von Tit for Tat, wodurch diese Strategie nicht fehlerrobust ist. Interpretiert ein Spieler das kooperative Verhalten seines Mitspielers fälschlich als Defektion, dann dauert die gegenseitige Defektion an, obwohl beide Parteien im Grunde auf Kooperation ausgerichtet sind. In der Politik können solche Missverständnisse beispielsweise zum Wettrüsten wider Willen, zu wechselseitigen Handelsembargos oder anderen krisenhaften Entwicklungen führen. Aber nicht nur Missverständnisse, sondern auch das übertriebene Ausspielen von Tit for Tat kann dazu führen, dass auf Defektion immer wieder Defektion folgt, was zu einer kaum Gewinn bringenden Kette führen würde.

Abhilfe kann dadurch geschehen, dass nach zufälliger, d. h. für den Gegner nicht abschätzbarer Anzahl Wiederholungen spontan einseitig Kooperation gespielt wird, um den Kreislauf der Konfrontation zu durchbrechen, was Tit for Tat allerdings nicht vorsieht.

Natürlich ist die Wirklichkeit etwas komplizierter als das von Axelrod konzipierte Spiel. Die tatsächliche Welt muss auch einmalige Spiele beachten, mit Fremden, und hat gleichzeitig nicht nur das Ziel, eine bestimmte Ressource anzuhäufen, sondern benötigt eine Vielzahl verschiedener Ressourcen, die auch nicht gleichmäßig verteilt sind und bei denen Monopole bestehen. Es gibt wesentlich mehr Handlungsptionen, von Gewalt bis hin dazu andere mittels Kooperationen auszuschließen. Und dann kommen noch Verwandte dazu, dann der Wunsch als attraktiver Partner zu erscheinen und viele viele andere Punkte, nicht zuletzt

Dennoch gibt es denke ich ein gutes Grundmodell wieder, welches einem erlaubt die evolutionäre Entstehung nachzuvollziehen.

Vieles in unserem Verhalten lässt sich in diesem Licht verstehen, insbesondere viele unserer Emtionen und unser Sozialverhalten. Wir haben ein starkes Bedürfnis als jemand angesehen zu werden, der fair ist, der die Gruppe nicht ausnutzt, der sich auch nicht ausnutzen lässt, der Potential für eine Zusammenarbeit mit wichtigen Leuten hat. Wir sind entsetzt, wenn jemand, den wir zu unserem Freundeskreis zählen nicht gibt oder gar sich eigene Vorteile zuschustert, womöglich noch zu Lasten der Gruppe. Viele dieser Emotionen entstehen dabei nicht rational, sondern eben unterbewußt, als Teil unserer unterbewußten Programmierung.