Kritische Theorie

In Diskussionen gerade mit sehr linken Personen auch aus dem Bereich des Feminismus stößt man immer wieder auf die „kritische Theorie“. Es scheint mir daher sinnvoll, dazu einen Artikel zu eröffnen:

Aus der deutschen Wikipedia:

Der Terminus „Kritische Theorie“ wurde von Max Horkheimer im Exil „für das wissenschaftliche Projekt des Instituts“, ein von ihm „entwickeltes Forschungsprogramm eines interdisziplinären Materialismus“, erfunden.[2] Er findet in Horkheimers Aufsatz Traditionelle und kritische Theorie von 1937 seine Begründung, in dem er sich mit dem Ideal und dem Betrieb der nachkopernikanischen Wissenschaft beschäftigt. Davor firmierte die marxistisch undogmatische Gesellschaftstheorie des Instituts unter dem Namen Materialismus.[3]

Die Kritische Theorie wird in Horkheimers Aufsatz als eine praktische Philosophie bestimmt, der es auf die gesellschaftliche Veränderung mit dem Ziel zunehmender Selbstbestimmung der Menschen ankommt.Diese Zielsetzung trennt Kritische Theorie nachhaltig von der „bürgerlichen Wissenschaft“, zu der sowohl die positivistisch operierenden Fachwissenschaften als auch die idealistische theoretische Philosophie gehören.

Horkheimer kritisiert an der „traditionellen Theorie“ der Fachwissenschaften, dass sie der Dialektik der Aufklärung, das heißt dem Rückfall der Aufklärung in Mythologie, verfalle. Der Grund dafür sei, dass sie die gesellschaftlichen Fakten als Gegebenheiten hinnehme und vergesse, dass diese Fakten keine naturgegebenen Tatsachen, sondern gesellschaftlich Gemachtes seien, in denen sich das Unrecht gesellschaftlicher Herrschaft verberge. Dieses Unrecht könne nur entschlüsselt werden, wenn man die gesellschaftliche Konstitution der sozialen Tatbestände kritisch, das heißt unter dem Gesichtspunkt der besseren Praxis erschließe. Weil die positivistische Fachwissenschaft sich dieser Reflexion verweigere, mache sie sich der Verfestigung des bestehenden gesellschaftlichen Unrechts dienstbar. Sie verschließe sich der Reflexion über die Verflechtung von Wissenschaft und Herrschaft von Grund auf und könne daher ihren theoretischen Anspruch der Werturteilsfreiheit nicht einlösen.[4]

Das scheint mir auch in intersektionalen Theorien stark vertreten zu werden: Wissenschaft, die einem nicht passt, ist eben durchdrungen von falschen Annahmen und daher nicht in der Lage die „Wahrheit“ zu erkennen. Es wird dort noch damit verstärkt, dass man anführt, dass nur Nichtprivilegierte den unverstellten Blick haben und daher das „Unrecht entschlüssen können.

An der „traditionellen Theorie“ als idealistischer Philosophie oder Ontologie kritisiert Horkheimer, dass sie nur die metaphysische Ergänzung des geistlosen Zustandes in den positivistisch operierenden, affirmativen Fachwissenschaften sei. Sie legitimiere den geistlosen Zustand und kritisiere ihn zugleich. Die Kritik erfolge aber nicht so, dass sie die fachwissenschaftlichen Begriffe etwa der Ökonomie, Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft selbst in Frage stelle und auf ihre Realkonstitution untersuche, sondern so, dass diese Begriffe akzeptiert werden, aber zugleich ihre Ergänzung durch die Metaphysik eingeklagt werde, die leisten soll, was den positiven Wissenschaften abgeht: Klärung der Sinnfragen, Ableitung des moralisch richtigen Handelns aus obersten Prämissen, Explikation von Wegen zur Erlösung vom Elend der Welt oder Wegen zum „wahren Selbst“ im unbegriffenen gesellschaftlichen Ganzen. Das geschehe in der idealistischen Metaphysik stets durch die Setzung einer idealen Welt hinter oder über der wirklichen Welt der positivistisch hingenommenen Tatsachen und der Ableitung aus den ersten, höchsten unbezweifelbaren Prinzipien dieser „eigentlichen, idealen Welt“. Die als solche akzeptierte positivistische Rationalität der traditionellen Theorie in den Fachwissenschaften werde so durch die Metaphysik als Ursprungsphilosophie um das, was ihr angeblich fehlt, ergänzt, ohne dass sie selbst und die gesellschaftliche Realität, auf die sie sich bezieht, in Frage gestellt werde.[5][6]

da wäre das Konzept also: Die wissenschaftliche Theorie betrachten, dann mit einer „idealen Welt“ abgleichen und schauen ob sich daraus eine andere Perspektive ergibt.

Im Feminismus hat man auch eine ähnliche Denkweise:

Man stelle sich eine Welt ohne Ungleichheit vor als ideale Welt und erklärt diese gleichzeitig zum einen für erreichbar, zum anderen die bisherigen Umstände als sozial konstruiert, und zwar zugunsten bestimmter Gruppen, die „die Macht“ oder „die Privilegien“ haben. Dann stellt man darauf ab, dass nur durch die Beseitigung dieser Privilegien oder dieser Macht die Ungleichheit beseitigt wird. Alle dagegen stehenden Fakten können unter Verweis darauf, dass sie eine Konstruktion sind und das sie nur auf der Sichtweise der Forschenden beruhen ignoriert werden.

Die Kritische Theorie ist demgegenüber an einem Vernunftbegriff orientiert, der nicht in der Zweck-Mittel-Rationalität aufgeht. Sie zielt nach Vorstellung ihrer Begründer darauf ab, die vorgefundene „gesellschaftliche Totalität“ selbst zu begreifen, deren Unbewusstheit und Unbegriffenheit in den Sozialwissenschaften dazu führt, dass positivistische Wissenschaftler weder im theoretischen Ansatz noch in ihrer Durchführung der Aufbereitung oder dem Verständnis des gewonnenen Datenmaterials objektiv sein können, sondern ihre Begriffe und Kategorien bloße Verdoppelungen und systematisierende Wiederholungen der in der gesellschaftlichen Wirklichkeit selbst wirksamen, unbegriffenen Realabstraktionen sind. Daher richtet die Kritische Theorie ihre Aufmerksamkeit auf die Konstitution der das gesellschaftliche Leben beherrschenden Realabstraktionen, auch darauf, wie sie in den Fakten erscheinen und zugleich auf die Spannung zwischen dem „Bestehenden“ und dem „Möglichen“. Sie möchte die Tür offen halten für eine bessere Praxis.

Und verkennt dabei, dass eben nicht alles eine Spiegelung bestimmter Anschauungen ist, sondern auch schlichte Fakten bestehen können, die sich in die gewünschte Welt einfügen

Wie ordnet ihr die kritische Theorie ein?

Was hat der Feminismus bzw die intersektionale Theorie daraus entnommen?

Advertisements

127 Gedanken zu “Kritische Theorie

  1. @ Stuss

    „In Diskussionen gerade mit sehr linken Personen auch aus dem Bereich des Feminismus stößt man immer wieder auf die „kritische Theorie“.“

    Stuss. Zeitgenössische Feministinnen haben davon in der Regel keine Ahnung und beziehen sich auch nicht darauf. Das ist eine völlig andere Theorietradition als intersektionaler Gender/Queer-Feminismus und außerdem für zeitgenössische Feministinnen viel zu anspruchsvoll.

    „Es scheint mir daher sinnvoll, dazu einen Artikel zu eröffnen:“

    Wozu?
    Du hast hunderte Diskussionen zur Kritischen Theorie auf deinem Blog und deine Fragen dazu in dem Artikel wurden schon zig mal von mir und anderen beantwortet.

    Dein heutiger Artikel wird nur eine Menge rechten Abschaum anziehen, mit dem ich und andere sich dann herumschlagen müssen. Der Tag ist also gelaufen.

    „Wie ordnet ihr die kritische Theorie ein?“

    Die Kritische Theorie ist insgesamt gut und z.T. auch gut dafür geeignet um die postmoderne Political Correctness vom Standpunkt der Kritischen Theorie aus zu kritisieren.
    (Aber traditionellen libertären Sozialismus finde ich trotzdem besser.)

    „Was hat der Feminismus bzw die intersektionale Theorie daraus entnommen?“

    Nichts, wie ich dir schon hunderte Male erklärt habe.

      • @Leszek

        Ich stimme dir zu, es ist nervig, ständig völlig falsche theoretische Einordnungen korrigieren zu müssen und du machst den Job der Richtigstellung bravourös.
        Stelle jedoch die Frage nach der Wirksamkeit des rationalen Arguments gegen den (offensichtlich) tief sitzenden religiösen Glauben, zu dem wir beide keine richtige Verbindung finden.

        Ich versuche es einmal: Dem RELIGIÖSEN ist die Verbindung zweier Erscheinungen, die sich fundamental widersprechen plausibel. Weil er das GLAUBEN WILL.

        Die interessante Frage ist m.E. also nicht, warum Christian eine Verbindung zwischen intersektionalem Feminismus und kritischer Theorie sieht, die objektiv nicht existiert.

        Besser ist m.E. die Frage zu stellen, wie und warum ist sein GLAUBE oder der Glaube dieses Forums beschaffen, eine Verbindung zwischen zwei Erscheinungen zu sehen, die nicht existiert?

        Mein Vorschlag zum produktiven Umgang: Wenn man das RELIGIOUS SIGNALLING als starkes Signal des Glaubens nimmt, als Botschaft an die Brüder im Geiste, als: I WANT TO BELIEVE, TOO!, wenn man sich diese Debatte also in einem religiösen Mantel vorstellt, wird wesentlich besser verständlich, warum die Religiösen insistieren, es müsse all das geben, was ihnen so erscheint und jede Kritik an dieser Erscheinung als Bedrohung des Glaubens erleben.

        Daher sollten die soziologischen und sozialpsychologischen Aspekte von „Marienerscheinungen“ m.E. stärker berücksichtigt werden (Strukturierung von mir):

        „Der Historiker David Blackbourn, der unter anderem die Marpinger Marienerscheinungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts untersucht hat, hat anhand einer Reihe kirchlich approbierter und nicht approbierter Erscheinungen dargelegt, dass den Sehern des 19. Jahrhunderts Merkmale wie

        – ein Leben in Abhängigkeit,
        – rohe Behandlung,
        – frühe Trennung von der Familie oder
        – Verlust eines Elternteils, ein
        – Außenseitertum und in den überwiegenden Fällen
        – bedrückende Armut gemeinsam seien.“

        Diese Erscheinungen gaben und geben den Gläubigen aus diesen bedrückenden Verhältnissen emotionalen Trost und Halt.
        So erklärt sich aus meiner (fraglos interessanten Theorie), warum du mit deinen rationalen Erklärungen eine solch starke Ablehnung erfährst, Leszek.

        Du betreibst aus Sicht der Religiösen ein offensives MARIEN-SHAMING und das wird – a. politisch korrekt und b. psychologisch naheliegend – abgewehrt.

        Gruß crumar

    • „Stuss. Zeitgenössische Feministinnen haben davon in der Regel keine Ahnung und beziehen sich auch nicht darauf. Das ist eine völlig andere Theorietradition als intersektionaler Gender/Queer-Feminismus und außerdem für zeitgenössische Feministinnen viel zu anspruchsvoll.“

      Es ist erstaunlich, dass du immer Schaum vor den Mund bekommst, wenn es darum geht, das es Verbindungen von linken Theorien und linken feministischen Ideen gibt.

      Die gibt es natürlich, auch wenn sie sie aus deiner Sicht falsch verstehen.
      Es wurden eben bestimmte Elemente übernommen und eingearbeitet.

      Wann immer mal hier die Debatte darauf kommt führst du an, dass das keiner macht.
      Nur kommt es bei mir meist darauf, weil es gerade jemand gemacht hat, dieses Mal zB hier

      Es kommt immer wieder vor, dass mir die kritische Theorie entgegenhalten wird als könne sie schlicht alles negieren, was zB in der Biologie entdeckt worden ist.
      „Kritische irgendwas Forschung“ findet sich ja auch zu Hauf, etwa critical whiteness oder kritische Männerforschung, die sehen auch alle in dieser Tradition

      • Bei den diversen heutigen „kritischen Irgendwas“ geht es meinem Eindruck nach eher darum, sich den Anstrich oder das Image der „Kritischen Theorie“ zu geben ohne dass wirklich an die Denktradition angeknüpft würde. Es geht darum, sich ein Label zu geben, was eher unbedarfte Linke dann glauben lässt, sie hätten es hier mit „den Guten“ zu tun.

        Apropos: Gab es eigentlich überhaupt mal eine feministische Strömung oder Welle, die in der Frage des Hauptwiderspruchs nicht im Ergebnis das Establishment gestützt hat?

      • @ Christian

        „Es ist erstaunlich, dass du immer Schaum vor den Mund bekommst, wenn es darum geht, das es Verbindungen von linken Theorien und linken feministischen Ideen gibt.“

        Also, tatsächlich hatte ich noch gestern einen längeren Text zu einer ideengeschichtlichen Linie von linken Theorien zum intersektionalen Feminismus unter deinen Political Correctness-Artikel gepostet. 🙂

        Es gibt aber m.E. keinen rationalen Grund zum x-ten mal hier irgendwelche Diskussionen über Dinge zu führen, die bereits so oft erklärt worden sind. Ich finde, wir sollten auch mal langsam weiterkommen.

        „Die gibt es natürlich, auch wenn sie sie aus deiner Sicht falsch verstehen.“

        Nein, es gibt keine ideengeschichtliche Linie von der Kritischen Theorie zum intersektionalen Feminismus. Das sind nunmal verschiedene Theorietraditionen.

        „Es wurden eben bestimmte Elemente übernommen und eingearbeitet.“

        Es gibt im zeitgenössischen Feminismus verschiedene feministische Strömungen.
        Und es existiert auch eine feministische Strömung, die sich an der Kritischen Theorie orientiert, aber das ist eine ANDERE feministische Strömung als der intersektionale Gender/Queer-Feminismus, den du in deinem Text ansprichst.
        Feministinnen, die sich an der Kritischen Theorie orientieren, gibt es heute nur wenige. Nancy Fraser ist z.B. eine an der Kritischen Theorie orientierte Feministin.

        „Wann immer mal hier die Debatte darauf kommt führst du an, dass das keiner macht.“

        Es ist nunmal so, dass sich intersektionale Gender/Queer-Feministinnen in der Regel nicht auf die Kritische Theorie beziehen.
        Das ist doch leicht nachweisbar. Du brauchst doch nur in entsprechende Lehrbücher/Einführungsbücher zu gucken.

        Um festzustellen, dass Vertreter der Kritischen Theorie nicht als wichtige ideengeschichtliche Quellen oder wichtige theoretische Grundlagen z.B. der Gender Studies gelten, musst du doch nur schauen, ob sie in entsprechenden Lehrbüchern/Einführungsbüchern erwähnt werden und falls ja, in welchem Zusammenhang.
        Du würdest feststellen: Sie werden entweder nicht erwähnt oder höchstens mal am Rande (so wie zig andere bekannte Namen mal am Rande erwähnt werden ohne für die Theoriebildung der Gender Studies wichtig zu sein.)

        Und dass Vertreter der Kritischen Theorie auf gender/queer-feministischen Blogs in der Regel nicht erwähnt werden, dürftest du doch im Laufe der Jahre gemerkt haben.

        „Nur kommt es bei mir meist darauf, weil es gerade jemand gemacht hat, dieses Mal zB hier“

        Wo erwähnt er denn die Kritische Theorie?

        „Es kommt immer wieder vor, dass mir die kritische Theorie entgegenhalten wird als könne sie schlicht alles negieren, was zB in der Biologie entdeckt worden ist.“

        Tatsächlich? Ich würde empfehlen in solchen Situationen mit folgendem Zitat von Adorno und Horkheimer zu reagieren 🙂

        „(…) mit der Verleugnung der Natur im Menschen wird nicht bloß das Telos der auswendigen Naturbeherrschung sondern das Telos des eigenen Lebens verwirrt und undurchsichtig.
        In dem Augenblick, in dem der Mensch das Bewusstsein seiner selbst als Natur sich abschneidet, werden alle die Zwecke, für die er sich am Leben erhält, der gesellschaftliche Fortschritt, die Steigerung aller materiellen und geistigen Kräfte, ja, Bewusstsein selber, nichtig (…)“.

        (aus: Max Horkheimer & Theodor W. Adorno – Dialektik der Aufklärung, Fischer, 2003, S. 61 f.)

        (Zugegebenermaßen gab es aber auch Phasen, in denen sich Adorno und Horkheimer biologieblinder geäußert haben.)

        „Kritische irgendwas Forschung“ findet sich ja auch zu Hauf, etwa critical whiteness oder kritische Männerforschung, die sehen auch alle in dieser Tradition“

        Critical Whiteness hat nichts mit der Kritischen Theorie zu tun und in der sogenannten Kritischen Männerforschung gibt es m.W. zwar leider auch Personen, die sich irgendwie auf die Kritische Theorie beziehen, aber das muss keinesfalls zwangsläufig der Fall sein.
        Nur weil sich etwas „kritisch“ nennt, muss es noch längst nichts mit der Kritischen Theorie zu tun haben.

        • „Nein, es gibt keine ideengeschichtliche Linie von der Kritischen Theorie zum intersektionalen Feminismus. Das sind nunmal verschiedene Theorietraditionen.“

          Nehmen wir mal die Idee, das man alle Wissenschaft darauf überprüfen muss, inwieweit sie nur Herrschaft repliziert.
          Wie kam die denn in den linken intersektionalen Feminismus?

        • @ Christian

          „Nehmen wir mal die Idee, das man alle Wissenschaft darauf überprüfen muss, inwieweit sie nur Herrschaft repliziert.
          Wie kam die denn in den linken intersektionalen Feminismus?“

          Um das herauszufinden, wäre es sinnvoll ernsthafte wissenschaftliche Recherche dazu anzustellen. Aber es dürfte vermutlich auf das Macht/Wissen-Konzept von Foucault zurückgehen.

          • Kannst du ausschließen, dass diese Theorien aus der kritischen Theorie stammen oder daraus inspiriert sind?
            Sie finden sich ja relativ gleichlautend in beiden.

            Auch der Gedanke, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt scheint mir leicht auf den feministischen Gedanken, dass man erst das Patriarchat stürzen muss übertragbar

            Mit diesem Ansatz kann man eben sehr gut die komplette Revolution fordern und eine „umfassende Systemkritik“ eröffnen

        • @ Christian

          „Kannst du ausschließen, dass diese Theorien aus der kritischen Theorie stammen oder daraus inspiriert sind?“

          Mir ist kein Hinweis oder Beleg dafür bekannt und sich irgendwas assoziativ zusammenreimen bringt m.E. wenig Erkenntnisgewinn. Du müsstest m.E. also schon ernsthaft wissenschaftlich dazu recherchieren.

          „Sie finden sich ja relativ gleichlautend in beiden.“

          Nur sind sowohl die erkenntnistheoretischen und wissenschaftstheoretischen Grundlagen als auch das Kritikverständnis in beiden Fällen verschieden.

          Des Weiteren: Bitte das genaue Zitat eines Vertreters der Kritischen Theorie hierzu angeben, auf das du dich beziehst, damit ich weiß, was du genau meinst und es kontextualisieren kann.

          „Auch der Gedanke, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt scheint mir leicht auf den feministischen Gedanken, dass man erst das Patriarchat stürzen muss übertragbar“

          Assoziatives Zusammenreimen ersetzt keine Kenntnisse und Belege.

          „Mit diesem Ansatz kann man eben sehr gut die komplette Revolution fordern und eine „umfassende Systemkritik“ eröffnen“

          Da heutige Mainstream- Feministinnen ja keine „komplette Revolution“ und „umfassende Systemkritik“ anstreben, sondern mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten wäre dies dann ja ohnehin irrelevant. 🙂

          Des Weiteren ist Adornos Ansicht, dass es „kein richtiges Leben im falschen gebe“ ja auch nur vor dem Hintergrund seines Dialektik-Verständnisses genauer zu verstehen und Dialektik als Methode des Denkens spielt im Gender/Queer-Feminismus keine Rolle.

          Gemeint ist von Adorno in etwa Folgendes:

          Adorno ging davon aus, dass es in jeder Gesellschaft „objektive Bewegungsgesetze“ gebe, durch die die „gesellschaftliche Totalität“, der gesellschaftliche Strukturzusammenhang wesentlich geprägt würden. Er glaubte nun, dass diese „objektiven Bewegungsgesetze“ der Gesellschaft nicht allein durch empirische Sozialforschung ermittelt werden könnten, sondern dass es dazu vor allem eines interpretativen Verfahrens mittels der dialektischen Methode bedürfe.

          Für Adorno waren diese objektiven gesellschaftlichen Bewegungsgesetze das „Wesentliche“ innerhalb der Analyse der Gesellschaft, denn diese objektiven Bewegungsgesetze beeinflussen Adorno zufolge – und zwar in signifikanter Weise – alle gesellschaftlichen Teilsysteme und die Sozialisation der Gesellschaftsmitglieder.
          Aber, wichtig: Dass bedeutet nicht, dass alle gesellschaftlichen Teilsysteme völlig von diesen Bewegungsgesetzen determiniert werden und keine Eigengesetzlichkeit und Eigendynamik mehr aufweisen, es bedeutet aber, dass alle gesellschaftlichen Teilsysteme erst im Lichte dieser Bewegungsgesetze in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang tiefergehend verstanden werden können.

          Nun vertrat Adorno die Ansicht, dass wenn die objektiven Bewegungsgesetze einer Gesellschaft wesentlich einen irrationalen Charakter haben und gravierende Dysfunktionalitäten aufweisen, sich dies bis zu einem gewissen Grad – aber in signifikantem Ausmaß – in allen gesellschaftlichen Teilsystemen einschließlich der gesellschaftlichen Sozialisation niederschlägt.

          Für Adorno, der sich bezüglich der bürgerlichen Gesellschaft an der marxistischen Kapitalismusanalyse orientierte, waren die objektiven Bewegungsgesetze der bürgerlichen Gesellschaft vor allem durch ein sich verselbständigendes Prinzip der Profitmaximierung geprägt, was nach marxistischer Auffassung – und dem stimme ich zu – viele negative Folgewirkungen nach sich zieht.

          Gemäß Adornos dialektischer Gesellschaftsauffassung wirkt sich die Irrationalität dieser objektiven Bewegungsgesetze nun bis zu einem gewissen Grad – aber in signifikantem Ausmaß – in allen gesellschaftlichen Teilsystemen aus und das ist mit der Auffassung gemeint, dass es kein „richtiges Leben im Falschen gebe“.

          Nicht damit gemeint ist allerdings, dass die Gesellschaft bzw. alle gesellschaftlichen Teilsysteme zu 100 % „falsch“ seien, dass also irrationale gesellschaftliche Bewegungsgesetze die gesamte Gesellschaft zu 100 % zur Irrationalität determinieren würden, es bedeutet nur, dass kein gesellschaftliches Teilsystem von einem gewissen Maß an Irrationalität und Dysfunktionalität verschont bleibt. Daneben gibt es aber durchaus auch noch rationale und funktionale gesellschaftliche Aspekte.

          Adorno war, wie bereits erwähnt, eng verbunden mit und stark orientiert an den Werken der deutschen Hochkultur des 19. Jahrhunderts und kann in diesem Sinne als kulturkonservativ bezeichnet werden.

          Auch bejahte Adorno z.B. durchaus Reformen. Zwar glaubte er, dass die Auswirkungen von Reformen in einer Gesellschaft mit irrationalen gesellschaftlichen Bewegungsgesetzen zwangsläufig begrenzt seien, er warnte aber trotzdem davor Reformen gering zu schätzen:

          „Ich möchte dem aber noch eines hinzufügen, was vielleicht an dieser Stelle doch auch gesagt werden muss. Glauben Sie nicht, dass ich wegen der hier angemeldeten Alternative, nun über partikulare Verbesserungen, wie sie etwa die positivistischen Soziologen, soweit sie pragmatistisch orientiert sind, ja vorschlagen, gering dächte. Es wäre eine schlechte und eine idealistische Abstraktheit, wenn man um der Struktur des Ganzen willen die Möglichkeit von Verbesserungen im Rahmen der bestehenden Verhältnisse bagatellisieren würde oder gar – und auch daran hat es früher nicht gefehlt – negativ akzentuieren würde. Es läge darin nämlich ein Begriff von Totalität, der sich über die Interessen der jetzt und hier einzeln lebenden Menschen hinwegsetzt, und es gehört dazu eine Art von abstraktem Vertrauen auf den Gang der Weltgeschichte, das ich jedenfalls in dieser Gestalt schlechterdings nicht aufzubringen vermag. (…) Also ich würde denken, in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität sollte man dann auch mit dem Vorwurf des sogenannten Reformismus sehr viel sparsamer umgehen, als das im vorigen Jahrhundert und zu Anfang diesen Jahrhunderts vielleicht noch möglich war.“

          (aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 52)

        • @Christian:
          Kannst du ausschließen, dass diese Theorien aus der kritischen Theorie stammen oder daraus inspiriert sind?

          Kannst du ausschließen, dass Grimms Märchen den intersektionalen Feminismus inspiriert haben?

          Diese Fragestellung ist, wissenschaftlich betrachtet, schon für sich grober Unfug.

          Die Frage wäre, ob die Frankfurter Schule ein maßgebliches geistiges Fundament des intersektionalen Feminismus geliefert hat.

          Die geistige Wurzel des intersektionalen Feminismus liegt ganz klar im Cobahee River Collective. Für dieses Kollektiv wiederum war zuvörderst Das Private ist politisch maßgeblich. Also die radikale Verwerfung jeder Wissensproduktion, die außerhalb der „consciousness raising groups“ stattfand.

          Da liegt Mao wesentlich näher als die Frankfurter Schule.

        • @ Christian

          „Nehmen wir mal die Idee, das man alle Wissenschaft darauf überprüfen muss, inwieweit sie nur Herrschaft repliziert.“

          Ich nehme mal an, diese Formulierung soll sich irgendwie auf das beziehen, was Max Horkheimer einmal folgendermaßen ausdrückte:

          „Da möchte ich zunächst Ihnen den Unterschied zwischen der traditionellen und der kritischen Theorie klarmachen. Was ist traditionelle Theorie? Was ist Theorie im Sinne der Wissenschaft? Gestatten Sie mir eine Definition der Wissenschaft zu geben, die sehr vereinfacht ist: Wissenschaft ist die Ordnung der Tatsachen unseres Bewusstseins, die es schließlich gestattet, an der richtigen Stelle des Raumes und der Zeit jeweils das Richtige zu erwarten. Das gilt sogar für die Geisteswissenschaften: wenn ein Historiker mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit etwas behauptet, muss man nachher imstande sein, es in den Archiven bestätigt zu finden.
          Richtigkeit in diesem Sinne ist das Ziel der Wissenschaft; aber – und nun kommt das erste Motiv der Kritischen Theorie – die Wissenschaft selbst weiß nicht, warum sie gerade in dieser einen Richtung die Tatsachen ordnet und sich auf bestimmte Gegenstände konzentriert und nicht auf andere. Es mangelt der Wissenschaft an Selbstreflexion, die gesellschaftlichen Gründe zu erkennen, die sie nach der einen Seite, etwa auf den Mond, treiben und nicht zum Wohle der Menschen. Um wahr zu sein, müsste die Wissenschaft kritisch zu sich selber sich verhalten und auch zu der Gesellschaft, die sie produziert. Obwohl ich nicht sagen will, dass die Dinge, die heute im Vordergrund stehen, nicht notwendig sind (…), aber man sollte sich dieser Motive und Zusammenhänge wenigstens bewusst sein.“

          (aus: Max Horkheimer – Kritische Theorie gestern und heute (1969), in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 8: Vorträge und Aufzeichnungen 1949-1973, Fischer, 1985, S. 337 f.)

          Gemeint ist hier also, dass Wissenschaftler idealerweise die gesellschaftliche Funktion ihrer Forschungen kritisch mitreflektieren sollten und eine verantwortungsethische Einstellung und ein entsprechendes verantwortungsethisches Verhalten bezüglich der potentiellen Auswirkungen ihrer Forschungen entwickeln sollten. (Man berücksichtige hierbei, dass Max Horkheimer Anhänger von Arthur Schopenhauers Mitleidsethik war.)

          Nehmen wir um das Thema von Horkheimers Zitat schlaglichtartig zu erhellen, ein relativ aktuelles Film-Beispiel: Star Wars – Rogue One befasst sich unter anderem mit einem Wissenschaftler, der unfreiwillig am Bau einer Massenvernichtungswaffe für ein faschistisches Imperium beteiligt ist und dessen kritische Reflektion und verantwortungsethische Erwägungen ihn letztendlich dazu bringen zu versuchen diese Waffe zu sabotieren, um zu ermöglichen sie zu zerstören.

      • „Kritische irgendwas Forschung“ findet sich ja auch zu Hauf, etwa critical whiteness oder kritische Männerforschung, die sehen auch alle in dieser Tradition.

        Das weiss Leszek auch, er tut halt einfach nur so, wie wenn das alles nichts damit zu tun hätte, damit er selber weiterhin behaupten kann, dass linke Ideologie nichts mit ineresketionellem, männerverachtenden Feminismus zu tun hat. Er hat auch das Gefühl, dass wenn er aufzeigen kann, dass Strömung X aus seiner Sicht nicht argumentativ nicht aus Y hergeleitet werden kann, es gar nicht sein kann, dass andere sich darauf berufen und diese Mechanik dann gar nicht existieren kann, auch wenn man sie tausendfach im echten Leben beobachten kann.

        Nur um einen Köder zu werfen; alle deutschen Radikalfeministinnen haben das Geschlechterverhältnis als marxistischen Klassenkampf aufgefasst und bilden daraus ihre Theorien; das magische Denken ist nun zu behaupten, das gehe ja gar nicht, weil das auch der Sicht der echten Marxisten die Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse zerstöre – ergo können Radikalmfenistinnen das gar nicht aus dem Marxismus abgeleitet haben, weil das ja falsch sei. Dass dieser „Fehler“ schlussendlich aber die feministische ideologie in grossem Masse unterfüttert, unterstützt und geformt hat, wird einfach ignoriert, denn dann müsste man sich ja damit auseinandersetzen, warum ausgerechnet die eigene Ideologie solche Leute in Massen anzieht.

        Die gleichen peinlichen Taschenspielertricks werden in der Regel angewendet, wenn es darum geht zu „beweisen“, dass Feminismus eigentlich ja eine stockkonservative Ideologie ist und ergo gar nichts mit progressiven, egalitären Ansichten zu tun haben kann und eigentlich die anderen daran Schuld seien. Dann wird irgendwie so getan, wie wenn der ersehnte „Beweis“, dass Feminismus ja gar nichts mit der eigenen Ideologie zu tun habe, irgendeinen Mehrwehr liefern würde – nur hat es genau für diejenigen Personen einen Mehrwert, deren Hauptziel nicht darin besteht, Probleme zu bennnen, sondern die eigene Ideologie reinzuwaschen – wie wenn diese politische Verortung eine Linderung der Probleme bringen würde, wenn sich linke Agitatoren nun wieder sicher sein können, dass nur alle anderen Fehler machen können. Das einzige was hier wirklich konserviert wird, ist der Glaube an die eigene, überlegene Integrität im Angesichte überwältigender Beweise des Gegenteils.

        • Wenn ich mir aktuelle Bewegungen und ihre feministische Unterwanderung ansehe, dann liegt mir die Vermutung nahe, dass es seinerzeit mit den linken in der Tradition der kritischen Theorie genauso gelaufen ist: Feministinnen in ihrem Egozentrismus eignen sich die Begriffe an und machen daraus eine Geschichte, die sich um dann um sie dreht. Eine ganz typische Übernahme des Frames durch Frauen – und regelmäßig der Tod jedes emanzipatorischen Potentials.

          Das kann man aber gerade nicht der kritischen Theorie vorwerfen. Es ist eher sogar ein Qualitätsmerkmal, wenn es eine feministische Infiltrierung anzieht.

          Vorwerfen kann man den linken allenfalls, keine Tradition darin zu haben, Frauen in ihre Schranken zu verweisen. Oder überhaupt Frauen nicht zu verstehen.

          • „Die Ideen stammen daher und wurden abgewandelt“ ist auch kein Vorwurf.
            Wobei die kritische Theorie sich eben auch dafür eignet dort sehr subjektive Positionen einer h gerechteren Welt unterzubringen und entgegenstehende Fakten zu diskreditieren

        • @toxocvanguard @lh

          „das magische Denken ist nun zu behaupten, das gehe ja gar nicht, weil das auch der Sicht der echten Marxisten die Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse zerstöre – ergo können Radikalmfenistinnen das gar nicht aus dem Marxismus abgeleitet haben, weil das ja falsch sei.“

          Es ist deshalb falsch, weil sich die marxistische Einteilung nach gesellschaftlichen Klassen und Schichten entlang des Eigentums an oder des Verhältnisses zu dem Eigentum an den Produktionsmitteln vollzieht.

          Einer Fabrik, einer Zeitung, einem Warenhaus ist jedoch das Geschlecht des Besitzers oder eben der BesitzerIN völlig Wurst.
          Demzufolge ist das „Eigentum an den Produktionsmitteln“ auch prinzipiell genderneutral formuliert.

          Der radikale Feminismus hat SCHEINBAR das identische Vokabular verwendet, welches in dem hier skizzierten Kontext jedoch völlig sinnlos ist.
          Nach dem radikalen Feminismus wäre der Mann – qua Geschlecht – als „Ausbeuter“ gesetzt, es spielt gar keine Rolle, ob ihm irgendwelche Mittel gehören, mit denen er ausbeuten *könnte*.
          Umgekehrt wäre die Unternehmerin, die diesen Mann beschäftigt selbstverständlich unterdrückt. Grotesk.

          Das konnte nur im Kontext der Post-68er durchgehen, weil a. Feminismus als radikal/fortschrittlich galt, es b. mehr darum ging das vorhanden sein eines Jargons abzunicken und Gemeinsamkeiten festzustellen, statt diese/n kritisch zu hinterfragen – an diesem Punkt würde ich den Fehler der Linken sehen.
          C. darf man aber nicht vergessen, dass es immerhin eine ANSCHEINSplausibilität vieler Thesen gab. Vermögensverteilung, Top-Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft nach Geschlecht usw. – empirisch gesehen gab es durchaus „Beweise“.
          Dabei wurde selbstverständlich unterschlagen, dass eine Frau *selber* gar nichts besitzen muss, um ein *Anrecht* auf einen Besitz zu haben – des Mannes. Nach Scheidung und durch Erbe fand eine „magische“ Umverteilung statt.

          Der *radikale Feminismus* hatte sich m.E. bereits vor dem Aufkommen des poststrukturalistischen Feminismus selber zerlegt, weil sich in kurzer Zeit herausstellte, dass die spektakulären Änderungen bspw. hinsichtlich Bildungsabschlüssen nach Geschlecht in den letzten beiden Jahrzehnten der beste Beweis gegen ein Patriarchat sind, welches Frauen unterdrückt und ausbeutet, indem es ihnen Bildung bewusst vorenthält.
          Es ist schlecht möglich, „Grundlagen des Patriarchats“ zu behaupten, die sich jedoch permanent ändern müssen, weil sich die Geschlechterverhältnisse ändern, die ich aber vorher als unveränderbar dargestellt habe – wegen allmächtigem Patriarchat und so.

          Man kann radikalfeministisch bspw. behaupten, Schwulenfeindlichkeit sei für die männliche Sozialisation unabdingbar. Wenn empirische Sozialforschung jedoch das Sinken dieser in der männlichen Bevölkerung aufzeigt, dann wäre dieser Radikalfeminismus quasi gezwungen festzustellen, dass es immer weniger echte Männer gibt, weil die einfach nicht schwulenfeindlich genug sind.
          Was ich immer noch sehr, sehr komisch finde! 🙂

          So kommt man(n) tatsächlich darauf, dass der „Feminismus eigentlich ja eine stockkonservative Ideologie ist und ergo gar nichts mit progressiven, egalitären Ansichten zu tun haben kann“.
          Kommt nämlich hin.
          Was fällt dem Feminismus in Australien und Neuseeland als erstes ein, da immer weniger Paare heiraten?
          Umverteilung des männlichen Besitzes im Sinne eines 50%igen Anspruchs auf Haus und Haushalt nach mehrjährigem *Zusammenleben* mit einer Frau (OHNE Trauschein).
          War Ehe laut Bebel vorher eine verkappte Form der Prostitution, ist *jede Form von Partnerschaft* nunmehr eine offene.
          Besser kann man sich doch ideologisch nicht offenbaren.

          „Feministinnen in ihrem Egozentrismus eignen sich die Begriffe an und machen daraus eine Geschichte, die sich um dann um sie dreht.“
          Feministinnen *sind* Frauen und nehmen für sich in Anspruch, die Interessen *der* Frauen zu vertreten.
          D.h. Feministinnen vertreten durchaus ihre eigenen Interessen, die jedoch zumindest eine Schnittmenge mit der Gruppe für ihre Anliegen *relevanter Frauen* bilden müssen.
          Ich würde daher von notwendigem Gynozentrismus sprechen, nicht von Egozentrismus.

          Ansonsten stimme ich dir zu; gerade was die Enteignung von realen Opfergruppen betrifft durch Enteignung von sie beschreibenden Begrifflichkeiten sind sie Spitzenklasse.
          Hypnotische Sprachspielerei vom allerfeinsten und -finstersten.

          Gruß crumar

        • „Marx kann gar nicht von Hegel inspiriert worden sein, weil der im Gegensatz zu Marx kein Materialist war! Hegel ging es immer nur um den idealistischen Weltgeist!“

          No Marxist ever

        • @JC Denton

          Das ist so nicht bzw. teilweise richtig.

          Was Marx von Hegel erben wollte, war die Dialektik, nicht den Idealismus.
          Die (dem Anspruch nach) gewonnene *materialistische* Dialektik grenzte sich demzufolge ab von der idealistischen *und* dem mechanischen Materialismus.

          Es bereitet sehr viel Mühe, die Teilwahrheiten eines Hegel im wahrsten Sinne des Wortes aufzuheben.

          Gruß crumar

          PS: Das arme Schwein wird für immer als „der mit These, Antithese, Synthese“ bekannt sein. Das hat Hegel nie gesagt und kommt in keinem Werk vor – aber tausende von doofen Lehren haben es Millionen Schulpflichtigen so eingetrichtert.
          Ist das nicht ironisch? :)))

        • @ crumar

          „Was Marx von Hegel erben wollte, war die Dialektik, nicht den Idealismus.“

          Ich formuliere das mal um:
          „Was die Feministen von Marx erben wollten, war die Idee vom Klassenkampf (genauer: die Idee eines zentralen gesellschaftlichen Konflikts zweier Gruppen), nicht die Einteilung der Klassen in Proletarier und Kapitalisten.“

          Den Vorwurf, sie würden Marx damit damit von den Füßen auf den Kopf stellen, kann man ihnen natürlich machen. Das ändert aber nichts daran, dass sie von ihm inspiriert wurden.

        • Den Vorwurf, sie würden Marx damit damit von den Füßen auf den Kopf stellen, kann man ihnen natürlich machen. Das ändert aber nichts daran, dass sie von ihm inspiriert wurden.

          Jede Gesellschaftsanalyse muss notwendigerweise die Komplexität reduzieren. Die Kategorisierung oder die Einteilung in Klassen ist eine logische Konsequenz. Das ist aber (selbstverständlich) keine Erfindung von Marx, sondern lässt sich – wenig erstaunlich – bis in die Antike zurück verfolgen. Wenn sich Feministen an Marx anlehnen, dann wahrscheinlich nur, um irgendwie als progressiv und revolutionär zu gelten. Sie imitieren die Form (Klassenkampf) ohne den Inhalt zu übernehmen. So oberflächlich betrachtet könnte auch der Arbeitgeberverband, der sich im Interessenkonflikt mit dem Arbeitnehmerverband sieht, als von Marx inspiriert verstehen (sogar berechtigter).

      • „Nein, es gibt keine ideengeschichtliche Linie von der Kritischen Theorie zum intersektionalen Feminismus. Das sind nunmal verschiedene Theorietraditionen.“

        Ja, ausser, dass kritische Theorie überall im intersektionalen Feminismus benutzt wird…

        • @ toxicvanguard

          „alle deutschen Radikalfeministinnen haben das Geschlechterverhältnis als marxistischen Klassenkampf aufgefasst“

          Falsch. Sie haben es als radikalfeministischen Geschlechterkampf aufgefasst.

          „und bilden daraus ihre Theorien; das magische Denken ist nun zu behaupten, das gehe ja gar nicht, weil das auch der Sicht der echten Marxisten die Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse zerstöre – ergo können Radikalmfenistinnen das gar nicht aus dem Marxismus abgeleitet haben, weil das ja falsch sei.“

          Sie können es indirekt daraus abgeleitet haben, nur wird es deshalb noch längst nicht marxistisch und eben auch kein „marxistischer Klassenkampf“, denn der „marxistische Klassenkampf“ wird nunmal zwischen ökonomischen Klassen geführt und zur Bestimmung von Klassen gibt es im Marxismus ein rationales Kriterium, nämlich die Stellung zu den Produktionsmittelnl, unabhängig vom Geschlecht.

          Wenn z.B. ein Rechtskonservativer erklären würde, er fühle sich als Teil einer „unterdrückten Klasse“, die von der Klasse der „Gutmenschen“ unterdrückt würde, so wäre dies nunmal auch nicht marxistisch. Denn was marxistisch ist und was nicht, das bestimmt sich nach dem INHALT einer Aussage, nicht nach deren Struktur.

          „Ja, ausser, dass kritische Theorie überall im intersektionalen Feminismus benutzt wird…“

          Falsch.

        • Ja, kluge Bemerkung: Denn laut Biologismus sind die Gedanken eine Folge von Neuroanatomie und Neurobiochemie. Damit darf der Biologismus zwar Argumentieren, aber diese Argumente selbst nicht ernst nehmen: Denn es gibt keine Gründe – nur Ursachen und zwar solche, die einen evolutionären Mehrwert haben.

      • War doch irgendwie klar, dass es den linken Abschaum anzieht. Fuer selbstaendig denkende Menschen ist kritische Theorie, genauso wie Foucault/Derrida im wesentlichen geistiger Muell. Schlimmer noch, es ist gesellschaftszerstoerender Unfug, und das ist empirisch nachweisbar.

        Die Frankfurter Schule, die Postmodernisten, sowie die Feministinnen jeder Spielart greifen – zumindest wenn sie mit ihrer Utopie nicht mehr weiter kommen – immer auf den marxschen Klassenbegriff zurueck. Waehrend Marx noch real existierende Klassen abstrahierte, haben sich seine geistigen Nachkommen darauf konzentriert irgend welche Klassen zu konstruieren.

        Marcuse hat den Feministinnen das urbi et orbi fuer die Nutzung des marxschen Klassenbegriffs gegeben, wie ich in einem alten Blogpost bei mir schon nachwies. Der Rest der kritischen Theoristen war ja eher reclusiv.

        Marx lag mit seinem rein materialistischen Gesellschaftsmodell des 19. Jahrhunderts einfach falsch. Alles was auf Marx aufbaut ist damit zu verwerfen. Aus Falschem folgt Beliebiges.

        Wenn die religioes Linken sich mal mit Nietzsche beschaeftigen wuerden, anstatt den Marx basierten Unfug immer wieder aufzuwaermen kaemen sie vielleicht auch mal auf Erkenntnisse und Loesungen. Meist beschimpfen sie die Religionen nur anstatt sich mit ihnen auseinander zu setzen, denn sie verstehen sie offensichtlich nicht. Meine Guete, Religionen gibt es seit zigtausenden von Jahren, und neben viel unsinnigem Dogma beinhalten sie eben auch wahre Erkenntnisse der Menschheitsgeschichte. Mich interessiert das hohle Gesabbel der Marx-Juenger einfach nicht mehr, egal unter welchem Mantel sie sich verstecken.

        • „Waehrend Marx noch real existierende Klassen abstrahierte, haben sich seine geistigen Nachkommen darauf konzentriert irgend welche Klassen zu konstruieren.“

          Auch Marx hat seine Klassen sozial konstruiert. Klassen sind Ideen, keine physischen Objekte.

          „Marx lag mit seinem rein materialistischen Gesellschaftsmodell des 19. Jahrhunderts einfach falsch. Alles was auf Marx aufbaut ist damit zu verwerfen. Aus Falschem folgt Beliebiges.“

          Newtons Physik ist auch falsch. Sie wird aber trotzdem weiter verwendet, weil sie in den meisten Fällen hinreichend genau und damit nützlich ist (was ich von Marx hier aber nicht behaupten will).

          „Wenn die religioes Linken sich mal mit Nietzsche beschaeftigen wuerden, anstatt den Marx basierten Unfug immer wieder aufzuwaermen kaemen sie vielleicht auch mal auf Erkenntnisse und Loesungen.“

          Foucault hat sich mit Nietsche beschäftigt. Das Ergebnis ist bekannt. 🙂

        • Vielleicht möchte sich der arme Luisman ja ein bißchen mit der Nietzsche-Rezeption im Poststrukturalismus beschäftigen. Der Poststrukturalismus ist schließlich wesentlich eine nietzscheanische philosophische Strömung:

          Zu Friedrich Nietzsches Einfluss auf den Poststrukturalismus/Postmodernismus:

          Alan D. Schrift – Nietzsche’s French Legacy: A Genealogy of Poststructuralism

          https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/ID12013850.html?sq=Nietzsche%27s%20French%20Legacy:%20A%20Genealogy%20of%20Poststructuralism

          • […]Der Poststrukturalismus ist schließlich wesentlich eine nietzscheanische philosophische Strömung:[…]
            Eine, bei der Nietzsche im Grab rotiert? Du hast mal wieder bewiesen, dass Du vom einflussreichsten Philosophen der Neuzeit rein gar nichts verstanden hast.

        • Die Frankfurter Schule, die Postmodernisten, sowie die Feministinnen jeder Spielart greifen – zumindest wenn sie mit ihrer Utopie nicht mehr weiter kommen – immer auf den marxschen Klassenbegriff zurueck.

          Das ist falsch. Der marxistische Klassenbegriff ist keine beliebige Kategorisierung von behaupteten Interessengemeinschaften, sondern orientiert sich – nicht ausschliesslich, aber im Wesentlichen – an den Produktionsverhältnissen im Kapitalismus. Nicht jede Kategorisierung ist eine marxistische. Ziemlich ernüchternd, dass so etwas Triviales in Erinnerung gerufen werden muss.

          • Ja, wenn man selbst das Trivialste nicht verstanden hat. Vor der franz. Revolution gab es schon eine Gesellschaft die sich in Unterdrueckende (Adel) und Unterdrueckte einfach einteilen lies. Mit der industriellen Revolution loeste sich das auf. Nur weil unfaehige Leute halt nicht viel verdienen ist das nicht eine unterdrueckte Klasse. Aber genau auf dieser Basis hat Marx seine Rechtfertigung fuer eine sozialistische Revolution aufgebaut. Gut dass viele Arbeiter in den Industriestaaten das erkannt haben, dass sie eben keine Unterdrueckten sind und haben deshalb auf Marx gepfiffen. Wenn Marx nur Arbeiter und Kapitalisten als Klassen unterschieden haette, ohne das Unterdrueckungsbrimborium, haette sich evtl jemand fuer den Senf interessiert.

        • „Fuer selbstaendig denkende Menschen ist kritische Theorie, genauso wie Foucault/Derrida im wesentlichen geistiger Muell. Schlimmer noch, es ist gesellschaftszerstoerender Unfug, und das ist empirisch nachweisbar.“

          Korrekt. Ich möchte allerd noch hinzufügen, dass bereits Marxismus geistiger Müll ist.

        • Nur weil unfaehige Leute halt nicht viel verdienen ist das nicht eine unterdrueckte Klasse.

          Bitte verschone mich mit deinem religiös verbrämten libertären Schmarren. Wer viel verdient, hat es sich verdient. Dein Libertarismus scheitert an dem Gedanken, dass „verdienen“ zwei verschiedene Bedeutngsinhalte haben kann. Tragisch! Ein gesamtes Gedankengebäude fusst argumentativ auf einer Tautologie.

        • „Wie man an einer Sache vorbeireden kann ohne etwas beizutragen…“

          Wie man eine Sache kommentieren kann ohne etwas beizutragen…

        • Du verstehst halt das Konzept von Angebot und Nachfrage nicht.

          Mein lieber Adrian, um in deinem Sinne etwas nachzufragen, braucht es erst mal Kapital oder zumindest einen Kredit. Haste mal nen Euro? Man wird ja wohl noch nachfragen dürfen!

        • @ Adrian

          „Du verstehst halt das Konzept von Angebot und Nachfrage nicht.“

          Aber originell war sein Beitrag schon. Das können wir als gute Kapitalisten neidlos anerkennen. 🙂

        • @ Pjotr

          Wieviel verdient
          – eine Putzfrau
          – ein Polizist
          – ein Lehrer
          – eine Krankenschwester
          – ein Kassierer im Supermarkt
          – ein 08/15- Büroangestellter
          – ein Schauspieler
          – ein Profifußballer
          – ein Spitzenmanager
          – der US-Präsident?

        • @ Adrian

          „Meistens. Und weiter?“

          Pjotr: „Wer kein Geld hat, kann nichts nachfragen. Damit ist die Idee der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage widerlegt. Schachmatt, Libertarismus!“
          🙂

    • Ich hab ne ernste Frage.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Rule_34

      Bestimmt schon mal gehört.
      Wenn eine drohende Gefahr so unsexy ist, das nicht einmal Regel 34 sie finden kann, außer in Gay Porn
      (auch da keine Angst, die haben gerade genug um nen Kreis zu bilden) und in Form von Uniform Kink was oft mehr Erotik ist.
      Kann das sein?

      Ich frage deshalb, weil die NS Zeit ja wirklich in Form trashiger Filmchen wie Ilsa ‚aufgearbeitet‘ wurde.

      Und bei einer Ideologie wie dem NS, der ja mal in seiner nachträglichen Erklärung keine Penisreferenz auslässt?
      Um möglichst wenig sachlich zu sein und jede Bewertung abseits von #Denkt denn keiner an die Kinder!!!!?!!
      verbietet, da sollte doch was existieren.

  2. Ich hatte mal, schon vor Jahren, kurz auifgeschrieben, warum Gender Studies-Positionen sich nicht auf Adornoe berufen können. Ich zitiere mich einfach mal selbst:
    https://man-tau.com/2013/07/31/gender-studies-und-die-logik-der-feindschaft/

    „(…)
    Warum man mit Adorno keine Gender Studies basteln kann:

    Es lohnt sich, kurz einen Blick auf theoretische Hintergründe dieser Probleme zu richten. Manfred Köhnen wirft in der Schrift der grünen Heinrich-Böll-Stiftung zur Verteidigung der Gender Studies dem Blog „Kritische Wissenschaft“ vor, in seiner Gender Studies-Kritik einseitig die Position Karl Raimund Poppers zu vertreten und „noch nicht einmal eine Fußnote zum Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“ einzufügen (S. 45) – was übersetzt bedeutet, dass das Blog die durch Adorno prominent vertretene Gegenposition nicht würdige.

    Im Positivismusstreit, initiiert durch zwei 1961 gehaltene Vorträge Poppers und Adornos zur „Logik der Sozialwissenschaften“, geht es, kurz gefasst, um den Stellenwert empirischer Überprüfbarkeit von Theorien. Während für Popper sinnvolle wissenschaftliche Sätze prinzipiell empirisch widerlegbar sein müssen, zweifelt Adorno grundsätzlich an der Vertrauenswürdigkeit empirischer Daten in der Sozialwissenschaft. Einzelbeobachtungen seien immer durch gesellschaftliche Strukturen insgesamt geprägt, und Einzeldaten würden täuschen ohne „die Antizipation jenes strukturellen Moments, des Ganzen“.

    Wer also auf die einzelnen Daten baue, „sabotiert sich selbst samt dem Begriff der Wahrheit“, weil er übersehe, wie sehr sich in diesen Daten selbst „das gesellschaftliche Unwahre“ zeige. Knapp ausgedrückt: In einer Gesellschaft, die insgesamt falsch ist, kann man nach Adorno nicht naiv von der Richtigkeit einzelner Beobachtungen ausgehen.

    Es ist verständlich, dass diese Position für die Autoren einer Schrift interessant ist, die gegen ein „sehr enges Verständnis von Wissenschaftlichkeit“ (S. 7) argumentieren und damit eben die Zumutung empirischer Überprüfbarkeit wissenschaftlicher Positionen meinen. Allerdings können sie sich tatsächlich kaum auf Adorno berufen – und der Grund, warum sie das nicht können, ist charakteristisch für die Gender Studies insgesamt.

    Adorno distanziert sich in seinem Vortrag, darin Popper ausdrücklich zustimmend, von einer „Standpunktsphilosophie“ und „Standpunktssoziologie“ – der Gedanke, dass die parteiliche Sicht von einem bestimmten Klassenstandpunkt oder die „Sicht von unten“ „bessere Wissenschaft“ produziere, ist Adorno ebenso fremd wie Popper. Der Grund lässt sich erläutern an einer Schrift Adornos, die vier Jahre später erschien, an seinen „Meditationen zur Metaphysik“.

    „Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll. (…) Wer für Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllte. Nicht einmal Schweigen kommt aus dem Zirkel heraus; es rationalisiert einzig die eigene subjektive Unfähigkeit mit dem Stand der objektiven Wahrheit und entwürdigt dadurch diese abermals zur Lüge.“ (Meditationen zur Metaphysik, S. 62)

    Eine Kultur, in der Nationalsozialismus und organisierte Massenmorde in den Vernichtungslagern möglich wurden, ist für Adorno in radikaler Weise nicht vertrauenswürdig. Wer diese Kultur verteidige, produziere ebenso Müll wie derjenige, der sie kritisiere und ja doch zugleich ein Teil von ihr sei, und auch das Schweigen biete keinen Ausweg. Es ist dem gegenüber naiv, wenn Köhnen und co. glauben, dass das ja alles so sein möge – aber wer die Position von reflektierten Frauen einnehme und die heterosexuelle Matrix kritisiere, der habe eben doch einen Ausweg gefunden.

    Adornos systematische Produktion theoretischer Ausweglosigkeiten ist, wahlweise oder abwechselnd, in inspirierender oder ärgerlicher Weise provozierend – eine Grundlage für einen „Wissenschaftsbereich“ (S. 32) ist sie in keinem Fall. Wer Adorno wie Köhnen für die Gender Studies vereinnahmt, der simplifiziert seine Position ebenso wie die konservativen Kulturmarxismus-Schattenboxer, die Adorno und die Frankfurter Schule als Totengräber der westlichen Kultur phantasieren.“

  3. Ich verwende an dieser Stelle mal einen leicht abgewandelten Beitrag von mir aus einer anderen Diskussion.

    Ich denke, der Adorno-Schüler Albrecht Wellmer hat Recht, wenn er schreibt:

    „Innerhalb der kulturellen Szene der Bundesrepublik war Adorno mehr als ein vielbeachteter Kritiker und philosophischer Kommentator; er war vielmehr derjenige, der an den reaktionär verseuchten Traditionen der deutschen Kultur ihr Authentisches wieder freigelegt und dem Bewusstsein einer moralisch verstörten und in ihrer Identität gebrochenen Nachkriegsgeneration zugänglich gemacht hat. Es ist, als ob alle Anstrengungen dieser von den Nazis vertriebenen Intellektuellen sich darauf gerichtet hätten, den Deutschen ihre kulturelle Identität zu retten: Mit Adorno wurde es in Deutschland wieder möglich, intellektuell, moralisch und ästhetisch gegenwärtig zu sein und doch Kant, Hegel, Bach, Beethoven, Goethe oder Hölderlin nicht zu hassen. Auf diese Weise hat Adorno mehr als andere dazu beigetragen, dem allzu oft apologetisch verwendeten Begriffs eines „anderen Deutschlands“ einen legitimen Sinn zu geben. Seine konservativen Kritiker haben dies bis heute nicht verstanden.“

    (aus: Albrecht Wellmer – Die Bedeutung der Frankfurter Schule heute, in: Axel Honneth & Albrecht Wellmer – Die Frankfurter Schule und die Folgen, de Gruyter, 1986, S. 26)

    Die Hauptvertreter der ersten Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule waren in einem Ausmaß an die deutsche Hochkultur des 19. Jahrhunderts gebunden und mit jenen deutschen Werken in Philosophie, Musik und Literatur identifiziert und vertraut, die damals als die Höhepunkte der deutschen Kultur galten, wie es heute kaum noch vorstellbar ist. Sie waren in diesem Sinne kulturkonservativ, sahen sich als Träger und Vermittler der deutschen Hochkultur und agierten in diesem Sinne.

    Darüber hinaus gibt es von Marx Horkheimer einen bekannten moralischen Imperativ, der immanente Kritik an der westlichen Kultur (was immanente Kritik bedeutet, wird gleich erklärt) eng mit einer Bereitschaft zur Verteidigung der Errungenschaften der westlichen Zivilisation gegen autoritäre Kräfte verband.
    Bei zeitgenössischen menschenrechtlich orientierten linken Kritikern von Kulturrelativismus/Multikulturalismus und politischem Islam wird dieser moralische Imperativ Horkheimers manchmal zitiert.
    Er lautet:

    „Die sogenannte freie Welt an ihrem eigenen Begriff zu messen, kritisch zu ihr sich verhalten und dennoch zu ihren Ideen zu stehen, sie gegen Faschismus, Hitlerscher, Stalinscher oder anderer Varianz zu verteidigen, ist Recht und Pflicht jedes Denkenden.“

    Eine wichtige Dimension des Kritikbegriffs der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule ist der Aspekt der „immanenten Kritik“. Immanente Kritik ist eine Form der Kritik, bei der die Kritik an einer Sache nicht anhand von Werten und Prinzipien geleistet wird, die von außen an die zu kritisierende Sache herangetragen werden, sondern ausgehend von den zentralen Werten und Prinzipien der kritisierten Sache selbst.
    Die erste Generation der Frankfurter Schule integrierte verschiedene philosophische Strömungen, u.a. auch die Philosophie Hegels und vertrat ein dialektisches Verständnis von Kritik, bei der Kritik an fortschrittlichen Phänomenen immer nur immanente Kritik sein dürfe.
    Und als fortschrittlich betrachteten die Denker der Frankfurter Schule unter anderem die Aufklärung sowie die menschenrechtlichen Werte und Prinzipien der bürgerlichen Gesellschaft.
    Entsprechend konnte Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft für sie immer nur immanente Kritik sein. Adorno erklärt dies folgendermaßen:

    „Wenn man an einem Gebilde Kritik übt, dann kann diese Kritik – und das ist eine populäre Redeweise – entweder transzendente Kritik sein, das heißt, sie kann das Gebilde oder die Realität oder was immer es sei, messen an irgendwelchen Voraussetzungen, die dem Urteilenden zwar festzustehen scheinen, die aber nicht in der Sache sind; oder sie kann immanente Kritik sein, das heißt, sie kann woran Kritik geübt wird, messen an dessen eigenen Voraussetzungen, an seinem eigenen Formgesetz. Der dialektische Weg ist nun immer der, der immanenten Kritik, das heißt, es darf ganz in dem Sinn, den ich Ihnen eben entfaltet habe, nicht etwa an die Sache ein ihr äußerliches Kriterium herangebracht werden, keine „Versicherung“ und kein „bloßer Einfall“, sondern sie muss, um zu sich selber zu kommen, an sich, an ihrem eigenen Begriff gemessen werden. Wenn etwa Marx, um Ihnen ein Beispiel aus der materialistischen Dialektik zu geben, Kritik übt an der kapitalistischen Gesellschaft, dann kann das bei Marx niemals geschehen, indem er ihr eine sogenannte ideale, etwa eine sozialistische Gesellschaft gegenüberhält. Das ist bei Marx an allen Stellen sorgfältig vermieden, genau wie Hegel niemals an irgendeiner Stelle sich dazu hergegeben hat, die Utopie oder die verwirklichte Idee als solche auszumalen. Darüber herrscht in beiden Versionen der Dialektik ein schweres Tabu.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 50 f.)

    Entsprechend vertrat Adorno folgendes Verständnis der Funktionen seiner Soziologie:

    „Wenn Sie mich fragen, was Soziologie eigentlich sein sollte, dann würde ich sagen, es muss die Einsicht in die Gesellschaft sein, in das Wesentliche der Gesellschaft, Einsicht in das, was ist, aber in einem solchen Sinn, dass diese Einsicht kritisch ist, indem sie das, was gesellschaftlich „der Fall ist“, wie Wittgenstein gesagt haben würde, an dem mißt, was es selbst zu sein beansprucht, um in diesem Widerspruch zugleich die Potentiale, die Möglichkeiten einer Veränderung der gesellschaftlichen Gesamtverfassung aufzuspüren.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 31)

    Das Prinzip der immanenten Kritik ist nun allerdings ein Prinzip der Kritik, das nicht nur von politisch links stehenden Menschen verwendet werden kann, Max Horkheimer wurde ja bekanntlich in seiner Spätphase – leider (in meinen Augen) – immer konservativer:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45226214.html

    Trotz dieser Hinwendung Horkheimers zum Konservatismus war es für ihn weder nötig auf den Begriff „Kritische Theorie“ zu verzichten, noch die immanente Kritik zu verwerfen, denn – so Horkheimer – immanente Kritik sei auch bestens mit konservativem Denken vereinbar:

    „(…) Schopenhauer stand kritisch zur Welt, aber nicht kritisch im Sinne moderner Revolution, sondern kritisch im Sinne des Konservativen. (…) Er maß – wie sehr viele Konservative – die Welt an den Ideen, zu denen sie sich bekannte, und er fand einen krassen Unterschied; und das bestimmte weitgehend die Kritik, die er an der gesellschaftlichen Realität übte. Ich will jetzt nicht auf seine Metaphysik eingehen, die zwar sehr wichtig ist, sondern darauf hinweisen, dass die konservative Haltung ebenso kritisch sein kann, wenn sie eine wahre konservative Haltung ist, wie die ihr entgegengesetzte revolutionär-marxistische. Von Marx las ich erst nach dem Ersten Weltkrieg etwas, und ich fand manche Ähnlichkeit mit Schopenhauer, denn es schien mir, dass die Marxsche Lehre eigentlich ein Protest dagegen war, dass die Losungen der bürgerlichen Revolution – liberte, egalite, fraternite – in der Welt, die sich zu ihnen bekannte, nur für eine relative kleine Gruppe verwirklicht wurden. Und so kamen für mich diese beiden Denker zusammen.”

    (aus: Max Horkheimer – Verwaltete Welt. Gespräch mit Otmar Herrsche. In: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 7, Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973, S. 364)

    Die erste Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule waren Pioniere der empirischen Sozialforschung in der Weimarer Republik. Sie gehörten also zu den ersten Sozialwissenschaftlern in Deutschland überhaupt die empirische Sozialforschung betrieben, später im US-amerikanischen Exil bildeten sie sich bezüglich empirischer Sozialforschung weiter – die Sozialwissenschaften in den USA waren diesbezüglich nämlich schon weiterentwickelt als in Deutschland – und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nach dem 2. Weltkrieg importierten Adorno und Horkheimer also die damals fortschrittlichsten Methoden der empirischen Sozialforschung nach Deutschland und wendeten diese in ihren Untersuchungen am Frankfurter Institut für Sozialforschung an.
    Sie lehnten also keineswegs wissenschaftliche Standards ab.

    Der Unterschied zu denjenigen Sozialwissenschaftlern, die von den Vertretern der Kritischen Theorie leider gerne verallgemeinernd und undifferenziert als „Positivisten“ bezeichnet wurden, lag nicht daran, dass jene empirische Sozialforschung bejaht hätten und die Vertreter der Kritischen Theorie nicht, empirische Sozialforschung war für die Frankfurter Schule nicht nur selbstverständlich, sie waren diesbezüglich sogar Vorreiter – der wesentliche Unterschied lag vielmehr darin, dass die Vertreter der Kritischen Theorie vehement darauf bestanden, dass empirische Sozialforschung allein zum Verständnis der Gesellschaft nicht ausreiche, dass die Soziologie außerdem der Dialektik als geisteswissenchaftlicher Methode bedürfe.
    Und das begründeten sie auch – durchaus mit interessanten Argumenten. Diesbezüglich kann man anderer Meinung sein oder auch nicht – mit einer Ablehnung wissenschaftlicher Standards hat es nichts zu tun.

    Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule war übrigens dafür mitverantwortlich, dass die akademische Rezeption des Poststrukturalismus/Postmodernismus in Deutschland relativ verspätet einsetzte, denn viele Anhänger der Kritischen Theorie lehnten den Poststrukturalismus ab. Von Jürgen Habermas gibt es in seinem Buch „Der philosophische Diskurs der Moderne“ ja eine bekannte Kritik am Poststrukturalismus.

  4. Wo wir schonmal dabei sind, das folgende Horkheimer-Zitat zum hegelianischen Kritikverständnis finde ich übrigens großartig:

    „Indem der konkrete Inhalt als bedingt und abhängig erkannt, indem jede „endliche“ Wahrheit (…) „negiert“ wird (…), soll sie nach Hegel nicht einfach beim Aussondern des reinen Wissens durchs Sieb fallen. In der Erkenntnis der Bedingtheit jeder isolierten Ansicht, in der Ablehnung ihres unbeschränkten Wahrheitsanspruchs wird dieses Wissen nicht überhaupt zerstört, sondern jeweils als bedingte, einseitige, isolierte Ansicht in das System der Wahrheit aufgenommen.

    Durch nichts als dieses fortwährende kritische Beschränken und Korrigieren von Teilwahrheiten kommt dieses selbst als ihr konkreter Begriff, als Wissen von begrenzten Einsichten in ihren Grenzen und ihrem Zusammenhang zustande.

    Hegel hält dem Skeptizismus den Begriff der bestimmten Negation entgegen. Die fortschreitende Erkenntnis von Einseitigkeiten, das Weitergehen von einer isolierten Bestimmung zur anderen, worunter er keineswegs ein bloßes Aufreihen von Merkmalen, sondern die in allen Einzelheiten dem Leben der Sache folgende Darstellung versteht, diese Kritik jedes Begriffs und Begriffskomplexes durch seine fortschreitende Eingliederung in das vollständigere Bild des Ganzen eliminiert keineswegs die einzelnen Aspekte oder lässt sie auch nur im weiteren Denken unberührt, sondern jede negierte Einsicht wird im Fortgang der Erkenntnis als Moment der Wahrheit aufbewahrt, bildet einen bestimmten Faktor in ihr und wird mit jedem Schritt weiter bestimmt und verändert. Eben deshalb ist die methodische Form von These, Antithese und Synthese keineswegs als „lebloses Schema“ anzuwenden. Wenn in der Antithese jeweils das kritische, relativierende Moment gegenüber dem aufnehmenden, feststellenden eines Gedankengangs zum Ausdruck kommt, so bilden beide, These und Antithese, deshalb sogleich eine neue Einsicht, eine Synthese, weil das Negieren die ursprüngliche Ansicht nicht einfach verworfen, sondern vertieft und bestimmt hat.

    Am Ende kommt bei Hegel nicht die nackte Versicherung heraus, alles bestimmte Wissen sei vergänglich und nichtig, was wir erkennen, seien nur Erscheinungen im Gegensatz zu einem unerkennbaren Ding an sich oder einem intuitiv zu erschauenden Wesen. Wenn das Wahre nach Hegel das Ganze ist, so ist das Ganze nicht etwas von den Teilen in ihrer bestimmten Struktur Verschiedenes, sondern der gesamte Gedankengang, der alle beschränkten Vorstellungen jeweils im Bewusstsein ihrer Beschränktheit in sich schließt.“

    (aus: Max Horkheimer – Zum Problem der Wahrheit, in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 3: Schriften 1931 – 1936, S. 285 f.)

  5. Die Beziehungen zwischen Frauen und Männern wurden in einem der wichtigsten soziologischen Texte der Kritischen Theorie, eine Analyse des Geschlechterverhältnisses in der Weimarer Republik, in Abhängigkeit von den damaligen ökonomischen und soziologischen Strukturen als „gesellschaftliches Verhältnis“ interpretiert, zu dem beide Geschlechter, gemäß ihrer durch die ökonomischen und soziologischen Bedingungen determinierten Interessen ihren Beitrag leisteten und gerade nicht als einseitiges Unterdrückungsverhältnis wie im radikalen Feminismus. Die späteren Vertreterinnen des radikalen Feminismus lehnten diese Sichtweise natürlich ab.

    Max Horkheimer:

    „In doppelter Weise stärkt die familiale Rolle der Frau die Autorität des Bestehenden. Als abhängig von der Stellung und vom Verdienst des Mannes ist sie darauf angewiesen, daß der Hausvater sich den Verhältnissen fügt, unter keinen Umständen sich gegen die herrschende Gewalt auflehnt, sondern alles aufbietet, um in der Gegenwart vorwärtszukommen. Ein tiefes ökonomisches, ja, physiologisches Interesse verbindet die Frau mit dem Ehrgeiz des Mannes. Vor allem ist es ihr jedoch um die eigene ökonomische Sicherheit und die ihrer Kinder zu tun. Die Einführung des Wahlrechts der Frau hat auch in den Staaten, wo eine Stärkung der Arbeitergruppen erwartet wurde, den konservativen Mächten Gewinn gebracht.“

    (aus: Max Horkheimer – Autorität und Familie, in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 3: Schriften 1931 – 1936, S. 409)

    „Nicht allein durch die Sorge um die Familie selbst, sondern auch durch die beständig ausgesprochene und stumme Mahnung der Frau wird der Gatte dem Bestehenden verhaftet, und die Kinder erleben in der mütterlichen Erziehung unmittelbar das Einwirken eines der herrschenden Ordnung ergebenen Geistes (…).“

    (ebd. S. 410)

  6. Hier zwei Zitate von Theodor W. Adorno, die sich gut zur Kritik kollektivistischer Identitätspolitik eignen:

    „Gegenüber den kollektiven Mächten, die in der gegenwärtigen Welt den Weltgeist usurpieren, kann das Allgemeine und Vernünftige beim isolierten Einzelnen besser überwintern, als bei den stärkeren Bataillonen, welche die Allgemeinheit der Vernunft gehorsam preisgegeben haben.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Kritik. Kleine Schriften zur Gesellschaft, Suhrkamp, 1971, S. 84 f. )

    „Erleichtert wird das dem Einzelnen durch seine Kapitulation vorm Kollektiv, mit dem er sich identifiziert. Ihm wird erspart, seine Ohnmacht zu erkennen; die Wenigen werden sich zu Vielen. Dieser Akt, nicht unbeirrtes Denken ist resignativ. Keine durchsichtige Beziehung waltet zwischen den Interessen des Ichs und dem Kollektiv, dem es sich überantwortet. Das Ich muß sich durchstreichen, damit es der Gnadenwahl des Kollektivs teilhaftig werde. Unausdrücklich hat sich ein wenig Kantischer kategorischer Imperativ aufgerichtet: du mußt unterschreiben. Das Gefühl neuer Geborgenheit wird bezahlt mit dem Opfer autonomen Denkens.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Resignation, in: Gesammelte Schriften, Band 10.2, Kulturkritik und Gesellschaft II, S. 797 f.)

  7. Wo Leszek oben Recht hat ist, dass das meiste, was heute „kritische Theorie“ drauf schreibt, einfach nur pseudointellektuell rumblubbert („Dialektik“) und dann denkt, das wäre Wissenschaft.

    Das ist aber ein Problem, was Leute wie z.B. Popper an der kritischen Theorie recht schnell erkannt hat und sie deswegen von Anfang an für unwissenschaftlich hielt.

    Dass der logische Endpunkt der Frankfurter Schule nahezu zwingend ein „antything goes“ á la Feyerabend ist und deswegen sogar Kuhn der Astrologie (!) ihre Wissenschaftlichkeit nicht absprechen wollte, da epistemologische „Probleme“ ja nun nicht alles seien, macht das Ganze halt ein bisschen… beliebig.

    Das ist zwar gedanklich (und philosophisch) sehr interessant, aber unter dem Stich – um da Popper zu zitieren – „Unsinn“.

    Und deswegen liest man in den Gender Studies so viel Unsinn. Denn wenn man, wie Horkheimer und Adorno, unbedingt eine Gesellschaftskritik respektive Ideologie in der Wissenschaft haben will, muss man für gewisse „Beliebigkeiten“ offen bleiben. Deren Argumente sind nicht unbedingt schlecht, aber auch diese beiden hatten eine (marxistische, aber das ist egal) Agenda. Ihre Gegner wollten das v.a. deswegen nicht, weil man die marxistische Agenda problemlos durch z.B. eine nationalsozialistische oder auch ganz grundlegend misanthrope ersetzen könnte.

    Davon ist es aber nicht korrekt, wenn Leszek schreibt „Zeitgenössische Feministinnen haben davon in der Regel keine Ahnung und beziehen sich auch nicht darauf. “

    Die haben zwar keine Ahnung, beziehen sich aber sehr wohl darauf. Und da die „kritische Theorie“ weder eine Theorie in einem nützlichen Sinn ist noch irgendwelche klaren Ausschlusskriterien enthält, kann da auch keiner kommen und sagen „das ist Mist“, da es sich – freilich nicht so gewandt wie die alten weißen Männer, aber zumindest ausreichend – an den sehr beliebigen vorgespannten Rahmen hält.

    • Kuhn der Astrologie (!) ihre Wissenschaftlichkeit nicht absprechen wollte

      Das ist nicht richtig:

      Thomas S. Kuhn wendete gegen Poppers Argumentation ein, dass weder die Vorhersagemethoden noch der Umgang mit Falschprognosen die Astrologie aus dem wissenschaftlichen Kanon ausschließe. Astrologen hätten von jeher die epistemologischen Probleme ihres Vorgehens reflektiert, auf die Komplexität und Fehleranfälligkeit ihrer Methoden hingewiesen und unerwartete Ergebnisse diskutiert. Für ihn ist Astrologie aus einem anderen Grund keine Wissenschaft: Astrologie sei ihrem Wesen nach eher praktisches Handwerk, darin dem Ingenieurswesen, der Meteorologie oder der frühen Medizin ähnlich. So gab es Regeln und Erfahrungswissen, aber keine übergeordnete Theorie. Im Mittelpunkt stand Anwendung, nicht Forschung.[12] Ohne theoriegeleitete Problemlösung habe die Astrologie keine Wissenschaft werden können, selbst wenn die Annahme richtig gewesen wäre, dass die Sterne das menschliche Schicksal bestimmen. Auch wenn Astrologen testbare Vorhersagen trafen und feststellten, dass diese nicht immer zutrafen, bildeten sie keine wissenschaftstypischen Strukturen aus (Normalwissenschaft).

      https://de.wikipedia.org/wiki/Astrologie#Wissenschaftstheoretische_Einordnung

      • Das verlässt aber die Theorie. Weil es innerhalb der Theorie eben nicht geht. Schreibt Kuhn auch selbst, deswegen kommt ja dann das rumgeeiere, was es bis zur Wikipedia schafft. Lies halt mal Kuhn selber.

      • Das verlässt aber die Theorie. Weil es innerhalb der Theorie eben nicht geht. Schreibt Kuhn auch selbst, deswegen kommt ja dann das rumgeeiere, was es bis zur Wikipedia schafft. Lies halt mal Kuhn selber.

        Ich hätte aber vielleicht besser „konnte“ statt „wollte“ geschrieben, das war unfair gegenüber Kuhn

      • Und „dass weder die Vorhersagemethoden noch der Umgang mit Falschprognosen die Astrologie aus dem wissenschaftlichen Kanon ausschließe“ gilt villeicht in Kuhns Erkenntnistheorie, aber nicht in Poppers.

        • Schon klar, weil die Behauptung eines Einflusses der Sterne auf Glück oder Pech im Leben nicht falsifizierbar ist.

          Ebensowenig wie Behauptung eines Einflusses der Frankfurter Schule auf den intersektionalen Feminismus.

        • „Ebensowenig wie Behauptung eines Einflusses der Frankfurter Schule auf den intersektionalen Feminismus.“

          Selbstverständlich ist diese Behauptung falsifizierbar. Man müsste nur schauen, ob intersektionale Feministen Autoren der Frankfurter Schule oder andere, die von ihr beeinflusst wurden, in ihren Schriften oder Reden zustimmend zitieren.

        • Man müsste nur schauen, ob intersektionale Feministen Autoren der Frankfurter Schule oder andere, die von ihr beeinflusst wurden, in ihren Schriften oder Reden zustimmend zitieren.

          Wenn maßgebliche intersektionale Feministeninnen zustimmend zitieren, dann wäre das (unter der Voraussetzung, dass sie sich dabei auf die Kerngedanken beziehen) eine Verifikation.

          Wenn sie dies nicht tun beweist das nicht, dass sie nicht dennoch von diesem Gedankengut beeinflusst wurden.

        • Klar, der Einfluss könnte auch weniger offensichtlich sein. Grundsätzlich ließe sich das aber nachweisen (wenn es denn zutrifft).

        • Eine Falsifikation wäre allerdings „Der intersektionale Feminismus wurde _nicht_ von der Frankfurter Schule beeinflusst“. Ein „Nicht“ kann man aber nicht beweisen.

          Findige Anhänger werden immer eine Begründung dafür finden, warum der intersektionale Feminismus aber trotzdem ein geistiges Kind der Frankfurter Schule ist.

        • Es ging darum, ob die Behauptung eines Einflusses der Frankfurter Schule auf den intersektionalen Feminismus falsifizierbar ist. Und die Falsifikation dieser Behauptung wäre das mit dem „Nicht“.

        • Selbstverständlich ist diese Behauptung falsifizierbar. Man müsste nur schauen, ob intersektionale Feministen Autoren der Frankfurter Schule oder andere, die von ihr beeinflusst wurden, in ihren Schriften oder Reden zustimmend zitieren.

          Was aber, wenn sie gar nicht verstanden, was die Frankfurter Schule eigentlich lehrte? Bei Feministen keine all zu weit hergeholte Vermutung.

        • Was aber, wenn sie gar nicht verstanden, was die Frankfurter Schule eigentlich lehrte? Bei Feministen keine all zu weit hergeholte Vermutung.

          Eine überprüfbare These müsste eben konkrete Inhalte benennen, die tatsächlich die Frankfurter Schule auszeichnen und deren Kern wiedergeben.

          Ansonsten wird alles von allem „irgendwie“ beeinflußt und natürlich picken sich Feministinnen von überall selektiv Fragmente, solange sie irgendwie geeignet erscheinen bzw. so verbiegbar sind, dass sie ihren Kampf gegen das Weltpatriarchat geistig unterfüttern.

        • Das nützt dir auch nix, Luisman.

          Herbert Marcuse hat viele gute Sachen geschrieben, (z.B. „Der eindimensionale Mensch“ ist m.E. auch heute noch lesenswert), aber Marcuses persönliche Feminismus-Interpretation in seinem Spätwerk ist auch aus links-maskulistischer Perspektive kritikwürdig.

          Nur hat Marcuses Feminismus-Auffassung offensichtlich nichts mit dem intersektionalen Gender/Queer-Feminismus zu tun. Dass sich Gender-Feministinnen nicht auf Marcuses-Feminismus-Interpretation beziehen, kann nicht nur leicht nachgewiesen werden, es kann sogar leicht verstanden werden, warum sie es nicht tun.

          Die falsche Behauptung, die (zum Glück wenigen) Texte zum Feminismus in Marcuses Spätwerk wären in irgendeiner Weise ideengeschichtlich bedeutsam (oder hätten etwas mit den heute vorherrschenden feministischen Strömungen zu tun) hatten Nick und ich bereits vor Jahren auseinandergenommen, kann in diesem Strang hier nachgelesen werden:

          https://allesevolution.wordpress.com/2014/01/04/selbermach-samstag-lxvi/

          Auch Nina Power als eine der sehr seltenen Feministinnen, die sich heute positiv auf Marcuses Feminismus-Interpretation beziehen, erwähnt übrigens den geringen ideengeschichtlichen Einfluss von Marcuses Feminismus-Interpretation (gegen Ende dieses Artikels):

          “Marcuse’s contribution to feminism—and feminism’s contribution to Marcuse—may be a thing of marginal historical importance (…)

          http://www.academia.edu/23807591/Marcuse_and_Feminism_Revisited

          Dass Marcuse für jene postmodernistischen Strömungen, die vom linken Maskulismus aufgrund ihres Verhaftetseins in politisch korrekter Ideologie kritisiert werden, völlig irrelevant ist, hatte ich ja schon häufiger anhand von Einführungsbüchern/Lehrbüchern zu diesen Strömungen belegt. Es sei an dieser Stelle wiederholt und anschließend erkläre ich dir dann mal, warum intersektionale Gender-Feministinnen sich in der Regel nicht die Bohne für Marcuses Feminismus-Interpretation interessieren.

          Zieht man Einführungswerke zu Gender-Studies/Queer-Theorie/Critical Whiteness etc. heran, Werke, in denen die wirklichen theoretischen und ideengeschichtlichen Grundlagen der entsprechenden Strömungen dargestellt werden, dann lässt sich die tatsächliche Relevanz von Marcuse für die Theoriebildung in diesen Strömungen ziemlich eindeutig ermitteln.

          Ich führe daher mal wieder ein paar Einführungswerke zu Critical Whiteness, Gender Studies, Queer etc. auf, die ich besitze und deren Literaturverzeichnis oder Personenregister ich (soweit vorhanden) nach Marcuse durchsucht habe:

          Franziska Schößler: Einführung in die Gender Studies – enthält ein Literaturverzeichnis und Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Nina Degele: Gender/Queer Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Andreas Kraß: Queer Denken – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Gabriele Winker, Nina Degele: Intersektionalität. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Therese Frey Steffen: Gender – enthält eine kommentierte Bibliographie, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Annamarie Jagose: Queer Theory – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Hadumond Bußmann & Renate Hof : Genus- Geschlecherforschung/Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften – enthält ein Personenregister, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Heinz-Jürgen Voss/Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Leah Bretz &Nadine Lantzsch – Queer-Feminismus. Label & Lebensrealität – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Katharina Röggla: Critical Whiteness Studies – enthält ein Literaturverzeichnis, Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          Renate Kroll (Hrsg.): Metzler Lexikon Gender Studies – kein Eintrag zu Herbert Marcuse. Unter dem Eintrag “Kritische Theorie” wird lediglich erwähnt, dass es mal Feministinnen gab, die sich auf Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” bezogen haben. Da es sich hierbei um das bekannteste Werk der Frankfurter Schule handelt, wäre es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass es nie eine Feministin gegeben hätte, die sich mal irgendwie darauf bezogen hätte. Von einem nennenswerten Einfluss der Frankfurter Schule auf die Gender Studies ist in dem Eintrag natürlich nicht die Rede, von einem Einfluss von Herbert Marcuse auf die Gender Studies erst Recht nicht.

          Luca Di Blasi – Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest – enthält ein Literaturverzeichnis: Herbert Marcuse kommt darin nicht vor.

          In den genannten Büchern wird Herbert Marcuse also noch nicht mal am Rande erwähnt, sein Werk ist im Allgemeinen für die Theoriebildung des US-amerikanischen Poststrukturalismus/Postmodernismus irrelevant.

          (Und nein, Luisman, das wird auch nicht dadurch widerlegt, dass man die Begriffe „Marcuse“ und „Gender“ in eine Suchmaschine eingibt und dann darauf verweist, dass viele Ergebnisse erscheinen – das lässt sich nämlich mit jedem bekannten Namen so machen und es erscheinen dann immer viele Ergebnisse. Auf diese Weise kann mal alles „beweisen“ – also nichts.)

          Warum interessieren sich intersektionale Gender-Feministinnen also nicht für Marcuses Feminismus-Interpretation? Eben deshalb, weil diese in gravierendem Widerspruch zu den theoretischen Grundlagen des Gender-Feminismus steht.

          (Und natürlich hat sich erst Recht nie irgendeine marxistische Strömung für Marcuses Feminismus-Interpretation interessiert – mit guten Gründen.)

          Ich schrieb dazu damals u.a. in dem oben verlinkten Diskussionsstrang:

          „Der Text „Marxismus und Feminismus“ von Marcuse ist in gewisser Hinsicht ein amüsantes Beispiel für einen Text, der zwangsläufig sowohl im vorherrschenden Feminismus als auch im Marxismus einflusslos bleiben musste, weil er mit deren zentralen theoretischen Grundlagen nicht vereinbar ist.

          Teils argumentiert Marcuse hier gleichheitsfeministisch: Mann und Frau seien ursprünglich eigentlich psychologisch identisch und langfristig würde es zu einer weitgehend androgynen Entwicklung kommen.
          Dann folgt aber auf einmal eine Wendung hin zu einer quasi differenzfeministischen Argumentation: Es habe sich aber dennoch im Laufe der Geschichte eine „zweite Natur“ von Mann und Frau herausgebildet, die nicht so einfach abgelegt werden könne.
          Und dann driftet er quasi ab in esoterischen Feminismus: Die kapitalistische Gesellschaft sei zu stark von der Männlichkeit geprägt, daher müsse die Gesellschaft nun weiblicher werden. Also quasi: Die Gesellschaft ist zu yang-orientiert, sie muss nun yin-orientierter werden – so sagt er es zwar nicht wörtlich, aber auf diese Standardfloskel des esoterischen Feminismus läuft es sinngemäß hinaus.

          Jeder mit ein bißchen Grundkenntnis in feministischer und marxistischer Theorie kann sich leicht vorstellen, wie die typische Gleichheitsfeministin und der typische Marxist darauf wohl reagieren: Beide wenden sich natürlich mit Grausen ab, die Feministin, weil es ihr zu geschlechter-essentialistisch rüberkommt, der Marxist, weil eine solche „Kapitalismuskritik“ nun wirklich gar nichts mehr mit der marxschen Theorie zu tun hat.

          (…)

          Ich kenne keine feministische, keine marxistische und keine postmoderne Strömung für die dieser Text von Marcuse rezeptions- und theoriegeschichtlich bedeutsam wäre.
          (Mal abgesehen davon, dass diesen Text heutzutage ohnehin kaum jemand kennt.)“

          Außer zum esoterischen Feminismus weist Marcuses Feminismus-Interpretation m.E. potentiell auch Anknüpfungspunkte zum Differenz-Feminismus im ursprünglichen französischen Poststrukturalismus auf, z.B. zu der auf Luce Irigaray zurückgehenden differenzfeministischen Strömung. Allerdings sind mir auch dort bislang keine Bezugnahmen auf Marcuses Feminismus-Interpretation bekannt, aber dort wäre es zumindest vorstellbar. Aber doch nicht im Gender-Feminismus, der eine besonders extrem gleichheitsfeministisch ausgeprägte Variante des Feminismus darstellt. Für den Gender-Feminismus ist Marcuses merkwürdige Synthese aus gleichheitsfeministischen und differenzfeministischen Aspekten aufgrund der differenzfeministischen und (aus gender-feministischer Perspektive) geschlechter-essentialistischen Elemente, die in Marcuses Feminismus-Interpretation eine wichtige Rolle spielen, unannehmbar.

          Keine Gender-Feministin würde die differenzfeministische Idee akzeptieren, dass Frauen ihre weibliche „zweite Natur“ stärker in die Gesellschaft einbringen sollten, das wäre das Gegenteil einer „Dekonstruktion von Geschlecht“.

          Und selbst dort, wo Marcuse von einer „androgynen Gesellschaft“ als Endziel spricht – die aber gemäß Marcuses Feminismus-Interpretation erst nach der „differenzfeministischen Phase“, in welcher Frauen ihre „Weiblichkeit“ stärker in die Gesellschaft einbringen sollen, entstehen kann – bleibt noch ein gravierender Unterschied zum Gender-Feminismus – Marcuse lehnt nämlich Ansichten, wie die von Judith Butler vertretene, dass auch das biologische Geschlecht als soziale Konstruktion angesehen werden sollte, ausdrücklich ab.

          Herbert Marcuse:

          „Das ist auch die Grenze jeder Interpretation einer möglichen androgynen Gesellschaft. Das kann nicht heißen, dass in einer solchen Gesellschaft, alle Individuen gleichzeitig, bis in die biologischen Qualitäten hinein, Männer und Frauen werden. Androgyn kann nur heißen, wenn es überhaupt einen Sinn hat, dass in einer solchen Gesellschaft Mann und Frau, jeder in seiner Individualität, nicht mehr die Vorherrschaft männlich aggressiver und weiblich rezeptiver Qualitäten darstellt, sondern dass beide, männliche und weibliche Qualitäten, in der ganzen Existenz der Individuen zu einer Einheit zusammengeschlossen werden. Aber es kann nie heißen, dass Mann Frau oder Frau Mann werden sollten.“

          (aus: Gespräch mit Herbert Marcuse: Zum Aufsatz „Marxismus und Feminismus“, in: Wolfgang Dreßen (Hg.) – Jahrbuch Politik 7, Politik 66, Wagenbach, 1976, S. 53)

          Des Weiteren mißverstehst du Marcuses Ansichten zu geschlechtsbezogener Diskriminierung/Unterdrückung, Marcuse war keineswegs der Ansicht, dass nur Frauen diskriminiert/unterdrückt würden und die Männer nicht. Wenn Marcuse von „patriarchalisch“ spricht, dann hat er dabei eine Gesellschaft im Sinn, bei der einige wenige Männer an der Spitze stehen und alle anderen Männer und Frauen in spezifische Unterdrückungskontexte eingebunden sind.

          Herbert Marcuse:

          „War es wirklich so einseitig? War die Frau immer so viel unglücklicher und erniedrigter als der Mann? Ich halte es für unzulässig, die Frau zum alleinigen und absoluten Opfer der Weltgeschichte zu erklären.
          Ich habe vor einiger Zeit einmal absichtlich provoziert, indem ich sagte, dass ich in den Bildbeilagen des Playboy-Magazins nicht etwas sehen könnte, das mit ausreichenden Gründen als Ausbeutung zu bezeichnen wäre. Dies Ausbeutung nennen heißt, die wirkliche Ausbeutung zu kaschieren, herunterspielen (…).”

          (aus: Jürgen Habermas, Silvia Boventschen u.a. – Gespräch mit Herbert Marcuse, Suhrkamp, 1978, S. 84)

          „(…) falls die Emanzipation nur oder hauptsächlich darin besteht, dass die Frau an dem gesellschaftlich bestehenden Berufssystem, an der gesellschaftlich bestehenden Teilung der Arbeit ihren Anteil hat, größeren Anteil als zuvor, dann heißt das nur, dass die Frau im gleichen Maße auch an der Repression, die in dieser gesellschaftlichen Teilung der Arbeit sich ausdrückt, Anteil hat, das heißt, dass sie jetzt derselben Repression ausgesetzt ist, der früher der Mann als Berufstätiger ausgesetzt war. (…) Denn die Emanzipation der Frauen zum Berufsleben emanzipiert nicht die Frau als Frau, sondern verwandelt die Frau in ein Arbeitsinstrument.“

          (aus: Emanzipation der Frau in der repressiven Gesellschaft. Ein Gespräch mit Herbert Marcuse, in: Das Argument, 4. Jahrgang 1962, Heft 4, 7. Auflage März 1972)

          „Innerhalb der bestehenden Struktur sind weder Männer, noch Frauen frei – die Entmenschlichung der Männer ist möglicherweise sogar größer, als die der Frauen (…)“.

          (aus: Herbert Marcuse – Konterrevolution und Revolte, Suhrkamp, 1973, S. 91)

          Leider verfiel Marcuse nun auf die Schnapsidee, der Feminismus könne die Männer mitbefreien:

          „Ich habe (…) gesagt (…): Von der Emanzipation der Frau zur Emanzipation des Mannes zur Emanzipation der Gesamtgesellschaft.“

          (aus: Jürgen Habermas, Silvia Boventschen u.a. – Gespräch mit Herbert Marcuse, Suhrkamp, 1978, S. 77)

          Marcuses Insistieren darauf, dass Männer keineswegs allgemein privilegiert sind, sondern ebenfalls unterdrückt werden – und zwar nicht ein bißchen, sondern durchaus stark – wäre für Gender-Feministinnen allerdings natürlich unannehmbar.

          Des Weiteren lehnte Marcuse bekanntlich die Auffassung, dass das Private politisch sei, ab:

          „Ich habe immer den Wert der Privatheit ungeheuer hoch geschätzt und kann mir keine anständige Gesellschaft vorstellen, in der dieser Bereich des Privaten nicht beschützt würde.“

          (aus: Gespräch mit Herbert Marcuse, in: links, Jg.5 (1974), Nr.60 (November 1974), S. 9 – 10.)

          “Solche individuelle Befreiung bedeutet jedoch ein Überwinden des bürgerlichen Individuums (…) und gleichzeitig eine Wiederherstellung jener Dimension des Ichs, der Privatheit, die einst von der bürgerlichen Kultur geschaffen wurde.“

          (aus: Herbert Marcuse – Konterrevolution und Revolte, Suhrkamp, 1973, S. 61)

          “Im äußersten Fall ‚löst sich’ der Konflikt zwischen privaten und öffentlichen Werten in völliger Gleichschaltung ‚auf’: das Indivduum denkt, fühlt und wertet privat, wie in der ‚öffentlichen Meinung’ gedacht, gefühlt und gewertet wird und wie dies sich in öffentlichen politischen Maßnahmen und Erklärungen ausdrückt. (…) Eine solche Gleichschaltung kann durch Terror, durch die standardisierenden Tendenzen der ‚Massenkultur’ oder durch eine Kombination beider erreicht werden. Die Kosten für das Individuum und für die Gesellschaft sind unvergleichlich größer, wenn sie durch Terror zustande kommt, und der Unterschied kann durchaus der zwischen Leben und Tod sein. Am Ende des Gleichschaltungsprozesses jedoch, nachdem die Konformität erfolgreich hergestellt wurde, ist die Auswirkung auf die Hierarchie der Werte tendenziell die gleiche: die individuelle Denk- und Gewissensfreiheit scheint ihren unabhängigen und unbedingten Wert zu verlieren und in der Vereinheitlichung von privatem und öffentlichem Dasein unterzugehen”

          (aus: Herbert Marcuse – Die Gesellschaftslehre des sowjetischen Marxismus, S. 199 f.)

          „Der Drang nach mehr »Lebensraum« macht sich nicht nur in internationaler Aggressivität geltend, sondern auch innerhalb der Nation. Hier ist die Expansion in allen Formen der Zusammenarbeit, des Gemeinschaftslebens und Vergnügens in den Innenraum der Privatsphäre eingedrungen und hat praktisch die Möglichkeit jener Isolierung ausgeschaltet, in der das Individuum, allein auf sich zurückgeworfen, denken, fragen und etwas herausfinden kann. Diese Art Privatsphäre – die einzige Bedingung , die auf der Basis befriedigter Lebensbedürfnisse der Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens Sinn verleihen kann – ist seit langem zur teuersten Ware geworden, nur den sehr Reichen verfügbar (die keinen Gebrauch von ihr machen). Auch in dieser Hinsicht offenbart die “Kultur” ihre feudalen Ursprünge und Schranken. Sie kann nur (…) demokratisch werden, wenn es nämlich der Gesellschaft gelingt, die Vorrechte der Privatsphäre wieder herzustellen, indem sie sie allen gewährt und bei jedem einzelnen schützt. (…)
          Kann eine Gesellschaft, die außerstande ist, das private Dasein des Individuums auch nur in den eigenen vier Wänden zu schützen, rechtmäßig behaupten, dass sie das Individuum achtet und eine freie Gesellschaft ist? Sicher ist eine freie Gesellschaft durch mehr und grundlegendere Errungenschaften gekennzeichnet als durch private Autonomie. Und doch beeinträchtigt deren Fehlen selbst die augenfälligsten Institutionen der ökonomischen und politischen Freiheit – dadurch, dass in ihren verborgenen Wurzeln keine Freiheit anerkannt wird.”

          (aus: Herbert Marcuse – Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, dtv, 2008, S. 255 f.)

          Und dann sind auch noch Marcuses Vorstellungen von sexueller Freiheit (z.B. in seinem Buch „Triebstruktur und Gesellschaft“) mit den sexualrepressiven Aspekten des Gender-Feminismus unvereinbar (man denke an das sexualfeindliche gender-feministische Zustimmungsprinzip, Critical Hetness, Dämonisierung männlicher Sexualität, das derzeitige sexual-repressive Klima an US-amerikanischen Universitäten etc.).

          Es gibt also mindestens fünf zentrale Aspekte, in denen Marcuses Feminismus-Interpretation dem Gender-Feminismus deutlich widerspricht:

          – Marcuses Feminismus-Interpretation stellt eine eigentümliche Mischung aus gleichheits-feministischen und differenz-feministischen Aspekten dar. Die differenz-feministischen Aspekte sind aus gender-feministischer Perspektive geschlechter-essentialistisch und genau das, wogegen sich der Gender-Feminismus richtet.

          – Marcuse lehnt die Auffassung ab, auch das biologische Geschlecht sollte als soziale Konstruktion verstanden werden.

          – Marcuse lehnt die Auffassung ab, dass nur Frauen unterdrückt würden und dass Männer allgemein privilegiert seien, aus seiner Perspektive werden beide Geschlechter unterdrückt.

          – Marcuse lehnt die Auffassung ab, dass das Private politisch sei.

          – Marcuse bejaht sexuelle Freiheit und steht damit im Widerspruch zu den sexualrepressiven Aspekten des zeitgenössischen Gender-Feminismus.

          Kein Wunder also, dass Gender-Feministinnen in der Regel für Marcuse nichts übrig haben.

        • Hier habe ich noch ein passendes Zitat aus einem Artikel zu Herbert Marcuses Ästhetik:

          „Marcuses Ästhetik hat einen anthropologischen Aspekt. Gegen kulturalistische Theorien insistiert sie darauf, dass es eine Naturbasis des Menschen gibt, die sich nicht, wie heute in der Sicht der „Gender Studies“, auf Kodierungen und Konventionen reduzieren lässt.“

          (aus: Gerhard Schweppenhäuser – „Ein Gemälde von Cezanne ist auch auf dem Klosett ein Gemälde von Cezanne“. Kunst, Alltagskultur und ready-made bei Marcuse, in: (Hg.) Rainer Winter & Peter V. Zima – Kritische Theorie heute, Transcript, 2007, S. 165)

  8. Gelungene Spaßtheorie um zu schauen wer wie narzisstisch ist.
    Da wird’s auch viele exzellente Denkerinnen hintreiben, das ist ja wie sich zusammen auf dem Heuballen auszumalen wie das Wochenende im Zauberschloss wird.
    Wie Barbie, aber in echt! Und man darf auch darüber schreiben.
    Ist der Kerl kurz danach gestorben zufällig?
    Sowas sollte man beenden, ist schon etwas frauenfeindlich alleine durch seine Existenz.

        • Und auch die Theorie, die behauptet, die liberale Demokratie sei die Vorstufe zum Faschismus?

          Hättest du „plutokratische Scheindemokratie“ gesagt, so wie in den USA verwirklicht, wäre die Aussage korrekt.

        • @Adrian:
          „Und dennoch gab es in der USA nie Faschismus.“

          Ein oligarchisch regiertes pseudodemokratisches Land, mit einer ausufernden Mafia (Geheimdienste) die direkt am Steuertopf sitzen und niemandem Verantwortung zollen, eine Oberschicht, die (übrigens durchaus zum Schaden der Bürger), versucht sich die Welt gefügig zu machen, eine Vermögens- (und damit Macht-)verteilung die Monarchien lächerlich wirken lässt, ist für dich nicht faschistisch?

          Wie genau ist denn deine Definition von Faschismus?

          • „ist für dich nicht faschistisch?“

            Nein.

            „Wie genau ist denn deine Definition von Faschismus?“

            Eine autoritäre Herrschaft. Das sind die USA nicht. Was politische Mitbestimmung angeht sind die USA demokratischer als alle europäischen Staaten, abgesehen von der Schweiz.

        • Wärst Du Vietnamese in Hanoi zur Zeit des Vietnamkrieges, dann wärst Du Dir nicht so sicher. Es ist ein Merkmal des US-amerikanischen „Humanismus“, dass die Menschenrechte nicht mal ansatzweise als universell verstanden werden sondern als die exklusiven Rechte US-amerikanischer Bürger.

        • Eine autoritäre Herrschaft. Das sind die USA nicht. Was politische Mitbestimmung angeht sind die USA demokratischer als alle europäischen Staaten, abgesehen von der Schweiz.

          Um Präsident in den USA zu werden, braucht es notwendigerweise Kapital, und zwar eine Menge Kapital. Es ist offensichtlich, dass nicht primär die klügsten Köpfe mit den klügsten Ideen wetteifern, sondern dass die Bewerber von ihren Kapitalgebern abhängig sind. Das ist kein rein amerikanisches Phänomen, aber dort ausgeprägt wie sonst nirgends. Wie sonst wäre es möglich, dass in der Endausscheidung ein Reality-TV-Trottel gegen eine korrupte Lügnerin antritt? Wie ist es möglich, dass es in den USA nur zwei relevante (alle anderen sind völlig unbedeutend) politische Parteien gibt? Der Wahlkampf letztes Jahr sollte doch dem Allerletzten gezeigt haben, wie korrupt das US-amerikanische politische System ist.
          Du siehst alles, was nicht staatlicher Reglementierung unterworfen ist, als freies Spiel von Naturkräften, als sozusagen naturgegeben. Das ist der religiöse Glaube der „Zeugen Jeh … aahm des freien Marktes“.

          • „Um Präsident in den USA zu werden, braucht es notwendigerweise Kapital, und zwar eine Menge Kapital.“

            Und?

            „Es ist offensichtlich, dass nicht primär die klügsten Köpfe mit den klügsten Ideen wetteifern, sondern dass die Bewerber von ihren Kapitalgebern abhängig sind.“

            Und?

            „Wie sonst wäre es möglich, dass in der Endausscheidung ein Reality-TV-Trottel gegen eine korrupte Lügnerin antritt?“

            Du meinst also Kapitalgeber haben ein genuines Interesse an TV-Trotteln oder korrupte Lügner?

            „Wie ist es möglich, dass es in den USA nur zwei relevante (alle anderen sind völlig unbedeutend) politische Parteien gibt? “

            Mehrheitswahlrecht.

            „Du siehst alles, was nicht staatlicher Reglementierung unterworfen ist, als freies Spiel von Naturkräften, als sozusagen naturgegeben.“

            Das ist prinzipiell ja auch so: Der freie Markt ist ein Ergebnis menschlicher Natur. Er ist das was passiert, wenn man Menschen machen lässt.

        • Man sollte das Amt des US-Präsidenten versteigern und die Kohle anschließend an die Bevölkerung der USA auszahlen.

  9. Was unsere Blog-Linken hier konsequent bestreiten ist, dass der westliche Feminismus genuin auf linken Theorien aufbaut. Dabei ist es offensichtlich:
    Macht- und Klassenstrukturen, Opfer-Täter-Dichotomie, Kollektivismus. Und Feministen bezeichnen sich ja selbst fast alle als links. Kapitalismuskritik ist natürlich auch immer dabei. Und antiliberale Resentiments.
    Linker geht es nicht.

    • Fairerweise muss man sagen, dass Kollektivismus, Kapitalismuskritik und antiliberale Ressentiments auch rechts zuhause sind.

        • @Adrian

          Ist ein Gedanke erst einmal in die Welt gesetzt, ist deine Verfügung über diesen Gedanken annähernd Null.
          Jedem und jeder steht es frei, diesen zu verwenden, aber auch zu verzerren und verfälschen.

          Du schreibst, es handle sich beim feministischer Theorie um eine auf offensichtlich auf linken Theorien aufbauende, an Hand von:

          „Macht- und Klassenstrukturen, Opfer-Täter-Dichotomie, Kollektivismus.“

          Ich habe es weiter oben geschrieben, dass die Behauptung, es gäbe eine *Klasse* von Männern und eine von Frauen im marxistischen Sinne einfach schwachsinnig ist. Zumindest wenn man den Klassenbegriff so versteht, dass sich Klassen bilden gemäß ihres Verhältnisses zum Eigentum an Produktionsmitteln.

          Selbst wenn ich den Klasse als „soziale Schicht“ ansehe, fällt bei der Behauptung, „Die Gruppe aller Frauen bilden eine soziale Schicht“ auf, dass mir kein einziges klassisches Merkmal einfällt, dies zu einer zutreffenden Aussage zu machen.
          Was soll es denn sein, was diese Frauen vereint?
          Bildung, Beruf, Einkommen, soziale Herkunft?

          Auch dass Merkel, von der Leyen usw. in den Hähen der „Macht“ anstandslos vom Patriarchat kooptiert worden sind deutet darauf hin, die Vorstellung eines allmächtigen, unterdrückerischen Patriarchats kann nicht richtig sein.
          Dass die Opfer der feministischen Theorie von gestern umstandslos die Täterinnen von heute sein können, sollte ihr grandioses SCHEITERN AN DER REALITÄT beweisen.

          Wie ernst hingegen der „Kollektivismus“ und die „schwesterliche Solidarität“ der „Klasse von Frauen“ gemeint ist, kann man beim Vergleich des Zuwachses der Diäten der BundetagsabgeordnetINNEN zum Harz4 Regelsatz ersehen.

          Stieg der letzterer von 2012 bis 2017 um 9,6% oder 35 Euro auf 409 Euro im Monat, proudly presented by Bundesministerium/ministerin für Arbeit und Soziales (seit 2013) Andrea Nahles.
          Wohlbemerkt musste auf die letzte Erhöhung als eine deutliche (!!!) seitens Frau Nahles hingewiesen werden, die als eine entschiedene Gegnerin der Agenda 2010 gilt.
          Es handelte sich um den Betrag von 5 (fünf) Euro.

          Erstere „Klasse aller Frauen“ gönnte sich im gleichen Zeitraum eine Erhöhung von 15,6% – man kann Frauen in dieser Funktion nicht vorwerfen, sie missverstehen eine Teuerungsrate.
          In absoluten Zahlen sind das übrigens 1871,11 Euro – mehr im Monat, jeden Monat.

          Was man in Sachen weiblicher Selbstvermarktung rühmlich hervorheben kann, ist dein gewonnener, kontrafaktischer Eindruck „Linker geht es nicht“.
          Politfrauen gerade bei SPD und Grünen sind m.E. Meisterinnen des „links blinken und rechts abbiegen“.

          Gruß crumar

          • „Ich habe es weiter oben geschrieben, dass die Behauptung, es gäbe eine *Klasse* von Männern und eine von Frauen im marxistischen Sinne einfach schwachsinnig ist.“

            Ja, sie auch ansonsten schwachsinnig. Dennoch ist es Bestandteil feministischer Theorie.

    • Dabei ist es offensichtlich: Macht- und Klassenstrukturen, Opfer-Täter-Dichotomie, Kollektivismus.

      Immer wieder, Adrian: Schon seit der Antike kannte jede beliebige Feindbildideologie Freund- und Feindkollektive, und natürlich war man immer Opfer eines Feindes.

      Und Feministen bezeichnen sich ja selbst fast alle als links.

      Nationalsozialisten bezeichneten sich auch als Sozialisten.

      Kapitalismuskritik ist natürlich auch immer dabei.

      Alle außer Anarchokapitalisten.

      Und antiliberale Resentiments.

      Ressentiments sind immer antiliberal.

      Auch deine.

        • Du kannst dir deine Begriffe natürlich immer so zurechtlegen, dass dein Feindschema passt.

          „Wirtschaftspolitisch sozialdemokratisch“ ? Na dann..

          • „Wirtschaftspolitisch sozialdemokratisch“

            Yep. Nachfrageorientierung, Staatliche Investitionen, Aufhebung der Gewerbefreiheit, Wirtschaft unter Kontrolle des Staates.

        • Nachfrageorientierung, Staatliche Investitionen, Aufhebung der Gewerbefreiheit, Wirtschaft unter Kontrolle des Staates.

          Da haste dir ja was feines ausgedacht.

          Für dich ist eben alles und jeder, der deiner Utopie vom freien Markt nicht zustimmt der Klassenfeind.

        • Der NS war – sofern man das auf Biegen und Brechen ins Schema pressen will – in erster Linie eine zentrale Planwirtschaft.

          Die soziale Marktwirtschaft ist, nach weit vorherrschender Auffassung, immer noch eine Marktwirtschaft.

          „Wirtschaftspolitisch sozialdemokratisch“ ist in dem Zusammenhang Nonsense.

          • „in erster Linie eine zentrale Planwirtschaft.“

            Nope. Weil Marktwirtschaft ja immer noch in zahlreichen Feldern erlaubt war.

        • Du meinst: Weil es partiell noch sowas wie Märkte gab? Gab es auch in der DDR.

          Tatsächlich passt der NS nicht ohne Weiteres ins Schema.

          Allerdings passt:

          In der Theorie der Wirtschaftsordnungen bezeichnet Marktwirtschaft (früher auch Verkehrswirtschaft) ein Wirtschaftssystem,[1] in dem die Verteilung der Entscheidungs- und Handlungsrechte durch das Rechtsinstitut des privaten Eigentums an Produktionsmitteln erfolgt. Planung und Koordination der Wirtschaftsprozesse erfolgen dezentral. Die einzelnen Verwendungspläne der Haushalte und Unternehmen (Einkommen- und Gewinnverwendung) und der Entstehungspläne (Gewinnbildung und Einkommensentstehung) werden durch Marktpreise koordiniert.[2]

          ..nun gar nicht zur NS-Kriegswirtschaft und diese Kriegswirtschaft war der dominante Faktor.

        • Wow Nick
          Anstrengende Betrachtungsweise.
          Ändern sich dann alle deine Worte mit der Meinung, falls die mal wechselt?

    • Das stimmt, aber Feminismus so wie er ist, ist die Essenz einer 14-15 Jahre alten know it all Fritte. Schon immer von jedem Buch und Werbespot angelogen worden, und auf einmal dieses neue Interesse aller Welt an der Persönlichkeit und Weisheit die frau zu bieten hat

      seit mir einer Kritische Theorie beigebracht hat, also die die ich mach ist die Atemvariante – wo ich mir was ganz feste Vorstelle während ich nicht lache und an was lustiges denk bevor es einmal hell wird vorm Auge, was ja der Geistesblitz ist, ist auch reproduzierbar, also clitical hit!

      • Und der fühlt sich links und super an, wie die Grünen.
        So ein Potpourri aus den Buzzwords die die PR Berater vorschlagen, die man aber Ideenhaken nennt, weil das catchier ist.

        Wenn man anfangen würde denen zu erklären – die es verstehen – was Feminismus wirklich ist in einem Kapitalsystem, und wessen Entscheidungen da an welcher Stelle stehen, vielleicht würden die in dem Jahr mühelos, aber tragisch, das erste mal, eine ihrer alten Feminismus „vergleichskategorien“ gewinnen.
        Suizid, und wir die Versuche.

        Nachher würde auch noch rauskommen das Nigga gar nicht für den Verwalter des Anwesens, der den Nigga James nannte, arbeitete, sondern für das nach Blumen duftende Ballonrockwunder mit Schirmchen und Gerte.

        Oder mal der ausgedrückte Wunsch die Welt besser zu machen durch Reisen und ‚den Leuten helfen‘, Feminismus in eine sich entwickelnde Gesellschaft packen, hier habt nen Überschuss, jetzt geh und gönn dir selber mal was schönes, du bist es wert – und weg die Investition.

        Aber da darf man nicht genau hingucken.

  10. Tatsächlich bin ich bei Diskussionen schon mit der „kritischen Theorie“ konfrontiert worden.

    Damals war die Einstellung (und der Grund, warum der Diskutant diese Theorie anschleppte) die folgende: „ich möchte das Recht haben zu kritisieren, obwohl ich keine Ahnung habe, wie ich die Situation verbessern könnte“.

    Ein allgemeines Recht herumzumaulen, ohne sich selbst irgendeiner Kritik auszusetzen oder auch nur vertieft über das Thema nachdenken zu müssen.

    Ich fand das damals billig und finde es heute noch genauso faul.

    Es geht zudem kein Weg an Wissenschaft vorbei, dieser ganze „ich behaupte was und das wird dann Realität“ ist grob schwachsinnig und zeigt nur, dass die entsprechenden Personen weder Wissenschaft verstanden haben, noch an eine Universität gehören…

    • Naja, die Wissenschaft, die hätte ja mal so klug sein können und ne sehr erwartbare Situation vorhersehen können, und sicherheitshalber überall einen Hörsaal mit Püschwänden errichten können.

      In inspirierenden Buchstaben SPA drauf für Safe Space Agency!
      In ein Produkt verwandelt wird die Welt was besser

      So Gartenhaus für reiche Kids Größe, als Geburtstags Highlight vermarktet „Das ganz ganz ganz Verrückte Haus“

      Und dann powern die sich ein oder zwei Nachmittage daran aus, erklären Mama und Papa wie der Hase läuft und die beeiflussen ab da positiver die weiteren Werdegänge aller Menschen, und Tiere

  11. Pingback: Blogschätzchen des Tages 28.5.2017 | narrenspeise

  12. Die Suchbegriffkombination „critical theory gender“ liefert 14.5 Millionen Treffer, inkl. einem Wikipediaartikel namens „Outline of critical theory“. „critical theory feminism“ liefert immerhin noch 8.5 Millionen Treffer.

    Subfields der Critical Theory sind lt. Wikipedia unter anderem:
    – Black Feminism
    – Feminist Theory
    – Gender Studies
    – Queer Theory

    ‚“Drawing from critical theory“‚ – ein Term, den man in soziologischen Manuskripten oft schon im Abstract liest – erhält 17,500 Treffer, und noch ca. 14,000 verbleiben, wenn man ihn mit „+ gender“ verknüpft. Der erste verweist übrigens auf „Critical Cultural Approaches to Gender and Sex“.

    Es ist Fakt, daß grosse Teile der Linken, auch der forschenden Linken, sich auf „Kritische Theorie“ beruft, um Gender- und feministische Forschung zu legitimieren.
    Leszek und Crumar aber versuchen diesen offensichtlich bestehenden Zusammenhang damit zu verwischen, in dem sie diesen Menschen einfach das Attribut „links“ absprechen, weil diese anscheinend nicht verstehen, worüber sie eigentlich sprechen.
    Das nennt sich dann auch „true scotsman“. KEIN ECHTER LINKER würde jemals die Kritische Theorie mit Gender Studies oder Feminismus verknüpfen, amirite?

    Ich würde vorschlagen, daß Crumar und Leszek – herausragende Politologen oder Soziologen, die sie sind – ihre Interpretation der historischen Herleitung dessen, was man heute unter Feminismus, Gender Studies, links-vulgäre Political Correctness etc zusammenfasst, versuchen, in der Wikipedia zu implementieren.
    Offensichtlich ist diese ja grundfalsch oder mindestens arg verkürzend.

    Übrigens: Leszek hat mal ein paar gute Artikel dazu geschrieben, wie Political Correctness die Linke spaltet und der Arbeiterklasse entfremdet.

    Nun, ich behaupte, daß Leszek die antifeministischen/“anti-PC“ Kräfte spaltet und torpediert mit den exakt gleichen Strategien (hier die ad nauseam geführte Diskussion über den bitteschön richtigen Gebrauch bestimmter Termini, die übrigens letztlich für das Ergebnis der Analyse (sinngemäss: „Gender Studies should be burnt with fire“) absolut unerheblich sind).

    • Na, nouse123,
      erzählst du mal wieder Unsinn?

      „Die Suchbegriffkombination „critical theory gender“ liefert 14.5 Millionen Treffer,“

      Und die hast du dir alle angeschaut und sie überprüft?
      Übrigens „conservative christianity“ und „gender“ kommt zumindest auch bereits auf 4.430.000 Treffer. 🙂

      „inkl. einem Wikipediaartikel namens „Outline of critical theory“. „critical theory feminism“ liefert immerhin noch 8.5 Millionen Treffer.
      Subfields der Critical Theory sind lt. Wikipedia unter anderem:
      – Black Feminism
      – Feminist Theory
      – Gender Studies
      – Queer Theory“

      Dir sind also die Unterschiede hinsichtlich der Begriffsverwendungen von „Kritischer Theorie“ in Europa und in den USA nicht bekannt.

      Dann erkläre ich sie dir mal – hatte ich allerdings in der Vergangenheit auf diesem Blog schonmal erklärt.

      In Europa und insbesondere in Deutschland bezieht sich der Begriff „Kritische Theorie“ in der Regel nur auf die Kritische Theorie der Frankfurter Schule. Andere Begriffsverwendungen sind selten.

      In den USA hat sich allerdings eine inflationäre Begriffsverwendung entwickelt, bei der von kritischen Theorien im Plural gesprochen wird. Ausgangspunkt dieser Inflation war, dass Vertreter anderer linker Theorieströmungen, die ideengeschichtlich mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun haben, die exklusive Selbstbezeichnung der Vertreter /Anhänger der Frankfurter Schule als „kritische Theorie“ ablehnten, weil sie meinten, dadurch würde quasi suggeriert, nur die Vertreter/Anhänger der Frankfurter Schule würden eine kritische linke Theorie vertreten und alle anderen linken Theorieströmungen in den USA wären dagegen unkritisch. Deshalb begannen Vertreter/Anhänger anderer linker Theorie-Strömungen in den USA, einschließlich mehrerer postmodernistischer Strömungen, den Begriff „kritische Theorie“ für sich selbst zu übernehmen, quasi nach dem Motto: wir sind doch auch kritisch.

      Anders ausgedrückt: Die überzogene politisch korrekte Anti-Diskriminierungshaltung in Teilen der US-amerikanischen Linken drückte sich auch darin aus, dass Vertreter/Anhänger anderer linker Theorieströmungen in den USA sich durch die Selbstbezeichnung „Kritische Theorie“ der Vertreter/Anhänger der Frankfurter Schule diskriminiert fühlten – und als Reaktion darauf kurzerhand den Begriff klauten.

      Daher bezeichnen sich heute in den USA – aber in der Regel nicht in Europa und Deutschland – Vertreter/Anhänger verschiedener linker Theorie-Strömungen, die ideengeschichtlich mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu haben, als kritische Theorien.

      Du hättest übrigens auch mal in dem englischen Wikipedia-Artikel „Critical Theory“ nachlesen können, da ist es zwar nicht so ausführlich erklärt, aber auf die Übertragung des Begriffs „Critical Theory“, auf Theorien, die mit der Frankfurter Schule nichts zu tun haben, wird eingegangen, nämlich unter der Sparte „Postmodern critical theory“. Da heißt es:

      „The term „critical theory“ is often appropriated when an author works within sociological terms, yet attacks the social or human sciences (thus attempting to remain „outside“ those frames of inquiry). Michel Foucault is one such author.[17] Jean Baudrillard has also been described as a critical theorist to the extent that he was an unconventional and critical sociologist; this appropriation is similarly casual, holding little or no relation to the Frankfurt School.“

      So nouse123, jetzt verstanden?
      Und damit du nachprüfen kannst, dass die Kritische Theorie der Frankfurter Schule tatsächlich etwas anderes ist als andere linke Theorieströmungen – z.B. postmodernistische – die sich heute in den USA leider auch z.T. als kritische Theorien bezeichnen, auch wenn sie ideengeschichtlich mit der Frankfurter Schule nichts zu haben, nenne ich dir jetzt das wissenschaftliche Standardwerk zur Rezeption der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule in den USA.
      In diesem Buch geht es nur um die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, nicht um andere linke Theorieströmungen, (allerdings wird in einem Kapitel auch darauf eingegangen wie der französische Poststrukturalismus – in den USA ursprünglich „French Theory“ genannt – ab den 80er Jahren immer einflussreicher wurde und wie beide Theorieströmungen aufeinanderstießen).

      Robert Zwarg – Die Kritische Theorie in Amerika. Das Nachleben einer Tradition.

      https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/ID45441785.html?sq=zwarg%20kritische%20theorie

      In dem Buch wird – entsprechend der europäischen Begriffsverwendung – nur die Kritische Theorie der Frankfurter Schule als Kritische Theorie bezeichnet und kenntnisreich und mit Belegquellen wird ihre Rezeptionsgeschichte in den USA bis in die 90er Jahre hinein beschrieben.

      Du wirst beim Lesen feststellen, dass andere linke Theorieströmungen, die sich in den USA heute zum Teil als kritische Theorien bezeichnen, in dem Buch rezeptionsgeschichtlich nicht berücksichtigt werden (falls sie kurz erwähnt werden, dann nur als mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule konkurrierende andere linke Theorie-Strömungen), da diese nun einmal ideengeschichtlich mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun haben.

      So, und falls du dich außerdem mit der Entstehung der postmodernen Political Correctness (die allerdings mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun hat) auf wissenschaftlicher Grundlage beschäftigen willst, dann wäre das m.E. ausgezeichnete Standardwerk des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt hier zu empfehlen – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA

      https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/multikulturalismus_und_political_correctness_in_den_usa/mathias_hildebrandt/EAN9783531148762/ID10352038.html

      Das Buch beschreibt kenntnisreich, wissenschaftlich fundiert und mit Belegquellen, wie die postmoderne Political Correctness aus der US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus in Verbindung mit einigen US-amerikanischen Quellen entstanden ist. Zwar steht in dem Buch der kulturrelativistische Multikulturalismus im Vordergrund, aber auch auf alle anderen Aspekte der postmodernen Correctness wird eingegangen. Das Buch ist pc-kritisch, aber sachlich.
      (Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule spielt in diesem Buch keine Rolle, weil sie für dieses Thema irrelevant ist.)

      „Übrigens: Leszek hat mal ein paar gute Artikel dazu geschrieben, wie Political Correctness die Linke spaltet und der Arbeiterklasse entfremdet.“

      Dazu kommen von mir im Laufe der Zeit sicherlich noch mehr Beiträge.

      „Nun, ich behaupte, daß Leszek die antifeministischen/“anti-PC“ Kräfte spaltet und torpediert mit den exakt gleichen Strategien“

      Och, weißt du, ich versuche eine wissenschaftlich fundierte PC-Kritik aus klassisch-linker, aufklärerisch-menschenrechtlicher, humanistisch-universalistischer Perspektive zu entwickeln. Ich will gar nicht mit jedem x-beliebigen Antifeministen oder PC-Kritiker zusammenarbeiten – nur da, wo es eben passt und diesbezüglich gibt es zum Glück Leute genug.

      Und des Weiteren ist es ja amüsant, dass ich also „spalte“, wenn ich z.B. falsche Behauptungen kritisiere – ist mangelnde Wissenschaftlichkeit sonst nicht ein Hauptkritikpunkt an Gender Studies und postmoderner PC? – oder wenn ich z.B. Leute kritisiere, die gegen Marxisten hetzen – aber diese Leute spalten damit also nicht.

      Wenn es nach mir persönlich geht, sollte die Männerrechtsbewegung inklusiv für alle aufklärerisch-menschenrechtlichen und an persönlicher Freiheit und wahrer Gleichberechtigung interessierten Menschen sein: Männer und Frauen, Heterosexuelle und Homosexuelle, Menschen ohne Migrationshintergrund und Menschen mit Migrationshintergrund, Linke, Liberale und Konservative, soweit sie eine aufklärerisch-menschenrechtliche, freiheitliche und an Gleichberechtigung orientierte Perspektive haben.

      Und bezüglich anderer Leute, die den von mir befürworteten Kriterien nicht entsprechen, muss ich nicht kooperativ sein, müssen die auch nicht bei mir sein.

      Bezüglich rechter Anti-Kulturmarxismus-Ideologen bin ich z.B. nicht kooperativ.
      Meine Kritik-Perspektive geht stets in zwei Richtungen, in diesem Fall gegen eine Variante linker Political Correctness, nämlich gegen die postmoderne Political Correctness und gegen eine Variante rechter Political Correctness, nämlich gegen die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie.

      Ebenso geht meine Kritik-Perspektive übrigens auch sonst stets in zwei Richtungen, z.B. gegen Männerfeindlichkeit/anti-männlichen Sexismus und gegen Frauenfeindlichkeit/anti-weiblichen Sexismus – diese geschlechtsübergreifende Perspektive nenne ich integralen Antisexismus.

      Weiter oben bin ich auf den Kritik-Begriff der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule eingegangen. Ich bin allerdings weder Marxist, noch Anhänger der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (bei der einige Vertreter heute übrigens keine Marxisten mehr sind, sondern linksliberal/sozialdemokratisch).

      Ich verstehe mich hingegen primär als libertärer Sozialist in der Tradition des Sozial-Anarchismus. Wir libertären Sozialisten/Sozial-Anarchisten haben einen anderen Kritik-Begriff und nach diesem richten sich meine Kritiken und deshalb gehen sie stets in zwei Richtungen.

      Das gefällt dir nicht? Dann hast du Pech gehabt, ich werde es nicht ändern.

  13. Lustig:
    Kritik, die man mit „Leszek nervt und torpediert eine ganze „Szene“ mit Haarspaltereien, die niemandem weiterhelfen.“ zusammenfassen kann, beantwortet Leszek mit Haarspaltereien, die niemandem weiterhelfen.

    Interessant ist hierbei lediglich, daß Du zugibst, daß der relevante, nämlich publizierende und forschende Teil der Linken die hier diskutierten Begriffe aus einer linken Perspektive vereinnahmen und in linken Kontexten benutzen.

    Dir gefällt das nicht. Das sei Dir unbenommen. Ist aber nicht wirklich relevant, solange jedes zweite Gender Studies – Paper mit „Drawing from critical theory …“ beginnt. Auch wenn es keine echten Schotten sind.

    Hast Du eigentlich selbst schon mal publiziert, oder stellst Du Dir nur Bücher ins Regal?

    • @ nouse123

      Tatsächlich sind meine Beiträge in diesem Strang alle themenbezogen, wie man unschwer erkennen kann, wenn man mitliest.
      Aber selbstverständlich musst du dich nicht verpflichtet fühlen, etwas von mir zu lesen, wenn es dich stets so mitnimmt.

      Du kannst dich ja beim „International Anarchist Tribunal“ über mich beschweren:

      http://www.anarchy.no/iat.html

      • Es nimmt mich nicht mit. Mir sind nur Deine Beweggründe nicht klar. Ich erkenne teilweise nicht, inwiefern sich Deine Beiträge von narzistisch-autoerotischem Intellektuellen-Gewichse unterscheiden. Oder gefällst Du Dir als Prophet in der Wüste?

        Ich meine, Du erkennst doch das Problem, oder?

        Legionen von rezenten Soziolog*innen berufen sich auf Ideologien und (Wissenschafts)theorien, die sie als genuin links verorten. Dazu gehört irgendetwas, was allgemein als „critical theory“ definiert wird und offensichtlich von enormer Bedeutung für diese rezente Soziologie ist.
        Du magst gerne damit recht haben, daß Orthodoxe/Strenggläubige sich am Gebrauch dieser Begriffe und Theorien stossen. Das ist aber irrelevant, weil offensichtlich diese Begriffe und Theorien weiterhin in den genannten Kontexten benutzt werden, und nichts damit gewonnen wird, wenn man sich über die korrekte Nomenklatur dessen streitet, was man kritisieren möchte.

        Am Ende schreibst Du nur irgendwelche Blogs mit irgendeinem Begriffsgetue voll. Dazu fällen mir zwei Begriffe ein: „Korinthenkackerei“ und „Kaffeehaus-Revolutionär“

        • @ nouse123

          „Es nimmt mich nicht mit.“

          Also auf mich machen deine Kommentare hier nicht so den Eindruck einer rationalen Motivation.

          „Mir sind nur Deine Beweggründe nicht klar.“

          Ich habe andere Interessen, andere Wertvorstellungen und andere Vorstellungen zweckmäßiger pragmatischer Praxis als du. Damit wirst du wohl leben müssen.

          „Ich erkenne teilweise nicht, inwiefern sich Deine Beiträge von narzistisch-autoerotischem Intellektuellen-Gewichse unterscheiden.“

          Wenn du dich nicht für die Themen, über die ich schreibe, interessierst, dann steht es dir völlig frei meine Kommentare zu ignorieren, hatte ich dir das nicht schonmal gesagt?
          Ich muss mich allerdings nicht dafür rechtfertigen, dass ich mich für geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Themen interessiere und dass ich, wenn ich etwas dazu schreibe, versuche eine möglichst fundierte Darstellung zu geben.
          Merke dir einfach: Niemand muss sich dafür rechtfertigen, wenn er bei Themen, die ihn interessieren, versucht um Objektivität bemühte Beiträge zu schreiben.

          „Oder gefällst Du Dir als Prophet in der Wüste?“

          Es macht mir Spaß im Dickicht von manipulativen Diskursstrategien, Propagandalügen und Desinformation aus verschiedensten weltanschaulichen Richtungen zu versuchen mir eine um Objektivität bemühte Perspektive zu erarbeiten und es macht mir Spaß manipulative Diskursstrategien, Propagandalügen und Desinformation auf verschiedensten Seiten zu kritisieren.

          „Ich meine, Du erkennst doch das Problem, oder?“

          Mir ist dein Problem zwar nicht so ganz klar, ich denke aber, dass es dein persönliches Problem ist und dass ich dir dabei wohl nicht behilflich sein kann.

          „Legionen von rezenten Soziolog*innen berufen sich auf Ideologien und (Wissenschafts)theorien, die sie als genuin links verorten.“

          Ich habe nicht den Eindruck, dass du von den verschiedenen Schulen und Forschungsbereichen der Soziologie nennenswerte Kenntnisse hast. Die Verbreitung der postmodernen Political Correctness in den USA ging übrigens wesentlich mehr von den Literaturwissenschaften aus als von der Soziologie.

          „Dazu gehört irgendetwas, was allgemein als „critical theory“ definiert wird und offensichtlich von enormer Bedeutung für diese rezente Soziologie ist.“

          Dazu habe ich dir ja oben eine ausführliche Erklärung gegeben, vielleicht möchtest du sie nochmal lesen.

          „Du magst gerne damit recht haben, daß Orthodoxe/Strenggläubige sich am Gebrauch dieser Begriffe und Theorien stossen. Das ist aber irrelevant, weil offensichtlich diese Begriffe und Theorien weiterhin in den genannten Kontexten benutzt werden, und nichts damit gewonnen wird, wenn man sich über die korrekte Nomenklatur dessen streitet, was man kritisieren möchte.“

          Also nochmal, der Begriff „Kritische Theorie“ wird in Europa und Deutschland in der Regel nur für die Kritische Theorie der Frankfurter Schule verwendet (die von mir zum Teil geschätzt wird) aber NICHT für postmoderne oder politisch korrekte postmoderne Theorien.

          Und in Christians obigem Artikel geht es um die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und genau dazu habe ich in diesem Strang mehrere Kommentare geschrieben, mit Zitaten und Belegquellen, die potentiell Interessierte nachprüfen können.

          In den USA gibt es hingegen z.T. eine inflationäre Begriffsverwendung von „kritischer Theorie“. Dort wird von kritischen Theorien im Plural gesprochen und dort bezeichnen auch Vertreter/Anhänger von anderen linken Theorieströmungen, die mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun haben, ihre spezifischen Theorien als „kritische Theorien“. In diesem Fall ist es also für eine zutreffende ideengeschichtliche und theoretische Verortung besonders wichtig, klar zu bestimmen, um was für eine Theorie es sich handelt, denn vieles, was in den USA unter dem Label „kritische Theorie“ daherkommt, hat mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun, sondern hat andere ideengeschichtliche Ursprünge und theoretische Grundlagen.

          In Europa und Deutschland – und dort befinde ich mich – ist es aber in der Regel so, dass der Begriff „Kritische Theorie“ für die Kritische Theorie der Frankfurter Schule verwendet wird und andere linke Theorieströmungen – z.B. postmoderne – verwenden in der Regel andere Bezeichnungen.

          „Am Ende schreibst Du nur irgendwelche Blogs mit irgendeinem Begriffsgetue voll. Dazu fällen mir zwei Begriffe ein: „Korinthenkackerei“ und „Kaffeehaus-Revolutionär““

          Na ja, aber ich kann ja nichts dafür, dass dich die Dinge, über die ich schreibe, nicht interessieren und dass du irgendeine irrationale Motivation hast, mich blöd anzumachen.

          Ich würde dir einfach raten: Wenn du dich für irgendwelche Themen, über die jemand schreibt, nicht interessierst, dann lies es eben nicht und wenn du mit einer Person nicht klarkommst, dann führe eben Diskussionen mit anderen Leuten, mit denen du besser zurechtkommst.

  14. Schade das sowas hier immer am Wochenende diskutiert wird, wenn ich nicht im Netz bin.

    Leszek hat aus meiner Sicht recht, wenn er betont, dass die Kritische Theorie der Frankfurter Schule für den heutigen Feminismus von minimaler Bedeutung ist. Die ganze Diskussion um dem „Kulturmarxismus“ beruht auf einem Missverständnis der amerikanischen Rechten, die einhöchst undifferenziertes Verständnis der europäischen Geistesgeschichte haben und alles, was irgendwie links ist, auf den Marxismus zurückführen. Ja die meisten Theoretiker der Frankfurter Schule waren im amerikanischen Exil, aber sie hatten dort denkbar wenig Einfluss. Horkheimer und Adorno waren völlig isoliert, in erster Linie weil sie sich weigerten, auf Englisch zu publizieren. Schließlich sahen sie sich als DIE Träger deutscher Kultur im Exil. Interessant ist hier der Vergleich mit den zur gleichen Zeit auch in die USA emigrierten Vertretern des Neopositivismus, der sogenannte „Wiener Schule“ wie Rudolf Carnap und Otto Neurath. Anders als die Frankfurter, die vom Stiftungsvermögen ihres Institutes lebten, hatten diese kein Geld und mussten arbeiten, was sie an amerikanischen Universitäten taten. Carnap verblieb dann ganz in den USA und seine Philosophie hat großen Einfluss auf die amerikanische Nachkriegsphilosophie gehabt. Man hat zweitweise auch versucht als verfolgte Deutsche im Exil zusammen zu arbeiten, aber das ganze scheiterte bald. Im Wesentlichen an den Intrigen von Adorno und Horkheimer, die sich da ziemlich schäbig verhalten haben.

    Das ganze wird sehr gut dargestellt in diesem Buch:

    http://www.suhrkamp.de/buecher/positivismusstreit-hans-joachim_dahms_28658.html

    Herbert Marcuse blieb auch in den USA, lehrte an dortigen Universitäten und hatte großen Einfluss auf die Studentenbewegung auch in Europa, aber ich vermag keine besondere Übereinstimmung seiner Theorien mit dem modernen Feminismus zu erkennen. Foucault, wesentlicher Anreger des modernen Feminismus, war ein erklärter Gegner des Marxismus.
    Ich würde Adorno und Horkheimer allerdings schon in einer intellektuellen Tradition verorten, die auch zum modernen Feminismus wesentliches beitrug, hier besonders durch ihre völlig undifferenzierte Kritik an der Aufklärung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s