Politische Korrektheit in der Schule und Notendruck

Eine Lehramtsreferendarin schreibt einen Artikel dazu, warum sie keine Lust mehr darauf hat, Lehrerin zu werden: Sie findet, dass es nur noch um Noten geht und nicht mehr darum, ob die Kinder etwas lernen.

Sie führt folgendes Beispiel an: (oder hier in einer längeren Version)

Als ich in einer neunten Klasse eine Vertretungsstunde über die Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen hielt, teilte ich einen Arbeitsbogen aus. Die Schüler sollten ankreuzen, welchen Thesen sie zustimmen und welchen nicht. Eine lautete: „Männer sollten immer die Hauptverdiener einer Familie sein.“ In der Auswertung zeigte sich, dass alle 25 ihr Kreuz brav bei „Nein“ gesetzt hatten.

Ich notierte die Antworten an der Tafel. Das Bild hätte jedem Gleichstellungsbeauftragten Tränen der Rührung in die Augen getrieben. Bei nahezu jeder These hatten die Schüler offenbar ein und dieselbe emanzipierte, politisch korrekte Meinung.

Ich wendete mich an die Jungs der Klasse: „Stellt euch vor, ihr wärt jetzt 30 und hättet eine kleine Familie. Eure Frau verdient 1000 Euro mehr pro Monat als ihr. Deshalb könnt ihr euch mehr leisten, das ist natürlich gut. Aber Hand aufs Herz: Wer von euch hätte heimlich ein Problem damit, dass er weniger Geld nach Hause bringt als seine Frau?“

Kein einziger Schüler zeigte auf, aber ich sah, wie einige sich gegenseitig angrinsten. „Das hier ist eine Vertretungsstunde, es gibt keine Noten“, sagte ich. Und siehe da: Ein Arm nach dem anderen ging nach oben. Von 14 Jungen beantworteten schließlich 13 die Frage, ob sie ein Problem damit hätten, wenn ihre Frau die Hauptverdienerin ist, mit „Ja“.

„Warum habt ihr da dann eben mit ‚Nein‘ geantwortet?“ – „Na ja, weil das halt die richtige Antwort ist“, sagte ein Schüler. „Aber ihr solltet ja eure persönliche Meinung äußern. Kann es da denn ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ geben?“ – „Klar, wenn es um die mündliche Note geht!“

Der Zensurendruck ist allgegenwärtig. Die Schüler würden ohne Weiteres wohl sogar das Telefonbuch auswendig lernen, wenn man ihnen dafür eine Eins in Aussicht stellt.

Das ist denke ich auch etwas, was viele Social Justice Leute nicht wirklich verstehen: Man kann Leute abgesehen von einem totalitären Staat nicht beliebig indoktrinieren, die Leute behalten nach wie vor ihre Meinungen, sie äußern sie dann eben nur nicht.

Abgesehen davon finde ich aber die Frage auch schlecht gestellt. „Männer sollten immer…“ und dann nur Ja und Nein Antworten? Das macht auch wenig Sinn da Nein anzukreuzen. Wenn sie Hochqualifiziert ist und er Hilfsarbeiter, dann macht es wohl kaum Sinn, dass er Hauptverdiener ist. Und ihre weitere Frage ist natürlich auch eine andere: Hier geht es um die jeweiligen Leute selbst und  nicht abstrakt um alle Familien. Und es geht auch nur darum, dass man damit ein „Problem“ hat. Was weit weniger ist als eine absolute Aussage, dass es immer so ist.

Es gibt ja durchaus berechtigte Ängste in dieser Richtung:

Meiner Meinung nach hat sie damit die Position auch vollkommen falsch aufgebaut für eine tatsächlich kontroverse Diskussion. Sie hat von vorneherein nur die Jungs gefragt, nicht auch die Mädchen, ob sie sich etwa einen Partner vorstellen könnten, der weniger verdient. Sie hätte auch eine geheime Abstimmung machen können oder jeden drei Ängste und drei Vorteile auf eine Karte schreiben lassen können. Oder sie hätte einen kontroversen Text als Einstieg nehmen können (ich hätte da wie man oben sieht welche für sie) in denen es um entsprechende Ängste geht. Aber dann hätte sie natürlich auch selbst weniger politisch korrekt sein müssen, und das als Referendarin mit ihrer Ausbildungslehrerin im Hintergrund. Es wäre interessant, ob sie sich das getraut hätte, auch in Bezug auf ihre eigene Note (meines Wissens nach ist bei Gymnasiallehrern mit ihrer Fächerkombination der Markt gerade ziemlich dicht). Wer eine kontroverse Diskussion möchte, der muss eben Vertrauen aufbauen, deutlich machen, dass er nicht verurteilt und verhindern, dass er die Leute in eine Alles oder Nichts, Dafür oder Dagegen Situation bugsiert, sondern auch die Möglichkeit gibt, Ängste oder Gründe, die es nicht ausschließen, die aber auftreten können und die Nachteilhaft sein können zu artikulieren. Wer ein Thema für eine Diskussion aussucht, bei dem sie davon ausgeht, dass es keine guten Gründe für die Gegenposition geben kann, der hat eben ein schlechtes Thema ausgesucht.

Ein anderer Beispiel in dem Text ist dieses:

Aber unser Bildungssystem ist so leistungsorientiert, dass es individuelle Bedürfnisse der Kinder völlig außer Acht lässt. Entwickelt werden sollen lediglich Kompetenzen, nicht Persönlichkeiten – und zwar so schnell und gleichzeitig soumfassend wie möglich, was natürlich schon ein Widerspruch in sich ist. Und bei Schülern wie Fridolin schlichtweg nicht funktioniert.

Der 14-Jährige ist, euphemistisch ausgedrückt, eine Herausforderung. Schon in meiner ersten Stunde ließ er mich auflaufen. Er kritzelte auf sein Namensschild „Kevin-Mercedes“ anstatt seines richtigen Namens und lachte ausgiebig über seinen Gag. Lautstark unterhielt er sich über mehrere Reihen hinweg mit seinen Kumpels, begann zu singen, fiel mir ungefragt und frech ins Wort und zeigte sich immun gegenüber jedem Aufruf zur Räson. Kurzum: Der Backfisch sprengte mir die ganze Stunde. Er bettelte förmlich um meine Aufmerksamkeit und sei diese noch so negativ.

„Nehmen Sie das nicht persönlich“

Sauer war ich auf Fridolin nicht. Man muss kein Psychiater sein, um zu checken: Das Kind hat Probleme. Er verhält sich doch nicht so, weil er so gern vom Lehrer getadelt wird – da steckt doch etwas anderes dahinter.

Ich sprach eine Kollegin auf ihn an. „Ja, er ist sehr schwierig. Nehmen Sie das nicht persönlich“, sagte sie sofort. Sie wisse auch nicht, was da los sei. Aber das Einzige, was wir machen könnten, sei Druck über Noten ausüben. „Wenn er stört, sagen Sie ihm einfach, dass Sie ihm für die Stunde eine Fünf oder eine Sechs eintragen. Das wirkt.“

Das wäre dann der typische Klassenclown, der wahrscheinlich meist ein Junge sein wird. Negative Aufmerksamkeit ist in der Tat zumindest Aufmerksamkeit, allerdings ist „Widerstand“ gegen die Autorität des Lehrer mitunter auch einfach eine Möglichkeit „Cool“ zu sein und insofern Status aufzubauen. Ich finde ihre Einstellung, dass man da schauen muss, was eigentlich dahinter steht gut. Natürlich kann es für einen Lehrer schlicht bequemer sein, ihn einfach mit schlechten Noten zur Ordnung zu bringen und das Problem auf diese Weise zu lösen.

 

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81 Gedanken zu “Politische Korrektheit in der Schule und Notendruck

  1. „Entwickelt werden sollen lediglich Kompetenzen, nicht Persönlichkeiten“

    Und das ist auch gut so. Leider werden – abgesehen von Bayern – in Deutschland an Schulen nicht mal mehr Kompetenzen vermittelt.

  2. „Abgesehen davon finde ich aber die Frage auch schlecht gestellt.“

    In der längeren Version steht der interessante Nebensatz:

    „teilte ich einen Arbeitsbogen aus, den ich über die Bundeszentrale für Politische Bildung gefunden hatte.“

    Das sind die, die Kimmel in den Kanon aufnehmen, Arne Hoffmann aber nicht.

    Die dumme-Bratzen-Dichte in Bundeszentralen scheint sehr hoch zu sein.

    • „In der längeren Version steht der interessante Nebensatz:
      teilte ich einen Arbeitsbogen aus, den ich über die Bundeszentrale für Politische Bildung gefunden hatte.““

      Ah, okay, dass erklärt immerhin die schlecht erstellte Frage.

      • „Ah, okay, dass erklärt immerhin die schlecht erstellte Frage.“

        Ist das nicht bitter?

        „Wieso ist denn die Frage so doof?“
        „Sie kommt von der Bundeszentrale für Politische Bildung
        „Ach so, na dann, na klar.“

        • @only me

          Ja, das ist wirklich schade. Ich halte ein einsetzen für Gleichberechtigung durchaus für etwas, was auch an Schulen durchaus erfolgen kann, aber eben nicht auf diese schlechte Weise und nicht so undifferenziert-dogmatisch

          Ich vermute aber, dass da nicht wenige Ideologen vorhanden sind und dann gerade bei dem Thema Gleichberechtigung auch genau dafür konsultiert werden.

        • “ was auch an Schulen durchaus erfolgen kann“

          Dein optimistischer Glaube an den BestCase ist manchmal bewundernswert.

          Das Lehren von Gleichberechtigung wird erst (und frühestens) sinnvoll stattfinden können, wenn dabei auch gelehrt wird, dass jede Entscheidung – also die Wahrnehmung jedes Rechts – auch einen Preis hat.

          Du hast das Recht, Hausmann zu werden, keiner hindert dich daran, aber dreiviertel aller Frauen werden dich dafür als Partner ablehnen.

          Du hast das Recht, in einer Männerdomäne Karriere zu machen, aber die Männer werden dich skeptisch beäugen, bis du sie mit deiner Leistungsfähigkeit überzeugt hast.

          Du hast das Recht, dich auf Hausfrau und Mutter zu konzentrieren, aber du bist dann von deinem Mann abhängig und musst (in deinem eigenen Interesse) härter dafür arbeiten, dass die Beziehung gesund bleibt, als wenn du finanziell unabhängig wärst.

          und so weiter und so fort.

          Solange der (feministisch geprägte) Zeitgeist aber jeden Preis für eine unerträgliche Zumutung hält, kann damit nicht gerechnet werden und jede Gleichberechtigungspädagogik (ohne Gleichverpflichtung) bleibt destruktiv.

        • Solange Frauen gerne zu dem „großen, starken Mann“ aufschauen, sich beschützt wissen wollen etc., macht das Lehren von Gleichberechtigung allenfalls als Desinformation Sinn.

        • @lh

          das war’s eigentlich, was ich meinte: Jeder Mann hat das Recht, klein und schwach zu sein.
          Das ist unbestritten.
          Man sollte aber, auch und gerade in der Schule, nicht so tun, als sei die Entscheidung „Ich will kein Sport und Gewichtstraining machen“ keinerlei Auswirkungen hätte.

          Das ist letzten Endes wohl auch das, was die Feministinnen in ihrer sprachlichen und gedanklichen Unterbelichtetheit nicht ausdrücken können: Es geht längst nicht mehr um die gleichen Rechte. Es geht darum, dass es Entscheidungen gibt, für die Männer mit weniger Sanktionen rechnen müssen.
          Solange man ausblendet, dass andersrum Frauen viele Entscheidungen mit geringeren Sanktionen als Männer fällen können, fühlt sich das zu recht nicht fair an.

        • Dann definiere doch bitte erstmal, was hier mit „Gleichberechtigung“ genau gemeint sein soll. Der Begriff wird ja häufig sehr schwammig verwendet.

          Was die „emotionale Wirkung“ des Begriffs angeht, dürfte es ja offensichtlich sein, dass die Wahrnehmung des anderen als „groß und stark“, also bei Licht betrachtet „größer und stärker“, der Gleichheit zuwiderläuft.

        • @lh

          Gleiche Rechte eben und eine grundsätzliche „Gleichwertigkeit“

          Auch wenn eine Frau einen großen und starken Mann will, selbst einen der Dominant ist, muss sie dominanz von Leuten, die sie nicht interessieren und mit denen sie keine Beziehung hat, nicht akzeptieren. Das eine hat mit dem anderen schlicht nichts zu tun.

        • Sowohl „gleiche Rechte“ als auch „grundsätzliche Gleichwertigkeit“ sprechen Ungleichverhältnisse an, die -wenn- zu Lasten von Männern bestehen. Darum kann es ja offensichtlich nicht gehen, wenn Frauen „Gleichberechtigung“ fordern?

        • Worauf ich hinaus will: Wenn ich Jungs in dem Zusammenhang etwas beibringen würde, dann dass die wörtliche Auslegung nicht alles ist und welche Spielchen Leute mit verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten spielen und wozu. Oder mit anderen Worten: Schau auf was Frauen tun und nicht auf das, was sie sagen.

        • „Das eine hat mit dem anderen schlicht nichts zu tun.“

          Das ist so nicht richtig.

          Es geht hier um drei Aussagen:
          a) Ich möchte einen dominanten Mann
          b) Ich stelle fest, dass die meisten anderen Frauen auch dominante Männer möchten
          c) Ich kann nicht akzeptieren, dass es mehr als einen dominanten Mann, nämlich meinen, gibt

          Das passt nicht unter einen Hut.

        • „a) Ich möchte einen dominanten Mann
          b) Ich stelle fest, dass die meisten anderen Frauen auch dominante Männer möchten
          c) Ich kann nicht akzeptieren, dass es mehr als einen dominanten Mann, nämlich meinen, gibt“

          Das ist ja sehr einfach aufzulösen, nämlich mit dem Satz:

          „Männer, die in beziehungen eine gewisse Dominanz haben sind attraktiv, dass gibt ihnen aber kein Recht zu mir oder anderen Frauen innerhalb einer nichtromantischen Beziehung dominant zu sein“

          Das ist ähnlich wie.
          a) ich möchte eine versaute Freundin, die die finger nicht von mir lassen kann
          b) ich stelle fest, dass die meisten Männer eine versaute Freundin wollen, die die finger nicht von ihnen lassen kann
          c) ich kann nicht akzeptieren, dass sie dann auch nicht die Finger von anderen Männern lassen können und mit diesen fremdgehen

          Ich auch einfach zu verbinden, indem es jeweils auf die Beziehung beschränkt ist

        • Versaut sein ist leicht auf die Beziehung zu beschränken.

          Eine dominante Persönlichkeit zu haben nicht.

          Die angemessene Analogie wäre nicht „versaut rumvögeln“, sondern „flirten“.

          Dann wäre c) Ich kann nicht akzeptieren, dass Frauen mit Männern flirten, mit denen sie nicht zusammen sind.

        • „Versaut sein ist leicht auf die Beziehung zu beschränken.
          Eine dominante Persönlichkeit zu haben nicht.“

          Das ist immer die Frage, was man unter Dominanz versteht und wie sie sich von dominierend abgrenzt. Natürlich kann man gegenüber einer Person anders auftreten als gegenüber einer anderen. Wir alle praktizieren das täglich. Ein Angestellter beispielsweise, auch einer der gegenüber seiner Freundin eine gewisse Dominanz geltend macht, wird dies eben bei seinem Chef nicht sein.

          Das ist doch nun wirklich keine Magie

        • „Das ist doch nun wirklich keine Magie“

          Dominanz, Zielstrebigkeit, Rücksichtslosigkeit sind Teile eine Persönlichkeit.
          Die muss man nicht immer und in jeder Situation ausleben. Aber man hat sie und sie wird spürbar sein.

          Dein Modell: Dominant zu Hause, devot gegenüber allen anderen Frauen funktioniert nicht.

          Aus „Ich will einen Mann mit dominanter Persönlichkeit“ und „Ich gestehe allen anderen Frauen zu, Männer mit dominanter Persönlichkeit zu wollen“ folgert unweigerlich „Ich werde auch außerhalb meiner Beziehung mit Männern mit dominanter Persönlichkeit zu tun haben.“

          Das ist doch nun wirklich keine schwere Mengenlehre.

          Was du belegen müsstest, wäre die Forderung: „Ich kann verlangen, dass alle Männer außer meinem eigenen sich im Umgang mit mir verbiegen und ihre Persönlichkeit verleugnen.“

        • Du hast diese Auslegungen des Begriffs gebracht, Christian. Ich sage: Solange Frauen vom „großen, starken Mann“ träumen, ist jedem Jungen zu empfehlen, Frauen „nichts zuzutrauen“ oder zu finden, dass bestimmte Sachen nichts für Frauen sind. Das macht ihn nämlich attraktiver.

        • dass gibt ihnen aber kein Recht zu mir oder anderen Frauen innerhalb einer nichtromantischen Beziehung dominant zu sein

          Wie kommst Du denn auf die Idee? Innerhalb der allgemeinen Gesetze darf ein Mann so dominant sein, wie er will. Wenn es ihr nicht passt, kann sie gehen.

        • @Christian
          @only me
          Ich halte ein einsetzen für Gleichberechtigung durchaus für etwas, was auch an Schulen durchaus erfolgen kann

          Man könnte sich auch für das Recht auf Leben oder das Recht auf faire Benotung einsetzen. Fragt sich ob man es sollte, solange es keinen besonderen Anlass gibt.

        • a) ich möchte eine versaute Freundin, die die finger nicht von mir lassen kann
          b) ich stelle fest, dass die meisten Männer eine versaute Freundin wollen, die die finger nicht von ihnen lassen kann
          c) ich kann nicht akzeptieren, dass sie dann auch nicht die Finger von anderen Männern lassen können und mit diesen fremdgehen

          Das hier macht übrigens auch keinen Sinn. Natürlich will jeder Mann die Frau die verrückt nach ihm (individuell, konkret, persönlich) ist und nicht eine, die verrückt nach allen Männern ist.

        • Nein. Natürlich nicht. Sie will sich nur in einen großen starken Mann verlieben. Dass das eine das andere bedingt, ist zu hoch für sie.

    • Die Frage ist so eigentlich ok: „Männer sollten immer/nicht immer der Hauptverdiener sein.“ Schon, weil gelegentlich Männer arbeitslos werden, vergibt man sich nichts, wenn man „nicht immer“ sagt. Die weiterführende Frage, wie der konkrete Mann oder die konkrete Frau das für sich persönlich sieht, hat damit ja nichts zu tun.

      Wenn man das zum Ausgangspunkt einer Diskussion macht, ist das ja auch ein guter Einstieg. Man könnte die Frage ja auch umdrehen: „Wer von Euch würde eine(n) Partner/in heiraten, der/die über 1.000 € weniger als ihr im Monat verdient, oder schlimmstenfalls gar nichts?“
      „Wer von Euch würde eine(n) Partner/in heiraten, der/die über 1.000 € mehr im Monat verdient, und Euch einen Lebensstil ermöglicht, den ihr Euch selbst nicht leisten könnt?“

  3. „wenn mir nicht so verdammt gegen den Strich ginge, dass die notengeilen Kinder in Unterrichtsgesprächen auf die Fragen des Lehrers nur mit Aussagen antworten, die dieser vermeintlich hören will. Fragt man sie zu einem Thema nach ihrer eigenen Meinung, bleiben die Arme, insbesondere die der Mädchen, unten. “

    Nanu?
    Ich bin total überrascht.

  4. „Naja, weil das halt die richtige Antwort ist“, konstatierte David aus der zweiten Reihe frei heraus. „MELDEN, bevor man spricht!“, wies Sonja ihn von hinten zurecht. Ich hob, nicht ohne innerlich mit den Augen zu rollen, beschwichtigend die Hände in Sonjas Richtung zum Zeichen, dass es gerade okay war, diese unumstößliche Regel einmal zu umgehen“

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie früh das Patriarchat zuschlägt, indem schon Neuntklässler ihre Mitschülerinnen unter Bezug auf althergebrachte Rollenmuster unterdrücken.

    • Ich finde es allerdings interessant dass die Schüler intuitiv wissen, was die „richtige Antwort“ ist. Das gesellschaftliche Klima scheint bereits recht repressiv zu sein.

      • Ich denk, die Anekdote sagt sehr viel darüber aus, was für Erfahrungen die mit ihren anderen Lehrerinnen machen.
        Da wird durchaus gelehrt, dass es falsche Meinungen gibt.

      • Kann ich so nicht bestätigen und meine Schulzeit ist erst 2 jahre her. Wir hatten sogar zwei offen schwulenfeindliche und da ist nie was passiert. Die Gesinnungspolizei hat nur so viel Macht wie man ihr persönlich gibt.

  5. Mit dem „Klassenclown“ kann und sollte man aber auch ganz anders umgehen. Siehe beispielsweise den Film „Fuck ju Göthe“: Ein Klassenclown bzw. Unruhestifter muss mit den gleichen Waffen geschlagen werden. Hier z.B. Kevin Mercedes ständig mit anderen (weniger prestigeträchtigeren Automarken) ansprechen oder ihm erzählen, woher Mercedes stammt und dass das ja eigentlich ein Mädchenname ist.

    Ich hatte auch mal so zwei Unruhestifter in meinem Kurs und da hat das genauso funktioniert (übrigens schon vor besagtem Film). Die Mutter des einen hat mich nachher sogar angesprochen und erzählt, dass ihr Sohn ganz begeistert vom Unterricht sei. Und gelernt hat er nebenbei auch viel!

  6. „Eure Frau verdient 1000 Euro mehr pro Monat als ihr. Deshalb könnt ihr euch mehr leisten“

    Da Frauen die mehr verdienen im Schnitt ihr Geld lieber alleine verwalten, ist das ein ziemlich dünner Ast an den die Junge sich dann hängen würden.

    Vielleicht ist die Lehrerin mit den politisch korrekten Antworten auch unzufrieden, weil sie selbt weiß, dass das nicht das ist was sie will.

    Bei all den Berichten aus Schule habe ich noch nie gelesen habe das mal Mädchen auf kritischen Verhalten ihrerseits hingewiesen wurden. Es sind immer die Jungs, die falsch sind.

    Mit sowas hier darf man Mädchengemüter wohl nicht belasten:

    http://www.express.co.uk/life-style/life/640467/Rich-decline-date-men-earn-less-good-looking-dating

  7. Das Problem liegt tiefer.

    Das sind meiner Meinung nach die Symptome einer durch die neoliberale Doktrin niedergeknüppelten Gesellschaft. Die Pseudorationalität und propagierte Alternativlosigkeit dieser Zwangsideologie hat Fakten und Rahmenbedingungen geschaffen, in der jede/r um seine berufliche Existenz zittert und deshalb kuscht und pariert. Konformismus und Drückebergertum sind die Folge. PC, SJW und die panoptische gegenseitige und letztlich gegen sich selbst gerichtete Disziplinierung tun das Übrige.

    Selbst die Möglichkeit zum Protest wurde genommen, weil es ja „unvernünftig“ sei und dumm gegen dieses einzig seligmachende System zu rebellieren. Angreifbare Akteure wurden hinter endlosen Linien von Eigentumskonstruktionen versteckt, es gibt keinen sichtbaren Aggressor, der Protest läuft in einem ADHS-symptomatischen blinden Aktionismus ins Leere.

    Die lieben Kleinen machen nur brav nach, was ihnen vorgelebt wird.

    • Ja, und da sich das Problem der lückenlosen Überwachen bis in die Privatsphäre der Leute ausgebreitet hat, wird man bald nur noch politisch korrekten Konformismus erleben, zumindest bis ins Alter wo man das nicht mehr nötig hat.

      Brave new world!

    • Das Problem sind solche Hohlphrasen wie „Neoliberlae Doktrin“,

      alles was schief läuft ist der böse, böse „Neoliberalismus“ dabei können 90% derer die über den „Neoliberlalismus“ schimpfen selbigen noch nichtmal erklären oder kennen eine Definition dafür.

      Alles was irgendwie nach Marktwirtschaft aussieht wird sofort als böser Neoliberalismus oder Kapitalismus diffamiert obwohl man selbst 0 Ahnung von Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft und die Zusammenhänge hat, aber das braucht man ja nicht solange man ein „Che“ o.ä. T-Shirt trägt und Kapitalismus scheiße findet.

    • Die urdeutsche „soziale Marktwirtschaft“ ist uebrigens eine der beiden Varianten der neoliberalen „Doktrin“. Aber das ist jetzt nicht unbedingt das grosse Problem, sondern nur eine weitere Einschraenkung des Denkbaren.

      Das grosse Problem ist die totalitaere, religionsartige Doktrin des Gender-Feminismus, die jedes Schulfach durchdrungen hat. Wir zuechten eine Generation die sich beliebigen Religionen, die staatlicherseits durchgesetzt werden unterwirft, weil sie dann – und nur so – gute Noten, einen Job und Geld bekommen. Die bruellen auch Allahu akbar, wenn der Lehrer es will.

    • @ St. Elmo

      Dann sag halt „Wettbewerbsordnung“ dazu.

      Vollkommen wahnsinnige Ideologie.

      Eine Wettbewerbsordnung endet aufgrund begrenzter Ressourcen notwendigerweise in der vollkommenen Vernichtung aller beteiligter Kontrahenten.

  8. Jawohl. Und richtig und korrekt kann nur eine Meinung sein, die der vorherrschenden Gender-Ideologie entspricht.
    So kommt es dann auch, dass Schüler ganz offensichtlich recht unkritisch selbst den dümmsten Schwachsinn unwidersprochen hinnehmen, wie ja auch die Antwort des Schülers zeigt, der der Note wegen eine bestimmte „Meinung“ hat.
    Schön sind auch die Schülergruppen (insbesondere die männlichen Schüler), die sich in der Stadt in die Fußgängerzone stellen und das Märchen vom GPG mittels Plakataktionen verbreiten.
    Kritisches Nachfragen seitens der Schüler ist offensichtlich unerwünscht – und so lernen gerade die lieben Jungs, dass sie doch nur die bösen Unterdrücker der Mädchen und Frauen in einem Patriarchat sind.

  9. Ja…wir leben leider in einer Zeit, in der andere Meinungen und Ansichten nicht geduldet werden. Man muss heutzutage schon Angst haben, in Klarnamen etwas online zu schreiben, zu groß ist die Gefahr, wegen anderer Ansichten entlassen zu werden. Politische Korrektheit um jeden Preis heißt es wohl. Hier reiht sich auch der Feminismus mit ein. Nur wem nützt es?

    • „Nur wem nützt es?“
      Ein ist ein Tool zur Disziplinierung. Im Talmud heißt es:
      „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
      Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
      Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
      Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
      Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

      Wenn du die PC-Scheiße verinnerlicht hast, dann handelst du auch danach. Du kriegst es nicht einmal mehr mit, nur wenn du auf Menschen aus Gegenden die nicht dem PC-Diktat unterworfen sind wie Russland oder Südamerika triffst, wird dir bewusst, wie Gehirngewaschen du bereits bist.
      Da ist der kleine Miniprotest hier im Forum nicht mal ein kleiner Tropfen Wasser auf einen aktiven Vulkan.

      • Wenn du die PC-Scheiße verinnerlicht hast, dann handelst du auch danach.

        Das klappt aber in diesem Fall der Hypergamie eher selten (siehe obigen Link). Aber allein diese wenigen Fälle gelten heute schon als Beweis.

        Christian hat sogar einmal geschrieben, wenn ich mich richtig erinnere, dass Deutschland da anders tickt als des Rest der Welt. Ich denke da nur „Gelegenheit macht Diebe“.

  10. Die Lehrerin hat offenbar ein Logik-Problem und kann keine sinnvollen Testfragen ausarbeiten.

    Selbst wenn man persönlich Hauptverdiener sein möchte, folgt daraus nicht, dass man der Aussage „Männer sollten immer die Hauptverdiener einer Familie sein“ zustimmen muss. Die Schüler haben sich also nicht widersprüchlich verhalten.

    • Ja, das fällt einem gar nicht einmal mehr auf, wie sehr die Fragen suggestiv gestellt werden, wenn es um politische Korrektheit geht. Für die Lehrerin ist so ein Fehler eigentlich unentschuldbar. Immerhin soll sie Vorbild sein.

      Aber der ganze neue Feminismus ist auf solche Absolutheitsansprüche aufgebaut. Deshalb ist ja schon die Meinung eine(r)(s) einzigen in deren Augen eine Gefahr.

      Das erinnert sehr an absolutistisch aufgebaute Ideologien. Da fängt man auch immer schon bei den Kleinsten an mit der Indoktrination.

  11. Das bringt doch genau das Problem zum Ausdruck über welches sich Jonathan Pie in seinem Trumpf Rant ausgekotzt hat: Wenn die Leute etikettierung und herabgewürdigt werden, wenn sie ihre Meinung sagen, dann sagen sie in den Umfragen halt das gefällige, aber in der Wahlkabine, wo wie keiner mehr verurteilen kann für ihre Meinung, wird diese Meinung dann auf den Stimmzettel gesetzt, deshalb waren die Umfragen bei Brexit und Trump auch so daneben, weil die Menschen sich nicht mehr öffentlich trauen ihre meinung zu sagen und das gleiche Phänomen hast du halt auch in der Schule, wo die Schüler efahr laufen schlechte noten zu bekommen, oder von den Lehrer als dämlich oder sexist abgestempelt zu werden, wenn sie ehrlich antworten.

    • „Wenn die Leute etikettierung und herabgewürdigt werden, wenn sie ihre Meinung sagen, dann sagen sie in den Umfragen halt das gefällige, aber in der Wahlkabine, wo wie keiner mehr verurteilen kann für ihre Meinung, wird diese Meinung dann auf den Stimmzettel gesetzt, deshalb waren die Umfragen bei Brexit und Trump auch so daneben, weil die Menschen sich nicht mehr öffentlich trauen ihre meinung zu sagen …“

      Exakt das war auch sofort meine Assoziation.
      Wenn schon die Schüler diese kognitive Dissonanz wahrnehmen und entsprechend reagieren, dann kann man dasselbe auch von den Erwachsenen erwarten.
      Dann halten sie mit ihren wahren Meinungen hinterm Berg, rechnen aber in der Wahlkabine mit den PC-Apologeten gnadenlos ab.
      Bei allen Wahlumfragen vor und nach der Wahl waren PC-Themen angeblich kein bisschen wahlentscheidend. Da frage ich mich natürlich, ob ich selbst vielleicht in einer Filterbubble lebe und eine total andere Wirklichkeit als der Rest der Welt wahrnehme.

      Es scheint aber doch so zu sein, dass eine riesige schweigende Menge meine Ansicht teilt und DIE Parteien der PC abstraft.

      Ich hab mich schon länger von der Meinung verabschiedet, dass die AfD-Wähler rechtsextrem sind, wenn ich auch überzeugt bin, dass sich dort viel braunes Gesindel herumtreibt.
      Wahrscheinlich ist der typische AfD-Wähler eher jemand, der ganz bewusst NICHT politisch korrekt wählt.

      • herumtreibt oder herumtrieb?
        Es gibt ja wahrscheinlich wirklich nur einen sehr kleinen Anteil ernsthaft Rechter im Lande, die haben bestimmt schon länger keine Mehrheit mehr in der AfD.
        Die dürfte von Tag zu Tag wählbarer werden.

        • „Die dürfte von Tag zu Tag wählbarer werden.“

          Ich bin mir nicht sicher, ob der Richtungskampf wirklich entschieden ist. Seit der Abwatschung Petris scheinen die Braunen wieder Morgenluft zu wittern.

        • Passend dazu.
          https://blog.fefe.de/?ts=a7e4161c

          „Unsere Nazi-Bedrohung würde sich wahrscheinlich spontan halbieren, wenn wir den Verfassungsschutz zumachen würden. Warum machen wir das eigentlich nicht einfach?“

          Ohne den NSU – der stark nach Geheimdienst(en) riecht – gäbe es in meinen Augen gar kein „Rechts“ gegen das man sein könnte in Deutschland.

  12. Gute Schüler!

    Sie nutzen letztlich ihre Freiheit. Sie sagen klar: Nichts muss so sein. Aber sie sagen auch: Für ihr individuelles Leben WÜNSCHEN sie sich etwas anderes. Wer könnte man sein um darüber zu urteilen?

    Genau das ist Selbstbestimmung.

    An solchen Beispielen sieht man sehr schön, dass es eigentlich längst nicht mehr um Wahlfreiheit geht. Die „Emanzipierten“ wollen der Gesellschaft ihr Lebensmodell aufdrücken.

    Und das merken schon die Kleinsten. Es gibt also noch Hoffnung.

  13. Mein mustergültiger Lebenslauf bis Ende 2016:

    – Jahrgang 1988, Berlin
    – Abitur
    – Ausbildung (Verlagskauffrau)
    – Studium (Deutsch und Politik auf Lehramt an Gymnasien)
    – Nebenjobs und Ehrenämter aller Couleur
    – immer artig, immer fleißig, immer angepasst
    – Einstieg ins Referendariat
    – Krise in jedweder Hinsicht, ebenso plötzlich wie tief
    – Schnauze voll, alles hingeschmissen

    Im Text:
    Meine zugegebenermaßen ohnehin nie ausreichende Motivation für diesen Job

    Das sagt eigentlich schon alles

  14. Aber unser Bildungssystem ist so leistungsorientiert, dass es individuelle Bedürfnisse der Kinder völlig außer Acht lässt. Entwickelt werden sollen lediglich Kompetenzen, nicht Persönlichkeiten

    Hört man ja oft: Schule sei dazu da, die Persönlichkeit zu entwickeln.

    Sie schreibt in der Langversion:
    Ich habe mich nicht für den Lehrerberuf entschieden, weil ich kleine Köpfe so gern mit all dem großen Unsinn füttern wollte, die die Rahmenlehrpläne uns diktieren. Diesen stehe ich nicht zuletzt so kritisch gegenüber, weil mich die dortigen Formulierungen daran zweifeln lassen, dass es den Autoren darin tatsächlich um die Förderung und Entwicklung junger Menschen geht.

    Aber wie geht das überhaupt? Wie entwickelt an eine Persönlichkeit? Doch wohl nicht durch Unterricht.

    Da werden oft zwei Dinge vermischt, die nicht zusammengehören.

    Zum Beispiel wäre es ein Unding, Persönlichkeit zu benoten.

    Natürlich hat die Schule auch die Aufgabe, Kinder zur Disziplin und sozialverträglichem Verhalten zu erziehen, aber daraus folgt gerade nicht, dass die Leistungsorientierung zurückstehen muss.

    Man betrügt Schüler um ihre (späteren) Entfaltungsmöglichkeiten, wenn man die Anforderungen zurückschraubt.

    Geht es bei diesem Gelaber von Persönlichkeitsentwicklung darum, an der (politischen) Gesinnung der Schüler herumzudoktern?

  15. Kann es sein, dass sich unsere Referendarin durch den Spiegel-Artikel eine berufliche Verbesserung erhofft? Ein Aufkreisch-Artikel in einem reichweitenstarken Medium, dazu ein paar Superweibchen-Bilder, in der Hoffnung, dass irgend ein potenter SJ-Unternehmer sich ihrer erbarmt?

    Von solchen Autoren müsste der Spiegel Geld verlangen.

    • „Kann es sein, dass sich unsere Referendarin durch den Spiegel-Artikel eine berufliche Verbesserung erhofft?“

      Berufliche Verbesserung, indem sie gegen die PC-Richtlinien verstößt?
      Berufliche Verbesserung, indem sie ihren potentiellen Arbeitgeber anpinkelt?

      Wenn sie das vorhatte, hat sie irgendwas falsch verstanden.
      Das klingt eher nach einer Abschlussrechnung, nach der man keine weiteren Kontakte mehr plant.

      • Gegen welche PC-Richtlinien?

        Manchmal ist das nicht ganz „intuitiv“, wer wie Karriere macht, zB ist Laura Himmelreich jetzt Chefredakteurin von Vice. Manchmal reicht schrille Aufmerksamkeit.

        • „Gegen welche PC-Richtlinien?“

          Die PC-Richtlinien, wonach über Jungs und Männer nichts Positives und über Mädchen und Frauen nichts Negatives berichtet werden darf.
          Sie ermuntert den Jungen zu offener Rede und bringt die Matrone hinter ihm zum Schweigen.
          Damit macht sie das vom Patriarchat unterdrückte Geschlecht unsichtbar.
          Fraternisierung mit dem Feind.
          Absolut tödlich!

          „Manchmal ist das nicht ganz „intuitiv“, wer wie Karriere macht,…“

          Ich kenne weder Laura Himmelreich, noch Vice. Sorry, ist wohl das Alter.
          Anyway: Deine Aussage ist, bezogen auf die Privatwirtschaft, einigermaßen richtig.
          Aber die Referendarin hier peilte eine „Karriere“ im Öffentlichen Dienst an. Und da ist der richtige Stallgeruch – hier die korrekte politische Einstellung – weit wichtiger, als fachliche Qualifikation.

        • Ich interpretiere ihr Verhaltens anders. Sie lässt Jungs deshalb zu Wort kommen, um aufzudecken, was für patriarchale Schweine sie sind und dass die Umerziehung zum Menschen nicht weit genug geht, wenn man political correctness bloß abfragt. Der Notendruck verdeckt ihrer Ansicht nach die tatsächliche Gesinnung.

          Für ist sie eher 150% pc.

        • Das Mädchen wird eigentlich nicht als Matrone dargestellt, sondern als übertrieben brav.

          Alles politisch korrekt herbeifantasiert. Die braven, ängstlichen Mädchen, der angebliche Notendruck, das Schulsystem, das angeblich nur auf stupides Lernen ausgelegt ist, die angeblich wirksame Einschüchterung durch schlechte Noten. Sie redet sogar von „panischer“ Angst der Schüler.

          Wenn das nicht pc ist … was dann?

        • „Sollte heißen: Für MICH ist sie eine 150%ige.“

          OK, das könnte auch ne Möglichkeit sein.
          Das hab ich nicht so verstanden, aber Du könntest recht haben.

          Ich werd den Text nochmal – mit „Deinen“ Augen – lesen 🙂

        • Ich fürchte, FS, DU liegst falsch.

          Auch nach dem zweiten Durchlesen des – gesamten – Textes, verfestigt sich allenfalls mein Eindruck, dass hier eine junge engagierte Referendarin das Handtuch geworfen hat, bevor das System sie verbrennt.

          Sie schreibt: „Um es kurz zu machen: Der Backfisch sprengte mir mit seinem Verhalten und dadurch, dass er auch andere zur Nachahmung anstachelte, die ganze Stunde.“

          Eine 150%ige würde einen störenden Jungen mit allen möglichen gehässigen Bezeichnungen überschütten, aber ganz sicher nicht mit „Backfisch“, mit dem man wohlwollend einen noch unausgereiften Teenie tituliert.

          Sie schreibt weiter: „Natürlich empfand ich Fridolin als anstrengend, aber ich nahm ihm sein Verhalten nicht übel.“

          Genau das aber hätte eine Feministin. Denn er macht seine Klassenkameradinnen unsichtbar und versucht, so wie er es von seinem Vater gelernt hat, die Lehrerin zu unterdrücken.

          Andere Stellen fallen dem untrainierten Leser weniger auf, aber ich zeige sie Dir.
          Sie schreibt: „Vielleicht könnte ich mich mit dem Job als Lehrer anfreunden, …“

          Das generische Maskulinum bei einer Feministin, auf sich selbst angewandt? Eher würde die den Herztod erleiden, als dass ihr ein solcher Satz über die Lippen käme.

          Sie schreibt: „Wann haben Sie aufgehört, mit Ihren Kindern über deren Wünsche, Neigungen und Talente zu sprechen, sodass Ihre Söhne und Töchter aus freiem Wunsch und echter Überzeugung heraus ein Zukunftsziel formulieren können, mit dem die ganze Familie gut leben kann?“

          Wie formulierte Alice Schwarzgeld vor einigen Jahren?
          Sinngemäß: „Wir müssen es unseren Söhnen schwerer machen, damit unsere Töchter es einfacher haben.“
          DAS ist Feminismus.
          Eine 150%ige würde Söhne gar nicht zur Kenntnis nehmen, schon gar nicht sich Sorgen um deren Zukunft machen.
          Und nochwas: nach alter bürgerlicher Tradition schreibt sie „Söhne und Töchter“, nicht „Töchter und Söhne“. Allein dafür schon würde sie von den Apologeten der reinen Lehre geteert und gefedert.

          Und abschließend noch ihr Appell an die Schüler – ALLE Schüler: „Wenn ihr ein bestimmtes Fach wirklich gern studieren wollt, dann lasst euch bitte, bitte nicht von dem Ergebnis eines solchen Tests davon abbringen. Mal abgesehen davon, dass ich mit der Studienberatung bei der Arbeitsagentur ohnehin so meine zweifelhaften Erfahrungen gemacht habe, wird im Studium oft nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Wenn ihr das wollt, dann packt ihr das auch! Euch ist nicht damit geholfen, wenn ihr euch dann aus Angst für ein Fach entscheidet, das euch gar nicht wirklich interessiert!“

          Dem kann ich mich nur anschließen.

        • Hab leider grad nicht genug Zeit. Ich würde aber nicht jedes einzelne Wort darauf abklopfen, ob es eine Rad-ab-Feministin genauso verwendet hätte. Die Frage war ja, ob sie gegen die geltende Norm der political correctness verstößt. 150% hatte ich nicht in dem Sinn gemeint, dass sie besonders radikal ist. Ich meinte es eher so, dass sie einen unbedingten Willen hat, ihr Gutmenschen-Getue bzw. ihr Leiden an der Schlechtigkeit der Welt jedem unter die Nase zu reiben. Sie sieht ihren ganzen Daseinszweck darin, die Welt gerechter zu machen, meint ihre Schüler in diesem Sinne politisch erziehen zu müssen. Es kommen auch die üblichen Stichworte, wie etwa die schlimmen Noten, die die Schüler so verängstigen.

          Ihre Kritik richtet sich ja auch nicht gegen den indoktrinösen Fragebogen der Bundeszentrale für politische Bildung, sondern gegen eine (vermeintliche!) Unehrlichkeit der männlichen Schüler.

          Sie ist in dieser Hinsicht ganz auf Linie.

        • Im übrigen versteht sie auch nicht, dass die Berufsberatung nicht dazu dient, Schülern ihre Wünsche auszureden, sondern unentschlossenen Schülern eine Hilfe bereitzustellen. Sie stellt das so dar, als sollte da gesiebt werden, indem man Fachkenntnisse abfragt – z.B. juristische -, die die Schüler noch gar nicht haben können.

          Alles was sie schreibt, würde ich eher der Dichtung zuordnen, da ist nichts realistisch. Schon ihre Behauptung, in der sozial höheren Schicht seien die Schüler alle brav und geil auf gute Noten. Sie schreibt eigentlich nur Müll.

          Aber es gibt einen roten Faden: Die Welt da draußen ist ganz furchtbar, sie hält es kaum auf ihrem Stuhl aus, so unmenschlich ist alles.

  16. Gut das wir den Klassenraum früher mal verlassen durften ohne uns zwischen Shen Te oder Shui Ta entschieden haben zu müssen.

    • Leider sind aus genau derer meiner Generation Hampel auf Schüler losgelassen worden, die kein Problem damit hatten, Unterrichtsmaterialien von der INSM gestellt zu bekommen.
      Wir sind an einem Punkt, an dem ich Homeschooling für die einzige übrig gebliebene Möglichkeit halte.
      Denn den Satz:“Ich schicke meine Kinder auf diese Schule, damit sie was lernen und Bildung als Selbstwert begreifen.“ habe ich noch nie gehört.

      • „Leider sind aus genau derer meiner Generation Hampel auf Schüler losgelassen worden, die kein Problem damit hatten, Unterrichtsmaterialien von der INSM gestellt zu bekommen.
        Wir sind an einem Punkt, an dem ich Homeschooling für die einzige übrig gebliebene Möglichkeit halte.“

        Aber das ist ja genau falsch, man muss den Kindern klar machen, dass öffentliche Institutionen auch verlogen sind! Auch das ist ein wichtiger Lernerfolg!

        Man muss ihren Skeptizismus und ihre Nachdenkfähigkeit stärken, optional noch die Fähigkeit, geschickt zu widersprechen.

  17. In Mathe, Chemie, Phyisk u.ä.. wird es obiges Problem nicht geben obwohl dort auch der „Zensurdruck“ des Schulsystems herrscht.

    Denn was die Dame beschreibt is eigneltich kein Zensurdruck, sonder ideologischer Druck.
    Wäre für den Lehrer nicht nur die Antwort A richtig sondern auch eine gut Begründete Antwort B würden sicherlich einge Schüler B antworten.

    Aber solange es eben ideologisierte Lehrer in Soziolkunde/Geschichte u.ä. Fächern gibt, für die nur Antwort A richtig seien kann/darf, werden Schüler genau das Antworten was der Lehrer hören will, da der Lehrer eben am Längern Hebel sitzt und „falsche“ Meinungen mit schlechten Noten bestrafen kann.

    Das ist aber nicht die Schuld des Schulsystems sondern die Schuld der Lehrer.

    • „Wäre für den Lehrer nicht nur die Antwort A richtig sondern auch eine gut Begründete Antwort B würden sicherlich einge Schüler B antworten.“

      Deshalb hab ich Deutsch in der Schule gehasst, obwohl ich in Rechtschreibung und Grammatik jahrelang Klassenbester war.
      Mein Versagen war, dass ich vollkommen unfähig war, die Wunschantwort der Lehrerin einzuschätzen.
      Ich hab heute noch eine Klassenarbeit zu einer Geschichte von Bert Brecht im Ordner, die ich – wie ich immer noch finde – brillant un schlüssig formulierte, aber nach Meinung der Lehrerin eben politisch falsch, weshalb sie mir eine „wohlwollende 4-“ reinsemmelte.

      • Ging mir ähnlich, mit einem Aufsatz, über „Der Fischer und das Meer“.

        Ich entlarvte die naive, sozialromantische Geschichte von Ernest Hemingway, als etwas kurzsichtig und unvollständig und wurde mit einer 3-4 dafür belohnt 🙂

        Ich bin froh, aus dem Bildungszirkus raus zu sein, ich habe eine intensive Abneigung dagegen, mich von anderen Personen bewerten zu lassen.

        • „Ich bin froh, aus dem Bildungszirkus raus zu sein, ich habe eine intensive Abneigung dagegen, mich von anderen Personen bewerten zu lassen.“

          Nun, Du wirst Dein ganzes Leben von anderen bewertet, kriegst Zeunisse, wenn Du irgendwo Angestellter bist.
          Damit hab ich keine Probleme, solange die Bewertungen fair und gerecht sind.

          Ich hätte auch keine Probleme damit gehabt, wenn ich ne schlechte Note für meine Arbeit gekriegt hätte, weil meine Argumente und Belege schwach waren.
          Aber ich fand sie extrem schlüssig und bin noch heute fasziniert, wie gut ich damals schon als Teenie formulieren konnte.
          Und wenn jemand seine Meinung begründen und durch Textauszüge belegen kann, dann verdient das eine entsprechende Honorierung. Schließlich war das Ziel nicht eine politische Schulung, sondern die Fähigkeit zum eigenständigen Denken.

  18. Eine Referandarin, die wegen ein paar kleinerer herbeiphantasierter Probleme die Karriere hinschmeißt? Die hat wohl schon den richtigen Ernährer geheiratet und kann sich jetzt voll und ganz selbst verwirklichen.
    Jemand, der auf das Geld angewiesen ist, zieht die Sache durch und versucht dann eben im Rahmen seiner Möglichkeiten, den Unterricht so zu gestalten, dass es zu den eigenen Ideen passt.

  19. Pingback: Politische Korrektheit bleibt uncool | Lollipops for equality

  20. „Der Zensurendruck ist allgegenwärtig. Die Schüler würden ohne Weiteres wohl sogar das Telefonbuch auswendig lernen, wenn man ihnen dafür eine Eins in Aussicht stellt.“

    Selbstverständlich, genau dazu gibt es Schulen, Kinder sollen etwas lernen, egal ob ihnen der Sinn einleuchtet oder nicht. „Verständnis wecken“ zeichnet gute Lehrer aus (die idR in der Minderheit und auch nicht politisch korrekt verlogen sind).

    „Man kann Leute abgesehen von einem totalitären Staat nicht beliebig indoktrinieren“

    Man kann es auch in einem totalitären Staat nicht. Es gibt immer Leute, die DENKEN oder einfach skeptisch sind, immer! Die meisten interessieren sich lediglich nicht für Politik und passen sich dem Druck einfach an. Nur deshalb funktionieren Diktaturen.

    Gesellschaften, die über lange Zeiten so leben mussten (z.B. Griechenland unter türkischer Fremdherrschaft) entwickeln scheinbar eine Art Persönlichkeitsspaltung. Der öffentliche, politische Bereich, wird moralisch komplett vom privaten abgespalten, jede Lüge, um das aufrecht zu erhalten, scheint der Bevölkerung gerechtfertigt (Steuerhinterziehung, Vetternwirtschaft, Korruption etc.)…

    „Meiner Meinung nach hat sie damit die Position auch vollkommen falsch aufgebaut für eine tatsächlich kontroverse Diskussion.“

    Der Unsinn besteht schon darin, Kinder in diesem Alter zu fragen, denen komplett jegliche Lebenserfahrung abgeht. Da kann es von vornherein nur um die Abfrage der Indoktrinierung gehen. So als ob man in der DDR gefragt hätte, ob der Sozialismus die einzige glücklichmachende Ideologie ist.

    Ich erinnere an eine Stunde, in der wir eine Phantasieblume malen sollten. Ich malte (obwohl ich nichtmal Pionier war und meine Eltern in der Opposition) eine Blume mit DDR-Emblem. Der Grund: darauf konnte mir der, auch als Stabi-Lehrer tätige, keine schlechte Note geben. Und ich konnte Pluspunkte bei den Klassenkameraden sammeln, für diese mutige Unverschämtheit. Für eine 1 reichte die Anbiederung nicht, aber eine 2 wurde es, wenn ich richtig erinnere 🙂

    Später hat ein gymnasialer Mitschüler mich noch überboten, indem er eine vollkommen lächerlich-überzogene Kunstkritik schrieb und dafür eine 1 kassierte (seitdem nehme ich den Kunstbereich nicht mehr ernst).

    „Ich finde ihre Einstellung, dass man da schauen muss, was eigentlich dahinter steht gut. Natürlich kann es für einen Lehrer schlicht bequemer sein, ihn einfach mit schlechten Noten zur Ordnung zu bringen und das Problem auf diese Weise zu lösen.“

    Kann sein. Normalerweise haben Lehrer aber keine Chance die Maske zu durchdringen. Oft genug sind das auch nur Phasen. Ich war selbst gelegentlich problematisch und schäme mich im Nachhinein dafür. Rückblickend betrachtet, traf es aber immer nur Lehrer, die „schwach“ waren. Lehrer die meine Frechheiten aus falscher Rücksichtnahme oder Hilflosigkeit durchgingen ließen und damit ermutigten. Sowas kann das Niveau einer Klasse übrigens erheblich nach unten ziehen, weil andere das kopieren.

    Im Zweifel kann es richtiger sein, sowas mit Strenge zu parieren. Totales NoGo: zu spät, zu zögerlich, sporadisch und dann zu hart zu reagieren. Das erwischt meist die Falschen und wird als ungerecht empfunden, weil es inkonsequent wirkt. Wenn einem das Gefühl für Rabauken fehlt (fehlt bei fast allen Frauen), dann helfen klare Regeln und eine gewisse Härte durchaus.

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