„Sind Sie eine Feministin Frau Merkel?“

Feministinnen nötigen eine unwillige Frau mit öffentlichen Druck dazu sich zu ihrer Ideologie zu bekennen:

Erkennbar wollte sich Merkel das Label Feministin nicht umhängen, aber hat dann den Ausweg gesucht, indem sie es in einen gewissen Zusammenhang gesetzt hat. Dazu gibt es natürlich kritische Stimmen:

Das ist interessant. Denn Merkels Weigerung, sich als Frau mit Macht offensiv für Frauenrechte einzusetzen, kann man sehr wohl als ängstliche Zurückhaltung sehen. Merkel hat Frauenpolitik immer gefördert, sie aber gleichzeitig von anderen wie Ursula von der Leyen machen lassen. Man konnte das Gefühl bekommen, sie glaube, als Kanzler-IN sei sie für die Altherrenunion und ihre Stammwähler Zumutung genug. Ihr Nicht-Bekenntnis wirkt wie ein Makel am größten Erfolg des Feminismus, als der Merkel gelten darf: Selbst die mächtigste Frau der Welt kann ihr Bekenntnis nicht frei wählen, sondern wird durch ihr Frau-Sein beschränkt.

Vielleicht ist diese Interpretation unfair. Vielleicht scheut Angela Merkel als Ideologie-Allergikerin nur den vielen ideengeschichtlichen Ballast, der am Feminismus klebt. Aber an Tagen, in denen die Sexismus-Zombies genüsslich grunzend den trügerischen Geschlechterfrühling zertrampeln, auf alten Frauen reiten, fragen, ob Kim Kardashians Hintern „zerfällt“, Frauen zu Volksgebärmaschinen erniedrigen, Blumenmuster zur natürlichen Fellfarbe des Weibchens erklären, da will man die Kanzlerin schütteln. Verdammt, Frau Merkel, sagen Sie’s einfach: Ich bin Feministin! Wir brauchen den Feminismus!

Schrecklich diese Sexismus Zombies. Neulich verglichen sie Frauen noch mit sterbenden Tieren, deren Zeit gekommen ist und gegen die man mit Terrorgruppen vorgehen sollte, und das in großen Tageszeitungen. Da ist Feminismus wirklich notwendig, sonst wird zu schlecht über Frauen geredet. Wir brauchen Feminismus dringend, damit der Sexismus aufhört!

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43 Gedanken zu “„Sind Sie eine Feministin Frau Merkel?“

  1. Wer sind eigentlich diese genüsslich grunzenden Sexismus-Zombies (nebenbei: zum Topos des Tier-Vergleichs hat sich jetzt der Topos des Für-tot-Erklärens gesellt), die auf alten Frauen reiten (?), Kim Kardashians Hintern schlechtreden, alle Frauen zu Gebärmaschinen des Volkes erniedrigen und ihnen Blümchenmuster zur Kleidung anempfehlen (!!) wollen? Worauf bezieht sich das? Mir fällt für keine einzige dieser Feststellungen ein realer Bezug ein.

    Dass hingegen Männer sterbende Tiere seien, die mit Terrorgruppen aus dem Weg geräumt werden sollten – das stand gleich in zwei größeren Publikationen, erst in der Edition F., dann in der Zeit.

    Könnte bitte mal jemand Merkel bei der nächsten Pressekonferenz fragen, ob sie Maskulistin ist? Verdammt, wir brauchen das dringend!!

    PS. Christian, auch von mir alles Gute zum Blog-Geburtstag! Dieses Blog hier über Jahre zu führen, finde ich grandios.

  2. ist vielleicht nur ihre Strategie sich nie festzulegen. Mit ihrem Instinkt wird sie schon registriert haben, das Feminismus nicht mehr durchweg positiv besetzt ist, und das sie zwar noch immer Konkurrenz elegant aus dem Weg räumen kann, das aber die Zeiten sich ändern, das sich ein männliches Selbstbewusstsein regt, das sich nicht aus der weiblichen Bestätigung speist, und das zunehmend Frauen Unbehagen empfinden über eine Ideologie, die ihre altbewährten indirekten weiblichen Herrschaftsmethoden beschädigt, weil sie es maßlos übertreibt.

    PS und ja, Respekt und Hochachtung für diesen Blog

  3. Merkel hat in ihren Wahlkämpfen die „Frauenkarte“ immer vermieden. Die Positionierung als Frau im Kampf gegen Männer kostet nämlich massiv Stimmen und bringt außer dem Jubel einer kleinen Minderheit nichts.

  4. Woher kommt eigentlich die Idee, dass Kinder kriegen etwas „erniedrigendes“ ist, bzw. etwas was die Frau erniedrigt? Liegt es etwa daran, dass viele Feministen nie einen Mann finden, der mit ihnen Kinder bekommen will? Liegt es daran, dass sie selber keine Kinder haben?

    Warum schauen so viele Mütter fast mit Nostalgie auf den Tag der Geburt ihres Kindes zurück warum erzählen sie davon noch Jahrzehnte Geschichten? Scheint doch nicht eine so erniedrigende Sache zu sein.

    • „Liegt es etwa daran, dass viele Feministen nie einen Mann finden, der mit ihnen Kinder bekommen will? Liegt es daran, dass sie selber keine Kinder haben?“

      Ja.

    • Die Technik spielt gegen die Feministen. In wenigen Jahren wird es künstliche Gebärmütter und Sexroboter geben und dann werden wir mal schauen wie die Damen dann toben werden. Dann werden sich Feministen und ihre Nutznießer in den Geisteswissenschaften sehr stark umschauen müssen.

      Ich freu mich schon drauf.

  5. Gibt es auch Gleichstellungsbeauftragte, die sich nicht als Feministinnen bezeichnen würden? Wenn ja, was haben wir davon …

    Für mich ist die Lenkerin eines feministischen Staates Feministin, egal ob die sich auch so nennt. Wie nennt man wohl eine Tante, die auf einen Frauengipfel geht und den dort aufgestellten Thesen zustimmt?

    • Frauengipfel sind in der Tat merkwürdig. Man stelle sich einen Gipfel vor, auf den Männern gehen, um sich gegenseitig zu versichern, wie unverzichtbar sie für die Welt sind (bei Männern würde es sogar stimmen, aber das ist eine andere Sache).

        • „Hat was Lächerliches … und sie merken es nicht“

          Nun ja, Frauen gehen ja auch geschminkt wie Clowns und über und über mit Lametta behangen, in unbequemen hochhackigen Schuhen auf die Straße. Und sie präsentieren ihre Brüste, beschweren sich aber, wenn die falschen Männer darauf reagieren 🙂

        • „Noch immer kein weibliches Pendant für ‚Wichser‘.“

          Wieso? Das weibliche Pendant zu einem Mann, der keinen Sex kriegen kann ist eine Frau, die Sex zu billig oder zu offen gegen Ressourcen rausgibt.
          Also Schlampe, Flittchen, Dirne, Nutte vs Wichser, Schlappschwanz, Weichei, Loser

        • war tatsächlich eine der lächerlichsten absurdesten Veranstaltungen die ich seit langem gesehen habe.
          Zeigt aber auch in welcher Blase (diese) Frauen leben

      • Wer betonen muss: Es braucht uns, wir leisten viel und sind unverzichtbar, der ist möglicherweise selbst nicht ganz davon überzeugt. Ich kenne solche Fälle aus dem Arbeitsleben, Mitarbeiter, die stets ihre Unverzichtbarkeit und ihre grossartigen Leistungen mitteilen. Unangenehme Zeitgenossen, die ständig nach Anerkennung gieren.

  6. Genausogut hätte man Merkel fragen können ob sie Rassistin ist, denn genau das sind Feministinnen heute: Rassisten, die sich für die Guten halten.

  7. Wer sagt Jungen haben zu leiden um tausende Jahre von Frauenunterdrückung wieder gut zu machen, der braucht sich das Label nicht verbal anzuhängen, der hat sich damit längst selbst gebrandmarkt.

  8. „Ihr Nicht-Bekenntnis wirkt wie ein Makel am größten Erfolg des Feminismus, als der Merkel gelten darf“

    Wenn Merkel der größte Erfolg des Feminismus ist, dann wäre das einmal mehr der Beweis das Feministinnen ohne die Unterstützung von Männern nichts auf die Reihe bekommen.

    Merkel wurde von Helmut Kohl protegiert und wäre ohne Ihn nie Kanzlerin geworden.

    • Merkel wurde von Helmut Kohl protegiert und wäre ohne Ihn nie Kanzlerin geworden.

      Ja schon, aber dann hat sie doch alle männlichen Konkurrenten selbst aus dem Weg geschafft.
      Beides zeigt aber schön, wie auch oder gerade Männer vom Schlage weißer Ritter oder Konservative allgemein, von Frauen ganz gnadenlos ausgenutzt werden. Ihre Ritterlichkeit und gleichzeitig auch Überheblichkeit gegenüber Frauen, die Kombination von beidem, macht sie da ein wenig wehrlos.

    • PS: Es wäre interessant zu erfahren, wie viel des Pressesterbens (Tageszeitungen und politische Nachrichtenmagazine überwiegend männliche Leserschaft) eigentlich auf die Erhöhung des Outputs weiblich-feministischer Ergüsse zurückzuführen ist?

      Wen interessiert, ob Merkel Feministin Ist? Wer fremdschämt sich nicht beim Lesen von Stokowskis politischer „Analyse“ einer Ivanka Trump?

      • „wie viel des Pressesterbens eigentlich auf die Erhöhung des Outputs weiblich-feministischer Ergüsse zurückzuführen ist?“

        Das frage ich mich auch regelmäßig. Aber wahrscheinlich sind wir einfach ge’prime’t…

    • 1. Kommentar:

      Und da dachte ich fuer einen moment….
      …. das die Autorin mit so einer Ueberschrift (Der Bullshit-Feminismus) endlich mal etwas selbst-reflektion betreibt. War aber leider mal wieder nichts. Naja, eines Tages vielleicht.

      ^^

  9. Sehr amüsant finde ich das in Verbindung damit, dass Merkel ja gerade in Saudi-Arabien auf ein Kopftuch verzichtet hat. – Anders, als die stolze „erste feministische Regierung“ von Schweden, die ja fast vor heroischem Stolz platzte, dass sie es wagte, Trump zu verspotten (was ja sonst niemand tut), die sich im Iran dann doch brav den Mullahs unterwarf.

    Aber hier trennt sich eben die Spreu vom Weizen und es zeigt sich, wer das bloße Symbol für wichtiger hält, als den Inhalt.

  10. Sollten die Feministinnen sich wirklich eine Merkel als Genossin wünschen?

    In einer Todesumarmung stirbt es sich vielleicht besser, ich sehe sowohl Merkel wie auch den Feminismus im Untergang begriffen.

    Den Feminismus weil er immer seltsamere und immer extremere Blüten treibt und eigentlich nur noch Ekel bei den meisten Menschen weckt.

    Merkel, weil sie (vorgeblich) das getan hat, was typisch weibliche Politik ausmacht: (faule) Kompromisse schliessen (Erdogan-Flüchtlingsdeal), anderer Leute Geld verschachern (Euro-Rettung), mit jungen Fachkräften Selfies machen, Intrigen schmieden (gegen jeden in der Partei der eine abweichende Meinung äußert), sich dem Alpha anbiedern (Transatlantikpolitik), widersprüchlich handeln (Atom Aus- und Wiedereinstieg) usw. usf.

    Merkel glaubt sich zu nützen, wenn sie den Feminismus nicht verteidigt. Immerhin zeichnet sie das als die überlegenere Strategin aus…

  11. Da muss man mitzählen, um die Vorlagen für die Schenkelklopfer nicht zu verpassen:

    1. Feministen können inzwischen von anderen verlangen, sich zu ihrer Lehre zu bekennen, und sie ansonsten als schlechte Menschen brandmarken. Das ist eine beeindruckende Machtposition und eine Form von Gesinnungsterror, die mich irgendwie an „Die Welle“ erinnert, wo die Schüler erst das Zeichen machen mussten, um zu einer Veranstaltung hereingelassen zu werden.

    2. Dieses reine Lippenbekenntnis wird hingegen mit einem „offensiven Einsatz für Frauenrechte“ gleichgesetzt. Völliger Blödsinn, an ihren Taten sollt ihr sie messen, und da hat sogar Angela Merkel einen hellen Moment, in dem sie die sehr unterschiedlichen Dinge andeutet, die unter diesem Etikett getan wurden.

    3. „Selbst die mächtigste Frau der Welt kann ihr Bekenntnis nicht frei wählen, sondern wird durch ihr Frau-Sein beschränkt.“ beinhaltet ja: Es war nicht ihre freie Wahl, hier nicht eindeutig ja zu sagen. Mal ganz davon abgesehen, dass Merkel risikoscheu ist und es mit irgendwelchen festen Weltbildern eh nicht hat, sondern machtorientiert ist: Es ist nur dann eine freie Wahl, wenn man sich für eine bestimmte Option entscheidet?!

    Wie evilmichi einmal sehr treffend sagte:

    Die Quintessenz: „Nein heißt nein, es sei denn du sagst nein zum Feminismus.“ Weil dann heißt es eher „Ach komm, zier dich nich so, du willst es doch auch, du weißt es nur [noch] nicht.“ Oder so ähnlich.

    Oder „Bekenntnis-Vergewaltigung“, wie ich hier sagen würde. 😀

    4. Schön, wie der Widerspruch zwischen „Männer sind praktisch am Ende“ und „noch immer haben Männer die Welt fest im Griff“ aufgezeigt wurde!

    5. Auch Anne Wizorek hält in ihrem Buch die Tatsache, dass mit Angela Merkel eine Frau Kanzler ist, nicht etwa für einen Erfolg, sondern für ein Problem:
    https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2015/06/11/warum-ich-menschen-wie-anne-wizorek-nie-zufriedenstellen-werde/
    Das ist ein perfektes Rezept, um immer unzufrieden zu sein und sich nicht durch Tatsachen störe zu lassen.

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