„Männern das Wahlrecht entziehen“ als Sexismus gegen Männer

Arne hatte bereits berichtet, aber der Artikel ist zu schön, um ihn hier nicht auch zu behandeln:

A blog calling for white men to be disenfranchised‚ published by news website The Huffington Post SA‚ was discriminatory and constituted hate speech‚ press ombudsman Johan Retief found on Saturday.

The publication was ordered to publish an unreserved apology for its „serious misconduct“ – the most serious breach of the press code of ethics.

“Let me be short and sweet: If disenfranchisement of anybody (whether white males or black females for that matter) is not discriminatory‚ the meaning of discrimination should be redefined‚” Retief wrote in a hard-hitting 14-page finding.
“I do not believe for one moment that such discriminatory and denigratory opinions can be described as being in the public interest – especially given this country’s history of its struggle for liberation.

“To disenfranchise a section of the population once again would indeed represent a huge step backwards – one that may have some serious unforeseen consequences.”

Ach, so etwas würde mich ja durchaus auch für die deutsche Presselandschaft freuen. Beispielsweise zu diesem nunmehr auch bei der Zeit abgedruckten Artikel, der Männer mit sterbenden Tieren vergleicht und meint, dass man gegen sie eine Terrorgruppe gründen muss (dort sogar ohne (lacht)). Also bitte eifrig entsprechende Artikel an den Presserat melden.

Auch dieser Absatz ist Klasse:

Retief rebuked Huffington Post SA editor-in-chief Verashni Pillay for initially defending the blog following the public outcry. Pillay claimed the blog was „pretty standard for feminist theory“ and that there was „nothing in the article that should have shocked or surprised anybody“.

Pillay subsequently distanced herself from the blog‚ which was removed from the Huffington Post site: “We have immediately bolstered and strengthened our blogging procedures that‚ until now‚ have operated on the basis of open communication and good faith. From now on‚ bloggers will have to verify themselves‚” Pillay said.

Das „Pretty Standard“ bezog sich allerdings nicht auf die Entziehung des Wahlrechts, sondern auf “ the uneven distribution of wealth and power in the world„.

Garland’s underlying analysis about the uneven distribution of wealth and power in the world is pretty standard for feminist theory. It has been espoused in many different ways by feminist writers and theorists for decades now. In that sense, there was nothing in the article that should have shocked or surprised anybody (or so we thought.) It would appear that perhaps much of the outcry derives from a very poor reading of the article — or perhaps none at all. Dismantling the patriarchal systems that have brought us to where we are today, a world where power is wielded to dangerous and destructive ends by men, and in particular white men, necessarily means a loss of power to those who hold it. A loss of oppressive power. Those who have held undue power granted to them by patriarchy must lose it for us to be truly equal. This seems blindingly obvious to us.

Den Original-Artikel kann man hier noch im Archiv lesen

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39 Gedanken zu “„Männern das Wahlrecht entziehen“ als Sexismus gegen Männer

    • Nur formal. Der Presserat hat keine tatsächliche Macht. Er kann nur Mahnungen aussprechen. Aber im Grunde hasst du völlig recht. Ich werde solche Artikel nicht melden, denn auch sie fallen unter Meinungsfreiheit. Ich wäre sonst ein Heuchler.

      • Ich bin durchaus für umfassende Meinungsfreiheit. Sie kann aber durchaus ihre Grenzen finden, wenn Hass Gerücht gepredigt wird.
        Die selbstverständlichkeit mit der weiße Männern in der Presse unter diesem Kriterium, also Hautfarbe und Geschlecht, abwertet werden, und das zB bei der taz systematisch, überschreitet dabei auf meiner Sicht eine Grenze.
        Natürlich sollte es ihnen möglich sein, diese Rügen zu ignorieren und weiterhin zu hetzen, dann aber in dem Bewusstsein, dass sie das machen.
        Eine Rüge erscheint mir überfällig und es wäre ein wichtiges Signal, dass Männerabwertung im Gegensatz zur feministischen Meinung nicht sogar geboten ist

        • „Ich bin durchaus für umfassende Meinungsfreiheit. Sie kann aber durchaus ihre Grenzen finden, wenn Hass Gerücht gepredigt wird.“
          Dann bist du nicht für ein umfassende Meinungsfreiheit, sondern eine engere Meinungsfreiheit nach europäischen Vorbild.

          • @Henrik

            Da bleibt die Frage, was man unter umfassend versteht. Ich liege sicherlich noch weit über Maas.

            Es muss meiner Meinung nach noch nicht einmal um ein Verbot gegen. Der Aufruf eine Terrorgruppe zu gründen, die sich gegen eine Bevölkerungsgruppe richtet verbunden mit pauschalen Schuldzuweisungen an ein Geschlecht finde ich sehr weitgehend und in dieser Hinsicht durchaus etwas, was man beanstanden kann. Es ist ja auch mit gutem Grund eine Straftat. Natürlich kann man anführen, dass das eben als scherz gemeint ist. Ihr gesamter Artikel ist aber vom Hass auf Männer geprägt, die sie als inhaber von macht und Unterdrückung ansieht.
            Wenn es eine Organisation gibt, die darauf achten soll, dass die Presse nicht hetzt, dann muss sie hier aus meiner Sicht etwas dazu sagen

          • Umfassende Meinungsfreiheit heißt alles ist erlaubt, vielleicht mit der Ausnahme von Drohung mit körperlicher Gewalt gegen eine bestimmte Person.
            „Wenn es eine Organisation gibt, die darauf achten soll, dass die Presse nicht hetzt, dann muss sie hier aus meiner Sicht etwas dazu sagen“
            Sagen kann ja jeder etwas. Meinungsfreiheit ist ja gerade nicht „Kritikfreiheit“.

        • „Die selbstverständlichkeit mit der weiße Männern in der Presse unter diesem Kriterium, also Hautfarbe und Geschlecht, abwertet werden, und das zB bei der taz systematisch, überschreitet dabei auf meiner Sicht eine Grenze.“

          Werden diese Grenze setzt, sollte sich auch nicht wundern, wenn man analog Feminismus oder Frauen nicht mehr kritisieren darf.

          „Frauen sollte man das Wahlrecht entziehen.“ Meine Meinung.
          Und jetzt verklag mich.

    • Also, ich freue mich ja schon sehr auf die App, mit der man Pinkstinks sexistische Werbung melden kann. Ich habe fest vor, denen absolut *jede* Werbung zu melden. Sollen schon was tun für ihr Geld. Zudem sollte es doch möglich sein, eine Packung Katzenfutter zur meist gemeldeten Werbung zu machen?!

  1. @Christian @Adrian

    Der eigentlich interessante Teil des Artikels ist, es handelte sich um einen Hoax in der Tradition von Alan Sokal.

    Die eigentliche Frage des Verfassers war:

    „Wie weit kann man eigentlich mit offensichtlich völlig durchgeschallerten Forderungen gehen, wenn man auf dem gängigen feministischen Narrativ aufsetzt?“, das sich in den Herzen und Hirnen von medialen Mainstream-Feministinnen befindet.

    Er hat es immerhin bis zur Forderung des Entzugs des Wahlrechts für weiße Männer in den Medien geschafft – mit dem offensichtlich billigenden Einverständnis der veröffentlichenden Publikation.

    Wenn man Gruppen von Menschen in einer Demokratie auf der Basis von Hautfarbe und Geschlecht das Wahlrecht aberkennen möchte, dann bedeutet das m.E. das billigende Einverständnis zur *Abschaffung der Demokratie*.

    In diesem Licht betrachtet ist die vorliegende Aussage, der Artikel – also der Hoax – sei „pretty standard for feminist theory“ and that there was „nothing in the article that should have shocked or surprised anybody“ Beweis dafür, dass der Autor die Essenz feministischer Theorie völlig richtig verstanden hat.

    Dass inzwischen „erkannt“ worden ist, es handelt sich bei dem Hoax um „hate speech“ – geschenkt.

    Der erste Clou ist, wenn man die Gruppe der (alten) weißen Männer bemüht, dann ermöglicht feministisches Denken die Äußerung der objektiv undemokratischsten, reaktionärsten, faschistoiden Meinungen und Haltungen unter dem Deckmantel einer liberalen bzw. linken Publikation.

    Der zweite, durch diese Haltung wird der Hass gegenüber einer gesellschaftlichen Gruppe offen legitimiert, die sich weder ihre Hautfarbe, noch ihr Geschlecht ausgesucht hat.
    Im Kern ist das eine rassistische und biologistische Begründung für den Hass.

    Es ist völlig in Ordnung, so diese Haltung, die RICHTIGEN zu hassen, sie aus der Gesellschaft auszusperren und ihnen den Tod zu wünschen, da sie Tieren mehr gleichen als Menschen.
    Was die feministische Argumentation propagandistisch routiniert nachzeichnet, ist die Entmenschlichung des Gegners.

    Die feministische Argumentation *legitimiert* jedoch den Hass auf der BASIS von Biologie und „Rasse“.
    Und es jederzeit möglich, die reaktionärsten Forderungen aus dieser abzuleiten, die faktisch das Ende der Demokratie bedeuten würden.

    Wenn man nun noch einmal die Aussage liest, es wäre „nothing in the article that should have shocked or surprised anybody“, dann ist das das eigentlich schockierende.

    Ein wirklich gelungener Hoax, den der ursprüngliche Verfasser allerdings mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes bezahlt hat.

    Gruß crumar

  2. Ich bin ebenfalls für 100%tige uneingeschränkte Meinungsfreiheit.
    Das ist in einer demokratischen Gesellschaft mit freien Menschen das absolut höchste Gut.
    Damit hat aber dann wirklich Jeder das Recht, auch seinen negativen Emotionen, sprich „Hass“ freien Ausdruck zu geben, so lange Er keinen Aufruf zu einer Straftat vornimmt.
    Auch wenn die Leute, über die gehetzt wird eben keine weißen Männer sind, sondern Frauen, oder auch Flüchtlinge.
    Ich darf dann auch schreiben, ich persönlich halte Nichts von Feministinnen, ich brauche keine und ich brauche auch keine Flüchtlinge hier.
    Von mir aus dürfen heute noch Alle abgeschoben werden, unser Grundgesetz gibt es her, da Alle über sichere Drittländer gekommen sind.

    • @Andi

      „Ich bin ebenfalls für 100%tige uneingeschränkte Meinungsfreiheit.
      Das ist in einer demokratischen Gesellschaft mit freien Menschen das absolut höchste Gut.“

      Auch wenn die Veröffentlichung dieser Meinung beinhaltet, dass genau dieses demokratische Gut einer demokratischen Gesellschaft für ca. 50% der Gesellschaft *nicht* mehr gelten soll?

      Art. 38 GG:

      „(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

      (2) Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.“

      Da steht nicht: „Außer es handelt sich um einen weißen Mann. Der hat nämlich keine Wahlberechtigung.“
      Denn damit wäre auch der Artikel 1 hinfällig, wonach in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.“ wird.
      Und zwar komplett.

      Es kann sich nicht auf die Meinungsfreiheit als demokratisches Gut berufen, wer sie ganz offensichtlich abschaffen will.
      Und zwar sowohl die Meinungsfreiheit, als auch die Demokratie.

      Gruß crumar

      • „Es kann sich nicht auf die Meinungsfreiheit als demokratisches Gut berufen, wer sie ganz offensichtlich abschaffen will.“

        Typisch Linke: Meinungsfreiheit nur, solange alle denken was einem persönlich gefällt.

          • Das ist genau die Aussage auf die es hinausläuft.
            Meinungsfreiheit nur für Anhänger der Demokratie und Meinungsfreiheit?
            Für die, die das GG gut finden? Darf man das GG demnach nicht kritisieren?
            Schön. Dann sollte man aber sowohl crumar als auch dem Blogmaster die Meinungsfreiheit entziehen, weil, sie in eigenen Worten mitgeteilt, die Meinungsfreiheit einschränken wollen.

          • „Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen“ – Was ist die Konsequenz dieser Aussage? Dass die Definition von Faschismus ausgeweitet wird, da dies ein willkommenen Instrument bietet, andere Meinungen zu unterdrücken.

            „Hass ist keine Meinung“ – Was ist die Konsequenz dieser Aussage? Siehe oben.

            Und das sind keine theoretischen Überlegungen. Das geschieht hier und jetzt.

        • „Das ist genau die Aussage auf die es hinausläuft.“

          Unsinn. Die Aussage läuft darauf hinaus, dass du die Abschaffung der Demokratie nicht damit begründen kannst, dass du die Demokratie retten willst.

          • Hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Ich betrachte es als mein Menschenrecht, die deutsche Demokratie und das GG ablehnen zu dürfen.

          • Dann betrachte ich es als dein Menschenrecht, dieses Recht außerhalb der deutschen Demokratie und des Geltungsbereichs des GG auszuüben, während es die Pflicht des deutschen Staates ist, dich daran zu hindern, deine Meinung außerhalb der rechtlichen Möglichkeiten in die Tat umzusetzen.

          • Beispiel 1

            Im Gesetz steht, dass ein Mann nicht mit Männer schlafen darf. Lieber schwuler Mann, betrachte es daher als dein Menschenrecht, dieses Recht außerhalb der deutschen Demokratie und des Geltungsbereichs des GG auszuüben, während es die Pflicht des deutschen Staates ist, dich daran zu hindern, deine Neigung zur Homosexualität außerhalb der rechtlichen Möglichkeiten in die Tat umzusetzen.

            Beispiel 2

            Im Gesetz steht, dass die SED eine führende Rolle im politischen Leben der DDR stellt. Lieber SED-Gegner betrachte es daher als dein Menschenrecht, dieses Recht außerhalb der Verfassung der DDR auszuüben, während es die Pflicht des sozialistischen Staates ist, dich daran zu hindern, deine Meinung außerhalb der rechtlichen Möglichkeiten in die Tat umzusetzen.

            Beispiel 3

            Im Gesetz steht, dass jeder volljährige Mann verpflichtet ist, entweder Wehr- oder Ersatzdienst zu leisten. Lieber Mann, betrachte es daher als dein Menschenrecht, das Recht auf Totalverweigerung außerhalb der deutschen Demokratie und des Geltungsbereichs des GG auszuüben, während es die Pflicht des deutschen Staates ist, dich daran zu hindern, deine Meinung außerhalb der rechtlichen Möglichkeiten in die Tat umzusetzen.

          • Oder anders gesagt: Es sollte eigentlich offensichtlich sein, dass die Tabuisiserung der Kritik an politischen Systemen ein Merkmal von Diktaturen ist.

        • „… dass du die Demokratie retten willst.“

          Ich glaube das will er auch nicht.

          Nebenbei, welche Demokratie meinst Du eigentlich? Die mit dem GG, an das sich im Zweifel eh keiner hält, siehe Antigleichberechtigungspolitik, uns als Gleichstellung verkauft?

      • „Da steht nicht: „Außer es handelt sich um einen weißen Mann. Der hat nämlich keine Wahlberechtigung.“
        Denn damit wäre auch der Artikel 1 hinfällig, wonach in „allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.“ wird.“

        Relevanz?

        • @Adrian

          Das fällt dir nicht auf?

          „Allgemeine Wahlen bedeuten, dass jeder Bürger ohne Ansehen seines Standes, seines Vermögens, seines Steueraufkommens, seines Geschlechts, seiner Volkszugehörigkeit, seiner Schulbildung oder seiner politischen Überzeugung seine Stimme abgeben kann und kein Wähler unberechtigt von der Wahl ausgeschlossen wird.“

          Wenn du mit dem Vorsatz antrittst, die Bevölkerungsgruppe „aller weißen Männer“ aus der Gruppe der Wahlberechtigten zu streichen, dann kann es kein „allgemeines Wahlrecht“ geben.
          Denn du schließt (im vorliegenden Fall) eine Bevölkerungsgruppe *durch ihr Geschlecht* von den Wahlen aus.

          Damit hast du den Kernbestandteil einer Demokratie faktisch erledigt.

          Das hat nichts mit „Meinungsfreiheit“ zu tun und dem Recht, die weißen Männer alle ordentlich zu hassen bis hin zur offenen feministischen Pathologie.
          Hier wird aber nicht der x-te Genozid aller Männern gewünscht (zu dem sie sowieso nicht in der Lage wären), sondern die Abschaffung der Demokratie an sich gefordert.

          Ich versteh nicht, wie du das missverstehen kannst.

          Gruß crumar

        • @Adrian

          Wie ich oben schrieb:

          „Wenn man Gruppen von Menschen in einer Demokratie auf der Basis von Hautfarbe und Geschlecht das Wahlrecht aberkennen möchte, dann bedeutet das m.E. das billigende Einverständnis zur *Abschaffung der Demokratie*.“

          Es liegt an uns klarzustellen, was mit einer feministischen Argumentation wie der in der „HuffPo“ eigentlich gefordert wird.

          Die sich unter dem Deckmantel eben „der Meinungsfreiheit“ artikuliert, die wiederum auf dem demokratischen Verständnis basiert, welches sie gepflegt abschaffen wollen (der Widerspruch in sich ist ihnen – wie so oft – entgangen).

          Zur Klarstellung: Ich möchte nicht die Meinungsfreiheit abschaffen oder einschränken, sondern mir geht es um die Ziehung einer roten Linie.

          Wer eine *Alternative* zur repräsentativen Demokratie formuliert; also meinetwegen die direkte Demokratie, Basisdemokratie, liquid democracy usw. hat ein anderes Verständnis von Demokratie und nimmt für sich in Anspruch, das bestehende Modell entwickeln oder verbessern zu wollen.

          Damit habe ich kein Problem.
          Man kann die Vor- und Nachteile ernsthaft diskutieren.
          Ganz anders jedoch verhält es sich für mich, wenn *explizit antidemokratische* Forderungen auf den Tisch kommen.

          Wer mit den Kriterien „Geschlecht“ und „Hautfarbe“ das allgemeine Wahlrecht beerdigen möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass er prinzipiell ein System will, dass dem Regime in Südafrika vor Abschaffung der Apartheid gleicht.
          Für eine Verharmlosung dieses Wunsches besteht keinerlei Anlass.

          Stell dir den #aufschrei vor, hätte die AfD gefordert, alle nicht-Weißen von der Wahl auszuschließen.
          Es wäre als Beweis für ihre rassistische und antidemokratische Gesinnung gehandelt worden. Die Frage, ob es sich um eine legale Partei im Sinne des GG handelt, wäre sofort auf den Tisch gekommen.

          Nur mit feministischer Argumentation bekommt man es hin, im Kern *ebenso* rassistische und antidemokratische Forderungen zu stellen, ohne diesen Effekt zu produzieren.

          D.h. die letztere Variante ist die m.E. sogar noch gefährlichere.

          Gruß crumar

        • @Adrian

          Weil es erstens einen Unterschied gibt zwischen der Äußerung einer *privaten Meinung* in einem Forum oder Blog, in einem Straßencafe usw. usf. und der redaktionell abgesegneten Veröffentlichung in einem auflagenstarken Online-Magazin oder einer Zeitung oder Zeitschrift.

          Ob du z.B. privat *meinst*, Kachelmann sei *trotz* seines gerichtlichen Freispruchs ein Vergewaltiger, interessiert keine Sau.
          Suggeriert dies die Presse, kann man juristisch dagegen vorgehen und das ist auch gut so.
          Eine medial verbreitete unwahre Tatsachenbehauptung ist keine „Meinung“ und wird auch nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
          Viele Zeitungen haben erst vor Gericht festgestellt, dass eine fortgesetzt wahrheitswidrige Berichterstattung richtig teuer werden kann.

          Was bedeutet, sie haben die *ethische Selbstverpflichtung* des Journalismus im „Pressekodex“ entweder nicht gelesen oder nicht verstanden oder scheißen wg. Auflagenhöhe oder persönlicher Meinung(smache) darauf:

          „Der Pressekodex umfasst insgesamt 16 Punkte:

          1. Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
          Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“ Wikipedia

          Auch die Leugnung des Holocaust ist in der Tat in Deutschland nicht einfach eine weitere interessante Meinung, sondern ein Straftatbestand nach §130 StGB und auch das ist gut so.

          Den 1000sten Nazi zu überzeugen, der Massenmord an den Juden, der seine Ideologie so unappetitlich macht, habe tatsächlich stattgefunden ist sinnlos, weil die Leugnung des Holocaust den *Zweck* hat, die Attraktivität der Nazi-Ideologie zu steigern, indem man sich selbst und andere davon überzeugen will, dieser Massenmord habe nicht stattgefunden.

          An dieser Stelle in Deutschland die ganz dicke Kelle gegen Revisionisten und Nazi-Propagandisten auszupacken, ist vor dem Hintergrund des Holocaust als historischer Fakt angebracht und richtig.

          Weitere Einschränkungen des vor sich hin „meinens“:

          㤠130
          Volksverhetzung

          (1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
          1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
          2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

          Es gibt da einige Feministinnen, die ich mit mehr als einem Fuß im Knast sehe. (lacht)

          Diese roten Linien gegen Hetzer und Hetzerinnen zu ziehen gibt bereits die derzeitige Gesetzeslage her und glaube mir, die bösen Linken haben die Gesetze nicht formuliert.
          Womit ich a. anführen möchte, es hätte gar keiner weiteren Gesetze gegen „hate speech“ gebraucht, man hätte die vorhandenen nur konsequent umsetzten müssen.
          Und b. gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit, die ich richtig finde zu setzen.

          Gruß crumar

          • „Eine medial verbreitete unwahre Tatsachenbehauptung ist keine „Meinung“ und wird auch nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt.“

            Nur weil wir es so machen.

            „Viele Zeitungen haben erst vor Gericht festgestellt, dass eine fortgesetzt wahrheitswidrige Berichterstattung richtig teuer werden kann.“

            Aber nur weil es derartige Gesetze gibt.

            „Der Pressekodex umfasst insgesamt 16 Punkte:“

            Der Pressekodex interessiert mich nicht.

            „Volksverhetzung“

            Dieser Paragraf gehört m. E. abgeschafft.

            „Und b. gibt es Grenzen der Meinungsfreiheit, die ich richtig finde zu setzen.“

            Ich auch. Aufruf zu konkreter Gewalt und Mord.
            Alles andere ist m.E. ein slippery slope, da sie nur allzu leicht missbraucht werden kann, um unliebsame Meinungen (und Fakten) zu verhindern.

          • „Womit ich a. anführen möchte, es hätte gar keiner weiteren Gesetze gegen „hate speech“ gebraucht“

            Manche sehen das anders, ebn weil sie wie du der Meinung sind, dass das höhere Ziel (Menschenwürde, Schutz der Demokratie etc. pp.) diese Dinge rechtfertigen.
            Hätte man das Bewusstsein für Meinunsgfreiheit a la Adrian, wäre das gar nicht möglich.

        • Ich habe das mit der Meinungsfreiheit in früheren Jahren tendenziell so gesehen wie Crumar.
          Inzwischen neige ich immer mehr dazu mich bei diesem Thema Adrians Ansicht anzunähern.

          Die Medien auf Wahrheitsorientierung hin zu verpflichten, funktioniert ohnehin nicht. Der bekannte linke Slogan „Wer das Geld hat, hat die Macht, wer die Macht hat, hat das Recht“ ist auch hier zutreffend. Die Medien verbreiten vor allem das, wovon die oberen Segmente der herrschenden Klasse wollen, dass es verbreitet wird, daher m.E. die relative mediale Gleichschaltung, die wir zur Zeit erleben.
          Wahrheitsorientierung der Medien? Gibt´s nicht und daran können Gesetze nichts ändern.

          Und da alle Anti-Diskriminierungsdiskurse stets eine Tendenz besitzen aus jedem Furz eine Diskriminierung zu machen, beinhalten Einschränkungen der Meinungsfreiheit aus Gründen des Schutzes vor Diskriminierung leider tatsächlich stets die Gefahr der endlosen Ausdehnung.
          Wir sehen ja aktuell, wie postmoderne Anti-Diskriminierungsdiskurse zunehmend dafür instrumentalisiert werden, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Der konkrete Versuch Feminismuskritik oder Islamkritik im Namen der Anti-Diskriminierung zu verbieten, kommt in den nächsten Jahren vermutlich noch.

          Selbstverständlich gibt es in einer humanistischen Perspektive eine ethische Verantwortung sich gegen jede echte Diskriminierung zu wenden, egal, welche Menschengruppe betroffen ist. Aber in Bezug auf Meinungen dürfte es im Sinne des dauerhaften Erhalts der Meinungsfreiheit zweckmäßiger sein, dies zu tun, indem man bescheuerten Meinungen stets deutlich widerspricht, nicht indem man solche Meinungen rechtlich verbietet.
          Kurz: Die bessere Strategie ist vermutlich im Rahmen der Meinungsfreiheit mittels der freien Meinung gegen diskriminierende und antihumanistische Meinungen zu kämpfen, nicht durch Verbote.

          Die Details bei diesem komplexen Thema muss ich z.T. noch etwas durchdenken.

          • „Kurz: Die bessere Strategie ist vermutlich im Rahmen der Meinungsfreiheit mittels der freien Meinung gegen diskriminierende und antihumanistische Meinungen zu kämpfen, nicht durch Verbote.“

            Absolut.

        • @Leszek

          „Die Medien verbreiten vor allem das, wovon die oberen Segmente der herrschenden Klasse wollen, dass es verbreitet wird, daher m.E. die relative mediale Gleichschaltung, die wir zur Zeit erleben.“

          Da sind wir durchaus einer Meinung, mit anderen Akzentsetzungen.

          „Wahrheitsorientierung der Medien? Gibt´s nicht und daran können Gesetze nichts ändern.“

          Unwahre Tatsachenbehauptungen, wahrheitswidrige Berichterstattung, Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, in die Privatsphäre juristisch zu ahnden und – vor allen Dingen – mit Geldstrafen zu versehen macht solche „Lügenorientierungen“ richtig teuer.
          Das wiederum macht den Griff in die Sensationskiste zögerlicher, wenn die Steigerung der Auflage durch solche Urteile die erzielten Profite wegschmelzen lässt.
          Vor allen Dingen, wenn über solche Urteile wiederum in den (anderen) Medien berichtet wird…

          Gäbe es die Gesetze nicht und die Möglichkeit dagegen vorzugehen, müssten wir diese Art der Berichterstattung hinnehmen.
          Müssen wir nicht.

          „Der konkrete Versuch Feminismuskritik oder Islamkritik im Namen der Anti-Diskriminierung zu verbieten, kommt in den nächsten Jahren vermutlich noch.“

          Der kommt früher.
          Als allererstes kommen aber Versuche, die „Majestätsbeleidigung“ wieder einzuführen.

          „Selbstverständlich gibt es in einer humanistischen Perspektive eine ethische Verantwortung sich gegen jede echte Diskriminierung zu wenden, egal, welche Menschengruppe betroffen ist.“

          Das ist die universalistische Perspektive, die ich teile.
          Und du hast ganz richtig zwischen „echter“ und „gefühlter“ Diskriminierung unterschieden.

          Kommen wir nun zu einer Perspektive der Ohnmacht:

          „Aber in Bezug auf Meinungen dürfte es im Sinne des dauerhaften Erhalts der Meinungsfreiheit zweckmäßiger sein, dies zu tun, indem man bescheuerten Meinungen stets deutlich widerspricht, nicht indem man solche Meinungen rechtlich verbietet.“

          Wir vergessen also das rechtliche Instrumentarium, das uns zur Verfügung steht und vor allen Dingen vergessen wir nicht, dass:

          „Die Medien verbreiten vor allem das, wovon die oberen Segmente der herrschenden Klasse wollen, dass es verbreitet wird, daher m.E. die relative mediale Gleichschaltung, die wir zur Zeit erleben.“

          D.h. du rechnest überhaupt nicht damit, dass dein Widerspruch in irgendeiner Form wirksam wird.
          Weil sich ohnehin die die Sicht der herrschenden Klasse durchsetzen wird.

          Was wäre denn damit, wenn wir die Existenz einer Justiz annehmen, die z.B. auf den Einspruch einer Schwesig in Sachen Gina-Lisa eher allergisch reagiert und nicht weisungsgebunden gehandelt hat?
          Und einer Anwaltsvereinigung, die das neue Sexualstrafrecht sehr, sehr kritisch kommentiert?

          Wenn wir also annehmen, das Gewaltenteilung als Prinzip noch ernst genommen wird und einige engagierte Demokraten und Demokratinnen diese ERNST nehmen, vielleicht finden wir dann Bündnispartner und -partnerinnen, wo wir sie bisher nicht vermutet haben?

          „Kurz: Die bessere Strategie ist vermutlich im Rahmen der Meinungsfreiheit mittels der freien Meinung gegen diskriminierende und antihumanistische Meinungen zu kämpfen, nicht durch Verbote.“

          MITM hat völlig richtig festgestellt, eine solche Haltung könn(t)en wir uns erlauben, wenn wir einen festen Stand in den ÖR-Medien haben oder hätten.
          Die haben wir nicht.
          Meine Orientierung auf Gegenöffentlichkeit verlief ebenso im Sande, wie auch deine auf gewaltfreie Aktionen.

          Wir sind gezwungen, die Möglichkeiten auszunutzen, die wir haben – u.a. wirklich exitierende rechtliche.
          Es gibt den Anlass nicht, gering zu schätzen, was wir haben.

          Gruß crumar

  3. Marius Roodt (a.k.a. Shelley Garland) wird ordentlich zur Schnecke gemacht:

    Revealed: Here is Shelley Garland… And Why He Did It Ferial Haffajee 19/04/2017 http://www.huffingtonpost.co.za/2017/04/19/revealed-here-is-shelley-garland-and-why-he-did-it_a_22046533/

    Roodt (37), a researcher at the Centre for Development and Enterprise (CDE), a prestigious think-tank in Parktown …

    .. writing a blog making an incendiary proposal using inaccurate statistics.

    .. He was identified after the email address was digitally traced back to him and his identity was confirmed with facial recognition technology.

    The short, stocky man, wearing a charcoal jersey with sleeves pulled up to his elbows, appeared nervous, reserved and resigned to the fact that he had been identified. He apologised for the impact on Pillay three times in the first five minutes of a 26-minute interview.

    He acknowledged that a lot of planning went into his guerrilla action

    Verashni Pillay: What Marius Roodt Did Was Wrong. But It Does Not Exonerate Me. 19/04/2017 http://www.huffingtonpost.co.za/verashni-pillay/verashni-pillay-this-is-why-im-sorry_a_22046350/

  4. Ein Beitrag zu Fakenews.

    Das Problem ist das Internet vergisst nie und gerade bei solchen Beiträgen werden nur die initialen Meldungen beachtet und wenn es neue Fakten gibt – wie hier, dass die Huffpo getrollt wurde, werden die ursprünglichen Artikel nicht angepasst, mit hinweisen versehen oder gar gelöscht.

    Ähnliches habe ich die Tage mit „Schokolade macht schlank“ Beiträgen gesehen. Auch wenn die Ersteller gezeigt haben, dass es sich hier um zufällige Korrelationen dank vieler Messwerte und kleiner Stichprobe, gibt es noch viele Publikationen, die nicht mehr angepasst wurden.

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