Identitätspolitik und das damit verbundene Ausblenden der tatsächlichen Ursachen

Ein interessanter Artikel beleuchtet die Denkweise, zu der die im Intersektionalismus praktizierte Identitätspolitik verleitet.

Der Autor schildert, dass er sich für Arme in Afrika einsetzt und dabei immer wieder die Frage gestellt bekommt, warum er das macht. Er versucht sie so gut wie möglich unter Hinweis auf die Missstände und das Leid der Leute vor Ort zu beseitigen, aber diese Antwort genügt den Fragenden nicht. Sie wollen seinen persönlichen Grund wissen, der für sie nur in der Identitätspolitik liegen kann, also dem Umstand, dass er als Weißer Schuld auf sich gelagert hat:

It quickly dawned on me that my advisors were, for the most part, largely incapable of understanding how a wealthy White American could possibly care about impoverished Black Africans, apart perhaps from White guilt or some deeper personal connection to poverty.

In the world of the far-Left, the only sensible explanation for why one person would care about the suffering of another is that they personally identified with them on the basis of culture, ethnicity, race, or gender. Moral universalism has become inconceivable for many academics on the Left, who doubt that it’s possible to care about the suffering of another human being independently of your respective identities. Do I think this problem is exclusive to the political Left? No. But I do think it’s been exacerbated to phenomenal levels by identity politics.

Er passt sich dann an um seine Arbeit fortführen zu können:

I quickly learned that a more effective way to explain why a White Westerner would be concerned about global poverty was by appealing to a sense of justice rather than a sense of caring, specifically by invoking postcolonial White guilt. If I couldn’t explain that I care about people in developing nations for their own sake, at least I could explain that I as a White Westerner felt a sense of responsibility to formerly colonized regions of the world.

Allerdings sieht er erhebliche Folgen dieser Denkweise:

The strategy of playing upon White guilt does, however, come at a cost. When we leverage guilt as our primary motivation for helping the developing world, problems which aren’t obviously related to colonialism, including preventable disease and geographic impediments to trade, almost by definition become unimportant. (By contrast, if we were driven by a sense of universal compassion, then we should care about every problem in the developing world regardless of whether or not it’s a derivative of colonialism).

In other words, the Left’s obsession with structural oppression and social justice has led it to neglect problems like malaria which are, in my view, arguably more critical. When I would mention the problems posed by disease, either in my essays or in mock interviews, my reviewer would often respond with something like, and how do you view malaria as being related to structural oppression?

My honest answer is that I don’t. Structural oppression isn’t the only thing wrong with the world, and many of the major challenges facing developing nations are non-structural in nature. Sometimes our efforts are better spent distributing anti-malarial bednets than trying to restructure society. However, I was explicitly encouraged not to say anything like this in my applications. To many on the far-Left, structural issues almost by definition trump all other concerns, and to think otherwise is something of a heresy. And so, I began to deliberately avoid discussing non-structural issues, omitting any mention of geography and giving only a cursory nod to disease, instead focusing almost exclusively on things like power relations between developing and developed nations.

Und das ist aus meiner Sicht in der Tat eines der größten Probleme, die aus der Identitätspolitik des intersektionalen Feminismus enstehen: Wer diesem „Glauben“ anhängt, der hat die Lösung für alle Probleme bereits vorliegen: Es ist strukturelle Unterdrückung.

Das ist ganz ähnlich wie bei einer Religion, bei der man annimmt, dass alles Böse durch den Teufel oder seine Handlanger verursacht wird. Man muss dann nur noch diese Handlanger bekämpfen, also die Hexe, die die Ernte durch das Hinaufbeschwören von schlechtem Wetter vernichtet hat und eifrig beten.

Ähnlich ist es im Feminismus: Man macht schlicht strukturelle Unterdrückung verantwortlich, schon hat man jemanden, den man bekämpfen kann (hier dann: Den alten, weißen, heterosexuellen Mann und seine Verbündeten).

Eine Suche nach weiteren Ursachen wird dabei blockiert und gilt sogar als falsch und evtl gar als Schuldverlagerung.

Religon, schrieb Dawkins in „der Gotteswahn“ ist an Lücken in dem Wissen der Menschen interessiert. Denn jede Lücke kann mit Glauben gefüllt werden. Deswegen ist Religion dem Grunde nach wissenschaftsfeindlich, denn Wissenschaft muss eben Lücken in dem Wissen finden und systematisch und ergebnisoffen erforschen, wie man die Ergebnisse auf diesem Gebiet deuten kann.

Mit intersektionalen Feminismus ist dies ähnlich: Er braucht auch Lücken, denn in diesen findet er strukturelle Unterdrückung. Er hat kein Interesse daran, die Ursachen des Gender Pay Gap zu untersuchen, denn jede zusätzliche Erklärung macht den Anwendungsspielraum „Strukturelle Unterdrückung“ kleiner.

Das Gegenmittel ist, dass man auch jede Erklärung ihrerseits wieder ohne Hinterfragen der „Strukturellen Unterdrückung“ zuordnet:

Frauen setzen länger aus und arbeiten dann Teilzeit? Strukturelle Unterdrückung, weil ihnen quasi gegen ihren Willen die Kinderbetreuung aufgedrückt wird.

Strukturelle Unterdrückung wird damit zur Antwort auf alles. Nachfragen macht es immer schwerer dieses Narrativ aufrecht zu erhalten. Weswegen Feministen Filterblasen lieben und auf Kritik äußerst allergisch reagieren.

 

 

 

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102 Gedanken zu “Identitätspolitik und das damit verbundene Ausblenden der tatsächlichen Ursachen

  1. Arbeiterklasse vs Bourgeoisie. Wen wundert das alles? Die Linke ist in Identitätspolitik entstanden. Das Denken in Klassen und Gruppen gehört zu den Linken ebenso we ihr allseitiger moralischer Überlegenheitsanspruch und die Repression gegen jeden, der ihre Weltsicht nicht teilt.

    • @Adrian

      Und „Spion vs. Spion“ von MAD nicht zu vergessen – einem Bollwerk linken Denkens.
      Adrian: ein *weißer* gegen einen *schwarzen* Spion!
      Das sagt doch schon alles. 😉

      Dein Denken vertauscht in schöner Regelmäßigkeit Ursache und Wirkung und vollzieht den Subjektivismus nach, den du kritisierst.

      Was du kritisierst, nämlich das „Denken in Klassen und Gruppen“ ist haargenau das, was der Genderismus/Poststrukturalismus an der Aufklärung und Wissenschaft kritisiert.
      Aber in der Form einer vulgären Karikatur der ursprünglichen Fragestellung.

      Der *erkenntnistheoretische Teil* der Frage geht dem Vorwurf, diese Aufteilung/Klassifikation dann zu nutzen, um ein hierarchisches System zu schaffen VORAUS.

      Die ursprüngliche Annahme bspw. feministischer Wissenschaftskritik war, dass Klassifikationssysteme eine *Setzung* seien und die, die diese entwerfen, immer und ausschließlich durch die „gesellschaftliche Brille“ ihrer Zeit einen Blick auf Natur und Gesellschaft werfen.
      Diese Annahme war aber nicht originär feministisch und auch nicht originell.

      Dem (männlich) Klassifizierenden damit zu unterstellen und/oder vorzuwerfen, er *reproduziere* mit seiner Klassifikation lediglich (und notwendig) die vorzufindende Gesellschaft seiner Zeit und seine Stellung darin, ist entweder ein zweiter Schritt.
      Der zu beweisen wäre.
      Oder liegt dieser ursprünglichen Annahme zu Grunde und dann wird es ganz schnell Ideologie und Scharlatanerie.

      Der Schritt von dem *impliziten* Ideologie*vorwurf* zur *expliziten Unterstellung* und GRUNDANNAHME – die *keinerlei weiterer Beweise bedarf* – hier „konstruiere“ der alte, weiße Mann lediglich mal wieder ein „Unterdrückungssystem“ ist ein großer.

      Mit deinem Vorwurf kritisierst du aber die postmoderne Linke nicht, sondern du imitierst sie.

      Im linken Denken sind „Arbeiterklasse“ und „Bourgeoisie“ keine „Konstruktionen“ oder „Findungen“ oder „Erfindungen“, sondern gesellschaftliche Kategorien, die um die Frage kreisen, wer im Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel ist.

      Notgedrungen kann die Antwort auf diese Frage nichts mit „Identität“ zu tun haben, sondern etwas mit privatem und gesellschaftlichem Eigentum und mit daraus resultierenden Interessen.

      Gruß crumar

  2. Sowas müsste Mal im TV besprochen werden. Aber die Gender-Gläubigen sind wohl leider nicht so dumm. Die wissen auch das sie dadurch mehr Gegner wie Unterstützer erhalten.

    Dieser Vergleich ist da sehr passend:

    „Religon, schrieb Dawkins in „der Gotteswahn“ ist an Lücken in dem Wissen der Menschen interessiert. Denn jede Lücke kann mit Glauben gefüllt werden. Deswegen ist Religion dem Grunde nach wissenschaftsfeindlich, denn Wissenschaft muss eben Lücken in dem Wissen finden und systematisch und ergebnisoffen erforschen, wie man die Ergebnisse auf diesem Gebiet deuten kann.

    Mit intersektionalen Feminismus ist dies ähnlich: Er braucht auch Lücken, denn in diesen findet er strukturelle Unterdrückung. Er hat kein Interesse daran, die Ursachen des Gender Pay Gap zu untersuchen, denn jede zusätzliche Erklärung macht den Anwendungsspielraum „Strukturelle Unterdrückung“ kleiner.“

    Deswegen ist es auch ziemlich heuchlerisch, das Gender studiere Befürworter auf dem march of sciene mitmaschieren. Hier gibt es nur ein entweder – oder. Andernfalls müsste Gender Studiere vorher ihre gesamte Methodik ändern.

    Wenn Feministen Feminismus wirklich retten wollen, müssen sie Mal anfangen das zu kritisieren.

    • @Matze:

      »„Religon, schrieb Dawkins in „der Gotteswahn“ ist an Lücken in dem Wissen der Menschen interessiert. Denn jede Lücke kann mit Glauben gefüllt werden. Deswegen ist Religion dem Grunde nach wissenschaftsfeindlich, denn Wissenschaft muss eben Lücken in dem Wissen finden und systematisch und ergebnisoffen erforschen, wie man die Ergebnisse auf diesem Gebiet deuten kann.«

      Dawkins zieht aber das Argument falsch herum auf: Religion sucht nicht nach Wissenslücken, sondern reagiert auf sie. Religion ist die folgerichtige Reaktion auf Situationen von »bounded rationality« in vorwissenschaftlichen Zeitaltern, weil sie Handlungssicherheit in unsicheren Situationen herstellt. Das gilt auch für die heutige »New Age«-Religiosität innerhalb des wissenschaftlichen Zeitalters: sie schafft subjektive Handlungssicherheit unter Bedingungen hochgradig individualisierter Verantwortlichkeit.

      Der große historische Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft war daher genau genommen ein Konflikt zwischen Wissenschaft und institutionalisierter Amtskirche, d.h. letztlich ein Konflikt mit den gesellschaftlichen Machtansprüchen eines Funktionärsapparats.

      Religion ist dagegen anthropologisch unausweichlich – sie mag ihre Form ändern, aber sie wird nicht aussterben, wie Religionskritiker à la Dawkins sich das wünschen. Zumal man auch nicht übersehen darf, dass auch der Glaube an die Wissenschaft religiöse Züge annehmen kann, nämlich in der Form technologischer (und technokratischer) Erlösungsutopien.

      • @dj

        „Religion sucht nicht nach Wissenslücken, sondern reagiert auf sie.“

        Das ist ja betrachtungssache. Natürlich suchen auch verschiedene Leute danach, um Argumente für einen Gott bringen zu können, etwa im bereich intelligent Design, mitunter werden diese Lücken sogar künstlich aufrechterhalten, obwohl es gute Erklärungen gibt, die einfach ausgeblendet und ignoriert werden. Man könnte auch davon sprechen, dass Lücken geschaffen werden.

        • Ich bin ein grosser Fan von Dawkins aber mit seinem Gotteswahn tut er genau das, was er den anderen vorwirft.

          Er hat die einzig wahre Erklärung und Lösung des Problems und nebenbei beleidigt er viele intelligente Gläubige, welcher Natur auch immer.

          D.h. er liegt da einfach falsch. Es ist ein Aspekt der Religion aber er kann nicht alles damit erklären. Noch gestern war eine Sendung im TV über eine Sekte dessen Guru hauptsächlich intelligente hochgebildete Leute anzog.

          https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%8Cmu_Shinriky%C5%8D

          Ōmu Shinrikyō rekrutierte dabei vor allem naturwissenschaftliche Studierende an den Universitäten, alle fünf Attentäter von Tokio hatten Abschlüsse von den prestigeträchtigsten Universitäten Japans.[16]

        • @Christian:

          »Natürlich suchen auch verschiedene Leute danach, um Argumente für einen Gott bringen zu können, etwa im bereich intelligent Design«

          Ja sicher, auf die modernen Kreationisten passt das schon, genau die sind auch der Kontext, auf den Dawkins‘ Schriften gemünzt sind. In Bezug auf diese finde ich sein Engagement auch gerechtfertigt. Aber er macht leider eine allgemeine These über die gesamte Religionsgeschichte draus, und da liegt er einfach falsch.

          • @dj

            „Aber er macht leider eine allgemeine These über die gesamte Religionsgeschichte draus, und da liegt er einfach falsch.“

            Ich meine er hat durchaus recht. Natürlich gibt es auch in religiösen Gesellschaften entwicklung, aber immer nur, sofern sie sich eben nicht mit Religion beißt und man damit nicht mit ihr in Konflikt kommt. Wo ein Konflikt bestand führte Religion zu widerstand. und um so religiöser die Leute sind um so weniger akzeptieren sie bestimmte wissenschaftlich gut belegte Punkte, die mit ihrer Glaubenswelt nicht in Einklang zu bringen sind

        • Bis auf das unsinnige Zitat von Dawkins ein guter Artikel.

          Religion und Ideologien beschäftigen sich mit dem, was sein soll. Wissenschaft mit dem, was ist.

          Da, wo Wissenschaft diesen Rahmen verlässt, wird sie unwissenschaftlich und pseudoreligiös.
          Da, wo Religion diesen Rahmen verlässt, erzählt sie meist Unsinn und macht auch angreifbar.

        • Sein Gotteswahn basiert auf der Theorie dass ungebildete und dumme Menschen religiös sind.

          Zumindest kaut er das Thema immer wieder und wieder, wie eine Kuh.

          Hier Kommentar n°3 von mir.

          Ausserdem finde ich man sollte das Thema von hinten aufrollen:

          Beweise mir, dass es einen Gott gibt. Das Buch hätte eine Seite und würde sich wohl kaum verkaufen 😉 Der Gotteswahn hat mich echt verärgert, kenne ich doch viele intelligente Menschen die an etwas glauben und sei es Bifidus oder Vitamin C, Mohammed oder Jesus.

          • „Sein Gotteswahn basiert auf der Theorie dass ungebildete und dumme Menschen religiös sind.“

            Nein, auch gebildete und schlaue Leute können dummes vertreten.
            Gleichzeitig ist Bildung das beste Mittel gegen Religiösität:

            Einziger Ausreißer: Die USA

        • (Das Bild war nicht gewollt.)

          Kürzlich las ich als ich im Internet blätterte:

          https://www.nasa.gov/feature/goddard/2016/hubble-reveals-observable-universe-contains-10-times-more-galaxies-than-previously-thought

          Dabei wussten die Wissenschaftler damals doch alles genau und jeder Zweifler war ein Scharlatan.

          10 x mehr. Lass Dir das mal auf der Zunge zergehen. Manchmal denke ich die Wissenschaftler sind die modernen Scharlatane und Gurus.

          Noch kürzlich sagte jemand etwas vom Klimawandel und der Traubenernte. Alles gefroren; selbstverständlich ein Beweis dafür dass es immer wärmer wird. Wer hat denn von vor 1000 Jahren bis heute genaue Daten vom Klima? Aber es gibt immer genauere und dramatischere Aussagen dazu was in den nächsten Jahrzehnten passiert. Das ist für mich ein Gotteswahn.

          • „10 x mehr. Lass Dir das mal auf der Zunge zergehen. Manchmal denke ich die Wissenschaftler sind die modernen Scharlatane und Gurus.“

            Fehler sind nie zu vermeiden. Wichtig ist nur, dass man neue Ergebnisse oder Beobachtungen entsprechend prüft und sich von den alten Theorien trennt, wenn sie nicht durch Fakten gedeckt werden.
            Das ist bei Religion eben nicht der Fall. Sie verkündet freudestrahlend, dass man etwas nicht erklären kann, und es deswegen eben übernatürlich sein muss.
            Nehmen wir zB Heiligsprechungen. Man braucht den Nachweis eines Wunders. Ein Wunder ist ewas, was man nicht erklären kann außer durch Gott. Also Beweis durch Unkenntnis

        • Nein, auch gebildete und schlaue Leute können dummes vertreten.
          Gleichzeitig ist Bildung das beste Mittel gegen Religiösität

          Wahrscheinlich, aber mein Glaube an die Menschheît bröckelt von Jahr zu Jahr.

          Und wieso versteift sich Dawkins derart auf das Thema?

          a) Er will doch nur sagen: „Glaubst du an Gott bist du dumm“

          b) So wie einige sagen: „Glaubst du nicht an einen katastrophalen Klimawandel bist du dumm“

          Nein ich glaube a) an nichts und b) auch nicht an den katastrophalen Klimawandel.

          Zu a) bin ich nicht skeptisch zu b) sehr skeptisch. Ich weiss es einfach nicht. Bei a) bin ich mir sicher. Und ich kann es beweisen auf hundert verschiedene Arten, das Gegenteil aber auch, also bin ich wohl ein Agnostiker der nicht glaubt, ausser beim Klimawandel, da bin ich Agnostiker der ein klein wenig glaubt.

          • @yeph

            „Und wieso versteift sich Dawkins derart auf das Thema?“

            Was heißt versteifen? Die meisten seiner Bücher richten sich nicht gegen Religion. Eigentlich ist es nur in einem Buch das Hauptthema. Und natürlich sind die schärfsten Kritiker evolutionärer Theorien eben auch Leute, die an eine Schöpfungsgeschichte glauben.

            „a) Er will doch nur sagen: „Glaubst du an Gott bist du dumm““

            Hast du das Buch gelesen? Wenn nein, dann würde ich es dir sehr empfehlen.

            „Bei a) bin ich mir sicher. Und ich kann es beweisen auf hundert verschiedene Arten, das Gegenteil aber auch, also bin ich wohl ein Agnostiker der nicht glaubt“

            Kannst du mir mal einen von den hundert Arten darlegen, wie du das Gegenteil, also Gottes Existenz beweisen können willst?

        • Hast du das Buch gelesen? Wenn nein, dann würde ich es dir sehr empfehlen.

          Ich habe das Buch mehrmals gelesen, vor allem weil ich keinen Kommentar über etwas schreiben wollte, was ich nicht einmal zitieren konnte. Mein Kommentar findest du wahrscheinlich wenn du auf das Bild des Buches klickst, denn es war ein Link zu den negativen Kommentaren (1 Punkt). Da liege ich als Agnostiker auf Platz 3 der Bestenliste. Also denken mîndestens 70 Leute so wie ich 😉 Yeah (Es sind auch Zitate dabei)

          • @yeph

            Das hier?

            Mittlerweile hat sich ein seriöses wissenschaftliches Forschungsgebiet etabliert, bekannt als Thanatologie, welches sich mit den Grenzerfahrungen zwischen Leben
            und Sterben, sogenannten „Nah-Todeserfahrungen“, englisch: Near-Death-Experiences (NDEs), beschäftigt. Inzwischen hat sich die Forschung soweit ausgedehnt, dass sie auch Nach-Todeserfahrungen von Menschen untersucht.
            Wissenschaftler – zumeist Ärzte – befragen Menschen auf der ganzen Welt, die nachweislich, d.h. von ärztlicher Seite bestätigt, klinisch tot waren – sogar für mehrere Stunden – und aus „unerfindlichen Gründen“ wieder zum Leben erwacht sind, entweder nach Reanimation, Unfall, Krankheit oder Operation.
            Klinisch tot bedeutet: Kommen alle Lebensfunktionen (Herz- und Atemstillstand, Aussetzung jeglicher Gehirntätigkeit) zum Erliegen, ist der Tod eingetreten.

            In einem Fall wird von einer rumänischen Mutter mit sieben Kindern berichtet, die drei Tage lang tot war und bereits im Leichenschauhaus lag und auf wundersame Weise wieder erwachte. Sie gab an, dass sie während dieser drei Tage bei vollem Bewusstsein war und sich selbst mit Haut und Haaren in einer anderen Welt befand, die unsere Vorstellungen vom Paradies bei weitem übertreffen. Sie erzählte hernach etwas schuldbewusst, dass sie über alle Freude sogar ihre Kinder vergessen hätte.
            Immer wieder erzählen Menschen, die auf der Schwelle des Todes standen oder gar schon klinisch tot waren, sie hätten ihren Körper verlassen und seien in andere Sphären gelangt. Diese Vorgänge werden von allen Menschen mit NDEs übereinstimmend bestätigt.
            Unter ihnen befanden sich Menschen mit allen möglichen Anschauungen: Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Heiden, Agnostiker und Atheisten.
            Wenn sie über diese Phase hinausgelangen, werden allerdings krasse Unterschiede in der Wahrnehmung deutlich. Die einen hatten beglückende Erfahrungen, die anderen schaurige und erschreckende Erlebnisse. (Dawkins würde es wahrscheinlich auf gespeicherte Erfahrungen aufgrund „religiöser Indoktrinierung“, Hormonausschüttung, Gehirntätigkeit – obwohl meistens keine Gehirnfunktion mehr feststellbar war – oder anderem schieben.) Religiöse Indoktrinierung kann man schon mal ausklammern, da auch Atheisten – und hauptsächlich Atheisten – diese Erfahrungen machten.
            Seriöse Wissenschaftler dagegen wie der deutsche Arzt, Neurologe und Psychiater Michael Schröter-Kunhardt, der in seiner knappen Freizeit ohne jegliche staatliche Förderung seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Thanatologie forscht, hält es für sehr wahrscheinlich, dass NDE-Erlebnisse auf ein mögliches Leben nach dem Tod hindeuten.
            Schröter-Kunhardt: „Das Minimum, was diese Menschen laut eigener Aussage erlebt haben, war ein Traum, der wesentlich beeindruckender und wesentlich realer war als alle anderen Träume. Und dann gibt es eben noch jene Betroffenen – und das sind die meisten – die sagen: Es war Wirklichkeit! Aber meist sagen die Leute: Es war mehr als die Wirklichkeit! Es war eine Art Super-Realität, eine hinter allem scheinbaren Realen stehende noch größere Realität. Die Wahrnehmungen und Empfindungen waren um ein Vielfaches schärfer.“

            Ernsthaft?

        • Ausserdem habe ich nichts gegen Dawkins. Ich finde lediglich seinen Versuch etwas zu widerlegen was man nicht widerlegen kann, absurd. Ich hatte ihn ja für sehr intelligent gehalten.

          Ich hatte mir mehr erwartet über Wissenschaft, so wie früher bei Hoimar von Ditfurth oder Volker Arzt, Sagan, Dawkins usw… usf…

          Ich habe zu dem Thema eine längere Vorgeschichte auf dem Forum „Spektrum der Wissenschaft“. Das war interessanter und aufschlussreicher.

          Versuche nie eine Gläubigen vom Gegenteil zu überzeugen. Tue es wie die GWUP oder lass es sein.

          Sage NIE er sei dumm, den das beweist nur dass DU dumm bist.

          • @yeph

            „Ich finde lediglich seinen Versuch etwas zu widerlegen was man nicht widerlegen kann, absurd“

            Er schreibt doch in dem Buch ausdrücklich, dass er ihn nicht endgültig widerlegen kann, weil Nichtexistenz nicht bewiesen werden kann. Es kann keiner der in der Geschichte der Menschheit behaupteten Götter widerlegt werden.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gotteswahn

            Hier gibt Dawkins eine kurzgefasste Übersicht über Polytheismus, Monotheismus und Agnostizismus und erstellt eine Skala mit sieben graduellen Überzeugungen, die vom (1) überzeugten Theisten, der „nicht [glaubt], sondern weiß, dass es einen Gott gibt“, bis zum (7) überzeugten Atheisten reicht, der „weiß, dass es keinen Gott gibt.“ In der Mitte liegt (4) der reine Agnostiker, der „weiß, dass [er] nicht wissen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht.“ Dawkins schätzt sich selbst als (6) De-facto-Atheisten ein: „Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes als sehr gering ein und lebe mein Leben entsprechend.“

        • Das hier?

          Nun ja, das Gehirn ist ein garstig Ding und vieles was wir als Realität wahrnehmen ist nur eine Karikatur davon. Da können kleinste Pilze, Aussetzer, Migränen und andere Phänomene als Hyperreal empfunden werden, so als habe man etwas JETZT verstanden, obschon der Teil des Gehirns der sich mit dem Verstehen beschäftigt und bestimmt wann etwas als „verstanden“ abgespeichert wird, bloss besonders stark aktiviert war (aus welchem Grund auch immer).

          Es gibt viele solche Fehleinschätzungen des Denkens und Erlebens.

          Z.B. dass wenn man 1.000 Menschen aus dem Wasser fischt, man denkt man sei ein guter Mensch, obschon es morgen schon 3.000 und übermorgen 10.000 sind und das nur weil ich sie aus dem Wasser fische.

          Die Realität ist einfach zu komplex geworden!

        • Er schreibt doch in dem Buch ausdrücklich, dass er ihn nicht endgültig widerlegen kann

          Und doch versucht er es auf 600 Seiten. Und nebenbei beleidigt er intelligente Gläubige. Er hat sich sogar dazu geäussert. Ich finde ihn sehr sympathisch.

        • Hä?
          Was hat das damit zu tun?

          Ich hoffe niemand hat dein Konto gehackt?! 😉

          Hier DEIN Zitat:

          „Und dann gibt es eben noch jene Betroffenen – und das sind die meisten – die sagen: Es war Wirklichkeit! Aber meist sagen die Leute: Es war mehr als die Wirklichkeit! Es war eine Art Super-Realität, eine hinter allem scheinbaren Realen stehende noch größere Realität. Die Wahrnehmungen und Empfindungen waren um ein Vielfaches schärfer.“

          • @yeph

            meine Frage war, ob das dein Kommentar war, es war der dritte

            Aber ich nehme das mal als ja:
            Es ist vollkommen egal ob das leute glauben. Das ist kein Beweis für die zugrundliegenden Kausalverhältnisse.
            Es ist schlicht kein Beweis für einen Gott.

        • Nur kurz als Erklärung: Es gibt Wünschelrutengänger die wirklich daran glauben. Es gibt Menschen die haben Engel gesehen und es gibt Menschen die denken sie sind Gott,

        • @Christian:

          »Natürlich gibt es auch in religiösen Gesellschaften entwicklung, aber immer nur, sofern sie sich eben nicht mit Religion beißt und man damit nicht mit ihr in Konflikt kommt.«

          Das stimmt schon darum nicht, weil sich Religion selbst immanent entwickelt. Das Thema der inneren Rationalisierung religiöser Weltbilder ist zum Beispiel der rote Faden durch Max Webers Religionssoziologie. Die Vorstellungen von einer Transzendenz Gottes sind beispielsweise ein Fortschritt gegenüber Vorstellungen von der Immanenz Gottes (oder vieler Götter), weil sie eine relative Entzauberung der diesseitigen Welt gestatten, indem sie Gott in eine jenseitige Welt verlagern. Dass das frühmittelalterliche Christentum magische Religiosität bekämpft hat, ist nicht nur einem Herrschaftsanspruch, sondern auch einem Rationalisierungsanspruch geschuldet.

          Und Religion kann »in traditionell gebundenen Zeitaltern« (wie Weber das nennt) auch zu einer entwicklungstreibenden revolutionären Kraft werden, was gerade für die frühen Phasen des Christentums (und ja, auch des Islams!) zutrifft. Diese Religionen nehmen Probleme der sozialen Integration und Inklusion auf (zum Beispiel die Integration der in der Spätantike stark gewachsenen Schicht der städtischen Armen), die in der klassischen Welt mit ihrer radikalen Hierarchie der Sterblichen und Unsterblichen zu kurz gekommen sind.

          Dass das Christentum die antike Bildung zerstört, wie es eine Religionskritik in der Art von Dawkins beanstandet, ist insofern zwar nicht falsch (radikale orientalische Mönche haben zahlreiche heidnische Tempel inklusive der Bibliothek von Alexandria niedergebrannt), aber eine Halbwahrheit, insofern (a) christliche Mönche im Niedergang des römischen Westens einen guten Teil der antiken Literatur vor den Barbarisierungsprozessen gerettet haben, und (b) sich die christliche Theologie das ganze Mittelalter hindurch am Rationalismus der antiken Philosophie produktiv abgearbeitet hat (das gilt etwas abgeschwächt auch für die arabischen Philosophen, die zum religiösen islamischen Mainstream eine etwas stärkere Außenseiterposition innehatten).

          Dass sich traditionale Gesellschaften nur dann entwickeln, solange sie ihrer Religion nicht in die Quere kommen, hält einem Blick in die Geschichtsbücher insofern schlicht nicht stand. Es ist erst die westliche Entwicklung seit der Renaissance, die hier in einen Antagonismus zur Religion gerät, und selbst dann noch ist ein großer Teil der gemäßigten Aufklärung mit religiösen Standpunkten vereinbar geblieben.

          • @dj

            „Das stimmt schon darum nicht, weil sich Religion selbst immanent entwickelt“

            Hä? Soll das ein Argument sein?

            Und das weitere ist doch auch kein tatsächlicher Beleg: Natürlich haben Mönche wissen gesammelt, aber sie haben darin ja auch keinen Widerspruch zu ihrer Religion gesehen.
            Beispiele, bei denen Forschung behindert worden ist, weil man sie im Widerspruch zu Gott sah, gab es genug.

            Aber es geht auch Dawkins nicht darum, dass als absolute Regel aufzustellen, es geht ihm darum, dass Religion üblicherweise einen anderen Blick auf die Ermittlung von Kausalitäten hat: Sie verwendet ein Argument durch Nichtwissen: Alles, was nicht bewiesen werden kann, kann dann – wenn es positiv ist – Gott zugeschrieben werden. Um so Gläubiger der jeweilige Mensch und um so mehr Platz er für diesen Glauben und das WIrken Gottes einräumen will, um so mehr Lücken muss er lassen, kritisches Nachfragen macht diesen Spielraum immer kleiner, nie größer, weil wir irgendwelche Erklärungen abseits des Übernatürlichen finden.
            Das ist ja auch Grundsatz der Religion: GLAUBEN. Glauben hat dann Gewicht, wenn man nicht beweisen kann und auch keine Beweise anfordert. Das wäre ZWEIFELN.

        • „Das ist bei Religion eben nicht der Fall. Sie verkündet freudestrahlend, dass man etwas nicht erklären kann, und es deswegen eben übernatürlich sein muss.“
          Das sind ja ganz schön dicke Strohmänner die du da aufstellst. Braucht man aber wahrscheinlich auch wenn man so voreingenommen gegen Religion ist wie du.
          Nach ca. 3 Jahren in meinen Lesezeichen und jede Woche mindestens einmal herschauen habe ich allesevolution jetzt rausgenommen. Bye

        • @Christian:

          Nur noch kurz:

          »Beispiele, bei denen Forschung behindert worden ist, weil man sie im Widerspruch zu Gott sah, gab es genug.«

          Du hast – wieder mal, und wie Dawkins und andere Biologen – keinen Blick dafür, dass bei der Erklärung historischer Zusammenhänge solche Allgemeinplätze nicht weiterhelfen. Ja, es gibt solche Beispiele, aber nur, wenn man sie konkret in historische Epochen und Zusammenhänge einordnet – also von konkreten Epochen und Zusammenhänge redet, bekommen sie überhaupt erst ein argumentatives Gewicht.

          Dawkins Problem (und mutatis mutandis auch das von Kutschera) ist, dass seine Allgemeinplätz über alle konkreten Epochen und Zusammenhänge hinwegbügelt, weil er den Sinn historischer Erklärungen gar nicht erst versteht.

          • Das Argument ist eigentlich ganz simpel:

            Religion erfordert häufig ein „Gott hat es gemacht, es ist ein Wunder“.

            Wissenschaft erfordert ein “ lass uns herausfinden, was der Grund ist “

            Beides kann sehr leicht im Konflikt kommen und dies ist auch immer wieder in der Geschichte passiert.

        • „Religion erfordert häufig ein „Gott hat es gemacht, es ist ein Wunder“.“

          Wenn das Religion ist, dann ist Wissenschaft nicht mehr als „Ich frage mich, was passiert, wenn man auf diesen Knopf drückt.“

        • @Christian:

          »Religion erfordert häufig ein „Gott hat es gemacht, es ist ein Wunder“. Wissenschaft erfordert ein “ lass uns herausfinden, was der Grund ist “«

          Auf frühen Stufen der Religionsgeschichte gibt es (das hat entwicklungspsychologische Gründe) den Modus der personalen Deutung kausaler Zusammenhänge: kausale Kräfte werden als handelnde Personen gedeutet. Trotzdem enthalten sie eine korrekte Abbildung der konkreten Erfahrung. Wissenschaft und Religion sind auf dieser Stufe ununterscheidbar. Das Projekt, »den Grund rauszufinden«, findet in religiöser Semantik statt.

          Wenn der Bronzeschmied oder Töpfer seinen Ofen anwirft, führt er Rituale durch, zum Beispiel Opfer: welcher Anteil des Rituals kausal wirkt und welcher nicht, das weiß er nicht, weil er die zugrundeliegenden Prozesse nicht abstrakt modellieren kann. Trotzdem ist sein Vorgehen empirisch, auf das Herausfinden von Gründen bezogen.

          Die frühe römische Geschichte ist gesteckt voll von solchen numinosen Kräften, die frühen Römer waren abergläubisch von der Fußsohle bis zum Scheitel. Eine Brücke zu bauen erforderte Ingenieurarbeit und priesterlichen Zuspruch zugleich, darum trägt der Papst auch heute noch den Titel des »obersten Brückenzauberers«: Pontifex Maximus.

          Und mit der sukzessiven Rationalisierung des antiken Weltbildes wurden auch diese archaischen Formen der Religion abgelegt, d.h. auch: die Religion selbst wurde rationalisiert – aber vergleichsweise zwanglos im Verlauf der jeweiligen Lernprozesse.

          Das gilt sogar noch für die frühmoderne Alchimie, die nicht an einem Mangel von Empirie (und dem Herausfindenwollen von Gründen) gelitten hat, sondern an einem Mangel an theoretisch adäquatem Modellwissen, und die daher spiritualistische Erklärungen substituiert hat.

          In bezug auf mindestens frühe Stufen der menschlichen Geschichte ist Deine Unterscheidung daher schlicht sinnlos. Das von Dawkins und anderen zu Unrecht universalisierte Konfliktmodell passt tatsächlich nur auf einen historischen Sonderfall: auf die christliche Amtskirche des lateinischen Westens. Islamische, indische, konfuzianische Religiosität war in diesen Hinsichten viel pragmatischer, weil: weniger stark als formelle Hierarchie etabliert, was die lateinische Kirche wiederum nur darum war, weil sie Funktionen und Zuständigkeitsansprüche des zusammengebrochenen weströmischen Staatsapparats übernommen hatte.

          Und ich habe bereits in einem vorigen Kommentar erwähnt, was diese Kirche selbst in diesem Zusammenhang noch getan hat: sie hat superstitio bekämpft, Aberglauben, das heißt: magische Formen der Volksreligiosität zugunsten des vergleichsweise rationalen, weil aus der antiken Zivilisation herstammenden christlichen Weltbildes verdrängt.

          »Beides kann sehr leicht im Konflikt kommen und dies ist auch immer wieder in der Geschichte passiert.«

          Und hier machst Du erneut, was Du bereits in Deinem vorhergehenden Post gemacht hast und was Du hier seit Jahren konstant vorhersagbar machst: Du weichst einmal mehr auf die Ebene der Allgemeinplätze zurück. Denn nur auf dieser Ebene der Allgemeinplätze kannst Du in der Illusion verweilen, dass Deine Biologen und Evolutionspsychologen eigentlich auf ganzer Linie recht haben und die Historiker und Soziologen bloß einer Holschuld nicht nachkommen. Dieses Zurückweichen auf die Allgemeinplätze, sobald es ans Eingemachte geht, ist eine seit Jahren beobachtbare, harte Gesetzmäßigkeit bei Dir, die sich auch durch den Dutzendsten Gastartikel, den Du gelegentlich anfragst, nicht ändern würde.

          Manchmal kann ich echt verstehen, dass Elmar so sauer wird.

          • „Wenn der Bronzeschmied oder Töpfer seinen Ofen anwirft, führt er Rituale durch, zum Beispiel Opfer: welcher Anteil des Rituals kausal wirkt und welcher nicht, das weiß er nicht, weil er die zugrundeliegenden Prozesse nicht abstrakt modellieren kann. Trotzdem ist sein Vorgehen empirisch, auf das Herausfinden von Gründen bezogen.“

            Aber es ist doch nicht das festhalten an den Ritualen „weil Gott es so will“, die Fortschritte begründen. Es ist das Ausprobieren und das Hinterfragen oder Weiterentwickeln dieser, aus denen sich der Fortschritt ergibt. Rituale können sicherlich Wissen bewahren. Aber eben auf in der Zeit einfrieren.

            „Manchmal kann ich echt verstehen, dass Elmar so sauer wird.“

            Oh, ich auch: Sowohl du und er sind sauer, wenn Themen berührt werden, bei denen es zu Kritik an von euch gehaltenen Dogen kommt, deren Hinterfragen tabuisiert ist. Ich hätte bei dir gar nicht gedacht, dass es Religion ist.

            „Dieses Zurückweichen auf die Allgemeinplätze, sobald es ans Eingemachte geht, ist eine seit Jahren beobachtbare, harte Gesetzmäßigkeit bei Dir, die sich auch durch den Dutzendsten Gastartikel, den Du gelegentlich anfragst, nicht ändern würde.“

            Es liegt eher daran, dass du anscheinend glaubst, dass ich bestimmte Grundregeln absolut vertrete. Deswegen erscheint dir eine Einschränkung einer Grundregel als Ausweichen und du bist erbost. Ich gehe aber schon seit langem davon aus, dass biologische Grundregeln ausgestaltet werden können, aber diese Ausgestaltung bei starker Abweichung höhere „kosten“ verursacht.
            Ich komme aus einem Gebiet, bei dem Regel-Ausnahme dir Norm ist und „Grundsatz“ nur bedeutet, dass es Ausnahmen gibt. Du bist vielleicht eher bei der Deutung, dass „Grundsatz“ bedeutet, dass man es absolut vertritt und willst mir dann immer nachweisen, dass dieses absolute nicht zutrifft. Ich glaube dass das einen nicht geringen Teil der Diskussionen ausmacht.

          • „Und ich habe bereits in einem vorigen Kommentar erwähnt, was diese Kirche selbst in diesem Zusammenhang noch getan hat: sie hat superstitio bekämpft, Aberglauben, das heißt: magische Formen der Volksreligiosität zugunsten des vergleichsweise rationalen, weil aus der antiken Zivilisation herstammenden christlichen Weltbildes verdrängt.“

            Das stützt doch die Theorie: Weniger Religion bringt mehr Fortschritt. Auch wenn das weniger durch eine andere Religion erreicht worden ist. Wenn auch diese Regeln noch wegfallen würden, soweit sie Fortschritt behindern, dann wäre es eben noch günstiger.

            Was du sagst ist ja so ungefähr das: Ich: „X führt zu Gewalt“ Du: Nein, X2 hast sogar die Höhere Gewalt von X1 eingedämmt und schlägt jetzt nur noch gelegentlich“

        • Ich komme aus einem Gebiet, bei dem Regel-Ausnahme die Norm ist und „Grundsatz“ nur bedeutet, dass es Ausnahmen gibt.

          Ernsthaft?
          Die Ausnahme der Regel ist die Norm?
          Ein Grundsatz bedeutet nur (!), es gibt Verletzungen von diesem Grundsatz?

          Kommt dir das nicht selber komisch vor?

          Auf einer solchen Basis, auf der Worte eigentlich ihr Gegenteil bedeuten (manchmal aber auch nicht), ist es verständlicherweise schwer eine Diskussion zu führen…

          Ich hätte bei dir gar nicht gedacht, dass es Religion ist.

          Dein Gefühl täuscht dich nicht. Vielleicht liest du den post von djadmoros nochmal durch. Ich halte es für eine differenzierte, sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

          Deine Verwunderung („Ich hätte bei dir gar nicht gedacht, dass es Religion ist.“) kommt daher, weil die ganze Unterstellung, er würde sauer werden weil von ihm hochgehaltene Dogmen kritisiert werden, absurd ist.

          • „Ein Grundsatz bedeutet nur (!), es gibt Verletzungen von diesem Grundsatz?“

            Ja, sonst wäre es nicht der Grund. Grundsatz bedeutet, dass es etwas darüber geben muss.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Juristische_Fachsprache

            grundsätzlich bedeutet juristisch gesehen vom Grundsatz her in der Bedeutung von im Prinzip, in der Regel (Ausnahmen sind möglich), während es in der Umgangssprache eher in der Bedeutung immer, aus Prinzip (keine Ausnahmen) verwendet wird. Hierfür findet sich in deutschen Gesetzen meist stets, in der Rechtsprechung regelmäßig. In der sonstigen Rechtssprache (Urteile, Kommentarliteratur, Schrifttum) ist der Gegenbegriff generell, was bedeutet, dass keine Ausnahmen möglich sind.

          • Auf der verlinkten Seite steht vorangehend (!)
            „…werden in der juristischen Fachsprache manche Bezeichnungen auch anders verwendet als in der Standardsprache.„.
            Nachdem dieses Forum hier gewiss keine juristische Fachplattform ist, geht der vernünftige Diskussionsteilnehmer davon aus, dass die Diskussion hier in Standardsprache stattfindet. Deinen Hinweis auf eine abweichende Bedeutung in einer speziellen Fachsprache halte ich für ein ziemlich durchsichtiges Manöver. Auf einen Erkenntnisgewinn scheint mir deine Antwort jedenfalls nicht ausgerichtet zu sein, eher aufs Rechthaben. In diesem Fall Glückwunsch, du hast recht damit, es gibt eine Fachsprache in der „grundsätzlich“ eine andere Bedeutung hat als in der normalen Umgangssprache. Bravo.

          • @pingpong

            Ich habe hier noch nicht einmal „grundsätzlich“ gesagt. Ich wollte lediglich darauf hinaus, dass aus meiner Sicht Regeln nicht absolut gelten müssen, sondern durchaus in ein „Regel-Ausnahme-Konstrukt“ eingebettet sein können oder eben der Ausgestaltung zugänglich sind, aber dennoch als Grundregeln den Ausgangspunkt der Überlegung bilden. Das scheint mir auch das wesentliche Problem bei der „Sperma ist billig“ diskussion zu sein und es scheint mir auch sinnvoll es anzusprechen.

          • Du hast gesagt:

            Ich komme aus einem Gebiet, bei dem Regel-Ausnahme die Norm ist und „Grundsatz“ nur bedeutet, dass es Ausnahmen gibt.

            Aber seis drum, es mag sein dass ich hier etwas zu sehr darauf angesprungen bin. Nichts für ungut.

            Zu deiner Antwort: Da bin ich ganz deiner Meinung. Die Frage ist halt, was man jeweils zu den Grundregeln, dem Ausgangspunkt, dazuzählt. Eine solche Hierarchisierung ist, gerade wenn es Bereiche betrifft in denen die soziale Interaktion eine große Rolle spielt, nicht so einfach. Hier sind wir vermutlich unterschiedlicher Meinung 😉

          • „Die Frage ist halt, was man jeweils zu den Grundregeln, dem Ausgangspunkt, dazuzählt. Eine solche Hierarchisierung ist, gerade wenn es Bereiche betrifft in denen die soziale Interaktion eine große Rolle spielt, nicht so einfach. Hier sind wir vermutlich unterschiedlicher Meinung 😉“

            IN der Tat und ich denke darüber kann man auch durchaus ergiebig diskutieren. Diese Frage finde ich sogar mit die interessanteste in dem ganzen, denn sie greift auch wesentliche Annahmen über uns als Mensch an.

        • @Christian:

          »sowohl du und er sind sauer, wenn Themen berührt werden, bei denen es zu Kritik an von euch gehaltenen Dogen kommt, deren Hinterfragen tabuisiert ist. Ich hätte bei dir gar nicht gedacht, dass es Religion ist. «

          Nee, erstens bin ich wirklich zu alt für Tabus. 🙂 Und zweitens finde ich den Dogmatismusvorwurf ausgesprochen hohl. Seit ich vor einigen Jahren auf Deinem Blog aufgeschlagen bin, setze ich mich auch mit der biologischen und evolutionspsychologischen Primärliteratur auseinander, und wenn ich zuvor nur ein diffuses Unbehagen an einem überreizten soziologischen Konstruktivismus hatte, so habe ich es dadurch seither wesentlich substanziiert. Einen Dogmatismusvorwurf finde ich daher schlicht ignorant.

          »Du bist vielleicht eher bei der Deutung, dass „Grundsatz“ bedeutet, dass man es absolut vertritt und willst mir dann immer nachweisen, dass dieses absolute nicht zutrifft. Ich glaube dass das einen nicht geringen Teil der Diskussionen ausmacht.«

          Nein, meine Kritik zielt darauf, dass Du praktisch never ever historische Beispiele diskutierst, an denen man erörtern könnte wie genau man sich die Wirkung solcher »Grundsätze« konkret vorzustellen hat.

          Denn nur dadurch, dass solche Grundsätze konkrete Erklärungsprobleme besser lösen helfen, bekommen sie einen wissenschaftlichen Wert.

          Aber vielleicht sollte ich das positiv sehen: da nicht nur Du, sondern auch Deine wissenschaftlichen Gewährsleute offenbar über kein Sinnesorgan für die Art soziologischer und historischer Problemstellungen verfügen, spricht alles dafür, dass es die Soziologen und Historiker (und mit Blick auf Elmar: auch die Philosophen) sein werden, von denen die Evolutionsbiologen und -psychologen über die Leistung und Grenzen ihrer Disziplin aufgeklärt werden.

          »Weniger Religion bringt mehr Fortschritt. Auch wenn das weniger durch eine andere Religion erreicht worden ist.«

          So formuliert entspricht das Webers Rationalisierungsthese. Damit kann man aber Dawkins‘ Polemik nicht rechtfertigen, denn die bezieht sich nicht nur auf moderne Fundamentalisten, die wissenschaftliche Erkenntnisse (zum Beispiel in schulischen Lehrplänen) gern zurückdrehen würden, sondern zeichnet ein halbiertes Bild der Religionsgeschichte insgesamt.

        • „sondern auch Deine wissenschaftlichen Gewährsleute offenbar über kein Sinnesorgan für die Art soziologischer und historischer Problemstellungen verfügen, spricht alles dafür, dass es die Soziologen und Historiker (und mit Blick auf Elmar: auch die Philosophen) sein werden, von denen die Evolutionsbiologen und -psychologen über die Leistung und Grenzen ihrer Disziplin aufgeklärt werden.“

          🙂

          Sehe ich auch so.
          Ich denke, die hegelianische Art Kritik zu üben, ist bezüglich der Tendenz zur Einseitigkeit bei wissenschaftlichen und philosophischen Disziplinien und Schulen die richtige.

          Wie es Max Horkheimer einmal formulierte:

          „Indem der konkrete Inhalt als bedingt und abhängig erkannt, indem jede „endliche“ Wahrheit (…) „negiert“ wird (…), soll sie nach Hegel nicht einfach beim Aussondern des reinen Wissens durchs Sieb fallen. In der Erkenntnis der Bedingtheit jeder isolierten Ansicht, in der Ablehnung ihres unbeschränkten Wahrheitsanspruchs wird dieses Wissen nicht überhaupt zerstört, sondern jeweils als bedingte, einseitige, isolierte Ansicht in das System der Wahrheit aufgenommen.

          Durch nichts als dieses fortwährende kritische Beschränken und Korrigieren von Teilwahrheiten kommt dieses selbst als ihr konkreter Begriff, als Wissen von begrenzten Einsichten in ihren Grenzen und ihrem Zusammenhang zustande.

          Hegel hält dem Skeptizismus den Begriff der bestimmten Negation entgegen. Die fortschreitende Erkenntnis von Einseitigkeiten, das Weitergehen von einer isolierten Bestimmung zur anderen, worunter er keineswegs ein bloßes Aufreihen von Merkmalen, sondern die in allen Einzelheiten dem Leben der Sache folgende Darstellung versteht, diese Kritik jedes Begriffs und Begriffskomplexes durch seine fortschreitende Eingliederung in das vollständigere Bild des Ganzen eliminiert keineswegs die einzelnen Aspekte oder lässt sie auch nur im weiteren Denken unberührt, sondern jede negierte Einsicht wird im Fortgang der Erkenntnis als Moment der Wahrheit aufbewahrt, bildet einen bestimmten Faktor in ihr und wird mit jedem Schritt weiter bestimmt und verändert.

          Eben deshalb ist die methodische Form von These, Antithese und Synthese keineswegs als „lebloses Schema“ anzuwenden. Wenn in der Antithese jeweils das kritische, relativierende Moment gegenüber dem aufnehmenden, feststellenden eines Gedankengangs zum Ausdruck kommt, so bilden beide, These und Antithese, deshalb sogleich eine neue Einsicht, eine Synthese, weil das Negieren die ursprüngliche Ansicht nicht einfach verworfen, sondern vertieft und bestimmt hat.

          Am Ende kommt bei Hegel nicht die nackte Versicherung heraus, alles bestimmte Wissen sei vergänglich und nichtig, was wir erkennen, seien nur Erscheinungen im Gegensatz zu einem unerkennbaren Ding an sich oder einem intuitiv zu erschauenden Wesen. Wenn das Wahre nach Hegel das Ganze ist, so ist das Ganze nicht etwas von den Teilen in ihrer bestimmten Struktur Verschiedenes, sondern der gesamte Gedankengang, der alle beschränkten Vorstellungen jeweils im Bewusstsein ihrer Beschränktheit in sich schließt.“

          (aus: Max Horkheimer – Zum Problem der Wahrheit, in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 3: Schriften 1931 – 1936, S. 285 f.)

      • Auf Gender Studies bezogen macht es aber Sinn, den diese versuchen durch pseudowissenschaftliche Ausdrucksweise ihre Theorien unverständlich oder schwer nachvollziehbar zu machen, damit der Normalbürger nicht mitreden kann.

        • Es ist erstaunlich wie sehr sich ein solch es Wirrwarr von Unsinnswörtern jahrzehntelang aufrechterhalten kann.

          Das war schon so in der Philosophie. Hatte man die grundlegenden Probleme geklärt musste man Physik, Mathe usw, studieren um mitreden zu können, was viele nicht davon abhielt trotzdem Schwachsinn als Wissenschaft zu verkaufen.

          Und je mehr man sich in der Physik verliert je esoterischer es wieder wird, so dass einige denken sie könnten wieder mitreden ohne Studium, den alles ist doch relativ, oder? 😉 Unscharf, verschränkt usw…. (oben wie unten) warum nicht hinten wie vorne? Ach ich bösartiger Skeptiker 😉

          Bei Gender Studies würde ich nicht auf verschränkt tippen, sondern auf beschränkt….

          Obschon mir gestern im TV eine Woman of color glaubhaft erzählt hat wie schwer sie es hat, immer noch, naja, dazu gibt es ja wissenschaftliche Studien, aber was weiss ich ….. die Evolution ist meine Religion, glaube ich wenigstens……

  3. Sehr interessanter Text, zeigt sehr schön, wie ideologische Voreingenommenheit dazu führt, Teile der Realität überhaupt nicht mehr wahrzunehmen. Natürlich spielt Malaria keine Rolle für die Armut der III. Welt, schließlich kann man niemand dafür verantwortlich machen und politische Forderungen stellen.

    Hingegen kann man die Probleme von Armut und Reichtum im Weltmaßstab nur verstehen, wenn man nicht nur politische sondern auch geographische und biologische Faktoren einbezieht.

    Dazu gibt es einen interessanten text von Jared Diamond:

    http://www.nybooks.com/articles/2012/06/07/what-makes-countries-rich-or-poor/

    „Two major factors contribute to the poverty of tropical countries compared to temperate countries: diseases and agricultural productivity. The tropics are notoriously unhealthy. Tropical diseases differ on average from temperate diseases, in several respects. First, there are far more parasitic diseases (such as elephantiasis and schistosomiasis) in tropical areas, because cold temperate winters kill parasite stages outside our bodies, but tropical parasites can thrive outside our bodies all year long. Second, disease vectors, such as mosquitoes and ticks, are far more diverse in tropical than in temperate areas. Finally, biological characteristics of the responsible microbes have made it easier to develop vaccines against major infectious diseases of temperate areas than against tropical diseases; we still aren’t close to a vaccine against malaria, despite billions of dollars invested. Hence tropical diseases impose a huge burden on economies of tropical countries. At any given moment, much of the population is sick and unable to work efficiently. Many women in tropical areas can’t join the workforce because they are constantly nursing and caring for babies conceived as insurance against the expected deaths of some of their older children from malaria.

    As for agricultural productivity, it averages lower in tropical than in temperate areas, again for several reasons. First, temperate plants store more energy in parts edible to us humans (such as seeds and tubers) than do tropical plants. Second, diseases borne by insects and other pests reduce crop yields more in the tropics than in the temperate zones, because the pests are more diverse and survive better year-round in tropical than in temperate areas. Third, glaciers repeatedly advanced and retreated over temperate areas, creating young nutrient-rich soils. Tropical lowland areas haven’t been glaciated and hence tend to have older soils, leached of their nutrients by rain for thousands of years. (Young fertile volcanic and alluvial soils are exceptions.) Fourth, the higher average rainfall of tropical than of temperate areas results in more nutrients being leached out of the soil by rain. Finally, higher tropical temperatures cause dead leaves and other organic matter falling to the ground to be broken down quickly by microbes and other organisms, releasing their nutrients to be leached away. Hence in temperate areas soil fertility is on average higher, crop losses to pests lower, and agricultural productivity higher than in tropical areas.”

    • Zu Jared Diamond und Umweltdeterminismus haben Vertreter der Identitätspolitik eine sehr klare Meinung, siehe hier:

      Das Originalvideo propagiert den Standpunkt, dass die Annahme, Völker hätten sich aufgrund unterschiedlicher Umweltbedingungen schneller oder langsamer entwickelt, rassistisch ist.

      Der Grund wird auch in dem Originalvideo nicht wirklich klar; umweltdeterministische Aussagen werden ohne weitere Begründung als absurd und „lächerlich“ bezeichnet. Der nur angedeutete Gedankengang dahinter ist meiner Vermutung nach folgender:

      1. Alles menschliche Verhalten ist allein durch die Kultur bestimmt, Umwelteinflüsse spielen keine Rolle (woher die Kultur kommt, darf nicht gefragt werden).

      2. Weiße heterosexuelle Männer haben eine bösartige, aggressive Kultur und daher den Drang, andere Völker zu kolonisieren und auszubeuten.

      3. Alle anderen haben friedfertige Kulturen und sind daher gegenüber den WHM im Nachteil.

      Umweltdeterminismus besagt aber, dass alle Menschen in ihren Schwächen und Stärken mehr oder weniger gleich sind und manche nur das Glück hatten, in Gegenden zu leben, die ihnen bessere Entwicklungsmöglichkeiten geboten haben. Für einen „Identitätspolitiker“ ist das aber Häresie, weil es an der inhärenten moralischen Minderwertigkeit der WHM gegenüber den von ihnen kolonisierten Völker rüttelt.

      • Gestern haben sie im TV lange darüber philosophiert wieso der Neanderthaler ausgestorben ist, obwohl er dem Homo Sapiens in vielem überlegen war.

        Vielleicht war er zu pazifistisch?

      • Ausserdem werden fast alle einigermassen entwickelte Staaten bald an Wassermangel leiden, nicht wegen dem Klima, sondern weil sie meinen die Wasserquelle wäre unversiegbar und immer gleich ergiebig.

        Diejenigen Volker die am Oberlauf sitzen werden den anderen das Wasser wegnehmen, bis sie entweder von denen eine aufs Maul bekommen oder auch an Wassermangel leiden.

        Jared Diamond hat in vielem Recht aber er ist auch ein wenig eindimensional, wie wir wahrscheinlich auch.

    • „Natürlich spielt Malaria keine Rolle für die Armut der III. Welt, schließlich kann man niemand dafür verantwortlich machen und politische Forderungen stellen.“

      Na, also… da wären wir aber doch mittendrin in der Diskussion pro/contra DDT!

      pro: der Einsatz verhindert potentiell Unmengen von Malaria-Toten

      contra: potentiell größere wirtschaftliche Armut, weil wir deren landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht mehr mit „BIO“-Aufschlag kaufen könnten

      • (streiche das „potentiell“. Beides dürfte eigentlich als gesicherte Erkenntnisse durchgehen. Ich bin auf der pro-Seite, übrigens. Alles Andere ließe sich m.M.n. auch anders regeln, Hauptsache, die häufigste Todesursache wird wieder eingedämmt – was WIR ihnen lange Jahre zwischendurch komplett verboten hatten, soweit ich weiß)

        • Malaria ist m.W.n. die häufigste Todesursache in Afrika

          Focus:

          1 088 000 Menschen in Afrika starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 2012 an Aids. Damit bleibt dort das HIV-Virus die häufigste Todesursache.

          1 039 000 Afrikaner erlagen Atemwegsinfekten,

          603 000 starben an Diarrhoe, vor allem Kinder.

          554 000 Todesopfer forderte Malaria,

          284 000 starben an Unterernährung und 218 000 an Tuberkulose.

        • Malaria ist m.W.n. die häufigste Todesursache in Afrika

          https://de.globalvoices.org/2015/01/28/die-haufigste-todesursache-in-entwicklungslandern-konnte-sie-uberraschen/

          Was denken Sie, ist die häufigste Todesursache in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen?

          A. Mangel- und Unterernährung

          B. Tuberkulose, Malaria und HIV/AIDS

          C. Umweltverschmutzung

          Wenn Sie auf “C” getippt haben, haben Sie richtig geraten. Durch die Kontamination von Boden, Wasser und Luft (in Haushalt und Umgebung) starben im Jahr 2012 in diesen Ländern 8,4 Millionen Menschen.

        • Uuuh, nein, also über HIV ziehe ich mal tatsächlich vor nicht zu debattieren, daaaa bin ich mir nämlich echt unsicher und weiß auch, dass ich das nicht zu meiner eigenen Zufriedenheit aufklären kann.
          Been there, done that.

        • http://www.berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/bevoelkerungsdynamik/faktoren/sterblichkeit.html

          Eine der am weitesten verbreiteten Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern ist, obwohl heilbar, die Tuberkulose. Sie ist vorwiegend in Regionen verbreitet, die durch Krieg, Vertreibung, Unterernährung und fehlende medizinische Versorgung gekennzeichnet sind. Fast 1,34 Millionen Menschen fielen 2008 schätzungsweise der Tuberkulose zum Opfer, die meisten in Afrika und Südostasien. Die Krankheit verläuft hauptsächlich dann tödlich, wenn der Kranke bereits durch Mangelernährung oder eine andere Immunschwächekrankheit wie Aids gezeichnet ist.

          Auch die Todesfälle an Malaria nehmen zu. ….. Malaria forderte 2008 mehr als 800.000 Todesopfer, die meisten davon in Subsahara-Afrika.

          …… so dass im Jahr 2009 schätzungsweise 33,3 Millionen Personen mit dem HI-Virus infiziert sind (UNAIDS/WHO 2009). 22,5 Millionen davon leben in Afrika südlich der Sahara. In Europa leben dagegen etwa 0,82 Millionen Menschen mit dem Virus. Jährlich fordert die Immunschwächekrankheit knapp zwei Millionen Todesopfer.

      • Du willst also liebr über DDT reden, wie Identitätspolitik, die es schafft das man sich nicht mehr um die wichtigen Probleme kümmern kann?

        • Malaria ist m.W.n. die häufigste Todesursache in Afrika, was sollte denn noch wichtiger sein als das? Millionen Identitäten werden oder werden nicht ausgelöscht, abhängig davon, wie wir die Weichen stellen bzw. Prioritäten setzen. Gilt auch ganz allgemein (leider).

        • Sie sind verantwortlich sowohl für die Erfindung des Pflanzenschutzmittels wie auch für die Entdeckung seiner Wirksamkeit gegen u.a. den Malaria-Erreger (dafür erhielt dann auch dieser Zweite den Medizin-Nobelpreis 1948) sowie außerdem auch für das jahrzehntelange Einsatz-VERBOT, das mit Umweltängsten begründet wurde.
          Im Grunde hat der Westen entschieden: sorry, Eure Leben sind uns nun doch nicht so wichtig wie das gute ökologische Gewissen. Tote (vorallem Kinder) in der dritten Welt oder dünnere Vogel-Ei-Schalen… das muss man schon richtig gewichten.

        • Wikipedia:

          In zahlreichen Entwicklungsländern, aber auch in den Staaten des Ostblocks, wurde DDT weiterhin hergestellt und verwendet. In der Land- und Forstwirtschaft der DDR hatte DDT ursprünglich eine viel größere Bedeutung als in Westdeutschland. Allerdings ging der DDT-Einsatz im Verlaufe der 1970er-Jahre auch hier stark zurück.[12] Zuletzt wurde es nur noch zum Beizen von Zwiebelsamen verwendet.[19]

          DDT war in dem Holzschutzmittel Hylotox 59 enthalten, das in der DDR bis 1988 hergestellt wurde. Daher ist DDT in Gebäuden in Ostdeutschland noch häufig nachweisbar.[21] Es durfte übergangsweise noch bis zum 30. Juni 1991 eingesetzt werden. Heute gilt dieses Holzschutzmittel in Gebäuden generell als Gebäudeschadstoff.[22]

          In Indien wurde der DDT-Einsatz in der Landwirtschaft im Mai 1989 verboten.[9] Zur Bekämpfung der Malaria ist es dort heute noch im Einsatz. Im Rahmen des bis 2007 laufenden Fünfjahresplans sollten 66.000 t DDT-Pulver (Wirkstoffgehalt 50 %) zur Bekämpfung von Malaria und Leishmaniose eingesetzt werden.[23] Die Wirksamkeit gegen Malariaüberträger wird unter indischen Wissenschaftlern zurzeit kontrovers diskutiert.[23][24]

          Das Stockholmer Übereinkommen[25] vom Mai 2001, das im Mai 2004 in Kraft trat, beschränkt den Einsatz von DDT auf die Bekämpfung krankheitsübertragender Insekten (Vektoren). Außerdem darf es weiterhin als Ausgangsstoff für die Produktion des Akarizids Dicofol hergestellt werden. Die Verwendung von DDT soll der WHO und dem Sekretariat des Stockholmer Übereinkommens mitgeteilt werden. Es gibt Hinweise darauf, dass mindestens 21 Staaten DDT einsetzen.[26] Die registrierten Staaten sollen alle drei Jahre über die eingesetzte Menge an DDT, ihre Verwendung und die Krankheitsbekämpfungsstrategie Bericht erstatten.

        • „Im Grunde hat der Westen entschieden: sorry, Eure Leben sind uns nun doch nicht so wichtig wie das gute ökologische Gewissen. Tote (vorallem Kinder) in der dritten Welt oder dünnere Vogel-Ei-Schalen… das muss man schon richtig gewichten.“
          Ein hervorragendes Beispiel für unsere SJW-Gutmenschen die mal wieder keine Ahnung haben wovon sie sprechen.

          DDT ist ein endokriner Dispruptor der für verschiedene Krebsarten verantwortlich gemacht wird. Zudem ist es immer noch gegen Malaria zugelassen, auch wenn die Wirksamkeit inzwischen extrem nachgelassen hat denn, Insekten passen sich schnell an.

        • @Semikolon: Du schreibst: „[die bösen weißen Männer] sind verantwortlich sowohl für die Erfindung des Pflanzenschutzmittels wie auch für die Entdeckung seiner Wirksamkeit gegen u.a. den Malaria-Erreger (dafür erhielt dann auch dieser Zweite den Medizin-Nobelpreis 1948) sowie außerdem auch für das jahrzehntelange Einsatz-VERBOT, das mit Umweltängsten begründet wurde.“

          Diese Umweltängste wurden ganz wesentlich von Rachel Carson mit ihrem Buch „Silent Spring“ geschürt. Eine Biologin, kein böser weißer Mann.

        • „Offensichtlich ist DDT nicht ganz ohne Grund verboten worden“

          Die Frage ist, obs ein guter Grund war.
          Könnten wir denn bei bspw. den ostdeutschen oder osteuropäischen Menschen – die DDT wie zitiert trotz unserer divergierenden, westlichen Auffassung weiter ausgesetzt waren, z.T. sind – oder der dortigen Umwelt irgendwelche realen, gravierend-negativen Auswirkungen dessen benennen?
          Falls nicht haben wir objektiv im Lichte der Zeit einen Millionenfach-tödlichen Fehler begangen.
          Wer könnte uns den verzeihen, sag mal?

          „man muss sich eben überlegen, was man haben will.“

          Mehr Menschen in insbesondere Subsahara-Afrika sind schon so Mancher liebster Grund zur Besorgnis… nicht bloß, wenn die sich die gleichen Freiheiten rausnähmen wie unsereiner und die Welt bereisen wollten, ihren Lebensmittelpunkt zeitweilig zu uns verlagern wollen würden, um hier zu studieren z.B…. nein nein. Allein schon ihre dortige Existenz wäre Manchen hierzulande ein Dorn im Auge. „Wir“ schrumpfen doch und „die“ werden unerhörterweise mehr (weil sie nichtmehr krepieren wie die Fliegen, woran wir uns doch schon so gewöhnt hatten oder so)… irgendwann kippen dann doch noch die Machtverhältnisse, und das wäre ja schröööcklich!

          „Zudem ist es immer noch gegen Malaria zugelassen“

          War es aber nicht immer, oder? (ich hab btw von Anfang an mit meinen Posts andeuten wollen, dass es eine Entwicklung in mehreren Schritten gab).

          „auch wenn die Wirksamkeit inzwischen extrem nachgelassen hat denn, Insekten passen sich schnell an.“

          Ohne das Verbot hätte man eine Ausrottung der Malaria bereits vor Jahrzehnten erreicht haben können, so siehts nämlich aus wenn Du mich fragst.

        • Unsinn; Malaria gab es in weiten Teilen Europas auch, bis man sich irgendwann entschloss, die Sümpfe, in denen die Mücken sich fortpflanzten, auszutrocknen.

          Warum haben die Afrikaner das bisher nicht gemacht? Hat der Kolonialismus sie daran gehindert?

        • @Semikolon: führst du hier nicht immer deinen Kreuzzug gegen die Pille? Ist dein Argument nicht, dass das Zeug ohne Hinweis auf Nebenwirkungen (vor allem die langfristigen) verabreicht wird? Erwähnst du nicht gerne, dass die Inhaltsstoffe in die Umwelt gelangen und dort Probleme bereiten?
          Und jetzt propagierst du, einfachen Menschen ein Insektizid zur Verfügung zu stellen, welches persistent und akkumulativ ist (zersetzt sich nur sehr langsam, reichert sich in der Nahrungskette an)? Ein Stoff, von dem bekannt ist, dass er Tiere schädigt und vermutlich zu Krebs führt. Bist du die gleiche Semikolon?

        • Es ist ein Kreuzzug gegen die Unvernunft des modernen Menschen, inklusive überflüssiger Medikation.

          „Ist dein Argument nicht, dass das Zeug ohne Hinweis auf Nebenwirkungen (vor allem die langfristigen) verabreicht wird? Erwähnst du nicht gerne, dass die Inhaltsstoffe in die Umwelt gelangen und dort Probleme bereiten?“

          Argumente gibts da Viele (ganz oben auf der Liste steht m.M.n. der Umstand, dass sich durch Aufklärung und nur ein klein wenig Disziplin mit praktisch gleichhoher Sicherheit ungewollte Schwangerschaften auch völlig ohne invasive Eingriffe verhindern lassen) – aber ich glaube, die ausgeschiedenen Pillen-Rückstände, die sich wohl nachweisen lassen, hab ich persönlich noch nicht als Diskussionsfigur bemüht, jedenfalls sind sie mir verhältnismäßig wurscht.

          „Und jetzt propagierst du, einfachen Menschen ein Insektizid zur Verfügung zu stellen, welches persistent und akkumulativ ist (zersetzt sich nur sehr langsam, reichert sich in der Nahrungskette an)? Ein Stoff, von dem bekannt ist, dass er Tiere schädigt und vermutlich zu Krebs führt.“

          Der Zweck heiligt in diesem Fall das Mittel. Der Impf-Versuch verlief laut wiki enttäuschend, und sonst haben wir halt überhaupt nix in Aussicht, was zuverlässig diese vielen Erkrankungs- und Todesfälle verhindern könnte, n’est-ce pas?

          Meine Haupt-Umweltängste beziehen sich übrigens auf DU-Munition und Atommüll.

        • Wer lang genug lebt hat doch immer die große Chance an irgendeiner Form von Krebs zu erkranken, Du. Die Forschung an Krebs ist die Forschung an der Unsterblichkeit (einer meiner Lieblingssätze der letzten Jahre^^).

          Wie ich feststellte, hat GlaxoSmithKline die Malaria-Impfung übrigens jüngst doch noch durchgekriegt (trotz der bislang enttäuschenden Vor-Ergebnisse), ab nächstem Jahr wird sie in Ghana, Kenia und Malawi für insbesondere Kinder finanziert werden:
          http://foreignpolicy.com/2017/04/25/first-ever-malaria-vaccine-to-begin-tests-next-year/

          Und dann hab ich auch explizit bei DDT-Kritikern reingeschaut um mich ein bißchen schlauer noch zu machen, ein paar Punkte:

          – es gibt bislang keine Beweise dafür, dass DDT oder seine Abbauprodukte beim Menschen Krebs auslösen (sagen die Kritiker!)

          – als DDT-Produzenten treten heutzutage ausschließlich noch China, Indien und – funny enough – Nordkorea auf (Äthopien bezieht es um Dicofol herzustellen) – und es gibt schon auch noch Alternativen, aber dazu gleich

          – was ich „wir haben es ihnen verboten“ benannt hatte, war wohl deutlich zu plakativ formuliert, eher haben „wir“/die WHO die Hilfsprojekte der 1950/60er (wo DDT auf Häuserwände gesprüht wurde) schlicht ad hoc eingestellt und eben entsprechende Panik verbreitet (nachdem wir als letztes? betroffenes europäisches Gebiet Sardinien mithilfe von DDT Malaria-frei gekriegt hatten freilich erst^^), was dann die Folgegeneration wieder zurückdrehte:

          „Arata Kochi, Direktor der WHO-Malariaabteilung, erklärte am 15. September 2006, DDT sei das wirksamste dieser Insektizide.
          „One of the best tools we have against malaria is indoor residual spraying. Of the dozen insecticides WHO has approved as safe for house spraying, the most effective is DDT“. Diese Aussage hat die WHO in einem Positionspapier 2007 zum Einsatz von DDT zur Malariakontrolle abgeschwächt. Dort steht einerseits, dass DDT wichtig für die Malariabekämpfung sei, und andererseits: “the reduction and ultimate elimination of the use of DDT for public health must be supported technically and financially”. Auch im neuen Malariaweltbericht 2008 betont die WHO, DDT sei vergleichsweise lange gegen Malariamücken wirksam. Diese Erklärung wurde von mehreren Vertragsstaaten als Aufforderung verstanden, dieses Pestizid häufiger bzw. erneut einzusetzen.
          Damit hat die WHO erheblich zur Etablierung bzw. Steigerung des DDT-Einsatzes beigetragen, und sie hat auch nur unzureichend Maßnahmen zur Entwicklung und Implementierung von nicht-chemischen Alternativen ergriffen. Zurzeit bewertet die WHO die Risiken von DDT neu; zu welchem Ergebnis die WHO dabei kommen wird, ist unklar.“

          http://www.pan-germany.org/download/ddt/PAN_DDT_Studie_DT.pdf

          Klar ist nur, dass davon abhängt wie die betroffenen Länder sich verhalten (müssen) bzw. wohinein unsere Hilfsgelder fließen werden.

          Die moderne Strategie umfasst neben dem altbekannten Einsprühen der Häuserwände insbesondere imprägnierte Moskitonetze, die vielfach kostenlos verteilt und dort wo sie es werden auch hervorragend angenommen werden und ganz besonders Bildung (die meisten in den betroffenen Gebieten wussten nichtmal wodurch Malaria ausgelöst wird), damit einhergehend wie Du auch bereits vorschlugst die Trockenlegung o.ä. der Brutgebiete.

          Nicht nur um DDT, auch um die genaue Anzahl der Malariatoten darf ohne Zweifel noch ne Weile weiter gestritten werden:
          http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/1-2-millionen-opfer-pro-jahr-malaria-toetet-viel-mehr-menschen-als-angenommen-a-813012.html

        • „Die moderne Strategie umfasst neben dem altbekannten Einsprühen der Häuserwände insbesondere imprägnierte Moskitonetze, die vielfach kostenlos verteilt und dort wo sie es werden auch hervorragend angenommen werden“

          Ja, und dann nehmen diese hirmamputierten Komplett-Idioten die Moskitonetze zum Fischfang und fischen die Bestände radikal weg:

          http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tanganjikasee-wildes-fischen-mit-moskitonetzen-a-659025.html

        • Aus der Position eines westlichen Menschen, der sich existenzielle Armut nichtmal mehr vorstellen kann, lässt sich sowas leicht verurteilen, hm?

        • Im Grunde müssten wir um das angemessen diskutieren zu können nun ein neues Fass aufmachen, die Entwicklung der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel nämlich (hint: die war ab 2007 etwa Vorläufer bzw. eine weitläufig ausgeblendete Vorbedingung für die große Finanzkrise beginnend 2009).

          Kleine Frage vorab: Du fährst nicht zufällig auch ein Auto das Bio-Diesel tankt? Dann wärst Du nämlich indirekt dafür mitverantwortlich, ob Dir das nu klar ist oder nicht (die Welt ist soo kompliziert geworden…).

        • Mach dir nichts vor, die sind selber schuld an ihrer Armut, weil sie sich nicht ändern wollen. Niemand hindert die afrikanischen Regierungen daran, eine vernünftige Politik im Interesse ihrer Menschen zu machen; viele Länder sind reich an wertvollen Rohstoffen, aber das Geld stopfen sich die Angehörigen der grade mächtigen Gruppe in die Taschen und lassen die anderen verrecken. Und dann wirft man den Europäern vor, dass sie das zulassen.

          Es gibt da einen schönen Reisebericht von einem englischen Journalisten:

          Darin heißt es z.B. Über Kobalt-Gewinnung in Lubumbashi, Kongo

          „The cobalt-rich rock is simply bagged and driven out oft the country. That way ensures the smallest amount of benefit tot he local economy – just the few dollars a day paid to each miner. If the local authorities where interested in helping the local economy, then they would have a processing plant here in Lubumbashi that converts the cobalt-rich rock into concentrated cobalt salts. It is not a complex procedure, but it multiplies the value of the cobalt product by fifty times, may be a hundred times. It is much more efficient to transport the concentrate than the untreated rock and the profit margin is much higher. Under the system we have now, some plant in South Africa or China makes the profit on the treatment oft he rock, a profit that is lost to the Congo. But the reality is this. The authorities in the Congo are not interested in how cobalt mining benefits the local economy. They are only interested in what they can take in bribes. And it is easier to count sacks of rock at the border and work out how many dollars you can cream of per bag. Until that fundamental attitude changes, than the cobalt boom driven by China will not benefit more than a few members oft the Congo elite. “

          Tim Butcher, Blood River, A Journey to Africa’s Broken Heart, 2007, p. 67 f.

          Oder hier: Ali, ein aus Malaysia stammender UNO-Mitarbeiter erzählt Butcher über seine Erfahrungen im Kongo:

          „The Congo people don’t want to make money for themselves. They just wait to take money from others. “ I offered the standard explanation for the Congo’s problems: colonialism, and when independence came, the Congo was pulled apart by forces beyond it’s control, as the cold war allowed Mobutu to run the country to the ground, under American patronage. „That is rubbish“, Ali said. „Malaysia was colonised for centuries too, most recently by the British, a colonial rule that was cruel and racist. We got independence roughly at the same time as the Congo in the early 1960s. But somehow Malaysia goes through and the Congo did not. Today Malaysia is part oft he rest oft he world, people go on holiday in Malaysia. The same is not true oft he Congo. How can you explain the difference? “

          p. 309f.

        • @ El Mocho:

          Besten Dank für die Klarstellung!

          @ Semi-Kolon:

          Antwort auf deine kleine Derailing-Frage: Isch ‚abe gaa kain Auto! Aus Überzeugung.

          Zu deinem Klug-Exkrementiererinnen-Spruch „Aus der Position eines westlichen Menschen, der sich existenzielle Armut nichtmal mehr vorstellen kann, lässt sich sowas leicht verurteilen, hm?:

          Ich habe existentielle Armut sogar gelebt, mehrere Jahre lang.

    • Interessanter Punkt, den ich bisher noch nicht kannte, auch wenn er als Monokausalismus irgendwie wenig taugt.

      Die Kindersterblichkeit in Europa war in den letzten Jahrhunderten auch riesig:
      http://ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/PHN-Texte/Saeuglingssterblichkeit_historischer_Vergleiche_Linz.pdf

      Denn fiese tropische Krankheitserreger sind halt nur ein Grund dafür, noch wesentlich wichtiger: mangelnde Hygiene, unzureichende Ernährung, fehlendes Wissen. Was man daran sieht, dass sich auch ohne medizinische Verbesserungen die Überlebensrate verbesserte. Zitat aus obigem Link:
      „Wie in am Beispiel Deutschland ersichtlich, sank die Kindersterblichkeit bereits lange vor der Einführung effektiver medizinischer Interventionen (siehe auch Abbildung 4: Säuglingssterblichkeit in Deutschland 1870 bis 2004). Gründe dafür waren der wachsende Wohlstand sowie beratende, soziale und hygienische Maßnahmen, zum Beispiel die konsequente Aufklärung im Bereich Stillen.“

      Darüber hinaus könn(t)en die heutigen Entwicklungsländer auf ein riesiges Repertoire an Wissen und Technik aus den Industrienationen zurückgreifen, vom Moskitonetz bis zur Klimaanlage. Von der Kläranlagentechnik bis zur effektiven Müllverbrennung.

      Sie tun das ja auch, es geht nur halt viel langsamer als man erwarten würde. Außerdem schaffen Sekundäreffekte wie Bevölkerungswachstum und Umweltverschmutzung zusätzliche Probleme.

      • Mit Bevölkerungswachstum meinst Du nur die im Schnitt noch immer deutlich-höheren als unsere Geburtenzahlen, oder?
        Dazu ließe sich sagen: sinkt die Kindersterblichkeit, sinkt auch die Geburtenziffer.

        „Darüber hinaus könn(t)en die heutigen Entwicklungsländer auf ein riesiges Repertoire an Wissen und Technik aus den Industrienationen zurückgreifen, vom Moskitonetz bis zur Klimaanlage. Von der Kläranlagentechnik bis zur effektiven Müllverbrennung.“

        Solaranlagen und Mobiltelefone nicht zu vergessen, beides erspart ihnen riesige infrastrukturelle Investitionen, die wir uns noch leisten mussten.

        Aber dann gibts zu allem auch immer ne Downside… Nestle beispielsweise tut sich da sehr hervor:

        Mag sein, dass Manche von uns den Skandal daran nicht erkennen wollen, wir sind selbst ja auch total verblendete Deppen! Da sorgt die eine Generation mühsamst dafür, dass jeder Haushalt bei uns Trinkwasser an Ort und Stelle vorfindet – und die nächste und übernächste Generation schleppt dann wieder bereitwilligst Flüssigkeiten (in weniger geprüfter Qualität) in Glas- oder Plastikbehältnissen von A nach B.
        Erklär das mal rational!

        • „Dazu ließe sich sagen: sinkt die Kindersterblichkeit, sinkt auch die Geburtenziffer“

          Woher hast du diesen Zusammenhang?

          Die Geburtenziffer ist auch nicht unbedingt so aussagekräftig, entscheidend ist ja, wieviele der Kinder später die fruchtbare Phase erreichen. Hast du dazu irgendwelche Daten?

          Bei dem Thema tun sich Statistiker immer etwas schwer, weil die fruchtbare Phase bei einer Frau ja nicht definiert beginnt und endet und immer mehrere Generationen gleichzeitig leben.

          Man greift deshalb zu Hilfsmitteln in der Erhebung, etwa indem man die Anzahl minderjähriger Kinder ermittelt. Das ist auch noch ausreichend ungenau, aber anhand der Kindersterblichkeit kann man ungefähr die Bevölkerungsentwicklung abschätzen und die ist in Afrika wohl recht stark steigend:
          http://www.berlin-institut.org/?id=813

        • Ja, das Wasserproblem. Einer der Gründe, warum ich gegen offene Grenzen bin, ist der, dass man mit denen die Konzerne nicht mehr in den Griff bekommt.

          Das ist in Afrika nicht anders als bei uns, die dortigen Regierungen wären gefragt, denen auf die Finger zu hauen.

          Tun sie aber nicht, die werden dort genauso erpresst und bestochen wie hier.

          In der EU haben wir nämlich ein ähnliches Problem.

          Ich kann mich noch erinnern bei der europäischen Bürgerinitiative (die nicht mehr als ein lächerliches und aufwendiges Bittrecht ist) gegen die Privatisierung des Wassers mitgemacht zu haben.

          Die marktliberalen Kommissare nahmen das konsterniert „zur Kenntnis“ und versprachen die Wasserprivatisierungen auszunehmen (Hochwürden sehen vorerst davon ab). Wie ernst man das nehmen kann:
          http://lostineu.eu/eu-bricht-versprechen-bei-wasser-privatisierung/

          Ich selbst trinke kein Mineralwasser oder Softdrinks, nur die Kohlensäure ist gelegentlich nützlich, um Fleisch damit zart zu bekommen 🙂

  4. Die Analogie zum Feminsimus ist interessant. Die von Diamond angeführten Fakten, z.B. das es in tropischen Ländern mehr Parasiten und mehr Infektionen gibt als im gemäßigten Klima, kann man eigentlich nicht bestreiten (oder sollte ich mich irren?). Hingegen wird ja der Einfluss der Biologie auf menschliches Verhalten massiv bestritten, obwohl es im Gunde um genau das gleich geht.

    Deshalb muss man in beiden Fällen anders reagieren; Diamond wirft man Rassismus vor, während man etwa soziobiologischen Theorien über Sexualität versucht, ihre Falschheit nachzuweisen (Butler usw.).

    Wie kommt das?

    • Ich finde es lustig, dass man gerade Diamond Rassismus vorwirft; er bestreitet ja, dass die Umwelt durch natürliche Selektion die psychologischen Eigenschaften verschiedener Menschengruppen geprägt hat.

      • @JC Denton

        Bestreitet er das eigentlich absolut oder nur in dem Sinne, dass er die hohen werte von zB Rushton bei Intelligenz nicht annimmt (was ich nachvollziehen könnte)?
        Er nimmt ja grundsätzlich, wie man bei den Parasiten sieht, schon deutliche Unterschiede an, etwa beim Immunsystem und sieht insofern auch eine unterschiedliche Selektion

        • Vor allem sind die Parasiten und Mikrobiome interessant die das Verhalten von Lebewesen verändern. Da ist der „Behaviorismus“ am Ende. Das finde ich echt lustig.

          Kriecht da so eine Amöbe ins Hirn und schon schwimmt der Fisch auf dem Rücken an der Oberflàche, wird gefressen und die Âusscheidungen der Vogel warden wieder von Fischen gefressen. Da hat Freud seine Freude dran 😉

  5. Dieser Identitätspolitik-Schwachsinn ist mit einer der größten Plagen, die die Welt im politischen und gesellschaftlichen Aktivismus gesehen hat. Finde, durch diesen Filter werden eigentlich noch mehr Hautfarben, sexuelle Neigungen, Geschlecht und Glauben wahrgenommen als es vorher schon der Fall gewesen ist bzw. von den Rechten gemacht wird. Gerade aber auch wegen diesem Verdummungseffekt beschleicht einen heutzutage der Eindruck, als wenn dieser Kram gesteuert ist, mit Geldern von irgendeiner Gruppe von global playern versorgt wird zum Zwecke um die Gesellschaft zu zerstreuen, damit sie ja auch nicht auf die Idee kommen, auch mal gemeinsam was zu machen oder zu erkennen, wie gleich sie manchmal doch gestrickt sind.
    Der Inbegriff der Definition von „Opium für das Volk“.

    Und, es sei mal dazu gesagt: Gerade solcher Mist ist NICHT links. Hat mit links überhaupt nichts zu tun.
    Es ist nur wie irgendwelche Leute in Übersee denken, dass Links aussieht – oder, um die Theorie der externenen Steuerung aufzugreifen: Es ist lediglich wie irgendjemand es den Leuten einhämmert, dass Links aussieht.
    Links hat mit dieser Kleinklein-Erbsenzählerei nichts zu tun, wo verschiedene Gesellschaftsgruppen gegeneinander aufgehetzt werden, weil die einen zu Heiligen und die anderen zu Huren erklärt werden.
    Beim Linkssein ging es schon immer um das große Ganze, um Leute in verschiedenen Lebenssituationen, die aber alle das selbe Spektrum an Problemen haben, und diese Probleme nannten sich „Lehnsherren“ und „Kirche“. (Die einen beuten sie aus und entsorgen sie, wenn sie dem Zweck nicht mehr dienen können, und behalten die Lorbeeren und das Korn für sich; die anderen wollen ihnen erzählen wie sie zu leben haben und was Gut und Böse ist, während sie selbst diesen Grundsätzen oftmals nicht gerecht werden.)

    Gerade weil diese ganzen Theorien von Übersee kommen, wäre da in der heutigen Zeit äußerste Skepsis anzubringen, gegebenenfalls mal ein bisschen geschichtlich nachzuforschen, auf wen das manchmal zurückgeht. Denn in Amerika ist noch nie etwas eine gesamtgesellschaftliche Bewegung geworden, wenn nicht irgendeiner dahinter gestanden hätte, der Geld gehabt hat – und was diese Art Personen stets im Sinne haben, da braucht man nicht mal mit Marx argumentieren. Das kann man an vielen Stellen für sich selber sehen. Man muss nur den Mut dazu haben, die dunkle Wahrheit zu akzeptieren, dass in Amerika alle Oligarchen dem Zwang verfallen sind, aus ihrem Geld wieder noch mehr Geld zu machen – egal, was für eine Politik sie unterstützen, ob links oder rechts.
    Nebenbei bemerkt, man sieht doch spätestens seit dem letzten Live Aid und der Immobilienblase wie sehr man mit augenscheinlich linkem Aktivismus verdienen kann, wenn die Leute nur davon überzeugt sind, dass das stimmt, was ihnen dort einer vorbetet oder als Buch verkauft. Es braucht gar nicht wirklich was für sie zum Positiven ändern, Hauptsache sie glauben nur daran wie sie daran glauben, dass es einen Gott gibt. Schon kaufen sie lauter Abgas-manipulierte Autos (respektive: Bio-Diesel- und Hybrid-Autos) oder Glühbirnen, die Quecksilber enthalten und einen vergiften können, wenn sie runterfallen.
    Der kluge Unternehmer weiß sich mit sowas einzurichten genauso wie der, der auf die Konservativen in der Bevölkerung setzt.
    Zusätzlich dazu, dass diese gesellschaftliche Gruppe häufig studiert ist, und an den Unis sich sowieso so etwas wie eine abgeschirmte Snobgruppe bildet, die denkt, sie hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, dabei haben sie vom richtigen Leben auf der Straße keine Ahnung, geschweige denn von Technik oder Physik; sie sind nur so etwas wie eine abgeschirmte Kindergartengruppe, die auf ihrer einsamen Insel lebt und sich gegenseitig beweihräuchert mit ihren komischen Fantasien.

    Dieser Rant musste mal sein…

    • „Gerade aber auch wegen diesem Verdummungseffekt beschleicht einen heutzutage der Eindruck, als wenn dieser Kram gesteuert ist, mit Geldern von irgendeiner Gruppe von global playern versorgt wird zum Zwecke um die Gesellschaft zu zerstreuen, damit sie ja auch nicht auf die Idee kommen, auch mal gemeinsam was zu machen oder zu erkennen, wie gleich sie manchmal doch gestrickt sind.“

      einfach weil viele es glauben von einer Steuerung auszugehen ist klassische verschwörungstheorie. Die Theorien sind eben durchaus attraktiv, weil sie Gruppenbildung und Gemeinschaftsgefühl mit einem Sündenbock erlauben, dazu ermöglichen sie starkes Virtue Signalling. Ich würde eher vermuten, dass gerade das Aufbrechen klarer Rollen ein Bedürfnis nach neuen Identitäten geschaffen hat, mit denen man seinen Wert darstellen kann.

      • Ob man dem Glauben schenken kann, darüber bin ich mir noch nicht so sicher.
        Was nur einen Erfahrungswert darstellt, ist, dass, wenn man mal nachrecherchiert über die Ursprünge von jeglichen solchen Bewegungen, die in Amerika hochgekommen sind, dort häufig irgendein Punkt in der Geschichte ist, der einen weniger auf edle Motive schließen lässt, warum eine Bewegung groß geworden ist, manchmal sogar, warum sie überhaupt existiert.
        Wenn irgendein Vater der PR darin involviert ist, oder jemand, der es später zum Superreichen gebracht hat und heute alles andere als ein Edelmann ist, sondern nur ein Unternehmer, der fleißig die Scheine zählt und immer weiter daran arbeitet, dass es mehr werden – der nicht zufrieden damit sein kann, wenn ein Jahr mal nicht der Megaprofit herausspringt (solche Sachen sind dann ja statistisch häufiger belegt) -, dann lässt es jedenfalls nicht gerade den Rückschluss darauf zu, dass es dabei um irgendwelche Wohltaten für die Allgemeinheit geht. Manchmal sind Dinge u. a. auch nur Spielzeuge der Reichen, so wie wenn man sich eine Fußballmannschaft oder, diese Tage, in die private Raumfahrt investiert. Können sie damit glänzen und sich hervortun, meinetwegen auch noch persönliche Wünsche erfüllen (die Raumfahrtinvestoren träumen ja öfter mal davon, irgendwelche Aliens zu finden und zu besuchen) dann investieren sie gerne, aber sobald sie die Sache nicht mehr interessiert und sie ein neues Spielzeug gefunden haben, ist die Sache wieder abgemeldet. Wie bei kleinen Kindern, die heute dies wollen und morgen das.

        Gerade weil sich immer wieder beweist, dass die Desinformations- und Verwirrungstaktiken von heute, die geübtes Auge manchmal schon erkennen kann, nicht neu sind, sondern schon in der Nachkriegszeit aktiv waren, und das sogar in ähnlicher oder noch vergleichbarer Art und Weise wie heute, werde ich da immer vorsichtiger mit dem, was so rumläuft und nach Einfluss lechzt.
        Hin und wieder kommt ja mal sogar was über früher ‚raus, wo gezielte PR und Manipulation mittels Massenmedien irgendwelche gezielten Meinungen, Einstellungen oder gar „Wahrheiten“ in der Bevölkerung erzeugen bzw. verankern sollten.
        Erinnere mich da als jüngstes an die PR im UK mit der Königsfamilie, um 1983 die Proteste gegen den Nato Doppelbeschluss aus den Medien zu kriegen, damit keiner hingeht. (http://www.spiegel.de/panorama/leute/thatcher-regierung-wollte-atomproteste-mit-babyfotos-stoppen-a-1104155.html)
        Letzter Satz von der Sache klingt wieder mal wie als wenn man was nicht zugeben dürfte, was wirklich so war – aber denke man mal genauer nach. Wie oft hat man nicht schon die „Berichterstattung“ der Massenmedien hier voll mit irgendeinem trivialen als auch ernsthaften, aber aktionistisch inszenieren Thema gessehen? Wie oft hat man tagelang so eine Monokultur bezüglich Nachrichten schon gesehen? Leute mit Fußball anlenken, damit man eine Mehrwertsteuererhörung beschließen kann?
        So etwas ist gängige Taktik in der Tagespolitik.
        Und der Aktionismus von irgendwelchen Gruppierungen ist heute mittlerweile teils offen Bestandteil davon. Manchmal gibt es solch einige schwachsinnige Ideologien oder Ideen, das riecht nur nach bezahlter fünfter Kolonne.
        Die Techniken von heute sind keine anderen als früher; heute kann sich vielleicht nur der dumme Normalbürger eher das Werkzeug aneignen, um manchen Kram davon zu durchschauen, was früher eher nur eine Elite vorbehalten war, weil die Zugänge zu manchem Wissen anders geworden sind (man braucht nur Zeit dafür) – Psychologie ist ja lang eine verschriene Disziplin gewesen. Aber nur nach außen hin, wenn es darum ging, dem Pöbel zu helfen – hinter den Kulissen, um seine Spielchen zu spielen, wurden Erkenntnisse und Beschreibungen darüber immer dankbar in Empfang genommen. Und das soll schon so sein seit Herrn Freud. Eine ziemlich lange Zeit…

    • „Und es sei mal dazu gesagt: Gerade solcher Mist ist NICHT links. Hat mit links überhaupt nichts zu tun.)“

      Natürlich hat es das. Es fügt sich nahtlos in die linke Gesellschaftsphilosophie ein.

  6. Das Programm Genesis

    Genesis_2,4-9:
    Gott der HERR (Jahwe) = künstlicher Archetyp „Investor“
    Erde und Himmel = Angebot (Waren) und Nachfrage (Geld)
    Regen / Feuchtigkeit = Geldemission / Liquidität
    Lebendiger Mensch = selbständiger Unternehmer
    Garten Eden (Paradies) = freie (d. h. monopolfreie) Marktwirtschaft
    Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
    Baum des Lebens (ez pri ose pri: „Baum, der Frucht ist und Frucht macht“) = Geldkreislauf
    Baum der Erkenntnis (ez ose pri: „Baum, der Frucht macht“) = Geldverleih

    Genesis_3,1-5:
    Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins (S. Gesell) / Liquiditätsprämie (J. M. Keynes)
    Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch
    Frau / Eva = Finanzkapital / der in neues Sachkapital investierende Kulturmensch
    Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer)
    Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
    Tod = geistiger Tod durch religiöse Verblendung
    gut oder böse = egoistisch und gebildet oder selbstsüchtig und eingebildet

    Genesis_3,6-13:
    Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz)
    „die Frau gab ihrem Mann von der Frucht“ = Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital
    „nackt“ sein = mit eigener Arbeit Geld verdienen
    „bekleidet“ sein = als Investor von der Arbeit anderer Zins erpressen (lat.: vestis = Kleidung)
    „als der Tag kühl geworden war“ = Abkühlung der Konjunktur (beginnende Liquiditätsfalle)
    „unter den Bäumen im Garten verstecken“ = so tun, als wäre der Zins Lohn für eigene Leistung
    „die Frau, die du mir zugesellt hast“ = Abhängigkeit von zinsträchtiger Ersparnis

    Genesis_3,15:
    Nachkommen der Schlange / der Frau = Geldersparnisse / neue Sachkapitalien
    Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)

    Genesis_3,22-24:
    „unsereiner“ = die nichts anderes zu tun haben, als sich an der Mehrarbeit anderer zu bereichern
    Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus
    Cherubim = Denkblockaden

    Was vor etwa 3250 Jahren zum „Auszug der Israeliten aus Ägypten“, der Weiterentwicklung der menschlichen Kultur vom Ursozialismus (zentralistische Planwirtschaft noch ohne liquides Geld, z. B. vorantikes Ägypten) zur Marktwirtschaft führte, mutierte ab dem 6. vorchristlichen Jahrhundert vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult). Seitdem verhindert die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe=Investor) den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation (Natürliche Wirtschaftsordnung) – nicht erst seit einem Jahrhundert, sondern seit dem Beginn der Zeitrechnung:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2017/04/das-zivilisatorische-mittelalter.html

  7. Jein, eigentlich geht es „der“ Religion nicht darum, wissenschaftliche Lücken zu füllen, sondern um die Frage, was man tun und lassen soll.
    Ein religiöser Mensch könnte an der Stelle fragen: „Ahh, sie machen das, weil Jesus das sagt?“ – „Ähh, nein?“ – „Dann sind Sie also Moslem und haben sich entschlossen, die 2,5 % Ihres Einkommens direkt vor Ort abzuliefern?“ – „Nein, wieso?“ – „Also wollen Sie Ihr Karma verbessern?“ – „Hallo, ich bin überhaupt nicht religiös! Aber man muss doch trotzdem was für eine bessere Welt tun!“ – „Alles klar, Schuldgefühle.“ Insofern ist dieses Gruppendenken schon irgendwie „religiös“. Nur, dass Religionen sagen: „Um Buße für Deine individuelle Schuld zu leisten, tust Du jetzt jemanden etwas Gutes.“, und das Gruppendenken: „Um Buße für das Fehlverhalten Deiner Gruppenmitglieder zu leisten, tust Du jetzt Mitgliedern der anderen Gruppe etwas Gutes.“

    Fehlender Zugang zu bspw. einer besseren Malariaprophylaxe _kann_ natürlich ein strukturelles Problem sein. Es wäre trotzdem vllt. die bessere Taktik, Probleme nach ihrer Größe zu priotisieren, nicht nach dem post-kolonialen Zusammenhang.

  8. Jein, eigentlich geht es „der“ Religion nicht darum, wissenschaftliche Lücken zu füllen, sondern um die Frage, was man tun und lassen soll.
    Ein religiöser Mensch könnte an der Stelle fragen: „Ahh, sie machen das, weil Jesus das sagt?“ – „Ähh, nein?“ – „Dann sind Sie also Moslem und haben sich entschlossen, die 2,5 % Ihres Einkommens direkt vor Ort abzuliefern?“ – „Nein, wieso?“ – „Also wollen Sie Ihr Karma verbessern?“ – „Hallo, ich bin überhaupt nicht religiös! Aber man muss doch trotzdem was für eine bessere Welt tun!“ – „Alles klar, Schuldgefühle.“ Insofern ist dieses Gruppendenken schon irgendwie „religiös“. Nur, dass Religionen sagen: „Um Buße für Deine individuelle Schuld zu leisten, tust Du jetzt jemanden etwas Gutes.“, und das Gruppendenken: „Um Buße für das Fehlverhalten Deiner Gruppenmitglieder zu leisten, tust Du jetzt Mitgliedern der anderen Gruppe etwas Gutes.“
    (@Stefan Wehmeier: Die „Erbsünde“ ist auf rein christlichen Mist gewachsen; Juden und Muslime gehen davon aus, dass Adams und Evas Sünde Adams und Evas Problem ist.)

    Fehlender Zugang zu bspw. einer besseren Malariaprophylaxe _kann_ natürlich ein strukturelles Problem sein. Es wäre trotzdem vllt. die bessere Taktik, Probleme nach ihrer Größe zu priotisieren, nicht nach dem post-kolonialen Zusammenhang.
    Oder Kollektivschuld.

  9. Kurios, dass sich hier gerade eine Religionsdebatte entwickelt, denn während ich den Artikel las, fiel mir ein selbst erlebter Fall ein, wo die Identitätspolitik jeden Pragmatismus plattwalzt und da war es gerade mal andersherum:

    Ein Bekannter erwähnte, dass er ehrenamtlich in irgendeiner kirchlichen Institution für unterpriviligierte Kinder arbeitet, worauf er hasserfüllt von einem flammenden (sozusagen „gläubigen“) Atheisten angegriffen wurde, der ihn dafür beschimpfte, dass er die Kirche unterstütze, unter deren Deckmantel doch so viele Kinder missbraucht würden. Er würde also mitnichten Gutes tun, sondern pur finster Böses – ganz anders, als er selbst, der überhaupt nichts macht und darauf stolz sein kann.

    😛

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