Eine Frau zum Orgasmus bringen

Dies ist ein Gastartikel von Aurelie

Der weibliche Orgasmus ist kein „Mythos“, den es zu entschlüsseln gilt, und er ist auch nicht kompliziert. Komplex, ja – aber welcher körperliche Vorgang ist nicht komplex?

Wenn ich im Folgenden über Frauen schreibe, so heißt das nicht, dass sich darin jede Frau wiederfinden muss. Es geht vielmehr um eine grobe Richtung, deren individuelle Ausgestaltung jeder Frau oder jedem Paar selbst obliegt. Da ich alles andere als allwissend bin, ergeben sich sicherlich in den Kommentaren noch weitere Anregungen. Man lernt schließlich nie aus.

Der wichtigste Faktor, wenn es ums Kommen geht, ist Zeit. Frauen haben in der Regel eine andere Erregungskurve als Männer. Wie ein Elektroherd, der etwas braucht, bis er so richtig warm ist, dafür aber lange (nach)glüht. Das männliche Äquivalent ist der Gasherd: an – aus bzw. Flamme da – Flamme weg. Ein Orgasmus braucht also – neben der richtigen Technik – Zeit. Die gute Nachricht: Während der Aufwärmphase gibt es viel Richtiges und wenig Falsches. Spricht: Es geht vor allem darum, den Körper und insbesondere die Vulva bereit zu machen, sie aufzuwärmen. Dazu braucht es kein Kerzenlicht-Eros-Ramazotti-Getue, sondern angenehme und stimulierende Berührungen. Eine praktische Stellung, die das gegenseitig entspannt ermöglicht, ist sich gegenüber zu sitzen mit angewinkelten Knien. Wer sich nur der Frau widmen möchte, der kann sie bitten, sich auf den Rücken zu legen, während man sich neben sie legt oder zwischen ihre Beine setzt.

Beim Aufwärmen geht es wie gesagt nicht darum, so schnell wie möglich alle möglichen „magische“ Knöpfe zu drücken, um endlich am Ziel anzukommen. Langsame, wertschätzende Berührungen ebnen dagegen den Weg. Der ganze Körper kann miteinbezogen werden.

Wenn sich der Schwerpunkt der Berührung langsam Richtung Vulva nähert, kann ein hochwertiges Öl (bspw. reines Mandelöl), das Ganze intensivieren. Viele gehen automatisch davon aus, dass die eigene Feuchtigkeit ausreicht. Für eine ausgiebige Massage der gesamten Vulva trifft das in der Regel nicht zu. Manche Frauen scheuen sich, zusätzliche Lubrikation einzufordern, weil sie denken, das würde dem Mann sexuelle Unlust signalisieren. Davon sollte man sich freimachen.

Von dem Gedanken, dass die Vagina jederzeit sexuell aufnahmebereit ist, sollte man sich ebenfalls freimachen. Auch wenn das zugegebenermaßen ein schöner Gedanke ist 🙂 Viele Frauen haben verlernt, auf sich zu hören und zu spüren, wann sie wirklich bereit zur Penetration sind. Je länger man(n) also abwartet, bis man mit den Fingern oder dem Penis eindringt, umso angenehmer wird das in der Regel für die Frau sein. Die Vagina wird mit steigender Erregung weiter, größer und besser durchblutet.

Kleiner Exkurs beendet. Wir sind also bei der Vulva bzw. deren Massage. Dabei es gibt einige Massagetechniken, die ich im Folgenden aufzähle. Wichtig ist, dass du diese Massagegriffe ohne Hektik und möglichst langsam ausführst. Wie gesagt: Je länger du bei jedem Griff verweilst, umso größer ist die Chance eines Orgasmus. Am besten können die Massagegriffe ausgeführt werden, wenn die Frau auf dem Rücken liegt und ihre Beine gespreizt und leicht angewinkelt sind.

Nimm deine ganze Hand und lege sie mit den Handflächen nach unten über die gesamte Vulva. Übe dabei leichten Druck aus, sodass sie deine Hand gut spüren kann. (Dieser Griff eignet sich auch gut, um zwischen den anderen Griffen durch eine kleine Pause die Erregung zu steigern.)

Nimm die großen und danach die kleinen Schamlippen jeweils einzeln zwischen deine Finger und massiere sie (sanft).

Drücke die kleinen Schamlippen mit deinen beiden Daumen zusammen und verschiebe sie gegenseitig (auch versetzt).

Mit den äußeren Handkanten die inneren und äußeren Schamlippen umfassen und wie beim Feuermachen sanft gegeneinander reiben.

Mit zwei Fingern fährst du die inneren und äußeren Schamlippen nacheinander oder gleichzeitig in langen Strichen von oben nach unten entlang und umgekehrt. Ein Finger kann dabei gleichzeitig (bewegungslos) auf der Klitoris liegen.

Die Klitoris zwischen Daumen und Zeigefinger mit leichten Drehbewegungen massieren, ohne die Vorhaut vorher zurückzuziehen. Die andere Hand ruht auf der Vulva.

Mit der einen Hand die Vorhaut der Klitoris zurückziehen und wieder loslassen, mit der anderen Hand die Vulva halten.

Die Klitoris mit einer Fingerspitze direkt massieren. Probiere sehr, sehr sanfte, jedoch kontinuierliche Bewegungen.

An dieser Stelle unbedingt auf genügend Lubrikation und die Reaktion deiner Partnerin achten oder fragen, ob die direkte Berührung der Klitoris so angenehm ist. Falls nicht, beginnst du von vorne oder bittest sie, dir zu zeigen, welche Berührungsintensität für sie angenehm ist. Manchmal reicht eine kleine Modifikation. Wenn ihr eine Intensität gefunden habt, die für sie angenehm ist, bleib dabei. Je nachdem, wie erregt deine Partnerin ist, ist dies bereits der Punkt, an dem sie nach einer gewissen Zeit einen Orgasmus erreicht. Falls nicht, kannst du wieder die anderen Massagegriffe anwenden und später auf die direkte Massage der Klitoris zurückkommen.

Nach der Massage der Klitoris könnt ihr zur Penetration übergehen. Falls du mit den Fingern vorfühlen möchtest, um ihre Bereitschaft (und ihre Lust) weiter zu steigern, erkunde den Scheideneingang (nur den Eingang) langsam mit einem Finger. Das ist der empfindlichste Bereich der Scheide. Umfahre Klitoris und Scheideneingang in einer Achter-Bewegung. Auf die G-Punkt-Massage gehe ich an dieser Stelle nicht mehr ein. Mit den beschriebenen Griffen erreicht man denke ich bereits angenehme Ergebnisse. Selbst wenn sich kein Orgasmus ergibt, so ist die Penetration nach einer solchen Massage etwas völlig anderes.

Wer sich nach dem Beitrag nach dem männlichen Massage-Äquivalent fragt – keine Sorge, das gibt es. Und es lohnt sich für jede Frau (jeden Mann), das ebenfalls zu erlernen.