Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. März 2017

„Vier starke Jungs über das Mannsein“

Der Blog „Männerheldinnen“ (eine Abwandlung von Frauenheld) hat vier Jungs interviewt:

Alexandros

Das Schlimmste am Mann-Sein finde ich, dass jeder Junge oder Mann schnell als ‚Arschloch‘ abgestempelt wird. Wenn man an einem Mädchen interessiert ist und etwas mit ihr hat, heißt es „Der macht das bloß, weil er sich cool findet und ein Gangster ist.“ Jeder denkt, dass Jungen immer nur das Eine wollen und nicht so viel Gefühle haben.

„Männer wollen Sex“ ist eben etwas anderes als „Männer wollen nur Sex“.

Wobei, wenn ein Mädchen sich für einen Jungen interessiert und mit Jungs Spaß hat, wird sie als ‚Schlampe‘ bezeichnet. Das finde ich nicht in Ordnung. Man sollte die Person selber kennenlernen bevor man über sie urteilt und sich sein eigenes Bild machen.

Aus meiner Sicht ja eher eine Frage des „Wie“. Heutzutage erwartet man zumindest ab einem gewissen Alter auch gewisse sexuelle Erfahrungen. „Leicht zu haben“ zu sein dürfte eher der gefährlichere Ruf für eine Frau sein als der Ruf, dass sie mal mit einem guten Freund abgestürzt ist.

Als Junge und Mann wird man oft vorverurteilt und es besteht ein Misstrauen
Schon in der Schule und im Kindergarten war es so, dass man als Junge Ärger bekommen hat, wenn man einen Streit mit einem Mädchen hatten. Einfach weil man der Junge ist.

In der Beziehung ist es so, dass die Mädchen eifersüchtig und sauer sind, wenn der Junge nur mit einem anderen Mädchen redet. Wenn die Mädchen dasselbe machen und der Junge eifersüchtig ist, sagen die Mädchen: „Warum bist du so eifersüchtig? Das ist doch nicht so schlimm.“

B ei meinen Freunden und Bekannten habe ich schon oft erlebt, dass die Jungen den Mädchen eher verzeihen, wenn sie betrogen werden. Sie denken dann, das passiert in Zukunft nicht mehr und verzeihen ihr. Die Mädchen reagieren ganz anders und machen sofort Schluss.

Auch eine Folge des im Schnitt deutlich stärkeren Interesses der Männer an Sex einfach so vermute ich. Wenn auch der Vorwurf in der Regel unbegründet sein wird.

Die Mädchen lästern übereinander – immer über diejenige, die nicht dabei ist. Von außen sind sie voll gut befreundet, aber mit anderen reden sie schlecht übereinander. Die Mädchen fangen auch wegen jeder Kleinigkeit einen Streit miteinander an und tragen sich die Dinge lange nach. Wir Jungs sprechen das an und diskutieren das aus und dann ist das geklärt, oder wir machen eben weniger miteinander.

Auch das sind Klischees, die sich häufig bewahrheiten. Vielleicht weil Frauenfreundschaften eher auf kleine Gruppen und Zweierbeziehungen ausgelegt sind und Männerfreundschaften eher auf größere Gruppen und gewisse Hierarchien, die so etwas eher regeln. Frauen sind häufig in der Hinsicht auch schlicht schwieriger untereinander, gerade wenn die Gruppenzusammensetzung eher heterogen ist.

Amil

Eine Freundin von mir hat sich kürzlich furchtbar aufgeregt, weil eine gute Freundin von ihr die Bahn verpasst hat und zu spät kam. Sie hat sich bei allen anderen über sie beschwert. Das kann ich mir für mich und meine Freunde nicht so vorstellen, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollten – auch wenn ich eine Stunde zu spät kommen würde.

In der Tat kann ich mir das unter Männern auch weniger vorstellen, es dürfte aber auch bei Frauen eher ungewöhnlich sein.

Alexandros

Was ich schön finde ist auch, dass meine Mutter mich bittet meine Schwester abzuholen, wenn es Abends spät ist. Ich bin 18 und meine Schwester ist 21. Ich mach das gerne und es fühlt sich gut an, dass ich sie beschütze und sie das Vertrauen in mich haben, auch weil die Mädchen nicht so viel Kraft haben und sich nicht so wehren können.

Gut, da spielt sicherlich auch ein anderer kultureller Hintergrund mit hinein, wobei das ja auch sonst durchaus verbreitet ist. Meine Schwester wurde auch häufiger abgeholt wenn es spät war, weil meine Mutter nicht wollte „dass sie abends allein im Dunkeln unterwegs ist“. Lag aber sicherlich auch daran, dass ich das eher als unnötig abgelehnt habe, wenn es abgelehnt wurde oder das bei mir auch eher akzeptiert wurde. Aber in der Tat wurde ich auch schon häufiger gefragt, ob ich nicht eine Frau begleiten könne oder abholen könne, weil es spät ist.

Schwierig am Mann sein finde ich auch eine Freundin zu bekommen. Mädchen haben es viel einfacher, wenn sie einen Jungen haben wollen. Sie schreiben einfach und schon klappt das. Wir Jungen müssen da viel mehr investieren – richtig mit Herzblut kämpfen und am Ende wird es dann vielleicht doch nichts. Mädchen kann man echt schwer durchschauen.

Eggs are expensive, sperm is cheap. Und das hat eben unser Verhalten auch geformt. Frauen/Mädchen sind deswegen häufig wählerischer, während Männer sich vielleicht auch eher auf etwas einlassen, was nicht optimal ist, man kann es ja noch beenden. Was Frauen dann wieder noch wählerischer werden lässt etc.

Andy

Mir ist aufgefallen, dass unter Mädchen ein großer Konkurrenzkampf herrscht
Sie machen sich auch viel mehr Gedanken, wenn ein Junge den sie gut finden, auf ein anderes Mädchen steht. Die Jungs nehmen es viel gelassener. Sie chillen dann halt mit ihren Freunden und leben in den Tag.

Ich hab selber noch keinen Liebeskummer gehabt. Wie Mädchen das spüren, weiß ich nicht …

Männer sind in der Hinsicht vielleicht schlicht planloser oder weniger auf eine Frau fixiert? Interessanter Gedanke jedenfalls. Vielleicht ist es für Männer einfacher sich damit abzufinden, weil sie den anderen eher in einer Hierarchie bewerten? Und wenn er eben besser ist, dann kann man da wenig machen. Frauen gehen vielleicht auch zurecht davon aus, dass sie ihn eher nur auf sich aufmerksam machen müssen und er dann möglicherweise umschwenkt?

Oder ist es schlicht eine Frage, wie man es zeigt:

Alexandros

Das Besondere ist, dass die Jungen  ihren Liebeskummer nicht zeigen. Die Mädchen möchten das vielleicht auch verbergen, aber man sieht es ihrem Gesichtsausdruck  an und bemerkt es an ihrem Verhalten. Die Jungs können es wegstecken oder so tun, als wäre nichts.

Vielleicht ist auch der Punkt, dass Mädchen so etwas dann eher untereinander besprechen, den anderen etwas vorschwärmen, während Männer das weitaus weniger machen. Sie behalten so etwas dann eher für sich oder reden nur in sehr vertraulichen Gesprächen darüber.

Kadir

Andy

In der Schule zeigen wir unsere Gefühle nicht – unseren Freunden schon und wir reden auch darüber.

Kadir

Ja, untereinander geht das

Amil – Ja

Wäre interessant da mal die Form der Gespräche zu vergleichen. Dazu noch mal diese Szene von Friends:

Ich vermute, dass die Gespräche untereinander über Love interests auch anders verlaufen.

Kadir

Mir ist dazu aufgefallen, dass Mädchen nicht loslassen können. Wenn eine Beziehung auseinander geht oder sie sich übereinander geärgert haben, bleibt das lange bestehen und wird immer wieder hervorgeholt.

Bei Männern ist das intensiver würde ich sagen. Wenn es nicht mehr passt, trifft man sich eben mit anderen, aber man lästert nicht ständig übereinander.

Alexandros

Ich sehe das so:  wenn ich Streit mit einem sehr guten Freund habe, mit Kadir zum Beispiel – wir haben eine sehr gute Bindung – dann diskutieren wir das aus und es ist gut. Es kommt sehr auf die Beziehung an, die man hat. Die Mädchen bleiben wie schon gesagt – in ihren Streitereien stecken.

Dass Frauen anders streiten und eher Sachen rausholen, die aus Sicht von Männern längst verjährt sind ist auch etwas, was häufig als Geschlechterunterschied besprochen wird.

Kadir

Für mich ist das Schöne am Mann-Sein, dass wir viel Vertrauen bekommen und Verantwortung übernehmen
Wie bei Alexandro, der seine Schwester abholt. Das zeigt dann, dass die Eltern Sicherheit wollen und uns einsetzen. Das ist etwas Schönes finde ich.

Und auch die Freiheiten, die man als Mann hat.

Kadir klingt nach einem türkischen Vornamen, da haben Männer natürlich gerade in konservativen Elternhäusern in der Tat mehr Freiheiten.

Andy

Als Frau würde ich es bedrückend finden, dass die Männer dominanter sind. Würde ein Mädchen etwas zu mir sagen, würde ich antworten: „Ja, ist halt so.“ aber sie könnte mir nichts anhaben.

So eine Unverwundbarkeit als Mann

In der Regel kann auch der Mann der Frau nichts anhaben. Und auf einer weniger körperlichen Ebene kann eine Frau, etwa über Beschuldigungen, natürlich auch sehr viel gegen einen Mann machen.

Alexandros

Was ich noch gut finde: öffentlich können die Jungs viel mehr so sein, wie sie sind. Ich kann mich so zeigen wie ich bin, ich kann verrückt sein, wenn ich die Laune dazu hab. Mädchen sind da nicht so verspielt und eher zurückhaltend. Das kommt erst, wenn man die Mädchen gut kennt. Ich habe auch eine beste Freundin und finde es schön, so wie sie ist. Wenn ich weiß, da ist keine Maske aufgesetzt.

Das ist auch eine interessante Frage: Kann man als Mann eher so sei, wie man ist? Müssen sich Frauen eher zurückhalten? Vielleicht ist in Frauengruppen ein höherer Druck zur Einheitlichkeit und in Männergruppen passt auch eher ein Clown rein. Auch da können sicherlich konservative Vorstellungen vom „anständigen Mädchen“ eher eine Zurückhaltung auferlegen.

Es ist doch so: Sobald wir in die Schule gehen, sind wir eine andere Person
Wir verstellen uns einfach, damit wir in der Gesellschaft gut ankommen
Man will ja dazugehören und dafür muss man in ein bestimmtes Raster passen und auch Markenklamotten tragen. Das fängt Ende der Grundschule an. Es gibt auch die Angst, dass man ein Außenseiter ist oder gemobbt wird, wenn man nicht in die Gesellschaft passt.

„Dazugehören“ ist glaube ich gerade für Kinder und Jugendliche wichtig. Auf der Seite ist übrigens auch ein Bild der Jungs. Markenklamotten und andere Statussymbole aber auch schlichte Signale für Gleichheit oder Zugehörigkeit geben eben halt und machen eine Ausgrenzen schwieriger

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Responses

  1. „Als Junge und Mann wird man oft vorverurteilt und es besteht ein Misstrauen“

    „Für mich ist das Schöne am Mann-Sein, dass wir viel Vertrauen bekommen und Verantwortung übernehmen“

    Hä?

    • Bezieht sich vielleicht auf verschiedene Bereiche?
      Innerhalb der Familie und unter Freunden: viel Vertrauen und Verantwortung
      Außerhalb: Misstrauen

  2. Was du immer für Seiten ausgräbst.

    Der erste Eindruck, durch u.a. das von dir zitierte Interview, ist ja noch halbwegs positiv, aber schon kurze Zeit später ist alles beim alten.

    Es braucht Feminismus,
    – weil Trump Rosie O Donnell äußerlich und persönlich hässlich findet und das auch noch sagt,
    – weil manche, vereinzelte Politiker sagen, dass eine Gesellschaft, die ihre Männer nicht ausbremst, leistungsfähiger ist (= das Frauenförderung nichts bringt)
    – weil jemand gesagt hat, dass Frauen weniger verdienen, weil sie kleiner und weniger leistungsfähig sind.
    – weil es unzumutbar ist, dass Frauen im Zusammenleben mit den Vätern ihrer Kinder Dinge aushandeln und dabei Zugeständnisse machen müssen. Da wäre es doch viel gerechter, wenn der Staat Mütter großzügig finanziert, so dass man den Kerl ohne Nachteile zum Teufel jagen kann.

    und so weiter und so fort.

    Feminismus ist moralisches Gift. „Fair“ ist, was Frau haben will. Und WEHE, sie wird kritisiert oder ausgegrenzt. Nachteile gibt es nicht, nur Benachteiligungen. Und Frauen MÜSSEN respektiert und gleichgestellt werden, ohne Gegenleistung.

    Sollte das mit meiner Frau je auseinandergehen, werde ich MGTOW. Wenn DAS die normale geistige Verfassung ist:

    „Mama, kann man eigentlich mehrmals heiraten?“ Mein 5-jähriges Töchterlein macht Hochzeitspläne. „Ja“ sage ich, woraufhin sie erwidert: “Oh cool, dann heirate ich alle Männer und dann gehören alle mir.“

  3. Das ist auch eine interessante Frage: Kann man als Mann eher so sei, wie man ist? Müssen sich Frauen eher zurückhalten? Vielleicht ist in Frauengruppen ein höherer Druck zur Einheitlichkeit und in Männergruppen passt auch eher ein Clown rein. Auch da können sicherlich konservative Vorstellungen vom „anständigen Mädchen“ eher eine Zurückhaltung auferlegen.

    Ich glaube, Yeyo oder Christian haben auf Twitter jüngst Statistiken gepostet, dass in Saudiarabien die Verschleierung, bzw in den USA ein Abtreibungsverbot von mehr Frauen als Männern befürwortet wird, weshalb man wohl sagen kann, dass die „konservative Vorstellung vom ‚anständigen Mädchen'“ ihren Ursprung bis zu einem gewissen Grad aus dem höheren Druck der Frauengruppen hat.

    Etwas überspritzt scheint mir der „Deal“ bei Männergruppen zu sein „Solange du nützlich bist, kannst du sein was du willst“ und der von Frauengruppen „Solange du bist wie wir musst du nicht nützlich sein“.

    • korrektur: „aus dem höheren“ => „im höheren“


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