Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. März 2017

Das echte feministische Leben vs. wir sind alle Feministen

Die Mädchenmannschaft hat ausnahmsweise mal einen Artikel, und nicht nur Linklisten veröffentlicht. Und den finde ich sogar ganz interessant, weil er einen interessanten Gegensatz aufzeigt, nämlich den zwischen „echten Feministen“ und den „Alle sind Feministen“-Flügel.

Der letztere Flügel wirbt dafür, dass alle Menschen sich zum Feminismus bekennen und versucht möglichst viele Leute in diese Gruppe einzuordnen.

Aus diesem Bereich hört man dann Sachen wie:

Du bist für Gleichberechtigung, also bist du Feminist!

Dieser Ansatz versucht Leute einzubeziehen, sie für eine Sache zu vereinnahmen und gleichzeitig natürlich auch Kritik am Feminismus abzufangen („Wie kannst du denn gegen den Feminismus sein, wenn du eigentlich selbst Feminist bist?) und einen allumfassenden Vertretungsanspruch des Feminismus zu errichten.

Dagegen steht der Ansatz, der in dem Artikel der Mädchenmannschaft vertreten wird. Er schließt weit eher aus und baut auf dem Verständnis auf, dass man es sich verdienen muss zu einem solch erlesenen Kreis dazu zu gehören. Es ist eher ein:

Du meinst du bist Feminist? Bist du denn der Einbeziehung in die Gruppe überhaupt würdig?

Das ist eine Form von Feminismus, der sehr gut zu einem „Nicht gut genug Aktivismus“ und insofern auch dem intersektionalen Feminismus passt. Dort blickt man gerne auf andere herab, die eben nicht gut genug sind und daher anzufeinden sind. Ein Race to the Bottom darüber, wer der bessere Feminist ist und daher die Bezeichnung verdient hat.

Aus dem dortigen Text:

Sara Ahmeds neustes Buch Living a Feminist Life geht der Frage nach, wie denn ein feministisches Leben aussehen kann. Dankenswerterweise aber macht sie gleich zu Beginn deutlich: Ein feministisches Leben rüttelt an vielen Gesellschaftsnormen und greift unterschiedliche Machtverhältnisse und deren Verknüpfungen an. Mit einem einfachen „Ja ja, Männer und Frauen sollen voll gleiche Rechte haben.“ möchte sie sich gar nicht mehr auseinandersetzen. Sie wendet sich bewusst an die humorlosen (oder besser als humorlos verstandenen) Feminist Killjoys, einen Begriff den Ahmed vor Jahren prägte. Die Grundannahme des Buchs macht sie in der Einleitung deutlich: Der Feminismus, um den es ihr geht, setzt sich auseinander mit Heterosexismus, Cissexismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen. Sie schreibt:

Eine Feminist_in bei der Arbeit zu sein handelt davon (oder sollte davon handeln), wie wir gewöhnlichen und alltäglichen Sexismus, inklusive akademischen Sexismus, anfechten. Das ist nicht optional: Das ist es, was Feminismus feministisch macht. Es ist ein feministisches Projekt Wege zu finden, in denen Frauen in Bezug auf Frauen existieren können; wie Frauen in Beziehung zu einander sein können. Es ist ein Projekt, weil wir noch nicht da sind. […] Wie können wir die Welt zerlegen, die so aufgebaut ist, dass sie nur manche Körper fasst? Sexismus ist ein solches Fassungs-System. Feminismus erfordert Frauen dabei zu unterstützen, in dieser Welt zu existieren. […] Teil der Schwierigkeit der Kategorie Frau ist, was daraus folgt sich in dieser Kategorie zu befinden, und ebenfalls was daraus folgt sich nicht in dieser Kategorie zu befinden aufgrund des Körpers, den du dir aneignest, dem Begehren, welches du hast, den Wegen, denen du folgst oder nicht folgst. Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man als Frau erkannt wird; Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man nicht als Frau erkennbar ist.

Eine echte Feministin darf in dieser Hinsicht gar keinen Spaß verstehen, muss alles besonders politisch und unter dem Gesichtspunkt, dass es auch noch besser gehen könnte sehen, denn alles sind Machtfragen und man kämpft gegen den Feind. Mit Leuten, die nicht kämpfen, aber dennoch dazu gehören wollen und nur den „Ruhm“ absahnen wollen kann man dort nichts anfangen. Jedes Abweichen von der Linie bedeutet in dieser Denkart Gefahr, für sich oder für andere, die dann unter die Mühlen des „Patriarchats“ oder der hegemonialen Männlichkeit kommen.

Das fördert auch das Denken als Bestandteil einer elitären Verbindung und damit dem Selbstwert. Natürlich wird es im Feminismus auch beides geben – also Leute, die beide Ansätze je nach Gelegenheit anwenden.

Meine Vermutung wäre aber, dass die erste Variante eher bei weniger radikalen Feministen, die sich auch weniger mit tatsächlicher feministischer Theorie beschäftigt haben, vorzufinden ist und die zweite Variante eher im radikalen Feminismus

 

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Responses

  1. Wer Antisexist ist, ist Antifeminist.

  2. Am deutlichsten wird an dem Text, dass Feminismus auch für Männer gut ist.

  3. Hast Du den Text etwa verstanden? Ich verstehe kein Wort von diesem Kauderwelsch.

    • wir sind noch nicht da

      • „Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man als Frau erkannt wird; Gewalt kann auf dem Spiel stehen, wenn man nicht als Frau erkennbar ist.“

        Alles kann, nix muß, aber was, ist hier die Frage.

  4. „Du bist für Gleichberechtigung, also bist du Feminist!
    […]
    Meine Vermutung wäre aber, dass die erste Variante eher bei weniger radikalen Feministen, die sich auch weniger mit tatsächlicher feministischer Theorie beschäftigt haben, vorzufinden ist“

    Entspricht auch meiner Erfahrung. Das ist allerdings eine Fraktion, die fast ausgestorben ist, weil „gleiche Rechte“ (sogar mit erheblicher Schlagseite für Frauen) ja längst existieren.

    Wer mit „Gleichberechtigung“ Feminismusfreunde einsammeln will, ist i.d.R. den radikalen Feministinnen auf den Leim gegangen (die ständig lauthals krasses Unrecht behaupten), hat aber ihre theoretischen Konstrukte weder gelesen noch durchdrungen.

    Mit der Gleichstellungsforderung hat ja schon längst eine ideologisch/politische Radikalisierung stattgefunden. Dass jemand nicht „gleichgestellt“ (in welcher Hinsicht auch immer) sei, kann man immer behaupten und herbeischwurbeln. Da Menschen nicht gleich sind, stimmt es auch immer… irgendwie und mit Statistiken haben die Hardcore-Feministinnen es ja ohnehin nicht so. Ein Freibrief sich ständig und dauerhaft unterdrückt, „diskriminiert“ und benachteiligt vorzukommen (und weitere Sonderrechte einzufordern).

    Die Radikalisierung kommt nicht von nichts, sie stellt den Versuch dar, den Platz von ideologischen Minderleister(innen) an den staatlichen Futtertrögen zu verstetigen…

  5. In einer Therapie in Deutschland hatte ich eine Auseinandersetzung mit eine „menschenfressenden“ „Psychopathin“ (wie sich später allzuoffensichtlich herausstellte).

    Als ich zu Anfang in unserer Gruppe auf ihr manipulatives Verhalten hinwies, wähnte die Therapeutin sogleich einen Machtkampf zwischen ihr und mir, was Schwachsinn war (ich war Patientensprecher).

    Frauen sehen alles als Machtkampf.

    Bist du zu stark sind sie zu schwach = Bist du zu nett fühlen sie sich überlegen. Sie nutzen das aus bis hin zu sadistischen Spielchen, die nur funktionieren, weil sie wissen dass ein Mann dasselbe nie mit einer Frau machen würde. Aber meist sind die Spielchen hinterhältig und feige.

    Immerhin lösen sie Scham bei den meisten Frauen aus, was mich wiederum ein wenig versöhnt. Trotzdem WTF

    • „dass ein Mann dasselbe nie mit einer Frau machen würde […] Immerhin lösen sie Scham bei den meisten Frauen aus, was mich wiederum ein wenig versöhnt.“

      Na ja, Psychopathen gibt es unter Männern auch:
      http://www.freiwilligfrei.info/archives/7809

      Und (normale) Frauen lassen sich m.E. nicht wesentlich schlechter manipulieren, als Männer, lediglich die Mittel sind andere. Ein Mann wird vermutlich nicht ganz so exzessiv seine körperlichen Reize einsetzen, dafür kann er mit Sachen punkten, die normale Männer vernachlässigen: Schmeicheleien, Verwöhnereien, Aufmerksamkeiten.

  6. Ich bin kein Feminist und will auch keiner sein. Dafür ist mir mein Selbstachtung zu wichtig.

  7. Feminismus hat anscheinend gerade so etwas wie eine Selbstzerfleischungs- Phase. In den USA werden weiße Feministinnen zu Abschuss freigegeben. Denen wurde es wahrscheinlich zu anstrengend sich immer wieder neue Formen der Unterdrückung durch weiße Männer herbeizulügen, dass sie sich jetzt lieber auf weiße Frauen und weiße Feministinnen einschießen, denn die sind in der Beziehung ja noch relativ unbeschrieben.
    Und nun geht es gegen die Feministinnen, die die falsche Einstellung haben und mit dem Ziel das die „wahren Feministinnen“ ihnen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit die ersehnte Absolution erteilen können.

    Eine anscheinend typische Art der Rangausbildung unter Mädchen:

    Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

    Männliche Feministen habe ich bewusst ausgeschlossen, denn wenn die was falsches sagen (oder was im feministischen Sinne richtiges Sagen, was aber eine Feminist lieber selbst gesagte hätte, um dann die Aufmerksamkeit dafür zu bekommen, ihr aber bloß nicht eingefallen ist) wird einfach deren toxisches männliches Geschlecht gegen sie verwendet, weil Feminism is for equality!

  8. Das ganze Konstrukt ist halt modular und flexibel.

    Da geht von „Feminismus als Lifestyle-Attitüde um irgendwo dazuzugehören“ über „Feminismus als Instrument um eigene Vorteile heruaszuholen“ bis hin zur „Hohepriesterin der Göttin Gaia und Hüterin des heiligen Kelchs der weiblichen Tugend“ einfach alles.

    😄

  9. Ich habe den Titel erst als „Das echte Leben vs Feministen“ gelesen, was auch lustig wäre. ^^

    Wenn er sich jetzt wirklich in diese zwei Strömungen spaltet, wäre mir das nur recht, denn bislang wird da ja mit „motte and bailey“ gearbeitet: Wenn sich der Feminismus harmlos und freudlich geben will, um Leute auf seine Seite zu ziehen oder Kritik abzuwehren, dann ist er die breite Bezeichnung für alle Nichtsexisten, wenn es aber darum geht, Forderungen zu stellen und die Truppe in Schwung zu bringen, ist es auf einmal ein hochkomplexes Gebilde einer gebildeten Elite.
    Wenn das jetzt auseinanderbricht, würde mir das gefallen, denn die unangenehme extreme Strömung würde dann bald ihren Rückhalt verlieren, den sie vor allem daraus gewinnt, dass sie die Pop-Feministen mitnimmt, die keine weiteren Fragen stellen und sich über niedrige Hürden freuen.


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