Zana Ramadani: Die verschleierte Gefahr

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Kürzung der Gelder für Gender Studies in den USA?

Scienes Files berichtet das Folgende:

Donald Trump hat den Entwurf für seinen ersten Haushalt veröffentlicht, und er ist sich treu geblieben:  (…)

Stellen Sie sich vor, ein Programm, eine Abgabe, eine Nutznießerkette, die von einem deutschen Ministerium, z.B. in die Welt von Genderismus oder Rassismusbekämpfung aufgebaut wurde, würde in einem künftigen Haushalt einfach so gestrichen. Weg. Futsch. Behörden und Ämter, die damit beschäftigt gewesen sind, z.B. Gender Mainstreaming zu befördern oder die Deutschen zu antirassistischen Gutmenschen zu erziehen, würden einfach so gestrichen, die dort Beschäftigten auf die Straße gesetzt.

Bisher nicht vorstellbar in Deutschland.

Vorstellbar und machbar in den USA. Insgesamt 19 nationale Behörden sind im Entwurf des ersten Trump-Budget gestrichen und entsprechend nicht mehr vorhanden, darunter das National Endowment for the Humanities, ein Amt, von dem aus insbesondere Forschungsgelder in den Bereich der Gender Studies geflossen sind. Die Liste der vom NEH geförderten Projekte und Maßnahmen, die den Gender Studies zugeordnet werden können, umfasst 681 Einträge, die jeweilige Fördersumme reicht von wenigen Tausend US-Dollar bis in die Hundertausende.

Mit der Streichung des NEH ist nicht nur das Ende dieser Projekte und Maßnahmen, sofern sie nicht bereits abgeschlossen sind, gekommen, tatsächlich stellt die US-Administration damit jegliche Förderung von Gender Studies und verwandtem Unsinn ein.

Das Ende der Gender Studies ist eingeläutet. Die Zeit, in der man mit Gender Fördergelder für jeden Unsinn erheischen konnte, sie ist vorbei – zumindest in den USA

Kann das jemand so bestätigen? Das wäre ja wirklich eine radikale Streichung. Auch interessieren würde mich, wie schnell sich das auswirkt: Wie lange halten die Gelder des letzten Haushaltes vor?

Und was wären die „Folgeschäden“ in anderen Bereichen? Er scheint sich damit ja allgemein auf die Geisteswissenschaften einzuschießen. Ein anderer Bericht dazu:

Es geht wohl nicht ums Geld. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die staatliche Förderung von Kunst und Geisteswissenschaften zu beenden, scheint eher von Ideologie getrieben zu sein, sagt der Historiker Marcus Gräser.

Bereits vor einigen Tagen berichteten amerikanische Medien, dass US-Präsident Donald Trump den zwei wichtigsten Kulturförderprogrammen des Landes das Geld streichen möchte. Betroffen wären die NEH – die National Endowment for the Humanities – und die NEA, die National Endowment for the Arts. Damit würde er die staatliche Kunst- und Kulturpolitik der USA beenden.

„Das würde für diese Programme natürlich das Aus bedeuten, da sie ohnehin chronisch unterfinanziert sind“, sagte dazu der Linzer Historiker Marcus Gräser im Deutschlandradio Kultur. Dabei sei die Förderungssumme in Höhe von 140 bis 150 Millionen Dollar pro Einrichtung und Jahr ohnehin nicht sehr hoch. Und dennoch seien „ganz bestimmte Programme“ von diesen Geldern abhängig, etwa im Bereich der Digitalisierung von Kulturgütern.

0,02 Prozent des US-Haushaltes für Geisteswissenschaften und Kunst
Auf die Frage, was Trump mit dieser Ankündigung bezwecke, sagte Gräser: „Wenn man das kürzt unter der Maxime ‚Wir müssen Geld sparen‘, dann ist es eigentlich ein lächerliches Argument.“ Beide Programme bekämen derzeit gerade mal 0,02 Prozent des staatlichen Haushaltes.

Trump vertrete mit einem möglichen Kahlschlag der staatlichen Förderung von Kunst und Geisteswissenschaften vielmehr eine klassische republikanische Position, nach der Kulturförderung als „Wohlfahrtsprogramm für kulturelle Eliten“ gebrandmarkt werde, erläuterte Gräser. Geisteswissenschaftliche Forschungen würden von konservativen Amerikanern oft als „Provokation“ verstanden.

„Klassisch-republikanische Haltung“
„Das heißt, wir haben auf der einen Seite eine ideologische Haltung gegenüber diesen Programmen, auch eine anti-intellektuelle Haltung. (…) Wir haben aber natürlich – und das ist die klassisch republikanische Haltung – hier die Vorstellung dahinterstehen, dass ein schwacher Staat agieren soll, der sich auf Kernaufgaben beschränkt. Und zu den Kernaufgaben gehört in den Augen der Amerikaner eben nicht die Förderung von Wissenschaft und Kunst.“

Bei der Kultur handele es sich in den USA um einen „schwachen Gegner“, dem man leicht etwas aus der Hand nehmen könne. Geisteswissenschaften und Kunst hätten in den USA keine Lobby, die lautstark protestieren könnte. Die einzige Hoffnung sei, dass die Kürzungssumme „so lächerlich gering“ sei, dass man die Anstrengung scheue. (huc)

Nach anderen Berichten geht es ebenfalls um durchaus wichtige Forschung:

Warum nun diese radikalen Einschnitte in Wissenschaft und Kunst vorgenommen werden sollen, erschließt sich nicht ohne weiteres. Die Washington Post rechnet vor, dass die Kürzungen der NEH-Mittel, so katastrophal sie sich auch auswirken werden, gerade einmal 0,003 Prozent des amerikanischen Bundeshaushalts ausmachen. Und auch aus der Liste der geförderten Projekte geht keineswegs hervor, warum diese Organisation unbedingt geschlossen werden muss: Themen, die man aus einer konservativen politischen Weltsicht für wichtig halten muss (etwa zur amerikanischen Geschichte, Archäologie, Bildung und Museumsarbeit), sind hier gut vertreten, ganz zu schweigen von den vielen Themen, die politisch völlig unverdächtig sind. Einen Schwerpunkt des NEH bilden seit einigen Jahren die Digital Humanities, die Neubestimmung der Geisteswissenschaften durch digitale Datenverarbeitung. Viele wichtige Technologien sind bereits aus der Verbindung von Geisteswissenschaften und IT hervorgegangen – die bekannteste ist vielleicht die Extensible Markup Language (XML), die ausgehend von der digitalen Erfassung literarischer Texte entstanden ist und heute in so gut wie jeder Form von Informationskodierung im Internet genutzt wird. Überhaupt sind die Förderprogramme der NEH durchaus anwendungsbezogen angelegt. Ich selbst habe erst kürzlich für die DFG an der Auswahlsitzung eines internationalen Förderprogramms teilgenommen, das von der NEH vor einigen Jahren initiiert worden war. Bei Digging into Data geht es explizit darum, den gesellschaftlichen Nutzen geistes- und sozialwissenschaftlicher Massendatenanalysen zu demonstrieren.

Daneben scheint auch die Klimaforschung und andere Bereiche betroffen zu sein, dagegen wird der Militärhaushalt anscheinend aufgestockt. Zudem sind amerikanische Universitäten auch weitaus weniger abhängig von staatlicher Unterstützung, da sie teilweise wesentlich höhere Vermögen und Einnahmen aus Studiengebühren haben.

Ich sehe insofern das Ende der Gender Studies noch nicht. Und die Kosten darüber hinaus scheinen mir auch nicht unbeachtlich.