Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 16. März 2017

Ulrich Kutschera: Kritik an Gender Mainstreaming

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Responses

  1. Na ja, Ulrich Kutschera ist bestimmt ein guter Evolutionsbiologe und mit seiner Gender-Kritik aus naturwissenschaftlicher Perspektive hat er sicherlich im Wesentlichen Recht.

    Aber wieder so ein Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat.

    So wird das allerdings nichts mit einer gemeinsamen Kooperation gender-kritischer Wissenschaftler über alle Fachgrenzen hinweg, wie sie eigentlich wünschenswert wäre, um die unwissenschaftlichen Gender Studies und das sexistische Gender Mainstreaming wirkungsvoll zu delegitimieren und zurückzudrängen.

    Aber gut, ich habe hier ja gelernt: Ein Teil gender-kritischer Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich Interessierter (Christian ist von dieser Kritik ausdrücklich ausgenommen) sind hinsichtlich ihrer psychodynamischen Motivation schwerpunktmäßig narzisstisch motiviert, es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer und nicht wirklich um wissenschaftliche oder politische Anliegen.

    Mit Hegel, über den Kutschera gerne redet, hat er sich offensichtlich auch nicht beschäftigt, dieser war immerhin in ideengeschichtlicher Hinsicht wichtig für die Durchsetzung evolutionären Denkens, Hegel hat außerdem durch seine Theorie der geistigen Evolution die heutigen entwicklungspsychologisch-fundierten Theorien soziokultureller Evolution inspiriert sowie die Forschung zum postformalen Denken in der kognitiven Entwicklungspsychologie wesentlich angeregt.

    Die geschilderte Anekdote über Hegel ist außerdem nicht wirklich belegt und selbst, wenn sie stimmen würde, müsste die Aussage gemäß Hegels Dialektik-Verständnis interpretiert werden, um das Gemeinte wirklich zu verstehen.

    Kutschera sollte m.E. erstmal mehr differenziertes und mehrperspektivisches Denken erlernen, etwas mehr Bescheidenheit entwickeln (wozu gehört nicht lautstark und pauschal wissenschaftliche Disziplinen abzuwerten, von denen er nichts versteht) und ein erwachseneres Sozialverhalten erlernen (wozu u.a. die Erkenntnis gehört, dass wer grundlos gegen andere pöbelt von diesen keine Solidarität zu erwarten hat).

    • Ist Dein Selbstwert so empfindlich, dass er ein bisschen polemische Kritik nicht abkann?

      Zumal ich in der gesellschaftlichen Situation die ungeschminkt konfrontative Herangehensweise für zielführend und wichtig halte. Das positive Beispiel, dass man dem Genderismus so entgegen treten kann, ist derzeit wahrscheinlich sogar wichtiger als der inhaltliche Widerspruch. Es geht nicht so sehr um ein paar spinnerte Theorien, sondern um den Kampf gegen einen aufstrebenden ideologischen Herrschaftsanspruch über unser aller Denken.

    • @ Ih

      „Ist Dein Selbstwert so empfindlich, dass er ein bisschen polemische Kritik nicht abkann?“

      Ein amüsanter Manipulationsversuch.

      Nein, ich bin nicht der Ansicht, dass Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler sich von narzisstischen Naturwissenschaftlern (oder naturwissenschaftlich Interessierten) abwerten und beschimpfen lassen müssten und schon gar nicht dauerhaft.

      Es macht mir aber hin und wieder Spaß die irrationalen Psychodynamiken dieser Leute zu attackieren – auch wenn das dann negative Reaktionen solcher Leute hervorruft.

      Habe ich noch häufiger vor. 🙂

      „Zumal ich in der gesellschaftlichen Situation die ungeschminkt konfrontative Herangehensweise für zielführend und wichtig halte.“

      Und ich halte es für wichtig zu versuchen die Wahrheit zu sagen.

      • Na geht doch.

        Aber Du verstehst hoffentlich schon, welchen Sinn eine konfrontative Rhetorik für den Diskurs und die Aufmerksamkeitsgenerierung hat?

        Ich denke übrigens, dass Kutschera damit auf klassisch maskuline Weise eine ähnliche Funktion erfüllt, wie für Dich eine elaborierte Sprache und haufenweise Verweise und Zitate auf intellektuelle Quellen, die der Großteil des Publikums nie gelesen hat und nie lesen will: Es geht um die Schaffung von Distanz, also Schutz. Donovan nennt so etwas „Ehre“. Indem Kutschera angriffslustige „Gameness“ zeigt, macht er deutlich, dass man besser für einen Kampf bereit sein sollte, wenn man sich mit ihm anlegt. Genau das erfüllt Deine Rhetorik auch.

        Und eigentlich muss man so was nicht persönlich nehmen? Man kann sich als Männer mit Ehre auch einfach respektieren und aneinander freuen, oder?

      • Ich finde es selbst immer wieder schade, obwohl selbst aus der Branche, wie die sogenannten „harten“ naturwissenschaftlich-technischen Fächer, respektive einige deren Vertreter, auf die sogenannten „weichen“ geisteswissenschaftlichen Fächer herabsehen. Sie zeigen in ihrem Glauben, aus ihrem zweifellos vorhandenen enormen Wissen zu ihren Fächern heraus und aus ihrem in Denkmethoden geschultem Geiste heraus zu allem was sagen zu können. Dann wirkt es oft unfreiwillig komisch, wenn sie sich zu irgend einem Gegenstand außerhalb ihres Faches äußern.
        Oft entlarven sie dabei nur ihre Selbstüberschätzung. Naturwissenschaft ist schon ein Tummelplatz für kauzige Typen und Narzisten.
        Sie ist auf keinen Fall der unschuldige Elfenbeinturm, für sie der Laie oft hält.

    • Mit wem soll er bitte diese Kooperation innerhalb der SoWi/GeWis suchen? Wenn die Meisten schon nicht von allein darauf kommen, unwissenschaftlichen Dreck innerhalb der eigenen Reihen zu kritisieren, dann attestiere ich denjenigen (also den „angeblichen“ genderkritischen SoWis/GeWis) fehlende Eier sowie mangelnde wissenschaftliche Integrität gegenüber dem eigenen Fach. Die schweigende Masse soll sich doch bitte erheben. Oder würde die Kritik am eigenen Selbstbild eines „perfekten Linken“ kratzen und man als Häretiker innerhalb der eigenen Reihen gelten?

      Ich mein, hier geht es nicht um einzelne kleine Fehler innerhalb der wissenschaftlichen Methodik (lol) der GS, sondern um die Tatsache, dass GS von Grund auf wie ein Krebsgeschwür behandelt gehört. Ausmerzen, Geldhahn zudrehen, von den Universitäten verbannen.

      • „mangelnde wissenschaftliche Integrität gegenüber dem eigenen Fach.“
        Die SoWi/GeWis waeren dann damit konfrontiert, dass der Grossteil dessen was die so verzapfen eben auch „unwissenschaftlicher Dreck“ ist. Denen ist bewusst, dass sie sich mit Kritik am Genderdumpfsinn ins eigene Bein schiessen.

      • @ Slavo

        „Mit wem soll er bitte diese Kooperation innerhalb der SoWi/GeWis suchen?“

        Erstens natürlich mit solchen gender-kritischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die bereits vor ihm gender-kritische Texte aus ihren eigenen Fachperspektiven publiziert haben.

        Und zweitens wäre es in pragmatischer Hinsicht sehr sinnvoll gewesen, wenn Ulrich Kutschera und Axel Meyer – als die neben Matthias einzigen Biologen, die bislang gender-kritische Bücher publiziert haben, denn auch Naturwissenschaftler halten sich mit entsprechender Kritik zurück – Wert darauf gelegt hätten, in einer Art und Weise aufzutreten und ihre Bücher so zu gestalten, dass die naturwissenschaftliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming auch für Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte interessant, zugänglich und verständlich wird.

        Diese Chance haben sie leider vertan. Hätten die beiden ihre Arroganz mal gezügelt und hätten z.B. ihre Bücher von gender-kitischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern Korrektur lesen lassen, dann hätten nicht nur Fehler und Argumentationsschwächen vermieden werden können, die auftreten, sobald sie ihre eigenen Fachgebiete verlassen, sondern ihre Bücher hätten auch auf eine erweiterte Zielgruppe abgestimmt werden können.

        So schreiben sie halt nur für die ohnehin Überzeugten.
        Der naturwissenschaftliche Narzissmus verhindert also die pragmatische Wirksamkeit. Und das ist ja u.a. das Interessante mit den irrationalen Psychodynamiken – ihre pragmatische Dysfunktionalität.

        Da schreiben Naturwissenschaftler endlich mal gender-kritische Bücher und anstatt nun das Naheliegende zu tun – die Kooperation mit Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die ebenfalls aus ihrer eigenen Fachperspektive heraus Gender Studies und Gender Mainstreaming kritisch beurteilen, zu suchen sowie ihr eigenes öffentliches Auftreten und ihre Bücher auch auf Geisteswissenschaftler/Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte als Zielgruppe abzustimmen, folgen sie lieber unreflektiert unreifen egozentrischen Impulsen. Die eigene naturwissenschaftliche Grandiosität zu betonen und andere wissenschaftliche Disziplinen, mit denen sie sich nicht auskennen, pauschal abzuwerten ist ihnen in motivationaler Hinsicht offenbar wichtiger als der pragmatische Erfolg der Sache, um die es doch eigentlich gehen sollte.
        Schon interessant, wenn Leute, die ihre eigene Rationalität so stark hervorheben, gleichzeitig entsprechend irrational agieren. Vielleicht sollten sie sich in psychologischer Hinsicht auch mal ein bißchen mit Psychoanalyse befassen anstatt nur mit evolutionärer Psychologie.

        „Wenn die Meisten schon nicht von allein darauf kommen, unwissenschaftlichen Dreck innerhalb der eigenen Reihen zu kritisieren, dann attestiere ich denjenigen (also den „angeblichen“ genderkritischen SoWis/GeWis) fehlende Eier sowie mangelnde wissenschaftliche Integrität gegenüber dem eigenen Fach. Die schweigende Masse soll sich doch bitte erheben. Oder würde die Kritik am eigenen Selbstbild eines „perfekten Linken“ kratzen und man als Häretiker innerhalb der eigenen Reihen gelten?“

        Erstens reißen sich auch Naturwissenschaftler nicht gerade darum gender-kritische Texte zu publizieren. Bevor Axel Meyer, Ulrich Kutschera – und Matthias nicht zu vergessen – ihre Bücher dazu herausgebracht haben, gab es im deutschsprachigen Raum wissenschaftliche Veröffentlichungen, die Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming beinhalten, m.W. nur in Schriften jener Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler, welche männerrechtliche Anliegen aus humanistischer Perspektive unterstützen.
        Das ist dann aber natürlich Kritik speziell aus geisteswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive und es ist schon sinnvoll dies auch durch Kritik speziell aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu ergänzen, nur sollte letztere dann idealerweise auch über den Kreis der ohnehin Überzeugten hinaus vermittelbar sein.

        Warum Kritik an den Gender Studies in den Sozialwissenschaften/Geisteswissenschaften bislang nicht häufiger ist, hatten Lomi und ich in der Vergangenheit ja schon einmal speziell am Beispiel der Soziologie versucht zu erklären:

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/17/fundstueck-leszek-zu-der-frage-warum-soziologen-so-selten-gender-studies-kritisieren/

        (Siehe auch den ersten Kommentar unter dem Text.)

        Um dies zu analysieren – und möglichst zu ändern – braucht es aber auf Kenntnissen beruhende, um Objektivität bemühte und rationale Analysen, das Grandiositätserleben irgendwelcher Naturwissenschaftler ist da weder erkenntnis- noch zielfördernd.

        „Ich mein, hier geht es nicht um einzelne kleine Fehler innerhalb der wissenschaftlichen Methodik (lol) der GS, sondern um die Tatsache, dass GS von Grund auf wie ein Krebsgeschwür behandelt gehört. Ausmerzen, Geldhahn zudrehen, von den Universitäten verbannen.“

        Warum die Gender Studies meiner Ansicht nach unwissenschaftlich sind und von den Universitäten entfernt werden sollten, hatte ich in der Vergangenheit z.B. hier kurz zusammengefasst:

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/08/04/gastartikel-leszek-zu-der-frage-ob-gender-studies-unwissenschaftlich-sind/

        Dabei versuche ich aber die wesentliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming aus den drei Perspektiven zu verknüpfen, also die geisteswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Gender-Kritik.
        Je mehr man alle drei Perspektiven einbezieht, desto stärker, fundierter und umfassender wird potentiell die Kritik und desto eher ist es möglich bezüglich aller drei Bereiche interessierte Personen anzusprechen.

        • „Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming auch für Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte interessant, zugänglich und verständlich wird.“

          Ich lach mich schlapp!! Kritik soll für diese sogen. Wissenschaftler verständlich werden? Ernsthaft jetz? Etwa in einfacher Sprach? Oh mein Gott … 🙂

        • „Hätten die beiden ihre Arroganz mal gezügelt und hätten z.B. ihre Bücher von gender-kitischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern Korrektur lesen lassen“

          Wie wäre es mal mit einem Gastbeitrag dazu, welche Richtungen in den Sozialwissenschaften/ Geisteswissenschaften Gender kritisch sind und wo man solche in der Wissenschaft arbeitenden Leute findet? Kannst du mal Strömungen nennen, die aus dem Bereich gender kritisch sind?

        • @Leszek:

          »Die eigene naturwissenschaftliche Grandiosität zu betonen …«

          Ich frage mich ja schon, ob es nicht erst dieses übersteigerte Selbstbild ist, welches ihm seine Kritik überhaupt erst ermöglicht. Vorsichtigere Menschen lassen sich von antizipierten Shitstorms viel leichter den Schneid abkaufen.

          Im übrigen glaube ich, dass die Universität nicht nur im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, sondern generell ein ziemlich opportunistischer Betrieb ist (man lese nur mal Danischs Schilderungen aus der Informatik) – ganz wesentlich darum, weil die interne akademische Währung eben »Reputation« ist, und das lässt viele Wissenschaftler hochempfindlich jede mögliche Kritik antizipieren und vorbeugend vermeiden. Und alle können sich komfortabel in die gemütlichen kleinen Nischen ihrer jeweiligen Fachgebiete zurückziehen.

          Kritik wird in einem solchen System erst dann möglich, wenn sie ihrerseits beginnt, Reputation zu generieren (das ist dann der berühmte »Paradigmenwechsel«). Dazu bedarf es aber der Pioniere, die so lange den Kopf hinhalten, bis ihr Umfeld mitbekommt, dass der Kopf trotz Kritik nicht nur dranbleibt, sondern dass die neue Perspektive auch ein neues Arbeitsfeld eröffnet, indem sie weiter ausgebaut werden kann. Aber es dürften die Exzentriker sein, die sich am ehesten für die Rolle des Pioniers eignen.

          Wo früher von den »zwei Kulturen« der Natur- und Geisteswissenschaften die Rede war, bestehen heute wesentlich bessere Chancen zu einer wechselseitigen Verständigung als zuvor – dazu ein optimistischer Artikel aus dem Jahre 2008 von Rudolf Stichweh in der FAZ.

        • Passend dazu:

          Ansonsten gebe ich aber Leszek weitgehend recht. Ein Gender Studies-Kritiker muss sowohl den biologischen als auch soziologischen Aspekt der Geschlechtlichkeit verstehen, um effektiv argumentieren zu können. Naturwissenschaftler wie Kutschera würden bei einer Diskussion mit einem halbwegs intelligenten Genderisten ziemlich alt aussehen, weil sie die Erkenntnisse der Sozialwissenschaften (die ja zum Teil auch mit der Alltagsbeobachtung der Menschen übereinstimmen) einfach ignorieren. So einiges lässt sich mit dem reinen Verweis auf die biologischen Unterschiede von Männern und Frauen nun mal nicht erklären.

        • @Leszek:

          „Schon interessant, wenn Leute, die ihre eigene Rationalität so stark hervorheben, gleichzeitig entsprechend irrational agieren.“

          Kutscheras provokante Scharfzüngigkeit in Richtung der So&GeWis finde ich ganz im Gegenteil hervorragend. Dieses provozierende, aufplusternde, aufstachelnde Gehabe, dieses „Öl ins Feuer gießen“ kann nur positiv enden: Leute werden, hoffentlich, anfangen sich ernsthafter (oder auch nicht, was ebenso gut ist) damit außeinanderzusetzen, sie werden anfangen sich innerhalb der Debatte zu positionieren. Hoffen kann man auf eine grundlegenden Streit (siehe heutigen Artikel -> Schoppes Beitrag). Ich hoffe ebenso auf eine baldige Eskalation. Einzelne zurückhaltende intellektuell-sachliche Stiche bewirken da rein gar nichts außer, dass der Verfasser sich an seiner eigenen Flatulenz wohlriecht. Übrigens etwas, das ich der Männerrechtsbewegung ebenso empfehlen würde: weg von intellektuellen ellenlangen Internetdebatten in Foren, hin zu mehr Polemik und Scharfschießen mit einer ordentichen Prise „i don’t fucking care for any of your critics/kiss my ass“.

          Seine polemische Kritik sehe ich dabei eher als Mittel zum Zweck: Sie muss nicht unbedingt inhaltlich korrekt sein, tut sie bezogen auf den Rundumschlag gegen die SoGeWis wahrscheinlich auch nicht. Während man inhaltlich sicher Punkte finden wird, die Kutschera falsch auffasst und die du sicher richtig benennen werden wirst, sehe ich die ganze Sache weitaus pragmatischer um sich den GS zu entledigen.

          Wer Gad Saad auf Facebook folgt, der weiß, was ich damit meine. Neben seinen themenrelevanten Ausführungen beobachtet man ihn auch immer wieder, wie er in verschiedene Richtungen ordentlich austeilt. Seine in den letzten zwei Jahren gestiegene Reichweite innerhalb von YT und FB zeigen, dass es wirkt.

          „Erstens reißen sich auch Naturwissenschaftler nicht gerade darum gender-kritische Texte zu publizieren. “

          Stimmt. Für die gilt dasselbe. Wieso müssen aber fachfremde Wissenschaftler (ich zähle bislang die drei von dir genannten naturwissenschaftlichen Publikationen) dafür sorgen, dass eine pseudowissenschaftliche „interdisziplinäre“ Vereinigung wie die GS Kritik erfährt, aus der eigenen Ecke der SoGeWis, woher die GS ja ursprünglich kommen, jedoch kaum Widerstand zu vernehmen ist?

          Wenn ich also deine Gründe aus dem Geschlechterallerlei-Artikel hernehme, wieso keine Kritik gegenüber den GS geäußert wird, und sie ebenso auf naturwissenschaftliche Forscher übertrage, dann haben 3 (in Wort: Drei) naturw. Wissenschaftler trotzdem genug Zeit um ein Buch zu verfassen, das als direkter Angriff gegen die GS, einer fachfremden Disziplin, gewertet werden kann.

          Ich behaupte, dass die meisten SoGeWis den GS nicht ablehnend gegenüberstehen. Du behauptest das Gegenteil, beide haben wir keine Belege ausgenommen von Anekdoten. Meine Behauptung speiße ich aus Beobachtungen im Internet z.B. Internetdiskussionen wo positive Rückmeldungen zu Pro-Gender-Artikeln (die neben GSlern auch von SoWis verfasst wurden) auftauchten und bei denjenigen offensichtlich war, dass sie, entweder nach Selbstbekunden oder nach Blick auf ihr Profil, mit sozialwissenschaftlichen Fakultäten in Verbindungen standen.

          Anderenfalls finde ich die Gründe sehr mager. Dass ein sozialw. Forscher die GS „nicht beurteilen kann“ und sie mit „xyz assoziiert“ spricht entweder nicht gerade für ihn und seine Intelligenz oder es zeigt, dass sich die GS grundlegend einer objektiven beurteil- und nachvollziehbaren Methodik entziehen. Falls zweiteres zutrifft (ich glaube übrigens, das zweiteres zutrifft) so sehe ich erst recht Grund ihnen an den Leim zu gehen.

    • @ Leszek

      Sei froh, daß er nicht so ist wie der olle Schopenhauer mit seiner Kritik an der Hegelei … 🙂

      „Der Begriff „Hegelei“ stammt von Arthur Schopenhauer (1788-1860). Er verstand darunter „den hohlsten Wortkram“, „die armseligsten Sophismen […] und läppischen Aberwitz“. Über die Hegelianer schrieb er: „durch das Aufnehmen rasender Wortzusammenstellungen, bei denen etwas zu denken der Geist sich vergeblich martert und erschöpft, sind ihre Köpfe desorganisiert“ “

      War Hegel etwa Genderist?

      • @ddbz:

        »War Hegel etwa Genderist?«

        Nein, aber Schopenhauer ein klarer Fall von akademischem Futterneid.

        • Kann den Schopenhauer schon verstehen,daß er sich über diese Hegelei geärgert hat.

          Der Popper mochte den Hegel wohl auch nicht und einiges hier erinnert doch stark an den Genderismus:

          „Der zweite Teilband des Werkes gilt der Kritik der „orakelnden Philosophen“ des 19. Jahrhunderts, insbesondere Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Karl Marx. In Hegel sieht Popper ebenso wie in den anderen Vertretern des Deutschen Idealismus in erster Linie einen Scharlatan und Betrüger, in zweiter Linie einen reaktionären Apologeten der preußischen Staatsmacht, dessen Philosophie ebenfalls totalitäre Systeme begünstigt habe. Den Vorwurf der Scharlatanerie erhebt Popper dabei v. a. mit Hinweis auf die dialektischen Methoden der Hegelschen Philosophie. Diese seien, soweit sie überhaupt verständlich seien, allein postuliert, um die Regeln der Logik auszuhebeln und besonders das autoritäre Preußen als höchste Verwirklichung der Freiheit glorifizieren zu können. Hegel sei ein offizieller Staatsphilosoph gewesen, der mit seinem Rechts- und Machtpositivismus („Was wirklich ist, ist vernünftig“) die bestehende Staatsmacht hofiert habe. Ein größerer Teil der Hegelschen Schriften sei – so Popper – zudem absichtlich unverständlich formuliert, um Kritik unmöglich zu machen. Mit diesem Versuch, durch unverständliche Sprache tatsächlich fehlende inhaltliche Substanz vorzutäuschen, habe Hegel in der Philosophiegeschichte eine neue Epoche eingeleitet, die nicht auf Gedankenaustausch und Argumentation, sondern auf Beeindruckung und Einschüchterung ausgerichtet gewesen sei. Dieser ‚Jargon‘ habe zunächst intellektuelle und dann auch moralische Verantwortungslosigkeit nach sich gezogen. “

          https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper

        • @ddbz:

          Popper ist natürlich ein Klassiker, aber seine Kritik ist auch nicht mehr auf dem neuesten Stand, und teilweise sehr einseitig. In einem der wichtigsten Grundlagentexte zur Methodologie der Psychoanalyse, Adolf Grünbaums Die Grundlagen der Psychoanalyse von 1988 wird Poppers Freud-Bild (das er ebenfalls in »Die offene Gesellschaft und ihre Feinde« entwickelt) genauso gründlich und berechtigt abgebürstet wie das von Habermas. Poppers Polemiken sind insofern sicher nichts, was man einfach getrost nach Hause tragen kann.

        • Freud ist nicht Hegel …

        • @ddbz:

          »Freud ist nicht Hegel …«

          Aber Popper ist in beiden Fällen Popper …

        • @djadmoros

          In Sachen Poppers Hegel Kritik:

          http://walterkaufmann.com/articles/1956_Hegel_Legende_Wirklichkeit.pdf

          Gruß crumar

    • @Leszek,

      volle Zustimmung! Das Problem sind nicht die Geisteswissentschaften an sich, sondern der Umstand, dass insbesondere diese mit linksextremen Theoriemüll und den dazugehörigen Aktivisten verseucht sind.

      • @Clovis:

        »… sondern der Umstand, dass insbesondere diese mit linksextremen Theoriemüll und den dazugehörigen Aktivisten verseucht sind.«

        Ersetze »linksextrem« durch »postmodern«, dann passt es. Die letzten »linksextremen« Erklärbären in den Sozialwissenschaften wurden schon vor langer Zeit in die Verrentung oder Lehrstuhlschließung ausgewildert.

        • djadmoros

          1. Ging’s um Geistes- nicht nur Sozialwissenschaften

          2. Behandle ich bis auf Weiteres „linksextrem“ als Oberbegriff für postmodern, postrukturalistisch, konstruktivistisch etc. pp. Was sollte z.B. die genannte J. Butler anderes sein als hyperlinksextrem?

  2. Das Interview ist aber schon etwas älter

  3. Es ist ja so, dass Naturwissenschaften (insbesondere die Biologie) für viele geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen Lösungen liefern können, zB. in der Erkenntnistheorie oder der Moralphilosophie. Diese Lösungen konkurrieren mit den geisteswissenschaftlichen, und werden daher von letzteren eher kritisch gesehen bis abgelehnt, was aber nicht so sein müsste. Der Geisteswissenschaft bleibt ihr Bereich erhalten, in dem sie auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse über deren Konsequenzen nachdenken können.

    Was aus meiner Sicht nicht geht ist ein komplettes konkurrierendes Erkenntnismodell, etwa auf der Basis von Diskursen oder sozialen Konstruktionen. Hier stoßen sie an eine Wand, denn die grundlegenden Phänomene der realen Welt, Raum, Zeit und Materie, dass Leben und das Zusammenleben von Menschen usw. können Geisteswissenschaften nicht erklären, sondern müssen es als gegeben voraussetzen.

    Ich denken darauf beruht die deffensive Haltung vieler Geistes- und Sozialwissenschaftler gegenüber der Wissenschaft. Und natürlich haben manche auch Angtst, langfristig ihre Stellung an den Universitäten zu verlieren.

  4. @El_Mocho: „Konkurrieren“ ist hier aber schon ein starkes Wort.
    Die Naturwissenschaften *liefern* Erklaerungen, die Soziospinner nur leeres Geschwaetz, wie z.B. die von dir genannten „Diskurse und sozialen Konstruktionen“. Besonders absurd wird das alles dann, wenn die Geistes/Sozio-Schwatzbacken an ihrem Bloedsinn *entgegen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse* festhalten.
    Die haben einfach nichts, was durch so laestige Dinge wie Evidenz und Fakten abgesichert ist.
    Und dann macht das auch Sinn, dass ich richtige Wissenschaft als „patriarchalisch, kolonialistich, und wasweissichnochfuerbullshit“ ablehne.
    Deren „konkurriendes Erkenntnismodell“ hat eben einfach keine Basis in der Wirklichkeit, so schaut’s aus.

    @Leszek & Clovis:
    Doch, das Problem *sind* die Geistes/Sozio-Muellhalden (ich will sowas nicht Wissenschaft nennen, da krieg‘ ich so’n Hals).
    Wenn ich nicht nach wissenschaftlicher Methode arbeite, sondern diese sogar explizit ablehne, und mir nach Belieben irgendwelchen Schwachsinn ausdenke, dann gehoert das auf den Muell und nicht an die Uni / in den Wissenschaftsbetrieb.
    Der „linksextreme Theoriemüll und den dazugehörige Aktivisten“ setzen nur nochmal einen obendrauf.

    Verteidigung/Gegenargument? Ganz einfach:
    Nenne *irgendwas* relevantes aus dem Bereich. Die Messlatte haengt ja schon sehr tief, mit so Sachen wie Telefon, Fernsehen, Radio, Flugzeuge, moderne Apparatemedizin, Antibiotika, Impfstoffe, Computer, Roboter, … Das kriegt ihr schon hin.

    • @ Nullzone

      „Die Naturwissenschaften *liefern* Erklaerungen, die Soziospinner nur leeres Geschwaetz, wie z.B. die von dir genannten „Diskurse und sozialen Konstruktionen“.“

      Erkläre bitte mal naturwissenschaftlich, warum Männer in Schottland gelegentlich mal Röcke tragen und welche Vorstellung die Yanomami-Indianer von der Entstehung der Welt haben. Danke.

      • Wofür ist das wichtig, dass man das wissenschaftlich mit Milliardenbeträgen untersuchen müsste?

        Die einen ziehen halt das eine, die anderen das andere an, weil sich Mode und Traditionen mehr oder minder willkürlich eigenständig entwickeln, wenn einzelne den Anstoß dazu geben und andere dem folgen. Da ist nichts groß wissenschaftlich zu untersuchen.

        Und dass die Yanomami-Indianer möglicherweise eine andere Vorstellung von der Entstehung der Welt haben, mag ja sein und ein Interesse dafür ein nettes Hobby, aber halt nichts, was die Gemeinschaft mit Milliardenbeträgen erforschen müsste.

        • @ xyz

          „Wofür ist das wichtig, dass man das wissenschaftlich mit Milliardenbeträgen untersuchen müsste?“

          Drei Fragen, auf die man drei unterschiedliche Antworten geben kann:
          1. Ist es legitime Wissenschaft?
          2. Ist es wichtig?
          3. Ist es förderungswürdig?

          Mir geht es hier nur um Frage eins, und meine Antwort ist klar: Ja, sozialwissenschaftliche Forschung ist vollkommen legitim, auch wenn sie sich mit Themen beschäftigt, die nur wenige Menschen interessieren.

        • Die Wissenschaft mag ja legitim sein, aber dann nicht auf Kosten der Allgemeinheit, wenn die Allgemeinheit darin kein Nutzen erkennen kann.

          Wenn ihr Nachbarkind Ihnen erklärt, dass es schon immer im Rahmen einer Vollzeittätigkeit erforschen wollte, weshalb in den von ihm gespielten Computerspielen die Figuren so und nicht anders aussehen, werden Sie sich auch sehr überlegen, ob Sie diese Forschung mitermöglichen bzw. finanzieren wollen und ob Sie einen Nutzen daran erkennen können.

          Wenn Sie aber nicht erkennen können, weshalb Sie die Forschung Ihres unsympathischen Nachbarkindes mitfinanzieren sollten und welchen Nutzen die Forschung für die Allgemeinheit oder Sie haben sollte, dann würden Sie wahrscheinlich auch sagen, dass es ja schön und gut ist, dass das Nachbarskind forschen möchte, aber dieses Hobby möge er doch bitte selber finanzieren und die Allgemeinheit damit nicht belasten.

  5. @JC Denton: Erkläre bitte mal naturwissenschaftlich, warum Männer in Schottland gelegentlich mal Röcke tragen und welche Vorstellung die Yanomami-Indianer von der Entstehung der Welt haben. Danke.

    Strohmann. Aber bitte:
    Schottenkilt. Entstand aus dem Belted Plaid https://de.wikipedia.org/wiki/Belted_Plaid . Das Ding ist *praktisch*, wenn du in eher wechselhaften aber allgemein kaelteren (als z.B. Sahara) Klima lebst. Ein langes Stueck Stoff – einfach zu naehen. Warmes, bestaendiges, in Grenzen Regen und Wind abhaltendes Material. Und je nach Witterung und Taetigkeit kann ich mich mantelmaessig einrollen, oder sozusagen „die Hosen runterlassen“, oder irgendwas dazwischen in verschiedenen Abstufungen, die z.B. die Kombo „Hose, Pullover, Mantel“ gar nicht ermoeglicht. Wenn ich das Stoffstueck lang genug mache, habe ich sogar noch eine Kapuze.
    TLDR: Weil Wetter. Naturwissenschaftlich genug?

    Yanomami: Keine Ahnung, interessieren mich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass, wenn ich lang genug suche, ich eine naturwissenschaftliche Erklaerung finde, warum der Halbgott „Grosser Gelber Giftfrosch“ fuer Kartoffeln, Regen, und die richtige Farbe der Innenwaende zustaendig ist 😉

    Jetzt mein Strohmann:
    Die Naturwissenschaften *liefern* Erklaerungen
    –> Ok, NaWi im weiteren Sinne, aber trotzdem: Erklaerung sog. Gender Pay Gap durch pure Statistik.

    die Soziospinner nur leeres Geschwaetz:
    –> Gender Pay Gap, weil Patriarchat und Sexismus.

    • @ Nullpunkt

      „Strohmann.“

      Nö.

      „Weil Wetter. Naturwissenschaftlich genug?“

      Nein, das beantwortet meine Frage leider nicht. Du hast aber einen zweiten Versuch, und diesmal bitte genau auf die Fragestellung achten: Warum tragen Männer in Schottland gelegentlich Röcke?

      „Keine Ahnung, interessieren mich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass, wenn ich lang genug suche, ich eine naturwissenschaftliche Erklaerung finde, warum der Halbgott „Grosser Gelber Giftfrosch“ fuer Kartoffeln, Regen, und die richtige Farbe der Innenwaende zustaendig ist“

      Nehmen wir mal an, es würde dich interessieren: Wie würdest du als Naturwissenschaftler vorgehen, um es herauszufinden?

      „Erklaerung sog. Gender Pay Gap durch pure Statistik.“

      Statistik ist nicht Naturwissenschaft, zumal Gender Pay Gap-Statistiken ja soziale Variablen enthalten und keine naturwissenschaftlichen.

      • „Warum tragen Männer in Schottland gelegentlich Röcke?“

        Das ist eine Fragestellung, die Naturwissenschaftler nicht juckt.

        Wenn es Dich oder sonstige Geisteswissenschaftler juckt, schön.

        Welchen Vorteil versprichst Du Dir von der Antwort und welchen Vorteil hätte die Gesellschaft von der Antwort?

        • „Das ist eine Fragestellung, die Naturwissenschaftler nicht juckt.“

          Dann ist es wahrscheinlich auch keine naturwissenschaftliche Fragestellung.

          „Welchen Vorteil versprichst Du Dir von der Antwort und welchen Vorteil hätte die Gesellschaft von der Antwort?“

          Falsche Frage. Siehe meine Antwort an xyz.

        • Nein, richtige Frage.

          Welchen Sinn sollte es machen zig Euro für die Kiltfrage auszugeben? Was ist denn mit den unterschiedlichen Farben dieser Kilts?

          Wenn das ein Beispiel für Geisteswissenschaften sein soll, bitte. Keine weiteren Fragen … 🙂

    • @Nullzone:

      »TLDR: Weil Wetter. Naturwissenschaftlich genug?«

      Diese Art von Erklärung nennt sich »Just So Story« oder »ad hoc fallacy« und ist einem Ursprungsmythos ähnlicher als einer wissenschaftlichen Erklärung. Mit anderen Worten: sie ist kompletter Bullshit! Der schottische Kilt ist ein neuzeitliches Phänomen, im Mittelalter gab es den noch gar nicht, anders als das schottische »Wetter« (passender wohl »Klima«).

      Aber wie Du selber sagst: Du hast zwar keine Ahnung, aber Du bist Dir sicher. Danke, passt, so lesen sich Deine Statements auch.

    • @Nullzone

      Natur- und Sozialwissenschaften lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen, weil die/ihre Untersuchungs“objekte“ völlig verschieden sind.

      Dass „Gesellschaft“ sich permanent ändert ist eine Binsenweisheit, was es aber schwierig macht, Experimente zu wiederholen, weil der Ausgangszustand nicht beliebig reproduzierbar ist.
      Wenn du bspw. das „Milgram-Experiment“ bereits kennst, wird es den Zweck verfehlen, dich mit diesem zu konfrontieren.
      Du wirst dich mit Sicherheit anders verhalten, weil du mit Bewusstsein in dieses Experiment hineingehst.
      Jede Beobachtung deines Verhaltens wäre also im Grunde wertlos.

      Auch Befragungssituationen sind schwierig, weil z.B. davon auszugehen ist, Menschen antworten nicht gemäß ihrer tatsächlichen Ansicht, sondern „sozial erwünscht“.
      D.h. Menschen reflektieren bewusst die soziale Situation ihrer Aussage, wissen also um deren Wirkung und stimmen darauf diese Aussage ab.

      Es wäre sehr komisch, wenn die Naturwissenschaft mit solchen Schwierigkeiten bei ihren Experimenten zu kämpfen hätte.

      Dass du diese Schwierigkeiten hast, „naturwissenschaftlich“ zu erklären, warum es einen Schottenrock gibt, zeigt dein Erklärungsversuch:
      „Das Ding ist *praktisch*, wenn du in eher wechselhaften aber allgemein kaelteren (als z.B. Sahara) Klima lebst.“
      Genau das ist es nicht.
      Es kann sich zwischen Haut und Stoff kein Wärmepolster bilden, weil da kein Stoff existiert – und wo kein Stoff existiert ist auch irrelevant, ob der Stoff selbst undurchlässig für Wind oder Wasser ist.
      Womit der Kilt für kältere Gegenden eben nicht taugt.

      D.h. deine Erklärung taugt nichts.

      Gruß crumar

      • „Natur- und Sozialwissenschaften lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen, weil die/ihre Untersuchungs“objekte“ völlig verschieden sind.“

        Sehr guter Punkt – beide Wissenschaftszweige lassen sich nicht gegeneinander ausspielen.

        … Untersuchungs“objekte“ …

        Wie Deine Beispiele zeigen, sind eben auch die Versuchs-Bedingungen ganz verschieden. Die soziologische und sozial-psychologische Forschung beeinflußt in einem Gewissen Sinne das, was sie eigentlich unbeeinflußt beobachten will.

    • Vielleicht sollte mn sich auf die Probleme beschränken, für die Natur- und Geisteswissenschaften jeweils verschiedene Theorien anbieten, ich habe ja schon Erkenntnistheorie und Moral erwähnt. Macht eben schon einen Unterschied, ob man das menschliche Erkennen vom Subjekt her erklärt, oder von der Einbindung des Menschen in die Welt.

      Niemand wird ernsthaft eine naturwissenschaftliche Erklärung des Schottenrockes erwarten, ebenso wie eine gesiteswissenschaftliche der Schwerkraft.

      • „Niemand wird ernsthaft eine naturwissenschaftliche Erklärung des Schottenrockes erwarten“

        Wenn ein Naturwissenschaftler meint, die Sozialwissenschaften können soziale Sachverhalte nicht erklären, die Naturwissenschaftlen aber schon, dann soll er auch liefern.

  6. @djadmoros: Ist ja gut. Ich sehe ja, dass ich den langen Kilt (Great Plaid) und nicht den kurzen erklaert habe. Und ich habe den Disclaimer „meines Wissens nach“ vergessen. Kurzer Kilt: Keine Ahnung, muesste ich recherchieren. Zufrieden, du Erbsenzaehler?
    Aber ernsthaft: Du arbeitest dich an einer schnell hingeschriebenen Erklaerung als Reaktion auf einen Strohmann ab? Ja mei, wenn’s schee macht…

    @JC Denton:
    Statistik ist nicht Naturwissenschaft
    Darum hatte ich ja geschrieben: „Ok, NaWi im weiteren Sinne“ .
    Beim drueber nachdenken faellt mir auf, dass „Arbeiten nach wissenschaftlicher Methode“ (o.ae.) hier angebrachter waere als Naturwissenschaften.

    „Warum tragen Männer in Schottland gelegentlich Röcke?“
    Wie der Buchstabenzaehler sagt: „Das ist eine Fragestellung, die Naturwissenschaftler nicht juckt.“

    Aber, gehen wir das ganze dochmal mit wissenschaftlicher Methodik an:
    Definiere „Maenner“, „Schottland“, „gelegentlich“, „Roecke“; und „tragen“ auch noch, damit wir uns sicher sind, dass es im Sinne von „Kleidung tragen“ und nicht „herumtragen/transportieren“ gemeint ist. Dann sehen wir weiter.

    Der Soziologen- und ganz besonders Gender-Ansatz sieht dann eher so aus:
    „Maenner in Kilts sind total sexistisch, weil sie Frauenkleidung (Roecke) cultural approbationen. Ausserdem ist das ganz klar ein Zeichen von Patriarchat, Frauenunterdrueckung, und Rape Culture. Schliesslich laufen die ja traditionell ohne Unterhose rum und mit freischwingendem Gemaecht. Wenn da jetzt einer im Kilt manspreadet und eine Frau seine Genitalien sieht, ist das Vergewaltigung, wie ja schon Schwurbella McSchwurbelton in ihrem Buch „Maennerroecke – die patriarchalisch-sexistische Uebernahme traditioneller Frauenkleidung durch den White Ovisosexual Male“ ausfuehrt. Und ausserdem faellt es ja im Kilt viel leichter zu vergewaltigen, weil man muss den ja nur hochheben und so. Damit muss dass Ding von Heiko Maas ganz dringend verboten werden, und alle Youtube-Videos von diesen sexistischen Highland Bands sofort loeschen!
    Wie, die Fakten sehen ganz anders aus? Wen interessiert das? Mansplaining! Sexism!“

    Ist aber egal. Schliesslich geht’s hier ja nicht darum, die NaWis zu verteidigen, sondern das Sozio-Gedoens. (Auch wenn der Exkurs zu Schottenroecken amuesant ist).

    Ausserdem: Finde ich schon etwas armselig, dass du ein komplett anderes und zum Thema voellig irrelevantes Fass aufmachen musst, um die Geistes- und Sozial“wissenschaften“ gegen Kritiker wie Kutschera zu verteidigen.
    Da halte ich eine gute Antwort auf mein „Verteidigung/Gegenargument? Ganz einfach: Nenne *irgendwas* relevantes aus dem Bereich“ doch fuer effektiver.

    • @ Nullzone

      „Ist aber egal. Schliesslich geht’s hier ja nicht darum, die NaWis zu verteidigen, sondern das Sozio-Gedoens.“

      Jetzt wird´s aber lustig: Du behauptest erst, Naturwissenschaften würden Erklärungen liefern, während „Soziospinner“ nur leeres Geschwätz abliefern würden. Gibt man dir aber die Gelegenheit, deine überlegene Wissenschaft mal auf zwei einfache Beispiele anzuwenden, kommt nur heiße Luft dabei raus. War allerdings auch nicht anders zu erwarten.

      „Ausserdem: Finde ich schon etwas armselig, dass du ein komplett anderes und zum Thema voellig irrelevantes Fass aufmachen musst, um die Geistes- und Sozial“wissenschaften“ gegen Kritiker wie Kutschera zu verteidigen.“

      Ich finde es schon etwas armselig, dass du offenbar den Zusammenhang nicht erkennst.

      • „Ich finde es schon etwas armselig, dass du offenbar den Zusammenhang nicht erkennst.“

        Komm schon, lass uns nicht dumm sterben… ich erkenne den Zusammenhang auch nich.

        Hat denn die Geisterwissenschaft eine (beweisbare) Erklärung für den Schottenrock?

        • Erkennt außer ddbz und Nullzone sonst noch jemand nicht, warum der Schottenrock bei Thema „Gender Studies“ und bei der Frage „Was können Naturwissenschaften erklären und was nicht“ eine gewisse Relevanz hat?

        • Das mit dem Schottenrock ist in der Tat eine interessante Frage.
          Steuergelder würde ich aber auch dafür nicht ausgeben.

        • @ Adrian

          Wärst du vielleicht so nett, den Zusammenhang zu erklären?

        • Ich wiederhole mal meinen unten geposteten Erklärungsansatz:

          Die Unterscheidung zwischen Rock und Hose hatte über Jahrtausende hinweg nicht die geschlechtertrennende Bedeutung wie heute. Die römische Tunika wäre heute ein Kleidchen. Für ein eindeutig weibliches Kleidungsstück musste es schon bodenlang werden. Bis ins Rokoko sind die Männer in Seidenstrumpfhosen rumgelaufen. In Schottland ist schlicht die Bedeutungsverschiebung dieser Kleidungsstücke nicht angekommen, oder die Schotten wollten sie nicht mitmachen.

          Ergänzung: Somit muss man eigentlich nicht den Schottenrock erklären, sondern die geschlechtsspezifische Fixierung von Hose und Nicht-Hose außerhalb Schottlands.

        • @ JC Denton
          Der Zusammenhang besteht darin, dass man sich gerne an Privatuniversitäten oder in philosophischen Zirkeln den Kopf über die Frage nach dem Schottenrock zerbrechen kann. Steuergelder sollten für das Studium dieser Frage m.E. nicht ausgegeben werden.

        • Eine Zivilisation steht und fällt mit ihrer Kultur.

          Wenn die Kultur in der höheren Bildung keinen Platz mehr hat und die Universität nur noch als Ausbildungsstätte für komplexere angewandte Tätigkeiten verstanden wird, wird diese Lücke halt von anderen Anbietern gefüllt werden, z.B. Koranschulen.

          Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist es ja auch egal, ob z.B. Schwule oder Ehebrecherinnen gesteinigt werden oder nicht.

          Die Naturwissenschaft dürfte jedenfalls weder für ein pro noch ein contra in dieser Frage Argumente liefern. Somit ist die Beschäftigung damit allenfalls ein privates Hobby, wofür keinesfalls Steuergelder verschwendet werden sollten.

        • @ Adrian

          Nee, so meinte ich das nicht. Glücklicherweise hat djadmoros den Part übernommen.

        • „Eine Zivilisation steht und fällt mit ihrer Kultur.“

          Den Marxismus vom Kopf auf die Füße gestellt. 🙂

        • @ JC Denton

          Guter Punkt. Und vielleicht sind im Umkehrschluss Adrian & Co. Marxisten wider Willen, da sie den Stand der Produktivkräfte für den Garanten der Zivilisation und die Kultur für Privatvergnügen halten. 😀

        • ichichich schrieb mal wieder einen treffenden Beitrag:

          „Eine Zivilisation steht und fällt mit ihrer Kultur.
          Wenn die Kultur in der höheren Bildung keinen Platz mehr hat und die Universität nur noch als Ausbildungsstätte für komplexere angewandte Tätigkeiten verstanden wird, wird diese Lücke halt von anderen Anbietern gefüllt werden, z.B. Koranschulen.“

          ichichich ist offenbar ein Kultur-Marxist. 🙂
          Ich bin kein Kultur-Marxist, sondern Kultur-Anarchist, sehe das aber genauso.

          Da ich gerade nicht die Zeit habe zum x-sten mal eine ausführliche Begründung zu schreiben, warum die Geisteswissenschaften die kulturelle Moderne samt ihrer Errungenschaften wesentlich hervorgebracht haben und warum sie für den dauerhaften Fortbestand der kulturellen Moderne wichtig sind, verweise ich an dieser Stelle mal auf eine Diskussion in einem früheren Strang, in dem ich mehrere Beiträge dazu geschrieben hatte:

          https://allesevolution.wordpress.com/2015/09/19/selbermach-samstag-154-19-09-2015/

          Um was außerdem speziell die Sozialwissenschaften angeht, muss man wohl schon ziemlich hohl in der Birne sein, um nicht zu wissen, dass die Sozialwissenschaften unter anderem auch notwendig sind, um die empirischen Forschungsbestände und Theorien bereitzustellen, damit es einer modernen Gesellschaft ermöglicht wird, bezüglich aller gesellschaftlichen Bereiche soziale Probleme wissenschaftlich fundiert zu analysieren, auf fundierter Grundlage wünschenswerte gesellschaftliche Ziele zu bestimmen und Maßnahmen zur Problemlösung und Zielerreichung zu entwerfen und/oder zu verbessern.

          Ohne die Sozialwissenschaften (einschließlich Psychologie, die ich primär zu den Sozialwissenschaften zähle) gäbe es keine wissenschaftlichen Daten zu sozialen Phänomenen, niemand wäre dazu in der Lage sich wissenschaftlich fundiert eine Meinung über irgendein gesellschaftliches Thema – sei es bezüglich unserer Gesellschaft oder einer anderen oder sei es bezüglich internationaler soziologischer, politischer, ökonomischer etc. Verflechtungen – zu bilden, es könnten keine wissenschaftlich fundierten Vorschläge für politische Maßnahmen irgendeiner Art zu sozialen Phänomenen gemacht werden, weder Berufspolitiker, noch – was mir weitaus näher liegt – soziale Bewegungen, Gewerkschaften, außerparlamentarische Organisationen und Gruppen etc. – hätten irgendeine fundierte Basis an empirischen Datenbeständen und begründeten Theorien zum Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge zur Verfügung, jegliche politische Betätigung – ob parlamentarisch oder außerparlamentarisch – bezüglich komplexerer Themen müsste ohne fundierte Grundlage ins Blaue hinein erfolgen.

          Das hatte ich ja auch schon mehrfach erklärt, z.B. in diesem Beitrag:

          https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/16/gastartikel-leszek-und-die-soziologie/

          Dass moderne Gesellschaften nicht ohne die empirischen Forschungsbestände und Theorien der Sozialwissenschaften rational organisiert werden können und dass – noch darüber hinausgehend – die Anforderungen und Probleme einer globalen Weltgesellschaft ohne die Sozialwissenschaften nicht konstruktiv bewältigt werden können, ist ja nun eigentlich offensichtlich.

          Der Soziologe Anthony Giddens beschreibt z.B. die Funktionen der Soziologie folgendermaßen (vieles davon ist auch auf andere Sozialwissenschaften übertragbar):

          Was kann uns die Soziologie in unserem Leben nützen?
          Die Soziologie hat für unser Leben viele praktische Implikationen (…).

          – Gewahr-Werden kultureller Unterschiede:

          Zuerst gestattet uns die Soziologie, die soziale Welt aus einer Vielfalt kultureller Perspektiven zu sehen. Wenn wir ein adäquates Verständnis dafür erwerben, wie andere leben, dann vertiefen wir auch häufig unser Verständnis dafür, wie ihre Probleme beschaffen sind. Politische Strategien, die nicht auf einem aufgeklärten Bewusstsein der von ihnen betroffenen Lebensformen beruhen, haben wenig Aussicht auf Erfolg. So wird etwa ein weißer Sozialarbeiter, der in einer überwiegend schwarzen Gemeinschaft tätig ist, das Vertrauen der Mitglieder dieser Gemeinschaft nicht gewinnen, wenn er keine Sensibilität gegenüber den kulturellen Unterschieden entwickelt, die häufig Weiß und Schwarz trennen.

          – Bewertung der Auswirkung von Planungsstrategien:

          Zweitens liefert die soziologische Forschung praktische Unterstützung bei der Bewertung der Ergebnisse politischer Initiativen. Ein Programm praktischer Reformen kann sich einfach als ungeeignet erweisen, die Absichten jener, die es geplant haben, zu verwirklichen, oder kann eine Reihe inakzeptabler nicht-beabsichtigter Konsequenzen nach sich ziehen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zum Beispiel in den Städten vieler Länder große öffentlich finanzierte Wohnsiedlungen errichtet. Nach Absicht der Planer sollten diese den einkommensschwachen Gruppen aus Slumgebieten qualitativ hochstehende Wohnmöglichkeiten bieten; die Siedlungen verfügten auch über Einkaufsmöglichkeiten und andere infrastrukturelle Einrichtungen. Forschungen zeigen allerdings, dass viele der Personen, die aus ihren früheren Wohnungen in solche Neubauten gezogen sind, sich isoliert und unglücklich fühlen. Hochhäuser und Einkaufsstraßen verfielen oft sehr rasch und stellten Brutstätten für Überfälle und andere Gewaltverbrechen dar.

          – Selbsterkenntnis:

          Die Soziologie kann drittens – was vielleicht ihr wichtigster Beitrag ist – den gesellschaftlichen Gruppen Selbstaufklärung, ein vertieftes Selbstverständnis, zur Verfügung stellen. Je besser Leute über die Bedingungen ihres eigenen Handelns und über gesamtgesellschaftliche Prozesse Bescheid wissen, desto eher sind sie in der Lage, die Umstände ihres eigenen Lebens zu beeinflussen. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass sich die praktische Rolle der Soziologie darin erschöpft, Entscheidungsträgern – also mächtigen Gruppen – dabei zu helfen informierte Entscheidungen zu treffen. Man kann von den Mächtigen einer Gesellschaft nicht annehmen, dass sie stets die Interessen der weniger Mächtigen und Unterprivilegierten im Auge haben, wenn sie ihre politischen Entscheidungen treffen. Gruppen, die sich ein gewisses Ausmaß von Selbstaufklärung verschafft haben, können in wirksamer Weise auf die von Regierungsbeamten und anderen Behörden verfolgte Politik reagieren und können auch eigene politische Initiativen begründen. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker und soziale Bewegungen (…) sind Beispiele sozialer Gruppen, die direkt versucht haben, praktische Reformen herbeizuführen, und damit auch beträchtlichen Erfolg hatten.

          – Die Rolle des Soziologen in der Gesellschaft:

          Schließlich befassen sich viele Soziologen selbst direkt als Professionals mit praktischen Angelegenheiten. Wir finden ausgebildete Soziologen (…) in der Industrie, der Stadtplanung, der Sozialarbeit und der Personalentwicklung und in vielen anderen praktischen Aktivitäten.

          (aus: Anthony Giddens – Soziologie, 2. überarb. Auflage, Nausner & Nausner, 1999, S. 14 f.)

          Für bestimmte Naturwissenschaftler – die zwar noch nie in ein sozialwissenschaftliches Lehrbuch oder eine sozialwissenschaftliche Fachzeitschrift hingeschaut haben, aber sich erstaunlicherweise einbilden, sie könnten alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen und deren Relevanz beurteilen – sind freilich selbst solch einfache Erkenntnisse zu den Funktionen der Sozialwissenschaften schon zu schwierig, liegen sie doch außerhalb ihres eigenen naturwissenschaftlichen Fachgebiets, auf das allein ihr rationales Denken sich beschränkt, während davon abgesehen solche Naturwissenschaftler – nicht alle – eher kindlich (magisch-egozentrisch) denken.

        • Sozialwissenschaften sind linke Kaderschmieden.

        • @ Leszek

          „ichichich ist offenbar ein Kultur-Marxist.“

          Ich halte es ein wenig mit Yanis Varoufakis, für den Marx als Ökonom genauso wichtig ist wie Keynes oder auch Hayek, Mises, Friedman. Ich denke, man versteht den Kapitalismus nicht, wenn man sich parteilich auf eine Seite schlägt, also muss man eklektisch sein.

          Beim Zustand der deutschen Linken im Großen und Ganzen finde ich (leider?) derzeit mehr theoretische Anknüpfungspunkte im rechtskonservativen Spektrum, was die kulturelle Identität und die Haltung zum politischen Islam betrifft. Ausnahme im linken Spektrum – Slavoj Zizek. – obwohl ´der ja inzwischen auch schon als Krypto-Fascho gilt. 😦

        • @ ichichich

          Hartmut Krauss fandest du doch auch gut bzw. hast du mir ursprünglich empfohlen (guter Hinweis von dir).
          Liest du manchmal Texte von der GAM-Homepage?

          http://www.gam-online.de/

          Ich finde die oft lesenswert.

        • @ Leszek

          Hartmut Krauss finde ich natürlich immer noch gut. Aber der wird ja auch angefeindet, ich glaube auch mal von irgendeiner DKP-Gruppe (?) mit Boykottaufrufen überzogen?

          Wobei ich generell Video-Vorträge z.B. Büchern vorziehe, da man die halt nebenbei konsumieren kann. Bücher manchmal zur Vertiefung – zum Islam finde ich die beiden Bücher (Mohammed-Biographie und Koran-Analyse) von Abdel-Samad als Argumentationsgrundlage am besten.

          Es nervt hier auch, dass jedesmal, wenn hier der Name Hartmut Krauss mit dem Hinweis, dass er Marxist ist, fällt, sofort der antimarxistische Reflex einiger hier einsetzt, die seiner Analyse sicher zustimmen würden, wenn er sich als Rechter/Liberaler o.ä. präsentieren würde.

          Auf der anderen Seite habe ich auch keine Lust mehr, dass mir in meinem linken („links“ in dem Sinne, wie man inzwischen auch die CDU zurechnen kann, haha) Freundes- und Bekanntenkreis reflexartig ausländerfeindliche Gesinnung unterstellt wird aufgrund von Religionskritik und Kritik an der Merkelschen Migrationspolitik.

          Das ist übrigens mehr ein deutsches als z.B. ein französisches Phänomen. Auch linke Franzosen sprechen den Elefanten im Raum an.

          Was hast Du denn in Deinem Umfeld z.B. mit Krauss, Abdel-Samad o.ä. für Erfahrungen gemacht? Du hattest doch auch schon wegen der Feminismuskritik Anfeindungen erlebt?

          Das würde mich wirklich interessieren, ich selbst bin ja nur ein (Hobby-)theoretiker und kein Aktivist. 🙂

        • @ ichichich

          „ich glaube auch mal von irgendeiner DKP-Gruppe (?) mit Boykottaufrufen überzogen?“

          Wobei aber glücklicherweise die DKP innerhalb der zeitgenössischen Linken keinen nennenswerten Einfluss besitzt.

          Und auch die Antiimps, die ja zum Teil auch den orthodox-konservativen Islam sehr unkritisch sehen, sind in Deutschland m.E. nicht einflussreich.
          Wobei es bei den Antiimps schon z.T. seltsame Extremformen an Verblödung gibt:

          http://www.antiimperialista.org/de/node/5259

          Solche Antiimp-Extremspinner könnten allerdings ihre Vollversammlung fast in einer Telefonzelle abhalten, das sind winzige Kleingrüppchen ohne Einfluss, über die innerhalb der Linken fast jeder den Kopf schüttelt.

          Von denjenigen Strömungen innerhalb der Linken, die von ihren theoretischen Grundlagen her dem orthodox-konservativen Islam unkritisch gegenüberstehen, ist nur die politisch korrekte postmoderne linke Strömung m.E. wirklich einflussreich – eben weil sie von neoliberaler Seite und deren gekauften politischen Handlangern gefördert wird, weil sie deren Herrschafts- und Profitinteressen entgegenkommt.

          „Wobei ich generell Video-Vorträge z.B. Büchern vorziehe, da man die halt nebenbei konsumieren kann. Bücher manchmal zur Vertiefung – zum Islam finde ich die beiden Bücher (Mohammed-Biographie und Koran-Analyse) von Abdel-Samad als Argumentationsgrundlage am besten.“

          Die beiden Bücher finde ich auch lesenswert.

          „Auf der anderen Seite habe ich auch keine Lust mehr, dass mir in meinem linken („links“ in dem Sinne, wie man inzwischen auch die CDU zurechnen kann, haha) Freundes- und Bekanntenkreis reflexartig ausländerfeindliche Gesinnung unterstellt wird aufgrund von Religionskritik und Kritik an der Merkelschen Migrationspolitik.“

          Ich hatte hier mal eine Analyse über die meiner Ansicht nach wichtigsten Ursachen für die uninformierte und unkritische Haltung eines größeren Teils der zeitgenössischen Linken zum orthodoxen Islam geschrieben:

          https://allesevolution.wordpress.com/2016/09/17/selbermach-samstag-204-17-09-2016/#comment-262105

          „Das ist übrigens mehr ein deutsches als z.B. ein französisches Phänomen. Auch linke Franzosen sprechen den Elefanten im Raum an.“

          Schön zu hören, dass ein Teil der französischen Linken da schon weiter ist.

          „Was hast Du denn in Deinem Umfeld z.B. mit Krauss, Abdel-Samad o.ä. für Erfahrungen gemacht? Du hattest doch auch schon wegen der Feminismuskritik Anfeindungen erlebt?
          Das würde mich wirklich interessieren, ich selbst bin ja nur ein (Hobby-)theoretiker und kein Aktivist.“

          Bei manchen Leuten positive Erfahrungen, aber viele Linke in meinem Bekanntenkreis interessieren sich für das Thema einfach nicht.

          Da es eine libertär-sozialistische Kritik am kulturrelativistischen Multikulturalismus gibt:

          http://internationalworkersassociation.blogspot.de/2011/02/multikulturalismus-diversitat-und.html

          ist es aber grundsätzlich schon möglich reaktionäre und menschenrechtswidrige Werte, Normen und Traditionen anderer Kulturen zu kritisieren.

          https://allesevolution.wordpress.com/2016/09/17/selbermach-samstag-204-17-09-2016/#comment-262105

          Und auch auf die klassische libertär-sozialistische Religionskritik kann hierbei Bezug genommen werden.

          Trotzdem ist der Einfluss der postmodernen Political Correctness leider auch am libertären Sozialismus nicht völlig spurlos vorbeigegangen, man kann also auch dort u.U. uninformierten Personen mit PC-Einstellungen begegnen.

        • Der letzte Link – ist der gleiche, wie weiter oben – sollte da eigentlich nicht hin, ich war wohl gerade etwas abgelenkt.

        • Und auch auf die klassische libertär-sozialistische Religionskritik kann hierbei Bezug genommen werden.

          Sag mal Leszek, was soll das sein, libertär-sozialistisch? Ist das eine Umschreibung für anarchistische Gruppen? Oder schlicht eine Umschreibung für sozialistische Gruppen, die sich gegen Lenins Konzept der straff organisierten Kaderpartei, der autoritären Führung durch eine Partei von Berufsrevolutionären ausspricht?
          Ich halte die Verwendung des Adjektivs „libertär“ in Verbindung mit „sozialistisch“ für paradox und irreführend, da Libertarismus und seine Vergötterung des Eigentums nun wahrlich nichts, aber auch gar nichts mit Sozialismus (in welcher Form auch immer) tun hat.

        • @ Pjotr

          „Sag mal Leszek, was soll das sein, libertär-sozialistisch? Ist das eine Umschreibung für anarchistische Gruppen? Oder schlicht eine Umschreibung für sozialistische Gruppen, die sich gegen Lenins Konzept der straff organisierten Kaderpartei, der autoritären Führung durch eine Partei von Berufsrevolutionären ausspricht?“

          Also, es gibt zwei Begriffsbedeutungen von „libertärer Sozialismus“, eine engere und eine umfassendere, die du der Tendenz nach schon beide richtig erkannt hast.

          Libertärer Sozialismus ist traditionell ein Synonym für anarchistischen Sozialismus und umfasst in dieser Bedeutung 1. alle Strömungen des Sozial-Anarchismus sowie 2. einige, aber nicht alle Strömungen des Individual-Anarchismus, nämlich jene individual-anarchistischen Strömungen, die begründet als sozialistisch klassifiziert werden können.

          Der Begriff libertärer Sozialismus als Synonym für anarchistischen Sozialismus ist schon sehr alt, der erste anarchistische Autor, bei dem diese Begriffsverwendung nachweisbar ist, ist der Anarcho-Kommunist Joseph Déjacque im Jahre 1857:

          https://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_D%C3%A9jacque

          Im Laufe der Zeit haben sich neben anarchistisch-sozialistischen Strömungen auch noch mehrere andere basisdemokratische und antiautoritäre sozialistische Strömungen herausgebildet, die nicht der anarchistischen Tradition entstammen und die z.T. andere theoretische Grundlagen haben, die aber in ihren Vorstellungen und Organisationsformen relativ „anarchismusnah“ sind wie z.B. der marxistische Rätekommunismus, der marxistische Operaismus, der unionistische Syndikalismus, die französische Gruppe Socialisme ou Barbarie und mehrere andere.

          Einige zeitgenössische anarchistische Theoretiker und hin und wieder auch einige Vertreter mancher dieser nicht-anarchistischen antiautoritären sozialistischen Strömungen haben daraufhin begonnen den Begriff libertärer Sozialismus in einer umfassenderen Bedeutung zu verwenden, so dass er dann alle Strömungen des antiautoritären, basisdemokratischen Sozialismus einschließt, egal ob anarchistisch, marxistisch, syndikalistisch oder etwas anderes.

          In diesem Sinne schrieb z.B. der Anarcho-Syndikalist Noam Chomsky:

          “Ich persönlich bin der Auffassung, dass die libertär-sozialistischen Konzepte – worunter ich eine ganze Bandbreite des Denkens verstehe, die vom linken Flügel des Marxismus bis zum Anarchismus reicht – im Großen und Ganzen richtig sind und die angemessene und organische Weiterentwicklung des klassischen Liberalismus für die heutige Ära der fortgeschrittenen Industriegesellschaft darstellen.
          Im Gegensatz hierzu scheinen mir die Ideologie des Staatssozialismus, dessen also, was am Ende aus dem Bolschewismus geworden ist, und die Ideologie des (…)Kapitalismus (…) antiquierte und höchst untaugliche Gesellschaftsmodelle zu sein, und meiner Ansicht nach resultiert eine Vielzahl unserer grundlegendsten Probleme aus der Tatsache, dass diese heute vorherrschenden Gesellschaftsformen mit der modernen Industriegesellschaft unvereinbar und für sie ungeeignet sind.“

          (aus: Noam Chomsky, Die Zukunft des Staates, Schwarzerfreitag, 2005, S. 9)

          Und auch der Wikipedia-Artikel „Libertarian Socialism“ verwendet die umfassendere Bedeutung und zählt anarchistische wie nicht- anarchistische Strömungen des antiautoritären Sozialismus unter den Begriff:

          https://en.wikipedia.org/wiki/Libertarian_socialism

          „Ich halte die Verwendung des Adjektivs „libertär“ in Verbindung mit „sozialistisch“ für paradox und irreführend, da Libertarismus und seine Vergötterung des Eigentums nun wahrlich nichts, aber auch gar nichts mit Sozialismus (in welcher Form auch immer) tun hat.“

          Die US-amerikanischen Radikal-Liberalen haben den Begriff „libertär“ in den 70er Jahren – also sehr viel später als die authentische sozialistische Begriffsverwendung – von uns libertären Sozialisten geklaut,

          https://en.wikipedia.org/wiki/Libertarianism#Etymology

          weil sie sich von gemäßigt liberalen Auffassungen absetzen wollten, einige dieser Radikal-Liberalen sprechen dabei ja auch von Anarcho-Kapitalismus.

          Dieser Begriffs-Diebstahl wird von uns libertären Sozialisten aber nicht anerkannt. 🙂
          Für uns sind diese Radikal-Liberalen also weder libertär, noch anarchistisch.

          Noam Chomsky schrieb über den sogenannten „Anarcho“-Kapitalismus treffenderweise:

          „Anarcho-capitalism, in my opinion, is a doctrinal system which, if ever implemented, would lead to forms of tyranny and oppression that have few counterparts in human history. There isn’t the slightest possibility that its (in my view, horrendous) ideas would be implemented, because they would quickly destroy any society that made this colossal error. The idea of „free contract“ between the potentate and his starving subject is a sick joke, perhaps worth some moments in an academic seminar exploring the consequences of (in my view, absurd) ideas, but nowhere else“.

          Dem würde ich zustimmen.

          Allerdings ist hier streng genommen doch noch eine kleine Differenzierung nötig, denn als sich im Laufe der letzten 30 Jahre dieser radikal-liberale sogenannte Libertarismus/Anarcho-Kapitalismus in Unterströmungen ausdifferenziert hat, hat sich interessanterweise auch ein linker Flügel herausgebildet, von dem einige, aber nicht alle Unterströmungen faktisch marktsozialistisch sind und dem libertär-sozialistischen Mutualismus und klassischen Individual-Anarchismus nahestehen oder sich sogar ausdrücklich auf diese beziehen:

          https://en.wikipedia.org/wiki/Left-wing_market_anarchism

          Und solche linken mutualistischen/klassisch-individual-anarchistischen/marktsozialistischen Unterströmungen des sogenannten Libertarismus – aber nur diese – können auch als libertär-sozialistisch klassifiziert werden.

        • Ohne Privateigentum keine Freiheit. Deshalb gibt es auch keine individualistischen, freien Gesellschaften ohne Privateigentum.
          Leszeks hypothetische Gesellschaftsform hat der Realität noch nie standgehalten.

        • @ Leszek

          Deiner verlinkten Analyse stimme ich im großen und ganzen zu (nicht jedem einzelnen Punkt, aber egal).

          Einen Aspekt möchte ich mal herausgreifen:

          „Vor allem erzeugen politisch rechts motivierte gewaltsame Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte innerhalb der Linken starke Abscheu. Auch dies kann bei Linken zu einer pauschalen Ablehnung von Islamkritik beitragen, insofern befürchtet wird, dass Islamkritik entsprechende Gewalttaten begünstigen könnte.“

          Solche rechtsmotivierten Angriffe gibt es zweifellos, auch solche, die nicht nur gegen unbewohnte Gebäude gerichtet sind, sondern Verletzungen und Tod zumindest in Kauf nehmen.

          Aber es gab mW seit dem Beginn der refuge*e crisis keine Todesopfer oder schwer Verletzten rechten Terrors.

          Das hört sich jetzt relativierend an, obwohl ich es vorsichtig formuliert habe, im Gegensatz zu den zynischen Ergüssen der Links-Twitteria und Staatspropagandasendungen wie heute-journal oder heute-show (eines davon ist AFAIK eine „Satire-Sendung“, ich weiß gerade nicht welche von beiden) im Tenor, es sei wahrscheinlicher für die Bevölkerung, an einer Fischgräte zu ersticken, als bei einem islamischen Terroranschlag getötet zu werden.

          Wenn jemand sagen würde, es sei für Fl**linge wahrscheinlicher, an einer Fischgräte zu ersticken als von einem Nazi ermordet zu werden, würde das sicher als unmenschliche Relativierung rechter Gewalt gelten.

          Dieses Messen mit zweierlei Maß in Kombination mit einer kaum verhohlenen Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern nicht-rechter Gewalt erzeugen sicher auch eine Abscheu gegenüber den Linksliberalen.

          In der neuen Rechten (z.B. „Identitäre“) sehe ich derzeit eher eine Ablehnung von Gewalt als Mittel, sei es aus echter Überzeugung oder aus strategischen Gründen, weil Bilder von brennenden Fl..lingsunterkünften ein Imageproblem für sie sind.

          Die linke Heuchelei, die u.a. dazu geführt hat, dass den Opfern der Kinderschänder von Rotherham Hilfe verweigert wurde, hat Slavoj Zizek schon intensiv aufgegriffen.

        • @ Leszek

          Deiner verlinkten Analyse stimme ich im großen und ganzen zu (nicht jedem einzelnen Punkt, aber egal).

          Einen Aspekt möchte ich mal herausgreifen:

          „Vor allem erzeugen politisch rechts motivierte gewaltsame Angriffe auf Fl*linge und F*htlingsunterkünfte innerhalb der Linken starke Abscheu. Auch dies kann bei Linken zu einer pauschalen Ablehnung von Islamkritik beitragen, insofern befürchtet wird, dass Islamkritik entsprechende Gewalttaten begünstigen könnte.“

          Solche rechtsmotivierten Angriffe gibt es zweifellos, auch solche, die nicht nur gegen unbewohnte Gebäude gerichtet sind, sondern Verletzungen und Tod zumindest in Kauf nehmen.

          Aber es gab mW seit dem Beginn der refuge*e crisis keine Todesopfer oder schwer Verletzten rechten Terrors.

          Das hört sich jetzt relativierend an, obwohl ich es vorsichtig formuliert habe, im Gegensatz zu den zynischen Ergüssen der Links-Twitteria und Staatspropagandasendungen wie heute-journal oder heute-show (eines davon ist AFAIK eine „Satire-Sendung“, ich weiß gerade nicht welche von beiden) im Tenor, es sei wahrscheinlicher für die Bevölkerung, an einer Fischgräte zu ersticken, als bei einem islamischen Terroranschlag getötet zu werden.

          Wenn jemand sagen würde, es sei für Fl**linge wahrscheinlicher, an einer Fischgräte zu ersticken als von einem Nazi ermordet zu werden, würde das sicher als unmenschliche Relativierung rechter Gewalt gelten.

          Dieses Messen mit zweierlei Maß in Kombination mit einer kaum verhohlenen Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern nicht-rechter Gewalt erzeugen sicher auch eine Abscheu gegenüber den Linksliberalen.

          In der neuen Rechten (z.B. „Identitäre“) sehe ich derzeit eher eine Ablehnung von Gewalt als Mittel, sei es aus echter Überzeugung oder aus strategischen Gründen, weil Bilder von brennenden Fl..lingsunterkünften ein Imageproblem für sie sind.

          Die linke Heuchelei, die u.a. dazu geführt hat, dass den Opfern der Kinderschänder von Rotherham Hilfe verweigert wurde, hat Slavoj Zizek schon intensiv aufgegriffen.

      • @JC Denton:
        Jetzt werde ich aber stinkig.
        Natuerlich liefern Naturwissenschaften Erklaerungen. Genetik? Physik? Chemie? Darfsnochabisserlmehrsein?
        Aber dass sie nicht erklaeren koennen, warum eine kleine Subpopulation auf einer kleinen Insel heute noch komische Klamotten traegt, ist warum nochmal wichtig?
        Koennen die Sozios das denn? Pack mal auf den Tisch.

        Welche validen Erklaerungen fuer irgendwas liefern denn die „Soziospinner“?
        Ich schraube meine Anforderungen sogar runter, muss ja nichtmal auf dem Niveau von Telefon oder Computer sein. *Irgendeine* valide Erklaerung reicht fuer den Anfang.

        Meiner „ueberlegenen Wissenschaft“ verdanke ich die Medizin, dank der ich noch lebe. Das Gebaeude, in dem, und den Computer an dem, ich arbeite. Das Internet-Dings, mit dem ich arbeite. Das Auto, mit dem ich zur Arbeit fahre; und die Strasse, auf der ich fahre. Das iPad, mit dem ich in meiner Kippenpause spiele. Etcetcetc.
        Mir faellt NICHTS ein, das ich den Geistes/Sozios zu verdanken haette.
        So, und jetzt kommst du.

        Ich finde es schon etwas armselig, dass du offenbar den Zusammenhang nicht erkennst.
        Noch mehr Derailing. Und nein, ich sehe keinerlei Zusammenhang. Und zwischen was bitte? Bitte darlegen.

        Dir ist aber hoffentlich auch klar, dass diese Vorsicht auch bei naturwissenschaftlichen oder statistischen Methoden angebracht ist, wenn sie soziale Fragestellungen betreffen?
        Das war genau meine Aussage.
        Und das macht die die Sozios jetzt genau wie relevanter?

        • @ Nullzone

          „Natuerlich liefern Naturwissenschaften Erklaerungen. Genetik? Physik? Chemie? “

          Habe ich nie bestritten.

          „Aber dass sie nicht erklaeren koennen, warum eine kleine Subpopulation auf einer kleinen Insel heute noch komische Klamotten traegt, ist warum nochmal wichtig?“

          Weil es die Grenzen ihrer Erklärungskraft aufzeigt.

          „Welche validen Erklaerungen fuer irgendwas liefern denn die „Soziospinner“?“

          „Mir faellt NICHTS ein, das ich den Geistes/Sozios zu verdanken haette.“

          Das überrascht mich nicht.

          „So, und jetzt kommst du.“

          Bildung.

          „Das war genau meine Aussage.“

          Nee, deine Aussage war „Statistik erklärt den Gender Pay Gap“.

    • @Nullzone:

      »Du arbeitest dich an einer schnell hingeschriebenen Erklaerung als Reaktion auf einen Strohmann ab? Ja mei, wenn’s schee macht…«

      Bloß dass alle Deine Statements »schnell hingeschrieben« wirken. Weil Du mal eben schnell und offenbar ohne längeres Nachdenken Behauptungen raushaust, die Du bei näherem Nachfragen gar nicht verteidigen kannst. Offenbar muss Soziologenbashing wunderschön machen, wenn Du es so gerne betreibst.

      @ddbz:

      Erklärung für den Schottenrock: die Unterscheidung zwischen Rock und Hose hatte über Jahrtausende hinweg nicht die geschlechtertrennende Bedeutung wie heute. Die römische Tunika wäre heute ein Kleidchen. Für ein eindeutig weibliches Kleidungsstück musste es schon bodenlang werden. Bis ins Rokoko sind die Männer in Seidenstrumpfhosen rumgelaufen. In Schottland ist schlicht die Bedeutungsverschiebung dieser Kleidungsstücke nicht angekommen, oder die Schotten wollten sie nicht mitmachen. Also ein Inbegriff von Gebrauchsgegenständen mit symbolischer Bedeutung.

      @Relevanz der Sozialwissenschaften?

      Die Erklärung praktisch jeder Merkmalsverteilung, die von (seriösen) Sozialstatistiken ausgespuckt wird. Die Kritik am Gender-Pay-Gap ist eine sozialwissenschaftliche. Klein und Diefenbach von Sciencefiles sind Sozialwissenschaftler (auch wenn ich deren Meinung des öfteren nicht teile). Ohne Sozialwissenschaften wäre die Kritik am Feminismus zu dumm, um ein Loch in den Schnee pissen!

  7. *Seufz* Ich haette auf den Schmarrn mit den Schotten gar nicht eingehen sollen…

    @crumar: Du arbeitest das Problem doch recht gut heraus.
    Wenn es schwierig bis unmoeglich ist, mit den mir zur Verfuegung stehenden experimentellen Mitteln gute, reproduzierbare, etc. Daten/Ergebnisse zu erarbeiten, dann ist es schon sehr gewagt, daraus irgendwelche Schlussfolgerungen – oder schlimmer: Absolutismen – abzuleiten.

    Und das sind dann ja noch die besseren Sozios, die zumindest irgendwelche Daten – egal wie schlechte Qualitaet – in der Hand haben, und daraus dann irgendwas zusammenspinnen.
    Die schlechten Sozios/Geistes-irgendwas denken sich halt einfach irgendetwas aus (wie Patriarchat oder Gender). Im besten Falle versuchen sie dann, Daten so hinzubiegen, dass es irgendwie passt. Im schlimmsten Falle pfeifen sie voellig auf Evidenz und ignorieren alles, was nicht in ihr Weltbild passt und/oder ihre Ideen widerlegt.

    D.h. Die Sozio/Geistes… Erklaerungen taugen nichts.

    • @ Nullzone

      „Wenn es schwierig bis unmoeglich ist, mit den mir zur Verfuegung stehenden experimentellen Mitteln gute, reproduzierbare, etc. Daten/Ergebnisse zu erarbeiten, dann ist es schon sehr gewagt, daraus irgendwelche Schlussfolgerungen – oder schlimmer: Absolutismen – abzuleiten.“

      Dir ist aber hoffentlich auch klar, dass diese Vorsicht auch bei naturwissenschaftlichen oder statistischen Methoden angebracht ist, wenn sie soziale Fragestellungen betreffen?

    • @Nullzone

      Du hast mich missverstanden:

      „Du arbeitest das Problem doch recht gut heraus.
      Wenn es schwierig bis unmoeglich ist, mit den mir zur Verfuegung stehenden experimentellen Mitteln gute, reproduzierbare, etc. Daten/Ergebnisse zu erarbeiten, dann ist es schon sehr gewagt, daraus irgendwelche Schlussfolgerungen – oder schlimmer: Absolutismen – abzuleiten.“

      Ich habe gesagt, dass es a. Sozialwissenschaftler *viel schwerer* haben als Naturwissenschaftler, weil die Ausgangsbedingungen (A0) eines *Experiments* nicht beliebig zu reproduzieren sind. Das bezog sich jedoch auf den Teil, in dem ich anführte, dass m.E. Natur- und Sozialwissenschaften eben NICHT unmittelbar zu vergleichen sind.
      Das Dogma der Naturwissenschaften ist, DASS sich A0 immer wieder herstellen lässt/lassen muss und ich habe aufgezeigt, dies sich WEGEN des Untersuchungsgegenstandes einer sich verändernden Gesellschaft eine solche Forderung m.E. ABSURD ist.
      Wenn „PVC“ so reagieren würde wie „Gesellschaft“ hätten Naturwissenschaftler ein Problem…

      Nichtsdestotrotz arbeitet z.B. empirische Sozialforschung mit Daten über eine Gesellschaft, die dir ebenfalls zur Verfügung stehen.
      Um so sauberer diese arbeitet, desto besser kannst du die Darstellung von bspw. Studien und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehen.
      Du musst dich allerdings auf ein Fachvokabular einlassen, das JEDE entwickelte Wissenschaft mit sich bringt.
      Ich habe noch NIE erlebt, das Sozialwissenschaftler die „Natuspinner“ dafür kritisiert haben, sich eingängig mit „Diffusion“ zu beschäftigen, weil der Begriff „irgendwie kompliziert“ klingt.
      Weil das gleichermaßen anmaßend und peinlich wäre.
      Anders herum ist das jedoch gängig und bei mir setzt dann fremdschämen ein.

      „Meiner „ueberlegenen Wissenschaft“ verdanke ich die Medizin, dank der ich noch lebe.“

      1. Und lustige Erkenntnisse, wie: Asbest ist ebenso wenig gesundheitsgefährdend wie Zigaretten, Tetraethylblei spitze, Contergan ungefährlich, die Atomkraft ist sicher, die Titanic unsinkbar und morgen gibt es die Pille für den Mann (bzw. GNU/Hurd).

      Nur wenn man historisch die „Kollateralschäden“ deiner Betrachtungsweise ausspart und sich mit einer gaaaaanz engen Scheuklappe versieht, gibt es Naturwissenschaften mit deinem „Reinheitsgebot“ (nein, ich bin übrigens kein Sozialwissenschaftler).

      2. Als Beispiel für die Grundlagen der Entwicklung von Software kann ich dir ein geisteswissenschaftliches Beispiel nennen: Logik und Philosophie haben als Grundlegung lange vor der allerersten Zeile Code existiert. Wenn Danisch als Informatiker die Philosophie abwertet, dann weiß er nicht, was er damit für die Untergrabung der eigenen Position tut.

      Auch beim nächsten Punkt hast du uns missverstanden: „Die schlechten Sozios/Geistes-irgendwas denken sich halt einfach irgendetwas aus (wie Patriarchat oder Gender). Im besten Falle versuchen sie dann, Daten so hinzubiegen, dass es irgendwie passt. Im schlimmsten Falle pfeifen sie voellig auf Evidenz und ignorieren alles, was nicht in ihr Weltbild passt und/oder ihre Ideen widerlegt.“

      Leszek sagt zu recht, es handelt sich nicht um die „schlechten Sozios/Geistes-irgendwas“, sondern um GAR KEINE Wissenschaftler.
      ER schlägt vor, alle Gender-Fächer zu evaluieren und alle nicht wissenschaftlich arbeitenden Menschen rauszuwerfen.
      Leszek hingegen IST Sozialwissenschaftler.

      Verstehst du, wie fundamental missverstanden du ihn hast?

      Du tust niemandem einen Gefallen, für den Genderismus alle Sozialwissenschaftler in Geiselhaft zu nehmen, denn der Genderismus wurde VON OBEN installiert.

      Frau Ministerin Schavan (CDU!!!) hat 150 Millionen Euro in die Hand genommen, um ihn möglich zu machen.
      An diesem Punkt klappt die gesamte links/rechts Einteilung nicht, wenn man sorgfältig hinschaut, was da politisch passiert ist.
      Alle eure Frontstellungen sind also falsch – sie sind wissenschaftlich falsch, sie sind politisch falsch und sie sind für uns schädlich.

      Gruß crumar

      • Sehr wichtige Punkte!

  8. passend zum Thema.

  9. @djadmoros: Ja, ich mag Soziologenbashing 😉
    Ansonsten hast du Recht: Das war alles sehr schnell waehrend der Arbeit rausgerotzt, eindeutig suboptimal. Werde ich mir in Zukunft zu verkneifen versuchen.
    Re: Sozio-Relevanz. Klein und Diefenbach sind das, was ich als statistisches Rauschen bezeichne. Zwei, die das serioes betreiben, in einem Meer von Unsinn. So gut sie sind, sie reissen die Zunft nicht raus.
    Weiss jetzt nicht mehr, ob das hier oder drueben war, also zur Sicherheit nochmal: mit serioesen Sozialwissenschaftlern (die haben den Namen dann auch verdient) habe ich ueberhaupt kein Problem. Aber soweit ich das uebersehen kann, sind die in der oeffentlichen Wahrnehmung ca. null praesent.

    @JC Denton :
    Und es ueberrascht mich nicht, dass du kein vernuenftiges Gegenbeispiel bringst. Ein hingeworfenes „Bildung“ reicht nicht. Erklaere das bitte, warum ich Bildung den Sozios zu verdanken haben soll.
    Ansonsten war meine intendierte Aussage sowohl „Statistik widerlegt den kolportierten Gender Pay Gap (tut sie ja auch)“ als konkretes Beispiel, als auch allgemeiner „Vorsicht sowohl mit den Daten, als auch – noch mehr – mit der Interpretation derselben.“

    @crumar: Wir haben nur aneinander vorbeigeredet. Ob ich das jetzt „schlechte“ oder „gar keine“ Wissenschaftler nenne, wir – und wohl auch Leszek – meinen das gleiche (meiner Meinung nach). „Gar keine“ ist natuerlich korrekt(er).
    Und „Leszek hingegen IST Sozialwissenschaftler“ merkt man, die olle Schwatzbacke 😉

    re: „Asbest ist ebenso wenig gesundheitsgefährdend wie Zigaretten“ etc.
    War das denn nach dem damaligen Stand sauber abgesichert? Oder faellt das eher unter „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefaellt“? Ich weiss es schlicht und einfach nicht, muesste mal recherchieren. Ersteres ist nicht schoen, aber akzeptabel. Zweiteres fiele klar unter „keine Wissenschaft“.

    re: „Logik und Philosophie fuer Informatik“. Schoen, da war mal was, und das ist sogar wichtig, ist aber lange her. Nur weil da frueher mal was relevantes war, heisst ja noch lange nicht, dass die Philosophie heute noch etwas brauchbares beizutragen hat. Oder haeltst du einen Verbaldiarrhoetiker wie z.B. Sloterdijk (der ist halt bekannt) fuer irgendwie relevant und/oder seine Ideen fuer irgendwie empirisch abgesichert?

    Und die Unwissenschaftlichkeit gibt’s doch auch in genug anderen „weichen“ Bereichen, nicht nur bei Gender. Mir faellt jetzt z.B. erstmal kein bekannter lebender Philosoph ein, der seine Absonderungen irgendwie begruenden koennte. Teile der Psychologie beziehen sich heute noch auf Freud & Jung, obwohl es ziemlich genau Null Evidenz fuer deren Ideen gibt. Oder Paedagogik, ist in weiten Teilen auch nur Spekulation ohne serioesen Unterbau.

    Ich habe Politik bzw. links/rechts gar nicht erwaehnt. Aber da sind wir uns einig, dass das Genderzeugs sehr stark von oben durchgedrueckt wird.

    Und damit kriegen wir ueber Leszek’s „ER schlägt vor, alle Gender-Fächer zu evaluieren und alle nicht wissenschaftlich arbeitenden Menschen rauszuwerfen.“ auch endlich wieder die Kurve zu Kutschera.
    Ich wuerde das andersrum machen: Erstmal alles rausschmeissen und dichtmachen. Bis dato ist die Evidenz fuer Wissenschaftlichkeit der Gender-Faecher doch eher nicht vorhanden (um’s mal milde auszudruecken). Stattdessen gibt es einen Berg an Evidenz fuer deren Un-/Anti-Wissenschaftlichkeit.
    DANN duerfen sie ankommen und darlegen, dass sie wissenschaftlich arbeiten. Die 3 oder 4, die dann uebrigbleiben, koennen wir gerne wieder einstellen.
    Oder haben die irgendwas, dass auch nur ansatzweise belegen koennte, dass das Genderzeugs nicht komplett un-/anti-wissenschaftlich ist?
    Falls nein, koennten wir die Unterhaltung auch mit einem „Recht hat er“ hier beenden. Soziobashing fuehre ich gerne in dem anderen Kommentarbereich bei „weniger Geld fuer Gender unter Trump“ weiter :p

    • Re: Sozio-Relevanz. Klein und Diefenbach sind das, was ich als statistisches Rauschen bezeichne. Zwei, die das serioes betreiben, in einem Meer von Unsinn.

      Die beiden sind auch ideologisch unterwegs, und zwar nicht zu knapp, wobei ich mich nur auf den Internetauftritt „science files“ beziehe. Ihre libertäre (Libertarismus) Ausrichtung trieft aus jeder Zeile, die da geschrieben steht.

    • „Mir faellt jetzt z.B. erstmal kein bekannter lebender Philosoph ein, der seine Absonderungen irgendwie begruenden koennte.“

      Aber ein toter Philosoph fällt Dir ein?

      Auseinandersetzungen in der Philosophie waren immer ein Kampf der Worte gegen die Worte, keine philosophische Theorie lässt sich experimentell beweisen oder widerlegen. Und doch gäbe es ohne die Philosophie keine moderne Naturwissenschaft, jede NW hat sich aus der Philosophie entwickelt.

      • „Aber ein toter Philosoph fällt Dir ein?“

        Nur ein toter Philosoph ist ein guter Philosoph!

    • @ Nullzone

      „Und es ueberrascht mich nicht, dass du kein vernuenftiges Gegenbeispiel bringst. Ein hingeworfenes „Bildung“ reicht nicht.“

      Hast du dir das Video nicht angesehen? Schade, ist nämlich ganz lustig und gleichzeitig äußerst lehrreich.

      „Erklaere das bitte, warum ich Bildung den Sozios zu verdanken haben soll.“

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass du in der Schule die Fächer Sozialkunde/Politik und Geschichte hattest (vielleicht auch Wirtschaft?). Gehört alles zu den Sozialwissenschaften.

      „Ansonsten war meine intendierte Aussage sowohl „Statistik widerlegt den kolportierten Gender Pay Gap (tut sie ja auch)“ als konkretes Beispiel, als auch allgemeiner „Vorsicht sowohl mit den Daten, als auch – noch mehr – mit der Interpretation derselben.““

      Statistik widerlegt den Gender Pay Gap nicht, sie erklärt ihn nur durch unterschiedliche Berufswahl usw. Ich habe nicht den Eindruck, dass du hinsichtlich dieser Erklärungen irgendwie skeptisch bist. Vielleicht ist ja doch das Patriarchat schuld?

    • „re: „Logik und Philosophie fuer Informatik“. … ist aber lange her. Nur weil da frueher mal was relevantes war, heisst ja noch lange nicht, dass die Philosophie heute noch etwas brauchbares beizutragen hat.“

      Die Folgerung ist korrekt. Die anvisierte Konklusion ist falsch.

      Nur ein Beispiel: Angewandte Ethik („applied ethics“). Just for the record: Angewandte Ethik ist Philosophie per excellence. Und die hat heute nichts Brauchbares mehr beizutragen? Aha.

      David Benatars Buch „Discrimination Against Men and Boys“ fällt fast vollständig in den Bereich der angewandten Ethik. Nicht brauchbar? Aha.

      Die angewandte Ethik beschäftigt sich auch mit den Prinzipien, nach denen selbstfahrende Autors gesteuert werden (sollen). Wie sollen sie reagieren, wenn ein Unfall unvermeidlich wird? (Frontal-Kollision – oder doch besser ausweichen und Oma plattfahren? Darf Dein selbstfahrendes Auto so programmiert sein, daß es bei einem Verkehrsunfall notfalls Dich umbringt, damit andere Verkehrsteilnehmer vor Verletzungen geschützt werden?) Auch nicht brauchbar? Aha.

      Vielleicht beschäftigst Du Dich erst mal ein paar Jahre mit den zukunftsweisenden Aspekten der angewandten Ethik, bevor Du über die Brauchbarkeit der Philosophie urteilst.

    • „Mir faellt jetzt z.B. erstmal kein bekannter lebender Philosoph ein, der seine Absonderungen irgendwie begruenden koennte.“

      Mir fallen ziemlich viele ein – hier nur ein paar deutsche: Wolfgang Künne, Andreas Kemmerling, Thomas Spitzley, Ralf Stoecker, Mark Textor, Benjamin Schnieder, Gerhard Schurz, Wolfgang Meggle, Wolfgang Spohn, und und und.

      Ach so, kennste alle nicht. Ja, warum denn nicht? Biste doof?

  10. Vielleicht können die Verfechter der Sozialwissenschaften ja mal darlegen, warum genau sie der Meinung sind, dass diese Fachrichtungen so wichtig sind, dass man sie öffentlich finanzieren müsste. Wo genau besteht der gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Mehrwert? Welchen Output können wir für unsere Investitionen erwarten?

    • Die Geisteswissenschaften waren schon immer dafür zuständig auszuloten, was möglich und denkbar sein könnte bzw. zu reflektieren, welche Konsequenzen (auch technische) Entwicklungen haben könnten oder sollten.
      Das man von zwei Geisteswissenschaftlern drei Antworten auf jede Frage bekommt ist kein Widerspruch, sondern ein Beleg dieser Aufgabe.

      Wofür es allerdings keinerlei Rechtfertigung mehr gibt, ist die Masse und dummen Studenten, denen an Unis in den Geisteswissenschaften ein kostspieliger Raum gegeben wird.
      Statt sich selbst zum intellektuellen Abfalleimer der höheren Bildungsstätten degradieren zu lassen, würden die Geisteswissenschaften besonders davon profitieren, eine strenge Bestenauslese vorzunehmen.
      Stell dir vor, alle Äußerungen aus den GW wären auf dem Niveau von djadmoros oder crumar. Niemand hätte ein Problem mit den Fächern, sondern Respekt.

      Da sie aber Tummelbecken von Idioten sind, haben sie ein berechtigtes Leumundsproblem.

      • „Die Geisteswissenschaften waren schon immer dafür zuständig auszuloten, was möglich und denkbar sein könnte bzw. zu reflektieren, welche Konsequenzen (auch technische) Entwicklungen haben könnten oder sollten.“

        Wir brauchen also ein kleines Elite von Menschen, die wir dafür bezahlen, damit sie sich über das Leben aller anderen den Kopf zerbrechen?

        • Nicht „aller anderen“.
          Ansonsten: Ja, genau.

  11. @only_me: Sehr schoen formuliert, Applaus.

    Nur dem ersten Teil kann ich nicht zustimmen:
    Dass man von zwei Geisteswissenschaftlern drei Antworten auf jede Frage bekommt ist kein Widerspruch, sondern ein Beleg dieser Aufgabe.
    Das Problem sind ja nicht die 3 Antworten, die gibt es ja in den Naturwissenschaften auch, wenn noch keine stabile Theorie vorliegt (z.B. „was genau bedeutet es denn jetzt, dass das Higg-Boson X GeV hat und nicht Y?“) .
    Meiner Meinung nach ist das echte Problem hier, dass die Geistes“wissenschaftler“ in diesem Fall absolut ueberzeugt sind, mit ihrer jeweiligen Meinung Recht zu haben, und evidence be damned.
    Also die haeufig nicht-existente Methodik dahinter. Wenn der Unterbau nicht passt, ist egal, ob ich meinen Unsinn eloquent darlegen kann oder nicht.

    Die Geisteswissenschaften waren schon immer dafür zuständig auszuloten, was möglich und denkbar sein könnte bzw. zu reflektieren, welche Konsequenzen (auch technische) Entwicklungen haben könnten oder sollten.
    Also wild ins Blaue zu spekulieren, und sich irgendwas auszudenken, um es mal boese umzuformulieren.
    Da nehme ich Adrian’s Frage: Warum sollen wir dafuer Steuergelder raushauen? SF-Autoren machen das auch, und werden i.d.R. nicht mit Millionen und Professuren ueberschuettet. Und sind meist noch angenehmer zu lesen 😉

    „welche Konsequenzen Entwicklungen haben *sollten*“ hat schon wieder diesen unguten Beigeschmack von „wir Besserwisser in unserem Elfenbeinturm muessen den Idioten da draussen erklaeren, wie es laufen soll. Und unsere Meinung ist die einzig richtige dazu.“
    Was man ja gerade bei Genderson’s Puppets sehr schoen beobachten kann.

    • @nullzone

      wie kommt es, dass du so konsistent daran scheiterst, auf den richtigen „Antworten“ Link zu klicken?

      Inhaltlich: Du hast Newton’s berühmten Spruch „If I have seen further, it is by standing on the shoulders of giants.“ nicht recht verarbeitet.

      Die Frage „Was KANN man eigentlich denken“ ist weit weniger trivial als du annimmst. Naturwissenschaftler suchen immer nur im Licht der Laterne, egal wo sie den Schlüssel verloren haben.
      Geisteswissenschaftler suchen auch im Dunkeln, mit natürlich deutlich geringerer Trefferquote. Finden dabei aber raus, wo der Schlüssel überhaupt sein könnte und wo es unmöglich ist, dass da der Schlüssel liegt.
      Das ist quasi Voraussetzung dafür, dass die Naturwissenschaftler sinnvoll entscheiden können, wo die nächsten Lampen installiert werden.

      Und falls dir das zu metaphorisch ist: Mein Softwaretechnikprofessor seinerzeit bezog sich in seiner Lehre u.a. auf Heidegger. Er selbst konnte klarer denken, weil ein anderer vor ihm bereits in die richtige Richtung gedacht hat.

      • „Das ist quasi Voraussetzung dafür, dass die Naturwissenschaftler sinnvoll entscheiden können, wo die nächsten Lampen installiert werden“

        Absurd.

        • Dass du das nicht verstehst, macht es noch nicht absurd.

        • Ich verstehe es nicht, weil Du wie ein religiöser Mensch nebulöse Phrasen drischst. Tust Du das deshalb, weil Du selbst weiß, dass da nichts Substanzielles ist?

        • Du verstehst das nicht, weil dein Weltbild hermetisch abgeschlossen ist. Es gibt keine „Phrasen“ die deine Grenzen sprengen könnten.

        • Ich gebe Dir doch die Chance, mir alles zu erklären.
          Deine Antwort ist: Geisteswissenschaften suchen den Schlüssel im Dunkeln.

          Ja, Wahnsinn. Das überzeugt mich jetzt ebenso wie der „Gottesbeweis“, dass man als Mensch Gott nicht beweisen könne, weil er außerhalb von allem existiert.

          Spinnerei.

        • „Ich gebe Dir doch die Chance“
          Das ist nett von dir.

        • Und es ist vielsagend, dass da nichts kommt.
          Und dafür willste jetzt von mir bezahlt werden?

        • Es ist vielsagend, dass du glaubst, ich würde meinen Samstag damit verbringen, auf ein arrogant borniertes „Ich lass dich ja reden, auch wenn ich nicht richtig zuhören werde“ zu reagieren.

          Wir kennen uns lange genug, um zu wissen, dass diese Diskussion zu nichts führt.

        • Ich höre zu, wenn Du mir Substanz lieferst. Auf Worthülsen und nebulöse Phrasen reagiere ich eher nicht.

          Was erwartest Du von mir? Dass ich begeistert bin und ausrufe: „Jetzt weiß ich, wozu Geisteswissenschaften gut sind. Sie suchen den Schlüssel im Dunkeln.“

          Danke! Danke! Danke! Das überzeugt mich total!

      • „Geisteswissenschaftler suchen auch im Dunkeln, mit natürlich deutlich geringerer Trefferquote.“

        Und was suchen sie?

        • Den Schlüssel.

        • Den Schlüssel zu was?

        • Den Schlüssel zum bisher Undenkbaren.

          Glaubst du etwa, du weißt schon alles? Glaubst du etwa, mit deinen Denkmodellen ließe sich die Welt vollständig erklären?

        • Die Schlüssel zum bisher Undenkbaren haben uns stets die Naturwissenschaften geliefert.

        • Falsch.
          Naturwissenschaftler haben immer dazu beigetragen, dass die Welt manipuliert werden kann. Sie haben nie dazu beigetragen, dass die Welt verstanden werden kann.
          Sinn und Bedeutung sind keine naturwissenschaftlichen Felder, für Menschen aber fundamental wichtig.

        • Naturwissenschaften haben erklärt, woraus die Erde besteht, wie sich Leben entwickelt hat, wie der Mensch entstanden is und wie er funktioniert.

          „Sinn und Bedeutung sind keine naturwissenschaftlichen Felder, für Menschen aber fundamental wichtig.“

          Sinn und Bedeutung von was?

        • „Sinn und Bedeutung von was?“
          Zum Beispiel der Gedanke von allgemeinen Menschenrechten und deine Überzeugung vom „Jeder ist frei zu tun, was er will, wenn er damit keinem anderen schadet“

          Du richtest dein *gesamtes* Leben danach aus.

          Ich kann dir sagen, auf welchem geisteswissenschaftlichem Boden du da stehst.
          Du kannst nicht sagen, auf welchem naturwissenschaftlichem Boden du da stehst. Dein fundamentales Lebensmantra hat keinen naturwissenschaftlichen Boden.

        • Ah. Na endlich wird er konkret.

          Fein. Jetzt müssen wir nur noch klären, wozu wir für das Entwickeln von Ideen menschlichen Umgangs eine von der Allgemeinheit finanzierte Elite benötigen.

        • Was haben Geisteswissenschaften denn bislang zum Verständnis der Welt beigetragen?

        • Alles. Selbst dein radikaler Individualismus ist auf geisteswissenschaftlichem Boden entstanden.

        • Ich habe ihn mir angenommenen, ohne dafür bezahlt zu werden.

        • „Ich habe ihn mir angenommen“
          Aber du hast ihn nicht erfunden. Du hast ihn nicht erdacht. Du hast ihn geklaut. Von Geisteswissenschaftlern.

        • „Geklaut“ 😁

          Eigentlich habe ich ihn mir selbst entwickelt. Das da vorher schon andere drauf gekommen sind, habe ich später gelesen.

        • Eigentlich habe ich ihn mir selbst entwickelt.

          🙂
          Das glaubst du ja selbst nicht. Oder lebst du in einem abgeschotteten dunklen Vakuum ? Und warum sprichst du deutsch? Selber erfunden?

        • Was ist daran denn so abwegig? Irgendein Mensch muss ja mal original auf den Gedanken gekommen sein. Warum sollte das nicht mehrmals unabhängig voneinander geschehen?

        • Das sind in der Tat spannende geisteswissenschaftliche Fragen.

        • Was ist daran denn so abwegig? Irgendein Mensch muss ja mal original auf den Gedanken gekommen sein. Warum sollte das nicht mehrmals unabhängig voneinander geschehen?

          Der besonders in den westlich geprägten Staaten häufig anzutreffende Individualismus beinhaltet wesentlich mehr als nur einen isolierten einzelnen Gedanken. Dass gerade Du, der sich individualistisch, konsumorientiert und hedonistisch darstellst und somit beinah idealtypisch das Klischee des schwulen Lifestyles verkörperst, so etwas behauptest, das ist schon witzig irgendwie (ich kenne dich nicht persönlich, also nehme ich nur Bezug auf deine mir bekannten Äusserungen hauptsächlich von diesem und deinem eigenen Blog),

          Stell Dir mal vor, so als Gedankenexperiment, Du wärst in, sagen wir mal dem Jemen geboren, aufgewachsen und sozialisiert worden. Und nun behaupte mal, Du wärst der gleiche hedonistisch-individualistische Adrian, den wir hier kennengelernt haben. Glaub ich nie und nimmer.

  12. @pjotr: Stimme ich sofort zu, dass Klein und Diefenbach in ihrem Blog ihre eigenen Ideen (vulgo: Ideologie) verbreiten. Ja und?
    Mir ging es allein um deren sozialwissenschaftliche Kompetenz. Z.B. hatte jede Zerlegung einer Studie/Umfrage, die ich dort gelesen habe, auf der methodischen Seite Hand und Fuss. Suche grade dort, sobald ich ein besonders gelungenes Beispiel finde, reiche ich es nach.
    Und gefunden, z.B. hier : http://www.sciencefiles.net/mythos-der-reprasentativitat/ Oder frischer, hier https://sciencefiles.org/2017/03/15/holzhammer-manipulation-von-der-schlafstoerung-zur-wahrnehmungsstoerung-mit-der-ard/
    Meine „samples“ sind diese: https://sciencefiles.org/category/junk-umfrage/

    • Ich habe absolut nichts gegen Blogs, die sich politisch eindeutig verorten und politisch unterwegs sind. Im Gegenteil, ich lese hauptsächlich solche Blogs. Ich hab aber was dagegen, wenn politische Überzeugungen als wissenschaftliche Tatsachen behauptet werden. Libertarian files wäre insofern der passende Name für den Blog science files. Etikettenschwindel.
      Der Mythos der Repräsentativität: Man lese das Einmaleins des Hypothesentests. Beantwortet alle Fragen.

  13. @ Leszek

    Deiner verlinkten Analyse stimme ich im großen und ganzen zu (nicht jedem einzelnen Punkt, aber egal).

    Einen Aspekt möchte ich mal herausgreifen:

    „Vor allem erzeugen politisch rechts motivierte gewaltsame Angriffe auf Fl*linge und F*htlingsunterkünfte innerhalb der Linken starke Abscheu. Auch dies kann bei Linken zu einer pauschalen Ablehnung von Islamkritik beitragen, insofern befürchtet wird, dass Islamkritik entsprechende Gewalttaten begünstigen könnte.“

    Solche rechtsmotivierten Angriffe gibt es zweifellos, auch solche, die nicht nur gegen unbewohnte Gebäude gerichtet sind, sondern Verletzungen und Tod zumindest in Kauf nehmen.

    Aber es gab mW seit dem Beginn der refuge*e crisis keine Todesopfer oder schwer Verletzten rechten Terrors.

    Das hört sich jetzt relativierend an, obwohl ich es vorsichtig formuliert habe, im Gegensatz zu den zynischen Ergüssen der Links-Twitteria und Staatspropagandasendungen wie heute-journal oder heute-show (eines davon ist AFAIK eine „Satire-Sendung“, ich weiß gerade nicht welche von beiden) im Tenor, es sei wahrscheinlicher für die Bevölkerung, an einer Fischgräte zu ersticken, als bei einem islamischen Terroranschlag getötet zu werden.

    Wenn jemand sagen würde, es sei für Fl**linge wahrscheinlicher, an einer Fischgräte zu ersticken als von einem Nazi ermordet zu werden, würde das sicher als unmenschliche Relativierung rechter Gewalt gelten.

    Dieses Messen mit zweierlei Maß in Kombination mit einer kaum verhohlenen Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern nicht-rechter Gewalt erzeugen sicher auch eine Abscheu gegenüber den Linksliberalen.

    In der neuen Rechten (z.B. „Identitäre“) sehe ich derzeit eher eine Ablehnung von Gewalt als Mittel, sei es aus echter Überzeugung oder aus strategischen Gründen, weil Bilder von brennenden Fl..lingsunterkünften ein Imageproblem für sie sind.

    Die linke Heuchelei, die u.a. dazu geführt hat, dass den Opfern der Kinderschänder von Rotherham Hilfe verweigert wurde, hat Slavoj Zizek schon intensiv aufgegriffen.

    • an falscher Stelle gepostet, kann gelöscht werden.


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