„Bros before hoes“

Vor kurzem kam in einem feministischen Text Kritik an „Bros before hoes“ (beste mir bekannte Übersetzung „Bruder vor Luder“), was ja letztendlich nur darauf abzielt, das man (gute) Freunde für das Leben hat und denen daher mehr Bedeutung zusprechen soll als insbesondere Frauen, mit denen man nur schlafen will oder ab denen man nur kurzzeitiges Interesse hat, es wird aber auch gerne allgemein auf Frauen angewendet.

Es ist insofern ein recht universeller Satz, der abgewandelt auch von Frauen verwendet wird, etwa als „Sisters before misters“ oder „Chicks before dicks“.

Bei Männern dürfte er sich eher eingebürgert haben, weil Männer eher bereit sind viel für Sex zu tun. Aber bei beiden Geschlechtern gibt es natürlich das Phänomen, dass man bei einer neuen Beziehung nichts mehr von einem Freund hört.

Was sagt ihr zu den Spruch? Gibt er eine gute Richtschnur?

Advertisements

27 Gedanken zu “„Bros before hoes“

  1. Es ist eine notwendige Beschwörungsformel, für die es kein Pendant bei Frauen gibt, weil es für Männer wesentlich untypischer ist, eine Aufmerksamkeitskonkurrenz mit ihren Freundinnen als Rumzickgrund zu haben.

    Frauen hören nicht so oft „MUSST du dich schon wieder mit d e r treffen? Da trinkt ihr doch eh nur Prosecco und kuckt schlechte Filme, die dein Romantikbarometer wieder vollkommen aus der Eichung bringen. Bleib lieber bei MIR“, also brauchen sie auch kein Ritual, sich dagegen zu wappnen.

  2. Das nächste Mal treffe ich mich lieber wieder wie dereinst mit meinen alten Existenzkomplizen, nennen wir sie mal spaßeshalber Bruno, Ewald und Hugo, am schrammigen Holztisch im Wirtshaus zum knallgrünen Huhn.
    «Hallo Hugo, hallo Ewald, hallo Bruno!» tönt es daher bald durch die Gasse. Doch da ist ja noch wer.
    Ächz, ein Persönchen.
    «Das ist Claudia», sagt Ewald im Ton verkrampfter Lockerheit, und ein kurzer Blick von ihm erzählt die ganze fade Story. Daß sie den ganzen Tag rumgenölt habe wegen heute abend, daß er dann gesagt habe: «Komm doch einfach mit!», worauf sie erwiderte: «Ihr wollt ja nur wieder Bier saufen!», daß sie dann mit ihrer Schwester telephoniert, daraufhin geweint, dann Bauchweh bekommen und sich in letzter Minute doch entschieden habe, mitzukommen.
    «Vier Hefeweizen und eine kleine Sprite!»
    «Wieviel trinkt ihr denn davon, wenn ihr euch trefft?» fragt die Mitgebrachte. «Och, so vier oder fünf können das schon werden», wird geantwortet. «Fünfmal 5 Mark 50, das sind ja 27 Mark 50 für jeden. Also, ich muß von elfhundert Mark im Monat leben bei 680 Mark kalt, ihr ja offenbar nicht», bemerkt die Stimmungskanone, worauf sie ihren von einem widerwärtigen roten Samtding zusammengehaltenen Pferdeschwanz öffnet und das widerwärtige rote Samtding mitten auf den Tisch legt. Ihre weiteren Ge- sprächsbeiträge lauten: «Kannst du deinen Rauch nicht mal in eine andere Richtung blasen?» und «Was bist du eigentlich für ein Sternzeichen?» Irgendwann fängt sie an zu heulen, weil der Hund ihrer Schwester vorige Woche gestorben ist, und um halb elf stellt sie fest, daß es schon halb elf sei und Ewald ganz furchtbar müde aussehe, worauf sie sich denselben krallt und zum Abschied in scherzhaft ironischem Ton meint, sie hoffe, uns nicht den Abend verdorben zu haben. «Aber nein», sagen wir und meinen das auch sehr ironisch.
    Bruno sagt: «Die tollsten Frauen laufen auf der Straße herum, aber die besten Freunde, die man hat, geraten immer an solche mißgünstigen Ranzteile.» Hugo weiß noch mehr: «Unseren Ewald sehen wir so bald nicht wieder. Der wird für Jahre in der Ranzschnecke verschwinden. Besuchen ist auch nicht drin. Sie würde es ihm selbstverständlich erlauben, aber wenn wir dann mal kämen, würde sie mit einer Wolldecke auf dem Sofa liegen und die Bürde unserer Anwesenheit als qualvoll lächelnde Märtyrerin geduldig ertra- gen. Sollte unser Gespräch trotz allem mal ein bißchen in Fahrt kommen, dann würde es bald unter der Wolldecke hervortönen: ‹Ewald, ich hab so kalte Hände. Kannst du sie mir nicht ein bißchen warmrubbeln?› oder ‹Ich will euch nicht hetzen, aber kannst du mir sagen, wie lange ihr ungefähr noch braucht? Nur ganz ungefähr.› Und dann dieser übertriebene Fruchtgestank überall von diesen Produkten aus dem Body Shop.» Ich weiß zu ergänzen: «Sie wird ihn zuschleimen mit Elton-John-Songs und Astrologie, wird ihn einspinnen in einen Kokon aus esoterischem Wirrwarr und hausfraulichem Quatsch, wird die ganze Bude vollstellen mit Schälchen, in denen kleine Perlen sind und verstaubte Blumenblätter und die widerwärtigen Samtdinger für den Pferdeschwanz, und bald wird er auch einen Pferdeschwanz haben, zusammengehalten von der männlichen Variante, einem widerwärtigen Frotteeding.»
    Aus Sorge um den armen Ewald trinken Hugo, Bruno und ich noch ganz viel, machen sogar noch ein Woanders- hin-Walking.

    (Max Goldt)

    So rum ist normal. Mit vertauschten Rollen quasi undenkbar.

    • Ist aber auch ein Beispiel für ein extrem devotes Verhalten des Mannes. Ich selbst hab mich nie von so etwas beschränken lassen, deswegen hatten meine Partnerinnen auch immer verdammt viel Respekt vor mir. Partnerinnen hab ich auch nie zu Männerabenden mitgenommen – ich hab das genauso getrennt wie ich Freizeit und Arbeit trenne – konsequent.

      • @nur_so:

        Die Alte muss wohl eine Wucht im Bett sein, sonst gäbe es keinen Grund mit sowas eine Beziehung einzugehen.

        Zum Thema so rum ist normal:
        Eine Freundin von mir hatte mal einen Freund, der sie nicht alleine weggehen lassen wollte, weil die beiden gehörten ja jetzt zusammen und wenn sie dann alleine (mit Freundinnen!) unterwegs wäre, wären da nur andere Typen, die sie anmachen würden etc.
        Also war der Kerl als einziger bei jedem Treffen mit Freundinnen dabei, hat fast nie einen Ton gesagt abgesehen von folgenden:

        „Wann seit ihr denn mal fertig?“
        „Schatz können wir los?“
        „Warum trefft ihr euch so oft, wenn ihr sowieso nur immer über das Gleiche redet?“
        „Mir ist langweilig, habt ihr keine spannenderen Themen?“

        Also ich kenne das nur so rum 😉

        • „Zum Thema so rum ist normal:“

          Ob das Argument „Männer sind größer als Frauen“ — „Das STIMMT NICHT! Ich kenne eine, die ist 1.85m groß“ jemals aussterben wird?

        • @only_me:

          es wurde ein Beispiel gebracht, ich habe ein Gegenbeispiel gebracht, warum sollte eines jetzt aussagekräftiger sein als das andere.
          Im Gegensatz zur Körpergröße gibt es über dieses Phänomen keine aussagekräftigen Statistiken…

        • „es wurde ein Beispiel gebracht, ich habe ein Gegenbeispiel gebracht“

          Da ist ein wichtiges Detail durch deine Finger gerutscht.

          Deins ist ein bloßes Beispiel. Meins ist eine Geschichte.
          Ich hab sie mal auf einer Lesung von Max Goldt gehört – das Publikum erkannte sich flächendeckend wieder. Die Geschichte ist eine von Goldts besten, mit „gut“ in der Bedeutung von „stereotypisch wahr“.

          Aber wenn narratives Denken dir nicht liegt, nehmen wir doch diesen Artikel, in dem die Gründe besprochen werden. Der trockene Passus bezüglich des heutigen Themas ist
          „Another reason that men tend to lose friends after college or joining the workforce: marriage. A couple’s circle of friends shrinks to those who are most compatible with the couple. And men tend to hand over the role of „social director“ to their wives.“

          Du machst ja oben schon ganz deutlich, dass es dir an allem fehlt, den hervorgehobenen Satz zu verstehen. („Die Alte muss wohl eine Wucht im Bett sein, sonst gäbe es keinen Grund mit sowas eine Beziehung einzugehen.“)

          Vielleicht kannst du es aber als unverdaute Information einfach hinnehmen, dass Männer diese Tendenz voneinander wissen und deswegen eine Beschwörungsformel erfunden haben, um dem entgegenzuwirken?

      • @PfefferundSalz:
        „Partnerinnen hab ich auch nie zu Männerabenden mitgenommen – ich hab das genauso getrennt wie ich Freizeit und Arbeit trenne – konsequent.“

        Wenn man eine Beziehung hat und evtl. ein gemeinsames Leben verbringen möchte, trennst du deine Freundin und deine Freundschaften mit anderen? Finde ich persönlich sehr merkwürdig.

        • @Miria
          Ich lasse Frauen nur bis zu einen gewissen Grad in mein Leben. Ich finde es unsinnig sich einem anderen Menschen komplett zu öffnen. Mag sein, dass dies nicht dem Mainstream entspricht, allerdings bin ich damit bisher sehr gut gefahren. Vor allem stellt sich kein Sicherheitsgefühl ein, was dazu führt, dass sich die Partner nicht gehen lassen und sich als „gegeben“ wahrnehmen.

        • @PfefferundSalz:
          “ Ich finde es unsinnig sich einem anderen Menschen komplett zu öffnen.“

          Klingt ein bisschen nach Bindungsangst….

        • @ Miria
          Nicht jeder mag es sich dem Partner mit Leib und Seele hinzugeben. Besonders wenn einem klar geworden ist, dass Beziehungen etwas endliches sind, etwas mit einem Anfang und mit einem Ende, sollte man es so handhaben, dass man auch wieder aus der Sache rauskommt ohne das Gefühl zu haben gleich sterben zu müssen.
          Ich beschreibe es als eine bestimmte Art der Abgeklärtheit, ich bin einfach zu pragmatisch und ehrlich für Selbstbetrug.

        • @PefferundSalz:

          Vielleicht sind wir hier charakterlich einfach zu verschieden, dass ich deine Sichtweise gar nicht nachvollziehen kann.

          Ich habe keine Beziehungen mit einem Ende (außer durch den Tod). Die Form einer Beziehung zueinander kann sich ändern, aber Freunde sind und bleiben immer da (im Übrigen ganz unabhängig vom Geschlecht).

  3. Frauen legen sich doch auch ordentlich ins Zeug, um Männern zu gefallen: Kleidung, Makeup etc.

    Solche Sprüche sind völlig harmlos und situativ. Kritik daran beruht auf Dämonisierung und Paranoia.

  4. An sich ist das ein guter Grundsatz, den man jedem Mann ans Herz legen kann. Meinem Eindruck nach wird der aber von viel zu wenigen befolgt, meist zu ihrem eigenen Nachteil.

  5. Freunde sind ewig, Frauen hingegen kommen und gehen. Allerdings braucht man erst einmal etwas Lebenserfahrung um das zu verstehen.

    • @PfefferundSalz:

      „Freunde sind ewig, Frauen hingegen kommen und gehen.“

      Ich glaube, das hängt nicht von der Lebenserfahrung, sondern eher vom Charakter eines Menschen ab, ob das so stimmt.

      Jeder Mensch, den ich einmal in meine Herz geschlossen habe, hat dort ewig seinen Platz und ist mir sehr wichtig. Egal, ob ich denjenigen als Freund oder Partner betrachte(te).

      • @Miria
        Vielleicht ist das eine Charakterfrage, vielleicht aber auch nur der berühmte Unterschied zwischen Männern und Frauen. Ich selbst verliere an Frauen schnell das Interesse sobald da nix mehr läuft und sich da keine Freundschaft entwickelt die abseits der vergangenen Beziehung existieren kann.

  6. Auch unter Freundinnen ist es eigentlich normal, dass man nicht in Streitigkeiten gerät wegen irgendwelcher Männer.
    Die Variante für Frauen war von uns aber eher weniger in der Hinsicht interpretiert, dass man aufpassen sollte, keine Zeit mehr für die Freundinnen zu haben, sondern dass man sich nicht um Männer streitet.
    Und die eine nichts mit dem Typen der anderen anfängt.

  7. Hallo Christian,

    ich lese regelmäßig Ihre sehr guten Beiträge.

    Könnten Sie bitte in Zukunft auf den Unterschied zwischen „das“ und „dass“ achten. Das würde einen entschieden besseren Eindruck machen. „Das“ und „dass“ werden in den Beiträgen immer wieder verwechselt.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    mfg Matthäus Huber

  8. Pingback: Warum ich „Dein Lied“ von Kraftklub positiver bewerte als Spreeblick – Geschlechterallerlei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s