Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. Februar 2017

Das Aussehen der Kanzlerin und Frauen in der Politik allgemein

Auf Bento bespricht man einen Dialog aus einer Talkshow:

Lanz: Und was würden Sie Angela Merkel jetzt optisch raten? Mir fällt immer auf, also Frauen, Frauen verändern sich ja so optisch in der Politik, dass du sie irgendwann ja gar nicht mehr als Frauen wahrnimmst.

Spreng: Also das kann ich jetzt nicht bestätigen.

Lanz: Das sagen auch Frauen in der Politik.

Spreng: Ich will da auch nicht drüber diskutieren. Entschuldigung, also über diesen speziellen Aspekt, dass ich sie nicht mehr als Frau wahrnehme. Natürlich ist sie eine Frau und viele Frauen fühlen sich von ihr repräsentiert.

Lanz: Das ist nicht mein Punkt. Es geht um die Wahrnehmung. Es geht um die Frage: Wie weit musst du dich zurücknehmen, um in diesem Männerbetrieb irgendwie dich da durchzusetzen. Das ist der Punkt.

Spreng: Ja, aber sie war ja nie die klassische Frau, sagen wir mal wie Frau Schwesig von der SPD, sondern sie war immer eine sehr kühle, rationale Frau, die sehr kühl und zurückgenommen Politik gemacht hat und diese angeblich weibliche Emotionalität gab es ja bei ihr nie, die man sonst vielen Frauen zuspricht. Insofern hat sie sich in dieser Beziehung, glaub ich, nicht verändert.

Lanz: Wobei ich oft denke, da gibt es auch noch eine andere Seite. Sie soll privat einen tollen Humor haben. Die Kanzlerin soll jemand sein, der sehr warmherzig ist. All das sind ja Dinge, die sich so vordergründig erst einmal nicht transportieren.

Lanz wollte – vermute ich mal –  über die These diskutieren, das Frauen als Frauen nicht erfolgreich sein könne, dass Weiblichkeit als Erfolgshindernis in diesem Patriarchat aufgebaut wird, dass man aber auch nicht zu männlich sein darf, weil man dann bei den Frauen nicht mehr als Ihresgleichen wahrgenommen wird. Er wollte also eine Zwickmühle für Frauen aufbauen, die man durchaus auch schon anderweitig gehört hat:

Eine Frau muss weiblich und sexy sein, sonst wird sie als hässlich wahrgenommen und als hart und lesbisch angesehen, aber wenn sie als zu weiblich angesehen wird, dann spricht man ihr die Kompetenz ab.

Das meine ich auch schon in diversen Artikeln gelesen zu haben. Hier hat es nicht geklappt und es wäre interessant zu analysieren warum. Liegt es daran, dass er ihr das Frau sein abgesprochen hat, was am konkreten Fall zu weit geht? Geht es darum, dass er Gegensätze aufgebaut hat, die beide negative Stereotype über Frauen enthalten? Oder darum, dass er Anforderungen an „Frausein“ aufstellt?

Bento schreibt:

Eine Frau hat also nach Ansicht von Lanz und Spreng Emotionen zu zeigen und immer zu lächeln, sonst agiert sie nicht klassisch weiblich? Man kann ja über die Frage diskutieren, wie von Männern geprägte Berufsfelder funktionieren und wie Frauen sich darin fühlen.

Aber: Wie wäre es, mit ihnen selbst darüber zu diskutieren?
Ganz abgesehen davon: Wie die äußere Erscheinung einer Frau hier zum Thema gemacht wird, ist erschreckend. Der einzige Mehrwert aus dieser Runde: Es zeigt, mit was für Absurditäten sich Frauen im Job immer noch auseinandersetzen – und welche Diskussionen sie sich gefallen lassen müssen.

Ob es um Angela Merkel geht oder irgendeine unbekannte andere Frau – Verhaltensweisen von Menschen sind unterschiedlich. Die Weiblichkeit einer Frau in Frage zu stellen, weil sie bei Pressekonferenzen nicht in Tränen ausbricht, ist weltfremd und erklärt wohl auch, warum überhaupt so wenige Frauen Lust haben, sich im Politikbetrieb zu engagieren.

Hier scheint mir der wesentliche Kritikpunkt zu sein, dass er es als Anfordernis an Merkel besprochen hat. Hätte er es als Druck dargestellt, der ungerechtfertigerweise auf Merkel ausgeübt wird, dann wäre er mit sonst gleichen Inhalt vielleicht besser weggekommen.

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Responses

  1. Bento würde sich nicht beschweren wenn eine Gruppe Frauen über alle möglichen Eigenschaften von irgendwelchen Männern diskutiert.

  2. Da hätte der Lanz ja sogar ein paar Anhaltspunkte.
    Die Killary ist auf dem Frauenboard gleich zweimal baden gegangen.
    Ich sag ja nicht gerne was gutes über Merkel, aber die Frauenkarte hat sie nie nötig gehabt (selber) zu spielen.
    Das natürlich das komplette Springer Frauenmagazinprogramm das für sie tut steht auf einem anderen Blatt. Stichwort Muttis Roulladen.
    Wo Männer human doings sind, und Merkel da schlecht angegriffen werden konnte, war sie halt ein human routing.

    • „die Frauenkarte hat sie nie nötig gehabt“

      Nein, sie war die Frauenkarte. Eigentlich ist ihre Karriere nur darurch zu erklären, dass es keine echten Politiker mehr gibt. Trump ist auch nur deswegen gewählt worden.

      Bernie Sanders hätte wiederum eine Frau sein müssen um zu gewinnen 😉 Autokraten braucht die Welt ….. …… …… ……. wirklich nicht.

  3. Das Aussehen von Politikern ist ein reines Frauenproblem. Niemand redet über Trumps Haare. Oder Hände. Oder Krawatten. Oder…

    • Aber Frauen sind besonders betroffen, weil… Narzissmus.

  4. Das ist ein schönes Beispiel für die gefühlten Wahrheiten im Feminismus. Nur über das Aussehen weiblicher Politiker würde geredet werden. Nichts ist falscher als das.

    Denkt man an Birne und seinen Gorbi-Pullunder zurück. Bei Scharping wurde sogar eine ganze Wahlkampfkampagne auf das Aussehen reduziert („Politik ohne Bart“). Schröder klagte sogar wegen Meinungsäußerungen zu den gefärbten Haaren. Haare bzw. der großzügige Geleinsatz waren auch immer Thema bei Guttenberg. Und überhaupt die Mode. Elmar Brok gilt als CDU-Fashion Victim im EU-Parlament, während Dobrint sich im wochenrythmus spöttische Kommentierung seines „extravaganten“ Anzuggesschmacks gefallen lassen muss. Anzüge? Auch großes Thema beim Tweed-Gauland. Und was bleibt übrig? Zottel-Hofreiter? Hasenscharten-Altmeier? Oder Best-Dressed Awardwinning Maas?

    Ganz aktuell: Udo Walz rät Martin Schulz den Bart anzurasieren, der würde ihn „älter machen“. Ach ja….Frauen haben es schon besonders schwer. Nur über ihr Erscheinungsbild wird getratscht und gespöttet. Sagen die Feministinnen.

    • Bei Eziehungsfragen wir immer der Begriff „Konsequenz“ hervorgehoben. Genau dasselbe erwartet das Schaf vom Schäfer, der Wähler vom Politiker.

      Konsequenz ist kein Hauptmerkmal von Weiblichkeit. (Sorry, es ist eben so)

  5. Der Bento-Text ist auch in einer ganzen Anlage seltsam. In ihm geht es nicht um irgendwelche bestimmten, konkreten Phänomene. Stattdessen geht es um Behauptungen im Dialog von Lanz und Spreng, in denene s wiederum darum geht, wie – angeblich – bestimmte Situationen allgemein bewertet würden.

    Anstatt diese pauschale, im Abstrakten bleibende Rede nun mit konkreten Beispielen zu überprüfen, dreht Katharina Hölter für Bento die Abstraktion einfach noch eine Runde weiter: Sie bewertet pauschal das Gespräch, in dem es pauschal darum geht, wie Frauen allgemein bewertet würden. Dieses Verdunsten im ganz Allgemeinen hindert sie dann natürlich nicht daran, eine konkrete Schlussfolgerung zu ziehen: Ein Gespräch wie das von Lanz und Spreng sei wohl der Grund, „warum überhaupt so wenige Frauen Lust haben, sich im Politikbetrieb zu engagieren.“

    Anstatt sich mit der Wirklichkeit zu befassen, geht es also darum, dass hier Leute darüber reden, wie andere Leute angeblich darüber reden, wie andere Leute sich angeblich mit der Wirklichkeit befassen würden. Das ist so selbstreferentiell, dass Hölter eigentlich gar keine andere Aussage mehr treffen kann als eine Aussage über sich selbst.

    Wie aber wäre es denn mal mit konkreten Beispielen? Wo wurden denn in letzte Zeit Politikerinnen vor allem nach ihrem Aussehen und Auftreten beurteilt? Trumps Hautfarbe, Frisur und Hände sind ja tatsächlich ein schlagendes Beispiel, aber der ist ja nunmal ein Mann. Ebenso wie Barack Obama, dessen Anhänger sein Charisma loben, seine Coolness, dem aber auch vorgeworfen wurde, zu distanziert zu sein.

    Das einzige Beispiel, das mit gerade einfällt und das eine Frau betrifft, ist Katja Suding, deren Erfolg von Jörg Rupp ja auf „Beine“ und „Titten“ reduziert wurde. Das aber war nun dummerweise eine FDP-Politikerin, die von einem Grünen angegriffen wurde.

    Das ist also das Problem mit den Verallgemeinerungen von Verallgemeienerungen, die Hölters Text ausmachen: Sie ist damit so selbstverständlich so weit von der sozialen und politischen Realität entfernt, dass sie praktisch alles behaupten kann.

    Dass solch ein zwanghaftes Schwimmen im eigenen Saft als gültige Analyse der politischen Realität verkauft wird, trägt in meinen Augen wesentlich zum dramatischen Ansehensverlust von Massenmedien bei.

    • „sei wohl der Grund, „warum überhaupt so wenige Frauen Lust haben, sich im Politikbetrieb zu engagieren.“

      Was vielleicht auch einfach dem Grund geschuldet ist, dass man dafür dringend einen Grund braucht. Denn es ist schwer eine Unterdrückung in einer Demokratie mit freien geheimen Wahlen aufrechtzuerhalten, in der Frauen die Mehrheit der Wähler stellt.
      Also benötigt man ein narrativ weswegen Frauen dennoch ausgebremst werden.

    • Es geht halt ausschließlich darum, sich selbst mittels Erheben des Zeigefingers als ganz toll „systemkritische“ Feministin zu markieren. Das Medium markiert sich gleich mit, indem es den Dünnpfiff abdruckt. Es gehört doch tatsächlich Mut dazu, sich derart lächerlich zu machen.

      Nach Inhalt (oder gar nach einer Begründung) darf man da nicht fragen. Der Trigger „Mann (Ü50!!) redet über das Aussehen einer Politikerin!!“ reicht völlig aus, um eine solche Bleiwüste an Tugendsignalisierungstiraden auszulösen.

      Gouvernantismus wäre wohl der passendere Begriff für diese soziale Distinktionsbewegung.

  6. Eine ähnliche Diskussion gab es vor ein paar Wochen zum Thema Frauen in der Wissenschaft.
    Dazu hatte ich gebloggt: https://auschfrei.wordpress.com/2017/02/07/actuallivingscientist-dresslikeawoman/

  7. Sachlichkeit und eine gewisse Distanziertheit ist ja bei Männern und Frauen nicht schlecht, gerade i.d. Politik.
    Sich nicht provozieren lassen, mit politischen Gegnern Kompromisse finden, für die Kameras lächeln…
    Manchen Männern und Frauen fällt das wohl leichter als anderen.

    Aber Lanz, ey. Hat immer die Finger im Gesicht und geriert sich als investigativ.


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