Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. Februar 2017

Selbermach Samstag 226 (18.02.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

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Responses

  1. Mein persönliches Rätsel des Tages: Warum sagen 30 von 30 Single-Frauen „Nein“ zu diesem Mann – einem hochgewachsenen schlanken Investmentbanker, der sich vernünftig anzieht und in einer Band spielt?

    http://www.rtl.de/cms/take-me-out-2017-30-koerbe-fuer-single-mann-dennis-4082324.html

    • Investmentbanker! Noch Fragen?

      • Dem stimme ich zu. Die Frauen dort stehen unter immensem virtue signalling Druck.

    • „Mein persönliches Rätsel des Tages: Warum sagen 30 von 30 Single-Frauen „Nein“ zu diesem Mann – einem hochgewachsenen schlanken Investmentbanker, der sich vernünftig anzieht und in einer Band spielt?“

      Warum scheuen sich manche Männer, extrem gutaussehende Frauen anzusprechen, aber nicht etwas weniger gutaussehende?

    • Ich vermute, er ist einfach zu „normal“, zu langweilig für die Sorte Ladies, die bei so einer Show mitmachen. Da tingelt die Gina nicht genug.
      Bei Durchschnittsfrauen sähe das Ergebnis vermutlich besser aus.

      • Ja, die Tussen die da mitmachen stehen sicher eher auf den Bad Boy, Typ saudischer Ölscheich der zur Not auch mal seine Gegner kalt macht, einfach weil er es kann.

        • denke auch, dass die nicht ganz repräsentativ für die weibliche Gesamtbevölkerung sind.
          Das ist aber auch eine Gefahr führ den suchenden jungen Single. Es wird in den Medien ein oft recht wenig attraktiver (nicht körperlich sexuell, sondern allgemein menschlich charakterlich attraktiv) Frauentyp, oder mehrere solcher als Normalfall dargestellt, so das man ein negatives Frauenbild bekommen kann, und nicht wahrnimmt, das es durchaus auch Andere gibt, die bei allen weiblichen Schwächen, doch durchaus brauchbar sein können, unter Umständen findet man ja sogar, gleich der Nadel im Heuhaufen eine, die wirklich Männer mag. Aber solche Frauen sind halt in den Medien wenig präsent. Auch wenn es zunächst ganz anders aussieht, sind diese ganzen in solchen Shows auftretenden Frauen letztendlich auch feministisch verkorkste, nur eben in eine anderen Weise verkorkst,

    • Lacht zu viel und zu… merkwürdig? Hätte aber auch nicht vermutet, dass er so schlecht ankommt. Von der Gestik Herr nicht wirklich maskulin? Mich würde interessieren, was Adrian von dem hält.

      • Gutaussehend, chamant, erfolgreich. Natürlich würde ich den sofort nehmen. Direkt auf der Bühne, wenn es sein muss.

    • Bin ehrlich gesagt fassungslos…

    • Meine These:

      die wollen den Typen alle haben. Aber jede Durchschnittsfrau weiß, dass das Zeigen von Interesse bei den Konkurrentinnen sofort den Jagdinstinkt wecken würde.
      Also machen sie alle auf gleichgültig – und lauern ihm vor dem Eingang auf 😀

      • guter Gedanke, stimmt

      • Hab schon etwas ähnliches gedacht. Vielleicht war er für die ersten 5 Frauen einfach nicht ihr Typ und dann dachten die anderen, mit dem muss was nicht stimmen.

  2. Das Blog „Genderwahn CH“ hat mal Klartext gesprochen und neben einem Zustandsbericht auch Handlungsempfehlungen gegeben, was man als Einzelner tun könnte:

    https://emannzer.wordpress.com/2017/02/18/genderwahn-zeit-zu-handeln/

    • „Lange Zeit haben wir, auch ich, geglaubt, dass die Kraft der Argumente ausreicht, um zur Gerechtigkeit zu finden. Dass die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft durch kräftige Argumente überzeugt werden und den männerhassenden Hysterie-Feminismus in die Schranken weisen.”“

      steht dort. Weil eins oft nicht erkannt wird (Außer von Schwulen wie Adrian ;-), oder klar sehenden Männern):

      Feminismus kann nur deshalb entstehen und so eine Ausbreitung erfahren, weil er genau nichts kulturell „künstlich “ aufgesetztes ist.
      Er hat seinen Erfolg, weil er nicht wider die Natur ist sondern im Gegenteil, er setzt genau an der tief im Reptilienhirn, in den Genen der Frauen verankerten Haltung von Frauen gegenüber Männern an.
      Ein irgendwie nur halbwegs erfolgreicher sozusagen spiegelsymetrischer Maskulinismus muss aus genau dem Grund scheitern. Er widerspricht dem tief genetisch verankerten Verhalten der Männer.

      Denn Mann und Frau wollen nur das eine, Das es der Frau gut gehe, das sie sich gut fühlt, dazu tut der Mann alles bis zur Selbstaufgabe.
      Umgekehrt tun das Frauen so selten, das es als was besonderes erscheint.
      Und er tut es gerne. Natürlich meldet sich dann irgendwann zaghaft auch das eigene Ego, wenn der Bogen überspannt wird.
      Aber ich mache mir keine Illusionen. Es werden einen wirklich schönen erfüllenden Umgang miteinander nur Männer und Frauen finden, die verhaltensmäßig eher an den Rändern der gausschen Normalverteilunskurve menschlichen Verhaltens angesiedelt sind. Vielleicht sehe ich das auch falsch als „Perverser“ aber ich kann mir nicht helfen, Normale Hetero-Männer geben objektiv betrachtet oft , nicht immer, aber doch oft kein sehr glückliches Bild ab.

      • Gut zusammengefasst.

        Die kollektive Hybris der Frau findet ihre Grenzen ausschließlich in den sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen.

      • @dr. caligari:

        »Ein irgendwie nur halbwegs erfolgreicher sozusagen spiegelsymetrischer Maskulinismus muss aus genau dem Grund scheitern. Er widerspricht dem tief genetisch verankerten Verhalten der Männer.«

        Wie ich finde, ein sehr wichtiges Grundsatzargument. Aber kein aussichtsloses. Männer haben seit je her die Organisationsform der »Gang«, der männlichen Bezugsgruppe. Ob das nun die Kriegsgemeinschaft ist oder die Mönchsgemeinschaft oder der Jagdausflug oder der Fußballabend oder der Stammtisch. Sie haben eine Gruppe, in der sie nicht auf Frauen bezogen sind.

        Und wenn wir schon von den Genen reden, dann möchte ich vermuten, dass das ebenso in den Genen disponiert wird. Natürlich arbeitet auch die männliche Jagdgruppe der Versorgung von Mutter-Kind-Dyaden zu. Aber währenddessen sind die Männer unter sich. Die Jagd- und Kriegsgruppen der Irokesen haben sich im Sommer bis zu einem Vierteljahr von der Dorfgemeinschaft abgesetzt.

        D.h. die moderne Abwertung männlicher »homosozialer« Organisationsformen ist etwas, das wir nicht mitmachen müssen. Und kann uns vor dem schützen, was crumar (kürzlich in seiner Beschreibung des MGTOW) sehr treffend die emotionale Hilflosigkeit des Mannes genannt hat.

        Und ganz nebenbei: Männer, die sich von ihren Weibern nicht alles bieten lassen, lassen sich auch von ihrer Regierung nicht alles bieten. Weil sie aufgehört haben, sich internalisierten Vater- und Mutter-Autoritäten zu unterwerfen.

        Denn das ist die letzte, fiese Wendung des autoritären Staates: nach dem Untergang des pater familias die staatliche Gewalt nicht mehr in Form des Übervaters zu modellieren, sondern in Form der Übermutter, die über eine Gesellschaft der »Mama-darf-ich?«-Männlichkeiten regiert.

  3. Interessanter Artikel über das Eltergeld als Mittelschichtsympthom mit dem Fokus auf Väter:

    http://www.spiegel.de/karriere/elterngeld-fuer-vaeter-die-mittelschicht-profitiert-geringverdiener-nicht-a-1134733.html

  4. Politisches Kabarett bald arbeitlos:

    Ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen erklingt diesmal der #Aufschrei der Woche: Sexismus-Vorwürfe gibt es nämlich gegen den nordrheinwestfälischen Integrationsminister Rainer Schmeltzer (SPD), der die CDU-Politikerin Serap Güler als „gut aussehende schwarzhaarige Dame“ bezeichnete. Prompt brandet Empörung und mit ihr eine neue Debatte auf: Darf der das?

    Regina van Dinther, frauenpolitische Sprecherin der Union, glaubt nicht, dass der das darf. Sie stellte eine Kleine Anfrage an die NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft: „Toleriert die Ministerpräsidentin das sexistische Verhalten ihres Ministers?“ Die Bewertung der äußeren Erscheinung von Serap Güler sei unerträglich. „Diese sexistische Rhetorik ist keine Bagatelle, sondern inakzeptabel“, so van Dinther. Anstatt Sexismus gesellschaftsfähig zu machen, müsse die Politik als Vorbild dienen.

    Schmeltzer reagierte mit einem öffentlichen Brief an Güler: „Zu meiner inhaltlichen Aussage stehe ich nach wie vor. Fühlen Sie sich jedoch durch meine Beschreibung Ihrer Person herabgewürdigt, entschuldige ich mich dafür in aller Form bei Ihnen.“ Güler erklärte, sie nehme die Entschuldigung nicht an.

    Auch die nordrhein-westfälische Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) und Altenas Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) hatten gegen Schmeltzers angeblichen Sexismus protestiert. Die nordrhein-westfälische FDP-Politikerin Susanne Schneider hingegen kommentierte die Show auf Facebook so: „Wenn das sexistisch sein soll, ist das ein Schlag ins Gesicht aller tatsächlichen #Sexismus-Opfer. Der weiblichen und der männlichen!“

    http://genderama.blogspot.de/2017/02/fdp-scheitert-mit-vorsto-gegen.html

    • Der SPD-Politiker hatte Güler bei einem Festakt als „gut aussehende schwarzhaarige“ Dame der Opposition bezeichnet, deren Pressemitteilungen „Gott sei Dank“ niemand abdrucke.

      Den zweiten Halbsatz finde ich fast noch interessanter. Weiß jemand, ob irgendwo ein längeres Zitat oder eine ausführlichere Beschreibung des Vorfalls zu finden ist?

      • Leider noch nicht gefunden, gibt nur die Darstellung mit dem „Gott sei Dank“ (fast alle) oder die vom Minister selber, die sich ganz anders liest.
        Sollte die Aussage mit dem „Gott Sei Dank“ korrekt sein, dann hat sich der Minister ein gewaltiges Ei gelegt, denn das liest sich dann „Sieht zwar gut aus, ist aber zu blöd für Politik“ Die Verknüpfung aus dem Äusseren mit der Politischen Unfähigkeit kann durchaus und sehr zwanglos sexistisch interpretiert werden.

        Ich glaube, hier jetzt einen überbordenden Feminismus zu verorten, wäre irgendwie wie bei Team Gina Lisa… Ein komplett untaugliches Objekt.

        • Das „Gott sei Dank“ hat sie vermutlich noch mehr gestört, hat aber wohl nicht gewagt, deswegen zu motzen.

          Ich persönlich finde das eine völlig normale Meinungsäußerung, die in der Politik Platz haben muss (um nicht zu sagen selbstverständlich bei niemandem Anstoß erregen sollte).

          Ist das Parlament etwa eine Wohlfühloase? Ein Kuschelverein? Die sollen sagen, was Sache ist und die Probleme lösen.

        • Hi
          Wie aus den Äusserungen von Frau Güler hervorgeht, ist ihr gerade der Zusammenhang besonders sauer aufgestossen.

          Aber simpel gesagt: Hätte er nur gesagt, dass die Pressemittelingen von Frau Güler Gottseidank niemand abdruckt… kein Problem
          Hätte er nur gesagt, dass Frau Güler gut aussieht… auch kein Problem… Die Kombination beider Aussagen ist das Problem.

      • Mit dem „Gott sei Dank“ muss ich die Aussage jetzt auch neu bewerten. Kasperletheater ist das trotzdem.

        • Nö, Wahlkampf 🙂
          Und dass es diesesmal einen von der SPD reisst… (und zwar mit viel mehr Berechtigung als damals den Brüderle) erfüllt mich doch mit einer gewissen diebischen Freude.

      • Ohne Details kann man eigentlich nichts bewerten. Hält Berufsempörte natürlich nicht vom Aufschrei ab…

      • Egal, ob sie nun gut oder nicht gut aussieht (ist ja auch Geschmackssacke), ihr Aussehen scheint ihr jedenfalls nicht geschadet zu haben. Laut Wikipedia war sie schon mit 32 Jahren im CDU-Bundesvorstand, der ist sonst fast nur mit Generation 50+ besetzt

  5. women and men are equal:

    http://watchdog.org/288534/cornell-caused-actual-harm-to-student-accused-of-sexual-assault/

    Tarlow: So I guess my question is, what has happened to this young man that’s a harm? The only harm that will come, just as your Honor pointed out in the other Doe case, is if he’s held responsible for doing something in violation of policy.

    Faughnan: I don’t know. Do you really think that’s the case, that a violation of his rights under this policy is only a harm if he ends up having some other harm?

    Faughnan and Tarlow then argued for some time about whether the investigator’s bias resulted in harm if John hadn’t been found responsible. Faughnan used an example of a professor using a racial epithet or expressing a thought that women shouldn’t be scientists, and asked Tarlow if the student would have to wait until grades came out to determine whether those statements were discriminatory.

    Gutes Beispiel. Auch sieht man mal wieder die typischer Kaltschnäuzigkeit der Title IX Mitarbeiterin gegenüber Männern.

  6. Ein m.E. interessantes (aber schon etwas älteres) Interview mit Lloyd deMause, einem Hauptvertreter der wissenschaftlichen Disziplin der Psychohistorie.

    Bei der Psychohistorie handelt es sich um eine Disziplin, die zwischen Psychoanalyse und Geschichtswissenschaft angesiedelt ist. M.E. ein guter Ansatz, nur z.T. etwas zu monokausal, Kirk dürfte es gefallen.

    Die Einseitigkeiten des Ansatzes ließen sich aber überwinden: Setzt man kulturpsychologische Disziplinen wie die Psychohistorie (oder auch die Ethnopsychoanalyse) in Beziehung
    a) zu den Forschungsergebnissen und Theorien der Entwicklungspsychologie in der Tradition Piagets und Kohlbergs sowie
    b) zu evolutionär-psychologischen Ansätzen im weitesten Sinne,
    so erhält man m.E. ein gutes umfassendes Modell zur Analyse der psychologischen Dimension soziokultureller und historischer Phänomene und Prozesse, welches 1. psychodynamische, 2. entwicklungspsychologische und 3. evolutionär-psychologische Aspekte einbeziehen und zueinander in Beziehung setzen kann.

    Ein paar Passagen aus dem Interview:

    Herr deMause, was ist Psychohistory?

    deMause: Psychohistorie ist die Wissenschaft historischer Motivationen. Die Forschungsarbeiten in meinem Journal of Psychohistory und die Kongresse der International Psychohistorical Assoviation haben sich während der vergangenen drei Jahrzehnte auf die Geschichte der Kindheit, auf Psychobiographien und Muster historischer Gruppenfantasien konzentriert. Gefragt wird nach dem „Warum“ von Geschichte.

    (…)

    Sie haben den Terrorismus besonders im Blick. Wo sehen Sie die Ursachen?

    deMause: In meinem Buch habe ich Dutzende von Aussagen von Terroristen, warum sie unschuldige Menschen umbringen wollten, analysiert und war überrascht darüber, wie selten sie politische Gründe nannten. Stattdessen sagten sie, sie müssten den Westen vernichten, weil Männer wie Frauen miteinander tanzten und sich küssten und unmoralisch verhielten. Da die meisten Islamisten schreckliche Kindheiten durchlebt hatten – einschließlich routinemäßige Vergewaltigungen oder Verstümmelung von Genitalien – reagierten sie als Heranwachsende, die westliche
    Freiheiten kennen lernten so, wie es die in ihren Gehirnen eingenisteten „bestrafenden Eltern“ verlangten: „Töte den vergnügungssüchtigen Ungläubigen!“

    (…)

    Sie haben sich lange mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit beschäftigt. Inwieweit sehen Sie für die heutigen Generationen noch Traumata?

    deMause: Meine Sicht von „Trauma“ in der Geschichte ist eigentlich die, dass der Missbrauch von Kindern und ihre Vernachlässigung die mächtigsten Ursachen für traumatischen Stress darstellen, nicht etwa das durch Bombardierungen oder Niederlagen hervorgerufene Trauma von Erwachsenen. Deutschland gelang das Wunder des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, aber das spektakulärste Wunder der Nachkriegszeit lag in der dramatischen Verbesserung der Kindererziehung durch die Eltern. Eure Großeltern vor dem Zweiten Weltkrieg wurden eng verschnürt, ihre Windeln selten gewechselt, voll mit Fäkalien und Urin wurden sie großgezogen, voller Ungeziefer, gewohnheitsmäßig verprügelt. Keinerlei Freiheiten wurden in der Familie gewährt. So ist es nachvollziehbar, dass sie, konfrontiert mit den neuen Herausforderungen und Freiheiten der Weimarer Republik, in ihren Köpfen die Stimmen der strafenden Eltern hörten, panische Angst
    bekamen und sich einem neuen autoritären Führer anschlossen, dass sie Juden und andere als „Ungeziefer“ bestraften und einen riesigen selbstdestruktiven Krieg begannen.

    (…)

    Abschließend: Nach 20 Jahren in New York kommen Sie im Oktober nach Deutschland. Sie hatten sich eigentlich vorgenommen, nicht mehr zu reisen. Warum tun Sie es jetzt doch?

    deMause: Weil ich vom Übersetzer meines neuen Buchs darum gebeten wurde. Ich habe Europa in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht besucht, weil niemand meine unangenehmen Entdeckungen hören wollte, die die emotionalen Ursachen von sozialen Problemen aufzeigen und sie dem Missbrauch in der Kindererziehung zuordnen. Im Besonderen meine Entdeckung, dass die Praktiken der Kindererziehung einer Evolution unterliegen und dass Kindheit in der gesamten Geschichte bis vor nicht allzu langer Zeit schrecklich und gewalttätig war, machte die Menschen unglücklich, und sie sagten: „Ich kann nicht einfach meinen Eltern die ganze Schuld für alles, was in der Gesellschaft falsch läuft, geben.“ Dass es keine Frage von „Schuld“ ist, ändert nichts: Man darf einfach keine Vorstellung von Müttern entwickeln, die sie anders als liebevoll darstellt (obwohl man manchmal über brutale Väter reden darf). Dass man jetzt in Österreich und Deutschland solche verbotenen Dinge von mir hören will, zeigt einen Fortschritt.

    https://www.zsi.at/attach/LloyddeMause_special.pdf

    • @ Leszek

      Du zitierst deMause wie folgt:

      „deMause: Meine Sicht von „Trauma“ in der Geschichte ist eigentlich die, dass der Missbrauch von Kindern und ihre Vernachlässigung die mächtigsten Ursachen für traumatischen Stress darstellen, nicht etwa das durch Bombardierungen oder Niederlagen hervorgerufene Trauma von Erwachsenen. Deutschland gelang das Wunder des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, aber das spektakulärste Wunder der Nachkriegszeit lag in der dramatischen Verbesserung der Kindererziehung durch die Eltern. Eure Großeltern vor dem Zweiten Weltkrieg wurden eng verschnürt, ihre Windeln selten gewechselt, voll mit Fäkalien und Urin wurden sie großgezogen, voller Ungeziefer, gewohnheitsmäßig verprügelt. Keinerlei Freiheiten wurden in der Familie gewährt. So ist es nachvollziehbar, dass sie, konfrontiert mit den neuen Herausforderungen und Freiheiten der Weimarer Republik, in ihren Köpfen die Stimmen der strafenden Eltern hörten, panische Angst
      bekamen und sich einem neuen autoritären Führer anschlossen, dass sie Juden und andere als „Ungeziefer“ bestraften und einen riesigen selbstdestruktiven Krieg begannen.“

      Das halte ich nun auch ziemlich für unterkomplex und ohne jegliche empirische Absicherung. Haben alle Nationen, die keinen Krieg angefangen haben und keine Juden umgebracht haben, keine voll geschissenen Windeln gehabt? Sorry, aber das finde ich lächerlich, den Typ kann ich nun wirklich nicht ernst nehmen.

      • @ Mark E. Smith

        „Das halte ich nun auch ziemlich für unterkomplex und ohne jegliche empirische Absicherung.“

        Dann solltest du eventuell mal in seine Bücher reinschauen. Er bringt stets viel historisches Material, um seine Theorien zu fundieren.

        „Haben alle Nationen, die keinen Krieg angefangen haben und keine Juden umgebracht haben, keine voll geschissenen Windeln gehabt?“

        Eines der Themenschwerpunkte der Vertreter der Psychohistorie ist die Geschichte der Kindheit.
        Sie erforschen die spezifischen Formen der Kindererziehung in bestimmten soziokulturellen und historischen Kontexten und entwickeln Theorien über den Zusammenhang von Kindererziehung und aus ähnlichen Sozialisationserfahrungen hervorgehende durchschnittliche psychologische Verfassungen – die sie als Psychoklassen bezeichnen – sowie historischen Phänomenen und Ereignissen.

        Bezüglich der durchschnittlichen Sozialisation in Deutschland vor und während der Weimarer Republik und während des Dritten Reiches ist Lloyd deMause der Ansicht, dass sich anhand des vorhandenen historischen Materials zeigen ließe, dass die Erziehung in Deutschland im Schnitt autoritärer und liebloser gewesen sei als in anderen europäischen Ländern.
        (Er spricht ja auch in dem Interview diesbezüglich von Gewalt und fehlender Freiheit in der Erziehung und nicht nur von Windeln.)

        „Sorry, aber das finde ich lächerlich, den Typ kann ich nun wirklich nicht ernst nehmen.“

        Dann würde ich empfehlen zuerst mal ein paar psycho-historische Texte einschließlich Belegen und Begründungen zu lesen.

        Mir ist deine tendenzielle Abneigung gegen psychologische Theorien ja bekannt, aber aus einem Interview lassen sich die Theorien der Psychohistorie natürlich nicht beurteilen.

        Das hier ist das in Deutschland bekannteste Werk der Psychohistorie:

        Lloyd DeMause (Hg.) – Hört ihr die Kinder weinen.
        Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit

        http://www.bol.de/shop/buecher/suchartikel/hoert_ihr_die_kinder_weinen/lloyd_demause/EAN9783518279397/ID2962299.html?jumpId=20559152&suchId=e9abc93c-4276-4f96-a8a8-570cf598c1c5

        Das Buch gilt als ein wissenschaftliches Standardwerk zur Geschichte der Kindheit in der westlichen Kultur und enthält mehrere Aufsätze von verschiedenen Psychohistorikern, die auf die jeweilige Kindererziehung in verschiedenen Epochen und Ländern spezialisiert sind, einschließlich eines m.E. sehr interessanten Einführungskapitels von Lloyd deMause selbst.

        • @Leszek

          Jetzt nur kurz überflogen, aber ich kenne zwar die Psychohistoriker nicht, aber ich kenne die Mentalitätsgeschichte, die wohl gewisse Anknüpfungspunkte mit der Psychohistorie hat.
          Ich bleibe dabei: M.E. hat Norbert Elias diese Dialektik von Psycho- und Soziogenese (also die Dialektik von Akteur und Struktur bzw. Gesellschaft) als erster am konsequentesten vorangetrieben und eben nicht unvermittelt, sondern vermittelt in Beziehung gesetzt. Psychogenetische und soziogenetische Prozesse sind nur analytisch getrennt, jedoch nicht in der Realität.
          https://www.orellfuessli.ch/shop/home/rubrikartikel/ID2929033.html?ProvID=10917751

          Man muss dem Psychologismus ein gewisses Korrektiv entgegensetzen, das heisst nicht das Primat der Gesellschaftswissenschaften wie Soziologie, Ökonomie oder Politikwissenschaft etc. zu propagieren, aber die Aussage von de Maus, hier quasi Kriege allein aufgrund von Erziehungspraktiken zu erklären, ist m.E. einfach idiotisch. 🙂

        • @ Mark E. Smith

          „Ich bleibe dabei: M.E. hat Norbert Elias diese Dialektik von Psycho- und Soziogenese (also die Dialektik von Akteur und Struktur bzw. Gesellschaft) als erster am konsequentesten vorangetrieben und eben nicht unvermittelt, sondern vermittelt in Beziehung gesetzt. Psychogenetische und soziogenetische Prozesse sind nur analytisch getrennt, jedoch nicht in der Realität.“

          Die Zivilisationstheorie von Norbert Elias und die Theorie der Evolution der Eltern-Kind-Beziehung von Lloyd deMause widersprechen sich ja nicht grundsätzlich, man kann potentiell Norbert Elias Zivilisationstheorie und Lloyd deMauses Theorie der Eltern-Kind-Evolution, die dieser in seinem m.E. sehr lesenswerten Artikel „Evolution der Kindheit“ in dem Buch „Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit“ darstellt, zueinander in Beziehung setzen und dadurch könnte Norbert Elias Theorie nochmal eine zusätzliche Fundierung hinsichtlich Forschungsergebnissen und Theorien zur Geschichte von Erziehungspraktiken und deren Auswirkungen erhalten und könnte hinsichtlich der psychogenetischen Aspekte weiter vertieft werden.

          Ähnlich hat ja z.B. auch der Soziologe Georg W. Oesterdiekhoff in seinem Buch „Zivilisation und Strukturgenese: Norbert Elias und Jean Piaget im Vergleich“

          http://www.bol.de/shop/buecher/suche/?sq=Zivilisation+und+Strukturgenese%3A+Norbert+Elias+und+Jean+Piaget+im+Vergleich&sswg=ANY&timestamp=1487522693677

          Elias Zivilisationstheorie noch einmal zusätzlich fundiert, indem er sie zu den empirischen Forschungsergebnissen der kulturvergleichenden kognitiven Entwicklungspsychologie in der Tradition von Jean Piaget in Beziehung gesetzt hat und empirisch begründet dargestellt hat, dass Modernisierungsprozesse in Perspektive der kognitiven Entwicklungspsychologie mit einer signifikanten Zunahme des formal-operationalen Denkens in der Bevölkerung als Resultat veränderter Sozialisations- und Bildungsbedingungen korrelieren.

          „Man muss dem Psychologismus ein gewisses Korrektiv entgegensetzen,“

          Das stimmt natürlich – und umgekehrt genauso.

          „aber die Aussage von de Maus, hier quasi Kriege allein aufgrund von Erziehungspraktiken zu erklären, ist m.E. einfach idiotisch.“

          Monokausale Erklärungen für komplexe gesellschaftliche bzw. historische Phänomene sind meistens falsch, die entscheidende Frage ist hier aber, ob eine monokausale Theorie nicht trotzdem potentiell einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung einer umfassenderen Theorie leisten kann.

          Kriege allein oder primär auf Grundlage von Erziehungspraktiken zu erklären mag unzureichend sein, aber die Annahme, dass neben weiteren wichtigen Faktoren auch bestimmte Erziehungspraktiken ein wichtiger Faktor sein können, der zur Entstehung von Kriegen beiträgt, kann trotzdem richtig sein.

          Des Weiteren hat die Psychohistorie m.E. den Vorteil, dass auch wenn man eine bestimmte psychohistorische Theorie zum Zusammenhang von Erziehungsformen und bestimmten historischen Ereignissen für falsch oder für zu einseitig hält, man beim Lesen eben trotzdem meist etwas Interessantes über Erziehungsgeschichte und Mentalitätsgeschichte gelernt hat.

        • @Leszek

          Lies doch mal die zwei Bücher:

          Anthony Giddens: Die Konstitution der Gesellschaft: Grundzüge einer Theorie der Strukturierung
          https://www.amazon.de/Die-Konstitution-Gesellschaft-Grundzüge-Strukturierung/dp/359334744X

          Uwe Schimank: Handeln und Strukturen: Einführung in die akteurtheoretische Soziologie
          https://www.amazon.de/Handeln-Strukturen-Einführung-akteurtheoretische-Grundlagentexte/dp/3779914875

        • @ Leszek und Mark E. Smith

          Was sind für euch die 5-10 wichtigsten Bücher, die man lesen muss, um die Welt zu verstehen?

        • @ JC Denton

          Die Auswahl müsste natürlich grösser als 5-10 Bücher sein, aber nun gut: Aber wie sieht es bei Dir aus und wie würdest Du Deine Auswahl begründen?

          Meine Auswahl:

          Berger & Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit

          Elias, Nobert: Über den Prozess der Zivilisation

          Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne

          Elias & Scotson: Etablierte und Außenseiter

          Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses

          Mills, Charles Wright: Die amerikanische Elite: Gesellschaft und Macht in den Vereinigten Staaten

          Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft

          Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede

          Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater

          Hobsbawm Eric: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

        • @ JC Denton

          Also eigentlich würde ich bei einer Beschränkung auf 5-10 Bücher nur Lehrbücher und Einführungsbücher zu verschiedenen Disziplinen nennen (Psychologie, Soziologie, Philosophie, Ethnologie usw.)
          Ich vermute aber, deine Frage bezog sich eher auf Bücher außerhalb der Kategorie von Lehrbüchern/Einführungsbüchern, denn nur solche aufzuzählen, wäre ja etwas langweilig.

          Also nenne ich ansonsten mal 10 Bücher (es gibt natürlich noch viele andere, die ich für wichtig halte.):

          Robert Kegan – Die Entwicklungsstufen des Selbst: Fortschritte und Krisen im menschlichen Leben

          Abraham Maslow – Motivation und Persönlichkeit

          Rudolf Rocker – Nationalismus und Kultur

          Murray Bookchin – Die Neugestaltung der Gesellschaft

          Pierre Clastres – Staatsfeinde

          Frans de Waal – Das Prinzip Empathie: Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können

          Michael Tomasello – Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens

          Ludwig Janus – Die Psychoanalyse der vorgeburtlichen Lebenszeit und der Geburt

          Georg W. Oesterdiekhoff – Kulturelle Bedingungen kognitiver Entwicklung: Der strukturgenetische Ansatz in der Soziologie

          John Rawls – Eine Theorie der Gerechtigkeit

          So, jetzt mach du auch mal, JC Denton.

        • »Was sind für euch die 5-10 wichtigsten Bücher, die man lesen muss, um die Welt zu verstehen?«

          Spannende Frage, da mache ich doch glatt ungefragt auch noch mit! 🙂

          Berger/Luckmann, Weber, Bourdieu und Mills kann ich dabei direkt von Mark übernehmen, Tomasello und Oesterdiekhoff von Leszek.

          Meine persönliche Bildungsbiographie ist am intensivsten von (in dieser Reihenfolge) Habermas, Weber und Bourdieu geprägt, wobei ich nicht empfehlen würde, nur einen davon als »Monokultur« zu lesen.

          Ansonsten bin ich der Meinung, dass man nicht genug historische Bücher lesen kann – Max Weber hat in dieser Hinsicht den unschätzbaren Vorteil, dass seine Soziologie universalhistorisch angelegt ist und (die Marxisten mögen mir verzeihen) gerade im Hinblick auf vorindustrielle Gesellschaften und hinsichtlich des doch nicht ganz einfachen Verhältnisses von »Basis« und »Überbau« einen viel genaueren Blick anlegt als der historische Materialismus.

        • „Spannende Frage, da mache ich doch glatt ungefragt auch noch mit!“

          Gerne.

        • Okay, Mark E. Smith und djadmoros nennen fast nur bekannte soziologische Literatur, während Leszeks Auswahl etwas abwechslungsreicher und obskurer ist. So in etwa habe ich das auch erwartet. 🙂

          Hier sind meine Top 10:
          Eric D. Beinhocker: The Origin of Wealth. The Radical Remaking of Economics and What it Means for Business and Society
          Richard Dawkins: Das egoistische Gen
          Richard Dawkins: Der Gotteswahn
          Jonathan Haidt: The Righteous Mind. Why Good People Are Divided by Politics and Religion
          Gerhard Meisenberg: In God´s Image? The Natural History of Intelligence and Ethics
          Ian Morris: Why the West Rules – For Now. The Patterns of History, and What They Reveal About the Future
          Georg W. Oesterdiekhoff & Heiner Rindermann: Kultur und Kognition. Die Beiträge von Psychometrie und Piaget-Psychologie zum Verständnis kultureller Unterschiede
          Steven Pinker: Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur
          Matt Ridley: The Origins of Virtue
          J. Philippe Rushton: Rasse, Evolution und Verhalten. Eine Theorie der Entwicklungsgeschichte

          Meine Liste beschränkt sich auf Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie im Laufe der Zeit noch ein paar Änderungen erfahren wird.

        • @JC Denton:

          Ich gebe zu, bei Dir hätte ich jetzt Hayek erwartet! 🙂

          Was ist der Vorzug von Rushton? Der ist ja ziemlich umstritten.

        • @ djadmoros

          Welche Schriften zum Thema Ethnopsychoanalyse hältst du für empfehlenswert?

          (Das Lehrbuch von Johannes Reichmayr habe ich.)

        • @ djadmoros

          Von Hayek habe ich nur „The Road to Serfdom“ und ein paar seiner zentralen Texte gelesen. Als Autor ist er natürlich nicht unwichtig, aber ich hatte ja nach Büchern gefragt.
          Rushton ist umstritten. Ja und? Sein Buch enthält Ausführungen zur Evolutionstheorie, Verhaltensgenetik, Persönlichkeitspsychologie, Soziobiologie, Intelligenzforschung und menschlicher Evolution. Selbst wenn man seiner „Theorie der Entwicklungsgeschichte“ nicht zustimmt, so kann man doch einiges von ihm lernen.

        • @Leszek:

          »Welche Schriften zum Thema Ethnopsychoanalyse hältst du für empfehlenswert?«

          Da ich mit dem Thema noch nicht durch bin, kann ich im Moment genau genommen nur die Frage beantworten: in welche Bücher setze ich mein Vertrauen? Neben Reichmayr sind das Mario Erdheim, Die gesellschaftliche Produktion von Unbewußtheit, Devereux‘ Realität und Traum und von Sudhir Kakar Kindheit und Gesellschaft in Indien sowie Kultur und Psyche Das von Dir empfohlene Psychoanalyse des Islam ist immer noch nicht erschienen. Ich möchte mir Indien und den islamischen Raum als Fallbeispiele vorknöpfen.

        • @JC Denton:

          »Selbst wenn man seiner „Theorie der Entwicklungsgeschichte“ nicht zustimmt, so kann man doch einiges von ihm lernen.«

          Ok, das war es, was ich wissen wollte.

        • @ djadmoros

          Danke.

          „Das von Dir empfohlene Psychoanalyse des Islam ist immer noch nicht erschienen.“

          Stimmt, ist jetzt laut Amazon, Bol etc. für Ende diesen Monats angekündigt.

          Der Verlag bringt außerdem auch noch ein weiteres Buch des Autors heraus, das für nächsten Monat angekündigt ist, dieses hier:

          http://www.bol.de/shop/home/mehrvonartikel/der_uebermuslim/fethi_benslama/EAN9783957573889/ID47950868.html?jumpId=21589332

      • @Leszek

        Was für empirische Untersuchungen hat er denn angestellt, dass er zur These kommt, dass in Deutschland im Unterschied zu allen anderen Ländern auf der Welt eine lieblosere Erziehung geherrscht hat. Und falls er solche empirische Untersuchungen angestellt hat, die z.B. in anderen Metastudien auch noch bestätigt wurden, dann wäre immer noch die Frage, wie will er nun eine Kausalität beweisen, dass die Erziehung etwas mit dem Krieg und der Judenvernichtung zu tun hat. Außer Korrelationen, die auch Scheinkorrelationen sein können, wird da vermutlich nicht viel da sein.
        Ich habe nix gegen Psychologie, nur denke ich, dass Psychologie nicht Gesellschaften adäquat erfassen und schon gar nicht Strukturdynamiken, weil sie vielfach vom Individuum ausgeht und vielfach nicht die Dialektik von Handlung und Struktur oder Akteur und Struktur erfasst.

        • @ Mark E. Smith

          „Was für empirische Untersuchungen hat er denn angestellt,“

          Die Psychohistoriker sind wie gesagt auf Geschichte der Kindheit spezialisiert. Sie bedienen sich dabei der in der Geschichtswissenschaft übliche Forschungsmethoden, zentrale Quellen sind also Zeitzeugnisse zum Thema Erziehung, z.B. zeitgenössische Berichte von Menschen über Erinnerungen an ihre Erziehung und Schulzeit oder Berichte von Eltern, wie sie ihre Kinder erzogen haben oder von Lehrern, wie sie mit Schülern umgegangen sind oder auch pädagogische Schriften der damaligen Zeit oder auch literarische Zeugnisse (Romane, Erzählungen etc.) – wobei die Psychohistoriker allerdings betonen, dass man literarische Zeugnisse nicht einfach so mit der damaligen gesellschaftliche Realität gleichsetzen dürfe, ein systematischer Vergleich würde oft zeigen, dass in literarischen Zeugnissen die Kindheit idealisiert würde, während die reale Erziehungssituation, wie sie in Primärquellen dargestellt wird, oft weitaus schlimmer war.

          „dass er zur These kommt, dass in Deutschland im Unterschied zu allen anderen Ländern auf der Welt eine lieblosere Erziehung geherrscht hat.“

          Die Psyhohistoriker sind im Allgemeinen der Ansicht, dass abgesehen von der Erziehung in manchen Jäger-und-Sammler-Gruppen und abgesehen von der Erziehung in größeren Teilen der kulturellen Moderne die Situation für Kinder in den meisten Ländern und geschichtlichen Epochen im Schnitt schlecht war, nur war sie in manchen Ländern/Epochen eben schlechter als in anderen.

          Lloyd deMause schrieb:

          „Die Geschichte der Kindheit ist ein Alptraum, aus dem wir gerade erst erwachen. Je weiter wir in die Geschichte zurückgehen, desto unzureichender wird die Pflege der Kinder, die Fürsorge für sie, und desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen, gequält und sexuell mißbraucht wurden. Wir wollen zusehen, wieviel von dieser Geschichte der Kindheit wir aufgrund der uns verbliebenen Zeugnisse rekonstruieren können.“

          (aus: Lloyd DeMause (Hg.) – Hört ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit, Suhrkamp, 1980, S. 12)

          „Und falls er solche empirische Untersuchungen angestellt hat, die z.B. in anderen Metastudien auch noch bestätigt wurden, dann wäre immer noch die Frage, wie will er nun eine Kausalität beweisen, dass die Erziehung etwas mit dem Krieg und der Judenvernichtung zu tun hat.“

          Wenn sich belegen ließe, dass besonders autoritäre Erziehungsformen in Deutschland dem dritten Reich vorausgingen, wäre dies ja zumindest eine für das Verständnis der psychologischen Dimension des historischen Geschehens nicht unwichtige Information. Es ist ja naheliegend aus solchen Korrelationen dann auch Hypothesen und Theorien zu entwickeln, deren Plausibilität dann anhand der Begründungen diskutiert werden können.

          „Außer Korrelationen, die auch Scheinkorrelationen sein können, wird da vermutlich nicht viel da sein.“

          Eine psychoanalytische orientierte Geschichtswissenschaft wie die Psychohistorie arbeitet natürlich zwangsläufig mit Deutungen und Interpretationen des historischen Geschehens, die sich nicht im Sinne experimenteller Studien überprüfen lassen. Wohl aber kann man versuchen, bei (psycho-)historischen Mustern, die man entdeckt oder entdeckt zu haben glaubt, zu überprüfen, ob und inwieweit sich diese auch bei ähnlichen historischen Ereignissen zeigen. Dass hierbei mit Deutungen und Interpretationen gearbeitet werden muss, deren Plausibilität anhand des historischen Materials begründet werden muss, macht die Sache nicht sinnlos. Auch soziologische Großtheorien oder evolutionär-psychologische Theorien zu adaptiven evolutionären Mechanismen können oft nicht experimentell überprüft werden, sondern müssen anhand ihrer Plausibilität in Bezug auf die vorhandenen Daten beurteilt werden. Die Frage ist also, ob die aus den Korrelationen abgeleiteten Theorien gut begründet sind oder nicht.

          Wenn es um den Ausbruch von Kriegen geht, untersuchen die Psychohistoriker z.B. die Äußerungen zu dem sich anbahnenden Konflikt in Zeitungen, bei Politikern und – so weit dies möglich ist – in vorhandenen Zeitzeugnissen der normalen Bevölkerung. (Das machen sie übrigens auch bezüglich Kriegen in der Gegenwart.) Hieraus wird dann versucht ein „Stimmungsbild“ vor den Kriegen zu rekonstruieren, es werden stets wiederkehrende Formulierungen, Metaphern und Darstellungsweisen herausgearbeitet, die in der jeweiligen Zeit verbreitet waren und diese werden dann mit der realen historischen Situation zwischen den Konfliktparteien verglichen.
          Die Psychohistoriker sind der Ansicht, dass die dargestellten (und offenbar auch oftmals so empfundenen) Bedrohungsszenarien oft mit der damaligen realen historischen Situation gar nicht im Einklang standen und sie versuchen dann Theorien über die tatsächlichen psychologischen Motivationen aufzustellen.

          Hierbei versuchen die Psychohistoriker auch vergleichend vorzugehen, d.h. sie versuchen zu prüfen, ob und inwieweit sich bestimmte (psycho-)historische Muster vor Kriegsausbrüchen in unterschiedlichen historischen Kontexten wiederholen.

          „Ich habe nix gegen Psychologie,“

          Du bist m.E. bezüglich deiner Präferenz für soziologische Erklärungen manchmal ähnlich einseitig wie manche Leute auf diesem Blog hinsichtlich ihrer Präferenz für evolutionär-psychologische Erklärungen, aber das finde ich nicht so schlimm, damit bietest du wenigstens ein gewisses Korrektiv zu den auf diesem Blog vorherrschenden Tendenzen. 🙂

          „nur denke ich, dass Psychologie nicht Gesellschaften adäquat erfassen und schon gar nicht Strukturdynamiken,“

          Also, die Psychohistoriker würden hier vermutlich einwenden, dass man ohne Einbeziehung auch der psychologischen Motivation solche Dinge ebenfalls nicht adäquat erfassen lassen.

          „weil sie vielfach vom Individuum ausgeht und vielfach nicht die Dialektik von Handlung und Struktur oder Akteur und Struktur erfasst.“

          Ich würde dir zustimmen, dass psychologische Theorien hier oftmals einen blinden Fleck haben und dass dies auch für die Psychistorie zutrifft, allerdings müsste man dies dann jeweils immer konkret anhand eines bestimmten Themas begründen.

          Vieles, was die Psychohistoriker über die Geschichte der Kindererziehung und Mentalitätsgeschichte usw. schreiben und manches, was sie über den Zusammenhang von psychologischen Motivationen und historischen Ereignissen sagen, scheint mir nämlich trotzdem richtig oder zumindest gut begründet zu sein, bei manchen Themen sehe ich es allerdings auch so, dass sie die Dialektik von Handlung und Struktur zu wenig berücksichtigen. Diese Perspektive kann man ja im Hinterkopf behalten, wenn man eine psychohistorische Schrift liest und sich dann Gedanken darüber machen, wo diese Kritik berechtigt ist und wo nicht.

        • @Leszek

          Einen habe ich noch von Chomsky der mal schrieb:

          „Um 1950 versuchten bedeutende Sozialwissenschaftler wie Margaret Mead zu erklären, warum die Russen in der UNO immer mit „Nein“ stimmten, währen die USA und alle anderen positiv votierten – da konnte doch etwas mit diesen Russen nicht stimmen. Die Sozialwissenschaftler entwickelten eine Theorie, der zufolge die negative Haltung der Russen sich daraus erklären ließ, dass sie den Säugling zu stramme Windeln anlegten, was zu Verstimmungen und in der UNO schließlich zu Nein-Stimmen führte. Wir nannten das damals übrigens Diaperologie – ‚Windelwissenschaft‘.“

        • @ Mark E. Smith

          Wobei man aber berücksichtigen sollte, dass
          1. Margared Mead keine Psychohistorikerin ist und die genannte Theorie in der Psychohistorie nie vertreten wurde und dass
          2. der Anarchosyndikalist Noam Chomsky mit dem Psychohistoriker Lloyd deMause (auch wenn er bestimmten Theorien von Lloyd deMause zum Zusammenhang von Erziehung und historischen Ereignissen wohl nicht zustimmen wird) hinsichtlich dessen Vorstellung von einer wünschenswerten freiheitlichen Erziehung sowie hinsichtlich dessen Ansicht zu den direkten negativen Auswirkungen autoritärer Erziehung auf die Psyche von Kindern sehr weitgehend übereinstimmt.
          Was ihre konkreten Einstellungen zur Erziehung angeht sind Chomsky und deMause nicht weit auseinander.

        • @ Leszek

          Setzt sich deMause auch mit der Verhaltensgenetik auseinander? Was sagt er zu der Erkenntnis, dass die Erziehung praktisch keinen Einfluss auf die Persönlichkeit des Menschen hat (siehe J. R. Harris: „Ist Erziehung sinnlos?“)?

        • @ JC Denton

          „Setzt sich deMause auch mit der Verhaltensgenetik auseinander?“

          Bin ich bisher jedenfalls noch nicht drauf gestoßen.

          „Was sagt er zu der Erkenntnis, dass die Erziehung praktisch keinen Einfluss auf die Persönlichkeit des Menschen hat (siehe J. R. Harris: „Ist Erziehung sinnlos?“)?“

          Ich besitze das Buch von Judith Rich Harris. Eine interessante Kritik an der Verhaltensgenetik findet sich übrigens in dem Buch von Richard C. Lewontin, Steven Rose und Leon J. Kamin – Die Gene sind es nicht …

          https://www.amazon.de/nicht-Biologie-Ideologie-menschliche-Demand/dp/3621270361/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1487513958&sr=1-1&keywords=die+gene+sind+es+nicht

          Also, angenommen Judith Rich Harris hätte im Wesentlichen mit ihrer Theorie Recht (in der Bindungstheorie wird ihr ja z.B. stark widersprochen), dann hätte dies trotzdem für einen großen Teil der Forschungen und Theorien der Psychohistorie wohl keine oder nur geringe Relevanz, denn vieles was die Psychohistoriker behandeln, bezieht sich ja auf soziokulturelle Kontexte, die von autoritärer Erziehung, Gewalt und/oder massiver Vernachlässigung geprägt waren/sind.

          Judith Rich Harris Theorie hätte, falls sie zutrifft, ja nur Relevanz für einigermaßen gesunde Erziehungskontexte, die keine zu starken negativen Einflüsse in der Psyche von Kindern hinterlassen, so dass sich genetische Dispositionen in persönlichkeitspsychologischer Hinsicht längerfristig ohne größere Hindernisse durchsetzen können.

          In Sozialisationskontexten, die von autoritärer Erziehung, Gewalt oder starker Vernachlässigung geprägt sind, hat Erziehung aber sicherlich dauerhafte Auswirkungen auf die Persönlichkeit.

          Nehmen wir mal als Beispiel zur Erläuterung mal die orthodox-konservativ-islamische Sozialisation.

          Hier ist ein Text zu diesem Thema von dem linken Sozialwissenschaftler Hartmut Krauss:

          Säkulare Risikogesellschaft und islamisch-patriarchalische
          Sozialisation. Ein Problemüberblick

          https://www.jochen-roemer.de/Gottes%20Warnung/Hintergrund/Archiv/Beitraege/%60S%C3%A4kulare%20Risikogesellschaft%20und%20islamisch-patriarchalische%20Sozialisation…%C2%B4%20-%20von%20Hartmut%20Krauss.pdf

          Und hier ein Text von dem „rechten“ Psychologen Nicolas Sennels (Sennels selbst verortet sich als linksliberal, unterstützt aber leider den rechten Flügel der Islamkritiker) der mehrere Jahre als Sozialarbeiter mit kriminellen Muslimen gearbeitet hat und sich in diesem Kontext auf das Thema spezialisiert hat:

          https://de.europenews.dk/Daenischer-Psychologe-Die-Integration-von-Muslimen-in-europaeischen-Gesellschaften-ist-nicht-moeglich-81104.html

          (Sennels ist hinsichtlich der Möglichkeit der Integration von Muslimen m.E. zu pessimistisch, da er meinem Eindruck nach dazu neigt seine beruflichen Erfahrungen mit besonders schwer integrierbaren Muslimen zu stark zu generalisieren. Nichtsdestotrotz hat er mit den einzelnen psychologischen Faktoren, die er nennt, welche seiner Ansicht nach konservativ-sozialisierten Muslimen die Integration in modernen Gesellschaften erschweren, m.E. Recht.
          Diese Faktoren sollte man kennen, und zwar auch dann, wenn man Sennels in anderen Punkten nicht zustimmt, denn ohne solche Kenntnisse ist eine vernünftige Integrationspolitik nicht möglich, daher lehne ich es ab seine Forschungsergebnisse zu ignorieren.)

          Wenn du dir die beiden Texte mal durchliest, dann wirst du wahrscheinlich feststellen, dass hier Sozialisationstheorien ein hohes Erklärungspotential haben und dass die Verhaltensgenetik hier ziemlich irrelevant ist.

          Autoritäre Sozialisationskontexte haben eben doch langfristige Auswirkungen auf die Persönlichkeit und die Theorie von Judith Rich Harris besitzt, selbst wenn sie auf freiheitlichere Sozialisationskontexte zutreffen sollte, bezüglich autoritärer Sozialisationskontexte kein ernsthaftes Erklärungspotential.

          Und dies gilt eben auch für unglaublich viele andere autoritäre Sozialisationskontexte, so dass Judith Rich Harris Theorie für einen großen Teil der Menschheitsgeschichte und einen großen Teil zeitgenössischer vormoderner Sozialisationskontexte wenig relevant ist, sie wird erst relevant (falls sie stimmen sollte) wenn sich einigermaßen freiheitliche und humane Sozialisationskontexte herausgebildet haben.

        • Schwafel schwafel popafel.

          Wer die Welt wirklich im Tieferen verstehen will, sollte sich nicht auf intellektuelles Blabla einlassen, sondern dieses Buch lesen:

          http://www.alice-miller.com/de/am-anfang-war-erziehung-4/

          Bin immer wieder schockiert, wie sich Menschen auf dieses unverbindliche, extrem hypothetische Soziologen- und Philosophen-Blabla einlassen können.

          Der Holocaust war aus mehreren Gründen möglich, zuallererst aber aufgrund des erzieherischen Vernichtungskrieges gegen die Kinder.

          Dieser Krieg wurde um 1900 mit aller Verve geführt. Und zwar überall auf der Welt – mit unerschiedlichen Nuancen. In Deutschland war diese autoritäre Erziehung besonders stark etabliert.

          Auch andere Länder haben extreme Grausamkeit hervorgebracht. Auch dort war die autoritäre Erziehung etabliert.

          Deutschland war verwundbar: Versailles, Weltwirtschaftskrise, kein professioneller Parlamentarismus, Weimarer Verfassung etc.

          Hinzu kamen die neuen Entwicklungen der Moderne in Technik und Massenmedien.

          Lest das Buch und werdet klüger.

        • @ Leszek

          1. Die Verhaltensgenetik beschäftigt nicht nur mit dem Einfluss von Genen, auch wenn gewisse Kritiker das möglicherweise behaupten. Richard Dawkins hat sich übrigens deutlich negativ über ihr Buch geäußert, und ihm vertraue ich mehr als sozialistischen Hardcore-Ideologen wie Lewontin, Rose und Kamin.
          2. Du verwechselst Erziehung mit Sozialisation. Harris hält nur Erziehung für relativ unbedeutend, nicht aber die Sozialisation an sich. Für sie ist die Peer-Group die wesentliche Sozialisationsinstanz.
          3. Selbst wenn wir annehmen, dass Harris unrecht hat, stellt sich immernoch die Frage, wie groß der Einfluss der Erziehung auf die Persönlichkeit der Erwachsenen hat. DeMause kann ja wohl keine statistischen Untersuchungen für seine Hypothese anführen, so dass es sich dabei mehr oder weniger um (psychoanalytische) Spekulation handelt.

        • @ JC Denton

          „Die Verhaltensgenetik beschäftigt nicht nur mit dem Einfluss von Genen, auch wenn gewisse Kritiker das möglicherweise behaupten.“

          Ich besitze ein Lehrbuch der Verhaltensgenetik und mir ist daher schon bekannt, worum es da so geht.

          „Richard Dawkins hat sich übrigens deutlich negativ über ihr Buch geäußert,“

          Dawkins war halt sauer, weil er in dem Buch (etwas unfair) kritisiert wird.
          Dawkins lässt in seiner Kritik aber ja durchblicken, dass seine eigenen Vorstellungen von dem Konzept der „Dialektischen Biologie“, das die Autoren vertreten, gar nicht soweit entfernt ist.

          „und ihm vertraue ich mehr als sozialistischen Hardcore-Ideologen wie Lewontin, Rose und Kamin.“

          Die „sozialistischen Hardcore-Ideologen“ Lewontin und Rose gehören aber nun einmal auch zu den bedeutendsten Biologen. Und da Verweise auf die politische Einstellung kein wissenschaftliches Argument sind, kann man sich daher m.E. durchaus mal anschauen, wie sie ihre Kritik begründen. Ich fand ihr Buch sehr interessant.

          „Du verwechselst Erziehung mit Sozialisation.“

          Bei meiner Verwendung von Sozialisation in den entsprechenden Passagen stand die Erziehung ja durchaus im Zentrum.
          Bedenke dabei auch, dass in vielen prämodernen kulturellen Kontexten nicht nur die Erziehung autoritärer ist, sondern die Zugehörigkeit zur Familie auch einen viel zentraleren Stellenwert hat als in modernen kulturellen Kontexten.
          In prämodernen kulturellen Kontexten konstituieren Menschen ihr Identitätsgefühl sozialisationsbedingt ja in der Regel primär durch Gruppenzugehörigkeiten, erst in zweiter Linie ist man Individuum.

          „Harris hält nur Erziehung für relativ unbedeutend, nicht aber die Sozialisation an sich. Für sie ist die Peer-Group die wesentliche Sozialisationsinstanz.“

          Ich weiß, ich habe ihr Buch quergelesen.

          „Selbst wenn wir annehmen, dass Harris unrecht hat, stellt sich immernoch die Frage, wie groß der Einfluss der Erziehung auf die Persönlichkeit der Erwachsenen hat.“

          Wie gesagt: Selbst wenn ihre Theorie zutreffen würde, dann wäre es m.E. trotzdem falsch davon auszugehen, dass sie auch für autoritäre Erziehungskontexte zuträfe.
          Die durchschnittlichen Persönlichkeits- und Mentalitätsunterschiede z.B. zwischen prämodernen Gesellschaften mit verbreiteten autoritären Erziehungsformen und modernen Gesellschaften mit im Schnitt freiheitlicheren Erziehungsformen, Unterschiede, die mit der zunehmenden Modernisierung prämoderner Gesellschaften aber zunehmend verschwinden, sind ja nun klar erziehungs-/sozialisationsbedingt.

          (Darüber hinaus gibt es, wie gesagt, auch noch die entwicklungspsychologische Bindungsforschung, die Judith Rich Harris Theorie zum Teil in Frage stellt.)

          „DeMause kann ja wohl keine statistischen Untersuchungen für seine Hypothese anführen, so dass es sich dabei mehr oder weniger um (psychoanalytische) Spekulation handelt.“

          Es geht bei den Psychohistorikern eben unter anderem um die Analyse des Zusammenhangs zwischen bestimmten Kindererziehungspraktiken (die den Psychohistorikern zufolge in der Menschheitsgeschichte häufig autoritär waren) und spezifischen durchschnittlichen Mentalitäten, die in bestimmten historischen und soziokulturellen Kontexten belegbar sind.

          Ich hatte ja versucht, es anhand der konservativ-islamischen Sozialisation zu verdeutlichen. (Ich weiß nicht, ob schonmal ein Psychohistoriker etwas dazu geschrieben hat, ich nehme es nur als Beispiel.) Sicherlich bringt die konservativ-islamische autoritäre Sozialisation bestimmte durchschnittliche Perönlichkeitsstrukturen und Mentalitäten hervor, die sich von denen in anderen prämodernen kulturellen Kontexten oder in modernen kulturellen Kontexten in gewisser Hinsicht unterscheiden – und eben das wäre ein Beispiel (eines von vielen möglichen Beispielen) für das Phänomen, das die Psychohistoriker als „Psychoklasse“ bezeichnen.

  7. Stellt Euch vor die Berufsfeministinnnen bestreiken dann twitter!

  8. This Week in Thoughtful 4: Where is the Counter-Culture?

    Absolut super gemacht. 20 min.

    Dieser Watson ist aber ein elender Wicht…
    Absolut genial ist die Tanzerei, um 8 min 😀

  9. Eine Zensur findet nicht statt, aber ein Sauberwaschen.

  10. curmar schrieb hier:

    Aus meiner persönlichen Geschichte fand ich es hochgradig ungerecht, einen Zivildienst ableisten zu müssen, die Mädels jedoch nicht.
    Ein weiblicher Einwand war damals schon, dass Frauen eben schwanger werden können – d.h. hier hat die feministische Argumentation voll durchgeschlagen.
    Der Knackpunkt allerdings: Sie *mussten nicht* schwanger werden, es gibt keine Gebärpflicht, meine Entscheidung belief sich auf die Wahl zwischen Bundeswehr oder Zivildienst.
    Auch zeitlich dauerte mein Zivildienst länger als eine Schwangerschaft und während ich einen Schwerstbehinderten betreute, tummelten sich die Mädels auf Weltreise und waren mir bei Studienbeginn dennoch zeitlich voraus.

    https://allesevolution.wordpress.com/2017/02/17/wie-wuerdet-ihr-als-richter-entscheiden/#comment-281572

    Bei ZON plädiert man gerade wieder dafür den Wehrdienst/Zivildienst einzuführen, aber für beide Geschlechter.

    Der Kommentar von Goldfuß:

    Leider war es wieder nur eine Frage der Zeit, wann das übliche „Aber was ist mit Frauen“ los ging…

    Dass Frauen von der Wehrpflicht ausgeschlossen waren bzw. sind, ist keine Diskriminierung – Ganz im Gegenteil: Frauen bekommen Kinder und werden dafür nicht einmal bezahlt. Punkt.

    http://www.zeit.de/2017/06/dienstpflicht-junge-menschen-rolle-gesellschaft-stresstauglichkeit?cid=11653187#cid-11653187

    Männer haben einen Penis und werden dafür nicht einmal bezahlt. Punkt.

    Im gleichen Strang dann noch jemand anderes, Eiertanz:

    Wenn das Ihr einziges Problem ist… Die betroffenen Frauen hätten vermutlich nichts dagegen, anderthalb Jahre Dienst an der Allgemeinheit (vulgo „Wehrdienst“) zu leisten, wenn sich die Männer im Gegenzug dazu verpflichten müssten, für den Rest ihres Lebens die Hälfte der sozialen und Hausarbeit zu übernehmen – vom Kloputz über Elternzeit, Muffinbacken und Daheimbleiben beim kranken Kind bis zum Füttern und Windeln von Oma und Opa.
    Ich bin fast sicher, wer sich über dieses Arrangement als Erstes beklagt.

    Ergo, haben Männer durch den Wehrdienst sich das Recht erworben das Frauen sich den Rest ihres Lebens um ihren Haushalt usw. kümmern oder dieses „Arguement“ ist totaler Bullshit…

    😄 😄 😄

  11. Maurer? Maurer!

    http://www.zeit.de/2017/08/naturwissenschaften-maedchen-jungs-mathe-replik

    pushing the agenda

  12. Pöse ist, wer nicht politisch korrekt ist:
    http://www.danisch.de/blog/2017/02/19/die-ard-als-krimineller-zensur-vollstrecker/

    • Aber schön wie der Danish reagiert. Der hat jetzt eine ganze Weile ein schönes Hobby mit der ARD, bin ja gespannt, was da dann noch so kommt.

    • Auch wenn ich manche Ansichten von D. nicht teile, ich bin beeindruckt von seiner Kämpfernatur! Er bekommt mit seinen Ein-Mann-Recherchen manchmal mehr heraus als manches polit-korrekte Leitmedien. Und er liest sich fast immer unterhaltsam. Bin gespannt, wie sein Kampf mit dem MDR ausgeht. Er ist kein „leicht“ zu schlafender David gegen Goliath MDR!

      • schaffener

        • schaffender statt schlafender 🙂

  13. Celebrites betreiben virtue signaling:

    Das ist die Harry Potter Autorin.

    Eine Antwort auf Twitter:

    Das Volk hat gesprochen 27000 Stimmen:

    J.K. Rowling: *silence*

    • Tja, Rowling hat dafür auch gar keine Zeit. Sie muss die wichtigen Schlachten schlagen:

      • Armoured Skeptic hat auch nochmal ein Video zu PewDiePie gemacht und geht dabei auf das Video vom Wall Street Journal ein:

        PieDiePie hat mal ein Video gemacht in dem es darum ging das die Medien in immer mal wieder als Nazi bezeichnen, was er nun aber mal nicht ist, egal wie sehr sie es sich wünschen. Am Ende des Video sitzt er in einer Militäruniform vorm Rechner und schaut sich einer Hitlerrede an.

        Und genau diese Szene z.B. haben sie dann rausgepickt, völlig aus dem Kontext, und alles was davor war einfach nicht erwähnt, um ihn damit als Nazi darstellen zu können.

        Wie erbärmlich. Vielleicht verklagt PDP die ja. Wäre schon geil wenn Karma denen richtig eins reinwürgt.

  14. „Der Nationalismus globalisiert sich“
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-02/globalisierung-widerstand-rechte-nationalismus-donald-trump-marine-le-pen-is/komplettansicht
    „Eine neuartige Form des Nationalismus stellt die Globalisierung und die Art, wie wir leben, infrage. Der Konflikt könnte viel umfassender werden, als wir bislang ahnen.
    Ein Gastbeitrag von Colin Crouch“

    • @IC Denton

      Habe den Artikel von Crouch nur überflogen, aber mir scheint er zu stark jetzt nur auf Wertekonflikte zu fokussieren. Wobei materielle Interessenskonflikte quasi negiert werden. Abgesehen davon, bin ich sowieso der Auffassung, dass man die globale Lage immer unter den drei Dimensionen Kultur, Politik und Ökonomie und ihr Zusammenspiel diskutieren sollte. Mir gefällt der Artikel von Nancy Fraser in diesem Zusammenhang besser:

      https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2017/februar/fuer-eine-neue-linke-oder-das-ende-des-progressiven-neoliberalismus

      • Fraser scheint mir eine typische linke Dogmatikerin zu sein. Damit meine ich nicht, dass sie mit allem Unrecht hat; sie ist nur in den üblichen linken Denkmustern gefangen und versteht daher den Konflikt nur einseitig von der ökonomischen Seite her. Da argumentiert Crouch differenzierter.

  15. Auf DailyWire gibt es eine Sammlung von 101 Links auf Dinge, die Feministinnen sexistisch finden.

    Hatten wir die schon (August 2016)?

    Zum Beispiel:

    5. Lab Rats

    Barbra Streisand explains: „Gender inequality even extends to mice in the labs. They’re all male! …So even female mice are discriminated against! When I asked why, the answer I got was that female mice have hormones so they’re more complex. Well, so are women!“

  16. offtopic und so, aber ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere hier seine Freude dran hat…

    Unter der Überschrift Internet Fight

  17. Halten die bereit:

    Hier gibt die volle Portion Cancer:

    At UMass Amherst, students are required to take two “social justice” classes to earn diploma, and this course — Education 115: Embracing Diversity — fulfills one of those requirements.

    In it, students must act out examples of racism to prove America is racist “from A to Z.” Students must also read about how society is dominated by “white privilege” and discuss ways to combat that. They’re charged with creating a mock sexual assault awareness campaign and taught U.S. society pushes male “domination” over women. Another assignment has them coming up with ways to make a university more welcoming to a low-income black lesbian majoring in engineering. New vocabulary words thrown at students include “internalized classism” and “cultural imperialism.” And a “Man Box” assignment teaches students that when men try to prove their masculinity it ends up “with frequently disastrous consequences.”

    http://www.thecollegefix.com/post/31130/

  18. “Whiteness is not humxness, in fact, white skin is sub-humxn,” she wrote. “All phenotypes exist within the black family and white ppl are a genetic defect of blackness.

    She continued explaining her theory, claiming white people are lesser because “[they] have a higher concentration of enzyme inhibitors that suppress melanin production. They are genetically deficient because melanin is present at the inception of life.”

    “Melanin enables black skin to capture light and hold it in its memory mode which reveals that blackness converts light into knowledge. Melanin directly communicates with cosmic energy,” she added.”

    http://heatst.com/culture-wars/black-lives-matter-leader-says-white-people-are-sub-human-and-suffer-from-genetic-defects/

    Wahrscheinlich glaubt die das wirklich und wahrscheinlich denkt sie auch das man nicht rassistisch gegenüber Weiße sein kann.

  19. http://www.slate.com/articles/health_and_science/science/2017/02/counter_lies_with_emotions_not_facts.html

  20. Shocking, aber auch nachvollziehbar, der meint das ernst…..

  21. Todeskandidaten in Arizona sollen Gift selbst beschaffen.
    https://www.welt.de/vermischtes/article162166556/Todeskandidaten-sollen-Gift-selbst-kaufen-und-mitbringen.html


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