„Würdest du noch arbeiten gehen, wenn dein Partner genug Geld verdient?“

In dem Beitrag „Auf Augenhöhe“ wird eine interessante Frage aufgeworfen, die in vielen Debatten über Gender Pay Gap und Frauen in Führungspositionen auch selten angesprochen wird:

Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einiger Zeit mit einer Bekannten. Wir unterhielten uns über die Rolle der Frau in unserer jetzigen Gesellschaft. Sie forderte mich mit der Frage heraus, wie mein Leben aussehen würde, wenn mein Partner genug Geld für uns beide mit nach Hause bringen würde. Ich bat sie, ihre Frage zu konkretisieren.

„Würdest du noch arbeiten gehen, wenn dein Partner euch mit seinem Gehalt komplett absichern könnte?“

Zumindest die Vergangenheit zeigt, dass dann viele Frauen eben gerade nicht mehr oder zumindest in einem geringeren Umfang arbeiten gehen würden. Es dürfte dann noch stärker ausfallen, wenn sie ohnehin nicht so viel verdient wie er und in einem Beruf, der „unter dem Stand“ ist. Also etwa wenn die Oberarztgattin Kassiererin in einem Supermarkt war.

Ich habe lange darüber nachgedacht. Nicht, weil ich keine spontane Antwort wusste, sondern weil ich alle Seiten bedenken wollte. Denn zu sagen, ich lasse mich nicht von meinem Mann aushalten, hieße auch, die Arbeit als Hausfrau und Mutter als niedriger zu beurteilen. Und das ist sie nicht. Diese Arbeit ist wertvoll und gleichermaßen wichtig.

Es ist eine interessante Position, weil es eine pauschale Gleichsetzung vornimmt: Hausfrau und Mutter sind gleich wichtig, man kann nicht mehr verlangen. Natürlich könnte man dem entgegnen, dass es eine Arbeitsteilung sein kann, die von beiden als fair angesehen werden kann, dass aber gerade mit fortgeschrittenen Alter der Kinder oder gar ohne Kinder durchaus erwarten kann, dass sie auch wieder eine Arbeitsstelle antritt und dazu verdient und die Gleichwertigkeit da nicht mehr besteht.

Nur bin ich eben keine Frau, die ihre Erfüllung auf Dauer in den häuslichen- oder Mutterpflichten findet. Ich bin den vielen Frauen, die für Gleichstellung kämpften und kämpfen, ehrlich dankbar. Ich bin dem Feminismus dankbar, auch wenn dieses Wort im Laufe der Zeit einen faden Beigeschmack bekommen hat. Carolin Kebekus hat es auf den Punkt gebracht: „Feminismus hat so einen schlechten Ruf. Das klingt so unrasiert und ungebumst. Dabei bedeutet es doch nur, dass eine Frau machen kann, was sie will.“

Auch ein schöner Satz. In einer Partnerschaft wird sie aber nicht drum herum kommen, dass sie sich abstimmt und da sollte sie eine gewisse Fairness walten lassne.

Richtig. Ich bin eine Frau. Doch in erster Linie bin ich Mensch. Mit all den Rechten die ein Mensch haben kann. Ich gehe arbeiten. Ich verdiene mein Geld. Ich gehe wählen. Ich habe einen Kopf zum Denken. Ich begegne meiner Umwelt zuerst auf Augenhöhe. Mir sind Rassen, Geschlechter, gesellschaftliche Stellung, sexuelle Orientierung, Aussehen, Einkommen, politische Gesinnung und Glaube egal, solange der Mensch mir gegenüber ein gutes Herz hat. Ich versuche nicht vorschnell zu urteilen. Ich möchte verstehen und schlussendlich andere Meinungen oder Lebensauffassungen respektieren. Meine Rasse ist Mensch, meine Ideologie die Menschlichkeit. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass es keinen Werteunterschied zwischen Mann und Frau gibt. Ich bin in einem gleichgestellten Haushalt aufgewachsen und das lebe ich auch in meiner Beziehung. Ich habe gelernt, Löcher in die Wand zu bohren und die Zündkerzen an meinem Auto zu wechseln. Ich koche eine hervorragende Pastasoße und trage gern Make-Up. Ja, ich feiere es eine Frau zu sein! Weil ich (fast) alles tun kann, was ich möchte. Auch wenn die Waagschale noch lange nicht ausgeglichen ist.

Dass ist ja erst einmal kein schlechter Ansatz, auf dem man aufbauen kann. Nur kommt eben der Mann in ihren Betrachtungen als Partner erstaunlich wenig vor.

Wie würdet ihr die Frage sehen?

Aufführung „Red Pill“ in Karlsruhe

Der Film „Red Pill“ hatte seine Deutschlandpremiere am 14.11.2016 in Berlin. Jetzt findet eine weitere Aufführung in Karlsruhe statt:

Die Daten dazu:

26. Februar 2017 (ein Sonntag), 19:00
Karlsruhe in der Innenstadt bzw in der  Nähe des Staatstheater

 

Der Veranstalter hat die Ausleihe finanziert und der Eintritt ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten. Allerdings ist die Aufführung nicht frei zugänglich für jeden, sondern privat, wohl um Störer zu vermeiden.

Wer Interesse hat, der kann sich beim Männerbüro Karlsruhe melden (redpill@maennerbuero-karlsruhe.de)

 

Beziehungen und eine Bar voller Flirtender und Feiernder

Südländerin und Ich sind im Urlaub mit ein paar Freunden aus. Eine Bar mit DJ, es wird getrunken, getanzt und geflirtet. Wir haben uns mit einigen Freundinnen von Südländerin verabredet, die teilweise Single sind und sich da etwas umschauen wollen.

Das Barpublikum ist schick, Studenten vielleicht. Um mich herum wogt die Menge, es flirt geflirtet und getanzt, es werden Freunde getroffen und auch unsere Mädels werden immer wieder mal von Jungs angesprochen, die sie kennen oder nicht kennen.

Ich beobachte das Geschehen etwas. Ich verstehe nichts, es ist auch zu laut in der Bar. Aber man sieht trotzdem die einzelnen Muster, der coole Kerl, der der Mittelpunkt der Gruppe ist, bestimmte Mädchen, die etwas lauter über seine Witze lachen als andere, wie sein Interesse auch auf bestimmte Personen gerichtet ist, wie andere in der Gruppe dennoch die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken wollen. Man sieht, wie neue hübsche Mädels, die die Bar betreten, kritisch geprüft werden und Interesse auf sich ziehen. Kontaktversuche werden unternommen und scheitern, man fängt sich wieder und geht erst einmal mit den Freunden einen trinken. Eine Gruppe von Mädels schirmt sich gegen den Rest ab und tanzt für sich, anscheinend feiern sie etwas. Die Masse wandert um einen herum, in verschiedensten Konstellationen und mit verschiedensten Beschäftigungen.

Vermisse ich das? Dieses in einer Bar sein und mit Frauen flirten? Natürlich finde ich die bezaubernde sportliche 22jährige mit ihrem kurzen Partykleid ansprechend und hätte nichts dagegen mit einer wie ihr zu schlafen. So viel Ehrlichkeit muss sein. Aber ich bin viel zu satt dafür, ich müsste an diesem Ort meine Stimmung, mein Energielevel um 100% nach oben drehen, damit es bei einer für mich interessanten Aussicht auf Erfolg hat und ich bräuchte immer noch erhebliches Glück. Mich in diese Partymenge zu mischen und etwas erreichen zu wollen, es wäre schlicht Arbeit, auf die ich keine Lust hätte. Es wäre mir den Aufwand nicht wert.

Ich möchte lieber hier noch etwas bleiben, ein paar Gespräche mit Freunden in einer ruhigeren Ecke führen, den Leuten zuschauen. Und mich dann nicht zu spät mit Südländerin auf den Weg zurück machen und das Feld den Singles überlassen. Vielleicht schauen wir noch vor dem Schlafengehen etwas in die Wiederholung von irgendeiner Show rein und werden morgens wie immer zusammen aufwachen.

Eine wunderschöne Frau nehme ich in jedem Fall mit nach Hause und auch noch eine, mit der ich mich wohlfühle und für die ich keine Show machen muss. Und in dieser Beständigkeit fühle ich mich wohl.

Ich lege den Arm um Südländerin und ziehe sie zu mir ran. Wir küssen uns. Und ich bin glücklich.

 

„Was für eine Leistung ist es, nicht gewalttätig zu sein? Für männlich gelesene Menschen: Respekt!“ (emotionale Arbeit)

Über „Gib dein Geld an Frauen“ habe ich schon mal berichtet. Es geht darum, dass Frauen angeblich die ganze unbezahlte emotionale Arbeit machen und deswegen dafür entlohnt werden müssten:

Dazu findet sich ein dieses Konzept preisender Artikel in dem Missy Magazin:

Viele Verhaltensweisen, die ich grob unter „nett sein“ verbuchen würde, sind stark weiblich gegendert, das heißt, ich (und leider nicht nur ich) verbinde dieses Verhalten unsinnigerweise eher mit Menschen, die als Mädchen oder Frauen gegendert werden. Das heißt, von ihnen erwartet die Gesellschaft eher als von Männern (sorry, mehr Geschlechter gibt es in diesem Fall nicht) eine bestimmte Art des Zuhörens und Reagierens, der Fürsorglichkeit, der Zugewandtheit bis zum mütterlichen Märtyrerinnentum. (…)

Geld verdienen und die Familie ernähren wäre dann mit Menschen, die als Männer oder Jungen gegendert sind verbunden und würde von ihnen mehr erwartet werden. Und natürlich würden Männer nie fürsorglich sein, oder jemanden zugewandt, oder gar zuhören oder noch besser tatkräftig helfen.

Den Begriff der Arbeit zu verwenden, kontrastiert ein Verständnis von Fürsorge, das diese als weibliche Tugend naturalisiert und im gleichen Atemzug ein Stück weit entwertet. Weiberkram. Dem so gedachten „Wesen der Frau“ nach sind Frauen einfach so, mit der zweiten Betonung auf einfach. Es ist für sie keine Anstrengung, daher auch keine Leistung. Männer, bekanntlich das Gegenteil von Frauen, sind dementsprechend von Natur aus nicht so nett und fühlig, weshalb es ungerecht wäre, hier nicht mit zweierlei Maß zu messen. Unverständlich, warum sich seine Freundin von ihm trennte, obwohl er sie doch niemals geschlagen oder betrogen hat! Unverständlich, warum er noch nie eine Freundin hatte, obwohl er sie doch niemals schlagen oder betrügen würde! Diese undankbaren Schlampen.

Also bei Frauen erwartet man, dass sie nett sind und deswegen belohnt man es nicht (anscheinend auch nicht andere Frauen und natürlich erst recht nicht Männer) und bei Männern erwartet man es erst gar nicht, weswegen sie sich benehmen können, wie die Axt im Walde und für alles einen Freischein bekommen. Ein nettes Bild hat die Autorin da von den Geschlechtern.

Solche Dinge sagen nicht nur sexistische Amokläufer, sondern auch ganz normale Exfreunde. Seine Partnerin nicht wegzumördern oder zu betrügen, zählt allerdings noch nicht zu Emotional Labor, sondern eher zu den Basics menschlichen Miteinanders, auch wenn selbst das nicht sicher sitzt. Was für eine Leistung ist es, nicht gewalttätig zu sein? Für männlich gelesene Menschen: Respekt! Für alle anderen: Hm ja, normal?

Ich weiß wirklich nicht, wie Leute auf die Idee kommen, dass Feminismus männerfeindlich sein könnte. Keine Ahnung. Dabei erkennen sie einfach nur, wie leicht es Männer haben, bei ihnen wird schon anerkannt, dass sie nicht gewalttätig bist.

Aber während etliche Männer sich erfolgreich (!) an solchen (für die anderen, haha) existenziellen Hürden abrackern, ohne je ein Wort des Dankes zu hören, rollen schon die nächsten Ansprüche heran: sich an Geburtstage erinnern, den Müll unaufgefordert rausbringen, bei einer Familienfeier auch mal selbstständig den Abwaschberg angehen, eine neue Klopapierrolle aufhängen. Ja, das sind Kleinigkeiten, die alle nur sagen: Ich erkenne, dass es andere Menschen gibt und dass andere Menschen nicht meine Sidekicks sind. Hilfreich wäre sicher, wenn dieser Grundsatz nicht an eine arbiträre Hälfte der Menschheit gerichtet würde.

Klar, und diverse Sachen reparieren, das Wischwasser am Auto nachfüllen und gegenüber Dritten auftreten sollte auch nicht an eine arbiträre Hälfte der Menschheit gerichtet sein, um mal ähnlich klischeehaft zu antworten.

Zugegeben, das mit der Resozialisation ist ein zähes Geschäft. Und es mag der Einwand kommen, dass wir doch nicht mehr in den Fünfzigern leben (Glückwunsch an alle, die einen signifikanten Unterschied vernehmen) oder dass Männer dafür immer noch so quasi das Geld ranschaffen, also wie in den Fünfzigern. Gut. Schafft das Geld ran! Pay up! #GiveYourMoneyToWomen heißt der von Lauren Chief Elk-Young Bear (@ChiefElk) mit @cheuya, @BardotSmith und @YeoshinLourdes gestartete Hashtag. Die Idee: Frauen und insbesondere marginalisierte Frauen leisten Emotional Labor nicht mehr selbstverständlich gratis und unlimitiert, sondern bewusst und gegen Bezahlung.

Das halte ich teilweise für eine sehr gute Idee: Wenn sie nicht dafür bezahlt werden, dann belehren sie einen bis man sie bezahlt nicht mehr über Feminismus etc. Ich würde diese Theorie gerne von allen Feministinnen übernommen wissen. Der zweite Vorteil wäre, dass viele Frauen merken, dass ihre Leistung den Männern nicht das wert ist, was sie dafür ansetzen.

Jeder, dessen Antikapitalismus an ausgerechnet dieser Stelle zuckend erwacht, möge innehalten und sich fragen, wieso. Warum sollen Frauen, die disproportional eine bestimmte Arbeit umsonst leisten, hierfür keine Bezahlung von Leuten verlangen, die andere Arten der Reziprozität verweigern? Ein Paradebeispiel hierfür ist Sexarbeit und ja, wirklich, wieso sollte überhaupt noch irgendwer mit heterosexuellen Männern gratis Sex haben, so als Prämisse?

Interessanterweise scheint keiner der Männer, mit dem die Autorin schläft genug an ihr interessiert zu sein um sich irgendwie um sie zu kümmern und dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht. Sie scheinen mehr oder weniger einfach nur auf ihr zu onanieren und sie meint nun, dass das normal ist. Sonst wäre es mir nicht verständlich, warum sie der Auffassung ist, dass Sex sich für Frauen nicht auszahlt und daher eine Belohnung in Geld bei jedem Sex fällig ist.

Echte Menschen erledigen Emotional Labor natürlich nicht so schablonenhaft, wie das binäre Denken von Cisgeschlechtlichkeit mit all seinen Implikationen es suggeriert. Der Begriff schafft ein grobes Analyseinstrument für soziale Interaktionen. Benutze ich bestimmte Menschen ständig in dieser Hinsicht? Werde ich ausgenutzt, gibt es Gegenseitigkeit? Und er legitimiert das diffuse Gefühl von Erschöpfung, das ich in Bezug auf manche Menschen haben kann, wenn diese nur nehmen, nehmen, nehmen. Emotional Labor zu leisten erfordert kein angeborenes Talent, sondern ist immer Aufwand, der nicht zu gering geschätzt werden sollte. Emotionale Arbeit hält die Welt am Laufen.

Interessant ist, dass sie dennoch dafür als Frau nicht zahlen will, wenn Männer sie für sie erledigen. Ein #giveyourmoneyforemotionallabour wäre zwar lang, aber würde wenigstens die Geschlechterbinarität nicht so betonen. Als ob Transpersonen oder die vielen anderen nichtmännlichen Geschlechter keine emotionale Arbeit leisten würden!!! 1

Qualia (Philosophie des Geistes)

Ein in der Philosophie diskutiertes Problem sind die „Qualia“. Dazu aus der Wikipedia:

Unter „Qualia“ wird der subjektive Erlebnisgehalt mentaler Zustände verstanden. Doch gerade ein solches subjektives Element scheint sich jeder intersubjektiven Begriffsbestimmung zu widersetzen. Der Philosoph Thomas Nagel hat zur Bestimmung der Qualia die Redeweise geprägt, dass es sich „auf eine bestimmte Weise anfühlt“, in einem mentalen Zustand zu sein (what is it like). Wenn eine Person etwa friert, so hat dies in der Regel verschiedene Konsequenzen. In der Person laufen etwa verschiedene neuronale Prozesse ab und die Person wird ein bestimmtes Verhalten zeigen. Doch das ist nicht alles:

„Es fühlt sich für die Person auch auf eine bestimmte Weise an“, zu frieren. Allerdings kann Nagels Bestimmungsversuch nicht als allgemeine Definition gelten. Eine Bestimmung von Qualia durch die Phrase „sich auf bestimmte Weise anfühlen“ setzt voraus, dass diese Phrase schon verstanden ist. Wem jedoch die Rede von subjektiven Erlebnisgehalten nicht einleuchtet, der wird die Phrase auch nicht verstehen. Ned Block hat das Problem der Begriffsbestimmung daher wie folgt kommentiert:

„Sie fragen: Was ist das, was Philosophen ‚qualitative Zustände‘ genannt haben? Und ich antworte, nur halb im Scherz: Wie Louis Armstrong schon sagte, als man ihn fragte, was Jazz sei: Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen.“
– Ned Block: Troubles with Functionalism[3]

Die Probleme, die bei der Bestimmung von Qualia auftreten, haben einige Philosophen wie Daniel Dennett, Patricia und Paul Churchland dazu veranlasst, Qualia als gänzlich unbrauchbare Begriffe abzulehnen und stattdessen einen Qualiaeliminativismus zu vertreten.

Ansgar Beckermann kommentiert hingegen:

„Und wenn jemand sagt, er wisse trotzdem nicht, worin der qualitative Charakter etwa eines Geschmacksurteils bestehe, können wir diesem Unverständnis so begegnen: Wir geben ihm einen Schluck Wein zu trinken, lassen ihn danach ein Pfefferminzbonbon lutschen und geben ihm dann noch einen Schluck desselben Weins mit der Bemerkung: Das, was sich jetzt geändert hat, das ist der qualitative Charakter deines Geschmacksurteils.“
– Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.[4]

Es ist bereits bezeichnet, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, dass niemand wirklich genau definieren kann. Der „subjektive Erlebnisgehalt mentaler Zustände“ dreht sich im wesentlichen darum, dass man nicht sagen kann, inwieweit bei Leute bestimmte innere Erlebnisse gleich ausfallen: Niemand weiß, ob das, was er selbst unter „rot“ versteht auch von dem anderen genau so wahrgenommen wird.

Das daraus resultierende „Rätsel“ wird wie folgt beschrieben_

Auch wenn die explizite Diskussion der Qualia erst im 20. Jahrhundert aufkam, ist das Problem der Sache nach schon weit länger bekannt: Schon bei René Descartes, John Locke und David Hume lassen sich ähnliche, wenn auch nicht weiter ausgeführte Gedankengänge dieser Art finden. Hume beispielsweise behauptete in seinem Treatise on Human Nature (1739):

“We cannot form to ourselves a just idea of the taste of a pineapple, without having actually tasted it.”
„Wir können uns keinen Begriff vom Geschmack einer Ananas bilden, ohne diese tatsächlich gekostet zu haben.“

Auch Gottfried Wilhelm Leibniz formulierte das Qualiaproblem in einem eindringlichen Gedankenexperiment. Leibniz lässt uns durch ein gigantisches Modell des Gehirns laufen. Ein solches Modell wird darüber informieren, wie im Gehirn Reize auf eine sehr komplexe Art und Weise verarbeitet werden und schließlich mittels Erregungsweiterleitung in verschiedenen Körperteilen zu einer Reaktion führen (vgl. Reiz-Reaktions-Modell). Aber, so Leibniz, nirgendwo werden wir in diesem Modell das Bewusstsein entdecken. Eine neurowissenschaftliche Beschreibung werde uns also über das Bewusstsein vollkommen im Dunkeln lassen. In Leibniz’ Gedankenexperiment kann man leicht das Qualiaproblem entdecken. Denn zu dem, was man in dem Gehirnmodell nicht entdecken kann, gehören ganz offensichtlich auch die Qualia. Das Modell mag uns etwa darüber aufklären, wie eine Lichtwelle auf die Netzhaut trifft, dadurch Signale ins Gehirn geleitet und dort schließlich verarbeitet werden. Es wird uns nach Leibniz’ Ansicht jedoch nicht darüber aufklären, warum die Person eine Rotwahrnehmung hat.

Eine weitere frühe Formulierung des Qualiaproblems geht auf den Physiologen Emil du Bois-Reymond und seine Ignorabimusrede zurück. In seinem 1872 auf der Naturforscherversammlung in Leipzig gehaltenen Vortrag Über die Grenzen des Naturerkennens erklärt du Bois-Reymond die Frage nach dem Bewusstsein zu einem Welträtsel:

„Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen ‚Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth …‘“
– Emil du Bois-Reymond: Über die Grenzen des Naturerkennens.[5]

Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Mit dieser Frage läutete Thomas Nagel die gegenwärtige Qualiadebatte ein.

Die gegenwärtige Debatte um Qualia fußt vor allem auf dem Aufsatz What is it like to be a bat? („Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein?“)[6] des Philosophen Thomas Nagel im Oktober 1974. Nagels Aufsatz fiel in eine Zeit, in der die Philosophie des Geistes durch die Entwicklungen der Neuro- und Kognitionswissenschaften überwiegend reduktionistisch geprägt war. Er argumentiert nun, dass die Naturwissenschaften das Phänomen des Erlebens gar nicht erklären könnten. Schließlich seien die Wissenschaften in ihrer Methode auf eine Außenperspektive festgelegt, in der sich die Innenperspektive des Erlebens gar nicht fassen lasse. Nagel versucht seine Position mit einem berühmt gewordenen Beispiel zu illustrieren. Er fordert dazu auf, sich eine Fledermaus vorzustellen. Nun können wir, so argumentiert Nagel, bei so fremden Lebewesen zwar viele neurowissenschaftliche und ethologische Experimente durchführen und dabei auch einiges über die kognitiven Fähigkeiten einer Fledermaus herausfinden. Wie es sich jedoch für die Fledermaus anfühlt, etwa ein Objekt mittels Echoortung zu lokalisieren, bleibe uns verschlossen. Nagel schließt aus diesem Beispiel, dass die subjektive Perspektive der Qualia nicht durch die objektive Perspektive der Naturwissenschaften zu erschließen sei.

Für mich ein absolutes Scheinproblem. Gemeint ist wohl, dass wir nie wissen können, wie etwas funktioniert, weil wir die inneren Vorgänge eben nicht vergleichen können. Insofern wissen wir nicht, ob diese bei Menschen ganz verschieden ausfallen und was andere genau empfinden. Schon gar nicht wissen wir, was andere nichtmenschliche Wesen empfinden.

Allerdings hindert uns das aus meiner Sicht nicht entsprechende Theorien auf der Grundlage dessen zu entwickeln, was wir wissen und über was wir uns austauschen können. Es ist tatsächlich vollkommen egal, ob das Rot, was jemand sieht, tatsächlich die gleiche Farbe hat, die ein anderer sieht. Denn Rot existiert nicht als rot, es existiert als eine bestimmte Wellenlänge von Licht, die in unserem Kopf nur als Farbe umgesetzt wird. Es ist eine Oberfläche, die Licht einer bestimmten Wellenlänge auf eine bestimmte Weise reflektiert. Die Farbe rot ist dabei lediglich eine Illusion unseres Gehirns, quasi die Aufarbeitung der Welt, die es uns einfacher macht unsere Welt wahrzunehmen. Ob die genau festgelegte Wellenlänge dabei in dieser Illusion genau gleich ausfällt oder aufgrund des unterschiedlichen Genpools etwas anders in der Aufarbeitung des jeweiligen Menschen dargestellt wird ist für die inneren Denkvorgänge vollkommen egal. Wir haben ansonsten über unsere Sprache durchaus eine gute Vorstellung wie das Innenleben von Menschen ausfällt und können beschreiben, wie sich bestimmte innere Zustände präsentieren.

Letztendlich scheint es mir auch eine Verkennung des Umstandes zu sein, dass die inneren Zustände eine gewisse Funktion haben und nicht losgelöst davon existieren. Wir haben Angst vor bestimmten Sachen, damit wir vorsichtiger vorgehen (und so länger Leben um unsere Gene in die nächste Generation zu bringen), wir empfinden Liebe, damit wir lange genug mit einem Partner zusammen bleiben, um unsere Kinder aufzuziehen (und unsere Gene so in die nächste Generation zu bringen), wir empfinden Eifersucht, damit wir aufmerksamer werden, wenn jemand unseren Partner wegschnappen will und mögliche Konkurrenten abwehren können (und so unsere Gene mit dem Partner in die nächste Generation bringen können) etc.

Es ist für viele Punkte relativ egal, ob sich Eifersucht genau gleich anführt, wenn es nur das Gleiche hervorruft (nämlich Mate Guarding).

Damit ist auch der Einwand, dass in einem Modell, welches das Gehirn als einen Datenverarbeiter beschreibt, in welchem bestimmte Probleme zumindest teilweise nach bestimmten „Programmen“ gelöst werden, die Qualia unnötig wären, zu lösen. Das Modell stellt darauf ab, dass beispielsweise das Erleben von Schmerz (Schmerzqualia) in einem solchen Modell, wo auf den Input durch die Anwendung einen Programmes ein Handlungsmodell folgt, unnötig ist. Das Argument wäre demnach so ungefähr, dass ein Computer, der über einen Sensor eine sehr hohe Temperatur erkennt, ja auch keine Schmerzen erleben muss, um das Ergebnis der Berechnung auszuwerfen. Das verkennt aber, dass man das vielleicht nicht müsste, aber hier die „Software“ eben auf eine bestimmte Weise aufgebaut ist: Ein Schmerzimpuls wird weiter geleitet und im Gehirn nach Herkunft, Intensität und über weitere Datenverarbeitung über die Augen gegebenenfalls der Quelle verarbeitet. Es wird dann als Endprodukt schlicht ein Auftrag an unser Gehirn überstellt, so schnell wie möglich die Einwirkung, die den Schmerz verursacht zu beenden. Unser Gehirn nimmt diese Motivation als vorrangig an und versucht eine Lösung dafür zu finden. Letzendlich ist das Schmerzerleben damit ein Handlungsauftrag, den wir – genau wie wir auf unsere Sehzellen fallende Lichter einer bestimmten Wellenlänge als eine bestimmte Farbe wahrnehmen – als Schmerz wahrnehmen. Wir müssten keinen Schmerz empfinden, aber unser Gehirn ist so aufgebaut, dass wir in empfinden. Er ist eben Teil des Modells.

Einer der größten Kritiker des Qualia Begriffs ist David Dennett. Er wird dazu wie folgt zitiert:

In Consciousness Explained (1991) and „Quining Qualia“ (1988),[14] Daniel Dennett offers an argument against qualia that attempts to show that the above definition breaks down when one tries to make a practical application of it. In a series of thought experiments, which he calls „intuition pumps“, he brings qualia into the world of neurosurgery, clinical psychology, and psychological experimentation. His argument attempts to show that, once the concept of qualia is so imported, it turns out that we can either make no use of it in the situation in question, or that the questions posed by the introduction of qualia are unanswerable precisely because of the special properties defined for qualia.

In Dennett’s updated version of the inverted spectrum thought experiment, „alternative neurosurgery“, you again awake to find that your qualia have been inverted—grass appears red, the sky appears orange, etc. According to the original account, you should be immediately aware that something has gone horribly wrong. Dennett argues, however, that it is impossible to know whether the diabolical neurosurgeons have indeed inverted your qualia (by tampering with your optic nerve, say), or have simply inverted your connection to memories of past qualia. Since both operations would produce the same result, you would have no means on your own to tell which operation has actually been conducted, and you are thus in the odd position of not knowing whether there has been a change in your „immediately apprehensible“ qualia.

Dennett’s argument revolves around the central objection that, for qualia to be taken seriously as a component of experience—for them to even make sense as a discrete concept—it must be possible to show that

a) it is possible to know that a change in qualia has occurred, as opposed to a change in something else; or that
b) there is a difference between having a change in qualia and not having one.

Dennett attempts to show that we cannot satisfy (a) either through introspection or through observation, and that qualia’s very definition undermines its chances of satisfying (b).

In der Tat ist der genau Gehalt von Qualia schlicht egal, wie ich oben auch schon anführte, solange sie die richtige Funktion erfüllen. Machen sie da aber nicht, dann würde man das auch entsprechend im Verhalten und in den Schilderungen des Innenlebens bei Menschen erfahren.

Der „Frauenmarsch“ als weiteres Beispiel für die Schädlichkeit intersektionaler Theorien

Zuletzt hatte ich zum intersektionalen Feminismus in dem Artikel zum Emma Artikel geschrieben:

Es wäre ein interessantes Studienfeld die Art und Weise zu untersuchen, auf der es intersektionalen Feministen gelingt, solche Macht auszuüben und sich durchzusetzen. Eine Vermutung ist, dass viele andere Gruppen die Aufgabe an sich wesentlich wichtiger finden während die intersektionalen Feministinnen weit aus eher das Wie und das Warum kontrollieren wollen. Sie haben das perfektioniert, indem sie jede Kleinigkeit ungeheuerlich aufblasen können, über Punkte wie Mikroaggressionen oder andere Punkte, bei dem jede Kleinigkeit Teil des grossen Unterdrückungssystem ist und daher nicht geduldet werden kann und genau so schlimm ist wie eine große Unterdrückung.

Es fügt sich wahrscheinlich auch ganz gut in „prosoziale Dominanz“ ein: Wem es gelingt die Regeln des Wie und dessen, was nicht geht, anhand von Kleinigkeiten vorzugeben, der übernimmt die Gruppe. Während andere der Auffassung sind, dass es sinnlose Kleinigkeiten und unwichtige Punkte sind, ist es für die anderen die Welt und deswegen müssen die Nachgeben, für die es nur eine Kleinigkeit ist. Bis sie irgendwann entnervt aufgeben, weil es nie gut genug ist und die anderen zu dogmatisch sind.

Dieses „sich nicht mehr auf das Ziel konzentrieren, weil man auf dem Weg dahin keinerlei Kleinigkeiten duldet und sich darin verstrickt, diese zu bekämpfen, was zwangsläufig in einen Kampf gegeneinander ausarten muss“ wurde gerade mal wieder gut unter Beweis gestellt bei den Planungen zu dem „Million Women March“, wie er zuerst hieß, mit dem Frauen gegen Trump und seine potentiell schädliche Politik für Frauen protestieren wollten.

Natürlich gab es hier auch wieder erheblichen Terror der intersektionalen „Hetzfeministinnen“:

But the attempted hijacking of the march’s agenda and all the nasty tit-for-tat between white versus black/queer/Muslim/trans and other identities tells a very disturbing story about the divided state of feminism today. The separatist, inward-looking politics that helped drive Trump to power and Clinton into oblivion is not going away — in fact it is becoming more entrenched, and all for the better, say organizers bent on highlighting women’s differences rather than their commonality as American and international citizens.

Just go to the official Facebook page of the march and associated events, read the online discussions, and there amid the enthusiasm and excitement you will witness the unfiltered and unedifying spectacle of women going at each other not because of the content of their character but because of the color of their skin, their gender, ethnicity, or religion.

The New York Times reported on a white wedding minister from South Carolina, who is persecuted at home for marrying gays, but said she wasn’t attending the march. She was made to feel highly unwelcome and ridiculed for only allegedly waking up, since Trump’s win, to the racism that black women have always experienced. Others were also riled by constant suggestions they “check their privilege” or more offensive versions of the censorious catchphrase. Then in a story titled “The Activist divide over the Women’s March on Washington,”  Northeast Public Radio profiled a Black Lives Matter activist from Minnesota who said she was skeptical about going because “a lot of the stuff I was seeing on social media was really centered around white women being upset that they didn’t get their way.”

“And to me, you know, as a black queer woman navigating the world, it was really clear to me post-election that black folks, immigrants, LGBTQ folks like myself included, are at a higher risk of violence of targeted policies that are meant to take away our rights,” Lena Gardner said. “And I really wasn’t hearing those sorts of things from a lot of white women. Some were articulating that. And some were just like — it was almost like a temper tantrum.” On Twitter, a dissenter fumed, “So this should be called ‘White Womens March on Washington?” In a subsequent post, she added, “My solidarity detectors read ‘nah bruh.’ I’m not with a movement whose poster children are WW [White Women] who have directly shitted on BW [Black Women & WOC [Women of Color]. Bye.”

Überraschenderweise führt eine Ideologie, die beständig auf eine Unterdrückungsolympiade hinausläuft und bei der jede Identität meint, dass sie die wichtigste ist, auf die man alles abstellen sollte, zu Schwierigkeiten und dazu, dass letztendlich viele beleidigt sind und sich ungerecht behandelt fühlen.

Aus einem anderen Bericht:

The post, written by a black activist from Brooklyn who is a march volunteer, advised “white allies” to listen more and talk less. It also chided those who, it said, were only now waking up to racism because of the election. “You don’t just get to join because now you’re scared, too,” read the post. “I was born scared.”

A young white woman from Baltimore wrote with bitterness that white women who might have been victims of rape and abuse were being “asked to check their privilege,” a catchphrase that refers to people acknowledging their advantages, but which even some liberal women find unduly confrontational.

If your short-term goal is to get as many people as possible at the march, maybe you don’t want to alienate people,” said Anne Valk, the author of “Radical Sisters,” a book about racial and class differences in the women’s movement. “But if your longer-term goal is to use the march as a catalyst for progressive social and political change, then that has to include thinking about race and class privilege.”
“Now is the time for you to be listening more, talking less,” Ms. Rose wrote. “You should be reading our books and understanding the roots of racism and white supremacy. Listening to our speeches. You should be drowning yourselves in our poetry.”

“I needed them to understand that they don’t just get to join the march and not check their privilege constantly,”

Klassischer intersektionaler  Feminismus. Frauen schmeckt es eben auch nicht, wenn ihnen gesagt wird, dass sie ihre Privilegien checken sollen. Und sie wollen für Frauen protestieren und das nicht speziell schwarzen Belangen unterordnen. Aber das ist wiederum für eine schwarze intersektionale Feministin vollkommen egal, sie kann sich nicht als Teil des Ganzen sehen, für den mit protestiert wird, dass sie nicht im Vordergrund steht ist für sie unerträglich und eine Benachteiligung. Aus dieser Unwilligkeit sich als spezieller Teil eines Kollektivs zu sehen, dessen Anliegen nicht die wichtigsten sein müssen und dem Unwillen von „Allies“, also zB weißen Feministinnen auf ihr virtue Signalling in dem Bereich zu verzichten speist sich ein unglaubliches Spaltungspotential.