Emma vs. Netzfeminismus

Der Artikel zum Artikel in der Emma wurde etwas zu lang und auf Twitter war es zu schön. Daher hier ein kleiner Überblick:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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50 Gedanken zu “Emma vs. Netzfeminismus

  1. Das müssen Emmas Momente der Klarheit auf dem Sterbebett sein:

    »… und sie hielten es für ein Zeichen seines nahenden Todes, daß er sich so rasch aus einem Verrückten in einen gescheiten Menschen verwandelt habe.« Cervantes, Don Quixote

    • es handelt sich hier um einen selbstreferentiellen Diskurs eines sektenartigen Milieus

      Es ist mir zwar einigermassen peinlich und ich bitte vorab um Nachsicht, aber hier hat die OMMA recht.

  2. Wer wird gewinnen?
    Ich bin mir nicht darüber im Klaren, wie die Mehrheitsverhältnisse sind. Die „Altfeministinnen“ finden sich überwiegend in der SPD, CDU, CSU, Gewerkschaften, staatlichen Institutionen die „Netzfemenistinnen“ bei den Grünen, der Linken (?), der evangelischen Kirche, in den Hochschulen, in Blogs und bei Twitter, sind bei den Leitmedien beliebt. Sind die „Netzfeministinnen“ nur eine kleine Gruppe, ein „Potemkinsches Dorf“?
    Auf jeden Fall finde ich die Auseinandersetzung spannend. Es ist glaube ich das erste Mal, dass Feministinnengruppierungen sich derart offen streiten. Derartige Streitigkeiten unter Feministinnen bleiben ja sonst wegen Frauensolidarität unter der Decke.

    • @klausT

      Bisher ist das Echo im Netz und in der Presse äußerst gering

      Spiegel.de berichtet nicht darüber und sie greifen sonst jeden feministischen Mist auf, auch auf anderen Zeitungen habe ich nichts gefunden. Auf twitter finden sich Ein-Tweets-Snarks als kurze Reaktion von der einen Seite und kurze Zustimmung auf der anderen, aber natürlich kann da keine Diskussion entstehen, weil beide Seiten nicht wirklich diskutieren können. Die meisten Reaktionen kommen eher aus der antifeministischen Szene

      Schwarzer konnte das Thema anscheinend noch nicht einmal in der Bild unterbringen. Das finde ich schon sehr interessant

  3. Inhaltlich bzw. semantisch habe ich latürlich Sympathien für den Netzfeminismus: pro Burka, pro Pornografie, pro Prostitution, also inhaltlich ein libertärer Feminismus.

    Formal, also was das political correctness anbelangt, bin ich bei den Altfeministinnen.

    Wenn sie die folgende Strategie verfolgen werden, die heisst: „getrennt marschieren und vereint schlagen“, dann machen sie alles richtig.

    Nur sehe ich beim Netzfeminismus doch eher Tendenzen zu den K-Gruppen in Deutschland der 1970er Jahren, mit Abspaltungen und Abspaltungen und Abspaltungen und man sich spinnefeind war. Wir werden sehen.

  4. Bei alledem hab ich trotzdem noch präsent, wie feindselig und hart Schwarzer und die Emma gegenüber Männern agierten und agieren, oder mit welcher Gewalt Schwarzer und co. Frauen mit abweichender Meinung aus dem Diskurs gedrängt haben. http://man-tau.com/2014/02/06/zerstorte-chancen-esther-vilar-begegnet-den-wundern-im-alice-land/

    Es ist auch bezeichnend, dass eine Idee bei diesem Disput überhaupt keine Rolle spielt, die im Feminismus seit Jahrzehnten überfällig ist: Dass nämlich der Dialog mit Männern gesucht werden müsste, anstatt bloß ÜBER Männer zu reden. Statt dessen wird eigentlich nur über die richtige Art des Ressentiments gegenüber Männern gestritten. „You have to REALLY hate the Romans….“

    Ansonsten sind in dem Emma-Text gleichwohl einige sehr treffende Passagen, z.B. „es handelt sich hier um einen selbstreferentiellen Diskurs eines sektenartigen Milieus.“ Das bringt es gut auf den Punkt.

    Sehr gut ist es in diesem Fall auch, dass keine Autorin angegeben ist. Die Verweigerung der inhaltlichen Auseinandersetzung und der persönliche Angriff – in der Regel nicht direkt, sondern über die eigenen Netzwerke – sind ja eigentlich der einzige Modus der Reaktion auf Kritik, den die „Netzfeministinnen“ haben. Wenn kein konkreter Name angegeben ist, dann läuft das leer. Es wird sich daher wohl auf Schwarzer einschießen, aber die ist eh schon als Rassistin gebrandmarkt.

    Trotzdem schafft es Unsicherheit, nicht zu wissen, von wem Schwarzer noch so unterstützt wird. Lustig sind dann solche wirklich grunddämlichen Reaktionen wie die von der wieder einmal ungeschickten Tugendfurie. „Bedeutungslosigkeit mit vier Buchstaben“ Hmmm….Anne? Mina?

    Oder von einem albernen Schwätzer, der erst behauptet, dass ein Rant hier eh keinen Sinn mehr hätte – und der dann wütend loslegt. Wie eine Maschine, die leer läuft. https://twitter.com/phraselnd/status/821339272779354113

    Mit Hoffnungen können Männer das kaum verbinden. Zivil gegenüber Männern ist keine der Positionen. Es ist allerdings schön anzuschauen, selbst wenn man kein Popcorn dabei hat.

    Und es hat vielleicht den einzigen kleinen Vorteil, dass klar wird, was eigentlich längst hätte selbstverständlich sein müssen: dass Kritik an feministischen Positionen, wie an allen politischen Positionen, legitim und wichtig ist, und dass sie nicht allein auf Ressentiments zurückgeführt werden kann.

  5. Diese Konflikte zwischen klassischem Radikalfeminismus und (vulgär-)poststrukturalistischem Gender/Queer-Feminismus finde ich stets sehr interessant.
    Diese beiden Hauptströmungen des zeitgenössischen Feminismus in modernen westlichen Gesellschaften sind allerdings beide gleichermaßen fürchterlich, beide stehen jedem integralen Antisexismus fern, sind unfähig Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, anzuerkennen und beide feministische Strömungen sind von ihren theoretischen Grundlagen her nicht reformierbar.

    Unterschiedliche Auffassungen gibt es u.a. bei den Themen Intersektionalität, Multikulturalismus und Sexarbeit.
    Der klassische Radikalfeminismus, in dessen Tradition die Emma steh, ist im Gegensatz zum Gender/Queer-Feminismus nicht postmodern und intersektional.

    Was den spezifischen Emma-Artikel angeht, um den es gerade geht, so ist die Kritik am postmodernen Gender/Queer-Feminismus in dem Artikel m.E. zu größeren Teilen zutreffend.

    Etwas abstrus ist allerdings, dass die Emma versucht ihren klassischen Radikalfeminismus als an der sozialen Frage interessiert darzustellen, obwohl der klassische Radikalfeminismus in seinen tatsächlichen diesbezüglichen Auswirkungen stets auf Spaltung der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse hinausläuft.

    Falsch ist auch die in dem Artikel gemachte Zuordnung des postmodernen Gender/Queer-Feminismus zum liberalen Feminismus. Der Gender/Queer-Feminismus ist keine Unterströmung des liberalen Feminismus, sondern des poststrukturalistischischen Feminismus. Gender/Queer-Feministinnen lehnen den liberalen Feminismus genauso ab wie die Emma diesen ablehnt.

    • @Leszek:

      »… obwohl der klassische Radikalfeminismus in seinen tatsächlichen diesbezüglichen Auswirkungen stets auf Spaltung der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse hinausläuft.«

      Angesichts des relativen Bedeutungsverlusts der Arbeiterklasse scheint mir die Spaltung der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der bürgerlichen Klasse ungleich schwerwiegender!

      • @ djadmoros

        Ich gehe hierbei von einem relativ weit gefassten anarcho-syndikalistischen Klassenbegriff aus. Dieser kann z.B. auch Angestellte, Freiberufler, Erwerbslose, Hausfrauen und Hausmänner, Studenten und Schüler beinhalten.

        Insofern stellen Radikalfeminismus und Gender-Feminismus mit ihren Spaltungsbestrebungen schon ein konkretes Hindernis für den Versuch des Aufbaus einer klassenkämpferischen Selbstorganisation dar, insbesondere, da diese beiden radikalen feministischen Strömungen ja auch versuchen in vielen linken Gruppen Fuß zu fassen.

        • „da diese beiden radikalen feministischen Strömungen ja auch versuchen in vielen linken Gruppen Fuß zu fassen.“

          Das ist milde ausgedrückt. Die haben die Piraten mitzerstört, zerlegen und diskreditieren SPD, Grüne und Linke (während die CDU sich per Oberfrau selbst ins Abseits befördert).

          Die unterwandern alles, von den MSM bis zu Entwicklerbuden ala Github oder Nerd-Veranstaltungen ala 33C3.

          Das Schlimme bei den Netzmädchen ist: die sind vernetzt und thematisch derart breit aufgestellt und radikal (gender, Rassismus, etc.pp.) und auf Krawall gebürstet (und erfahren darin), dass man ihnen nicht mehr aus dem Weg gehen und schon gar nicht mehr mit ihnen reden kann.

          Allerdings fällt es zumindest mir schwer, da noch eine saubere Trennlinie in dem Milieu zu ziehen, wo hört die Netzfeministin auf und fängt die SJW an? Alles ein großer widerlicher Block aus extremistischen weltfremden Ideologen.

  6. „Die sexuelle Gewalt dürfe „auch nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die Opfer (vermeintlich) weiße Cis-Frauen sind“

    Niemals ist es mir oder jmd. in meinem Umfeld in den Sinn gekommen Opfer sexueller Gewalt nach ihrer Herkunft zu bewerten. Es ist wohl nur einfach so, dass 99% der Leute „cis“ und in Deutschland noch dazu fast alle weiß sind. Solche Gedanken wurden im extremen schon auf das Thema Kindesmissbrauch übertragen:

    https://www.evernote.com/shard/s12/sh/31ac565c-d404-49b9-a073-7920d76100cd/970c8a16377359d7e6f75e2fc21e96b9

    Tony Soprano hat nach dem Selbstmordversuch seines Sohnes gesagt: „Immerhin bist du weiß“. Damals war es ein Lacher heute wäre das ein feministischer Aufruf seine „privileges zu checken“ …

  7. Was wissen wir denn über die Auslöser dieses Zickenkriegs? Es sieht so aus, als habe Schwarzer der Rassismus-Vorwurf nicht geschmeckt?

    • @lh

      Ich denke Schwarzer gefällt so ziemlich alles daran nicht. Sie ist ein Alphatier und jetzt kommen da irgendwelche Netzfeministinnnen her, die noch nie was geleistet haben und werten sie ab. Wie soll sie da nicht beleidigt sein bei allem, was sie für den Feminismus geleistet haben?
      Die kleinen Emporkömmlinge geben doch tatsächlich an, dass sie, die immer für Frauen gekämpft hat, und das zu Zeiten als es noch viel schlimmer war, kein Vorbild ist sondern unbedeutend und behaupten auch noch, dass sie rassistisch ist, wenn sie sich dagegen wendet, dass Paschas und Machos aus patriarchischen Ländern Frauenrechte mit Füßen treten!
      Und was macht die Bundesregierung? Fährt voll auf sie ab und bindet sie überall ein. Die, nicht Schwarzer! Obwohl die eigentlich GEGEN Frauen arbeiten.

      • Die Gründe werden natürlich im Bereich eines Territorialkampfes liegen, der schon länger schwelt. Aber warum reagiert Emma jetzt und so?

        Ich glaube übrigens auch nicht, dass der Schwarzer-Feminismus gut für Frauen war – außer für Alice natürlich.

        • @Ih

          „Die Gründe werden natürlich im Bereich eines Territorialkampfes liegen, der schon länger schwelt“

          Korrekt, es handelt sich um einen längerfristigen ideologischen und politischen Konflikt zwischen klassischem Radikalfeminismus und postmodernem Gender-Feminismus um kulturelle Hegemonie.
          Der Streit zwischen diesen beiden zeitgenössischen Hauptströmungen des Feminismus beschränkt sich daher auch nicht auf Deutschland, sondern existiert ebenfalls in anderen westlichen Ländern:

          http://meetinggroundonline.org/wp-content/uploads/2013/10/GENDER-Statement-InterActive-930.pdf

          „Aber warum reagiert Emma jetzt und so?“

          Den aktuellen Auslöser für diesen Artikel kenne ich auch nicht, aber es gab schon früher Artikel in der Emma zur Kritik des postmodernen Gender-Feminismus:

          http://www.aliceschwarzer.de/artikel/femen-aufschrei-und-die-neofeministinnen-154451

          http://www.emma.de/artikel/chronik-eines-shitstorms-318027

        • Vielleicht weil sie meint, dass die Opposition gegen Political Correctness gerade jetzt erfolgversprechend ist.

        • Ich fürchte ja, Leszek, Du hängst unsere Feministinnen viel zu hoch, wenn Du von „Kritik am postmodernen Genderfeminismus“ sprichst. Genau das ist es nämlich allenfalls in Ansätzen. Tatsächlich ist es eine häufig sehr persönliche Kritik an den postmodernen Genderfeministinnen.

          Diesem Unterschied nicht gewachsen zu sein, ist wahrscheinlich das Drama all dieser innerfeministischen Kämpfe. Differenzen in den Theorien stören Feministinnen überhaupt nicht, persönliche Animositäten dagegen sehr.

        • „Ich fürchte ja, Leszek, Du hängst unsere Feministinnen viel zu hoch, wenn Du von „Kritik am postmodernen Genderfeminismus“ sprichst. Genau das ist es nämlich allenfalls in Ansätzen. Tatsächlich ist es eine häufig sehr persönliche Kritik an den postmodernen Genderfeministinnen.“

          Ich denke auch, der Grund liegt nur im Persönlichen.
          „Narzisstische Kränkung“ nennt man das medizinisch, glaub ich.

          Schwarzer war es bis in die jüngere Vergangenheit gewohnt, dass jede(r), der/die sich zur Frauenfragen äußert, vorab antrat und den Cotau vor der Grand Dame des Feminismus leistet.
          Alle Frauenministerinnen – und ich meine auch Angie – folgten dieser Pflicht bei Amtsantritt, bis auf Kristina Schröder, die sich dann auch noch feministische Zurechtweisungen vom Kölner Rheinufer in ihre Frauenpolitik in dem Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber“ verbat.
          Schon damals ätzte das Schwarzgeld ähnlich wie jetzt zurück.

        • Und hier haben wir noch ein schönes Beispiel für das Niveau dieses „intellektuellen Diskurses“.

          Wie kann man so was ernst nehmen?

      • Wie soll sie da nicht beleidigt sein bei allem, was sie für den Feminismus geleistet haben?

        Wie mir diese Geschichtsklitterung auf den Sack geht, echt. Die Geschichte (heute modisch als „Narrativ“ bezeichnet) von der unerschrockenen Kämpferin Alice S. für die Rechte der Frau, die trotz ihrer Fehler Verdienste erworben habe und deshalb mit dem Hosenbandorden erster Klasse ausgezeichnet wurde. Quatsch mit Sosse. Schwarzer hat den gesellschaftlichen Veränderungen – die wesentlich durch technisch-wissenschaftliche Fortschritte initiiert wurden – die misandrische Begleitmusik geliefert. Das ist ihr „Verdienst“, die Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas, wo immer es um Geschlechterthemen geht. Sie ist der fleischgewordene Hass, grobschlächtig, amoralisch, bigott, verlogen.

        • „Sie ist der fleischgewordene Hass, grobschlächtig, amoralisch, bigott, verlogen.“

          Und das sind erst ihre positiven Eigenschaften 🙂

  8. Letzte Gefechte in einem 30jährigen Krieg, der klassische Feminismus ist auf wenige Bastionen unter dem Angriff des rassistischen Feminismus zusammengeschrumpft. Die „Emma“ dürfte der international bedeutenste stronghold sein, der mit Schwarzers Rückzug irgendwann verschwinden wird.

    • Das ist eine „race to the bottom“, ganz offensichtlich sind die Intersektionalen schlimmer. Bei der klassischen Variante sind wenigstens noch alle Frauen und Männer jeweils untereinander gleich, die neue Version teilt überdies noch nach „Rasse“ und anderen haltlosen Kriterien und wird damit zum reinen Willkürinstrument.

      • „Bei der klassischen Variante sind wenigstens noch alle Frauen und Männer jeweils untereinander gleich, die neue Version teilt überdies noch nach „Rasse“ und anderen haltlosen Kriterien und wird damit zum reinen Willkürinstrument.“

        Das mit der klassischen Variante hab ich nicht so wahrgenommen.

        Das was wir im Moment beobachten ist dogmatisches Herzflimmern, das in aller Regel dem Ende einer Idee/Bewegung vorausgeht.

        • Meine Prognose ist, dass diese dogmatische Herzflimmern nur den Teilsektor Feminismus betrifft und die Bewegung mit dem neuen Rassismus umso radikaler werden wird.

  9. Bitte nicht übermütig werden (mit Vorschlägen wie Aufnahme der Emma ins Patriarchat)! Vergesst nicht die Worte von Drago Museveni:

    „The enemy of my enemy is still my enemy.“

    • Gegen die Aufnahme beim Patriarchat bin ich auch. Zum einen, weil es strategisch unklug wäre die Emma dadurch zu schwächen. Und zum anderen, weil Emma da einfach nicht hingehört. Feministischer Quatsch bleibt feministischer Quatsch.

  10. Aus dem Emma-Artikel:

    „Denn es handelt sich hier um einen selbstreferentiellen Diskurs eines sektenartigen Milieus. (…) Allerdings müssen wir uns fragen, wie viele engagierte junge Frauen an den Universitäten und in der Szene abgeschreckt sind und verstummen von der Rigidität und dem Terror dieser Politisch Korrekten?! (…) Denn die Rechtgläubigen drücken ihre Dogmen inzwischen so rigoros durch – per Shitstorm, Tribunal oder Ausschluss –, dass Aktivistinnen zugeben, dass sie Angst vor ihnen haben, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Dass sie gar nicht mehr wissen, was sie sagen dürfen und was nicht. Und deshalb in vorauseilendem Gehorsam lieber schweigen. (…) Die einzige wahre Wahrheit wird vorgegeben. Diskussionen sind nicht erlaubt. Unabgesichertes Denken schon gar nicht. Jede noch so geringe Abweichung wird im Keim erstickt.“

    So ist es. Amüsant finde ich allerdings wie in der Emma nun solche politisch korrekten Diskursstrategien seitens der Gender-Feministinnen – z.T. durchaus zutreffend – kritisiert werden wie sie die Emma-Feministinnen allerdings selbst gerne angewendet haben, wird doch z.B. jede noch so sachliche, begründete und differenzierte Feminismuskritik von den Emma-Feministinnen als „antifeministisch“, patriarchalisch und frauenfeindlich gebrandmarkt.

    Was den Versuch der Schaffung irrationaler Über-ich-Funktionen und die argumentfreie Diskreditierung Andersdenkender angeht, darin unterscheiden sich diese beide Strömungen des Feminismus ja nun gerade nicht.

    Insofern haben die Emma-Feministinnen mit ihrer Kritik an den politisch-korrekten Diskursstrategien der Gender-Feministinnen zwar Recht, sollten dies allerdings besser auch einmal selbstkritisch auf sich selbst anwenden, wenn es z.B. um ihren Umgang mit linken und liberalen Männerrechtlern geht.

    Der frühe Kritiker jeder Form von Political Correctness Theodor W. Adorno hat die negativen Auswirkungen argumentfreier politisch korrekter Diskursstrategien (die freilich in allen politischen Lagern in spezifischen Varianten aufreten) einmal folgendermaßen kritisch analysiert:

    „Nicht wenige Fragen gibt es, über die ihre wahre Ansicht zu sagen, fast alle mit Rücksicht auf die Folgen sich selbst verbieten. Rasch verselbständigt sich eine solche Rücksicht zu einer inneren Selbstzensurinstanz, die schließlich nicht nur die Äußerung unbequemer Gedanken, sondern diese selbst verhindert.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Auf die Frage: Was ist deutsch, in: Gesammelte Schriften Band 10: Kulturkritik und Gesellschaft II. Eingriffe. Stichworte., Suhrkamp, 2003, S. 692)

    „Das Über-Ich, die Gewissensinstanz, stellt nicht allein dem einzelnen das gesellschaftlich Verpönte als das An-Sich-Böse vor Augen, sondern verschmilzt irrational die alte Angst vor der physischen Vernichtung mit der weit späteren, dem gesellschaftlichen Verband nicht mehr anzugehören, der anstatt der Natur die Menschen umgreift. Diese aus atavistischen Quellen gespeiste und vielfach weit übertriebene gesellschaftliche Angst, die freilich neuerdings wieder jeden Augenblick in Realangst übergehen kann, hat solche Gewalt akkumuliert, dass der schon ein moralischer Heros sein müsste, der sich ihrer entledigte, selbst wenn er das Wahnhafte daran noch so gründlich durchschaute.“

    (aus: Theodor W. Adorno – Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie, in: Gesammelte Schriften Band 8: Soziologische Schriften, Suhrkamp, 2003, S. 47)

  11. Ich kenne die EMMA noch als Hetzblatt, welches mit erfundenen halbwahren Zahlen und Küchenpsychologie argumentiert.

    Zwischen EMMA und „Netzfeministinnen“ passt in der Beziehung m.E. kein Blatt, nur die Stilmittel (und teilweise das Niveau und die Schlagdichte) sind andere. Die Schwarzer nutzt die Springerpresse und hinterzieht Steuern, die motzenden Mädchen sacken Pöstchen und Subventionen ein und benutzen ShitStorms.

    Ihre eigenen Begriffe definieren auch beide, wobei die Netzgören halt oft aus dem verbildeten Universitätsmilieu stammen und durch die Verknüpfung mit dem Trans-Queer-Gedöns und der ganzen US-political-correctness-Szene da einige Zehnerpotenzen an Skurrilität drüber liegen.

    Immerhin: einer Schwarzer würde ich zumindest zuhören, bei den Netzmädchen lohnt das sehr wahrscheinlich nicht. Da können viele nicht logisch denken (bzw. wollen es nicht) und prügeln sofort rabulistisch los, wenn jemand nicht auf Linie ist. Deshalb schreibt EMMA ja auch Artikel und die Gören lieber Twitter-Meldungen ala #Aufschrei.

    Überhaupt Twitter: ich konnte dieser Reihung aus belanglosen bis provokativen Kommentaren noch nie viel abgewinnen. Zeitverschwendung.

    • „dieser Reihung aus belanglosen bis provokativen Kommentaren“

      Kannst du Aphorismen auch nicht leiden?

      Twitter ist unso besser, desdo ironischer und sarkastischer es wird. Eine ganz besondere Weise ein Schlaglicht auf etwas zu werfen.

      • „Kannst du Aphorismen auch nicht leiden?“

        Überwiegend ist das so, ja.

        „Eine ganz besondere Weise ein Schlaglicht auf etwas zu werfen.“

        Das optimale Medium für Dauervernetzte und Sensationslüsterne. Das erinnert mich immer an Leute, die ein Autorennen nur deshalb anschauen, weil sie auf einen spektakulären Unfall hoffen. Bei Twitter hofft man halt auf einen dramatisierbaren Ausrutscher, Breaking News oder wenigstens auf Selbstbestätigung durch die „Peergroup“.

        Im besten Fall verirrt sich mal ein guter Link in die „Diskussion“, gute Argumente eher selten. Recherche: Fehlanzeige, Wissensaustausch: Fehlanzeige, emotionaler/zeitlicher Abstand zum kommentierten Ereignis: Fehlanzeige. Weit überwiegend ein Tool für Narzissten und Aktivisten. Ich würde nichts vermissen ohne Twitter.

        Aber wer es braucht, es gibt sicher unangenehmere Methoden die Zeit totzuschlagen…

        • Ist natürlich nicht zuletzt auch eine Geschmacksfrage. Ich find´s super für sehr pointierte Sprüche und auch gut fürs Aufmerksammachen auf Artikel. „breaking news“ etc dort sind super öde.

        • hier ist so eine echte twitter-Perle:

          passt auch zum Thema, der strengen, konversativen Seite des Feminismus, lol

    • „Überhaupt Twitter: ich konnte dieser Reihung aus belanglosen bis provokativen Kommentaren noch nie viel abgewinnen. Zeitverschwendung.“

      Ganz im Gegenteil, es erlaubt eine ganz neue Form der Kommunikation und des Austausches. Man ist sehr schnell mit sehr vielen Leuten verbunden und kann sehr viele Leute sehr unkompliziert direkt ansprechen. Es ist für sehr viele Sachen sehr nützlich, gerade da es eine gewisse „öffentlichkeit“ hat

      • Aus Sicht eines Blogbetreibers hast du sicherlich recht, im Prinzip machst du Werbung für den Blog und dein Thema.

        Ich diskutiere lieber in Foren. Aber ich bin wohl auch ein Dinosaurier 🙂

  12. Pingback: Streit um IBPOCs und Pay-Sex eskaliert: Trans-Allies verwüsten Frauenbibliothek und greifen eine Besucherin an – aufkreisch

  13. Gesinnungspolizist_*innen ?

    Was für ein Wort! Ich würde sagen ‚Rechtschreiben 6, setzen!‘.
    Ist unsere Welt bereits so dekatent, das wir das, was die Menschen mit viel Blut erreicht haben willkürlich zerlegen und zerstören? Und damit meine nicht Besitz, sondern die Errungenschaften unserer Kultur und das friedliche Zusammenleben.
    ICH DENKE, das all dieser Irrsinn genutzt wird um die inneren Wiederstandskräfte von Nationen und Kulturen zu VERNICHTEN. Wem nutzt unsere Streit? Wer wird der lachende Dritte sein? Denkt nach!
    Das alles ist längt in ‚Hexenverbrennung‘ ausgeartet. Nur die Dummen kämpfen gegen sich selbst bis sie ihr eigenen Haus niedergebrannt haben. Danach sind sie besser zum Sklaven geiegnet.
    Frauenbewegungen haben sich auch längst ins Gegenteil verkehrt. Die Forderung nach Sonderrechten ist immer die Forderung nach ‚Apartheid‘ im anderen Gewand. Das betrifft Frauenbewegungen, Gendervereine, Migrantenorganisationen, Muslimische Verbände, ‚Hate Speech‘-Verbände u.s.w.

    Leute, DAS ist offener Rassismus!

  14. Pingback: Fundstück: Radikalfeministinnen gegen intersektionale Feministinnen – Geschlechterallerlei

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