„Frauen dürfen nicht über Atome singen“

Sängerin Björk   weist auf einen von ihr angenommenen Sexismus in der Musikindustrie hin:

„Frauen in der Musik dürfen über ihre Partner singen. Wenn sie das Thema wechseln, um über Atome, Galaxien, Aktivismus … oder andere Dinge außer ihren Liebsten zu singen, werden sie kritisiert“, heißt es dort. Männer hingegen, dürften in ihren Liedern über alle möglichen Themen sprechen.

Hat sie dazu geforscht? Wir dürfen gespannt sein, aus welcher umfassenden Faktenlage sie diese Erkenntnisse stützt:

Genau das sei bei ihren letzten Alben passiert, schreibt die isländische Sängerin weiter. „Auf dem aktivistischen ‚Volta‘ sang ich über schwangeren Selbstmordbomber und die Unabhängigkeit der Färöer Inseln und Grönlands. Auf dem pädagogischen ‚Biophilia‘ sang ich über Galaxien und Atome, aber erst als ich ‚Vulnicura‘ rausbrachte, in dem ich über mein gebrochenes Herz sang, wurde ich von den Medien voll akzeptiert.über so

Warum nur akzeptieren die Leute Lieder über schwangere Selbsmordbomber und die Unabhängigkeit so international wichtiger und in der Presse schon immer groß vertretenen Färöer Inseln und Grönland nicht genauso wie  Lieder über die Liebe? Es ist nicht vorstellbar, dass Leute im täglichen Leben eher so etwas fast nicht bekanntes wie ein gebrochenes Herz nachvollziehen könne als den Kampf um Freiheit dieser beiden Inseln. In der Tat kann nur Sexismus der Grund sein, denn kein einziger Mann hat jemals einen Flop erlebt, wenn er über diese beidenThemen geschrieben hat.

Es ist für mich ein Musterbeispiel für die „Sexismus-Ausrede“, also den Umstand, dass Frauen immer wieder Situationen auf Sexismus zurückführen, bei denen andere Erklärungen weitaus eher auf der Hand liegen, aber eben die Sexismus-Ausrede erlaubt, alle Verantwortung für Nichterfolg von ich zu weisen.

Belege für ein Weihnachtsstimmungsnetzwerk im Gehirn (Gehirnscans)

Eine interessante Studie untersucht, wie die Gehirne von Leuten auf Weihnachten reagieren:

Objective To detect and localise the Christmas spirit in the human brain.

Design Single blinded, cross cultural group study with functional magnetic resonance imaging (fMRI).

Setting Functional imaging unit and department of clinical physiology, nuclear medicine and PET in Denmark.

Participants 10 healthy people from the Copenhagen area who routinely celebrate Christmas and 10 healthy people living in the same area who have no Christmas traditions.

Main outcome measures Brain activation unique to the group with Christmas traditions during visual stimulation with images with a Christmas theme.

Methods Functional brain scans optimised for detection of the blood oxygen level dependent (BOLD) response were performed while participants viewed a series of images with Christmas themes interleaved with neutral images having similar characteristics but containing nothing that symbolises Christmas. After scanning, participants answered a questionnaire about their Christmas traditions and the associations they have with Christmas. Brain activation maps from scanning were analysed for Christmas related activation in the “Christmas” and “non-Christmas” groups individually. Subsequently, differences between the two groups were calculated to determine Christmas specific brain activation.

Results Significant clusters of increased BOLD activation in the sensory motor cortex, the premotor and primary motor cortex, and the parietal lobule (inferior and superior) were found in scans of people who celebrate Christmas with positive associations compared with scans in a group having no Christmas traditions and neutral associations. These cerebral areas have been associated with spirituality, somatic senses, and recognition of facial emotion among many other functions.

Conclusions There is a “Christmas spirit network” in the human brain comprising several cortical areas. This network had a significantly higher activation in a people who celebrate Christmas with positive associations as opposed to a people who have no Christmas traditions and neutral associations. Further research is necessary to understand this and other potential holiday circuits in the brain. Although merry and intriguing, these findings should be interpreted with caution.

Quelle: Evidence of a Christmas spirit network in the brain: functional MRI study

Aus der Studie:

We identified a functional Christmas network comprising several cortical areas, including the parietal lobules, the premotor cortex, and the somatosensory cortex. Activation in these areas coincided well with our hypothesis that images with a Christmas theme would stimulate centres associated with the Christmas spirit. The left and right parietal lobules have been shown in earlier fMRI studies to play a determining role in self transcendence, the personality trait regarding predisposition to spirituality.6 Furthermore, the frontal premotor cortex is important for experiencing emotions shared with other individuals by mirroring or copying their body state,7 and premotor cortical mirror neurons even respond to observation of ingestive mouth actions.8 Recall of joyful emotions and pleasant ingestive behaviour shared with loved ones would be likely to elicit activation here. There is growing evidence that the somatosensory cortex plays an important role in recognition of facial emotion and retrieving social relevant information from faces.9 Collectively, these cortical areas possibly constitute the neuronal correlate of the Christmas spirit in the human brain.

We realise that some of our colleagues within the specialties of neuroscience and psychology, who we suspect could be afflicted by the aforementioned bah humbug syndrome, would argue that studies such as the present one overemphasise the importance of localised brain activity and that attempts to localise complex emotions in the brain contribute little to the understanding of these emotions. Citing a paper reporting fMRI evidence of brain activity in frozen salmon,10 representatives of this view have even coined terms for this practice such as “blobology,” “neo-phrenology,” “neuro-essentialism,” and “neuro-bollocks” (Grinch and colleagues, personal communication). Naturally, in keeping with the good spirit of the holiday, we disagree with these negative perspectives.

Das bei Menschen, die mit einer Weihnachtstradition aufgewachsen sind, andere Assoziationen mit Weihnachten vorhanden sind, die auch zu einer anderen Verarbeitung von Daten im Gehirn führen, wäre aus meiner Sicht nicht ungewöhnlich. In diesem Sinne noch einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag!

„Weihnachten ist ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen“

Das Verhältnis des Feminismus zu Weihnachten ist seit jeher gespalten – nicht verwunderlich, bei einem christlichen, also westlichen Fest, in der ein alter vermutlich heterosexueller (?) weißer Mann Geschenke bringt und der Geburtstag eines anderen Mannes, allerdings wahrscheinlich nicht weiß, da aus dem nahen Osten, dafür aber heterosexuell, gefeiert wird. Der Weihnachtsmann ist zwar zumindestens fettleibig, aber er bringt armen weniger als reichen Kindern und allgemein Spielzeuge aus dem Kapitalismus, so dass hier die Ablehnung wohl überwiegen muss.

Natürlich ist es für viele Frauen auch ein stressiges Fest, weil ein Großteil der Vorbereitung, vom Festmahl bis zum Geschenkekaufen, auch an ihnen hängen bleibt.

Hier ein wunderbarer Weihnachtsverriss:

ich  hasse Weihnachten, weil es nicht hält, was es verspricht. Groß angekündigt als Fest der Familie ist es nämlich hier und heute vor allem eines: ein Fest für die Trumps dieser Welt und alle, die es sein wollen. Ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen und im Punschduft leise vor sich hin säuseln: „Früher war alles besser, so soll es wieder werden“. Nicht umsonst erfreut sich der Slogan „Make America great again“ großer Beliebtheit – jetzt kann man ruhig auch sagen: „Make Weihnachten great again“. Und in diesem Kontext bekommt auch der Ausdruck „weiße Weihnachten“ eine neue Bedeutung. Aber zurück zum Thema Weihnachten ….

Dem Fest, das alte tradierte Rollenmuster festigt: Die Frau und Mutter, die mit ihrer  (am besten blonden und blauäugigen) Kinderschar Kekse bäckt, sich das Weihnachtsessen überlegt, einkauft, zubereitet und die Wohnung putzt. Ein Lobgesang auf die 50er und ihre verbohrten Ansichten über Frauen am Herd, die heute noch düstere Schatten werfen. Nicht umsonst feiern wir die Geburt eines Kindes, das aus einer angeblich unbefleckten Empfängnis hervorgegangen ist. Und auch hier steht nicht die Mutter im Vordergrund, sondern der, der es gemacht hat: Gott. Es ist sein Sohn. Kenn ich irgendwie. Auch der hasigste Ehemann von allen ist fest davon überzeugt, die Kinder habe primär er gemacht. Mein Beitrag war da aus seiner Sicht eher gering. Meint er. Ein Fest, das – zumindest bei mir – keine rührselige Stimmung aufkommen lässt, sondern mich mürbe macht. Mit Mürbteig und Rührkuchen.

Ein Fest, für das ICH allein die Geschenke überlegen, besorgen und natürlich einpacken muss. Für Opa, Oma, Neffen, Kinder und Freunde. Wieso? Weil der Mann an meiner Seite mir da unverbindlich aus dem Weg geht. Wahrscheinlich lässt er mir hier meinen Freiraum. Vielleicht hat er aber auch weder Zeit noch Lust dazu. Und wundert sich dann, warum sein beliebtestes Nicht-Nur-an-Weihnachten-Geschenk – „Make Penis great again“ – wohl gerade aus ist. Wohl Lieferschwierigkeiten wegen Weihnachtsstress und so …

So so, Make Penis great again muss leider ausfallen. Und überhaupt ist Weihnachten viel zu weiß. Schreckliches Fest!

Selbermach Samstag 218 (24.12.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!

Alles Leser frohe Weihnachten!

Wer Zeit hat, der kann diesen Werbespot analysieren:

Da haben wir die Konkurrenz der Partnerin mit der Schwiegermutter, deren starke Position, der allgemeine Weihnachtsstress bei der Essensvorbereitung für das Fest, der hier geschickt in Stress nur wegen der Schwiegermutter umgemünzt wird etc.

Wem das zu stressig ist: Hier etwas Musik passend zum Fest:

Wenn die Frau mehr verdient als der Mann

In der Süddeutschen findet sich ein Artikel zu dem Fall, dass eine Frau mehr verdient als der Mann und sich daraus ergebenden Problemen:

Die Einleitung macht deutlich, dass dies kein typischer Fall ist:

Bei einem von zehn Paaren verdient die Frau mehr Geld als der Mann. Das hält nicht jeder aus – das Rollenbild vom Vater als Ernährer ist hartnäckig.

 In 9 von 10 Fällen verdient damit der Mann mehr, was bereits deutlich macht, dass die meisten Familien klassische Rollenbilder leben.

„Ein Mann muss stark sein und es aushalten können, wenn seine Frau mehr verdient. Doch ich glaube, schon wegen der traditionellen Rolle als Familienernährer, können das nicht so viele“, sagt sie. Ihr Mann muss beispielsweise aushalten, dass sie über die Ausgaben bestimmt. „Größere Dinge besprechen wir natürlich – wohin es in Urlaub geht oder ein neuer Fernseher.“

Das ist ja schon eine interessante Aussage: Sie verdient, also bestimmt sie auch über die Ausgaben? In den meisten Familien, in denen der Mann mehr verdient wird diese Aufteilung nicht so sein und man wäre wahrscheinlich ein Chauvi, wenn man es so deutlich sagen würde.

Das Einkommen sei für sie kein Kriterium bei der Partnerwahl, sagt Ortmann. „Manchmal habe ich mir aber schon gewünscht, mein Mann würde mehr verdienen“, erzählt sie. „Das hätte mich entlastet. Die Familie allein zu ernähren, ist eben eine riesige Verantwortung.“ Das tun zwar immer mehr Frauen – mittlerweile um die sechs Millionen – trotzdem ist Ortmann eine Ausnahme. Es ist bekannt: Die Mehrheit der Familien wählt noch immer das Familienmodell, das ihre Eltern lebten.

Ich hatte schon neulich einmal angemerkt, dass man bestimmte Sätze nur dann in Artikeln liest, wenn etwa Geschlechterthemen ausgeblendet werden oder die Frau die andere Rolle innehat: Wann hat man in einem Artikel zur Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau oder noch eher zu Lohnunterschieden von Mann und Fraue schon einmal das simple Zugeständnis gelesen, dass das höhere Gehalt nicht einfach nur Privileg, sondern auch eine „riesige Verantwortung“ ist.

Auch interessant wäre, worauf sie die Erkenntnis stützen, dass man das Familienmodell wählt, weil es die Eltern auch so gelebt haben, was hier wohl mit der Formulierung im letzten Satz gemeint ist und auf erlerntes Verhalten abstellt. Denn für andere Frauen könnte ja Gehalt durchaus eine Rolle spielen und mit dem höheren Gehalt entscheidet sich auch häufig schon, wer aussetzt und wer nicht.

Die Soziologin Daniela Grunow von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat Paare in acht europäischen Ländern befragt und herausgefunden, dass sie sich sogar für dieses Modell entscheiden, wenn beide gleich viel verdienen.

Auch das ist interessant und wäre durch Vorlieben auch gut zu erklären: Der Mann möchte den Status des Jobs und die Rolle als Ernährer und Versorger nicht aufgeben, der Frau bedeutet dies weniger und Zeit mit dem Kind dafür mehr.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums ist das bei etwa 20 Prozent aller deutschen Mehrpersonenhaushalte der Fall. „Sobald ein Paar zusätzliche Verpflichtungen eingehen muss, also beispielsweise Kinder betreuen, trifft es geschlechtsspezifische Absprachen“, sagt Grunow. Und die fallen in der Regel traditionell aus. Das heißt, die Frau bleibt daheim oder geht in Teilzeit.

Auch hier sollte man „Absprachen“ hervorheben.

Ein Dilemma für die berufliche Laufbahn der Frau, von den niedrigeren Rentenansprüchen ganz zu schweigen.

Solange beide verheiratet sind wird aber beides sich nicht wesentlich auf den Lebensstandard der Frau auswirken und für den Fall einer Scheidung bei Heirat wird es auch den Mann teuer zu stehen kommen, der dann eben die Hälfte seiner Rentenansprüche im Rahmen des Versorgungsausgleichs abgeben muss.

Bis zum Zeitpunkt des Kinderkriegens sei der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen gar nicht so groß, sagt Professor Grunow. Aber bei den Öffnungszeiten der deutschen Krippen und Kindergärten ist es trotz Ausbau des Betreuungsangebots so gut wie unmöglich, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten. Es sei denn, sie können sich zusätzliche private Kinderbetreuer leisten.

Und sie wollen das. Ich kenne auch von genug Leuten den Gedanken, dass sie es sich leisten können, die Mutter freizustellen, die dann nicht erwerbstätig sein muss, gerade auch dann, wenn sie ohnehin eine niedrigere Qualifikation als der Partner hat.

Die sozialpolitischen Maßnahmen wie das Ehegattensplitting erleichterten Paaren zudem die Entscheidung, nur noch auf einen Hauptverdiener zu setzen.

Was ich auch interessant in der feministischen Diskussion finde ist, dass häufig über das Ehegattensplitting geschimpft wird bzw über die Steuerklassen (auf die es gar nicht ankommt,  was man an Steuern zahlt richtet sich nicht nach der Steuerklasse, diese regeln lediglich die „Vorschüsse“), ich kenne aber auch keinen feministischen Artikel, der ein anderes Steuersystem entwickelt hat, welches eingesetzt werden soll.

Aber in der Tat kann es sich gerade bei einem Ehepartner mit geringerer Qualifikation durchaus nicht sonderlich lohnen, wenn sie noch halbtags arbeitet, wobei man Rente etc dabei auch nicht ausblenden sollte.

In dieser Situation geben sie eben der Karriere des Mannes Vorrang. Nicht unbedingt, weil sie diese als wichtiger erachten. „Da spielen eher solche traditionellen, sehr stark verankerten Überzeugungen eine Rolle, wie: Das Kind braucht die Mutter doch viel mehr“, sagt Grunow. Das mag für die Stillzeit stimmen. Und danach? „Welches Konzept deutsche Männer von sich als Babyväter haben, spielt dabei auch eine Rolle.“ Bis auf ab und an mal Windeln wechseln und sich das Baby auf den Bauch legen, haben sie meist nämlich keines.

Das erlebe ich schon anders. Moderne Väter machen heute schon einiges mit den Kindern, selbst wenn sie arbeitsbedingt die geringe Zeit haben. Aber vielleicht ist mein Einblick da auch sehr selektiv.

„Das Kind braucht die Mutter doch viel mehr“ ist auch eine Erfahrung, die einige Väter machen, weil eben über Elternzeit und Stillen eine andere Bindung und Nähe vorliegt. Die Mutter vermittelt dann eine andere Form der Sicherheit als der unbekanntere Vater, selbst wenn der sich alle Mühe gibt. Aber dabei alles nur auf Tradition zu schieben scheint mir auch etwas einfach: Viele Frauen sehen es durchaus auch als ein Recht, welches sie nicht missen wollen. Die Aussage „Ich bin doch nicht neun Monate schwanger um dann nichts von dem Kind zu haben und gleich wieder voll zu arbeiten“ habe ich schon häufiger gehört, ebenso wie es meist Mütter waren, die früh wieder angefangen haben, Vollzeit zu arbeiten und es dann nicht ausgehalten haben, in den Staatsdienst oder einen anderen Job gewechselt sind, der günstigere Arbeitzeiten hat als der vorherige Karrierejob, weil ihnen der Anteil an der Fremdbetreuung zu hoch war.

Dass Elterngeld und Elternzeit für Väter das ändern können, zeigt das Beispiel Schweden, wo es beides schon seit den Siebzigerjahren gibt. Dort ist es normal, dass Eltern sich die Kinderbetreuung teilen. So losgelöst von den Traditionen sind nicht einmal die Ortmanns. Auch Miriam arbeitet weniger als ihr Mann, um die Kinder pünktlich um 17 Uhr vom Hort und vom Kindergarten abzuholen. Dass sie trotzdem mehr verdient, liegt an dem Studienfach, das sie einst belegte.

Auch da zeigt sich also eine klassischere Rollenverteilung: Frauen, die Vollzeit arbeiten, arbeiten mit Kind meist dennoch weniger, selbst wenn der Mann weniger verdient.
Wer wie sie etwas im mathematischen, technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich studiert, hat später auch bessere Chancen, gutes Geld zu verdienen. Bekanntermaßen tun das die wenigstens Frauen. Häufig entscheiden sie sich für kulturwissenschaftliche oder soziale Fächer. Dabei sind ihnen Einkommen und Aufstiegschancen nicht weniger wichtig als den Männern. Davon ist der Soziologe Fabian Ochsenfeld überzeugt. Wie seine Kollegin Daniela Grunow forscht er an der Goethe-Universität zum Thema Berufswahl. Frauen interessierten sich tatsächlich eher für diese Fächer, sagt Ochsenfeld. Er hält das allerdings für anerzogen.
Da wüsste ich auch gerne, worauf er das stützt: Natürlich wollen viele ein gutes Einkommen haben und Aufsteigen, aber häufig verschiebt sich die Perspektive, wenn das Kind da ist. Und mit kulturwissenschaftlichen und sozialen Fächern sind die Aufstiegschancen eben häufig auch deutlich schlechter. Wobei für die Kinder ja auch schon mehr Karrieren aufgegeben worden sind als es überhaupt gibt: Es machen eben die wenigsten tatsächlich Karriere, da die Positionen an der Spitze naturgemäß begrenzt sind.

Umfragen zeigten, dass Mädchen in ärmeren Schwellenländern wie beispielsweise in Indien schon in der Schule viel technik- und mathematikaffiner seien. Wenn dort in die Ausbildung einer Frau investiert werde, müsse sich das hinterher finanziell lohnen. „Wir in den reichen Industrienationen sind dagegen freier in der Berufswahl, haben weniger materiellen Druck. Darum betrachten wir sie als expressiven Akt“, erklärt Ochsenfeld. Mit dem Beruf zeigt man, wie man tickt, ob man kreativ, sozial engagiert oder eben ein technikbegeisterter Nerd ist.

Das wäre dann das „Gender Equality Paradox: Um so mehr Freiheiten man den Leuten lässt und um so reicher und gleichberechtigter das Land, um so eher entscheiden sie sich für die klassischen Berufe. Wo ein Beruf hingegen darüber entscheidet, ob man aus der Unterschicht herauskommt und ein besseres Leben führt ist es häufig anders.

Natürlich können zusätzlich auch anderweitige Unterschiede, etwa im pränatalen Hormonspiegel eine Rolle spielen, wenn es um Unterschiede zwischen Völkern geht.

Letzteres wird in den westlichen Ländern Mädchen eben nicht zugestanden. „Bleibt ein Junge zwölf Stunden im Keller, um mit der Eisenbahn zu spielen oder mit dem Computer, ist das in Ordnung. Bei einem Mädchen in der Regel nicht“, vermutet Ochsenfeld. Von ihm werde Vielfalt und soziale Kompetenz gefordert. Das verhindere eine Interessenspezialisierung, die aber für techniknahe oder naturwissenschaftliche Fächer nötig sei.

Hier haben wir wieder ein sehr einfaches Modell. Die meisten Mädchen haben genauso wie die meisten Jungs ab einem gewissen Alter einen Computer im Zimmer. Und die Eltern werden nur sehr eingeschränkt überwachen können, ob die Mädchen Bibis Schminktipps auf Youtube schauen oder Programmiertutorials. Und auch die Jungs werden viel sinnloses am Computer machen, was ihnen erst einmal keine besonderen Fähigkeiten verleiht. Eher dürften andere, auch biologische Grundlagen die Interessenverteilung begründen

Miriam Ortmanns Mann hat sich mittlerweile selbständig gemacht und trägt seit Jahren zum ersten Mal fast ebenso viel zum Haushaltseinkommen bei wie seine Frau. Aber für die Gelddinge bleibt vorerst sie verantwortlich: „Ich habe einfach ein Händchen für Zahlen.“
Auch hier wieder so ein Satz, den man in umgekehrten Fall so wohl nicht so unproblematisch finden würde: Seine Frau verdient endlich mehr, er will die Kontrolle über das Geld aber nicht hergeben. Aber auch hier ist es interessant, dass er anscheinend ja die Anlage zum Geldverdienen bereits gehabt hat, sie also niemanden geheiratet hat, der gar keine Aussichten darauf hatte, mehr zu verdienen.

„5 Radikale Wege wie Leute Nicht-Monogam leben, die du kennen solltest“

Die Grafiken von „Everyday Feminism“ finde ich immer wieder klasse:

Nichtmonogam

 

 

Nichtmonogam

Nichtmonogam

 

Nichtmonogam

Nichtmonogam

 

Finde ich ein gutes Beispiel für den „Nicht gut genug“-Aktivismus:

„Es ist ja ganz nett für den Anfang, dass ihr wenigstens nicht monogam lebt und damit die bestehende Gesellschaft stützt, aber macht euch bewußt, dass eure Form des Protests noch sehr privilegiert ist und andere es noch viel schlechter haben, deswegen dürft ihr nicht eure Beziehung darstellen, sondern müsst jedem gleich erklären, dass alles noch viel besser und revolutionärer geht, damit endlich diese miese Vorherrschaft der Monogamie aufhört“

vgl auch:

Warum der intersektionale Feminismus niemals eine Diskriminierung von Männern anerkennen wird

Um zu verstehen, warum der intersektionale Feminismus so vehement daran festhält, in allen Punkten, in denen es um Kategorien der Unterdrückung geht, zwei streng binäre Gruppen zu bilden, von denen eine Privilegien aufgrund von struktureller Macht hat und die andere diese vorenthalten werden, sie also unterdrückt werden muss man sich bewusst machen, was innerhalb dieses totalitären Systems passieren würde, wenn sie von dieser binären Einteilung abweichen würden und eine differenzierte Betrachtung zulassen würden.

Ich hatte das schon einmal hier ausgeführt:

Eine Folge des Annehmens lediglich weiblicher Privilegien ist meiner Meinung nach dieser Beitrag von Franza Drechsel im Streit-Wert Blog:

Die Männerrechtler stellen eine – sicherlich nicht untypische – Gegenbewegung zu feministischen Bewegungen dar, die meines Erachtens zu beobachten, aber nicht zu ernst zu nehmen ist. (…)

Gerade dieser Punkt macht deutlich, dass (grünen) Männern oft erst noch stärker bewusst werden muss, dass sie privilegiert sind. Wie so oft in Bezug auf Diskriminierungen und Privilegierungen ist es auch hier so, dass die Diskriminierten eher als die Privilegierten die Strukturen erkennen und bekämpfen. Eine „Normalität“ zu erkennen ist schwerer, als zu erkennen, keinen Zutritt dazu zu haben.

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt. Feminist ist aber eben kein neutraler Begriff und Frauenbenachteiligung die Norm von der nicht abgewichen werden darf.

In der intersektionalen Theorie folgt daraus, dass der eine Privilegien hat und der andere unterdrückt wird einiges an Macht für den Unterdrückten:

  • Die Unterdrückung des Unterdrückten ist nur von diesem zu bestimmen, dieser ist der Einzige, der sie wirklich erfassen kann, dessen Perspektive absolut anzuerkennen ist und der eine Form der Definitonsmacht hat, was ihn genau betrifft
  • Der Privilegierte muss seine Privilegien von sich aus bekämpfen und hinterfragen. Er ist der der Böse, der dafür sorgen muss, dass seine unberechtigten Privilegien abgebaut werden.
  • Der Benachteiligte muss sich nicht erklären, er muss nicht freundlich sein, er hat das Recht ärgerlich zu sein, er muss keine Kekse dafür verteilen, dass der andere seine Privilegien abbaut, er kann das erwarten
  • Der Benachteiligte hat wenn es um Positionen geht, die seine Unterdrückung/Benachteiligung betreffen nicht die Pflicht, den anderen zu belehren, er hat aber das Recht dazu und man muss seiner Stimme Gehör verschaffen, ihm Raum geben und seinen eigenen Raum als Privilegierter nicht zu groß werden lassen.

Jetzt übertrage man das mal auf einen konkreten Fall:

Nehmen wir mal an, dass der Feminismus anerkennen würde, dass Männer in Bezug auf Umgang, Kontakt und Zeit mit Kindern benachteiligt und Frauen privilegiert wären:
Jetzt könnte bei jeder feministischen Diskussion ein „intersektionaler Feminist“ einwenden, dass hier leider die Privilegierung der Frauen in diesem Bereich nicht hinreichend berücksichtigt wird, etwa weil die Zeiten, zu denen die Diskussion stattfindet, nicht hinreichend mit den Umgangszeiten abgestimmt werden oder Protestieren, dass man Leute (=Frauen) im Raum duldet, die ihre privilegierte Stellung ausgenutzt haben und dem Vater kein Wechselmodell ermöglicht haben. Dass der Vater das in dem Fall vielleicht gar nicht wollte würde nicht ausreichen, denn das wollte er eben nur nicht, weil die Gesellschaft ihn so erzogen hat und das hat sie ausgenutzt. Man müsste diesem Mann dann zuhören, er dürfte Forderungen stellen, er dürfte die Anwesenden auffordern, auch in ihrem Leben keine „Mikroaggressionen“ gegen Väter zu starten (etwa weil eine der Frauen berichtet, dass gerade ihre Mutter die Kinder betreut) oder weil sie ihre nichtfeministischen Verwandten nicht hinreichend darüber aufgeklärt haben, dass auch sie nicht genug machen, damit Männer gleiche Zeit mit den Kindern haben. Während dieser Zeit müssten die Feministinnen verständnisvoll nicken und Besserung geloben. Allenfalls könnten sie andere intersektionale Aspekte dagegen halten, wenn ihnen das möglich ist.
Plötzlich könnten also Männer (oder Weiße, Cis-Personen, Heterosexuelle oder wer auch immer bei einer differenzierten Betrachtung „Privilegien“ hätte) ihre eigenen Regeln gegen sie verwenden und sie müssten das dulden oder sich vorhalten lassen, ihre Privilegien nicht zu reflektieren.

Es wäre damit der Zusammenbruch aller feministischen Theorien und Praktiken, die ganze Machtstruktur innerhalb dieser Gruppen (= Männer sind die Schuldigen und müssen sich auch so verhalten) wären dahin. Das klare „Freund-Feind-Schema“ wäre nicht mehr anwendbar und damit würden sich ihre totalitären Absicherungsmittel gegen sie selbst richten.

Das kann man dort niemals zulassen. Das System kann immer nur so funktionieren, dass man ganz klar auf eine Gruppe in einer Kategorie herabblicken kann und dort der „Bessere“ ist. Wenn dieser zurückschlagen kann und einem innerhalb der gleichen Kategorie selbst vorhalte machen kann, dann gerät ein System, dass auch kleinste Verfehlungen für ursächlich und vorhaltbar hält aus den Fugen.

Der intersektionale Feminismus kann und darf daher männliche Diskriminierung nie anerkennen. Sie werden daher niemals „strukturelle Nachteile“ für Männer aufgrund von Macht von Frauen zugestehen. Allenfalls wird man anführen, dass eben alle negativen Folgen von Männern eine Folge der männlichen Strukturen ist („Das Patriarchat schadet auch Männern„), eine Nebenfolge der Unterdrückung anderer Gruppen, an der die Männer selbst schuld sind und die nie selbst, sondern nur über Bekämpfung des Hauptwiderspruchs, also die Aufgabe der männlichen Privilegien beseitigt werden kann.