Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. Dezember 2016

Jordan Peterson: Maps of Meaning

Advertisements

Responses

  1. Bloody Hell, damit machst du aber ein Fass auf. Das sind zwischen 20 und 30 Stunden Video, wenn man die ganze Vorlesungsreihe sehen will.

    (Für mich hat es sich allerdings gelohnt.)

    • @only me

      Ja, ich habe sie auch noch nicht ganz geschaut, aber so habe ich sie zumindest mal festgehalten und wer will kann reinschauen.

      Kannst du irgendwelche Stellen empfehlen?

      • Stellen empfehlen ist schwierig. Da ich das übers Handy beim Autofahren oder Hausarbeiten höre, ist das mit den Notizen so eine Sache…

        Aber eine kurze Einleitung passt vielleicht:

        Peterson ist im Wesentlichen Psychologe.

        Die Vorlesung dreht sich darum, was Welt und Bedeutung aus einer psychologischen Perspektive sind. Die für ihn relevante Frage ist nicht „Wie sind Atome arrangiert?“ sondern „Wie soll ich mich verhalten?“.

        Diese Frage erfordert ganz andere Denkweisen als die „harten“ Wissenschaften etabliert haben. Die Physik kann dir nicht verraten, wie du dich verhalten sollst.

        Die Grundidee, soweit ich sie verstanden habe, ist nun, dass Menschen sich diese Frage schon länger stellen als sie überhaupt in der Lage sind, Fragen explizit zu stellen.

        Ein möglicher Weg zur Antwort ist also, sich die Lage der Menschen anzuschauen und – am Ende – zu versuchen, ihre Antworten zu verstehen.

        Die ersten 4 oder 5 Vorlesungen drehen sich daher um psychologische, neurologische und verwandte Grundlagen der menschlichen Verfassung.

        Als Beispiel ein für mich interessantes Detail: Viele Menschen heutzutage (mit besonderer Häufung Feministinnen und SJWs) glauben, dass es der Normalzustand sein sollte, keine Angst zu haben.
        Peterson begründet, warum das Quatsch ist. Quasi alle Tiere, inkl. Menschen, in der gesamten Geschichte des Planetens, hatten Angst als Normalzustand. Viele Arten schaffen es, sich Refugien einzurichten, in denen sie sich auskennen und dadurch relativ sicher fühlen können. Aber sobald man das Refugium verlässt oder im Refugium was schief geht, ist Angst automatisch da.
        Unser gesamtes Wesen ist darauf ausgerichtet, auf Unbekanntes ängstlich zu reagieren. Das war unbedingt notwendige Überlebensstrategie, wenn man auf dem Speiseplan von vielen anderen Tierarten steht.
        Er macht dann den neurologischen Exkurs. Was genau im Nervensystem wofür zuständig ist und wie das alles funktioniert, wird noch diskutiert, sagt er. Eine These ist, dass die beiden Gehirnhälften sich die Zuständigkeit für Bekannt (sicher, Routine) und Unbekannt (gefährlich, aufregend) teilen. Üblicherweise (aber nicht zwangsläufig) so, dass die linke Gehirnhälfte sich um die Routine kümmert und die rechte sofort aktiviert wird, sobald etwas Unvorhergesehenes oder Unerwünschtes passiert.
        Die linke, heißt es üblicherweise, ist auch für Sprache zuständig. Sprache ist was, was du routinemäßig verwendest, das passt also.

        Von dieser Art sind seine Exkurse, reich gefüttert mit Anekdoten und Verweisen auf andere Autoren.

        Spätestens ab Vorlesung 6 fängt er mit dem für ihn eigentlichen an: Narrative. Vor allem jene, die sich in Form von Mythen entwickelt haben.

        Geschichten früher wurden erzählt. Damit machen Geschichten auch einen evolutionären Prozess durch. Details, die ein Erzähler interessant fand, aber auf Dauer keinen überzeugt haben, werden dadurch wieder entfernt. Feedback war ja immer unmittelbar.
        Dadurch schält sich eine wahre Symbolik raus.

        Die Grundidee, wenn ich das richtig verstanden habe, bezieht sich auf C.G.Jung, ist also in der Psychologie wohl etabliert.

        Er geht dann die wesentlichen Mythen der frühen Menschheitsgeschichte durch, von Mesopotamien, über Ägypten zu Juden- und Christentum.

        Leszek und Crumar werden ihn nicht mögen, den „Marxismus“ ist für ihn das, was alle Regimes installiert haben, die sich dabei auf Marx berufen haben. Er führt dabei gern Scholzenyzin als Begründung an.

        Ich finde die Vorlesung hochgradig spannend.
        Das Dasein nicht aus der Perspektive „Wie ist die Welt?“ sondern „Wie funktioniert der Mensch?“ zu betrachten, ist ungemein fruchtbar.
        Es macht zum Beispiel den pragmatischen Wahrheitsbegriff sehr plausibel.

        • Danke für die Einführung ungemein interessant und lehrreich, habe leider kaum Zeit das in Gänze anzusehen, aber vielleicht nach und nach.
          Den Gedanken mit der Angst hatten wir hier in der Diskussion auch schon, aus etwas anderer Perspektive.
          Es wir ja jetzt ständig über traumatische Erlebnisse geredet. Und das Menschen (oft geht es speziell um Frauen) traumatisiert sind.
          Wenn man sich aber mal die biologische Realität ansieht, dann ist für die meisten Lebewesen das Leben voll “ traumatischer“ Ereignisse. Diese Sicherheitswelt mit dem Sicherheitsanspruchsdenken als Ideal sicher ein Sonderfall, speziell in der westlichen Kultur

  2. Interessante Stelle bei 1:29:30

    Der Vorteil von traditionellen (Geschlechter-) Rollen ist, dass jeder weiß, was zu tun ist. Man kann im Autopiloten unterwegs sein. (Menschen wollen so viel wie möglich im Autopiloten unterwegs sein; Selbstdenken ist anstrengend -> Kahnemann).

    Was ist die Alternative? Es gibt drei Alternativen:
    a) Du bist Sklave.
    b) Du bist Tyrann.
    c) ALLES wird verhandelt.

    Alles zu verhandeln ist nicht nur ungemein anstrengend, die meisten Menschen sind echt schlecht im Verhandeln.

    • Vertrauen ist ein Mechanismus zur Reduzierung von Komplexität und Ambiguität in sozialen Systemen. Vertrauen entsteht durch die Voraussage von Verhaltensweisen, die wir über unsere Mitmenschen treffen und die dann auch bestätigt wird. Das Gehirn leistet diese Vorraussage durch Stereotypisierung. Wir identifizieren Merkmale an einer unbekannten Person, und suchen nach den gleichen Merkmalen bei einer uns bereits bekannten Person, deren Verhaltensweise wir kennen, um eine Aussage über das wahrscheinlichhe Verhalten zu treffen.

      Wichtig ist hierbei das kennen. Je mehr Personen bestimmter Merkmale wir kennengelernt haben, desto treffsicherer sind unsere stereotypen Vorannahmen. Die Annahme der Pole den man gerade kennenlernt sei ein Dieb ist ziemlich wahrscheinlich nicht richtig. Von einer Frau die man gerade kennenlernt anzunehmen, dass sie kein MINT-Hintergrund hat, ist ein Stereotyp mit hoher Treffsicherheit. Und die Annahme, dass auch dieses Kind Eis mag, ist nahezu ein zu 100 Prozent zutreffendes Stereotyp.

      Je mehr und je besser wir Mitmenschen bestimmter Merkmale kennen, desto treffsicherer sind unsere Aussagen über einen weiteren aber unbekannten Vertreter dieser Gruppe.

      Und das alles machen wir nicht um zu unterdrücken, ein Patriarchat aufrecht zu erhalten oder weil wir alle Sexisten sind. Der komplexe und hochentwickelte Computer zwischen unseren Ohren würde einfach unter der zu verarbeitenden täglichen Informationsflut kollabieren. Wir wären ohne Stereotype und Erwartungen nicht handlungsfähig.

      Gender Feminismus ist also auch neurologisch gehen ein dead end. Man bräuchte für eine Welt ohne Geschlechterrollen eben einen neuen Menschen. Klassisches Problem linker Lust an der Utopie….

  3. Ein wichtiges Thema für Peterson ist der Umgang mit dem Unbekannten.
    Für Kinder ist das ein ganz dringendes Problem, weil für die ständig irgendwas unbekannt ist.

    Sein Beispiel ist ein Kind, das zum ersten Mal eine Maus im Haus sieht. Der erste Reflex, ist die Maus anzuschauen. Der zweite Impuls ist, die (i.d.R.) Mutter anzuschauen, um Hilfe beim Einordnen zu bekommen.
    Wenn die Mutter anfängt zu kreischen und auf Stühle zu springen, weiß das Kind, dass Mäuse gefährlich sind.

    Ich bin grad über ein Video gestolpert, das den selben Gedanken in anderem Kontext illustriert, sozusagen aus der Sicht der Maus.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: