Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. November 2016

Sind Internet Memes Lebewesen? (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Dominik

  • Sind Internet Memes Lebewesen ?
  • Ebola Chan

 

Eines der bekannteren Internet Memes ist vielleicht Ebola Chan, die Kunstfigur entstand  auf dem Massageboard 4Chan als Reaktion auf den Ebola Ausbruch 2014 in Westafrika.

Im Rahmen des Ebola Ausbruchs machte das Gerücht die Runde, westliche Ärzte würden Schwarzafrikaner vorsätzlich mit Ebola infizieren um entweder Schwarze oder Afrikaner auszurotten.

Als klassischer 4Chan Witz sollte Ebola Chan einerseits dieses Gerücht ins Lächerliche ziehen und gleichzeitig durch bewusste Verbreitung die Paranoia anzustacheln.

 

  • Wie sehr überlappen eigentlich Internetanschluss und Nachbarschaft zum Ebola Ausbruch ?
  • Vermutlich 0. Die haben nicht mal Toiletten – ich könnte mir vorstellen Breitband ist da nicht unbedingt am Radar.

 

  • Die haben vermutlich auch kein Radar.

Ausschnitt aus einer Diskussion zu Ebola Chan auf Reddit

Das Meme ging viral und kurz darauf begann sich ein eigenes Ökosystem um Ebola Chan zu entwickeln.

Es reichte von der vielfachen Abwandlung des Memes über Kurzgeschichten und Musikstücken bis zu Animationsfilmen. Schließlich begannen die ersten damit Ebola Chan Altäre zu errichten und Rituale zu entwickeln und ein eigener halb-ironischer Kult rund um die Figur begann sich zu entwickeln.

Damit lässt sich klar zeigen, dass Memes eindeutig der Evolution unterworfen sind. Sie breiten sich aus, mutieren, werden immer wieder abgewandelt, unterliegen einer Selektion durch die Internetnutzer und stehen dabei in Konkurrenz zu anderen Memes.

Memes liegen damit Nahe am okkulten Begriff des Egregore, das sich im tibetischen als Tulpa wiederfindet. Es handelt sich dabei, um ein eigenständiges geistiges Wesen, dass durch die Gedanken einer Gruppen von Menschen geschaffen wird und gleichzeitig auf die Gedanken der Gruppe zurückwirkt.

 

  • Pepe the Frog aka Kek

Sehen wir uns dazu das nächste Meme an, Pepe the Frog. Pepe the Frog wurde als Meme so populär, dass es zum inoffiziellen Maskottchen der Trump-Kampagne wurde und sich Präsidentschafts-Kandidatin Clinton genötigt sah Stellung zu beziehen. Auch die Tagesschau berichtete und die Anti-Defamation-League bezog gegen den Comic Frosch Stellung.

pepe

Der weniger berichtete Teil der Geschichte ist, dass Pepe schon bald mit der Figur des altägyptischen Gottes Kek identifiziert wurde, der auch als Kröte dargestellt wird. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, da die Ägypter ihre Götter üblicherweise mit Tieren identifizierten.

Kurz darauf zeigten sich wie bei Ebola Chan die gleichen kultartigen Bestrebungen.

 

  • Die Kultmentalität des Menschen

 

Wie der  israelisch-US-amerikanischer Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman in seinem Buch Schnelles Denken, langsames Denken darstellt, verfügen wir Menschen über zwei grundsätzliche verschiedene Systeme Informationen zu verarbeiten.

Einerseits haben wir ein schnelles, emotionales, unbewusstes und ein langsameres, bewusstes durchdenkendes, logisches System.

Das ist eine notwendige Anpassung an unsere Umwelt, da ich mir im Normalfall über die tieferen Intention des Säbelzahntigers keine Gedanken machen möchte, sondern einfach davon laufe.

Allerdings birgt diese Zweiteilung eine Vielzahl von Schwachstellen, die man kognitive Dissonanzen nennt. Von Bedeutung sind hier insbesondere die falsche Wahrnehmung von Kausalzusammenhangs zweier Ereignisse und die Überschätzung relativer Häufigkeiten bei kleinen Stichproben.

Vereinfacht gesagt, wenn Brum-Brum auf einen Baum schlägt und Jagderfolg hat, hält er den Baum für einen magischen Baum.

Ein klassische Beispiel hierfür ist der Cargo Kult. Während des Zweiten Weltkrieges warf die US-Armee massenweise Güter, zur Unterstützung ihrer Landungsoperationen, über Melanesien ab.

Nach den Krieg imitierten die Einheimnischen einen Flughafenbetrieb den sie bei amerikanischen Truppen beobachtet hatten, in der Hoffnung die begehrten Güter würden dann wiederkommen, was sie aber nicht taten.

Ein Beispiel welche Ausmaße so etwas annehmen kann, ist die John-Frum-Bewegung.

Die John-Frum-Bewegung wurde 1957 als Religionsgemeinschaft zugelassen, ihr gehören bis heute etwa 5,6 % der Bevölkerung Vanuatus an.

Die Gläubigen sind davon überzeugt, der Sohn Gottes würde John Frum heißen und amerikanische Soldaten wären seine Gesandten. Man kann sich also grob vorstellen, wie die Bewegung entstanden ist und damit kommen wir zurück zu den Memes.

 

  • Internetreligionen

 

Zusammengefasst sind Memes in etwa Viren des Geistes, die sich von Mensch zu Mensch oder entlang der Social Media Kanäle übertragen und dabei vervielfältigen können. Im Laufe dieses Prozesses unterliegen sie Mutation und Anpassung und stehen in Konkurrenz zu anderen Memes.

Sie können dabei das Medium wechseln und als Musikstück, Animationsfilm, Kurzgeschichte oder sogar Kultobjekt wieder auftauchen.

In dieser Form können sie als Projektionsfläche für diverse Glaubensvorstellungen dienen oder sich für diese instrumentalisiert werden und dabei ein völliges Eigenleben entwickeln.

Die Chancen stehen gut, dass wir noch zu unseren Lebzeiten den einen oder anderen Memes gegenüberstehen werden, vielleicht nicht in Fleisch und Blut aber als Gott.


Responses

  1. Zitat: „Zusammengefasst sind Memes in etwa Viren des Geistes …“

    Wenn wir schon einen auf Metaphysik machen, dann würde ich eher sagen es sind erste aufflackernde Gedanken des Internets, das als planetares Netzwerk gerade anfängt, ein Bewusstsein zu entwickeln.

    • Es sind einfach nur Meinungsäußerungen.

      • Ich fand immer das Beispiel von Richard Dawkins ganz anschaulich: Irgendwann begannen die Leute, ihre Baseballmützen verkehrt herum aufzusetzen, das galt dann als cool und breitete sich immer weiter aus. Beispiel für ein Mem, nichts nur individuelles.

  2. Mein erster Gedanke bei der Überschrift war natürlich „Was der Fick bin ich lesend?“, aber der Artikel machte durchaus Sinn. Die Menschheit hat sich ja schon jede Menge schräger Götter gebastelt, warum jetzt nicht auch so? Dem Slenderman wurden ja gar schon versucht, Opfer zu bringen, wer weiß, wann es den ersten rituellen Missbrauch zu Ehren des Pädobären gibt?😛

  3. „Die Chancen stehen gut, dass wir noch zu unseren Lebzeiten den einen oder anderen Memes gegenüberstehen werden, vielleicht nicht in Fleisch und Blut aber als Gott.“
    Die Idee, dass alle „Götter“ (Auch Allah, Jehowa/Jahwe, Zeus oder Thor) so entstanden sind, liegt da natürlich sehr nahe.

  4. Gratulation Herr Christian! – *öhm* – Ich hab‘ zum ersten mal bei einem Artikel von Dir echt nur „Bahnhof“ verstanden. Bin ich für sowas echt schon zu alt? (*sorgenmach*) …. Memes? WTF? & HoT & FP….
    Ich bin jetzt genau so ratlos wie anläßlich des Megahypes der um diese, wie hießen sie noch, „Pokemon“? gemacht wurde. Selbst derstandard.at berichtete auf der Startseite in diversen unterschiedlichen Artikeln darüber (aber, ok, derStandard ist ja auch wahrlich keine Qualitätszeitung mehr) – Damals dachte ich: OK die Entwickler von diesem Spiel haben viel Geld auf den Tisch gelegt für eine g’scheite Marketing Campagne…. musst Du nicht verstehen…. ich verstehe ja auch nicht, dass die Kids durch die Gegend laufen und NUR(!) auf die screens ihrer Smartphones starren.
    (Heissen die deswegen „Smart“phone, weil die Kids selber nicht mehr smart zu sein brauchen?)
    HELP! Vielleicht habe ich heute einen zu komplizierten Artikel bei mir im Blog geschrieben, aber vielleicht kann mir das auch irgendwer hier erklären?

    • „Gratulation Herr Christian! – *öhm* – Ich hab‘ zum ersten mal bei einem Artikel von Dir echt nur „Bahnhof“ verstanden.“

      Alles okay, es ist eh nur ein Gastartikel😉

      Vielleicht macht den Hintergrund dieser Wikipediaartikel klarer
      https://de.wikipedia.org/wiki/Mem#Theoriegeschichte

      • Dann bin ich quasi „beruhigt“🙂

    • @ pboeblog Das Wort stammt doch von Dawkins egoistischen Gen und gilt für ihn als lebende Entität, ähnlich dem Gen u.a.:

      Dawkins’s own position is somewhat ambiguous: he welcomed N. K. Humphrey’s suggestion that „memes should be considered as living structures, not just metaphorically“[9] and proposed to regard memes as „physically residing in the brain“.[10] Later, he argued that his original intentions, presumably before his approval of Humphrey’s opinion, had been simpler.[11] At the New Directors‘ Showcase 2013 in Cannes, Dawkins‘ opinion on memetics was deliberately ambiguous.[12] 1976 book The Selfish Gene …

      Wth is your age, motherf….. shit?😉

      • No comment to that one!😉
        (Holly Camolly!) …oder: „Die Sorgen (& dem Rothschild sein Geld) mechat i habn“

  5. Ich halte das Mem von Dawkins für Lovelocks Gaia oder Einsteins grösste Eselei, die ja wieder auferstanden ist.

    Ein Mem und ein Gen unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Einige eigentlich intelligente Leute wollten mich davon überzeugend, dass dem nicht so ist.

    Inwieweit Sexualität genetisch bestimmt ist und sozial veränderbar ist weiß ich nicht. Ich weiß nur dass die Gene vieles bestimmen, was uns unangenehm ist. Aber was ein Mem biologisch kann weiß ich sehr wohl einzuschätzen Cargocultscience? Pokemon-verrecke, die Idee dass seit Millionen Jahren Frauen reine Sklavinnen sind? Oder dass die Ressourcenknappheit keinen Weltkrieg auslöst, bevor das Klima „a“ gesagt hat?

    Irgendwie sind wir gebildete Vollidioten, die nie was richtig machen von der NSA einmal abgesehen.

    4Chan ist irgendwie die Bildzeitung des Internet, anscheinend besucht von vielen Nerds und wahrscheinlich einigen Genies.

    Da ist dieses Blog doch eine richtige Graswurzelbewegung dagegen, ähnlich der genialen Performance dieses Freaks:

  6. Ich bin ein großer Fan der Meme-Theorie oder sagen wir mal … Sichtweise.

    „Zusammengefasst sind Memes in etwa Viren des Geistes“

    Aber sind Meme Lebewesen? Natürlich nicht, dieser Sichtweise kann ich weniger abgewinnen (im übrigen sind Viren auch eher keine Lebewesen, siehe:
    https://www.mpibpc.mpg.de/148288/Sind_Viren_Lebewesen_
    )

    Außerdem assoziiert man mit „Virus“ etwas Negatives, „Gen“ (an welches es namentlich anlehnt) ist neutraler und passt viel besser.

    Allerdings könnte man, was ich gedanklich durchaus spannend finde, eine Vielzahl von Memen (analog zu einer Vielzahl von Genen) zu einer Art virtuellem Lebewesen erklären.

    Nehmen wir etwa „Genderismus“ als solch ein memetisches Lebewesen, dann bestünde dieses aus einer Vielzahl von „Memen“, also kleinen, für sich (scheinbar) logischen Erzählungen, die ein komplettes Gedankengebäude stützen (welches in sich aber widersprüchlich sein kann, was es schwächt).

    Im selben Maße, wie Meme gegeneinander konkurrieren, im selben Maße „lebt“ (oder „stirbt“) das entsprechende Gedankengebäude und konkurriert gleichzeitig gegen andere. In dieser Hinsicht taugt die biologische Version nur eingeschränkt zum Vergleich. Es sei denn, man betrachtet jede Meme-Abwandlung eines Gedankengebäudes als „eigene Generation“.

    Das hat schon was für sich, inwiefern man daraus irgendwas Sinnvolles ableiten kann, weiß ich nicht.

    • „Nehmen wir etwa „Genderismus“ als solch ein memetisches Lebewesen, dann bestünde dieses aus einer Vielzahl von „Memen“, also kleinen, für sich (scheinbar) logischen Erzählungen, die ein komplettes Gedankengebäude stützen (welches in sich aber widersprüchlich sein kann, was es schwächt).“

      Normalerweise sind solche Meme in sich nicht widersprüchlich. Das ist hier nur ein besonderes Phänomen des Feminismus.

      Wir hatten das doch erst letzte Woche mit 9/11, wo die wildesten Theorien/Glaubensbekenntnisse drum wuchern.
      Ich will selbst gar nicht entscheiden, welche richtig ist, aber hört man einen Vertreter einer Theorie zu, dann klingt alles plausibel und passt zusammen. Nur darf man dabei eben nicht vergessen, dass man eine gesiebte Wahrheit serviert bekommt, bei der alle logischen Brüche schon entfernt wurden.

      „Das hat schon was für sich, inwiefern man daraus irgendwas Sinnvolles ableiten kann, weiß ich nicht.“

      Das einzig Sinnvolle, das ich daraus ableiten kann, ist die Erkenntnis, dass der Mensch offensichtlich ein Bedürfnis nach solchen Meme hat.

      • „aber hört man einen Vertreter einer Theorie zu, dann klingt alles plausibel und passt zusammen. Nur darf man dabei eben nicht vergessen, dass man eine gesiebte Wahrheit serviert bekommt, bei der alle logischen Brüche schon entfernt wurden“

        Ja, aber Widersprüche zu ignorieren, macht eine Theorie bzw. ein Gedankengebäude ebenso anfällig, wie sie unreflektiert aufzunehmen. Denn in der Praxis wird es stabilere Sichtweisen geben, die die Widersprüche zu erklären versuchen und damit konkurrenzfähiger sind. Ganz ähnlich wie beim biologischen Darwinismus das besser angepasste Lebewesen überlebt.

        Der einzige Grund, warum solche propagandistischen Sichtweisen sich dennoch lange halten können, liegt in ihrer Durchsetzung. Es steht (mehr oder weniger) unter Strafe sie anzuzweifeln (Genderismus, Neoliberalismus, Religion, Multikulturalismus, etc. pp.). Entsprechend lösen sie sich erst auf, wenn der herrschaftliche Druck nachlässt, dann aber meist rasch. Auch hier gibt es ein biologisches Pendant: die Zucht.

  7. Es gibt dazu eine Reihe interessanter Artikel bei Telepolis
    zB hier
    https://www.heise.de/tp/thema/memetik

  8. Der Kerl erklärt da ein paar Dinge recht gut.
    Seine Videos über Trump waren auch sehr treffsicher in der Prognose.
    Occult Synchronicity: Kek, Pepe Song, Anonymous, Black Clad Legion

    • Ich hab mir den mal angetan, weil ich so überhaupt nicht verstand worum es hier ging (nach den Videos übrigens immernoch nicht).

      Oh mein Gott! (wer war nochmal der Spezialist für New Age o.ä. – Alex? Was sagst Du denn zu dieser Gestalt, wie ist sie einzuordnen?)

      3 weitere Beiträge hab ich noch angetestet, vielleicht kann er ja doch irgendwas erklären, dacht ich.


      (er ist bezüglich der climate-change-Problematik völlig ahnungslos und sagt ein paar seltsame Sachen – wohl ein Trump-Fan, dann passt das)


      (lange Haare sind also ein Männlichkeitsmarker für ihn, ok. Die historische Begründung wird vermutlich in ihren Grundzügen stimmen. Ungewollt sympathisch daran wäre die zu gewinnende Erkenntnis, dass Männlichkeit sich nicht im Gegensatz zu Weiblichkeit definierte und also abgrenzen müsste. Er selbst muss das natürlich schon, so tun als wären nur Männer Menschen)

      Und dann nochmal was mit expliziterem „Glaubensbezug“

      Puh. Da haste aber wen ausgegraben.


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