Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. November 2016

Studien über die Effekte von elterlicher Erziehung sind wertlos, wenn sie nicht genetische Anteile kontrollieren

Ein häufig unterschätzter Punkt:

Es berücksichtigt eben nicht, dass die Kausalität auch genau andersrum verlaufen könnte: Eltern, deren Gene sie eher zu Alkohol und Zigaretten greifen lassen, geben vielleicht auch anderen Reizen eher nach und verlassen eher ihre Partner oder haben andere genetisch Eigenschaften, die sich auf beide Faktoren auswirken.

Es wird immer wieder vergessen, dass Kinder mit ihren Eltern eben auch einen Großteil der Gene teilen und daher bestimmte Verhalten auch eher bei beiden eintreten, die zu bestimmten Effekten führen können. Solange man diese Verbindung nicht ausschließen kann, ist eine genaue Aussage darüber, was die Ursache ist, schwierig.


Responses

  1. Das ist richtig und trifft (oh Schreck!) auch auf Eigenschaften der Menschenrassen zu. Allein zu behaupten es gäbe Rassen (obwohl die krass unterschiedlichen Phänotypen das eindeutig belegen) ist ja mittlerweile hochgradig politisch inkorrekt.

    Die Behauptung alle Menschen seien (mental) gleich, ist eine rein ideologische und nicht wissenschaftlich untermauert. Man sollte sich aber auch vor dem Gegenteil hüten und bestimmte (nicht-phänotypisch sichtbare) Eigenschaften zuschreiben, das ist nämlich ebenfalls nicht biologisch-wissenschaftlich ausreichend untermauert und allenfalls empirisch fassbar (und da naturbedingt stark von äußeren Einflüssen beeinflusst).

    Von daher konnte ich bisher mit dem Ansatz „alle Menschen sind gleich“ ganz gut leben, weil dadurch eben niemand von vornherein ausgegrenzt wird. Allerdings richtet diese Gleichheitsideologie mittlerweile m.E. mehr Schaden an als sie nützt, bei den Massen an Zuwanderern ist dieser großzügige Ansatz vermutlich schlicht nicht durchhaltbar.

  2. Soweit ich das überblicke macht die Studie keinerlei Aussagen über Kausalitäten, sondern stellt lediglich eine Korrelation fest.

    Dass gleiche Umweltbedingungen nicht immer zu gleichem Verhalten führen ist wiederum trivial. Ebenso trivial wie die Feststellung, dass gleiche Gene nicht immer zu gleichem Verhalten führen.

    Kinder, die Abwesenheit der Eltern erfahren, sollten diesbezüglich möglichst früh unterstützt werden – das ist eine Empfehlung zum Screening, eine Art „Rasterfahndung“, um Präventionsressourcen effizienter einzusetzen. Ich sehe hier kein Argument dagegen.

    Ich glaube, hier ist Anderes wertlos und zwar sowohl die längst überholte – unterkomplex falsche – Dichotomie zwischen Nature und Nurture als auch überholte Vorstellungen von „genetisch determiniertem Verhalten“.

    Dabei konnten die Wissenschaftler beobachten, dass die individuelle Lebensgeschichte am ehesten Rückschlüsse darauf zulässt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Jugendlicher mit dem Trinken beginnt. Je mehr schlechte Erfahrungen ein junger Mensch gemacht hat, desto schneller greift er zur Flasche. Einzelne genetische Prädispositionen haben trotz der erblichen Komponente dagegen wenig Vorhersagekraft. Ein Ergebnis, das Gunter Schuhmann nicht überrascht: „Genauso wie in einem Konzert zwar jedes einzelne Instrument hörbar ist, aber nicht den Charakter der Musik bestimmt, so ist es auch bei den genetischen Grundlagen von Verhaltensweisen.“

    Bestimmte Lebensumstände könnten allerdings dazu führen, dass einzelne Gene im Laufe der Zeit beginnen, die erste Geige im genetischen Orchester zu spielen. Schuhmann: „Wir denken, dass diese Umwelteinflüsse langanhaltende Genveränderungen zur Folge haben können. Und einer dieser Mechanismen ist eben die epigenetische Methylierung. Hier wird im Prinzip die Struktur der DNA auf eine Weise beeinflusst, die die Aktivierung des Ablesens der DNA erleichtert oder erschwert.“

    http://www.deutschlandfunk.de/alkoholismus-das-gen-des-trinkens.676.de.html?dram:article_id=317138

    Nach meiner Einschätzung ist das derzeit der Mainstream.

    • Auch die Umwelt, die sich ein Individuum schafft, hängt ja mit von seiner Persönlichkeit ab und ist deshalb teilweise genetisch „determiniert“. Wahrscheinlich ist das alles undurchdringbar kompliziert, und es stellt sich die Frage, wie überhaupt man nach genetischen Anteilen „kontrollieren“ soll bei der Vielzahl an Komponenten, die irgendwie auch genetisch erklärbar sind.

      • „wie überhaupt man nach genetischen Anteilen „kontrollieren“ soll“

        In diesem Fall: Ist wenigstens einer der Eltern Raucher oder verstärkter Alkoholkonsument oder zeigt sonstiges Suchtverhalten?

        Simpel.

        • Was noch nicht gegen Sozialisation als Ursache spricht.

        • Ah, die Wunder der Statistik.
          Wenn es eine Korrelation gibt zwischen Alkoholikereltern und Alkoholikerkindern gibt, dann beweist das NICHT, dass nicht auch Kinder von nüchternen Eltern Alkoholiker werden können.
          Voll nutzlos so ne Statistik.

  3. @ A.K. Lt biologisch-genetischer Auffassung (also der naturwissenschaftlichen) gibt es tatsächlich keine Menschenrassen bzw wie man heute sagen würde „Unterarten“ da die genetischen Unterschiede zu gering sind.
    Insbesondere fehlt es an geographisch begrenzten, klar differenzierten Populationen und den über längere Zeit getrennte Stammeslinien.

    EoD.

    @Christian. Die Studie ist natürlich NICHT nutzlos, sondern die Präsentation von Ergebnissen, die als Basis für weitergehende Untersuchungen dienen sollten. Interessant wäre vor allem das Rauch- und Trinkverhalten der Eltern.

    In wie weit beim rauch- und Trinkverhalten auch genetische Faktoren reinspielen, bleibt offen und dürfte auch nicht so supertrivial herausfilterbar sein. (Bedenkt man, welche Mühe das bei der Neigung zu Übergewicht gemacht hat, was offenbar auch einen starken epigenetischen Faktor enthält… es bleibt jedenfalls schwierig)

    Faktum scheint jedoch zu sein, dass Kinder aus Single-Haushalten zu riskanterem Konsumverhalten bezüglich Alkohol und Nikotin neigen, und das bereits in frühen Lebensabschnitten.

    Auf einen eher geringen Einfluss der Genetik deutet folgendes hin: Bei einem Elternverlust vor 9 Monaten ist die Neigung zu riskanterem Trink- und Rauchverhalten signifikant geringer als wenn der Elternverlust später eintritt…. Gleiches gilt für den Verlust durch Todesfall, auch dann ist das Risiko signifikat niedriger als bei Abwesenheit aus anderen Gründen.

    Intressant auch, dass die Abwesenheit des Vaters anscheinend kein statistisch signifikant höheres Risiko bedeutet als die Abwesenheit der Mutter…

    Siehe
    http://adc.bmj.com/content/early/2016/08/24/archdischild-2016-310444.full.pdf+html
    Table 2, und Text

    Es bleibt schwierig…

    • „Lt biologisch-genetischer Auffassung (also der naturwissenschaftlichen) gibt es tatsächlich keine Menschenrassen bzw wie man heute sagen würde „Unterarten“ da die genetischen Unterschiede zu gering sind.“

      Ich zitiere mal Wikipedia:
      „Eine aktuelle Definition von Rasse (in genetischem Zusammenhang) ist: „Eine phänotypische und/oder geographische abgegrenzte subspezifische Gruppe, zusammengesetzt aus Individuen, die eine geographisch oder ökologisch definierte Region bewohnen, und die charakteristische Phänotyp- oder Gen-Sequenzen besitzen, die sie von ähnlichen Gruppen unterscheiden. Die Anzahl der Rassengruppen, die man innerhalb einer Art unterscheiden möchte, ist gewöhnlich willkürlich gewählt, sollte aber dem Untersuchungszweck angemessen sein.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Rasse

      Welches Merkmal man als rassische Abgrenzung benutzt, ist also willkürlich. Dass Schwarzafrikaner ebenso wie Asiaten „charakteristische Phänotyp- oder Gensequenzen [die z.B. den Phänotyp festlegen]“ und „geographisch oder ökologisch definierte Region bewohnen“ dürfte relativ unzweifelhaft sein. Bei Tieren würde das dicke reichen, um unterschiedliche Rassen zu unterscheiden, bei Menschen gilt hingegen:
      „Die zunehmende Meidung des Begriffs beruht vor allem auf der Verwendung für Menschenrassen. Dieses Konzept wurde und wird bis heute als Begründung für Rassismus herangezogen.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Rasse

      Die „genetischen Unterschiede sind zu gering“ ist nach obiger Definition eben keine Aussage zur Existenz von Rassen, weil das Rassemerkmal willkürlich gewählt werden kann und bei Tierrassen die Unterschiede auch nicht größer sein dürften. Wir reden eben nicht von „Arten“, sondern von „Rassen“ und da ist Quantität nicht entscheidend, angesichts der Auswirkungen die geringste Abweichungen haben können und angesichts des geringen genetischen Wissen, welches wir haben, halte ich die Aussage ohnehin für ideologisch getrieben und nicht für wissenschaftlich.

      • Wenn ich alles willkürlich wähle, kann ich natürlich alles beweisen. Es wird dann allerdings unsinnig, darüber zu diskutieren.

        Und nachdem Wikipedia NICHT als valide Quelle für Naturwissenschaftliche Diskussionen gilt, und der Wert der Wikipedia gerade in emotionsbeladenen Themenkomplexen unter anderem wegen des fehleneden Reviews sehr zweifelhaft ist, sage ich dazu gar nichts. Besonders wenn man den in deinem Artikel verwendetem Konjunktiv folgt.
        Faktum bleibt: nach biologischen Kriterien gibt es derzeit keine Unterarten bei Homo sapiens. Keine ernstzunehmende, mir bekannte Publikation geht davon aus oder postuliert dies.
        Kennst Du eine andere?

  4. Dafür, das eigentlich keiner sicher sagen kann, was Anlage und Erziehung ist, meint ihr zu wissen, das das meiste Anlage ist?


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