Liana Kerzner: „Wie ich einige feministische Ausdrücke verwende“ (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Dirk M Jürgens

Nach „guten“ Feministinnen gefragt, verweise ich meist auf Liana Kerzner (Homepage / Twitter), kann Skeptiker aber meistens nicht davon überzeugen, dass sie wirklich für Gleichberechtigung ist, auch wenn sie das vorbelastete F-Wort trägt Und ja, zuweilen weiß auch ich nicht, was ich davon halten soll, wenn sie bestimmte Kampfbegriffe benutzt.

Groß daher meine Freude über dieses Video:

Darin erklärt sie, was sie meint, wenn sie verschiedene Begriffe aus dem Bereich des Geschlechterkampfes benutzt. Sie sagt nicht, dass es jedermanns endgültige Definitionen sein müssen, aber es sind ihre und nur für die möge man sie haftbar machen. Ich fasse sie hier kurz zusammen:

FEMINISMUS

Das Anstreben von Gleichberechtigung in Geschlechtersachen. Da sie eine Frau ist, steht ihr die weibliche Seite näher, sie leugnet aber nicht, dass es auch eine männliche gibt. Entsprechend berechtigt ist es auch, ein Männerrechtler zu sein. Sie bezeichnet sich nicht als „Egalitarian“, weil das auch Komponenten wie Rasse einbezieht und sie sich da nicht für ausreichend qualifiziert hält (wie eben auch in Männersachen).

PATRIARCHAT

Eine Gesellschaft, die einseitig auf den Mann ausgerichtet ist, etwa durch männliche Erbfolge. Sie betont extra, dass der heutige Westen KEINES ist. Religionsgemeinschaften mögen in ihm kleine Patriarchate sein, früher war er es auch mal, aber heute ist er es nicht mehr.

PRIVILEG

Angeborener Vorteil. Hier zieht sie das, meines Erachtens unglückliche Beispiel heran, dass Männer Nachts unterwegs sein können, ohne Angst haben zu müssen, vergewaltigt zu werden (und Raub, Körperverletzung und Mord gibt es wohl in der Welt dieses Beispiels nicht). Doch sie sagt gleich, dass dieser Punkt meist völlig überbewertet wird (vermutlich auch in den Kommentaren unter diesem Artikel, die sich hieran hochziehen werden, statt die anderen Punkte anzuerkennen). Sie stellt klar, dass Reichtum der große Gleichmacher ist, der von der herkömmlichen Privilegientheorie nicht beachtet wird und sie es für falsch hält, wenn man es als Waffe benutzt. Daher will sie auf die Verwendung des Begriffs auch nach Möglichkeit verzichten, er scheint ihr einfach zu vorbelastet zu sein.

MISOGYNIE

Der Hass, die Abwertung von Frauen ist eine eigene Kategorie, nicht einfach eine klangvolle Verstärkung für Sexismus und wird vollkommen überbewertet und viel zu häufig benutzt. Es ist definitiv NICHT misogyn, von Frauen sexuell angezogen zu sein und daher entsprechend reizvolle Darstellungen in den Medien zu mögen. Auch hält sie es für falsch, damit alles zu überlagern: Jemand kann ein einzelnes misogynes Werk schaffen oder eine einzelne misogyne Ansicht vertreten, ohne insgesamt Frauenfeind zu sein.

SEXISMUS

Vorurteil aufgrund von Geschlecht. VON beiden Geschlechtern GEGEN beide Geschlechter möglich. Kein Machtsystem, sondern etwas, dessen sich jeder schuldig machen kann. Frauen betreiben sogar frauenfeindlichen Sexismus, wenn sie Bevorzugung oder Schonung im Vergleich zu Männern verlangen. Der moderne Pop-Mainstream-Feminismus ist daher in ihren Augen sexistisch und das auch gegenüber Frauen.

Die Definition von „Vorurteil + Macht“ lehnt sie eindeutig ab. Die Betrachtung der Frauen als einer sozialen Klasse (die ihr für die erste Welle des Feminismus sinnvoll schien) hält sie für veraltet.

Wie ich finde, eine ganz vernünftige Sichtweise.