Feministische Theoriewoche II: „Frauen werden in Geschlechterrollen gezwungen, die für sie schädlich sind vs. Wenn Frauen mehr beteiligt werden, dann wird ihr Anderssein eine Menge Vorteile bringen“

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche Teil 2: Widersprüche im Feminsmus.

Das heutige Thema ist

„“Frauen werden in Geschlechterrollen gezwungen, die für sie schädlich sind vs. Wenn Frauen mehr beteiligt werden, dann wird ihr Anderssein eine Menge Vorteile bringen“ 

 

Frauen sind gleichzeitig Opfer ihre Geschlechterrollen und Gleichzeitig sind diese ihre Stärke.

  • Mit Frauen gibt es keine Kriege, weil sie friedlicher sind (Sie wurden zu Geschlechterrollen erzogen, in denen sie Konflikte meiden und sich nicht durchsetzen)
  • Frauen sind komunikativer und persönlicher, sie setzen sich mehr für Mitmenschen ein (Frauen werden dazu erzogen die Carearbeit zu leisten und sich für alles verantwortlich zu fühlen)
  • Frauen gebären Leben und sind wie eine Mutter zu allen (Über die Mutterrolle werden Frauen unterdrückt)
  • Frauen sind frei von Statusstreben und Machoallüren (Frauen wird anerzogen genügsam zu sein und sie lernen nicht egoistisch oder durchsetzungsstark zu sein)

Ich denke anhand der Beispiele wird deutlich, was ich meine. Theoretisch versucht der Feminismus das wieder abzufangen, in dem er lediglich darauf abstellt, dass es dabei nur um Gruppenperspektiven geht und so Interessen von Frauen eher respektiert werden. Wenn diese dann aufgezählt werden, dann sind wir meist wieder darin, dass etwa diese „mehr Rücksicht auf die Kinderbetreuung nehmen“ während andererorts diese gleich wieder Mittel der Unterdrückung ist.

Lässt sich dieser Konflikt auflösen?

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36 Gedanken zu “Feministische Theoriewoche II: „Frauen werden in Geschlechterrollen gezwungen, die für sie schädlich sind vs. Wenn Frauen mehr beteiligt werden, dann wird ihr Anderssein eine Menge Vorteile bringen“

  1. Dieser ganze Femi…. kram ist schlichter Rassismus. Genau so blöd kommt er auch daher. Es macht nun mal wenig Sinn „Negern“, „Juden“, „BusfahrerInnen“ oder schwarzhaarigen diese oder jene Eigenschaft anzudichten.

    Mit welcher Wonne dieses – lediglich durch persönliche Vorteilsnahme induzierte- TheorieDaDa hier seziert wird ist allerdings immer wieder erheiternd.

    Vielleicht ist das ja auch einer der Hauptgrund für den Erfolg. Wie bei jeder anderen Freakshow treten ProtagonistInnen auf die absurder kaum sein könnten. Wenn Sie es dann in die Bild-Zeitung geschafft haben (die letzte Reste-Rampe für gesellschaftliche Entwicklungen vor dem Dschungelcamp) flaut das ganze ein wenig ab.

    Der Unterschied zu Ufologen-, Chemtrails-, Mondlandungs, …verschwörern sind allerdings die gesellschaftlichen Schäden (womit ich mal die finanziellen und ideologischen Nachteile die ich durch diesen permanenten femi hate speech zu ertragen habe auf die gleiche Art und Weise „vergesellschaften “ möchte).

    Wenn das jetzt off topic ist (schließlich geht es ja um intellektuelle Lust) nehme ich alles zurück. Will ja kein Spielverderber sein.

  2. Im Gegensatz zu den anderen sog. Widersprüchen dieser „Theoriewoche“ ist das tatsächlich ein Problem: Denn daß Frauen durch repressive Geschlechterrollen geformt werden bzw. als Frauen aufgrund ihrer biologischen Natur sich von Männern unterscheiden, sind als feministische Sozialtheorien, prima facie inkompatible Antworten auf die metaphysische Frage, wie man sich erklären kann, daß der Feminismus recht.

    Feministen könnten dem aber leicht entkommen, indem sie behaupten, daß alles, was Frauen angeblich Gutes für die Welt bringen, in ihrer biologischen Natur liege (die Männer natürlich nicht teilen können, weshalb die insofern nutzlose und schmarotzende Kreaturen sind) und all das, was Frauen schade, ihnen durch den Männern einseitig nützende Geschlechterrollen aufgezwungen werde.

    Und in der Praxis wird das in der Regel auch genau so gemacht.

    Es wäre an dieser Stelle interessant, ein Kriterium zu haben, um zu entscheiden, welche Eigenschaften im Sinne des gemeinsam geteilten Biologismus angeboren oder wenigstens mit einer angeborenen Disposition versehen sind und welche allein der Sozialisation geschuldet sind.

    Sollte die Luftnummer von „integrated model“ da nicht irgendwas Informatives zu ausspucken?

    • „Sollte die Luftnummer von „integrated model“ da nicht irgendwas Informatives zu ausspucken?“

      Nachdem du neulich angeführt hast, dass hormone doch irgendwie vielleicht eine Wirkung haben müssten wärst du ja selbst bei einem integrierten Modell oder vertrittst du das nicht mehr?

      • Nein, das integrierte Modell ist eine Kunstfigur, die von den Schwachköpfen der evolutionären Psychologie eingeführt wurde, um ihre eigenen Vorstellungen etwas wissenschaftlicher aussehen zu lassen. Mit sowas würde ich mich nicht abgeben, das ist deine Liga.

        • Dann bin ich gespannt, wie dein Modell, welches biologische Vorgänge wie hormone und soziale Aspekte kombiniert, aussieht. Gibt es da schon neues?
          Letztes mal sagtest du glaube ich, dass du noch keinerlei Idee hast, wie das für sich funktionieren soll oder?

          • „Gibt es da schon neues?“

            Oh, ja … wie ich bereits Leszek schrieb, gibt es vor allem was die Selektionstheorie und die Entstehung von sozialen Verhalten angeht, bedeutende Neuerungen – von Seiten der Biologen. Seit 2007 hatte sich da was angebahnt und seit 2012 gibt es kein zurück mehr: Der Primat des Biologischen ist gefallen.

            Philosphen haben übrigens genau das schon 1985 vorausgesagt – aber – oh Wunder – damals hieß es, daß das nur ignoraten Spinner und unwissenschaftliche Luftblasen seien.

            30 Jahre später haben die Biologen selbst gemerkt, wie es läuft.

            Immerhin …

            Ich werde in einer Ausführlichkeit inklusive paper-Referenzen darüber berichten, die du noch nie gesehen hast.

          • „Ich werde in einer Ausführlichkeit inklusive paper-Referenzen darüber berichten, die du noch nie gesehen hast.“

            Ich bin gespannt. Bleibt es abstrakt oder wird es konkret?
            Also können sie Fälle wie David Reimer, Transsexualität, cah etc lösen?

          • „Bleibt es abstrakt oder wird es konkret?“

            Ich habe einen Lektor gefunden. Mal sehen, was er kann.

            „Also können sie Fälle wie David Reimer, Transsexualität, cah etc lösen?“

            Ja. Der Primat des Biologischen wird widerlegt: Sozialverhalten entsteht nicht aus genetischen Ähnlichkeiten.

            Die wesentliche Schlußfolgerung ist, daß biologische Einflüsse nur eine unter vielen Komponenten ist, die in einigen, nicht in allen Fällen Verhalten erklärt. Weder Hormone, noch Gene können für Verhaltenstendenzen verantwortlich gemacht werden.

            Evolutionstheorie ist zweitens eine probbilistische Theorie, die nicht realistisch zu vestehen ist.

            Die wesentliche Schlußfolgerung ist, daß eine Rekonstruktion einer evolutionär adaptierten Rationalität des Verhaltens nicht möglich ist: „sperm=cheap ; eggs=expensive“ hat für immer ausgedient.

            Als Physiker kenn ich das schon aus der EPR-Diskussion.

            Damit wird der Weg frei, um ohne die Nebel des Biologismus über Geschlechterrollen nachzudenken. Das wird den Maskulismus sehr voranbringen.

            Du aber wirst enttäuscht sein: Denn nichts davon wird in einem Satz, einem post oder einem Monat erledigt werden.

      • Ich hab mal einen Witz gelesen:

        Three women were sitting around talking about their husbands‘ performance as a lover. The first woman says „My Husband works as a marriage counselor. He always buys me flowers and candy before we make love. I like that.

        The second woman says, „My husband is a motorcycle mechanic. He likes to play rough and slaps me around sometimes. I kinda like that.

        The third woman says, „My husband works for Microsoft. He just sits on the edge of the bed and tells me how great it’s going to be when I get it.“

    • @ elmar

      „Sollte die Luftnummer von „integrated model“ da nicht irgendwas Informatives zu ausspucken?“

      Die Idee vom „integrated model“ ist eigentlich gut. Es ist nur so, dass es dergleichen in der evolutionären Psychologie noch nicht wirklich gibt.
      Im Allgemeinen haben Evolutionäre Psychologen wenig Ahnung von den Sozialwissenschaften und Sozialwissenschaftler haben oft wenig Ahnung von den biologischen Verhaltenswissenschaften.
      Weshalb ich dafür bin die Ausbildungen so umzugestalten, dass beim Studium jeweils immer auch ein paar potentiell relevante Fächer der anderen Seite studiert werden müssen, damit man diesbezüglich nicht völlig ohne Kenntnisse bleibt.

      Vielen Anhängern der Evolutionären Psychologie ist ja noch nicht mal bewusst, wie weitgehend eine Bestimmung der menschlichen Natur in ihrer wissenschaftlichen Fundierung von den Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften abhängig ist, denn nur durch Sichtung des Forschungsstandes von Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Soziologie kann ja überhaupt festgestellt werden, was menschliche Universalien sind, also menschliche Merkmale, die in allen oder fast allen Kulturen/Gesellschaften vorkommen, um dann begründete Schlussfolgerungen dazu anzustellen, welche dieser menschlichen Universalien wahrscheinlich biologisch disponiert sind.

      In den USA gibt es einen Konflikt zwischen Evolutionären Psychologen und Ethnologen, beide Seiten werfen sich gegenseitig ideologische Verblendung vor.
      Die evolutionären Psychologen werfen den Ethnologen vor an einem unreflektierten und unrealistischen Blank Slate-Menschenbild festzuhalten – was teilweise stimmt – und die Ethnologen argumentieren, dass Evolutionäre Psychologen den Forschungsstand zu vielen Themen, über die sie Theorien aufstellen, höchst selektiv interpretieren würden. Sie würden sich immer gerade solche ethnologische Forschungsbefunde rauspicken, die zu ihren eigenen Vorannahmen passen, alles andere aber ignorieren, so dass ihre Behauptungen über menschliche Universalien oft wenig wissenschaftlich fundiert, z.T. schlicht falsch seien.

      Aber es entsteht leider keine wirkliche wissenschaftliche Debatte, die beide Seiten tatsächlich weiterbringen könnte, man geht auf die Argumente der Gegenseite kaum oder nicht ein.

      • @Leszek

        „Im Allgemeinen haben Evolutionäre Psychologen wenig Ahnung von den Sozialwissenschaften und Sozialwissenschaftler haben oft wenig Ahnung von den biologischen Verhaltenswissenschaften.“

        Nicht nur das. Auch Biologen haben in der Regel wenig Ahnung von Biologie – sonst gäbe es solche Verrücktheiten wie Ultradarwinismus und essentialistischen Genbegriff gar nicht. Ich bereite eine Serie von posts vor, die die waren Debatten in der theeoretischen Biologie schildern werden. Selbstverständlich haben die Biologisten von all dem noch niemals etwas gehört.

        „Weshalb ich dafür bin die Ausbildungen so umzugestalten, dass beim Studium jeweils immer auch ein paar potentiell relevante Fächer der anderen Seite studiert werden müssen, damit man diesbezüglich nicht völlig ohne Kenntnisse bleibt.“

        Eine Art college-System? Kann man machen.

        „denn nur durch Sichtung des Forschungsstandes von Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Soziologie kann ja überhaupt festgestellt werden, was menschliche Universalien sind, also menschliche Merkmale, die in allen oder fast allen Kulturen/Gesellschaften vorkommen, um dann begründete Schlussfolgerungen dazu anzustellen, welche dieser menschlichen Universalien wahrscheinlich biologisch disponiert sind.“

        In de Biolgoie ist das übrigens seit 2012 Gewißheit. In diesem Jahr fand ein Paradigmenwechsel in der Biologie statt – der hier natürlich verschlafen wurde. Ich werde darüber berichten.

        „beide Seiten werfen sich gegenseitig ideologische Verblendung vor.“

        Evolutionäre Psychologie ist wissenschaftlich völlig unhaltbar – genauso wie Biologismus. Sowie sich der Maskulismus von beiden Altlasten befreit hat, wird es ihm möglich sein, gesellschaftlich wirksam zu werden.

        Und vielleicht soll dieses Forum ja auch genau das verhindern.

        „Sie würden sich immer gerade solche ethnologische Forschungsbefunde rauspicken, die zu ihren eigenen Vorannahmen passen, alles andere aber ignorieren,“

        Das Problem ist schon etwas grundsätzlicher und seit etwa 2005 geht die wissenschaftliche Reputation der EE kontinuierlich in den Keller.

        Aber ich kann nur eins nach dem anderen machen: Im Moment sollten wir uns darauf konzentrieren, denn Biologismus aus dem Maskulismus rauszuwerfen. Die anderen Verrückten kommen danach dran.

        Solche Säuberungen sind nötig, wenn man von Anfang an versäumt, die Idioten fernzuhalten. Daran ist sind bereits die Piraten und die AfD gescheitert.

        „Aber es entsteht leider keine wirkliche wissenschaftliche Debatte“

        Das stimmt so nicht, sie ist nur schwer zu finden. Ich werde auch darüber berichten.

        „die beide Seiten tatsächlich weiterbringen könnte“

        EE soll auch nicht weitergebracht werden.

      • Die Sozialwissenschaften werden schlicht einen Großteil ihrer Theorien aufgeben oder aus evolutionärer Sicht neu formulieren müssen. Das wird eine harte Einsicht und ein großer Umbruch, ist aber nicht zu andern. Um so schneller sie es einsehen um so besser für die Wissenschaft. Es ist ein rüxkzugsgefecht für sie

        • Alles nur großmäuige Angeberei, die wissenschaftlich längst widerlegt ist.

          Aber diese pubertären Allmachtsphantasien, die Sozialwissenschaften übernehmen zu können, machen eben auch den Biologismus aus – und damit wird natürlich der ganze Maskulismus lächerlich gemacht, der es nicht geschafft hat, die biologistischen Vollpfosten zu vertreiben.

          Das gilt es nachzuholen.

        • Elmar, eins muss man dir lassen – sich immer wieder voller Arroganz zum Sieger von Diskussionen zu erklären und den/die Diskussionspartner als unfähig darzustellen, ohne deren Argumente widerlegen zu können (oder dies auch nur zu versuchen) und ohne selbst irgendwelche konkreten Argumente zu liefern, dazu gehört schon einiges…

    • „… auf die metaphysische Frage, wie man sich erklären kann, daß der Feminismus recht.“

      Verstehe ich nicht so ganz. Warum ist „wie man sich erklären kann, daß der Feminismus recht [hat ?]“ eine „metaphysische“ Frage?

      Offenkundig ist das KEINE metaphysische Frage. Eine echt metaphysische Frage wäre z. B.: „How does mereological composition occur: When do diverse objects make up a single integral object?“

      Einen aktuellen Überblick über die Themen und Probleme der Metaphysik findest Du unter:

      http://plato.stanford.edu/entries/metaphysics/

      Überdies setzt Deine Formulierung voraus, daß der Feminismus tatsächlich recht hat. Ist das denn wirklich so?

      Allgemein, mir scheint eine bemerkenswerte Diskrepanz vorzuliegen zwischen Deinen akademischen und argumentativen Lücken einerseits und andererseits Deiner Bereitschaft, mal eben ganze Fachbereiche zu diskreditieren: „Biologen haben in der Regel wenig Ahnung von Biologie“, „Evolutionäre Psychologie ist wissenschaftlich völlig unhaltbar“ usw.

      Überdies besteht eine gewisse Kluft zwischen Deinem verschwindend geringen Einfluss und Deinen – ja, wie soll ich’s nennen? – Allmachtsfantasien: „Solche Säuberungen sind nötig, wenn man von Anfang an versäumt, die Idioten fernzuhalten“, „Die anderen Verrückten kommen danach dran“ usw.

      • @Jochen

        „Offenkundig ist das KEINE metaphysische Frage.“

        Doch. Das ist ja das Frappierende, daß Feminismus und Biologismus dieselbe metaphysische Schlagseite teilen:

        Im Grunde fragt ein traditioneller Metaphysiker: „Worin besteht die wahre Realität?“. Platons Antwort z.B. war im Phaidon, salopp formuliert, „In den unabhängig von unserer materiellen Welt jenseitig existierenen Ideen, deren unperfekte Kopien das Inventar unserer Welt ausmachen.“ – womit er den ersten von zwei Teilbereichen traditioneller Metaphysik erfand: die Ontologie, die Auskunft über das Wesen all dessen geben will, was existiert. Der zweite Bereich eröffnet sich durch die möglichen Antworten auf die Frage: „Was sind die ersten Ursachen und Prinzipien der wahren Realität?“ Bis in die Neuzeit hinein wurden religiöse Überzeugungen an dieser Stelle ins Feld geführt – und diese brauchen uns daher hier nicht weiter zu beschäftigen.

        Die Verwendung des Wortes „Idee“ ist bei Platon etwas speziell und wir können die Sache auch etwas moderner umformulieren: Begriffsworte werden bekanntlich in assertorischen Sätzen verwendet, um einzelne oder auch mehrere Gegenstände voneinander zu unterscheiden und zu klassifizieren. Wie bei Eigennamen kann man sich nun fragen, ob Begriffsworte über ihre Diskriminations- und Klassifiktionsfunktion hinaus etwas bezeichnen z.B. Eigenschaften oder Begriffe. Generell könnte man in diesem Sinne lax sagen, daß Kombinationen von Eigenschaften das Wesen eines Dings, eines Gegenstandes ausmachen. Die Frage ist nun, ob oder inwiefern solche außerhalb von Raum und Zeit stehenden Abstrakta – man spricht auch von Allgemeinbegriffen – existieren. Diese Allgemeinbegriffe bezeichnet man auch als Universalien. Andere mögliche Universalien sind Werte, Regeln oder Tugenden.

        Aristoteles bis ins Mittelalter sehr wirkmächtige Gegentheorie besagt dagegen, daß dasjenige, worauf Allgemeinbegriffe Bezug nehmen, Teil unserer materiellen Welt sind, deren Inventar von Dingen mit einem Wesen gebildet werden, so daß man sie in Gattungen und Sorten hierarchisch kategorisieren kann. Zum Programm aristotelischer Ontologie gehört daher die Beantwortung von Fragen wie: „Welche Bereiche des Seienden gibt es, welche sind fundamental, welche abgeleitet?“, „Wie sind die einzelnen Bereiche strukturiert und warum gibt es Seiendes und nicht vielmehr nichts?“ oder „Welches methodische Vorgehen ist der Metaphysik angemessen?“. Verfolgt man diese Fragen, so finden sich bis in die Gegenwart drei fundamentale metaphysische Positionen, welche letztlich den Raum so gut wie aller metaphysischen Debatten aufspannen:

        a) Realismus: Token der allermeinsten wissenschaftlich postulierten oder auch im Alltag gebräuchlichen Typen bzw. Allgemeinbegriffe oder Universalien existieren unabhängig vom Mentalen ebenso wie Einzeldinge z.B. Stühle oder Elektronen.

        b) Nominalismus: Es gibt Einzeldinge, aber Universalien sind nichts anderes als rein verstandesmäßige Begriffsbildungen und Abstraktionen, die allein in der Sprache zu finden sind. Eine davon unabhängige Version des Nominalismus besagt, daß es keine abstrakten Objekte gibt, die dadurch charakterisiert sind, daß sie keine Raum-Zeit-Position haben wir z.B. Zahlen oder Mengen.

        c) Konzeptualismus: Es gibt Einzeldinge, aber Universalien existieren sprachunabhängig allein in den Gedanken. Sie sind nur im Mentalen zu finden und die Realität ist eine Realisation von ihnen.

        Natürlich gibt es verschiedene Vorstellungen dessen, was Metaphysik sein soll – nach meiner Zählung etwa acht – aber der Ursprung ist das hier.

        Und damit wird auch klar, inwiefern Feminismus und Biologismus Metaphysik bereiben:

        Die wahre Realität besteht nach dem Feminismus in einer Menge hierarchischer Strukturen, in Machtungleichgewichten und damit in einer Unterdrückung der Frau, ihrer Unfreiheit im Vergleich zur Freiheit, die angesichts des Fehlens biologischer und göttlicher Determination da sein müßte. Die Ursachen und Prinzipien dieser Realität ist die bösartige, sexbessene und primitive Natur des Mannes und die Prinzipien sind Macht, Vergewaltigung, Abwertung und Privilgien. Geschlechterdifferenz strukturiert den Bereich des Seienden, Wissen und Realität und Biologie ist nachgeordnet und abgeleitet. Es dominieren die Normen, Sprache und Gewalt.

        Der Biologismus behauptet im Gegensatz datzu einen kausalen Beinahe-Determinismus und er letztbegründet sie mit der Vorstellung einer unhintergehbaren Realität: Der Tatsache, daß unter allen Möglichkeiten evolutionär nur diese Realität Erfolg hat. Die Ursachen liegen in den geheimen Strukturen der Evolution und das einzige Prinzip ist die Kausalität. Nichts macht Sinn, außer in der teleonomen Rationalität der biologischen Funktionen und der Reproduktionsrate der einzelnen Gene. Daher sind die Sozialwissenschaften im Grunde überflüssig und müssen einen radikalen Paradigmenwechsel und eine Transformation in Subdisziplinen der Evolutionsbiologie hinnehmen.

        Du siehst also: Metaphysik reinsten Wassers ….

        • @ Elmar

          Wobei speziell für den postmodernen Gender-Feminismus und das gesamte Spektrum des US-amerikanischen politisch korrekten (Vulgär-)Poststrukturalismus, wenn wir deren theoretische Grundlage im Zusammenhang mit metaphysischen oder quasi-metaphysischen Auffassungen analysieren wollen, wohl noch die von Foucault übernommene nietzscheanische Macht-Ontologie erwähnenswert wäre, also die Auffassung, dass das Sein essentiell konflikthaft ist, in dem Sinne, dass die verschiedenen Entitäten in ihrem Streben nach Wirksamkeit zusammenstoßen und sich unterschiedliche Grade an Einfluss herausbilden können, zu denen es stets wieder Gegeneinflüsse gibt, die sie potentiell herausfordern, ohne dass es aber ein absolutes Zentrum der Macht gebe. Die Macht gehe nicht von einer bestimmten Stelle aus, sondern sei – in unterschiedlichen Ausprägungen – überall.
          Die Macht-Konflikte bilden in dieser Sichtweise auch die dynamische Basis für die sich bildenden kulturellen und soziologischen Strukturen, was also heißt Sein und Gesellschaft seien in letzter Instanz primär als Sphäre ewiger und nicht aufhebbarer Interessenkonflikte zu deuten.

          Man sollte sich m.E. hier stets im Bewusstsein behalten: Poststrukturalismus – und zwar schon der ursprüngliche, noch nicht-politische korrekte französische Poststrukturalismus – ist ein Versuch Nietzsche anstatt Marx (oder irgend einen anderen Philosophen) in das Zentrum einer kritischen Gesellschaftstheorie zu stellen.
          Allerdings waren die französischen Poststrukturalisten ihrem Selbstverständnis nach Links-Nietzscheaner, keine Sozialdarwinisten.
          Das hieß ihrem Selbstverständnis nach, anstatt wie Nietzsche zu hoffen, dass die Schwachen zugrundegehen, sich in diesem ewigen Kampf um Macht ausdrücklich auf die Seite der Schwachen zu stellen. Hier hängt nun natürlich viel davon ab, wer in dieser Vorstellung nun die Schwachen sind und wie man dies begründet, differenziert und kontextbezogen verorten kann – dafür wurden leider keine klaren Kriterien formuliert.

          Foucaults größter Fehler war m.E. die Ablehnung universalistischer Moral, die er als vereinheitlichend und das Einzelne und Besondere ausgrenzend ansah – und nicht etwa als das notwendige Medium einer fairen und gerechten Beurteilung von Interessenkonflikten.
          Das begünstigte die Entstehung von Identitätspolitik und Multikulturalismus in den USA als Foucault dort rezipiert wurde. Auch die Ablehnung universalistischer Moral scheint aus seiner nietzscheanischen Macht-Ontologie zu resultieren, etwa in dem Sinne: Wenn sich in letzter Instanz alles aus ewigen Interessenkonflikten zusammensetzt und nichts außerhalb dessen steht, dann ist auch universalistische Moral als Machtsstrategie zu verstehen und nicht als etwas, was diese Intereressenkonflikte quasi von außen harmonisiert.

          Jedoch wäre hier m.E. auch der Ansatzpunkt für eine immanente Kritik von Foucaults Ablehnung universalistischer Moral gegeben, denn aus dem Umstand, dass auch universalistische Moral im Kontext einer nietzscheanischen Macht-Ontologie als Machtsstrategie begriffen werden muss, folgt ja nun keinesfalls, dass man sich deshalb ihrer als Links-Nietzscheaner nicht bedienen dürfe.
          Da in dieser Weltsicht ohnehin nichts außerhalb der Macht steht, alles irgendwie in Konflikte um Wirksamkeit eingebunden ist, kann der Links-Nietzscheaner ja ohnehin nichts anderes tun als sich auf irgendwelche Aspekte innerhalb dieser Konfliktkonstellationen zu beziehen, warum also dann nicht auf universalistische Moral, ermöglicht diese doch, was keine andere Perspektive vermag, nämlich zu versuchen die „ewigen Interessenkonflikte“ möglichst dauerhaft in solchen kulturellen und soziologische Strukturen zu kanalisieren, die es ermöglichen, dass die Schwachen, auf deren Seite, der Links-Nietzscheaner sich ausdrücklich stellt, ihr Bedürfnis nach Wirksamkeit aktualisieren können, ohne selbst dadurch wiederum in eine solche Position der Stärke gelangen zu können, die es ihnen ermöglicht, das Streben nach Wirksamkeit ihrer Opponenten unverhältnismäßig einzuschränken.

          Und Foucaults Annahme von dem angeblich ausgrenzenden Charakter universalistischer Moral wäre entgegenzustellen, dass eine Moral, die nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich universalistisch ist, zwar nicht ohne Ausgrenzungen auskommt, aber sie trotzdem auch für den stets kritisch auf Ausschlüsse fokussierenden poststrukturalistischen Blick allen anderen Perspektiven gegenüber vorzuziehen ist, weil sich nämlich begründet aufzeigen lässt, dass alle anderen Perspektiven in letzter Instanz zu noch mehr Ausgrenzung führen.

          Eine solche immanente Kritik von Foucaults Links-Nietzscheanismus wäre darauf angelegt Foucaults Philosophie mit den Erfordernissen einer zeitgemäßen linken Philosophie – die sich m.E. von allen moral-relativistischen bzw. moral-partikularistischen Vorstellungen verabschieden muss, um wieder zu konstruktiver Wirksamkeit zu gelangen – in Einklang zu bringen und sie gegen die Anfälligkeit für die postmoderne Political Correctness zu immunisieren.

          Allerdings muss man hier wohl realistischerweise einräumen, dass auch dies die PC-Spinner in den USA nicht zwangsläufig davon abgehalten hätte aus dem ehemals antiautoritär motivierten französischen Poststrukturalismus eine autoritäre Ideologie zu basteln.

          Der französische poststrukturalistische Philosoph Lyotard z.B. hatte nach anfänglichen relativistischen Verirrungen in seiner Theorie von den miteinander inkommensurablen Diskursarten, die sich angeblich nicht gegenseitig kritisieren könnten, weil sie Sprachspielen angehörten, die verschiedenen Regeln folgen – zu dieser Behauptung Lyotards gibt es durchaus begründete Kritik – dann selbst die Menschenrechte als absolute Grenze eingesetzt, über die sich die verschiedenen Diskursarten nicht hinwegsetzen dürften, Lyotard hat also durchaus versucht eine Sicherung gegen moralrelativistische Interpretationen einzubauen.
          Das hat die PC-Spinner in den USA trotzdem nicht davon abgehalten seine Philosophie zu einer zentralen theoretischen Grundlage des politisch korrekten postmodernen Multikulturalismus zu machen.

        • @Leszek

          „wohl noch die von Foucault übernommene nietzscheanische Macht-Ontologie erwähnenswert wäre, also die Auffassung, dass das Sein essentiell konflikthaft ist, in dem Sinne, dass die verschiedenen Entitäten in ihrem Streben nach Wirksamkeit zusammenstoßen und sich unterschiedliche Grade an Einfluss herausbilden können, zu denen es stets wieder Gegeneinflüsse gibt, die sie potentiell herausfordern, ohne dass es aber ein absolutes Zentrum der Macht gebe.“

          Volle Zustimmung – es wäre ein interessantes Projekt, das mal komplett aufzuklären.

          „Allerdings waren die französischen Poststrukturalisten ihrem Selbstverständnis nach Links-Nietzscheaner, keine Sozialdarwinisten.“

          Ja, das ist richtig.

          „Wenn sich in letzter Instanz alles aus ewigen Interessenkonflikten zusammensetzt und nichts außerhalb dessen steht, dann ist auch universalistische Moral als Machtsstrategie zu verstehen und nicht als etwas, was diese Intereressenkonflikte quasi von außen harmonisiert.“

          Ja, sehr gut. Das wirkt im Feminismus der 3. Welle fort und bedeutet für jeden antifeministisch wirksamen Maskulismus, daß er kompetent für einen moralischen Universalismus argumentieren können muß.

          „Eine solche immanente Kritik von Foucaults Links-Nietzscheanismus wäre darauf angelegt Foucaults Philosophie mit den Erfordernissen einer zeitgemäßen linken Philosophie – die sich m.E. von allen moral-relativistischen bzw. moral-partikularistischen Vorstellungen verabschieden muss, um wieder zu konstruktiver Wirksamkeit zu gelangen – in Einklang zu bringen und sie gegen die Anfälligkeit für die postmoderne Political Correctness zu immunisieren.“

          Klingt sehr interessant. Werden wir in Zukunft etwas darüber von dir lesen können?

          „weil sie Sprachspielen angehörten, die verschiedenen Regeln folgen“

          Ein häufiges Mißverständnis von Wittgensteins Sprachspielparadigma – ich muß auch darüber mal irgendwann bloggen.

  3. Den Widerspruch an sich herauszuarbeiten, reicht wahrscheinlich nicht, um mit dem Feminismus „fertig zu werden“ und es bringt auch keine großen Erkenntnisse. Interessanter ist die Frage, warum und wie eigentlich der Feminismus so zuverlässig Selbstwidersprüche produziert.

    Diese Selbstwidersprüche haben zunächst eine Funktion: Sie stellen sicher, dass es der (unsichere) Mann der Feministin nie recht machen kann, egal, was er tut. Für Männer, die darauf bedacht sind, möglichst von allen Frauen als „guter Mann“ wahrgenommen zu werden, konstituieren solche Selbstwidersprüche dann Double Binds. Das tückische dabei ist, dass das männliche Denken Lösungen suchen will. So ein Double Bind hypnotisiert den lösungssuchenden Geist, verunsichert ihn und macht ihn nur noch abhängiger vom Wohlwollen der Frau(en). Es handelt sich im Grunde um einen Mechanismus, jemanden anderen dominant zu binden. Unterwerfung durch Terror, umgekehrtes Stockholm-Syndrom.

    Den Widerspruch zu sehen ist nur der erste Schritt um dem zu entkommen. Der Wichtigere ist auf das Wohlwollen zu scheißen. Wen interessiert, was die Feministin/Frau will oder gut findet?

    • @lh

      „Interessanter ist die Frage, warum und wie eigentlich der Feminismus so zuverlässig Selbstwidersprüche produziert.“

      Ich seh da eigentlich nichts Systematisches – ist eigentlich alles nur normale Propaganda. Die feminstische Praxis wird von pressure groups dominiert, die absolut skrupellos sind.

  4. Ich halte zunächst einmal beide Aussagen in ihrer Pauschalität für falsch und inhaltlich kaum vergleichbar.

    1. Die Wirksamkeit von normativen Stereotypen wird maßlos übertrieben, die meisten Stereotype sind tatsächlich nur deskriptiv (Literatur hierzu). Man muß schon sehr genau auseinanderhalten, welches typisch weibliche Verhalten auf biologischen Ursachen beruht und was anerzogen ist, ggf. beides zusammenwirkend. Daß typisch weibliches Verhalten pauschal schädlich sein soll, ist haarsträubender Unfug bzw. eine willkürliche Wertung.

    2. „… Anderssein eine Menge Vorteile bringen“ wird i.d.R. unter dem Schlagwort diversity vorgebracht, also in Gruppenprozessen (während die 1. Aussage eher auf Individuen bezogen ist). Daß Geschlechter-diversity Vorteile bringt, ist z.B. für Vorstände klar widerlegt, in anderen Kontexten ist es m.W. nicht wirklich belegt.

    Wenn man davon absieht, daß beide Aussagen falsch sind, kann man immerhin den Widerspruch erkennen, daß Verhaltenspräferenzen von Frauen nicht zugleich angeboren und sozial erlernt sein kann.

    „Lässt sich dieser Konflikt auflösen?“

    Nein, natürlich nicht. Das unterstellt aber, daß in beiden Aussagen die gleichen Verhaltenstypen gemeint sind. Das ist nicht ganz klar, es ist eine beliebte feministische Technik, mit unklaren Begriffen Konfusion zu erzeugen. Zumindest bei der Verhaltenskategorie Führungsstil, beruflicher Ehrgeiz, Erfolgsorientierung im Beruf etc. tritt der innere Widerspruch sehr deutlich auf (s. Nr. 2 in dieser inneren Widersprüchen im Zusammenhang mit Frauenquoten).

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