Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. Juli 2016

Feministische Theoriewoche II: „Internalisierter Sexismus vs. Frauen wollen etwas anderes als der Feminismus“

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche Teil 2: Widersprüche im Feminsmus.

Das heutige Thema ist

„Internalisierter Sexismus vs. Frauen wollen etwas anderes als der Feminismus“ 

Dabei geht es darum, dass der Feminismus es sich sehr einfach macht, indem er Übereinstimmung mit dem Feminismus als Erkenntnis dessen, was Frauen eigentlich wollen und als Befreiung bezeichnet, aber alles, was nicht im Übereinstimmung mit dem Feminismus von Frauen gewollt wird als internalisierter Sexismus abtut, den die Frauen verinnerlicht haben sollen.

Das an sich ist noch kein Widerspruch, es wäre sogar eine mögliche Erklärung. Das Problem ist, dass der Feminismus kein wirkliches Unterscheidungsmerkmal bereitstellt, welches eine Kontrolle der Entscheidung ermöglicht. Die Zuweisung erfolgt alleine danach, ob das Verhalten zu dem passt, was der Feminismus für richtig hält bzw was er nicht als frei ansieht.

Die Frau wird in allen Punkten, die unter internalisierter Sexismus fallen als jemand dargestellt, der dumm den Vorgaben der Gesellschaft folgt und einen Hass auf sich selbst entwickelt hat, der ein abweichen von diesen Regeln unmöglich macht, selbst wenn diese bedeuten, dass jede dritte Frau vergewaltigt wird.

Ist das Ergebnis feministisch genehmigt, dann wandelt sich die gleiche Frau plötzlich in jemanden, der die gesellschaftlichen Regeln klar erkennt und sich aus der Unterdrückung befreit hat.

Lässt sich der Widerspruch zwischen den dummen Frauen und den befreiten Frauen auflösen?


Responses

  1. Sooo schlecht ist die Schlussfolgerung doch gar nicht

    a) Der Mensch ist bei Geburt ein Blank Slate
    b) Frauen tragen keine Verantwortung (für ihre eigene Entwicklung und auch sonst nicht)
    c) Kompromisse (vor allem mit Männern) sind eine Zumutung, eine Frau hat Anrecht auf alles.

    => Wenn eine Frau nicht in ihrem ureigensten Feministischen Interesse handelt, wurde sie gehirngewaschen.

    Da habe ich, auch hier, schon Unlogischeres gelesen.

    • In der Zwischenzeit empfehle ich den letzten Film von Bearing.
      Nicht nur gibt es bei 1:35 ein sehr schönes Beispiel, wie eine Feministin klassische Rollenmodelle umstürzt…

      ..die Auswahl der Frames, an denen Bearing das Video anhält, um zu kommentieren, ist königlich.
      (Wenn wir von einem König reden, der auch Sahnetorten und Bananenschalen witzig findet.)

    • Da stellt sich ja die Frage, warum es so einfach ist die Frau gehirnzuwaschen, warum merkt sie ihre Unterdrückung nicht und wählt zB feministische Parteien, die wirklich etwas gegen die rape culture tun?

      (Wenn man unterstellt, dass sie das bereits tun, dann ist die Idee des Patriarchats und der Unterdrückung in Gefahr

      • Das Patriarchat ist halt sehr mächtig.

      • Wieso „einfach“?
        Es braucht schließlich ein ausgewachsenes, tausende von Jahren altes Patriarchat, um das zu erreichen.

        Vergiss nicht: Wir reden hier (jeweils) von einer einzelnen Frau deren blank Slate seit dem Tag ihrer Geburt von Tausend Jahren Männerherrschaft beschrieben wird.

        Das ist nicht „einfach“. Im Gegenteil, das ist quasi unmöglich, sich gegen solche Einflüsse zu wehren. Wenn niemand weiß, dass Frauen auch Menschen sind, weil das Patriarchat jeden Gedanken in dieser Richtung im Keim erstickt, dann ist es nicht „einfach“ zu denken, Frauen seien auch Menschen.

        U M S O M E H R muss man also Ehrfurcht haben vor Feministinnen, die es – gleichsam aus dem Nichts – geschafft haben, diese beeinflussenden Ketten abzustreifen.

        Nur Auserwählte sind in der Lage, die wahre Natur der Matrix äh des Patriarchats zu erkennen. Anderen bleibt nur ein dumpfes Gefühl.

  2. Ich halte diese Denkweise für durchaus nachvollziehbar. Feministen glauben natürlich, dass ihre Sichtweise die richtige ist. Dass Frauen benachteiligt werden und böse, sexistische Männer herrschen, ist in ihren Augen so offensichtlich, dass man schon blind sein müsste, es nicht zu sehen. Die einzige Erklärung, warum sich sehr viele Frauen weigern, sich der Rebellion gegen das Patriachat anzuschließen, muss darin liegen, dass sie a) zu doof sind, b) gehirngewaschen sind, c) sich Vorteile durch Kollaboration mit dem Feind erschleichen, oder d) eine Mischung aus allem.

    Die Idee von den naiven, Frauen, die einfach noch nicht begriffen haben, wie die Welt funktioniert, deckt sich wahrscheinlich auch mit der ganz persönlichen Erfahrung vieler Feministinnen. Man liest ja öfter von Frauen, die den Kontakt mit feministischen Theorien quasi als Erleuchtung, als Offenbarung beschreiben: Plötzlich gibt alles einen Sinn, man hat eine Erklärung für all die Schwierigkeiten, die man hat, und gleich auch noch einen bequemen Schuldigen. Und im Nachhinein ist es unbegreiflich, warum man all das nicht schon längst vorher gesehen hat. Da muss eine bösartige Gehirnwäsche dahinterstehen, und nur wenige sind auserwählt, diese Gehirnwäsche zu durchdringen. Dadurch können sie sich leicht als was ganz Besonderes sehen, eben die einzigen, die wirklich begriffen haben, wie die Welt funktioniert.

    Das gibt es übrigens nicht nur im Feminismus. Es gibt genügend Linke, die daran verzweifeln, warum viele „kleine Leute“ immer wieder die wirtschaftsfreundlichen Parteien wählen, und die sich das nur dadurch erklären können, dass sie einfach nicht begriffen haben, dass der Sozialismus ihre Rettung ist.
    Auch hier auf dem Blog gibt es Kommentatoren, die davon überzeugt sind, die wahre Natur der Frauen begriffen zu haben (sie haben die red pill geschluckt), und die anderen sind halt zu doof, es zu begreifen, oder sie wollen die unbequeme Wahrheit nicht wissen, etc.
    Der Unterschied ist, dass die wenigsten daraus eine große, weltweite Verschwörung mit jahrtausenderalter Gehirnwäsche machen …

  3. Gegenfrage: Wenn Feministas redlich argumentieren würden; Also eingestehen würden, dass sie lediglich die Gedanken, Bedürfnisse und Probleme einer kleinen Minderheit unter den Frauen artikulieren, welche Zugkraft hätte ihre Argumentation dann noch?

  4. In gewisser Weise läuft es darauf hinaus, dass gesagt wird die Mehrheit der Menschen (hier speziell Frauen) denkt und handelt halt konformistisch, d.h. erlernt die gesellschaftlich vorgefundenen Denk- und Verhaltensmuster und gibt diese wieder. Die wenigsten Menschen reflektieren die gesellschaftlichen Zusammenhänge. Ähnliches gilt für rassistische Stereotype. Dahingehend wird auch von „Verblendungszusammenhang“ gesprochen.

    Die Kritische Theorie verweist außerdem auf Karl Marx‘ Verwendung des Fetischismusbegriffs welcher damit umschrieb wie den Menschen der bürgerlichen Gesellschaft beispielsweise die „Marktgesetze“ als quasi-natürliche Sachzwänge gegenübertreten denen er sich (vermeintlich) unterwerfen müsse damit die Gesellschaft funktioniere, obgleich die Gesellschaft jene Sachzwänge selbst geschaffen hat, dies aber nicht durchschaut.

    Der Feminismus greift dieses Marx’sche Grundtheorem nun auf und setzt es auf das Geschlechterverhältnis an. Wobei selbst aus marxistischer Sicht zu fragen wäre inwiefern eine derartige Übertragung eines strukturellen Verhältnisses auf die (heutigen) Geschlechterverhältnisse haltbar ist.

  5. Therefore I would like you to imagine how it is for an growing boy in the age of ten to hear every day from his mother that men are the cause of all trouble in the world, that men are guilty of all crime and war and repression in the world, that all men should be castrated after their semen has been deep-frozen to ensure the existence of the next generation, that men should live in different cities than women, so that they could all kill each other and so solve the problem of their own existence.

    This is the kind of feminist teaching that I received every day, and created in me a deep mistrust in myself, in male authority, and a feeling of never being able to be good or lovable as a human being because of my maleness. This caused in me a reaction of proving my mother that at least I as her son was different than other men. This quickly turned into arrogance against other men that made me lonely and bare of friends for most of my life.

    http://static1.1.sqspcdn.com/static/f/554578/6752142/1278184553890/son-of-a-feminist.htm

  6. Na ja. Der 3rd Wave Feminism ist ein unlogisches System, was de Facto nur statusreiche Positionen und die Illusion von Macht anstrebt und Frauen sagt, sie sollten alles Andere dafür aufgeben. Seltsamerweise werden in Positionen wo man in einem Unternehmen wirklich was Weltbewegendes erreichen könnte, z.B. in der Entwicklungsabteilung eines Unternehmens, so gut wie nie Frauenquoten gefordert.


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