Der „Abschreckungseffekt“ bei Verurteilungen wegen Falschbeschuldigungen als Grund gegen eine Verurteilung

Ein sehr häufiges Argument bei Vorwürfen wegen Falschbeschuldigung ist, dass damit Zweifel verursacht werden, dass eine Anzeige einer Frau ihre Berechtigung hat. Dies, so wird dann weiter argumentiert, schreckt Frauen ab, Vergewaltigungsfälle anzuzeigen und macht es damit Vergewaltigern einfacher weitere Taten zu begehen.

Die Botschaft als Fangfrage formuliert lautet dann

„Wer dafür ist, dass Frauen wegen Falschbeschuldigung bestraft werden, der ist verantwortlich dafür, dass mehr Frauen vergewaltigt werden. Willst du, dass mehr Frauen vergewaltigt werden?“

Es ist ein Appell an den Beschützer, gerade wenn es an Männer gerichtet ist, und bei Frauen geht es in die Richtung von „Willst du, dass dir keiner glaubt, wenn du vergewaltigt worden bist oder willst du vergewaltigt werden, weil Frauen sich nicht getraut haben, die Tat anzuzeigen?“

Es sind insofern auch Appelle an „das Gemeinwohl“´oder „the Greater Good“. Was ist schlimmer, eine Falschbeschuldigerin laufen zu lassen oder einen Vergewaltiger? Der Vergewaltiger wird noch einmal vergewaltigten, der beschuldigte Mann kann zum einen immer noch seine Unschuld beweisen und zum anderen sind solche Taten eben, so wird dann oft weiter argumentiert, sehr sehr selten (allenfalls 3%), wohingegen wir in einer Vergewaltigungskultur leben, in der jede dritte Frau vergewaltigt wird.

Bei dieser Darstellung fällt die Entscheidung dann leicht: Wenn das eine zahlenmässig eh gering ist und Vergewaltigungen so häufig sind, dass man schon davon sprechen kann, dass man eine Vergewaltigungskultur hat, in der eh kaum einer der Täter bestraft wird,

Ich denke, dass an dieser Verteidigung bis ins Unsinnige, die der Feminismus selbst bei Fällen vornimmt, bei denen es allen anderen bereits peinlich geworden ist, weil die Fakten einfach zu sehr gegen eine Vergewaltigung sprechen:

Es darf aus der Sicht des Feminismus einfach keinen Fall geben, bei dem man ihr nicht mehr glaubt, weil jedes Aufweichen des Tabus eine Förderung von Vergewaltigungen ist.

Dass Problem dabei ist natürlich, dass die Zahlen weit übertrieben sind.

  • Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die Falschbeschuldigungsquote deutlich höher ist
  • Es gibt ebenso gute Gründe die vom Feminismus angegebenen Zahlen zur Vergewaltigung als zu hoch anzusehen
  • Es werden die gravierenden Folgen, die eine Falschbeschuldigung haben kann, ausgeblendet und auch, dass auch hier eine Abschreckung notwendig ist, um Menschen zu schützen

Diesen „Abschreckungseffekt“ hat man kürzlich mir gegenüber Als „Chilling Effect“ bezeichnet, also als Abkühlungseffekt, bei dem eben das Klima als Abschreckend für eine Anzeige aufgefasst wird. Das deutsche Wort wäre wohl der Abschreckungseffekt.

Bizarrerweise ist es häufig gerade die feministische Aufregung über einen Fall, die diesen erst bekannt macht und bei dem dann deutlich wird, dass er sehr unwahrscheinlich ist. So gesehen scheint das Vorgehen des Feminismus aus dieser Sicht eher unklug. Natürlich hat es als Virtue Signalling innerhalb des Feminismus dennoch einen hohen Wert und kann wie man gerade sieht auch für politische Kampagnen genutzt werden.