Margarete Stokowski über Gewalt durch Männer und toxische Männlichkeit

Im Spiegel schreibt Margarete Stokowski über Gewalt durch Männer. Sie führt diverse Taten von Männern auf, sie stellt dar, dass man gar nicht mehr Fragen muss, ob ein Gewaltakt durch einen Mann verübt wurde, weil man es schon weiß, sie stellt dar, dass zwar die meisten Männer nicht gewalttätig sind, aber eben Gewalt dennoch mit Männlichkeit verknüpft ist.

Sie kommt dann zur feministischen Theorie:

„Im Englischen gibt es den Begriff der „toxic masculinity“, also einer Form von Männlichkeit, die auf Dominanz und Gewalt basiert und Gefühle nicht zulässt. Dazu gehört auch die Vorstellung einer gigantischen Ladung sexueller Triebhaftigkeit, die nur mit Mühe in zivilisierten Bahnen gehalten werden kann. Es ist ein Problem, wenn Jungs und Männern immer wieder erzählt wird, dass ein „richtiger Kerl“ nicht weine, eine ausschweifende und geradezu animalische Sexualität habe und alles, was sich ihm in den Weg stellt, eigenhändig beiseite räumen müsse – ein Problem für Frauen und Männer.“

Ich finde es, auch wenn toxische Männlichkeit hier schon häufiger Thema war, ja immer wieder erstaunlich, wie simple diese Argumentation ist. „Männern wird beigebracht, dass sie keine Gefühle zulassen können, also greifen sie zu Gewalt“. Wurde das eigentlich mal von den diese Theorie aufstellenden überprüft? Man muss nur den letzten Fall nehmen, die Vorfälle in Orlando, bei der sicherlich eine Vielzahl von Gefühlen im Spiel war: Seine unterdrückte Homosexualität vielleicht, seine religiösen Gefühle, vielleicht sein Wunsch ohne Sünde zu sein. Wäre er gefühlskalt gewesen und ihm alles egal gewesen, dann hätte er keine Leute umbringen müssen. Selbstmordattentäter werden meist eine Vielzahl von Gefühlen haben, die sie eben mit dieser Tat ausleben, Hass auf bestimme Menschen, das Gefühl etwas Gutes für einen Gott zu machen, Erlösung zu erfahren oder einfach nur es eben allen einmal richtig zu zeigen, die sie bisher ignoriert haben. Es wird häufig damit zusammenhängen, dass sie abgewiesen worden sind, wie die klassischen Schüler, die in einer Schule Amok laufen, auf einem Gefühl der Unterlegenheit, weil Männer eben weitaus seltener als Frauen aufgefangen werden und sei es nur, weil man mit ihnen schlafen möchte.

Richtig ist, dass Männer Probleme gerne lösen wollen und gerne einen hohen Status haben – das ist aber nicht einfach toxische Männlichkeit, es ist gleichzeitig der Grund dafür, dass Männer mehr Firmen gründen, eher in Führungspositionen sind, mehr Patente anmelden und eher bereit sind unzählige Überstunden abzuarbeiten um so an eine Beförderung zu kommen.

Diese Eigenschaft hat eben eine gefährliche und eine gute Seite und man kann beides nicht unbedingt voneinander trennen – die einen trägt es hoch hinaus, die einen tief hinab, bis sie eben Gewalt als ein Mittel sehen, wie sie ein Problem lösen.

Es ist diese Form von Männlichkeit, die wir thematisieren müssen. Dass sie weit verbreitet ist, heißt nicht, dass sie in der „Natur“ von irgendwem liegt.

Fast: Dass sie ihre biologischen Seiten hat, nämlich intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, Statusdenken und Hierarchien, bedeutet nicht, dass wir ihre „dunklen Seiten“ gut und richtig finden müssen.

Vor einer Weile fand man auch noch, dass es natürlich und gut ist, wenn Eltern und Lehrer Kinder schlagen. Heute denken die meisten von uns das nicht mehr, und wir halten es nicht für verhandelbar, ob Männer Frauen schlagen dürfen. Aber wir wundern uns auch nicht, wenn sie es tun.

Wir wundern uns allerdings, wenn Frauen es tun. Obwohl sie es durchaus häufig tun.

Wir halten es für eine verdammte Selbstverständlichkeit, dass eine Frau in der Dämmerung nicht mehr im Wald joggen gehen sollte. Eine Frau. Immer sind es die Frauen, die ihr Verhalten anpassen sollen. Vielen Männern ist nicht klar, wie sehr Frauen die Angst und den Schutz vor Gewalt in ihren Alltag integrieren. Wie sehr wir ein Klima von Bedrohung für normal halten. Wie oft wir ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen, nicht aus Bequemlichkeit, sondern um sicher nach Hause zu kommen. Wenn wir das Geld haben.

Selbst Männer, die sich für komplett harmlos halten, können etwas dafür tun, dieses Klima der Angst zu ändern. Wenn Sie zum Beispiel abends auf der Straße allein hinter einer Frau laufen und diese Ihre Schritte hört, oder wenn Sie ihr entgegenkommen, wechseln Sie doch die Straßenseite. Sie ahnen nicht, wie erleichternd das sein kann.

Da sind einige sehr häufige feministische Denkfehler enthalten:

  • Das man Abwehrmaßnahmen gegen eine Gefahr trifft bedeutet nicht, dass sie eingetreten wäre und die Angst berechtigt ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre den Frauen absolut nichts passiert, wenn sie einfach nach Hause gegangen wären. Denn Vergewaltigungen sind nach wie vor sehr sehr selten.
  • Wenn ein Teil der Männer die Straßenseite wechselt, weil eine Frau ihnen entgegenkommt, die Angst haben könnte, könnte die Unsicherheit der Frauen sogar noch erhöhen, denn wenn dann ein Mann nicht die Straßenseite wechselt, dann will er sie wahrscheinlich angreifen.
  • Frauen werden sich schlicht damit abfinden müssen, dass sich Männer auch auf der Straße bewegen und ihnen kein Ausweichen schulden.

 

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