Eine „Historische Erzählung“ als Unterschied zwischen Männerbewegung und Feminismus

Djadmoros sieht in einem Kommentar bei Lucas Schoppe einen wesentlich Unterschied zwischen Feminismus und der Männerbewegung:

Ich denke, dass der Feminismus über etwas verfügt, was die Männerbewegung nicht hat und sich schwertut, zu finden: eine »historische Erzählung«. Ihrem Selbstverständnis nach ist die Frauenbewegung immer noch eine fortschrittliche Emanzipationsbewegung, die gegen reaktionäre Verhältnisse kämpft – sie sieht sich in einem lineraren Fortschritt der Zivilisationsgeschichte immer noch an vorderster Front. Die Männnerbewegung bricht zwar den einen oder anderen Stein aus der Mauer dieses Selbstverständnisses, ist sich (meinem Eindruck nach) aber unschlüssig, wie das eigene historische Selbstverständnis aussehen könnte.

Ich sehe in der Männnerbewegung ansatzweise zwei Strömungen:

  • erstens eine eher »kulturkonservative«, die sich gegen »kulturzerstörerische« Tendenzen jenes historischen Erbes der »68er«-Kulturrevolution wendet, das ganz wesentlich vom Feminismus angetreten wurde – hier stellt die Bewahrung der (bürgerlichen) Familie einen zentralen Wert dar.
  • Zweitens eine eher »emanzipatorische«, die den Gedanken aufnimmt, dass die Bürger- und Menschenrechte solange unvollständig verwirklicht sind, wie sie nicht auch für Männer gelten.

Beide Strömungen werden mit einem Vorwurf der »Rückwärtsgewandtheit« traktiert:

  • erstere, weil es in der traditionellen Kultur angeblich nichts Bewahrenswertes gibt,
  • letztere, weil unterstellt wird, dass Männer ihren Anteil an den Menschen- und Bürgerrechten bereits erobert hätten, weshalb sie angeblich nur »Privilegien« verteidigen. Welche »Story« können wir dagegen setzen – idealerweise eine, die für beide Strömungen plausibel ist?

Einerseits bringt »xyz« in seinem obigen Post die lebenspraktische Seite gut auf den Punkt: widersprüchliche Erwartungen sollte man Frauen konsequent zurückspiegeln und sie zum »hopp oder topp« auffordern. Hier müssen sich Männer tatsächlich oft erst von der Angst emanzipieren, dadurch weiblicher Gunsterweise verlustig zu gehen – der Weg zum emanzipierten Mann könnte insofern über den MgtoW führen. Aber eignet sich das auch zum Anknüpfungspunkt für eine »Story«? Vielleicht dann, wenn man den »Kampf mit offenem Visier« im Sinne einer »männlichen Tugend« zum Ausgangspunkt nimmt und eine Analogie zum berühmten »Wir haben abgetrieben«-Titelbild von 1971 anstrebt: ein »massenhaftes« Bekenntnis zu einem bis dato stigmatisierten Standpunkt, in der Art von »Ich bin Männerrechtler«, bei dem klar wird, dass es sozusagen aus der »Mitte der Gesellschaft« kommt.

Das Abstreifen einer Stigmatisierung ist ein höchst symbolischer Akt, der allerdings von einem rationalen Manifest begleitet werden müsste, sozusagen als Gebrauchsanweisung. Es wäre ein »Coming out« wie bei den Schwulen: wir sind viele, wir gehören zur Mitte der Gesellschaft, und wir sind unter euch! Damit würden wir das Vertreten männerrechtlicher Positionen als Selbstverständlichkeit beanspruchen, und die sonstige Heterogenität unserer Standpunkte wäre eher eine Stärke als eine Schwäche: Männerrechtler kann man überall in der Gesellschaft und im politischen Spektrum sein, auch wenn wir unser Engagement an verschiedenen Schwerpunkten ausüben.

Dadurch werden die üblichen Ausgrenzungsversuche unterlaufen: wenn Dein Nachbar oder Arbeitskollege Männerrechtler sein kann, dann kann man sie nicht mehr ohne weiteres in ein Jenseits des politisch Akzeptablen verbannen – der nächste Widerspruch könnte gleich um die nächste Ecke warten.

Und idealerweise hätte man einen Verbündeten in den Mainstreammedien, vielleicht den »Cicero« oder die FAZ. Also höher angesiedelt als eine »Why I need feminism«-Kampagne bei Fcbook. Die »Story« wäre dann: Männlichkeit bedeutet, sich dem Kreischen der Furien im offenen Kampf zu stellen. Und bei den nicht ideologisch durchgeknallten Frauen würden wir im Ansehen bloß steigen.

Mehr »Gesicht zu zeigen« ist m. E. die Quintessenz aus Schoppes Blogpost und den bisherigen Kommentaren. Bloß wenn – dann vielleicht besser richtig und ohne »Gang, Veitli, gang, gang du voran«. »Levée en masse«!:-)

Ich denke da stößt er etwas passendes an: Es gibt eine „Befreiungsgeschichte der Frau“ aber keine des Mannes. Es fehlt an der Wahrnehmung der der Beeinträchtigung oder der Verbindung damit, dass man dagegen zu Recht demonstrieren kann. Dabei gibt es wahrscheinlich in den meisten Bekanntenkreisen jemanden, der bei einer Scheidung bluten musste und der seine Kinder nicht sehen kann. Das betrifft aber eben nicht alle Männer, noch nicht einmal alle Männer, die sich trennen, denn es gibt ja auch genug Trennungen, nach denen der Umgang durchaus klappt. Insofern fällt es wahrscheinlich leichter hier von einem Einzelschicksal auszugehen. Das gilt auch für andere Bereiche: Wie radikal der Feminismus ist und welchen Einfluss er teilweise für bestimmte Bereiche hat, muss man eben nicht wahrnehmen, solange man mit diesem Bereich nicht in Berührung kommt. Auch dann nimmt man die Hintergründe vielleicht weniger wahr.

Hier wäre wohl „Bewußtseinsbildung“ ein wichtiger Faktor und sicherlich wäre dieser erleichtert, wenn man Leute in Talkshows etc hätte, die dort etwas dazu sagen. Das scheitert aber teilweise sicherlich an der Bereitschaft der Presse passende Personen einzuladen. Es scheitert aber auch sicherlich daran, dass kaum jemand bereit steht, den man großartig kennen würde. Arne ist innerhalb der Szene sicherlich bekannt, aber eben nicht außerhalb. Die Vereinsvorsitzenden diverser Vereine sind dann schon wieder teilweise zu speziell vermute ich, aber vielleicht auch zu sehr Privatperson.

Auch dazu kommt sicherlich, dass es in dem Bereich nach wie vor viele Starkselbstbetroffene, verbitterte oder an Verschwörungstheorien glaubende gibt. Das erscheint zu radikal, wenn man nicht eine gute „Historische Erzählung“ dagegen halten kann, die das rechtfertigt und bei der man klar gegen veraltete Normen kämpft. Mit „Das Jugendamt muss weg“ wird man in der generellen Form eben nicht weit kommen, weil ein Hass gegen eine solche Organisation an sich irrational erscheint. Eben so wenig mit „Feminismus kann nicht gut sein“, denn damit richtet man sich genau gegen die historische Erzählung, dass Frauen unterdrückt waren und sich befreien müssen und ist leicht als Unterdrücker darstellbar.

Es wäre schön, wenn man medienaffine Vertreter hätte, die vernünftige Sachen sagen und eingeladen werden. Allein: Träumen bringt uns nicht weiter. Ich wüßte gegenwärtig auch nicht wie man wem aufbauen könnte. Mir scheint insofern „Öffentlichkeitsarbeit“ über das Internet als Basis gar nicht mal so verkehrt, so erreicht man Leute und verändert vielleicht das Bewußtsein etwas.