„Echte Gleichberechtigung wäre es Männer für 1.000 Jahre zu unterdrücken, seien sie lieber für Feminismus“

Auf der sonst tatsächlich Humor gewidmeten Seite „College Humor“ findet sich ein großer feministischer Strohmann:

Echte Gleichberechtigung

echte Gleichberechtigung

echte Gleichberechtigung

(Hinweis: Zweites Bild nach Hinweis nachträglich eingefügt)

Der Comic ist aus vielen Gründen ein ziemlicher Strohmann, hier ein paar:

  • Er gibt eine falsche Definition von dem Gegenstück der Gleichheit, die der Feminismus will, an und errichtet damit eine künstliche Binarität, in der dann der Feminismus als die besser Wahl erscheint
  • Tatsächlich ist mit „real equality“ ja üblicherweise gemeint, dass man nicht den Mann als Sündenbock ausbaut, sondern Gleichberechtigung für beide Geschlechter zu erreichen versucht.
  • Der Verweis auf die Vergangenheit errichtet insofern einen falschen Zusammenhang, in dem als andere Möglichkeit nur ein „historischer Ausgleich“ dargestellt wird. Tatsächlich sind historische Ungleichheiten aber irrelevant, sofern man die Ungleichheiten der Gegenwart lösen kann.
  • Selbst die Darstellung der „Ausgleichsmaßnahmen“ ist grotesk.
    • Im ersten Bild müsste im Gegenzug dem kleinen Mädchen beigebracht werden, dass es zu arbeiten hat, dass es den Jungen zu beschützen hat, dass es ihn ernähren muss und das es kein Weichei sein soll.
    • Im zweiten Bild wäre zu bedenken, dass in genug Ländern auch der Mann erst einmal das Vermögen und die Stellung haben musste, die sicherstellt, dass er die Frau auch ernähren kann.
    • Das dritte Bild würde die Frau wohl auch kaum so glücklich fortziehen sehen. Es ist ja gerade eines der „Probleme“ zwischen den Geschlechtern, dass Frauen wenn sie können weitaus lieber zuhause bleiben und lieber ihre Arbeitszeit verkürzen. Sie suchen nicht nach einem Hausmann, dem sie fröhlich ein „Bleib nicht wach“ zurufen können, während sie ihre Karriere vorantreiben.
    • Es fehlt natürlich auch das Bild, wo die Frau freudig Unterhalt zahlt, es freudig zur Kenntnis nimmt, dass er die Kinder bekommt, freudig Versorgungsanwartschaften und Zugewinn abgibt, weil ihr Leben als Mann einfach perfekt ist. Ebenso wie ihre Freude darüber, dass man Wettbewerb von ihr erwartet, oder darüber, wie sie ihren Wehrdienst absolviert oder Überstunden macht.
  • Wahrer wäre es ein Bild darzustellen, in dem sie sagt, dass sie „echte Gleichberechtigung“ will und dann darauf hinweist, dass Benachteiligungen von beiden Geschlechtern abgebaut werden sollen, dass beide Geschlechter die Gesellschaft mitgestalten, dass Diskriminierungen nicht bereits durch ungleiche Verteilungen entstehen, sondern das „warum“ gründlich prüfen muss.

Oder wie ein Kommentator unter dem Artikel es ausdrückte:

You forgot the part where, men sit at home while women go to war, work at coal mines, oil rigs in the middle of the ocean and cleaning disgusting places that you didn’t even knew existed. You know, the things that are about 99% male jobs at the moment. I as a man can say that i will be more then happy to stay home, cook (which is something i really enjoy and am good at), clean, do house work, take care of the kids, while someone esle goes to work and provides everything for me for a few thousand years. I can go shoe shopping, buy my self something pretty, go to a beauty salon (a man have to keep up his looks after all) ….. sight…… idiots

Just FYI i probably have more female friends than male, and i have never in my life discriminated any of them just because of gender.If they do something wrong its not because of what gender they are but coz they stupid and they fucked up. And thats because to me they are people. Not women, not men, just people, who btw think the same way. And that is equality for you.

Oder hier:

I find it genunily dissapointing that as a man I must attone for my forefathers sins in life before true gender and racial equality can be reached.
I still can’t cry or not pay for dinner on a first date without being looked down upon by both men and women.
I still cannot be a stay at home father without feeling like I am failing as a man
I still cannot pick my children up from school without the teachers saying „tell mum parents day has changed“
In the past few decades equal rights has come on in leaps and bounds to the point that men of around my age and younger are treated as lesser citizens to rectify the abbohorant mistakes of previous generations. Please realise that we have been taught equality and not all men are these stereotypical „butthurt“ misogynistic assholes.

Oder hier:

so because your demographic had it worse in the history, which has nothing to do with your life as it is now, it is okay to blame half of the population for this. it is okay, because feels, to take revenge on random people, because they somehow resemble things you hate. pure enforcing collective responsibility. you claim to be smashing the patriarchy, yet fall into hate-driven way of thinking and silencing opposing voices. the irony.

Oder hier:

it’s not funny because it’s enforcing a political agenda in the form of a joke, which would only be funny if one agrees with said agenda and is a total cringe if you don’t (people (or their feelings) are not hurt btw, people are annoyed or they cringed.) Your comment shows you agree, so of course you find it funny because it reinforces your moral ego of being superior in your depiction of equalists.
However, reality is that equalists are former feminists who no longer want to stand by all the arguments that are espoused by feminists, and by these arguments I mean not just the ones expressed by any person who calls himself a feminist online, but also those of prominent feminists.
Arguments made by such feminists include blaming inequality on obscure notions such as patriarchy or other obscure social constructs, and many farfetched examples of sexism (such as that calling are girl cute is sexist because it implies some sort of inferiority).
When calling oneself a feminist, one alligns oneself with such arguments. It is the reason why I, since I have come across many of such arguments have been reluctant in considering myself a feminist. Of course this doesn’t mean I can’t acknowledge equality of men and women.
By equality is meant, equality of rights, and in a broader sense that every choice made by a women should have the same consequenses as if that choice would have been made by a man, if that choice is made under the same circumstances (and in considering these circumstances someone being male or female always has the same value)
I can also imagine many others have also felt the need to distance themselves from such poor arguments but did not want to drop the principle of equality of men and women. Which is why they would prefer to go by a stricter label that only expresses the approval of the principle of equality and not of the obscure sociological arguments or farfetched forms of sexism typically endorsed by feminists. This label is equalism.

Was mir dabei auffällt: Wann immer solche Sachen auf Seiten gepostet werden, die ansonsten diese Ideologien oder den Geschlechterkampf nicht behandeln, gerade Seiten, die sonst eher lustiges als Inhalt haben, kommt einiges an Gegenwehr. Und das durchaus mit vielen guten Argumenten. Ich beobachte das schon länger beispielsweise auch auf 9gag.

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58 Gedanken zu “„Echte Gleichberechtigung wäre es Männer für 1.000 Jahre zu unterdrücken, seien sie lieber für Feminismus“

  1. Ja, die Vergangenheit. In der jeder Kontakt zwischen den Geschlechtern zu einer Schwangerschaft, Vater- und Mutterschaft, führen konnte. In der der Wohlstand gering, der Arbeitseinsatz groß und die Lebenserwartung bescheiden war.
    Wieso nur wurden unter diesen Umständen Gesellschaften so eingerichtet wie sie waren? Effizienz? Ressourcen? Das Wohl des Nachwuchses?
    Nein, nein, der einzige Grund war das Bestreben alle Männer, Frauen zu unterdrücken…

  2. The company that gave every woman a pay rise – BBC News

    http://www.youtube.com/watch?v=ztdHIpGxrQA&feature=youtu.be

    Und warum da nicht Unfair gegenüber Männer ist, wird ab 0:50 mm erklärt.

    „Because women have been facing issues for centuries…“

    Yeah, and men haven’t been facing issues… never ever!

    Der Comic müsste Semikolon ja eigentlich gefallen. Die schwärmt doch immer wieder davon das Männer sich ja eigentlich chemisch kastrieren lassen müssen, wegen der Pille und so.

    Wäre mal interessant zu erfahren was so manche Feministin wählen würde, wenn es die Wahl zwischen einer einfachen Lösung gibt, mit der es Männern dann genauso schlecht geht wie Frau und einer Lösung bei der sie selbst sich anstrengen müssen und es den Frauen dann so gut geht wie Männern.

  3. Den Comic lese ich aber ganz anders. Er verspottet den Feminismus und zeigt auf, was er wirklich will. Keine „Gleichberechtigung“ wie vorgeschoben, sondern Besserstellung („real equality“). Diese Belehrung muss sich hier eine gutmeinende Anhängerin der Bewegung, die das mit der Gleichbechtigung noch glaubt, gefallen lassen.
    Das Argument mit dem „jetzt aber sind mal die Männer dran“, gibt es tatsächlich, habe ich schon wahrgenommen (natürlich als „Ironie“ verpackt).

    • „Das Argument mit dem „jetzt aber sind mal die Männer dran“, gibt es tatsächlich, habe ich schon wahrgenommen (natürlich als „Ironie“ verpackt).“

      Ja es ist sehr weit verbreitet. Offen ausgesprochen wird es jedoch wohlweislich selten. Ich bezeichne das als „Höcke“-Phänomen: Sobald man sich machtvoll genug fühlt wird die innere Scheisse rausgekotzt.

      Oder was glaubt ihr warum feministische Veranstaltungen so sehr auf Geheimniskrämerei und safe space bedacht sind? Noch soll keiner die Hassscheisse mitbekommen….

      • „Das Argument mit dem „jetzt aber sind mal die Männer dran“, gibt es tatsächlich, habe ich schon wahrgenommen (natürlich als „Ironie“ verpackt).“

        Kenne ich völlig unironisch.
        Ein Verweis auf einen Misstand, der einen Mann oder überhaupt Männer trifft, ist mir schon öfter kommentiert worden als „ausgleichende Gerechtigkeit“. Weil früher Frauen so benachteiligt gewesen seien, sei jetzt eine Benachteiligung von Männern völlig Okay.

        Das wird süffisant vorgebracht, ja. Aber nicht ironisch. Es ist völlig Ernst gemeint.

        • Die behaupten doch tagein tagaus nichts anderes, dass sie „Gleichberechtigung“ wollten und verweisen auf die Definition im Lexikon….
          Jeder weiss, dass Feminismus dafür steht.

        • die dementsprechenden Verlage, die das unterhalten. Darauf nehmen die Feministen, etc auch heftig Einfluss. Der teal dear hatte mal einen schönen Film dazu.
          Der Begriff Gleichberechtigung zB ist für viele auch schon nicht mehr verständlich.

    • Ich weiß gar nicht, wie der Comic gemeint ist. Von dem her ist es ein miserabler Comic. Dass er eine Botschaft eindeutig rüberbringt, ist Grundvoraussetzung.

      • Komisch, ich fand ihn völlig eindeutig. Auf Anhieb, da reichte der erste Teil. Habe auch gelacht.

        Kannst du erklären, was verwirrend ist?

        • Du hast ja selber gemerkt, dass die Leute ihn unterschiedlich verstehen. Ich finde ihn nicht verwirrend, ich weiß nur nicht, was er aussagen will.

        • Woran es liegt, erschliesst sich mir aber nicht. Wenn du keine klare Aussage erkennst, schliesse ich, der Cartoon wirkt „verwirrend“. Feminism -> gender equality -> real equality -> oppression for the next 1000 years… Wo reisst die Kette?

        • oder nochmal anders…
          Nach der ersten Sprechblase müsste man sich denken: ach ja, die rechte mag Feminismus nicht, weil dieser eben keine Gleichheit will wie sie, sondern Frauen bevorzugt. Denkt man dies nicht, weil man diese Idee nicht kennt, ist schon mal die Spannung weg, der Witz fällt flach.
          Beim zweiten Bild wird der anfängliche Eindruck nur verstärkt, sie hat eine echtere Gleichheit als der Feminismus im Sinn.
          Dann kommt das mit der Unterdrückung. Vielleicht ist es das, weshalb die meisten abschnallen, dass sie gar nicht verstehen, wie das überhaupt nur Gleichheit seien kann. Dazu muss man natürlich wissen, dass Feminismus immer davon ausgeht, dass Frauen „seit 1000den Jahren“ unterdrückt wurden, dann kann man sofort kapieren, worin die Gleichheit hier besteht, nämlich in einem Ausgleich, bzw in ausgleichender Gerechtigkeit. Das ist aus vielen Gründen lustig, vor allem da der Feminismus ja für Frauen andauernd ausgleichende Gerechtigkeit für Frauen fordert. Typische, geradezu sterotypische, femistische Vorwürfe an die Männer werden jetzt als „Strafe“ ausgemalt, Bildung für Mädchen, Hausfrauenrolle für den Jungen (Witz ist, dass die „Bildungsförderung“ heute genau so aussieht), dann alter Sack heiratet junge Frau eigentlich gegen ihren Willen (bzw umgekehrt natürlich) etc. Und der böse Masku wird zur bösen Femi, die die jetzt unterdrückten Männer niederhält ….

  4. Gleichberechtigung in der Zukunft wäre die umgekehrte Ungleichbehandlung aus der Vergangenheit.

    Interessanter Ansatz!

    Ich sehe vor meinem geistigen Auge ein sinkendes Schiff in dem nur Jungen und Männer in die Rettungsboote gelassen werden, während die Frauen mit Waffengewalt abgedrängt werden. Über einem Jungen ist eine sprechblase: „Mama wird gleichbehandelt“.

    Haha….

  5. Es läuft in der Realität ja auch anders. Feministinnen fordern nicht, dass auf Bohrinseln oder Fischkuttern genauso viele Frauen beschäftigt werden sollten wie Männer, weil das gerechter wäre; sie fordern eine allgemeine Kompensation von Jahrhunderten der Frauenbenachteiligung und begründen somit konkrete Einzelforderungen, die ihnen grade passen, z.B. mehr Urlaubstage wegen Menstruation.

    Natürlich fordern sie nicht ein früheseres Renteneintrittsalter für Männer wegen deren geringerer Lebenserwartung.

          • @adrian

            „Im Übrigen sind Kinder freiwillig, also eher ein Hobby.“

            Einen stressigeren aufwändigeren Job zu machen ist auch freiwillig, man kommt auch mit 1000 € netto hin.
            Und wenn beide Kinder wollen, dann muss einer nun einmal die Arbeit machen. Die dann als Hobby abzuwerten geht doch an der Sache vorbei

          • @adrian

            Dann ist alles, was bei der Arbeit über den Lebensunterhalt hinausgeht auch ein Hobby.
            Warum sollte das im übrigen die Arbeit, die dort geleistet wird abwerten?
            Die meisten Männer haben ja das gleiche „Hobby“ und wollen eine gute Betreuung für ihre Kinder. Sie sind während die Beziehung glücklich ist, vollkommen damit einverstanden, dass ihre Kinder betreut werden und erkennen üblicherweise auch an, dass das ein harter Job sein kann. Sie sehen sich da als ein Team.

        • „Ein Büroalltag kann entspannter sein als schreiende Kinder“

          Der Typische vergleich „Kinder/Arbeit“ ist imho schwer machbar, und selbst da, wo es ähnlich aussieht, ist es imho nicht sonderlich gleich.

          Im konkreten Moment ist es deutlich stressiger, ein um sich schlagendes Kind davon zu überzeugen, dass Zähneputzen nicht die Vernichtung seines kleinen Seelchens bedeutet als eine Mail an einen unkooperativen Kunden/Kollegen zu schreiben oder eine unangenehme Diskussion im Meeting zu führen. Von Körperlichen Aspekten wie Schlafmangel ganz zu schweigen

          Dafür habe ich im Büro konstant einen Basisstress (und, wenn man mal philosophisch werden will, die Entfremdung), und muss mich einigermaßen konstant rechtfertigen (können). Es gibt ein Richtig und ein Falsch außerhalb der eigenen Kontrolle, und daran wird man gemessen. Auch als selbstständiger ändert sich das nicht, da hab ich die Kunden, die diese Funktion übernehmen.

          Demgegenüber steht eine relative große Freiheit zur selbstorganisation des Erziehenden und ein recht geringer Rechtfertigungszwang, beides etwas, was in der Arbeitswelt erst ab höheren Positionen erreicht wird.

          Und der Vergleich wird nochmal komplizierter, wenn „gewechselt“ wird:

          Wenn der Hauptarbeitende dem Haupterziehenden helfen soll, landet der (so mein Eindruck) dabei meist nicht in der gleichen Rolle wie der Erziehende, sondern eher in einer dem Erziehenden untergeordneten Rolle.

          Oder wenn der Erziehende einen Halbtagsjob zur Unterstützung annimmt, denn einen Job, der quasi jederzeit kündigbar ist, kann man nach ganz anderen Kriterien aussuchen, und im Job sich ganz andere Freiheiten herausnehmen.

          Dementsprechend sehe ich die häufig getätigte Aussage „Männer wollen lange und viel Arbeiten“ – ohne ihnen den eigenen Willen absprechen zu wollen – auch etwas kritisch.

          Tatsächlich erlebe ich aber sehr, sehr wenige Männer, die gerne Arbeiten („Karrieristen“), nur welche, die die Arbeit als notwendig in Kauf nehmen.

          Ich glaube eher, dass die meisten Männer einen relativ realistischen (vielleich etwas konservativen) Blick darauf haben, welche Beziehungsmodelle eine realistische Chance unter den gegebenen Umständen haben, und welche nicht.

          Dass sie Arbeiten können, und das gelegentliche Gemecker, dass sie dem Kind das falsche angezogen haben aushalten können, scheint den meisten Männern plausibel.

          Dass sie langfristig eine „Frauenrolle“ übernehmen können, und dabei von der Frau die gleiche Autonomie zugestanden bekommen wie andersherum ist bei den meisten Beziehungen völlig zurecht fraglich.

  6. Ich denke, der Comic ist kein Strohmann sondern beschreibt sehr pointiert worum es eigentlich geht:

    Um die subjektive, vollkommen egozentrische und neidgetriebene Sichtweise (mancher) Frauen auf den Mann bzw die geschlechtliche Arbeitsteilung.

    Im Kern geht es um die Gebärfähigkeit und die daraus resultierenden Folgen mit denen (manche) Frauen hadern.

    Und die Hass- und Rachegedanken die (manche) Frauen deswegen entwickeln.

    • Ja so in etwa. Ich glaube aber es geht in Wirklichkeit nur darum, dass sie merken, dass sie von Männern noch mehr fordern können, bzw. sie Männer noch schlechter behandeln können und dann eine Rechtfertigung dafür brauchen.

  7. Den Comic habe ich auch mal „erlitten“ und er hat mir den Tag versaut (schon, da er von einer eigentlich ganz intelligenten Bekannten gepostet wurde… aber wenn man im Reich der Labelpolitik ist, müssen ja auch intelligente Menschen nicht mehr denken).

    Ich habe keine Ahnung, ob er aus Verblendung oder Infamie entstanden ist, aber er ist wirklich außergewöhnlich widerwärtig. Sein Kern ist nichts anderes als der Glaube an Sippenhaftung (eine der verwerflichsten und antizivilisatorischen Sachen überhaupt) und nur, wenn man diesen akzeptiert, kann man ihm etwas abgewinnen. Das hirnlose Non-Argument „Nun heult mal nicht, Männer, wenn es euch nach Jahrtausenden der Privilegien jetzt mal schlechter geht.“ hört man ja tatsächlich gelegentlich, was ich davon habe, dass mein Großvater meine Großmutter nach der Ehe hätte vergewaltigen dürfen, hat mir aber noch keiner sagen können.
    Ich würde sogar so weit gehen, ihn als Zeichen der Priviligierung momentaner Frauen zu sehen: Wenn sie so unterdrückt wären, würden sie eigenes Leid anklagen, als das von Vorfahrinnen (deren Leid ihnen nicht weh tut) auf die Bühne zu schieben.

    Sollte er aber nicht aus Verdrehtheit, sondern Kalkül entstanden sein (nämlich, um die Konkurrenz verächtlich zu machen, die das behauptet), erinnert er mich an einen Comic aus dem „Stürmer“, den ich im Geschichtsunterricht sah:
    Ein dreckiger, unrasierter und heruntergekommener Landstreicherjude wird von zwei arischen Polizisten aufgegriffen. Er wird gewaschen, rasiert und sauber eingekleidet, dann wird ein Polizeifoto von ihm gemacht. Das letzte Bild zeigt seine (natürlich fette und hakennasige) Familie, die das Foto betrachten und entsetzt rufen, was der Arme wohl mitgemacht habe.
    Verdammt eklig, was? Ich weiß, das war jetzt Godwin’s Law, aber ich sehe hier wirklich eine Parallele: Der „Stürmer“-Comic sollte halt jeden, der das Leid der Juden beklagt lächerlich machen, indem derjenige, der es hört, an diesen Comic denken sollte. Genau so versuchen dann die feministischen Macher dieses Machwerks falsche Assoziationen auf die Konkurrenz zu wälzen, damit die Leute ihr nicht zuhören und nicht die Lügen des eigenen Lagers erkennen.

    • „Sein Kern ist nichts anderes als der Glaube an Sippenhaftung“

      Interessant. Du meinst also, der Comic würde diese Idee unterstützen, nicht drüber sich witzig machen….

      Das zweite Bild macht aber klar, was gemeint ist. Die rechte Frau schaut in den Himmel und weist sogar mit ihrem Finger dorthin, da wo ihre Weltanschauung nämlich herkommt.

      „Ich würde sogar so weit gehen, ihn als Zeichen der Priviligierung momentaner Frauen zu sehen …“

      Viel einfacher. Es ist der Feminismus, der glaubt, die Frauen würden Jahrtausende unterdrückt worden sein, der natürlich reflexhaft die Reaktion hervorruft: „Jetzt sind wir mal dran“. Oder was meinst du, welche Reaktion eine angeblich alles überwältigende Unterdrückung hervorruft?

      • „Interessant. Du meinst also, der Comic würde diese Idee unterstützen, nicht drüber sich witzig machen…“

        Okay, er verlangt nicht die Vollstreckung der Sippenhaftung, erkennt sie aber als Prinzip an: Denn er sagt, Equality würde bedeuten, Männern müsste alles angetan werden, was Frauen je angetan wurde – obwohl es jeweils andere Individuen sind.
        Dass er „gnädig“ darauf verzichtet, heißt nicht, dass er nicht trotzdem meint, dass diese Gleichheitsdefinition Sinn machen würde.

        Disclaimer: Ich sehe gerade, dies scheint irgendwie eine andere Version zu sein, als die, die ich sah. Zumindest erinnere ich mich an das Bild eines Mannes, der am Arbeitsplatz begrabscht wird und die Pointe, dass der Feministin Equality zu radikal ist.
        Vielleicht fehlt hier eine zweite Seite?

        • „Denn er sagt, Equality würde bedeuten, Männern müsste alles angetan werden, was Frauen je angetan wurde“

          Natürlich streng selektiv nur das Schlechte.

        • Wir reden doch über den Cartoon, wie er hier reproduziert ist…

          „Okay, er verlangt nicht die Vollstreckung der Sippenhaftung, erkennt sie aber als Prinzip an“

          Wo wäre draus zu deuten, dass er diese „Umkehr“ „anerkennt“?

          Der Cartoon spielt mit Umkehrungen. Es ist ja jemand, die den Feminismus ablehnt, die seine eigentliche Botschaft vertritt, während die „echte Feministin“ (die mit dem Schild) offenbar keine echte ist.

          • @alex

            „Der Cartoon spielt mit Umkehrungen. Es ist ja jemand, die den Feminismus ablehnt, die seine eigentliche Botschaft vertritt, während die „echte Feministin“ (die mit dem Schild) offenbar keine echte ist.“

            Es passt nicht, weil die Umkehrung ja nicht in witziger Weise vorgenommen wird. Dazu müsste man zumindest ansatzweise erkennen, dass die Frau nachteile aus der Rolle hat. Tatsächlich wird sie aber so nicht dargestellt. Man könnte die Botschaft in der von dir dargestellten Weise rüberbringen, aber das würde ganz andere Bilder erfordern

        • „Disclaimer: Ich sehe gerade, dies scheint irgendwie eine andere Version zu sein, als die, die ich sah. Zumindest erinnere ich mich an das Bild eines Mannes, der am Arbeitsplatz begrabscht wird und die Pointe, dass der Feministin Equality zu radikal ist.
          Vielleicht fehlt hier eine zweite Seite?“

          Also das war alles, was verlinkt war. Vielleicht hast du eine Erwiderung gesehen oder eine Variante des gleichen Themas?

        • @chris

          „Es passt nicht, weil die Umkehrung ja nicht in witziger Weise vorgenommen wird.“

          Sicher ist das witzig, eine Un-Feministin ist die bessere Feministin, die Feministin ist keine. Die linke verkörpert die praktisch ausgestorbene „Equity“-Richtung, die rechte den Differenz/Gender etc Feminismus.

          „You know, true equality“, also Gleichstellung, Frauen-Privilegierung, etc

          Der Cartoon ist ganz klar eine vernichtende Kritik des Feminismus. Wundert mich, dass das nicht unmittelbar erkannt wird…. Der Feminismus hat dann also ganze Arbeit geleistet mit seiner Verwirrung, er würde für „Gleichheit“ stehen …. 😀

          • @alex

            Oh, das zweite Bild hatte ich tatsächlich nicht. Habe es ergänzt

            Gerade das macht es aber noch deutlich, dass deine Interpretation nicht stimmt.
            Denn da heißt es ja gerade:
            „Gerade wenn es für Männer etwas besser wird und sie die Nachteile ablegen beschweren sich die Frauen über diese Beseitigung der Nachteile“

            Was deutlich macht, dass sich der Comic gegen MRA richtet

        • @chris
          „Was deutlich macht, dass sich der Comic gegen MRA richtet“

          Wie ist´s damit, dass die Feindschaft des Feminismus gegen alle MRAs hier ironisiert wird? Es werden vordergründig ja einfach die Rollen vertauscht und alle negativen Geschlechterstereotypen, die der Feminismus hat, ausgespielt, mit dem Feminismus als Männerbewegung, die die Titel von „Time“ liefert usw (es gibt auch noch einen dritten Block des Cartoons, der noch fehlt!).

          Und wie sieht es mit unseren beiden Hauptakteuren aus, der Feministin und der die für die „echte Gleichheit“ ist? Wessen Partei ergreift der Comic? Doch ganz klar die Partei der besonnenen und unterlegenen „Feministin“ links, die rechte wird als überheblich und fanatisch dargestellt.

          Wenn man jetzt erkannt hat, dass die linke gar nicht den Feminismus symbolisiert, dann erkennt man, dass der Comic den Feminismus anprangert, weil er keine Gleichheit, sondern eben Ungleichheit will…

          Der Cartoon immunisiert sich gegen die Vorwürfe von Feminismus, indem er seine eigene Widersprüchlichkeit konsequent gegen ihn ausspielt. So sieht gut gemachte Satire aus.

    • „was ich davon habe, dass mein Großvater meine Großmutter nach der Ehe hätte vergewaltigen dürfen, hat mir aber noch keiner sagen können.“

      Vor allem: Nur weil man etwas darf, heißt das nicht das man es auch macht. Und nur weil Mann etwas darf, soll Mann jetzt bestraft werden, auch wenn Mann es gar nicht gemacht hat. Feministische Moral at its best!

      Das ist so offentsichtlich der Versuch durch das Einreden von unbegründeten Schuldgefühlen Männern dazu zu nötigen, etwas von dem abzugeben, was sie erwirtschaften oder Frauen selbstlos zu unterstützen/den Vortritt zu lassen. Ziemlich parasitär…

  8. „(nämlich, um die Konkurrenz verächtlich zu machen, die das behauptet)“
    Oh, da fehlt ein Teil. Es ist natürlich die Konkurrenz: „die das vertritt, was man selbst nur behauptet“

  9. Der Kommentar mit den mit Abstand meisten „likes“ ist der hier, von einer „Helen Gent“:

    „… The way I’m interpreting this, Collegehumor isn’t saying that equalists actually believe this … but calling attention to the fact that rejecting the term „feminism“ and calling for „equality“ ignores the historical struggle that women have had to gain the ground we have now. By whining about „feminazis“ and saying (truthfully) that men are hurt by gender inequality too, so-called „equalists“ bring attention away from the actual issues of gender equality that, yes, focus mainly on women’s rights. This isn’t because women want to be superior to men, but because we still have ground to gain in order to be truly equal. ….“

    Der Cartoon würde darauf abzielen und hinzuweisen, dass der Streit um Feminismus oder Gleichheit („equality“) nur vom „historischen Kampf der Befreiung der Frau“ ablenken würde, ein Kampf der noch nicht vorbei sei, da die Frauen eben noch nicht gleich („truly egal“) seien….

    Diese Kommentatorin scheint in ihrer feministisch-ideologischen Verbohrtheit nicht wahrnehmen zu wollen, dass sie sich selbst fundamental widerspricht.
    Erst behauptet sie der Ruf nach „Gleichheit“ würde vom feministischen Kampf ablenken, dann aber wir dieses Erreichen von „Gleichheit“ als noch zu erreichendes Ziel genannt.

    Warum macht sie das? Sie will sich eben nicht von vorneherein mit der „Equality“-Dame rechts identitifizieren, weil sie durchaus realisiert, dass der Comic die These aufstellt, dass der Feminismus mit „Gleichheit“ in Wirklichkeit Überlegenheit meint, was sie auf diese Weise umschifft. Dass sie genau weiss, um was es dem Comic geht, wird klar, als sie den Abschlusssatz ihrer Argumentation (der Rest, den ich wegschnitt, sind nur Details, Ausführungen) mit „This isn’t because women want to be superior to men…“ anfängt.

    Genau das wollten die Macher des Comics erreichen: dass sie nicht direkt kritisiert werden können und an den Pranger gestellt, wenn sie den Feminismus als supremacist hinstellen. Also sehr schön gelungen.

    Für dieiejenigen, die den Gag irgendwie kapieren, scheint der zweit meist gelikte Kommentar, weit abgeschlagen allerdings, zu stehen. Lakonisch und betont vage seiend stellt „Rory Macmillan“ fest:

    „I think they accidentally switched feminism with gender equality on this one“

    Dass das „zufällig“ so sei, wäre natürlich ironisch zu verstehen. Der Kommentator zieht es vor sich unklar auszudrücken.

    Viel weiter unten wagt ein „Tyler Desjarlais“ festzustellen:

    „This actually sounds like radical feminism, which equalists are against.“

    Was nun faktisch sehr korrekt ist, aber den Gag des Cartoons etwas beiseite schiebt.

    Ganz ähnlich (das sind immer nur die Threaeröffner-Posts, auf die ich mich beziehe, sonst wird es zu komplex):

    „You got the definitions for „Gender equality“ and „feminism“ backwards“ (Zuuism)

    Endlos aber suchte ich nach einem Post, der meine Auffassung wiederspiegelt. „Hollis Braun“ lieferte ihn:

    „Lol @ everyone in the comments who doesn’t get this is satire

    Also genuinely laughing at this comic. A+ satire. 10/10 would recommend.“

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