Die Aktiven und die Bloggenden: Filterblasen und neue Möglichkeiten aktiv zu werden

Bei Arne gibt es über einen Leserbrief eine Fortsetzung von „Die Aktiven und die Bloggenden“. Er nimmt Bezug auf einen Artikel bei Heise, den er wie folgt zusammenfasst:

In ihrem Artikel Unbeholfenes Ansprechen als Auslaufmodell setzt sich Bettina Hammer auf Telepolis mit aktuellen Tendenzen zur Spaltung der Gesellschaft durch ein Sicherheitsdenken auseinander, das sie als „Darwinismus im Beziehungsreich“ bezeichnet.

Als Ursachen macht sie zum einen eine schleichende geistige und körperliche Gleichschaltung durch zunehmende Digitalisierung aus, die dazu führt, dass man sich sowohl privat wie auch öffentlich, sowohl im Internet wie auch in der Realität, nur noch in einer Filterblase aus Gleichgesinnten bewegt:

Ein Leser, der ihn auf den Artikel aufmerksam machte, meinte dazu:

Bettina Hammers Artikel schlägt im Grunde in dieselbe Kerbe, wie die gestern geäußerte Kritik an dem eigentlich in allen Punkten zutreffenden Artikel von Stephan Schleim: Solange sich die Männerbewegung ausschließlich im Netz manifestiert, solange es dabei bleibt, daß in einer abgeschotteten virtuellen Welt Gleichgesinnte in Filterblasen miteinander „Dampf ablassen“, wird sich in der realen Welt nur wenig ändern – weil der Feminismus in dieser realen Welt auch weiterhin alle Schlüsselpositionen in Politik und Medien besetzt hält. Es reicht also nicht, lediglich ein AndersDENKENDER zu sein. Man muss wohl auch anders HANDELN als bisher.

Interessant fand ich dazu auch einen Abschnitt aus dem Artikel bei Heise:

Eine Bekannte erzählte mir, dass sie vor kurzem auch nachts nach Hause gefahren sei, es sei kalt gewesen und jemand habe das Fenster dennoch geöffnet. Sie hatte dann per Whatsapp einer Freundin erzählt, wie kalt es sei und wie sehr es sie nerven würde, dass Leute dauernd die Fenster öffnen, die Freundin pflichtete ihr bei. Auch später, als sie dies bei einem persönlichen Treffen ansprach, hätten sich viele genervt darüber geäußert, wie Leute abends im Zug die Fenster öffnen, auch wenn es sehr kalt sei. Die direkte Kommunikation mit demjenigen, der das Fenster geöffnet hatte, habe sie jedoch nicht gesucht, da sie ja wusste, „dass das nichts bringt“.

Und da wird denke ich direkt der Unterschied deutlich: Blogs und Twitter stellen nämlich gerade keine streng getrennte Filterblase dar, aus der heraus man nicht mit der anderen Seite kommunizieren kann wie bei streng abgeschirmten Diskussionen in einem Chatkanal. Sie stellen Veröffentlichungen und Kommunikationsmittel dar, die gerade erlauben, dass man mit den anderen redet, in ihren Blogs kommentiert, sie bei sich kommentieren lässt und Antworten mit Pingbacks zu anderen Artikeln schreibt. Das Internet ist nicht per se eine geschlossene abgeschirmte Filterblase, auch wenn man sie, wie der Feminismus es vormacht, dazu machen kann. Es ist vielmehr eine der offensten Kommunikationsformen überhaupt, weil es nahezu weltweite Kommunikation ermöglicht.

Abseits vom direkten Gespräch ist man kaum näher an jemanden dran, wenn man ihn über Twitter anspricht. Denn dort ist es anders als bei einer Email öffentlich und er antwortet „Live“ und ebenso öffentlich.

Hier zeigt sich also ein enormes Potential dafür, jemanden zu sagen, er möge bitte „das Fenster zumachen“. Ich habe bereits wiederholt Journalisten angesprochen, einmal beispielsweise nachdem Genderama auf einen Fehler in einer Statistik hingewiesen hatte, der Fehler wurde auf dieses Ansprechen hin korrigiert („das Fenster zugemacht“). Als die Süddeutsche ankündigte, dass man eine Reihe zur Gleichberechtigung machen würde wurden dort diverse Vorschläge aus der hiesigen Szene unterbreitet (wir waren eigentlich die Einzigen, die dort Vorschläge gemacht haben) und auch auf männerrechtliche Blogs und Diskriminierungen von Männern hingewiesen. Ich vermute, dass man deswegen auch Arne angesprochen hatte und nicht nur „Werner Stahl“ in dem Artikel auftauchte. Es gab auch weitere Aktionen wie etwa „#tüpischtüpen“ und „#article7“ auf Twitter und es gab bei diversen feministischen Aktionen auch gerade auf Twitter einen gewissen Gegenwind.

Wenn Männerrechtler irgendwo wahrgenommen werden, dann im Netz. Das dort der Begriff „Maskus“ aufgekommen ist und die Feministinnen sich beschweren, dass „Maskuhorden sich zusammenrotten“ ist weitaus eher ein Zeichen dafür, dass hier eine mediale Wirkung erzielt wird. Was der Leserbriefschreiber wohl vergessen hat: Das Internet ist ein Medium, welches man besetzen kann, in dem man Aufmerksamkeit erhalten kann und indem andere einen wahrnehmen. Es ist dies weitaus mehr als jeder Kreis von Aktiven, der in guter Arbeit Männer berät, aber damit eben nur in der Blase derer bleibt, die solche Hilfe benötigen und diese Vereine aufsuchen. Ein Genderkongress bleibt weit eher in einer Filterblase als ein Blog oder ein beständiger Twitteraktivismus. Man wird dort eben auch weitaus eher „unter sich“ sein als im Netz.

Die Vorstellung, dass man hier im Netz nur in einer Filterblase hockt „Dampf ablässt“ und „unter sich“ bleibt, zeigt vielleicht eher den Generationenumbruch: Man ist dort noch nicht in der digitalen Welt angekommen und kann die kommunikative Art von Medien wie Twitter, Facebook und Blogs nicht erkennen. Sicher können digitale Medien, wie in dem Chatbeispiel mit dem offenen Fenster, die Kommunikation einengen, aber „Filterblasen“ oder „nur unter Seinesgleichen sein“ kann man natürlich auch in der Offline-Welt. Gerade Vereine, die nur unter sich diskutieren, stellen da durchaus ein gutes Beispiel dar. Es war unter anderem genau diese Abgeschlossenheit, die ich zuletzt beklagt habe. 

Ich sagte es an anderer Stellte schon: Wer in die Medien kommen möchte, der muss deutlich machen, dass eine Vielzahl von Leuten hinter ihm stehen und das ist eben nur möglich, wenn man Sammelpunkte bildet, den Leuten deutlich macht, dass man in den passenden Netzwerken präsent ist, wenn man genau diese Leute anspricht und sie einen wahrnehmen.

Ich möchte noch einmal mit meinem Schlusssatz aus dem letzten Artikel schließen:

Für die, die mit den „Bloggenden“ ein Problem haben: Wie wäre es mit einer neuen Perspektive? Statt aus einem „Nicht gut genug“-Aktivismus verächtlich auf die Bloggenden herabzuschauen solltet ihr euch bewußt machen, dass sie eben auf eine andere Weise an der gleichen Sache arbeiten. Dass sie Multiplikatoren und Öffentlichkeit für eure Aktionen sind.
Ich freue mich über jeden, der Aktiv etwas macht. Ich freue mich auch über jeden, der interessante Texte oder Kommentare schreibt, der unter Zeitungsberichten kritische Anmerkungen macht, der also daran mitarbeitet, dass die Ideen bekannter werden und man merkt, dass Leute es anders sehen. Auf welche Art sie das konkret machen oder machen können ist aus meiner Sicht da relativ egal. Alles hilft mit und an allen Bereichen kann man vieles erreichen.
Selbst wenn ihr davon ausgeht, dass euer Baustein größer ist, schadet ein weiterer Baustein an einer anderen Stelle auch nichts. Es ist ein (kleiner) Stein weniger, den ihr bauen müsst.
Tatsächlich glaube ich sogar, dass hier im Netz großartige Möglichkeiten auch für aktive Arbeit bestehen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass zB Agens oder MANNdat das Internet für sich entdecken und ebenfalls anfangen Politiker und Journalisten auf Twitter direkt zu befragen oder auf männerrechtliche Probleme anzusprechen.
Ich glaube es ist eher ein Chance hier einmal tatsächlich aus der männerrechtlichen Blase herauszukommen und andere Leute auf männerrechtliche Arbeit aufmerksam zu machen.