Strömungen in Bereich „Gender-Kritik“

Leszek schlug Folgendes vor:

Wie wäre es mal mit einem Artikel speziell zum Thema „Strömungen im Bereich Gender-Kritik“? (Also nicht Feminismuskritik, sondern ganz speziell Gender-Kritik).
Ein solcher Artikel sollte idealerweise einen Überblick geben, aber auch die rationalen und aus unserer Sicht sinnvollen und wichtigen Formen von Gender-Kritik (wie sie z.B. der linke und liberale Maskulismus praktiziert) von frag- und kritikwürdigen Formen von Gender-Kritik abgrenzen.
Dabei wäre übrigens der Vollständigkeit halber auch die Kritik anderer feministischer Strömungen am Gender-Feminismus zu berücksichtigen.

Das ist durchaus ein interessantes Thema, aber aufgrund der Vagheit der Begrifflichkeiten schwer abzugrenzen.

Man müsste dabei wohl erst einmal definieren, was dabei unter „Gender“ überhaupt zu verstehen ist, gerade in der Verwendung in der Geschlechterdebatte.

Dabei können auch die Definitionen vielfältig sein:

  • Das „geistige Geschlecht“, also eine Abgrenzung zum körperlichen Geschlecht. Eine Betrachtung des „geschlechtlichen Verhaltens“ unabhängig davon, ob es auf Biologie oder Sozialisation beruht
  • Das „soziale Geschlecht“, also das Geschlecht, welches alleine auf Sozialisation beruht
  • Das „sozial konstruierte Geschlecht“: Also die Vorstellung, dass das gesamte Sozialverhalten eine reine gesellschaftliche Konstruktion ist, die es nicht geben müsste und die Vorstellung, dass es einen „Neutralzustand“ gibt, in dem Mann und Frau keine wesentlichen Kategorien sind

Wenn es um „Gender-Kritik“ geht, dann wird es meist um das letztere gehen, also die Vorstellung, dass es diesen Neutralzustand geben könnte, der häufig damit verbunden wird, dass der gegenwärtige Zustand ein Ergebnis bestimmter Machtverhältnisse ist, die dann eben zum Nachteil bzw zum Vorteil bestimmter Gruppen das soziale Geschlecht konstruieren (oder wenn es nach Butler geht überhaupt erst bestimmte Körpermerkmale wie etwa Busen oder Genitalien mit bestimmten Verhaltensvorschriften kombinieren)

Kritik setzt dabei aus verschiedenen Richtungen an:

  • Der Grundgedanke ist bereits falsch, weil
  • Es mag eine Sozialisation nach Geschlechtern geben, aber die ist auch gut, weil
    • sie schon immer so war
    • Frauen eben Frauen sein wollen und Männer eben Männer sein wollen, beides hat seine Vor- und Nachteile und Frauen bringen nun einmal die Kinder auf die Welt
    • Männer eben einfach besser sind und das Sagen haben sollten, wenn sie die Regeln so gemacht haben, dann stimmt das schon so
    • sie MIR gefällt und MIR entgegen kommt (passt für Frauen oder Männer)
  • Es mag eine Soziale Konstruktion sein, aber sie übertreiben mit ihrer Idee, dass man deswegen neutral sein soll. Das ist genau so ein Zwang, nur in eine andere Richtung
  • Es mag ein soziale Konstruktion sein, aber die Gründe für die Konstruktion im Genderfeminismus sind falsch, es geht nicht um einseitige Macht für Männer, sondern beide Geschlechter arbeiten auf ihre Weise daran, die Geschlechterrollen zu erhalten und fühlen sich üblicherweise darin wohl. Sie wollen weder neutral noch das andere Geschlecht sein.
  • Die Mittel, die der Genderfeminismus einsetzt, sind falsch: Sie errichten ein einseitiges System der Schuldzuweisung und sind weniger darauf aus, dass man die Geschlechterrollen auflöst, sondern eher darauf, einen Sündenbock für ihnen nicht genehme gesellschaftliche Zustände zu haben.
  • Die im Bereich „Gender“ gewählten neuen Theorien der tausend Geschlechter sind falsch und schießen weit über das Ziel hinaus. Sie errichten unsinnige neue Geschlechter und richten damit weit aus mehr Schaden an als sie nutzen bringen

Das wäre so das erste Brainstorming zu verschiedenen Richtungen aus denen man Kritik an „Gender“ bringen könnte.

Leszek schrieb noch in einem weiteren Kommentar:

Man könnte u.a. folgende Kategorien einbeziehen:

  • Naturwissenschaftliche Gender-Kritik (z.B. Ulrich Kutschera, Axel Meyer): kritisiert schwerpunktmäig die Ausblendung biologischer Forschungsbefunde und Theorien im Gender-Feminismus.
  • Sozialwissenschaftliche Gender-Kritik (z.B. Gerhard Amendt, Walter Hollstein, Anthony Synnott, Christoph Kucklick): Überschneidet sich inhaltlich stark mit Kritik am radikalen Feminismus an sich, im Vordergrund steht bei der sozialwissenschaftlichen Gender-Kritik eher die Kritik an der Ausgrenzung der Forschungsbefunde zu Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind sowie die Kritik an wissenschaftlich widerlegten feministischen Behauptungen zu sozialwissenschaftlichen Themen.
  • Geisteswissenschaftliche Gender-Kritik (Alexander Ulfig wäre ein Beispiel): Hier steht die kritische Analyse von ideengeschichtlichen, theoretischen und speziell auch wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Gender Studies bzw. des Gender-Feminismus im Vordergrund.

(Die genannten Kategorien bilden natürlich nur Idealtypen, die sich in der Praxis häufig überschneiden.)

Dann des Weiteren die politischen Kategorien: Liberale, konservative und linke Gender-Kritik.

Ich gehe ja davon aus, dass Liberale eine Wertepräferenz für den Wert Freiheit, Konservative eine Wertepräferenz für den Wert Sicherheit und Linke eine Wertepräferenz für den Wert Gerechtigkeit haben (wobei es auf Ebene von politischen Unterströmungen und erst Recht auf Ebene von Individuen zu zahlreichen Mischformen kommen kann).

Diesbezüglich gäbe es sicherlich einige Ähnlichkeiten zu dem, was ich in der Vergangenheit schonmal dazu geschrieben hatte, welche spezifischen Formen die Feminismuskritik im Maskulismus unter verschiedenen politischen Perspektiven annehmen kann:

Einordnung im Maskulismus in Bezug auf Feminismuskritik

  • Liberale Gender-Kritik: fokussiert demnach stärker auf die illiberalen Aspekte des Einflusses des Gender-Feminismus, z.B. Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Propagierung neuer Rollenvorgaben, Quoten usw.
  • Linke Gender-Kritik: fokussiert stärker auf die Ungerechtigkeit, zu der der Gender-Feminismus durch seine Ignoranz gegenüber den Problemen von Jungen und Männern beiträgt, überschneidet sich also stark mit der spezifisch männerrechtlichen Sichtweise.
  • Konservative Gender-Kritik: tendiert eher dazu im Gender-Feminismus eine Gefahr für Familie und die Möglichkeit des Lebens nach traditionellen Geschlechterrollen zu sehen. Konservative Gender-Kritiker befürchten eine angebliche Frühsexualisierung (es ist übrigens ein auffallender Unterschied, dass linke und liberale Gender-Kritiker den Gender-Feminismus meist eher als sexuell-repressiv wahrnehmen und ihn deshalb kritisieren während konservative Gender-Kritiker eine Übersexualisierung durch den Gender-Feminismus befürchten). Z.T. nimmt konservative Gender-Kritik leider auch homophobe Züge an, verbindet sich mit irrationalen Veschwörungstheorien, in manchen Fällen beinhaltet sie leider auch antisemitische Elemente.

Des Weiteren gäbe es dann noch Kritik am Gender-Feminismus seitens konkurrierender feministischer Strömungen:

  • klassisch-radikalfeministische Gender-Kritik: Es gibt ja einen Streit um die kulturelle Hegemonie zwischen klassischem Radikalfeminismus und postmodernem Gender-Feminismus. Unterschiedliche Auffassungen gibt es u.a. zu den Themen Intersektionalität, Multikulturalismus, Sexarbeit, Pornographie, BDSM und Transsexualität.
  • liberal-feministische Gender-Kritik: Also die Kritik von liberalen Feministinnen wie Christina Hoff Sommers, Cathy Young, Daphne Patai und Wendy McElroy am Gender-Feminismus.
  • marxistisch-feministische Gender-Kritik (z.B. Nancy Fraser & Tove Soiland): kritisiert den Gender-Feminismus als neoliberalismus-kompatibel und kapitalismus-konform.
  • evolutionär-feministische Gender-Kritik (z.B. Griet Vandermassen): überschneidet sich mit naturwissenschaftlicher Gender-Kritik, kritisiert aber auch die Schaffung neuer Rollenvorgaben und fordert eine Orientierung am Individuum.

Und dann natürlich die maskulistische/männerrechtliche Gender-Kritik, die sich aber auch nochmal in links, liberal und konservativ differenzieren ließe und dementspreched Überschneidungen zu dem bereits Gesagten beinhaltet, aber bei alldem wesentlich auf die Probleme von Jungen und Männern fokussiert.

Alles Genannte wären wie gesagt Idealtypen, die einer besseren wissenschaftlichen Kategorisierung dienen sollen. In der Realität finden sich natürlich zahlreiche Vermischungen der genannten Aspekte.

Das wären so meine ersten Assoziationen, aber vielleicht hast du ja ergänzende – oder auch ganz andere – Ideen dazu.

Wäre interessant, ob man das überein bringen kann mit meinen Gedanken oben. Einiges lässt sich sicherlich wiederfinden.

Leszek hatte noch weitere Ideen:

Ich habe oben also versucht drei Hauptkategorien zu benennen, die für die Perspektiven, aus denen heraus Gender-Kritik formuliert wird, m.E. wichtig sind:

1. Übergreifende Wissenschaftsbereiche: Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften.

Natürlich wären hier potentiell weitere Präzisierungen nach konkreten wissenschaftlichen Disziplinen im Kontext dieser übergreifenden Wissenschaftsbereiche möglich, z.B. biologische Gender-Kritik, soziologische Gender-Kritik, philosophische Gender-Kritik etc.

2. Politische Weltsichten: liberal, konservativ, links

Auch hier wären natürlich weitere Präzisierungen in politische Unterströmungen und Mischformen potentiell möglich.

3. Strömungen/Theorien im Geschlechterdiskurs

Dies lässt sich unterteilen in:

a) konkurrierende feministische Strömungen/Theorien

b) maskulistische/männerrechtliche Strömungen/Theorien

Als Unterpunkt c könnte hier vielleicht noch die – zwar sehr seltene, aber zumindest im Einzelfall vorhandene – Gender Studies-interne Gender-Kritik genannt werden. In Deutschland wäre als jemand, der die Gender Studies von innen her in einem positiven Sinne zu reformieren versucht Stefan Hirschauer zu nennen

Er scheint mit seinen Forderungen innerhalb des Feldes der Gender Studies allerdings bislang ziemlich allein dazustehen.

Und noch als Ergänzung:

Bei dieser Gelegenheit wäre es sicherlich nicht schlecht einmal zu definieren, was mit dem dem Begriff „Gender-Kritik“ eigentlich gemeint sein soll.

Ich würde sagen „Gender“ als Bezugspunkt von Kritik kann sich auf drei miteinander zusammenhängende, aber nicht völlig miteinander identische Aspekte beziehen:

– die Gender Studies als akademisches Feld
– der postmoderne Gender-Feminismus in Theorie und Praxis als soziale und politische Bewegung
– das Gender Mainstreaming als politisches Programm

Gender-Kritik wäre demnach die Kritik – und zwar Kritik im Sinne einer wesentlichen kritischen Infragestellung, eine Kritik, die also auf wesentliche Teilaspekte oder das Ganze der kritisierten Sache abzielt – der Gender Studies als akademischem Feld und/oder des Gender-Feminismus als sozialer und politischer Bewegung und/oder des Gender Mainstreamings als politischem Programm.

„Gender-Kritik“ in diesem allgemeinen Sinne definiert sagt noch nichts darüber aus aus welcher Perspektive, mit welcher Absicht und welchen Argumenten und auf Grundlage welcher Maßstäbe diese Kritik erfolgt, ob es sich um fundierte oder unfundierte, gut oder schlecht begründete Kritik handelt usw.. Diese Definition ist daher umfassend genug um alles einzubeziehen, was ich oben erwähnte.

Dazu vielleicht noch das Folgende:

  • die Gender Studies als akademisches Feld: Hier wäre mein Hauptproblem die Unwissenschaftlichkeit und das Ausblenden anderweitiger Forschung. Die Gender Studies ignorieren im wesentlichen alles, was nicht ihrer Theorie entspricht und überdecken gravierende Löcher in ihren Theorien. Das sie an einer Universität gelehrt werden und sich dort als Wissenschaft verkaufen dürfen ist ein äußert trauriger Zustand.
  • der postmoderne Gender-Feminismus in Theorie und Praxis als soziale und politische Bewegung: Hier wäre mein Hauptkritikpunkt, dass sie vorgeben eine Bewegung zu sein, die soziale Gerechtigkeit will, tatsächlich aber einfaches Gruppendenken praktizieren, mit binären Einteilungen in Gut und Böse. Zudem auch, dass sie das „Normale“ zum Feind erklärt haben statt sich für die Akzeptanz von weniger häufigen einzusetzen.
  • das Gender Mainstreaming als politisches Programm: Hier stört mich die unkritische Übernahme dieser oben kritisierten ideologischen Richtungen und ebenso die Ignoranz gegenüber anderweitigen Ansätzen. Es wird versucht von oben herab eine ideologische Umschulung vorzunehmen, die mehr Probleme verursacht als sie gegenwärtig löst, weil die Ansätze zu radikal und zu sehr geprägt von bestimmten Feindbildern ist um wirklich das Gesetze Ziel des Abbaus von Diskriminierungen erreichen zu können

Wie würdet ihr einteilen? Was findet ihr falsch an dem oben dargestellten? Was ist eure Gender-Kritik und welchen Oberbegriff würdet ihr dafür verwenden?

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27 Gedanken zu “Strömungen in Bereich „Gender-Kritik“

  1. Mal eine Kritik der Kritiker: die mainstream Kritik der Konservativen misrepräsentiert den gender-Begriff regelmässig und verharmlost ihn. Natürlich geht es einzig und allein um den Begriff der „sozialen Konstruiertheit“ des Geschlechts, dies ist der einzig relevante.

    Eine Identitäts-Politik, die schon Kinder zur Parteinahme für ein Geschlecht auffordert, der wie eine Mode zu tragen ist, ist durch nichts gerechtfertigt als durch das Primat einer schieren Willkür. Genau letzteres gefällt den Konservativen natürlich naturgemäss, die nur das falsche Bedenken einer möglichen „Frühsexualisierung“ vor sich her tragen. Aber wenn zB insgeheim glaubt, Homosexualität sei „heilbar“, dann glaubt man eben auch, dass es eben die Erziehung ist, die alles regelt.

  2. An die soziale Konstruiertheit von Geschechtern (insbesondere des männlichen Geschlechts) glauben viele Leute, auch und gerade eher Konservative. Es ist ein typischer Tpos, dass man Jungen so oder so sozialisieren müsse, damit sie zu echten Männern werden und nicht verweiblicht oder verschwult würden.

    • Das ist Rabulistik, denn auch Konservative gehen von einer natürlichen Männlichkeit aus, die also angelegt ist. Sie muß sich eben durch „richtige“ Erziehung – also autoritär, dumm, unempathisch – entfalten. 🙂

      Das ist eine Rationalisierung der eigenen seelischen Verletzungen in der Kindheit, die mit solch einem Männlichkeitsbild verbrämt werden.

  3. Die Kritik-Systematisierung Leszeks ist extrem anspruchsvoll und dürfte neben mir auch die meisten anderen überfordern. Ich sehe die Gefahr einer zu starken Akademisierung der Diskussion, die zuviele abhängt und nur noch in elitären Zirkeln ausgetragen wird, wo doch das Problem besteht, dass die Diskussion die breite Öffentlichkeit noch nicht recht erreicht hat.

    Am meisten anfangen kann ich mit den 3 letztgenannten Punkten
    „die Gender Studies als akademisches Feld“ (Unwissenschaftlichkeit),
    „… als soziale und politische Bewegung“ sowie
    „… als politisches Programm“.

    • David hat völlig recht. Leszek ist ein narzißtischer Schwafler.

      Ich betreibe ja auch Gender-Kritik auf http://gender-ideologie.de . Natürlich gibt es unterschiedliche Motivationen und Weltbilder der Gender-Kritik, die im einzelnen auch durchaus kritikwürdig sind. Ich aber z.B. betreibe die Kritik dezidiert von einem neutralen Standpunkt aus und kümmere mich um jeglichen Schwachsinn, den die Gender-Theorie bietet.

      So sollte es eigentlich auch sein. Mir kann man keine Weltbilder andichten, auch wenn das manchen extrem wichtig ist. Leszek gehört ja auch zu der Sorte Unbürger, die beständig rechts oder links schreien müssen und die – wenn etwas „rechts“ ist – es als defizitär betrachten.

      Die also mit einer gewissen Paranoia und Verklemmtheit durch’s Leben schreiten.

      • Die ausserirdische Gender-Kritik kannst du ja übernehmen. Mit AM als Medium: „Ist alles die Mutter schuld“.

        Alles ok auf der Entensteiss?

      • Na Kirkie,

        „David hat völlig recht.“

        Wohl kaum
        Auf einem Blog, auf dem täglich Artikel erscheinen und auf dem Kritik an Gender Studies, Gender-Feminismus oder Gender Mainstreaming bereits vielfach unter anderen Schwerpunkten und unter anderen Blickwinkeln über mehrere Jahre behandelt wurde, kann ruhig auch mal an einem Tag ein Artikel zum Versuch einer wissenschaftlichen Klassifikation von Formen von Gender-Kritik veröffentlicht werden.

        Die Auffassung, dass dieses Thema nicht behandelt werden sollte, weil es einen selbst nicht interessiert oder weil es andere Leser geben könnte, die es nicht interessiert, ist eine seltsame Haltung. Man kann eben nicht davon ausgehen, dass jeder Artikel immer für jeden oder für einen selbst interessant ist.

        Falls es aber in pragmatischer Hinsicht ein Ziel dieses Blogs sein soll unterschiedliche Menschen zu erreichen und verschiedene Interessen abzudecken, dann sollten sicherlich ab und zu auch mal Artikel erscheinen, die z.B. Personen mit geisteswissenschaftlichen oder mit sozialwissenschaftlichen Interessen ansprechen und für die solche Klassifikationen eventuell interessant sein können.

        Und natürlich ist ein solcher Artikel ebenfalls sinnvoll für Personen auch ohne geisteswissenschaftliche oder sozialwissenschaftliche Interessen, die sich einfach nur einen kurzen Überblick über Strömungen im Bereich Gender-Kritik verschaffen möchten.

        „Leszek ist ein narzißtischer Schwafler.“

        Ja, Ja, Kirk. Es kann eben nicht jeder ein solches Maß an emotionaler Reife, Empathie und sozialem Verhalten aufweisen, wie du es uns stets vorlebst.

        • Nur um das mal nicht so stehen zu lassen: Ich finde, dieser Artikel ist einer der Besten, die ich je hier gelesen habe. 🙂

          Wissenschaftlich vorzugehen ist ein MUSS für alle, die Gender Studies kritisieren. Und gerade weil es so ein sensibles Thema ist, kann man darauf gar nicht genug Wert legen.

          Alle die das ablehnen machen selbst genau das Gleiche, was sie den Genderwissenschaftlern die ganze Zeit vorwerfen…

  4. Leszek kann ja die „intersektionale Genderkritik“ ins Leben rufen. Wenn er es überzeugend genug vorträgt, kriegt er vielleicht sogar einen Lehrstuhl.

    • @ Roland S.

      Och, weißt du Roland, ich präferiere eine Form links-maskulistischer Gender-Kritik, die Gender Studies, Gender-Feminismus und Gender-Mainstreaming aus humanistisch-universalistischer und integral-antisexistischer Perspektive kritisiert.

      Ich versuche davon abgesehen natürlich auch die Teilwahrheiten anderer Formen von Gender-Kritik zu integrieren, distanziere mich aber von solchen gender-kritischen Auffassungen, die mit einem freiheitlichen und humanistischen Wertesystem nicht vereinbar sind.

      Des Weiteren beinhaltet die links-maskulistische Gender-Kritik bereits Reflektionen zu Überschneidungen von Diskriminierungsformen – und zwar ohne, dass Diskriminierungen dabei nur in einer Richtung verortet werden könnten wie in dem beschränkten Intersektionalitätsmodell des politisch korrekten (vulgär-)poststrukturalistischen Gender-Feminismus.

      An einem Lehrstuhl habe ich außerdem keinerlei Interesse.

      • Tja Kirk,
        ich versuche die Formulierungen zu wählen, die das Gemeinte möglichst präzise auf den Punkt bringen.
        Es besteht m.E. auch wenig Zweifel daran, dass du es verstanden hast. Es wundert mich aber nicht, dass du nicht dazu in der Lage bist inhaltliche Argumente vorzubringen.

        • @Leszek

          Ok, womit er aber m.E. vollständig richtig liegt ist,

          dass wir ohnehin schon ein Intellektuellen-Verein (im Grunde wie die DKP 😉 ) sind und uns in einer akademisch geprägten Sprache miteinander und mit bspw. Gender auseinandersetzen.

          Dies erleichtert nicht unbedingt das Verständnis der Diskussion für Männer aus „dem Rest“ der Bevölkerung.
          Mitm leistet die sehr verdienstvolle Arbeit, diese Diskussion in einem Glossar für Neueinsteiger verständlich zu machen.
          Das Klientel, an das er sich richtet, ist jedoch erkennbar identisch.

          In beiden unserer Varianten, nämlich
          a. der naturwissenschaftlich geprägten Kritik, basierend auf Evolutionsbiologie und -psychologie sowie
          b. der sozialwissenschaftlichen, basierend auf der Auseinandersetzung mit dem (Radikal-)Feminismus und dem Poststrukturalismus in Universität und Gesellschaft sehe ich die Gefahr, dass selbst der *Zugang* zu dieser Diskussion immer schwieriger wird.

          Gruß, crumar

        • @ Crumar

          Der Umstand, dass ein größerer Teil des Netz-Maskulismus offenbar von Personen mit wissenschaftlichen Interessen getragen wird und diese vor diesem Hintergrund automatisch dazu neigen mit ihren Beiträgen eher ein wissenschaftlich interessiertes Publikum anzusprechen und die Frage, was getan werden könnte, um auch andere Bevölkerungsteile anzusprechen, ist aber sicherlich nichts, was im Kontext von Kirks persönlich und ideologisch bedingten Ressentiments diskutiert werden sollte.

          Da auf „Alles Evolution“ als wissenschaftlich ausgerichtetem Blog ständig fachspezifische Artikel erscheinen und fachspezifische Diskussionen zu geschlechtsbezogenen oder anderen wissenschaftlichen Themen geführt werden, ist es ja nun selbstverständlich, dass hier auch Artikel zu Klassifikationen von Strömungen im Geschlechterdiskurs gut hineinpassen
          Und dass es stets Personen geben wird, die an einem solchen Überblick interessiert sind, ist ebenfalls naheliegend

          Das Vorurteil, dass Gender-Kritik grundsätzlich konservativ sei, trägt dazu bei, dass die progressive linke und liberale Gender-Kritik nicht angemessen wahrgenommen wird.

          Und das Vorurteil, dass Gender-Kritik grundsätzlich naturwissenschaftlich ausgerichtet sei, kann behindern, dass primär geisteswissenschaftlich oder sozialwissenschaftlich interessierte Personen zu uns stoßen.

          Insofern hat es auch einen pragmatischen Wert, wenn auf Strömungsvielfalt im Feld der Gender-Kritik hingewiesen wird.

  5. Ich kann verstehen, dass jemand der als Mann geboren wurde und sich entweder zu Männern hingezogen fühlt und/oder sich innerlich als Frau fühlt, die stereotype Geschlechteraufteilung in Frage stellt.

    Was ich bei der Gender-diskussion nicht verstehe ist, wieso die Naturwissenschaften nicht genügen sollten diese Abweichungen zu erklären.

    Man müsste die gesamte Entwicklung des Embryos hormonell verfolgen können und die Entwicklung des körperlichen und hormonellen Zustandes nach der Geburt bis zur Pubertät, so wie die Sozialisation, bzw. sexuellen Erfahrungen des wissenschaftlichen Subjektes.

    Weder die mir bekannten Sozialwissenschaften, noch gender-typische Esoterik ist m.E. ein Weg zur Erkenntnis. Bei Tieren gibt es sicherlich schon eine Vielzahl von Experimenten, die wahrscheinlich auf eine gen-hormonelle Erklärung hindeuten.

    Inwieweit bisexuelle Erfahrungen eine Einwirkung auf die ausschließliche sexuelle Präferenz haben könnten, müsste man dann noch einmal eventuell getrennt feststellen.

    Bis es dahingehende Arbeiten gibt ist für mich die rein gen-hormonelle Theorie die einzig schlüssige.

    Selbstverständlich sind die Rollen der Geschlechter dem Zeitgeist unterworfen und einmal sind Softies gefragt, dann wieder die echt harten Kerle. Aber was Männer z.B. bei Frauen sexuell anziehend finden ist bei fast allen Kulturen gleich. Ich könnte mir auch nicht vorstellen wie eine Art oder Rasse überleben könnte, ohne dass die Geschlechter genetisch festgelegt sind.

    M.E. sollte nicht die Naturwissenschaft sich rechtfertigen müssen, sondern die Gender-esoterik.

    • „Was ich bei der Gender-diskussion nicht verstehe ist, wieso die Naturwissenschaften nicht genügen sollten diese Abweichungen zu erklären.“

      Die ganze „gender Diskussion“ ist lediglich der Vorwand, jede Idee von Objektivität und damit auch der wertefreien Wissenschaft anzugreifen und über den Haufen zu werfen.
      Es geht also nicht um aufrichtiges Befreifenwollen von Geschlecht, sondern es geht um ein politisches Konzept, welches die Macht über alles stellen will und da steht vor allem die Wissenschaft im Wege.
      Damit das nicht so auffällt, wird dieses absolute Machtstreben in einer abseitigen Geschlechterdiskussion verfolgt.

      „M.E. sollte nicht die Naturwissenschaft sich rechtfertigen müssen, sondern die Gender-esoterik.“

      Esoterik und andere irrationale Gedankensysteme stellen immer nur Behauptungen und Dogmen in den Raum und wollen sich weder rechtfertigen noch die eigenen Dogmen verteidigen. Wie denn auch? Entweder glaubt man oder nicht, da hilft keine Rationalität, sondern die kann nur Bedrohung des Glaubens sein.

    • Ich kann verstehen, dass jemand der als Mann geboren wurde und sich entweder zu Männern hingezogen fühlt und/oder sich innerlich als Frau fühlt, die stereotype Geschlechteraufteilung in Frage stellt.

      Soweit ist das auch verständlich, und es ist nachvollziehbar, wenn dieser Mensch dies als Problem empfindet.

      Allerdings rechtfertigt es nicht, die ganze Gesellschaft umzukrempeln, und zu fordern, dass sich die „cis-normative“ Mehrheit einer verschwindend kleinen Minderheit anpasst.
      Und es rechtfertigt erst recht nicht den Hass, der von einigen Trans*personen ausgeht, auf alle, die dieses Problem eben nicht haben, und sich in ihrer Geschlechterrolle zufrieden und sicher fühlen.

      Meiner Ansicht nach leicht verständlich und auf das wesentliche konzentriert, hatte ich hier mal was zum Thema Gender geschrieben:
      https://auschfrei.wordpress.com/2016/04/05/genus-sexus-gender-geschlechterrollen/

    • Alle feiern Diversity aber jeder will eigentlich nur dazugehören. Wenn Geschlecht sozial konstruiert ist, hat die Minderheit der Homos und Trans das Potential, die Mehrheit zu werden. Darum geht es.

    • Glücklicherweise verfliegt der ideologische Impuls wenn man älter wird. Man steht im Leben und lernt, mit seinem Dasein aus Minderheit umzugehen. Dazu trägt natürlich die Einsicht bei, dass die Cis-Heten nicht der Feind sind. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren, ist aber im Westen im wesentlichen Realität.

    • *Man müsste die gesamte Entwicklung des Embryos hormonell verfolgen können und die Entwicklung des körperlichen und hormonellen Zustandes nach der Geburt bis zur Pubertät, so wie die Sozialisation, bzw. sexuellen Erfahrungen des wissenschaftlichen Subjektes.*

      Im Nachhinein dürfte das schwierig werden, wenn der Mensch im jungen Erwachsenenalter bemerkt, dass er nicht so ist wie andere. ^^

      • @yeph, maren

        Es wurde ja zumindest teilweise durchaus gemacht:

        https://allesevolution.wordpress.com/2012/07/27/biologische-faktoren-vs-erziehung-auswirkungen-bei-den-geschlechterrollen/

        Zudem kann man natürlich an einer Vielzahl von Sonderfällen auch einiges feststellen:
        https://allesevolution.wordpress.com/2013/05/08/ubersicht-biologische-begrundungen-zu-geschlechterunterschieden/

        Hier sind insbesondere CAH-Mädchen interessant, weil sie wie normale Mädchen aussehen, also eine weibliche Sozialisation erfahren, aber einen erhöhten Testosteronspiegel hatten, aber auch Transsexuelle und diverse andere Sondergruppen, die in dem Übersichtsartikel aufgeführt sind

        • Ich hab das hier in deinen Links gefunden What Dorner concludes is that the maleness of the brain in rats is laid down in a gradual sequence. With normal females, in the absence of testosterone, the brain develops along a naturally female pattern. But should the brain be accidentally dosed with male hormones during development, this natural female pattern can, at any stage, be upset.

          The later, the less. Dorner suggested that in men and women too it is the presence or absence of male hormones that build the structure of the brain bit by bit into a male or female pattern of sexual identity.

          It happens, he says, in three stages – the development of what he calls the sex centres, the mating centres, and the gender-role centres of the brain.
          .

          Das ist doch eine ziemlich klare und verifizierbare Theorie. Jetzt müsste man nur noch genau wissen warum der Hormonspiegel manchmal zu einer bestimmten Zeit schwankt, bzw. die Wirkung sich umkehrt. Ist das genetisch festgelegt oder hat die Mutter falsche Nahrungsmittel zu sich genommen, war gestresst oder den Hormonspiegel des Foetus auf eine andere Art beeinflusst?

          Aber die Links geben vielleicht eine Antwort darauf … 😉

  6. „Man müsste dabei wohl erst einmal definieren, was dabei unter #Gender“ überhaupt zu verstehen ist, gerade in der Verwendung in der Geschlechterdebatte.“

    Dazu hätte ich eine sehr detaillierte Begriffs- und Diskursanalyse im Angebot: Kampfbegriff „Gender“.

    Meine Kritik am Gender-Begriff viel grundsätzlicher als oben im Eingangspost dargestellt. Um das einzuordnen, muß man verschiedene Themen trennen (die oben mMn vermengt werden):

    1. Was ist Gender für eine Begriffskategorie?

    2. Wenn man es als Eigenschaft von Menschen ansieht, was ist die Menge der Ausprägungen, also die Skala der Eigenschaft?

    3. Wie kann bei einem einzelnen Menschen die bei ihm vorliegende Ausprägung bestimmt („gemessen“) werden?

    4. Wie entsteht die bei einem einzelnen Menschen die bei ihm vorliegende Ausprägung?

    zu 1.: I.d.R. versteht man es analog zum biologischen Geschlecht als Eigenschaft von Menschen. In der feministischen Literatur wird der Begriff Gender aber oft einer völlig anderen Begriffskategorie zugeordnet, nämlich sozialer Wirkmechanismus.

    zu 2.: Hier scheitert die (empirische) Begriffsdefinition analog zum biologischen Geschlecht nahezu zwangsläufig, mehr dazu s. hier, man kann diese Menge nicht unzweideutig bestimmen. Erkennbar ist das Scheitern u.a. daran, daß mal 5, mal 68, mal 5000 Geschlechter postuliert werden.

    zu 3.: Wenn eine Eigenschaft keine klar definierte Skala hat, kann man sie nicht messen.

    zu 4.: In diesem Themenkomplex werden oft die wildesten soziologischen Theorien entwickelt, warum bestimmte einzelne, isolierte Verhaltensweisen zu beobachten sind, das sind aber keine Gender-Ausprägungen. Der Begriff Gender wird hier klammheimlich umdefiniert als „Stereotyp“ oder „Geschlechterrolle“.

    Wie gesagt, hier ist eine ausführliche Darstellung. Warnung: Lesezeit 20 – 40 Minuten.

  7. „Gender“ habe ich immer als „soziales Geschlecht“ verstanden, also ein geschlechtsabhängiges Rollenverhalten, dass „die“ Gesellschaft von ihren Mitgliedern erwartet. Also z.B., Männer tragen Hosen, Frauen tragen Röcke. Da Hosen und Röcke künstlich hergestellt werden, können solche Vorschriften nicht „natürlich“, also angeboren sein.
    Der Punkt ist aber, dass es meines Wissens keine menschliche Gesellschaft ohne Geschlechterrollen gibt. Wie diese Rollen dann im einzelnen umgesetzt werden (Hosen/Röcke, lange/kurze Haare, etc.), kann sich jeweils unterscheiden, aber die grundlegende Existenz ist ziemlich universell. Es gibt wohl Gesellschaften mit mehr als zwei Geschlechterrollen, in denen bspw. Transsexuelle sich typischerweise weder wie „typische“ Männer noch „typische“ Frauen verhalten, aber eben keine ohne (also mit nur einer) Geschlechterrolle.
    Bevor man also Geschlechterrollen abschafft, sollte man vllt. erstmal herausfinden, wofür und warum die da sind.
    Jetzt sagen einige, dass Geschlechterrollen eine Erfindung ist, die nur Ungleichheit in der Gesellschaft erzeugt.
    Nun, dasselbe könnte ich über Geld sagen, und Geld kommt nicht in jeder Gesellschaft vor, ist als für Menschen also nicht so elementar. Sollte man demnach nicht erst das Geld abschaffen?

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