Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 6. Mai 2016

Das egoistische Gen

 

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Responses

  1. Du ziitiertest und schrubst dazu an anderer Stelle:

    Zitat 1: „In Dawkins‘ Soziobiologie dreht sich alles um das isolierte, „ egoistische“ Gen: der Organismus als Überlebensmaschine, die dazu dient, die Reproduktion der Gene zu gewährleisten. In allem, was er ist und tut, zeigt sich, daß er der Diktatur der Gene unterworfen ist.“

    Zitat 2: „Für Steven Rose hingegen ist nicht das Gen, sondern der Organismus die elementare Einheit des Lebens. Und für den Organismus ist charakteristisch, daß er permanent auf seine Umgebung einwirkt, sich dadurch selbst formt und verändert. Dabei lassen ihm seine Gene durchaus einen Freiheitsspielraum. Den gesteht Dawkins nur dem Menschen zu. Er beruft sich dabei auf eine Metaphysik des freien Willens, die jedoch nach Auffassung von Rose in der Biologie nichts zu suchen hat.“

    Zitat 3: „Hier wird eigentlich schön deutlich, dass er gar nicht versteht, warum das egoistische Gen so elementar ist: Einwirkung auf die Umwelt durch den Organismus ist bei evolutionärer Betrachtung unwesentlich, weil diese Informationen nicht langfristig an die nächsten Generationen weitergegeben werden, weitergegeben werden eben nur die Gene. Allenfalls wird die Veranlagung auf die Umwelt weiterzugeben, soweit sie auf Genen beruht, in die nächsten Generationen übertragen. Die Idee des egoistischen Gens ist eigentlich recht einfach zu verstehen, scheint aber für einige Leute schlicht nicht ins Weltbild zu passen. Sie verschließen sich damit selbst dem Verständnis dieses Konzepts. Notgedrungen muss ihre Kritik daran entsprechend schwach ausfallen.“

    Das Konzept des „egoistischen Gens“ ist schlicht nihilistisch, so nihilistisch wie der Urknall aus dem Nichts, oder dem Leben, das aus dem Nichts kommt und in’s Nichts geht.
    Ich bin ja auch kein Fan von haltlosem Mystizismus, eine reine Anti-Haltung, wie Du sie hier zur Schau trägst, hilft da aber auch nicht weiter.

    Übrigens ist die Einwirkung des Organismus auf die Umwelt keineswegs „unwesentlich“, wie Du glaubst. Dass z.B. vor langer Zeit Bakterien mit ihrem Stoffwechselabfallprodukt Sauerstoff massiv die Atmosphäre veränderten, hatte Auswirkungen auf die gesamte nachfolgende Evolution die keineswegs „unwesentlich“ waren, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

    Stimmt das mit Dawkins und seiner Rede von der „Metaphysik des freien Willens“? Ja was denn nu? Diktatur der Gene oder freier Wille?

    • Die Gene zwingen das Individuum aber zu gar nichts. Damit steht der Wille klar über der Biologie. Und das ist schon „metaphysisch“.

      Und wenn es physisch ist, verstehen wir nicht einmal die Grundlagen.

      Also ist die Frage offen und ist wahrscheinlich nicht zu lösen. Jedenfalls wissenschaftlich nicht 😉

      „das aus dem Nichts kommt und in’s Nichts geht.“

      Nichts ist.

      • Sie müssen ja auch hat nicht zwingen, weil du üblicherweise willst, was sie wollen und du viele andere Entscheidungsmöglichkeiten gar nicht in Betracht ziehst.

        Verhalte dich doch mal „unüblich“ oder „gegen die menschliche Natur“. Schau wie Leute darauf reagieren und wie es sich für dich anfühlt

    • Freier Wille? Kannst Du entscheiden, nicht hungrig zu sein? Oder kein Schmerz zu empfinden? Jemanden sexy zu finden?

      • Nicht krank zu sein? Keine Borderline Persönlichkeit zu haben oder nicht Narzisst zu sein? Die Relativitätstheorie zu verstehen? Interesse und Spaß an dem Fach zu haben, das du immer gehasst hast?

        Die Liste ist so unglaublich lang, wie kann man das nur ignorieren?

    • Was ist denn nun dein konkretes Gegenargument?

      Natürlich können gene genvehikel produzieren, die auf die Umwelt einwirken. Warum auch nicht? Gene können ja nicht planen, sie sind so gesehen stock konservativ.

  2. Hallo,

    Wie immer bin ich zu spät dran. Das ist eins meiner Lieblingsthemen. Vor allem der angebliche Gegenssatz zwischen freiem Willen und physikalisch-biologischem Determinismus.

    Ich hatte einmal ein Buch gelesen zu dem Thema von einem Physiker (leider ist mir der Name entfallen). Ich glaube die Idee wurde vielfach übernommen, weshalb auch immer. Der freie Wille wurde in der Unschärfe der Quantenmechanik vermutet. Ich fand das so absolut absurd, dass ich meine Idee zu dem Thema gleich im Internet mitteilen und zur Diskussion stellen musste, ich glaube damals war das beim „Spektrum der Wissenschaft“. Einige gaben mir sogar Recht.

    Ich sehe zwischen Determinismus und freiem Willen keinen Widerspruch. Denn egal was der Mensch auch will oder macht, es entstammt immer seinem Körper, Hirn (Gene) und dem Programm (Software) das im Hirn abläuft. Es überrascht mich übrigens dass das Thema Epigenetik scheinbar kein Teil dieses Themas ist.

    Rein philiosophisch betrachtet ist es aber m.E. evident, dass nur ein Wille der irgendwie festgelegt ist, überhaupt ein Wille sein kann. Ansonsten wäre unser Wille wie eine Fahne im Wind.

    Wir übernehmen selbstverständlich Ideen von unseren Eltern und der Peergroup, aber die werden lediglich der restlichen „Software“ hinzugefügt.

    Zu bestimmten Zeiten unserer Entwicklung machen unsere Gene sich wieder an die Arbeit und beeinflussen unsere Entwicklung sehr stark. Das sind die verschiedenen Prägungsphasen, während denen aber auch die Umwelt uns stark beeinflusst. Ich bin aber überzeugt, dass viele Persönlichkeitsstörungen und sonstige psychische Fehlentwicklungen stärker genetisch als umweltbedingt sind

    Lange Rede kurzer Sinn: nur ein determinierter Geist kann einen Willen haben. Und last but not least: die freiesten Entscheidungen im Leben eines Menschen sind 1) aus dem Leben zu scheiden und/oder 2) sich nicht fortzupflanzen. Obschon das der Evolution der menschlichen Rasse, wenn wir uns denn als mehr ansehen als nur als den dritten Schimpansen, das wohl keinen Abbruch tut.

    • Upps, das sollte eine Antwort an Peter sein…. Sorry!

  3. Man kann sich entscheiden, jemanden zu helfen, mit dem man nicht verwandt ist, nicht sexy findet, von dem möglicherweise keine (adäquate) Gegenleistung kommen wird oder je gekommen ist und dem zu helfen den eigenen sozialen Status nicht erhöht. Auch wenn diese Hilfe eigene Ressourcen verbraucht. Aus Sicht der Gene ist ein solches Verhalten völliger Kappes. Was ein Grund sein könnte, warum derartiges Verhalten so selten ist. Aber es ist möglich.
    Es ist übrigens auch möglich, nicht mit jedem Menschen zu schlafen, den man für sexy hält, nicht alles zu essen, auf das man Appetit hat, seine Schmerzen zu überwinden und auch sonstigen Triebe nicht nachzugeben.
    Etwas zu tun, nur weil es angeboren ist, ist der naturalistische Fehlschluss.

    • Aus Sicht der Gene ist ein solches Verhalten völliger Kappes.

      Wobei wir dann beim menschlichen Gesamt-genom wären, also einer dem genetischen Individuum übergeordneten „Autorität“. Wie könnten sich Informationen von dieser Autorität auf das Individuum übertragen und umgekehrt, welchen Egoismus gibt es beim Gen, wenn es sich dieser „Autorität“ unterwirft.

      Das Ganze ist doch m.E. nur mit dem Zufall zu erklären. Es gibt also keine Autorität sondern eine zufällige Anordnung die besser funktioniert hat als eine andere. Das egoistische Gen ist in diesem Fall einer von vielen Zufallsfaktoren und eigentlich nur eine Metapher. Im Endeffekt zählt was hinten raus kommt. Manche Teilstücke von Genen können ganze Organismen verändern, wie bei den Parasiten die die Fische dazu veranlassen an der Oberfläche zu schwimmen, damit sich der Parasit weiterverbreiten kann.

      Bei einem so komplizierten Organismus, wie es z.B. der Mensch ist, oder die Primaten an sich, ist es kaum vorstellbar, dass ein Gen allein oder ein Geist allein alles lenken kann. Obschon es immer wieder vorkommt, dass ein Monarch allein über Tausende, wenn nicht gar Millionen Individuen bestimmt. Aber inwieweit ist dieser Monarch nicht wiederum Teil des Gesamtorganismus „Primaten“ oder „Säugetiere“ und seiner Autorität „untergeordnet“?

      • Ein einzelnes Gen ist keine Autorität. Es gibt aber bei Vögeln ein Gen, das festlegt, ob dieser Vogel z.B. ein Zugvogel ist. Z.B. ziehen einige Mönchsgrasmücken im Herbst in den Süden, andere nicht, und dies ist nicht von „Erfahrung“ oder vom Wetter im Herbst abhängig, sondern von einem Gen, wie Züchtungsexperimente ergaben. Je nach Winter haben mal die einen und mal die anderen Mönchgrasmücken mehr Fortpflanzungserfolg, deshalb sterben beide Allele nicht aus.

        Menschen hätten die Fähigkeit, ein „Zug-Gen“ zu unterdrücken, wenn sie eines hätten, aber festgestellt haben, dass sie Winter auch anders überstehen. Umgekehrt haben Menschen ohne solche Instinkte die Fähigkeit zu entscheiden, doch ein Nomadenleben zu führen, wenn das im konkreten Lebensraum die bessere Strategie ist. Man kann sich darüber streiten, ob das schon „freier“ Wille ist, aber menschliches Verhalten ist zumindest weniger determiniert als Mönchgrasmückenverhalten.

        Das mit den Parasiten ist ein schlechtes Beispiel für Genetik; die Parasiten ändern nicht die Gene der Fische, sondern deren Gehirn.
        Eine Tierart ist grundsätzlich kein Organismus.


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