SZ-Reihe zur Gleichberechtigung startet mit langweiligen „Männer sollten Feministen sein“ Artikel

Die Süddeutsche Zeitung hat eine Serie „Die Recherche“ in der Leute ein Thema wählen können und dann Anmerkungen dazu machen können. Dieses war es das Thema „Gleichberechtigung“ und gerade über Twitter waren einige Maskulisten recht aktiv gewesen, damit diesmal auch auch andere Aspekte einfließen.

Die Serie startete aber erst einmal damit, dass das überwiegend weibliche Team über die Autorin Karin Janker einen geradezu banal langweiligen Artikel produzierte, der die üblichen Klischees wiedergibt.

Es geht um das alte Thema, dass Männer vom Feminismus profitieren, was ja auch durchaus wahr sein könnte, wenn Feminismus sich schlicht für Gleichberechtigung und das Aufbrechen von Geschlechterrollen einsetzen würde und nicht darüber hinaus in seiner inzwischen häufigsten Spielart, dem Genderfeminismus, den Mann zum universellen Sündenbock für alles auserkoren hätte.

Der Artikel beginnt schon passend:

Frauen besetzen die wichtigsten Staatsämter, kontrollieren den Zugang zu den Ressourcen und haben die gut bezahlten Jobs an sich gerissen. In Deutschland herrscht Staatsfeminismus. Männer fühlen sich unterdrückt und in ihren Bedürfnissen nicht ernstgenommen. Diese Zukunftsvision entwirft Karen Duve in ihrem satirischen Roman „Macht“ und überspitzt dabei ein gängiges Verständnis von Feminismus, das eigentlich ein Missverständnis ist. Denn wer glaubt, Frauen würden am liebsten einfach die Machtverhältnisse umkehren, hat nicht verstanden, dass Gleichberechtigung – also das, worauf Feminismus zielt – nur funktioniert, wenn Männer und Frauen zusammenarbeiten. Es mag absurd klingen, aber der Feminismus braucht die Unterstützung der Männer.

Also einer der Artikel, die darum werben, dass Männer sich auch für den Feminismus einsetzen und zusammen das Böse bekämpfen: Männer. Oder Männerbünde:

Wenn wir – als Frauen – um uns blicken, sehen wir: Männer. Ein System aus Boys Clubs, das sich selbst erhält und Frauen ausschließt. Das Ausschließen funktioniert subtil: Zum Beispiel, indem man uns suggeriert, dass Frauen angeblich aus evolutionären Gründen weniger Ambitionen auf Karriere hätten. Klingt wissenschaftlich, ist aber zu kurz gedacht. Was Studien stattdessen tatsächlich zeigen, ist, wie erfolgreich das Patriarchat sich selbst am Leben erhält als eine Gesellschaftsordnung, in der „männlich“ die Norm und „weiblich“ die Abweichung ist.

Tatsächlich haben viele Frauen weit aus weniger Ambitionen für Karriere:

Und natürlich kann man das auch ganz wunderbar mit Evolution begründen, über eine sexuelle Selektion auf Status.

Leider nennt sie die Studien dort nicht. Die hätten mich durchaus interessiert. Ich habe mal nachgefragt, bisher noch keine Antwort.

Aber immerhin ein Verweis aus einen Forscher:

Einer, der diese Zusammenhänge seit Langem erforscht, ist der Soziologe Michael Meuser. Seine These: Unsere Gesellschaft wird nach wie vor von „homosozialen Gemeinschaften“ dominiert. Darunter versteht Meuser Männerrunden wie Studentenverbindungen, Stammtische oder Fußballvereine, in denen Frauen de facto abwesend sind. Meuser kommt zu dem Schluss, dass Männer sich unter Geschlechtsgenossen am wohlsten fühlen, weil dann die „Anforderungen an die Selbstbeherrschung“ vermindert seien und man mit den Kumpels am besten „Spaß haben“ und „Blödsinn reden“ könne. Keine böse Absicht also, sondern Gewohnheit.

Die „Anforderung an die Selbstbeherrschung“. Wäre auch interessant, was er damit genau sagen will. Richtig ist, dass Männer gerne Rangordnungen erstellen, Frauen aber auch ihr soziales Umfeld nach bestimmten Kriterien gliedern, welche eher auf Gleichheit ausgelegt ist, aber durchaus ebenso zu erbitterten, dann aber versteckteren Kämpfen um den Platz in der Gruppe führen kann (Stichwort: prosoziale Dominanz oder jede Folge von „Germanys next Topmodel„und dem dem dort gerade aktuellen Zickenkrieg).

Feminismus ermöglicht es, die Rolle des Mannes neu zu verhandeln

Dem Männlichkeitsforscher zufolge liegt das auch daran, dass in Männerrunden unbewusst eine Rangordnung festgelegt wird, die Männern den Umgang miteinander erleichtert. Solche Monokulturen machen es der Gleichberechtigung schwer. Denn nicht nur Fußball- und Skatabende funktionieren Meuser zufolge nach diesem Muster, sondern auch die Arbeitswelt.

Interessanterweise legt sie nicht dar, warum sich Frauen nicht in diese Rangordnung einfügen können sollten. Denn natürlich wäre das theoretisch überhaupt kein Problem. Dann würde eben eine Frau an einer höheren Position stehen, wie es ja bei einem weiblichen Chef auch durchaus der Fall ist.

Dort, wo Frauen sich Zugang erzwingen – sei es per Gesetz oder durch gesellschaftlichen Wandel – beobachtet Meuser eine „Krise der Männlichkeit“. Die Tatsache, dass die“männliche Herrschaft“ (Bourdieu) zunehmend bröckelt, verstärke den Wunsch nach Selbstvergewisserung. Der moderne Mann kann nicht mehr den Patriarchen spielen, hat aber noch kein neues Rollenverständnis gefunden. Um aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen, braucht er den Feminismus – verstanden als gemeinsame Anstrengung in Richtung Gleichberechtigung. Denn der Feminismus ermöglicht es, nicht nur die Rolle der Frau, sondern auch die des Mannes neu zu verhandeln.

Die meisten Männer können ohnehin nicht den Patriarchen spielen, weil sie in der Hierarchie eben nicht per se oben stehen. Ob ein Mann oder eine Frau über ihnen steht ist dann relativ egal. Sie müssten von beiden Anweisungen entgegen nehmen. Bourdieu fand ich da schon länger nicht sehr überzeugend.

Die Krise des modernen Mannes ist deshalb eine Chance für unsere Gesellschaft: Meuser beobachtet, dass immer mehr Männer über genügend Selbstbewusstsein verfügen, dass sie den Rückzug in die Boys Clubs zur Selbstvergewisserung ihrer Männlichkeit nicht mehr nötig haben.

Auch gut: Die Männer unterdrücken anscheinend die Frauen, weil sie so ein schwaches Selbstbewußtsein haben, dass sie das brauchen. Dass sie nach oben kommen wollen, weil sie Geld, Ruhm, Ansehen haben wollen und die anderen Männer ihnen da nicht einfach die Hand reichen, sondern sie als Konkurrenten um den Platz in der Hierarchie sehen, dass fällt der Autorin anscheinend nicht auf.

Auf diese Männer sind wir Frauen angewiesen. Nicht, weil wir starke Beschützer bräuchten oder nicht selbst für uns sprechen könnten. Sondern, weil ohne die Solidarität unserer Partner, Väter und Kollegen Gleichberechtigung keine Chance hat. Das ist kein Rückzug in die Opferrolle, sondern ein Appell an diejenigen, die derzeit faktisch die Gestaltungsmacht besitzen: Männer eben.

Lustig. Da appelliert sie an den starken Beschützer, den weißen Ritter, und merkt es noch nicht einmal. Die Frau braucht den Mann, der endlich zulässt, dass sie auch etwas erreicht. Wunderbares Frauenbild. Natürlich ist das ein Rückzug in die Opferrolle. Nur weil sie dort ein ganzes Geschlecht in die Opferrolle drängt und ein ganzes anderes Geschlecht nach oben ändert das nichts.

„Faktische Gestaltungsmacht“ ist so etwas die Idee, dass Männer nach oben schweben und da oben angekommen auf weichen Kissen sitzen, wo es in Wahrheit die passende Studienwahl, Überstunden zu Lasten der Familie, das Eingehen von Risiken und Wochenendarbeit sowie das Aussuchen einers Partners, der bereit ist die Kinder zu betreuen, ist. Sie stellt Frauen als vollkommen passiv dar, als wäre da nichts, was sie selbst verbessern könnten.

Frauen bleiben systematisch ausgeschlossen
Denn ein Blick in die öffentliche Sphäre zeigt, wie es im Moment um die Gestaltungsmöglichkeiten von Frauen steht: Es gibt in Deutschland elf Prozent C4-Professorinnen, neun Prozent Bürgermeisterinnen, acht Prozent Tatort-Regisseurinnen, fünf Prozent Frauen in Dax-Vorständen, zwei Prozent weibliche Chefredakteure in deutschen Medien. Diese Zahlen sammelte die Publizistin Anke Domscheit-Berg in ihrem Buch „Ein bisschen gleich ist nicht genug!“. Sie machen sprachlos.

Nur das die Zahlen nicht belegen, dass Frauen ausgeschlossen sind. Mit dem gleichen Recht könnte man aus den Zahlen schlußfolgen, dass die Frauen sich eben nicht hinreichend einsetzen und weit aus mehr machen müssen. Es sagt eben nämlich gar nichts darüber aus, woran es liegt, dass Frauen nicht nach oben kommen.

Seit 1949 behauptet das Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dort steht auch, dass der Staat auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken soll. Bis Elisabeth Schwarzhaupt die erste deutsche Bundesministerin wurde, vergingen dennoch zwölf Jahre. Bis zur ersten Bundeskanzlerin sogar 56 Jahre. Aber immerhin: Jetzt gibt es Angela Merkel. Ist sie der Beweis dafür, dass Chancengleichheit erreicht ist? Wohl kaum. Dass wir eine Bundeskanzlerin haben, bildet den Alltag nicht ab. In der freien Wirtschaft haben sich gerade mehrere Großkonzerne die Zielgröße „Null“ für ihre Frauenquote im Vorstand gesetzt. Porsche, Commerzbank, Eon, Thyssen-Krupp und Infineon gehören dazu. Dieses selbst gesteckte Ziel gilt bis2022, die Hausregeln des Boys Clubs ändern sich nicht.

Bis auf Ausnahmen bleiben Frauen systematisch aus den Kreisen ausgeschlossen, die die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten. Schade ist das nicht nur für jene Frauen, die um Karrieremöglichkeiten gebracht werden. Sondern auch für unsere Gesellschaft als Ganzes, weil sie sich damit gut die Hälfte ihres Potenzials entgehen lässt. Hier bräuchten wir Männer, denen es nicht egal ist, dass ihre Töchter es vermutlich nie so weit bringen werden wie sie selbst – einfach nur, weil sie das falsche, das „andere Geschlecht“ haben.

Kann man es passiver darstellen? Und da behauptet sie, dass sie Frauen nicht zu Opfern macht. Der Tenor ist, dass Frauen systematisch ausgeschlossen werden und die Männer brauchen, damit sie voran kommen.

Doch nicht nur auf der gesellschaftlichen, auch auf der individuellen Ebene brauchen wir mehr Gleichberechtigung. Ein schwieriges Terrain: Denn es geht um Privates, um Liebe und Familie und um unsere romantischen Vorstellungen davon. Wenn es aber um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht, wird auch das Persönliche politisch. Nicht nur die ehemaligeBundesfamilienministerin Renate Schmidt plädiert pragmatisch dafür, dass jede Frau arbeiten gehen sollte. Ein Mann sei keine Altersvorsorge und deshalb könne frau sich nur auf sich selbst verlassen. Schließlich bedroht Altersarmut vor allem Hausfrauen und Frauen im Zuverdiener-Modell.

Dennoch berichtete der Spiegel jüngst über die Renaissance der Hausfrau als Lebensmodell junger Akademikerinnen. Viele von ihnen gehen so den Weg des geringsten Widerstands. Bestens ausgebildete Frauen überlassen ihrem Mann die Rolle des Familienernährers und machen sich selbst zu einer dieser Frauen, über die Männer früher sagten: „Sie hat mir den Rücken freigehalten.“ Auf diese Weise bringen sich die Frauen um die Macht, unsere Gesellschaft mitzugestalten

Da ist er wieder, der alte Streit: Darf eine Frau traditionelle Rollen wählen oder muss sie „Macht“ wollen?

Oder wie Anita Sarkessian es ausdrückte:

“Im Feminismus geht es um die kollektive Befreiung der Frauen als soziale Klasse. Im Feminismus geht es nicht um die persönliche Verhaltenswahl der Frau”

Auch hier ist die Frau wieder erstaunlich passiv: Sie kann ja nicht gegen den Widerstand ankämpfen, also bleibt ihr nur der Verzicht auf die Rolle des Familienernährers.

Mit deutlich mehr Gegenwind hat zu kämpfen, wer ein gleichberechtigtes Familienmodell lebt. Dennoch lohnt es sich: Nicht nur, weil es vor Altersarmut schützt. Es schenkt Kindern zwei Bezugspersonen und die Möglichkeit, von Vater und Mutter zu lernen. Außerdem hilft es, einen Nachteil auszugleichen, den Frauen nach wie vor bei der Jobsuche haben: Bei einer jungen Bewerberin mache er sich durchaus Gedanken, ob sie bald schwanger wird und sich dann verabschiedet, gibt ein mittelständischer Unternehmer zu. Bei einem Mann habe er diese Sorge eher nicht. Aus Unternehmersicht mag das verständlich sein, gerecht ist es nicht. Auch deshalb sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass auch Väter in Elternzeit gehen – und zwar länger als die üblichen zwei „Vätermonate“. Dann bringen Bewerberin und Bewerber das gleiche Risiko mit.

Das ist ein interessanter Gedanke, aber schwierig umzusetzen, gerade wenn ihr Job dafür prädestiniert ist, dass sie aussetzt, zB im öffentlichen Dienst, seiner aber nicht und sie auch gerne die längeren Zeiten nehmen möchte.

Wer übrigens zu phlegmatischem Optimismus neigt und glaubt, dass die Bewegung in Richtung Gleichberechtigung nun angestoßen ist und der Rest sich in den kommenden Jahren von selbst erledigt, der vergisst, dass das Problem nicht einfach damit gelöst ist, dass Frauen plötzlich imitieren, was Männer jahrzehntelang vorgemacht haben. Schließlich ging deren Karriere bisher meistens zu Lasten ihrer Partnerinnen, die Familien- und Hausarbeit übernahmen. Wenn es gerecht zugehen soll, müssen sich Frauen und Männer in der Mitte treffen.

„Frauen haben nicht weniger Ambitionen auf Karriere“ vs. „Es kann nicht sein, dass Frauen Männer imitieren müssen und alles auf Karriere legen müssen“. Eigentlich sollte es anscheinend bedeuten „Frauen haben nicht weniger Ambitionen auf Karriere, wenn man sie erreichen kann ohne das man alles auf Karriere setzen muss“.

Ich stimme ihr durchaus zu, dass beiderseitige Berufstätigkeit letztendlich viele Probleme in der Geschlechterdebatte löst. Aber dennoch liegt es an jedem Paar selbst, wie es diese gestaltet. Und solange Frauen erwarten, dass Männer sich in der Mitte treffen, werden eben auch weniger Karriere machen. Der Manager, dessen Frau Lehrerin ist, und der das doppelte von ihr verdient, wird eben nicht im gleichen Maße auf die Kinder aufpassen können. Und die Managerin, die an eine hohe Stelle kommen will, wird das schlicht auch nicht können.

Ansonsten bleibt der Gleichberechtigungsdiskurs ein Gespräch unter Frauen, weil Männer sich nicht angesprochen fühlen. Es ist eines der ältesten Missverständnisse, dass der Feminismus etwas gegen Männer habe. In Wirklichkeit ist er in der Lage, Männer und Frauen gleichermaßen zu befreien. Von Rollenklischees und dem Gefühl, nur zwischen Hierarchiekämpfen und der Flucht ins Private wählen zu können. Frauen und Männer müssen gemeinsam aushandeln, wie Gleichberechtigung aussehen soll. Bereits das ist subversiv und revolutionär, wenn man bedenkt, dass bisher im öffentlichen Raum immer noch nach Männer-Regeln gespielt wird. Wenn Frauen und Männer miteinander sprechen, durchbrechen sie die Regeln des Boys Club, wo sich alle ohne Worte verstehen.

Warum eigentlich meinen Feministinnen immer, dass eine Befreiung von Rollen nur dann möglich ist, wenn man es feminstisch macht und warum sollte das für Männer der beste Weg sein?

Ich schrieb dazu schon einmal:

Dass starre klassische Geschlechterrollen Nachteile auch für Männer bringen, dass würde ich durchaus auch so sehen, gerade wenn sie eben essentialistisch gesehen werden, also als verbindlich für alle Männer und Frauen ohne Berücksichtigung des Umstandes, dass es eben auch hier fließende Übergange gibt.

Allerdings ist in dem Paket “Geschlechterrollen aufheben” für Männer im Feminismus eben noch einiges an “Beiwerk” dabei, was einem nicht gefallen muss

  • Eine Schuldzuweisung an “Männer” oder “Männlichkeit” und ein Framen aller Handlungen in diesem Kontext als Unterdrückung der Frauen
  • Ein Ignorieren von Fakten, die bestimmte Unterschiede erklären
  • Die Zuweisung von “Definitionsmacht” an Frauen je nach Radikalität bis hin zur Abkehr von wesentliche Rechtsstaatsgrundsätzen wie der Unschuldsvermutung
  • Sofern man sich dort beteiligen will: Die Aberkennung einer eigenen Möglichkeit der Beteiligung und ein Verweis auf eine “Ally-Position”.
  • Eine Abwertung von geschlechterrollentypischen Verhalten soweit man es mag

Diese Nachteile muss man keineswegs zwangsläufig mitkaufen. Die Idee, dass nur mit Feminismus, geschweige denn mit radikalen Genderfeminsmus eine Auflockerung der Geschlechterrollen erfolgen kann, ist nicht zutreffend.

Man kann auch einfach ohne diese Ideen ein lockeres Verhältnis dazu entwickeln und Leute akzeptieren, die sich dort nicht wiederfinden. Dazu muss man insbesondere keinen Hass auf Leute entwicklen, die sich darin wiederfinden. Wer als Mann nicht nach den Geschlechterrollen leben möchte aber anderseits auch nicht die obigen Nachteile haben möchte, der kann dies durchaus machen. Was ebenso für Frauen gilt. Der Feminismus mag gegenwärtig die Ideologie sein, die damit am meisten wirbt, allerdings macht es ihn gerade in der gegenwärtigen Form deswegen nicht unbedingt zu einer vorzugswürdigen Ideologie.

Man kann durchaus auch eigene Vorstellungen davon entwickeln, wie man mit Geschlechterrollen umgeht und was an diesen gut oder schlecht ist und welche Elemente von ihnen man bekämpfen möchte, eben zB einen Essentialismus und ein binäres Verständnis. Der Feminismus hat hier eben kein Alleinstellungsmerkmal und stellt auch nicht per se den besten Weg dafür bereit, schon weil er wie hier in dem Artikel deutlich wird ohne weiter Prüfung Strukturen sieht, wo keine sind und nach diesen Schuldzuweisungen an ein Geschlecht ausspricht.

Dass inzwischen 700 000 Männer die UN-Kampagne „HeforShe“ per Klick unterstützen, die Emma Watson als Botschafterin für Frauenrechte eingeläutet hat, ist zumindest ein symbolischer Anfang. Der Feminismus braucht die Solidarität der Männer, weil Frauen sich immer wieder in Männer verlieben und Männer sich in Frauen. Das Paar, sei es homo- oder heterosexuell, ist die kleinste politische Einheit in Sachen Gerechtigkeit.

Auch das macht deutlich, dass sie keine intersektionale Genderfeministin ist. Denn #Heforshe steckte ja gerade aus dieser Ecke einiges an Prügel ein.

Ich finde es auch immer wieder interessant, dass sie hier keine Pflicht der Frauen zur Solidarität gegenüber Männern sieht.

Natürlich kann nicht jeder Angestellte eine Frauenquote in seinem Unternehmen durchsetzen. Aber er kann seine Frau als gleichberechtigte Partnerin ansehen und sie fördern, indem er ihr die Möglichkeit gibt, sich beruflich zu verwirklichen. Auch wenn das heißt, dass er selbst eine weniger steile Karriere macht. Langfristig ist eine Familie sicherer aufgestellt, wenn sie auf zwei Säulen steht und beide Elternteile berufstätig sind. Und eine Beziehung stabiler, wenn beide Partner glücklich und ausgelastet sind.

Nein, wirklich, in dem Artikel werden Frauen nicht zu passiven Opfern gemacht. Er gibt ihr die Möglichkeit sich zu verwirklichen. Sie wartet natürlich nur darauf.

Im Rahmen von Scheidungsverfahren haben Männer übrigens früher innigst dafür gebetet, dass die Frau wieder schnell berufstätig wird und machen es noch heute. Aber selbst kinderlose Frauen, die zB in der Ehe ihren Job verloren hatten und keinen neuen fanden können sich im Trennungsjahr nach wie vor darauf berufen, dass sie keine Erwerbsobliegenheit haben. Und es ist nicht lange her, dass das Motto im Unterhaltsrecht galt „einmal Zahnarztfrau, immer Zahnarztfrau“ und eine Frau durchaus bequem bis zu ihrem Lebensende ein gutes Leben führen konnte, wenn sie sich von einem reichen Mann scheiden ließ, ohne sich jemals beruflich zu verwirklichen. Ganztagsbetreuung in den Schulen nimmt zu, seit das Unterhaltsrecht in diesem Bereich verschärft worden ist.

Auch interessant ist der Gedanke, dass man nur auf diesem Wege glücklich und ausgelastet sein kann. Ich kenne genug Frauen, die es verzerrt hat, ein Kind recht schnell wieder in die Fremdbetreuung zu geben, damit beide Vollzeit arbeiten können und die dann recht schnell in eine Behörde mit günstigeren Arbeitszeiten gewechselt sind.

Männer und Frauen sollten den gemeinsamen Feind kennen: Das Patriarchat macht beide unfrei. Weil es Frauen unterdrückt und von Männern verlangt, dass sie unrealistische Erwartungen erfüllen und die Belastung, eine Familie zu ernähren, allein tragen müssen. Es ist an der Zeit, dass auch Männer sich emanzipieren. Denn Väter haben ein Recht darauf, ihre Kinder aufwachsen zu sehen. Männer haben ein Recht darauf, dass sie sich die Aufgabe, das Familieneinkommen zu erwirtschaften, mit ihrer Partnerin teilen. Wir alle haben ein Recht darauf, in einer Gesellschaft zu leben, die von weiblicher wie männlicher Kompetenz profitiert.

Da ist es: Das Schreckgespenst des Patriarchats, welches auch Männern schadet. Natürlich mal wieder ohne konkrete Belege, ohne Definition, was es genau sein soll. Ohne Anteil von Frauen daran, dass „unrealistische Erwartungen an Männer angelegt werden, die Familie zu ernähren“. Die Väter haben ein Recht darauf, ihre Kinder aufwachsen zu sehen – das ist ein schönes Lippenbekenntnis. Aber ich sehe nicht, dass sich der Feminismus tatsächlich für das gemeinsame Sorgerecht auch für unverheiratete Eltern einsetzt, für das Wechselmodell, für das anteilige Tragen von Kindesunterhalt oder für starke Erwerbsobliegenheiten im Familienrecht für Frauen. Ich sehe auch nicht, dass dort gefordert wird, dass die Frauen sich dann entsprechend verhalten müssen, also ihr Leben und ihre Planung umstellen sollen, anscheinend reicht es, wenn sie warten, dass ein Mann sie unter die Fittiche nimmt. Ich sehe keinen Eigenanteil der Frau an dieser Gesellschaftsänderung.

Mal sehen, wie die Serie weitergeht. Es heißt, man habe sich auch mit Maskulisten getroffen. Ob sie wohl auch einen vergleichbaren Artikel einstellen dürfen?

 

vgl. auch:

Die Auswirkungen von Erregung auf unser Denken

Eine interessante Studie untersucht, wie sich bestimmte Einstellungen unter der Wirkung sexueller Erregung verändern:

Despite the social importance of decisions taken in the ‘‘heat of the moment,’’ very little research has examined the effect of sexual arousal on judgment and decision making. Here we examine the effect of sexual arousal, induced by selfstimulation, on judgments and hypothetical decisions made by male college students. Students were assigned to be in either a state of sexual arousal or a neutral state and were asked to: (1) indicate how appealing they find a wide range of sexual stimuli and activities, (2) report their willingness to engage in morally questionable behavior in order to obtain sexual gratification, and (3) describe their willingness to engage in unsafe sex when sexually aroused. The results show that sexual arousal had a strong impact on all three areas of judgment and decision making, demonstrating the importance of situational forces on preferences, as well as subjects’ inability to predict these influences on their own behavior.

Quelle:  The heat of the moment: the effect of sexual arousal on sexual decision making (Abstract / Teilweiser Volltext/Volltext)

Viele werden jetzt sagen, dass das ja nun eigentlich ein Effekt ist, für den man nicht wirklich eine Studie braucht: Natürlich Verhalten wir uns anders, wenn wir erregt sind. Aber was ist Erregung eigentlich? Es ist in gewisser Weise die Aktivierung eines gewissen Programms durch zB die Stimulierung bestimmter Körperregionen. Es ist insofern etwas, was uns auf Sex vorbereitet und dessen Durchführung in gewisser Weise attraktiver macht. Es verändert also bestimmte Parameter in Richtung Sex und verleiht diesen eine stärkere Bedeutung. Nur: Wie genau soll man sich dies abseits einer Wirksamkeit innerhalb unserer Biologie, abseits einer Veränderung bestimmter Parameter, die unser Denken beeinflussen, erklären? Wir denken nicht logischer, im Gegenteil, häufig machen wir erhebliche Dummheiten unter der Wirkung sexueller Erregung.

Das zeigt auch die Studie in den Ergebnissen:

Sexuelle Erregung Denken

Sexuelle Erregung Denken

Unter dem Einfluss der „Erregung“ erscheint uns also sexuelles Sexueller und sexuelle Handlungen erscheinen uns attraktiver. Wir können uns in dem Moment beispielsweise wesentlich eher vorstellen, dass wir Sex mit jemanden haben, den wir hassen und Männer würden eher einen „Teufels“-Dreier, also 2 Männer und eine Frau mitmachen. Analsex scheint plötzlich wesentlich attraktiver und diverse andere Praktiken ebenfalls. Es erscheint auch frustrierender einfach nur rumzuknutschen und nicht weiterzukommen. 

Wie sich die Einstellung verändert zeigt auch die Beantwortung weiterer Fragen:

 

Sexuelle Erregung Denken2

Sexuelle Erregung Denken2

Wie man sieht wird es hier wesentlich bösartiger gegenüber der Nichterregung. Was auch ein interessantes Licht auf die Frage wirft „Geht es bei der Vergewaltigung um Macht oder um Sex?“. Wie man an der Steigerung im Zusammenhang mit der Erregung sieht ist diese ein sehr wesentlicher Faktor.

Auch ein anderer interessanter Aspekt der Studie: Wie steht es um Verhütung

Sexuelle Erregung Verhütung

Sexuelle Erregung Verhütung

 

Es zeigt gut, warum das Predigen von Enthaltsamkeit als Vorbeugen gegen jugendliche Schwangerschaften wenig hilft: Solange sie im Klassenraum sitzen mag ihnen der Gedanke ganz logisch erscheinen. Wenn sie aber erregt sind, dann erscheint eben der Sex wesentlich attraktiver als vorher im Klassenraum und es kommt eher dazu, dass man die guten Vorsätze über Bord wirft. Dann wiederum wäre es besser, wenn die Jugendlichen ein Kondom zur Hand hätten, da sonst eher die Gefahr einer Schwangerschaft droht.

Aus der Studie:

This study examined the effect of high levels of sexual arousal on the subjective attractiveness of different activities, on self-reported willingness to take various morally dubious measures to procure sex, and on willingness to engage in risky sexual activities. Our results on attractiveness of activities suggest that sexual arousal acts as an amplifier of sorts. Activities that are not perceived as arousing when young males are not sexually aroused become sexually charged and attractive when they are, and those activities that are attractive even when not aroused, become more attractive under the influence of arousal. By showing that, when aroused, the same individual will find a much wider range of activities sexually appealing than when not aroused, these findings weigh in against the view of sexual preferences as being purely an individual difference variable—i.e., as dispositionally rather than situationally determined. Certainly, there are robust individual differences in sexual preferences and in the likelihood of engaging in various behaviors, but there also seem to be striking intra-individual differences caused, in our study, by externally caused variations in arousal level.
Our results further suggest that the change in attractiveness influences the intensity of motivation to have sex relative to other goals. Specifically, the increase in motivation to have sex produced by sexual arousal seems to decrease the relative importance of other considerations such as behaving ethically toward a potential sexual partner or protecting oneself against unwanted pregnancy or sexually transmitted disease. Like other drive-states (Loewenstein, 1996), and also somewhat analogous to the effects of alcohol (Ditto et al., 2005; Steele & Josephs, 1990), sexual arousal seems to narrow the focus of motivation, creating a kind of tunnel-vision where goals other than sexual fulfilment become eclipsed by the motivation to have sex (c.f., Blanton & Gerrard, 1997).
As noted in the introduction, a secondary implication of our findings is that people seem to have only limited insight into the impact of sexual arousal on their own judgments and behavior. Such an under-appreciation could be important for both individual and societal decision making. At the individual level, there is a considerable research showing that one’s meta-understanding of one’s own preferences can in many situations be almost as important as the preferences themselves. For example, as O’Donoghue and Rabin (2003) show, the impact of hyperbolic time discounting on actual intertemporal choice behavior depends critically on whether one is naı¨ve or sophisticated about the fact that one will face self-control problems in the future. Ariely and Wertenbroch (2002) likewise found, in a study of students taking a class, that those who were aware of their own tendency to procrastinate, and hence voluntarily set deadlines for themselves, got higher course grades than those who did not. Self-insight when it comes to sexual arousal and sexual behavior is similarly likely to be important for decision making. For example, the most effective means of self-control is probably not willpower (which has been shown to be of limited efficacy), but rather avoiding situations in which one will become aroused and lose control. Any failure to appreciate the impact of sexual arousal on one’s own behavior is likely to lead to inadequate measures to avoid such situations. Similarly, if people under-appreciate their own likelihood of having sex, they are likely to fail to take precautions to limit the potential damage from such encounters. A teenager who embraces ‘‘just say no,’’ for example, may feel it unnecessary to bring a condom on a date, thus greatly increasing  the likelihood of pregnancy or transmission of STDs if he/she ends up getting caught up in the heat of the moment.

The same logic applies interpersonally. If people judge others’ likely behavior based on observing them when they are not sexually aroused, and fail to appreciate the impact of sexual arousal, then they are likely to be caught by surprise by the other’s behavior when aroused. Such a pattern could easily contribute to daterape.

Indeed, it can create the perverse situation in which people who are the least attracted to their dates are most likely to experience date-rape because being unaroused themselves they completely fail to understand or predict the other (aroused) person’s behavior.
At a social level the failure to appreciate the influence of sexual arousal when one is unaroused can have diverse consequences. For example, judges and jurors, who are generally unaroused when making decisions of guilt and punishment, may be excessively condemnatory and punitive toward sexual offenders because they make their decisions in a sexually unaroused state and fail to appreciate how intense sexual arousal would alter even their own decision making in potentially compromising circumstances. The result is that decisions will be stigmatized as immoral misbehavior even by people who would themselves make the same choice when in an aroused state. It should be clear that such effects of arousal cannot justify any sexual exploitation, but they can make such behaviors somewhat more understandable. From the perspective of the legal system it is possible that sexual arousal should be given more credit as a partially mitigating factor than it would normally receive. Moreover, understanding these effects can help guide individuals (sex offenders for example) such that they will be less likely to sexually exploit or re-exploit. Finally, as alluded to in the discussion of individual decision making, the failure to appreciate sexual arousal by those who are not
themselves immediately aroused can also help to explain the enactment of misguided and ineffective policies such as ‘‘just say no’’, leaving young adults unprepared to limit the potential damage from their own behavior in the heat of the moment.

Wir können also nur sehr schwer einschätzen, wie wir reagieren, wenn wir nicht in unserem „normalen Modus“ sind, sondern erregt. Deswegen unterschätzen wir unser Verhalten und bewerten das Verhalten anderer härter.

Wie unser Denken um Besitz durch evolutionäre Regeln beeinflusst wird

Hier war bereits die These diskutiert worden, dass wir evolutionär geprägte Regeln in uns haben, die unser Denken beeinflussen. Diese werden insbesondere dann deutlich, wenn wir uns unlogisch verhalten, obwohl wir der Meinung sind rational zu handeln.

Ein gutes Beispiel dafür ist, dass wir ein besonderes Verhältnis zu Besitz haben.

Ein Beispiel dafür ist der Besitztumseffekt (Endowment Effect). Dabei geht es darum, dass wir etwas, was wir besitzen, einen höheren Wert zumessen als wir es sonst tun würden.

Ein Beispiel dafür ist, dass große Fans einer Fußballmannschaft an einer Verlosung teilnehmen, bei der sie Tickets für ein wichtiges Spiel bekommen können. Einige gewinnen, einige verlieren.

Fragt man jetzt diejenigen, die das Ticket nicht gewonnen haben, was sie für ein Ticket zahlen würden, dann nennen sie einen bestimmten Preis, sagen wir 200 Euro. Diejenigen, die das Ticket zu dem Spiel erhalten haben, würden es aber auch für 1.000  Euro nicht verkaufen.

Die Wikipedia dazu:

Bekannt ist ein Experiment mit Tassen, das Daniel Kahneman 1990 durchführte. Dabei bildete er zwei Gruppen. Der ersten Gruppe (den Verkäufern) gab er Tassen und fragte sie, welchen Preis zwischen $ 9,25 und $ 0,25 sie fordern würden, um die Tasse zu verkaufen. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe wurden gefragt, welchen Preis sie zahlen würden, um die Tasse zu erhalten. Der Preis der „Verkaufsgruppe“ lag im Mittel bei $ 7,12, während der Preis der „Kaufgruppe“ gerade mal bei $ 2,87 lag.

In einem anderen Experiment ging es um ein Ticket für ein Basketballspiel. Da die Universität und auch die Basketball-Halle der Universität klein sind, erhält regelmäßig eine große Zahl Anstehender trotz langem Anstehen kein Ticket. Die Mitarbeiter von Dan Ariely und Ziv Carmon gaben sich dann als Ticket-Schwarzhändler aus und fragten Ticketbesitzer, für welchen Betrag sie ihr Ticket verkaufen würden – durchschnittlich wurden $ 2400 genannt. Die Studenten ohne Ticket waren im Durchschnitt bereit, $ 170 für ein Ticket zu bezahlen. Die Ticketbesitzer rechtfertigten die hohen Preise oft mit der Bedeutung des Spiels (z.B. dass sie sich damit ein wichtiges Erlebnis gönnten, von dem sie noch ihren Kindern erzählen könnten). Die angefragten Personen ohne Ticket setzten die Geldbeträge eher in Relation zu anderen Geldbeträgen, wie zum Beispiel die Ausgaben beim Ausgehen oder Bier trinken.

Dieser Effekt findet sich in vielen Bereichen: Es ist der Grund, warum viele Geschäfte anbieten, dass man gekaufte Ware zB innerhalb von 2 Wochen zurückbringen kann. Weil man sie dann aber bereits besitzt wollen sie die wenigsten zurückbringen.

Es ist vielleicht auch der Grund, warum viele eine eigentlich bereits nicht mehr funktionierende Beziehung nicht aufgeben können. Sie wollen ihren „Besitz“ nicht verlieren.

Ein Grund, der zu diesem Effekt beiträgt könnte auch unsere Verlustaversion sein. Wir bewerten Verluste höher als Gewinne. Für uns ist es also erheblicher, 5 Euro zu verlieren als 5 Euro zu gewinnen.

Das kann man durch Studien ermitteln, in denen einmal etwas als potentieller Gewinn und einmal als potentieller Verlust formuliert wird.

Ein Beispiel aus der Wikipedia:

In Deutschland beträgt der gesetzliche Urlaubsanspruch 24 Tage, in Amerika hingegen nur 14 Tage. Die meisten Deutschen wären nicht bereit, auf ihren gesetzlichen Urlaubsanspruch zu verzichten, wenn sie dafür einen höheren Lohn bekommen würden. Amerikaner hingegen sind nicht bereit, weniger Geld zu verdienen um mehr Urlaubstage zu bekommen. Für viele Deutsche ist die Anzahl der gesetzlichen Urlaubstage der „Status quo“, daher wird die Aufgabe der Urlaubstage als Verlust angesehen. Bei den Amerikanern ist auch die Anzahl der gesetzlichen Urlaubstage der „Status quo“. Mehr Urlaub würde für die Amerikaner einen Gewinn darstellen.

Vermutlich ist es auch die Verlustangst, die die besondere Bedeutung der Zahl „Null“ oder „umsonst“ für uns ausmacht. Wenn etwas umsonst ist, dann haben wir keinen Verlust, der ansonsten auch bei einem vergleichsweise geringen Preis entsteht. Wir müssen nichts von uns weggeben und bekommen noch etwas dazu. Deswegen wird in der Werbung auch gerne mit einer Form von „Umsonst“ gearbeitet. Etwa „Wer 2 kauft bekommt das dritte umsonst“ statt es als Reduzierung des Preises auf die Ware insgesamt auszudrücken.

Ebay hatte wohl beispielsweise einen großen Erfolg damit, dass es bestimmte Angebote damit beworben hat, dass man, wenn man noch ein thematisch passendes Buch dazu kauft, keine Versandkosten zahlen muss (der Versand also umsonst ist). Die Umsätze stiegen sehr stark. Ebay Frankreich hatte aber wohl statt eine Reduzierung auf Null vorzunehmen in der gleichen Zeit lediglich die Versandkosten stark ermäßigt, auf einen Franc (also etwa 0,15 Euro) statt auf Null. Dort blieb der Werbeeffekt vollkommen aus, weil die Verlockung der Null nicht eingetreten ist.

Auf das ganze Thema bin ich durch das Buch „Predictably Irrational“ gekommen, der Autor erklärt zu dem letzten Punkt auch etwas in einem Video:

Interessant fand ich auch den ebenfalls dort erwähnten Ikea-Effekt:

Als IKEA-Effekt wird in der Verhaltensökonomik der Zuwachs an Wertschätzung bezeichnet, der selbst entworfenen oder zumindest selbst zusammengebauten Gegenständen im Vergleich zu fertig gekauften Massenprodukten entgegengebracht wird. Die Benennung nach dem Möbelhersteller IKEAund dessen durch den Kunden zu montierenden Produkten wurde 2009 durch den Wirtschaftswissenschaftler Michael Norton geprägt. Quantitativ erreicht die gesteigerte Wertschätzung durch die selbst durchgeführte Montage eines Massenartikels fast die Wertschätzung für ein individuell durch einen Handwerker gefertigtes Einzelstück.

In dem Buch wurde angesprochen, dass dieser Effekt, nämlich der, dass man etwas, in das man viel direkte Arbeit gesteckt hat (statt der indirekten Arbeit, die man erst in Geld steckt und dann in das Möbelstück), mit einem höheren Wert für sich selbst belegt, auch in die Geschlechterdiskussion mit hineinspielen könnte:

Es wurde dort das Beispiel gebracht, dass deswegen die Mutter, die mehr „direkte Arbeit“ in das Kind gesteckt hat, dieses eben auch eher als seinen Besitz ansieht, vergleichbar dem Ikeamöbel, weil sie es häufiger gefüttert, gewickelt und mehr für seine Erziehung zuständig war und daher auch weniger bereit ist zu teilen oder diesen „Besitz“ aufzugeben.

Auch interessant fand ich den dort erwähnten Decoy-Effekt, der zwar nicht direkt Besitz betrifft, aber auch zeigt, dass unsere Entscheidungsfindung mitunter nicht sehr logischen Regeln entspricht.

Der Decoy-Effekt geht davon aus, dass wir Vergleichbarkeit lieben und uns ein Produkt, bei dem wir eine solche Vergleichbarkeit haben, als höherwertiger erscheint.

Ein Beispiel dazu:

Jemand muss sich zwischen zwei hochwertigen Geräten entscheiden, die jeweils andere hochtrabende Bezeichnungen für bestimmte Parameter haben. Es ist schwer zu sagen, welches letztendlich besser ist. Wenn es nun das Gerät A gibt und von dem anderen Hersteller die Geräte B1 und B2, wobei man klar erkennen kann, dass B2 etwas schlechter ist als B1, dann neigen viele Kunden dazu, dass Gerät B1 zu nehmen, einfach weil sie wissen, dass es da bessere Gerät dieses Herstellers ist. Das ist dann unabhängig davon, ob nicht eigentlich Gerät A die bessere Wahl gewesen wäre. Deswegen kann es sich für den Hersteller lohnen, das Gerät B2 als „Decoy“ zu platzieren, da dann sein Gerät insgesamt attraktiver erscheint.

Ein weiteres Beispiel:

Dan Ariely machte dazu einen interessanten Test. Er bat Studenten für ein Datingexperiment Fotos von ihnen machen zu können. Dann wurden aus den Fotos Gruppen gleich attraktiver Studenten gebildet. Dann modifizierte Dan Ariely mit Photoshop die Fotos so, dass er etwas hässlichere Versionen davon erzielte. Er verrückte Beispielsweise die Nase oder die Augen leicht aus der Symmetrie.

Dann bat er Studentinnen sich dafür zu entscheiden, mit wem sie lieber ein Date wollten, wobei er drei Fotos vorlegte. Dabei handelte es sich jeweils um 2 Fotos von verschiedenen Studenten und ein weiteres Foto eines der Studenten, welches modifiziert war.

Die hübsche Version des „doppelten Fotos“ bekam dabei jeweils deutlich höheren Zuspruch, ich meine etwa 75% entschieden sich für dieses, einfach weil sie einen Vergleich hatten.

Aus meiner Sicht alles gute Beispiele, die aufgrund ihrer weltweiten Verbreitung zeigen, dass wir Bewertungen nach bestimmten Regeln vornehmen, die nicht logisch sind, aber gleichzeitig einer gewissen Logik folgen:

Verlust mehr zu fürchten als Gewinn zu wollen kann beispielsweise ebenso evolutionär sinnvoll sein, wie bei unbekannten Lagen lieber die zu wählen, bei denen man zumindest weiß, dass sie besser ist als eine der anderen Alternative.

 

Selbermach Samstag 183 (23.04.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution aufTwitter und auf Facebook.

Pretty Woman und Pickup /Game (Teil 1)

Der Film „Pretty Women“ (Transkript) erzählt ein modernes Aschenputtelmärchen: Die Prostituierte Rachel trifft den reichen, aber sehr zurpücjgezogenen und distanzierten Edward, erst ist es ein Deal, aber mit ihrer munteren, unkomplizierten, unbekümmerten Art als „Hooker with a heart of Gold“  gewinnt Vivien sein Herz. Happy End!

Interessant ist dabei aber die Zeichnung der Figuren und der Dynamiken zwischen ihnen, die die Geschichte glaubwürdig macht.

Weil es ein alter Film ist (relativ) nimmt man sich noch etwas Zeit für die Charaktereinführung.

1. Vorstellung von Edward

Der erste Schwenk ist auf eine High-Society-Party des Anwalts von Edward, bei der dieser gefragt wird, ob Edward tatsächlich eine Firma kaufen will und wo er ist:

Where’s the guest of honor ?

He’s probably off in a corner somewhere charming a very pretty lady.

Wir haben also gleich in dieser Eröffnungsszene die folgenden Informationen:

  1. Edward gehört zur High-Society, er ist ein wesentlicher Bestandteil, man schmeißt Parties für ihn, man wartet dort auf ihn
  2. Frauen finden ihn attraktiv
  3. er hat genug Ressourcen um eine Gesellschaft zu kaufen

Also alles Anzeichen, die ein Evolutionsbiologe als klassische Attraktivitätsmerkmale ansehen würde: Status in einer wichtigen Gruppe, Ressourcen, Erfolg bei Frauen. Im Pickup würde man sagen: Zwei Attractionswitsches bedient:

  • Pre-selected by women („Von anderen Frauen für gut befunden)
  • Leader of men. (Anführer anderer Menschen)
Die Szene blendet um zu Edward am Telefon:

I told my secretary to make the arrangements. Didn’t she call you ?

[ Woman ] Yes, she did. I speak to your secretary more than I speak to you.

– I see. – I have my own life too, you know, Edward.

This is a very important week for me. I need you here.

But you never give me any notice. You just think I’m at your beck and call.

I do not believe that you are at my beck and call.

Well, that’s the way you always make me feel.

Hier wird noch einmal etabliert, dass er sehr beschäftigt ist und gleichzeitig hoher Status etabliert. Er ist ein gutaussehender, gut gekleideter Mann,  mit Sekretärin, die ihm die Verwaltung abnimmt. Seine Freundin möchte mit ihm zusammen sein, aber er hat keine Zeit, deswegen ist sie sauer. Sie beschwert sich. Edwards Reaktion:

– Maybe I should just move out. – If that’s what you want, yes.

All right, when you get back to New York, we’ll discuss it.

– Now is as good a time as any. – That’s fine with me, Edward. Good-bye.

– [ Click ] – Good-bye, Jessica.

Sie schiebt einen Shittest nach. „Vielleicht sollte ich ausziehen“. Seine Stimme wird eine deutliche Spur härter, er läßt sich nicht erpressen, bestätigt es ruhig. Sie rudert zurück, will es später mit ihm diskutieren. Er bleibt hart, erzwingt die Entscheidung. Sie knallt den Hörer auf. Er verabschiedet sich dennoch ruhig. Er ist damit quasi Single, was ebenfalls für die Story wichtig ist, aber nur weil er nicht hinnimmt, dass sie nicht akzeptiert, dass er beschäftigt ist.
Das Ende der Beziehung wird noch weiter durch die Zwei folgenden kurzen Szenen ausgeglichen:

Phil suggested that maybe I should take a l– – Phil is just my lawyer, okay ?

– Yes, sir. – How did the Morse stock open at the Nikkei ?

– I don’t know. – You don’t know ? Tokyo opened maybe 90 minutes ago.

– You have to keep on top of these things, all right ? – Done.

Man beachte seine dominante Art gegenüber dem Angestellten, der ebenfalls ein Anzugträger ist. Er macht deutlich, dass er die Entscheidungen trifft und das er weltweit tätig und wichtig ist.

Nach diesem weiterem Statusaufbau (Leader of men) wird noch einmal betont, dass er Erfolg bei Frauen hat:

– Edward ! – Susan !

– Hi. – Hi. [ Kiss ]

– I was sorry to hear about Carter. – Oh, yeah. Thanks.

-Heard you got married. -Well… yeah. I couldn’t wait for you !

– [ Laughs ] – Mmm. Susan, tell me something.

– Yes ? – When you and I were dating,

did you speak to my secretary more than you spoke to me ?

She was one of my bridesmaids.

Hmm. Your husband’s a very lucky guy.

– [ Kiss ] Bye. – Thanks, bye.

Man beachtet dabei, wie sie ihn bemerkt, wie sie zu ihm kommt, wie er sie mitzieht, wie sie ihn anschaut, wie sie betont, dass sie nicht auf ihn warten konnte. Seine Redestil bleibt dominant. „Tell me something“. Da ist bewußt kein Fragezeichen in dem Transscript. Er bewertet, dass ihr Mann ein glücklicher Kerl ist. Sie schaut ihm nach als er weggeht. Die ganze Szene lässt ihn gut darstehen, auch wenn sie mehr mit seiner Sekretärin geredet hat als mit ihm. Es macht deutlich, dass Frauen ihn trotzdem wollen. Statusaufbau eben.

Es folgt eine Szene, in der er sich das Auto seines Anwalts nimmt, dem ersichtlich nicht wohl dabei ist, der aber nichts dagegen machen kann, weil Edward statushöher ist.

Wir haben also in ca. 3 1/2 Minuten ein gutes Gefühl für unsere männliche Hauptperson erhalten.

2. Vorstellung Vivien

Es folgt eine Darstellung Vivien. Es wird ihre miese Gegend gezeigt, mit Drogenhandel, Graffiti, Sirenen, Prostituierten. Dann eine Überblendung auf ihre Wohnung, ihr Schlafzimmer, ihren Körper in Unterwäsche. Sie sieht gut aus. (sicherheitshalber wurde für die erste Szene meines Wissens nach ein Bodydouble genommen) . Wir sehen zudem, dass sie arm ist. Ein Bild an der Wand zeigt ein Paarbild auf dem der Männerkopf abgerissen wurde und das damit vielleicht auf eine kürzliche Trennung hinweist. Im dreckigen Hausflur sammelt einen Stock tiefer ein Schuldeneintreiber die Miete ein, Rachel hat diese nicht und flüchtet über die Feuerleiter. Sie sucht ihre Freundin und kommt auf dem Weg an einer Leiche vorbei, eine Kollegin, die in einem Abfallcontainer gefunden wurde. Sie findet ihre Freundin in einem Club und fragt sie, ob sie die eigentlich zurückgelegte Miete ausgegeben hat, was sie hat, und zwar für Drogen. Schulden hat die Freundin auch. Die Freundin plündert noch die Cocktailszutaten der Bar, weil sie arm ist. Ihre Freundin ist die arme, abgebrühte Prostituierte ohne Hoffnungen, aber Vivien hat noch Ziele:

Don’t you want to get outta here ?

Get outta where ? Where the fuck you wanna go ?

Das zeigt sich auch im folgenden Dialog auf dem Strich:

It’s lookin‘ really slow tonight.

Yeah, well… maybe we should get a pimp, you know. Carlos really digs you.

And then he’ll run our lives and take our money. No.

You’re right. We say who, we say when, we say how much.

Sie ist eine gute Prostituierte, die sich nichts vorschreiben läßt und selbstbewußt für sich selbst arbeitet. Sie entscheidet, ob sie mit jemanden schläft und für wie viel. Auf eine Demonstration ihrer Berufsausübung mit einem Kunden wird verzichtet, sie bleibt unberührt, stolz. Sie ist neu in dem Job, gerade zu unschuldig. Etwas Statusaufbau innerhalb der Ausgangslage als arme Prostituierte.

3. Das erste Treffen 

Edward kommt vorbei in dem Lotus, er kommt erkennbar nicht mit dem Wagen zurecht und hält kurz neben den beiden Frauen. Vivien und Freundin meinen einen reichen Freier an der Angel zu haben und Vivien macht sich bereit ihn zu schnappen. Der erste Dialiog der beiden:

Hey, sugar, you lookin‘ for a date ?

No, I wanna find Beverly Hills. Can you give me directions ?

Er ignoriert ihr sexuelles Angebot, hält alles asexuell, fragt einfach nur nach dem Weg, gibt nicht zu erkennen, dass sie ihn irgendwie interessiert. Er will nur wissen, wo er lang muss.

Sure. For five bucks.

– Ridiculous. – Price just went up to ten.

You can’t charge me for directions.

I can do anything I want to, baby. I ain’t lost.

Hier wird er herausgefordert und zunächst eine kleine Konfrontation aufgebaut. Das ist schon allein nötig, weil der Statusunterschied zwischen den beiden durch die verschiedenen Rollen sehr hoch ist, auch wenn sie eine hübsche Frau ist. Es ist bereits etabliert, dass ihn Schönheit nicht beeindruckt, wenn man ihren Status darstellen will, dann muss sie also einen kleinen, wenn auch unbedeutenden Sieg gegen ihn erringen bzw. deutlich machen, dass sie sich durchsetzen kann, auch wenn er sonst ein dominanter Mann ist.

All right, okay ?

All right. You win, I lose. Got change for a 20?

For 20 I’ll show you personal. Even show you where the stars live.

– Oh, that’s all right. I already been to Stallone’s. – Right. Uh, down the street.

So schnell sitzt sie bei ihm im Auto. Die Hauptpersonen sind zusammengebracht. Er hat nachgegeben, aber da bereits vorher dargestellt wurde, dass er die Richtung nicht findet und alles verwirrend ist und zudem klar ist, dass 20 $ nichts für ihn sind, ist es ein Sieg, der ihn nicht groß beeinträchtigt. Er nimmt ihn mit ruhigen Ton hin. Er erkennt an, dass sie hart verhandelt und respektiert das. Und es ist nachvollziehbar, warum er es akzeptiert. Dadurch, dass sie von hinten den „Freund“ von ihrer Freundin kommen sieht, der fordernd auftritt wird zudem noch deutlicher, dass sie dort nicht bleiben kann und besser mit ihm mitfährt.

Er beginnt dann ein ganz normales Gespräch mit ihr:

I guess this is not the greatest time to be a hooker, is it ?

Look, I use condoms always. I get checked out once a month at the free clinic.

Not only am I better in the sack than an amateur, I am probably safer.

I like that. That’s very good.

Der klassische Aufbau im Pickup ist ja zunächst Attractionmaterial zu zeigen und auf Zeichen von Interesse zu warten. Dann sie dazu zu bringen, sich zu qualifizieren und ihre dort gezeigten Qualitäten anzuerkennen. Er fährt mit einem Lotus vor, ist im Anzug gekleidet, ist erkennbar hoher Status und spricht vornehm und gewählt. Sie kommt zu ihm. Dann Qualifiziert sie sich zunächst durch hartes Verhandeln, was er anerkennt, dann durch die Angabe, dass sie gesund und gut im Bett ist. Er erkennt auch das an.

Er versucht sie weiterhin wie eine Geschäftsfrau zu behandeln und schiebt einen kleinen Neg nach:

Should have that printed on your business card.

– If you’re makin‘ fun of me, I don’t like it. – No, I’m not making fun of you.

No, I’m not makin‘– I’m not. I wouldn’t offend you. I’m sorry.

Er merkt, dass er so nicht weiter kommt. Also wechselt er zu klassischem Komfort und macht deutlich, dass er sie respektiert und geht auf eine persönlichere Ebene, indem er nach ihrem Namen fragt.

What’s your name ?

What do you want it to be ?

– Vivian. My name is Vivian. – Vivian.

Die Frage wirkt interessiert. Sie schiebt einen „Prostituiertenspruch“ zwischen sich und ihn. Ein „Ich bin, was immer du willst, aber nicht ich“. Er reagiert mit einem Gesichtsausdruck und einem leichten Schieflegen des Kopfes, dass besagt „Die Spiele kannst du mit anderen machen, ich will wissen, wer du bist“. Er behandelt es also als Shittest und will mehr von ihm. Sie gibt nach und sagt ihren Namen.

Danach folgt der Name des Hotels (auch wieder etwas Statusaufbau über ein Nobelhotel, aber alles andere wäre auch nicht mehr zur Rolle passend gewesen). Sie plaudert über das Auto, ist begeistert davon, sie reden darüber, warum sie so viel über Autos weiß. Sie erzählt von Jungs, die an ihren Autos rumgebastelt haben. Im Gegenzug fragt sie, warum er so wenig weiß:

So how is it you know so little about cars ?

[ Exhales ] My first car was a limousine.

Es wird also erneut betont, dass er reich ist, reiche Eltern hat, sozusagen aus gutem Haus kommt. Klassische Attraktivitätsmerkmale. Dass er es als Eingeständnis seiner schlechten Autofahrkünste bringt macht es weniger aggressiv, erlaubt es ihm, es zu erzählen, ohne das es prahlerisch wirkt. Dann verschaltet er sich wieder. Sie spricht ihn darauf an:

You’re not shifting right. This is a standard „H.“

Standard „H.“ Like I know what that means.

– [ Laughs ] – Have you ever driven a Lotus ?

– No. – You’re gonna start right now.

– You’re joking. – No. It’s the only way I can get you off my coat.

Man beachte seinen dominanten Redestil. „Du fängst jetzt damit an“ und „Nein“. Er fragt sie nicht, ob sie fahren will, er stellt es fest. Dann schiebt er noch einen kleinen Neg darüber, dass er sie von seinem Anzug runterhaben will nach. Es ist gleichzeitig Comfort, denn er erklärt, dass er ihr genug vertraut um sie an das Steuer dieses sehr teuren Wagens zu lassen. Er erkennt damit zugleich ihr Qualifiing aus ihren Angaben, etwas von Autos zu verstehen an.

Sie quatscht fröhlich weiter über die Besonderheiten des Autos, darüber, wie die Länge der Füße mit der Länge des Arms zusammenhängt. Er kommt auf ihren Beruf zurück:

Tell me, what kind of– what kind of money you girls make these days ?

Ballpark.

Can’t take less than 100 $ .

– A hundred dollars a night. – For an hour.

An hour ?

You make 100 $ an hour and you got a safety pin holding your boot up ?

You gotta be joking.

– I never joke about money. – Neither do l.

Hundred dollars an hour.

Pretty stiff.

Well, no. But it’s got potential.

Er redet über Geld und sie entdecken immerhin eine Gemeinsamkeit. Sie zieht es dann über das Wortspiel wieder ins Sexuelle, allerdings wird dabei auch ihre Unbekümmertheit deutlich, mit der sie an die Sache herangeht. Er zieht die Augenbraue mit einem „Nimm bitte die Hand von meinem Penis“ Blick hoch, sie macht es dann. Wieder zeigt er sich vollkommen unbeeindruckt von ihrer Sexualität, ist in keiner Weise needy.

4. Die erste Nacht

Vor dem Hotel angekommen verabschieden sie sich. Sie wartet darauf, dass er mehr will. Er bleibt entspannt und gelassen:

Ah. We’re here.

Yeah.

So you’ll be all right ?

Yeah, I’m gonna grab a cab with my twenty bucks.

– Go back to your office. – [ Laughs ] Yeah.

My office. Yeah.

Well, thanks for the ride.

– See you. – Good-bye.

Man beachte seinen harten, ernsten Gesichtsausdruck. Dann, im Umdrehen, scheint er doch noch eine andere Idee zu haben:

No taxis ?

No, I like the bus.

I was thinking– Did you really say 100 $ an hour ?

– Yeah. – Yeah.

Well, if you don’t have any prior engagements,

I’d be very pleased if you would accompany me into the hotel.

You got it.

Er bleibt auch hier sehr formell, passend zu seinem „höheren Stand“.

Im Hotel selbst wird dann dieser Unterschied auch noch einmal deutlicher. Sie ist beeindruckt von dem Luxus, alle merken trotz geliehenen Mantel, den sie aber recht offen trägt, dass dies nicht ihre Welt ist. Sie sieht aus wie eine billige Prostituierte. Und sie merkt, dass sie dort nicht hinpasst. Am Fahrstuhl macht sie ihm eine Szene. Provoziert die anderen. Er bleibt ruhig. Sie entschuldigt sich. Ihr Schönheit oder Sexyness wird noch einmal betont, indem der Liftboy ihr hinterherschaut. Es ist etwas Zusammenprall zweier Welten. Er lebt erkennbar in einer anderen Welt als sie. Richard Geres Auftreten ist großartig. Er spielt den Weltmann perfekt.

Er wohnt (natürlich) im Penthouse. Sie ist beeindruckt.

(Wird fortgesetzt)

Menstruationsblut und Feminismus

Ein der merkwürdigeren Ideen im Feminismus ist, dass nichts, dass im Zusammenhang mit Frauen steht, irgendwie schlecht sein kann oder in irgendeiner Form eine Abwertung erfahren kann.

Die Menstruation ist dabei so weiblich, wie etwas nur sein kann, also sind alle Reaktionen darauf, die in irgendeiner Form als Unbehagen verstanden werden können, nach dieser Einstellung sexistisch.

Im Feminismus wird insofern dafür geworben, dass Menstruationsblut etwas ganz normales ist (was es ja auch ist) und demnach in keiner Weise abgewertet werden darf.

Natürlich ist Nasenschlein, Kot und sonstiges Blut auch etwas ganz normales. Dennoch sehen wir es nicht gerne, finden es unrein und wollen nicht gerne damit in Berührung kommen.

Das führt dann zu Auswüchsen wie diesen:

Menstruationsblut darf nicht ekelig sein

Menstruationsblut darf nicht ekelig sein

Ich behaupte mal, dass die meisten Frauen das ebenso finden und einen Mann, der blutverschmiert für einen Kuss nach oben kommt nun auch in den seltensten Fällen begeistert küssen würden. Die meisten Frauen würden es wohl eher ekelig finden, wenn er sie überhaupt in dieser Zeit lecken will (wobei es bei einem Tampon aus meiner Sicht sogar relativ unproblematisch ist, aber das ist eine andere Sache)

Ein anderes Beispiel ist dieses hier:

Mein Menstruationsblut darf, darf, darf nicht ekelig sein

Mein Menstruationsblut darf, darf, darf nicht ekelig sein

Da hält sie ihre Menstruationstasse blutverschmiert ins Bild und beschwert sich, dass andere Frauen dafür von der Seite verbannt worden sind, dass sie Menstruationsblut gezeigt haben.

Aus ihrem Text dazu in der Übersetzung von hirngefickt:

Weißt du, wann du das letzte Mal Blut gesehen hast? War es im Fernsehen oder in einem Film oder einem Videospiel? Es war vermutlich erst vor kurzem – das letzte Mal, dass du dem Anblick von Blut ausgesetzt warst. Wie hast du dich gefühlt? Dachtest du, der Regisseur der Serie oder des Films oder der Urheber des Spiels sollte, oh, ich weiß nicht, sich umbringen? Wahrscheinlich nicht. Mein Punkt ist, dass wir ständig Blut sehen. Es taucht regelmäßig auf und es ist ein Anblick, der als gesellschaftlich akzeptabel erachtet wird. Es ist gesellschaftlich akzeptiert, aus einem menschlichen Körper schießendes Blut in den Nachrichten zu zeigen und auch in jedem anderen Medium, das wir nutzen. Es ist allgegenwärtig und wir denken uns fast nichts dabei, außer, dass es oft mit Gewalt assoziiert ist. Und nun? Ich hab gerade in Call of Duty einem Kerl die Birne weggeballert. Ehrlich, so fühle ich mich jedes Mal. Blut und Gewalt und Gemetzel führen nicht automatisch dazu, dass entsprechende Filme für Kinder nicht freigegeben werden, also haben wir Kinder, die sich selbst Eintrittskarten kaufen und Filme anschauen können, die blutige Szenen darstellen, und im Großen und Ganzen ist das okay für uns. Was wir aber nicht tolerieren, ist der Anblick von Blut, das mit einer Vagina assoziiert wird, SELBST, wenn die Vagina dabei nicht gezeigt wird. Das ist ein Problem.

Eine der meistgenannten Rechtfertigungen, die Menschen für ihre Aggression und ihren Unmut genannt haben, ist, dass Menstruationsblut eine Körperflüssigkeit und somit eine intime Sache ist, um die man sich im Verborgenen kümmern sollte.
Das Problem an dieser Aussage ist allerdings, dass Blut nicht zu den Körperflüssigkeiten gehört, die wir – gesellschaftlich gesprochen – als anstößig empfinden. Wie ich bereits sagte: Blut ist omnipräsent in unseren jugendfreien Unterhaltungsmedien. Das gilt nicht für andere Körperflüssigkeiten. (…)
Wenn ich bei einer Party wäre und mir in den Finger schneiden würde, wäre, obwohl mir das Blut vom Finger tropfen würde, niemand zutiefst angeekelt oder würde sich beleidigt fühlen. Natürlich wäre es nicht angenehm, aber jemand würde mir ein Pflaster geben und ich würde nicht darum gebeten werden, zu gehen. Ich würde keine Scham oder Peinlichkeit empfinden. Ich müsste mir keine Sorgen um meinen Ruf machen. Das liegt alles an der kulturellen Akzeptanz von Blut. (…)

Aus meiner Sicht ist das durchaus etwas anderes. Denn zum einen ist Vaginalblut nicht einfach nur Blut. Hinzu kommen Sekrete und Teile der Schleimhaut, eben Teile der Gebärmutter. Zum anderen muss es eben niemand zeigen, es ist vollkommen unnötiges Blut. Selbst wenn in Videospielen dereinst braune Flecken in den Hosen dargestellt werden, weil die Gegner sich virtuell vor Angst in die Hose gemacht hätten, wäre es wohl wenig akzeptiert, wenn jemand Stolz seine kotbeschmierte Hose in den Instagram-Stream hängt.

Und niemand möchte in seiner Timeline unbedingt die Resultate eines feuchten Traum eines pubertierenden Jungen sehen, was auch etwas ganz natürliches ist oder dessen vollgewixte Taschentücher.

Natürlich: Die Menstruation ist etwas ganz normales und als solche muss sich eine Frau nicht für sie schämen. Aber wie bei allen Körperflussigkeiten muss man sie auch nicht in die Kamera halten.

Es gibt gute Gründe dafür, dass wir Körperflüssigkeiten allgemein meiden: Sie sind gute Krankheitsübertrager. Eine gewisse Abscheu davor ist insofern vollkommen normal.

Man kann den Kult um alles weibliche auch übertreiben.

Game of Thrones Staffel 6

Als Einstimmung auf die 6. Staffel, die am Sonntag dem 24.04.2016 startet, hier das Musical dazu:

 

Und noch mal als Extra daraus „Still going strong“. Dinklage hat Game in dem Video:

 

Und der Trailer noch dazu:

 

Und was meint ihr, wie es weiter geht?

Werdet ihr gucken, wartet ihr auf die Bücher (oder interessiert es euch eh nicht)?