Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. April 2016

Virtue Signalling

Ein Begriff, der wunderbar zu der Theorie, dass in der menschlichen Gesellschaft das Signalisieren positiver Eigenschaften aus evolutionären Gründen sehr wichtig ist, passt, ist das „Virtue Signalling“, also das Signalisieren, dass man Tugendhaft und Gut im Sinne bestimmter Werte ist (die in der Subgruppe, für die das Signalling bestimmt ist als Gut gelten ohne damit moralisch von jedem als Gut empfunden zu werden).

Für die Grundlagen verweise ich auf diese Artikel:

Virtue Signalling dient dabei darzustellen, dass man die „richtigen Werte“ verkörpert, was natürlich für Gruppenzugehörigkeit und andere Bereiche sehr wichtig sein kann.

Das „urban dictionary“ definiert den Begriff wie folgt:

Saying you love or hate something to show off what a virtuous person you are, instead of actually trying to fix the problem.
Jane: „Wow! I hate Fox News! They’re so evil and they hate women!“
John: „Why don’t you actually do something instead of just virtue signalling about it?“
Jane: „OMG that would be WAAAAAAY too much work“ *goes back to shitposting on twitter*

oder:

To take a conspicuous but essentially useless action ostensibly to support a good cause but actually to show off how much more moral you are than everybody else.
Fred: I see George has changed his profile picture to show his support for refugees.
Barbara: Has he donated money or time? Is he giving English lessons? Is he making a room available?
Fred: No, no, he’s just virtue signalling.

Und in einem anderen Artikel stellt der „Erfinder“ der Phrase folgendes dar:

To my astonishment and delight, the phrase ‘virtue signalling’ has become part of the English language. I coined the phrase in an article here in The Spectator (18 April) in which I described the way in which many people say or write things to indicate that they are virtuous. Sometimes it is quite subtle. By saying that they hate theDaily Mail or Ukip, they are really telling you that they are admirably non-racist, left-wing or open-minded. One of the crucial aspects of virtue signalling is that it does not require actually doing anything virtuous. It does not involve delivering lunches to elderly neighbours or staying together with a spouse for the sake of the children. It takes no effort or sacrifice at all.

Since April, I have watched with pleasure and then incredulity how the phrase has leapt from appearing in a single article into the everyday language of political discourse. One of the first journalists to pick up on the phrase was Liz Jones in the Mail on Sunday on 3 May. Not long after, Libby Purves used it in the Times (11 May). Janan Ganesh in the Financial Times (20 July) wrote about Labour party leaders for whom ‘Europeanism is just a virtue-signalling gesture like wearing a charity ribbon’. Two days later, Helen Lewis used it in the New Statesman, saying ‘a lot of what happens on Facebook, as with Twitter, is “virtue signalling” — showing off how right on you are’.

Natürlich geht das in allen Bereichen: Auch wer in passenden Kreisen deutlich macht, dass er Flüchtlinge oder Ausländer hasst betreibt in Bezug auf diese Gruppen „Virtue signalling“. Die radikale intersektionale Feministin mag deutlich machen, dass sie alle weißen Feministinnen verabscheut, der radikale Maskulist, dass er niemals auch nur irgendeine Form von Feminismus akzeptieren wird.

Kurz gesagt kann man darunter also alle Signale an die (erweiterte) In-Group verstehen, die dazu dienen, einen als überzeugt von für diese wichtige und dort als moralisch richtig angesehene Werte darstellen und somit den eigenen Wert zu erhöhen.

Natürlich kann die Abgrenzung schwierig sein. Es kann durchaus angezeigt sein, dass man Zusammengehörigkeit darstellt, deutlich macht, dass man etwas verurteilt oder eine bestimmte Position bezieht. Dass man gut darsteht kann auch einfach ein Nebeneffekt einer tatsächlich guten Tat sein oder das Ganze insgesamt eine „Mischkalkulation“.

Die enorme Bedeutung des eigenen Rufs auch in evolutionärer Hinsicht ist bei einer Spezies, die kommunizieren kann, leicht erkennbar. Es wäre also verständlich, wenn wir gerne entsprechendes Signalisieren wollen und Gelegenheiten dafür nutzen. Das vielleicht gerade dann, wenn wir unsere Gruppenzugehörigkeit als gefährdet ansehen oder für angreifbar halten – das wird auch der Mechanismus sein, der dazu führt, dass bei vielen Schwulenhassern herauskommt, dass sie selbst schwul sind. Sie signalisieren mit ihrer Ablehnung der Homosexualität eben ihre Tugendhaftigkeit, zB in religiösen Kreisen. Das Phänomen könnte auch gut bei männlichen Feministen greifen, die dann eben besonders signalisieren müssen, dass sie (toxische) Männlichkeit ablehnen und bei radikalen Maskulisten, die besonders deutlich machen müssen, dass sie Frauen verachten und sie abweisen (und nicht etwa andersherum).

Ich denke es ist ein Konzept, dass häufig einschlägig sein könnte.

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Responses

  1. Kein Wunder, dass dumme Frauen nicht nachvollziehen können, warum jemandem MaleTears oder #killallmen übel aufstoßen kann.

    Sie zeigt damit doch nur, dass sie zu den Guten gehört!?

    Der Inhalt ist austauschbar und wär früher „Kauft nicht bei xxx“ oder „Robbensterben muss aufhören“ gewesen

  2. Im Deutschen würde man wohl bei starkem „virtue signalling“ von Pharisäertum sprechen; allerdings ist das „virtue signalling“ im Gegensatz zu den „costly signals“ eben nicht „costly“, sondern ausgesprochen billig. Es scheint mir eher ein Signal von Schwäche zu sein, da man sich damit einer Gruppe anbiedert. Je weniger gut ich in die Gruppe integriert bin, desto deutlicher muss ich signalisieren, dass ich doch ein gutes Gruppenmitglied bin und allen Gruppenrichtlinien folge.

    Moderate „virtue signaller“ sind also Fische, die mit dem Strom schwimmen.
    Starke „vs“ versuchen ggf. damit ihre Gruppe stärker abzugrenzen (zu radikalisieren) und damit zu stabilisieren.

    Schön beobachten lassen sich sowohl „costly signals“ als auch „virtue signals“ bei Jugendlichen: Junge Männer fahren besoffen Auto und junge Frauen preisen Musiker/Schauspieler/.. A aber finden B ganz, ganz schlecht.

    • Es scheint mir eher ein Signal von Schwäche zu sein

      Oh ja. Bei mir gibt’s um die Ecke einen Supermarkt/Einkaufszentrum, vor dem sich die Lokale (drogen)Szene trifft. Einer, den ich da schon öfters gesehen habe, hat einen Hoodie mit dem Aufdruck „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder“.

      Mein erster Gedanke war damals: „Wenn man so niedrig in der sozialen Hackordnung steht, dass echt nur noch Kinderschänder unter einem sind, ist es wirklich so geschickt, dass aller Welt mitzuteilen?“.

      Ok, ich kenne seine Geschichte nicht, Vielleicht ist er ja wirklich irgendwie persönlich Betroffen, aber die Tatsache, dass es das Shirt zu kaufen gibt sagt mir, dass er sich vmtl eher „angeschlossen hat“.

  3. Im Gegensatz dazu gab es früher mal die Maxime „Practice what you preach“, also die Forderung nach Übereinstimmung des eigenen Handelns mit der verbal signalisierten Ideologie.

    Für mich immer noch der Test für die Ernsthaftigkeit der geäußerten Moral. Ein Großteil der moralischen Lautsprecher sind einfach nur Heuchler, die fordern, dass andere (=der Staat) ihre Moral durchsetzen.

  4. Wie bewerten wir vor diesem Hintergrund das ostentative Gassen-Deutsch der netzfeministinnen, insb. mit der Person stokowski zur Kolumne in einem führenden dt. Online-Medium?

    Meine Bewertung: Stokowski vergleicht sich mit einem Auto. Passt! Des Deutschen liebste Kinder. Okay….bei Feministinnen nur Kinder.

    Femis sind vor der Komplexität unserer Welt erschlagen. Deshalb diese einfache Ideologie aus mann-frau anhand derer sie das Weltgeschehen erklären wollen…und an ihrer Sprache sieht man das.

    • Sie vergleicht sich nicht mit einem Auto, sie konstatiert, dass das sexuelle Selbstbestimmungsrecht einer Frau in Deutschland weniger wert ist, als das Eigentumsrecht an einem Auto.

      • Also nur eine Variation des „Frauen sind Vieh“:

        Unvergesslich lustig: Matt Binder und sein „Women are Chattle….“

        zB hier:
        http://www.youtube.com/watch?v=MKlrOBPorUA

        • Ich habe jedenfalls noch keine überzeugende Kritik am feministischen Vorstoß „Nein heißt Nein“ gelesen, die mich zu der Überzeugung gebracht hat, dass dies eine schlechte Idee ist.

        • @adrian

          Ich stimme zu: Eine Vergewaltigung sollte auch dann strafbar sein, wenn er sich vorsätzlich lediglich über ihren Willen hinwegsetzt.

          Ich halte allerdings die Fälle für minimal, in denen es nur um den Willen geht.

          Der Nachweis des Vorsatzes wird auch entsprechend schwer sein in den uneindeutigen Situationen. Natürlich bietet Vorsatz aber auch ein Einfalltor für Fehlurteile, da er gerne unterstellt wird.
          Was mich an dem feministischen Vorstoß „Nein heißt Nein“ stört, ist dass er weitaus weitergehender wäre, würde man ihn eins zu eins umsetzen. Denn „Nein“ ist eben nicht eindeutig. Ein gehauchtes Nein, bei dem man davon ausgeht, dass sie sich etwas ziert, ist kein Nein im Sinne des Gesetzes. Überhaupt wird man sich seltenst mit einem einfachen Nein beschäftigen. Sprache und Verhalten ist immer Kontextabhängig und muss interpretiert werden und das aus dem Empfängerhorizont und unter hinzuziehung der Unschuldsvermutung.

          Zur Gesetzesänderung auch noch:
          https://allesevolution.wordpress.com/2016/03/17/gesetzentwurf-zur-verbesserung-des-schutzes-der-sexuellen-selbstbestimmung/

        • Dass Feministen nach einem solchen Gesetz rufen, macht mich ja auch skeptisch. Ich kann aber ab dem Grundsatz „Nein heißt Nein“ erst mal nichts falsches erkennen. Und wenn sie „Nein“ haucht, dann lässt man es eben, bis sie einverstanden ist.
          Mir erscheint das aus meiner sexuellen Erfahrung völlig normal, dass ich eine Ablehnung oder ein Zögern respektiere.

        • Das liegt nur daran, dass der Spruch „nein heisst nein“ für sich genommen sonnenklar ist.

          Welchen Vorstoss genau meinst du? Es kommt ja immer darauf an, was konkret geschrieben wird und welche Forderungen erhoben werden, damit dieses „nein heisst nein“ auch gelten kann.

          Aber ist es nicht schon sehr herablassend, den Leuten schonmal klar zu machen, dass sie über solche einfachen Wahrheiten wie „nein heisst nein“ belehrt werden müssen? Könnte es sein, dass sie die Menschen derart belehren müssen, weil sie so dumm sind, das nicht zu begreifen?

        • Der Vorstoß ist, nichtkonsensualen Sex auch dann zu bestrafen, wenn die Frau sich nicht wehrt.

        • Die Sache mit der „§chutzlücke“…?

          Wenn du irgendwelche Gefühle versuchst zur Grundlage der Rechtsprechng zu machen, verlierst du die Bodenhaftung, die nunmal auf objektiven Tatsachen und Beweisen beruhen muss.

        • Eine verbale Ablehnung ist kein Gefühl. Mit dem Auto eines anderen Menschen zu fahren ist auch nicht erst dann strafbar, wenn der Besitzer sich wehrt.

        • Adrian trollt wieder und tut so, als verstehe er mens rea nicht.

        • >>“Mit dem Auto eines anderen Menschen zu fahren ist auch nicht erst dann strafbar, wenn der Besitzer sich wehrt.“

          Es gibt kein Eigentum an Sex, weil Sex etwas ist, dass entsteht und vergeht, wenn zwei oder mehr Menschen zusammenkommen.

          Ein Auto gehört nicht erst dir, wenn du einsteigst und alle anderen nichts dagegen haben. Es gehört dir und nur dir seit dem Zustandekommen eines wirksamen Kaufvertrags.

          Überhaupt rate ich dringend von diesen Rechtsgütervergleichen ab. Da setzt man sich regelmäßig in die Nesseln. Der Gebrauchsdiebstahl von Fahrzeugen ist nur strafbar, weil man Dritte schützen möchte…

          Wer „Nein heißt Nein“ sagt, ist letztendlich inkonsequent. Er müsste analog zum Rechtsgut Eigentum „Ja heißt Ja“ fordern. Jeder Sex ist illegal bis beide ihn legalisiert haben. Genauso wie Aneignung oder Gebrauch des Eigentums anderer strafbar ist, es sei denn, man hat eine positive Willenserklärung abgegeben.

          Das ist Blödsinn.

        • Blödsinn weil es lebensfremd ist. Blödsinn, weil es das natürlichste der Welt unter einen erheblichen Rechtfertigungsdruck setzt.

        • Ja klar. Wer einer Meinung nicht hundertprozentig zustimmt, der trollt.

          Die Beweislast liegt übrigens auch bei „Nein heißt Nein“ immer noch beim Kläger.

        • Mit dem Auto eines anderen Menschen zu fahren ist auch nicht erst dann strafbar, wenn der Besitzer sich wehrt.

          Der Besitzer des Autos wehrt sich dadurch, dass er sein Auto abschließt. Natürlich ist es auch strafbar, wenn man ein unabgeschlossenes fremdes Auto einfach benutzt, aber im sozialen Nahfeld sieht die Sache ganz anders aus.

          Wenn es ins soziale Nahfeld geht, ist die Sache eben nicht so einfach, wie es dargestellt wird. Das ist ein komplett weltfremder Vergleich.

          Dann muss man übliche Gepflogenheiten berücksichtigen, bevor man eine strafrechtliche Schuld definiert. Insbesondere ist das Strafrecht nicht dazu da, um Gepflogenheiten nach feministischen Idealen zu normieren.

          Insbesondere geht es hier nicht um ein Entwendungs-, sondern um ein Gewaltdelikt. Den „Beischlafdiebstahl“ hat man aus gutem Grund aus dem Strafrecht herausgenommen – offenbar will aber Feminismus mit aller Macht zurück in das Sittenstrafrecht der 1950er.

        • @nick

          Tatsächlich war das Fahren mit dem Auto eines anderen Menschen eine ganze Zeit nicht strafbar, wenn man es sich nicht aneignen wollte. Fehlte die Aneignungsabsicht, dann war es eine straflose Gebrauchsaneignung. Die Rechtsprechung half sich mit einem „Diebstahl am Benzin“, der verbraucht wurde bis dann 1969 ein extra Paragraph ins StgB eingefügt wurde

          § 248b STGB
          Unbefugter Gebrauch eines Fahrzeugs

          (1) Wer ein Kraftfahrzeug oder ein Fahrrad gegen den Willen des Berechtigten in Gebrauch nimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

          (2) Der Versuch ist strafbar.

          (3) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt.

          (4) Kraftfahrzeuge im Sinne dieser Vorschrift sind die Fahrzeuge, die durch Maschinenkraft bewegt werden, Landkraftfahrzeuge nur insoweit, als sie nicht an Bahngleise gebunden sind.

          Und auch hier ist natürlich Vorsatz zu prüfen. Wenn der fehlende Wille nicht erkennbar war, weil man schon sonst immer das Auto geliehen hat oder man vorher verabredet hat, dass er das Auto fahren darf und er das Nein für nicht ernst gemeint hielt, dann fehlt der Vorsatz.

        • „Jeder Sex ist illegal bis beide ihn legalisiert haben.“

          Klingt logisch. Immerhin ist Sex Benutzung und Aneignung eines anderen Körpers zwecks Bedürfnisbefriedigung.

        • Klingt logisch.

          ..und was logisch klingt machen wir einfach mal top-down zur massiv strafbewehrten Norm.

          Es „klingt auch logisch“, dass „natürlicher“ Sex der Fortpflanzung dient..

        • @ Nick
          Den Vergleich verstehe ich nicht. Noch mal: Ich gehe vom Selbstbestimmungsrecht des Menschen über seinen Körper aus. Inwiefern ist es dann absurd zu behaupten, dass die „Benutzung“ eines anderen Körpers ein Einverständnis voraussetzt, um diese „Benutzung“ zu legalisieren?

        • „Eine verbale Ablehnung ist kein Gefühl.“

          Aber genau so wenig „justiziabel“, also idR nicht objektiv beweisbar.
          Und immer einen (heimlichen) Mitschnitt machen geht ja wohl auch nicht oder sollte die Privatspäre hier auf einmal nicht mehr gelten?

        • @alex

          Wenn sie nicht nachweisbar ist, dann muss eben freispruch erfolgen. Dazu wäre ja die Unschuldsvermutung da.

        • „Er müsste analog zum Rechtsgut Eigentum “Ja heißt Ja” fordern. “

          Die gleichen Leute, die das mit der „Schutzlücke“ betreiben, betreiben ebenso gerne die Aushöhlung der Eigentumsrechte, insbesondere zB das „Bilanzmodernisierungsgesetz“ bzw -e wären hier zu nennen. Aus diesem „Ja“ oben wollen sie also ein „Vielleicht“ machen.

        • ..es klingt für mich ziemlich lebensfremd, weil die Entscheidungsfindung und demzufolge auch die Kommunikation in sexuellen Dingen beim Homo Sapiens von einer hohen Ambiguität gekennzeichnet ist.

          Das muss natürlich nicht immer und bei jedem so sein. Manchmal und bei Manchen ist ein „Nein“ tatsächlich frei von jeglicher Ambiguität. Wenn es aber um das Strafrecht geht, dann kann man das nicht legitim voraussetzen. Das wäre Sittenstrafrecht, weil man so eine rigide Norm für die Aushandlung von Sexualität setzte.

          Die Schwelle zur strafbewehrten Norm hat man deshalb bei der Überwindung eines körperlichen Widerstandes gesetzt.

          Das ist mitnichten eine Ausnahme, wenn ich einen Geldschein mit der Aufschrift „Ich will nicht, das jemand diesen Geldschein mitnimmt!“ auf die Straße lege werde ich auch Schwierigkeiten bekommen, den Entwender wg. Diebstahles belangen zu lassen.

        • „Wenn sie nicht nachweisbar ist, dann muss eben freispruch erfolgen. Dazu wäre ja die Unschuldsvermutung da.“

          Klar, deshalb sollte das auch ein Rohrkrepierer sein. Allerdings hängt das auch von der Praxis der Rechtsprechung ab, also von der Unabhängigkeit der Justiz….
          Auf jeden Fall gewinnen die Feministen, da eine höhere Rate von Freisprüchen ihrer Lügenpropaganda von der „rape culture“ nur dienlich sein kann. Sie verlieren nur wirklich, wenn ihre Gesetzeseingaben abgeschmettert werden.

        • @alex

          „Auf jeden Fall gewinnen die Feministen, da eine höhere Rate von Freisprüchen ihrer Lügenpropaganda von der “rape culture” nur dienlich sein kann. Sie verlieren nur wirklich, wenn ihre Gesetzeseingaben abgeschmettert werden.“

          Insbesondere wird es ja interessant die Zahl der Fälle und Verfahren zu vergleichen. Ich bezweifele, dass die stark nach oben gehen. Ein Großteil der Probleme bleibt ja bestehen. Und eine Frau weiß auch, dass sie unglaubwürdig wirkt, wenn sie eine Vergewaltigung nur mit einem Nein begründen will, ohne jeden Zwang seinerseits, ohne Abwehrreaktion ihrerseits. Eine tatsächliche Falschbeschuldigerin wird sich da eine andere Geschichte ausdenken.

        • „Immerhin ist Sex Benutzung und Aneignung eines anderen Körpers zwecks Bedürfnisbefriedigung.“

          Das ist aber ein negatives Bild von Sex. Könnte direkt aus dem Feminismus kommen. Sex steht und fällt doch mit der Gegenseitigkeit…

        • Allerdings hängt das auch von der Praxis der Rechtsprechung ab, also von der Unabhängigkeit der Justiz…

          Ja, und da sehe ich auch das Hauptproblem: Deutsche Gerichte entscheiden in freier Beweiswürdigung.

        • @nick

          Es gibt genug obergerichtliche Rechtsprechung dazu, wie man da zu verfahren hat. Und: Wie sollen sie auch sonst entscheiden?

        • @ Nick
          Kann ich nicht nachvollziehen. Ein Nein ist nicht von Ambiguität wenn es dabei bleibt. Und wenn einer Nein sagt, sollte man das respektieren. Wenn man sich gegen dessen Willen dennoch eines anderen sexuell bemächtigt, ist das m. E. Vergewaltigung.

        • Ich gehe vom Selbstbestimmungsrecht des Menschen über seinen Körper aus.

          Ich auch. Deshalb darf ein Mensch nicht eingesperrt werden, weil er das „ich ziere mich mal“-Spiel einer Frau mitspielt.

        • „Das ist aber ein negatives Bild von Sex“

          Das ist die faktische Zustandsbeschreibung.

          „Sex steht und fällt doch mit der Gegenseitigkeit“

          Eben. Die nicht gegeben ist, wenn eine Partei ablehnt.

        • „Deshalb darf ein Mensch nicht eingesperrt werden, weil er das “ich ziere mich mal”-Spiel einer Frau mitspielt.“

          Wird er ja auch nicht. Sie muss immerhin ihre Ablehnung beweisen.

        • @adrian

          Sie muss gar nichts beweisen. Der Staat muss es ihm beweisen, sie ist als Zeugin Beweismittel des Staates

        • Ja. Kommt aufs selbe raus.

        • Und ein Ich-ziere-mich-mal-Spiel ist kein Nein im Sinne einer Ablehnung.

        • @Christian: Es gibt genug obergerichtliche Rechtsprechung dazu, wie man da zu verfahren hat.

          Es gibt genug obergerichtliche Rechtsprechung dazu, wie man eine Urteilsbegründung zu verfassen hat. Ob man tatsächlich so verfahren hat ist in unserem Rechtssystem nicht nachprüfbar.

          Das ist natürlich unahängig davon, ob man objektive oder subjektive Tatbestände begründet, aber bei subjektiven Tatbeständen ist ein Urteil am wenigsten nachprüfbar.

        • Natürlich ist das nachprüfbar, über die Berufung oder die Revision. Zwar mit gewissen Einschränkungen, aber Grundlagen und Logik sind zu breiten bewerten

        • @Adrian

          Der Vorstoß ist, nichtkonsensualen Sex auch dann zu bestrafen, wenn die Frau sich nicht wehrt.

          Die Theorie, dass das z.Z. nicht strafbar wäre, ist schlicht falsch.

          > http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-02/medien-strafrecht-luegenpresse-journalismus-fischer-im-recht

          Das Gesetz und die Rechtsprechung setzen für die Strafbarkeit wegen sexueller Nötigung/Vergewaltigung seit nunmehr 18 Jahren gerade keinen körperlichen Widerstand des (weiblichen oder männlichen) Tatopfers mehr voraus. Schon in einem Grundsatzurteil vom 25. Januar 2006 (BGHSt 50, S. 359, 369) hat der BGH festgestellt, dass es ausreiche, wenn das Tatopfer aus Furcht vor Gewalt, etwa wegen der Erfahrung eines „Klimas der Gewalt“, auf Widerstand verzichtet

          Es geht also eher darum, ein halbwegs nutzbares Gesetz zu einem Gummiparagraphen zu machen.

          Und wie man es von anderen Themen kennt wie Staatliche Überwachung („es geht um terroisten/kinderschänder“) oder Kriegen („es geht um afghanische Schulmädchen/Massenvernichtungswaffen“) gelernt hat, wählt man als Mittel eine kombination aus die dreister Lüge und Apell an die Männlichkeit.

        • Und ein Ich-ziere-mich-mal-Spiel ist kein Nein im Sinne einer Ablehnung.

          Dann könnte sich der Angeklagte regelmäßig darauf berufen, dass er davon ausgegangen ist dass es ein „ich ziere mich mal“-Spiel war. Und das berücksichtigt eben (bisher) der Gesetzgeber aus gutem Grund von vornherein.

          Man kommt nicht umhin, soziale Gepflogenheiten bei der Gesetzgebung zu berücksichtigen – wenn man sich auf dem Boden der Menschenrechte bewegen will.

          Das Strafrecht ist nicht dazu da, eine 100%-Vollkaskoversicherung für die Achtung der Selbstbestimmungsrechte der Bürger untereinander zu sorgen. Das kann es in einem Rechtstaat nicht leisten.

        • Offensichtlich verstehe ich Heterosexualität nicht, wenn es die Norm sein soll, dass Männer trotz erkennbaren Unwillen der Frau, dennoch Sex mit ihr haben.

        • Natürlich ist das nachprüfbar, über die Berufung oder die Revision.

          Bei der Berufung stimme ich Dir zu, bei der Revision aber ist es weitverbreitete und akzeptierte Praxis, Urteile „Dichtzuschreiben“. Wogegen es praktisch keine Handhabe gibt.

          aber Grundlagen und Logik sind zu breiten bewerten

          Nachprüfbar ist lediglich, ob die Urteilsbegründung in sich logisch ist.

        • Auch sichergehen dichtschreiben erfordert Grundlagen und die Darstellung von Wertungen

        • trotz erkennbaren Unwillen

          Dann definiere mal „erkennbarer Unwille“ so, dass es rechtstaatlichen Kriterien genügt.

        • Zum Beispiel ein „Nein“, das nicht revidiert wird.

        • Auch sichergehen dichtschreiben erfordert Grundlagen und die Darstellung von Wertungen

          Als Deutscher Richter habe ich das unanfechtbare Dokumentationsmonopol über die Hauptverhandlung. Ich kann also immer jedes beliebige Urteil 100% revisionssicher begründen, wenn ich nur die Rechtssprechung des BGH kenne.

          Die Verteidungsstrategie bei einem verurteilungswilligem Gericht ist es, dem Gericht es möglichst schwer zu machen sein Dokumentationsmonopol zu mißbrauchen. Und das ist bei rein subjektiven Tatbeständen erheblich schwerer als bei objektiven Tatbeständen.

          Wenn es bei Kachelmann nur darum gegangen wäre, was in Herrn Kachelmanns Kopf vorgegangen sei hätte Herr Schwenn es mehr als verdammt schwer gehabt.

        • Zum Beispiel ein “Nein”, das nicht revidiert wird.

          Ein gehauchtes „Nein“ wird nicht revidiert und Adrian will den Angeklagten für >2 Jahre in den Bau versenken. Nein, wir setzen damit überhaupt keine äußerst rigide Norm, wie die Bürger auszuhandeln haben ob sie miteinander Sex wollen oder nicht.

        • Noch einmal: Vorsatz und Auslegung

        • „Nein, wir setzen damit überhaupt keine äußerst rigide Norm, wie die Bürger auszuhandeln haben ob sie miteinander Sex wollen oder nicht.“

          Wenn man den Sex faktisch als „Benutzung und Aneignung eines anderen Körpers zwecks Bedürfnisbefriedigung“ ansieht macht die rigide Norm schon Sinn. Besser gleich ganz verbieten. Nur so kann man die Bürger vor sich selbst schützen.

        • Allerdings. Irgendwie kann einem da schon die Lust vergehen….

        • Tja, mir vergeht die Lust auf Sex deswegen nicht. Die Definition bleibt dennoch korrekt. Lebt damit.

        • „Ein gehauchtes “Nein” wird nicht revidiert und Adrian will den Angeklagten für >2 Jahre in den Bau versenken.“

          Wenn klar bewiesen ist, dass er weitergemacht hat, obwohl sie unwillig war, hätte ich damit kein großes Problem.

        • Wenn klar bewiesen ist, dass er weitergemacht hat, obwohl sie unwillig war, hätte ich damit kein großes Problem.

          Natürlich hättest du das nicht. Mein Reden.

        • Noch einmal: Vorsatz und Auslegung

          Dann müsste es allerdings um „erkannten Unwillen“ gehen.

        • Die Definition bleibt dennoch korrekt. Lebt damit.

          Warum meinst du, andere müssten mit so einem Reduktionismus leben?

        • „Natürlich hättest du das nicht. Mein Reden.“

          Welches Problem hättets Du denn damit?

          „Warum meinst du, andere müssten mit so einem Reduktionismus leben?“

          Biete doch eine bessere Definition an. Ich lasse mich gerne überzeugen.

        • Welches Problem hättets Du denn damit?

          Ein massives menschenrechtliches, weil du „ihren“ (oft vermeintlichen) inneren Zustand zum Kriterium für die Schuld eines anderen machst.

          Ich verstehe vor allem dein Problem mit der aktuellen Rechtslage nicht. Jemand, der fest entschlossen keinen Sex will sollte doch in der Lage sein, z.B. Anstalten zu machen sich aus dem Bett zu entfernen. Mehr erwartet die derzeitige Rechtslage nicht an „sich Wehren“

          Biete doch eine bessere Definition an. Ich lasse mich gerne überzeugen.

          Warum sollte ich? Solche vereinfachenden Kurzdefinitionen können der ganzen Bandbreite, Vielschichtigkeit und gegenseitiger Verflechtung menschlicher Sexualität niemals auch nur ansatzweise gerecht werden.

        • Ich habe kein Problem mit der derzeitigen Rechtslage. Ich sehe nur kein Problem in der vorgeschlagenen Änderung. Möglicherweise täusche ich mich da, aberkannt mir hat hier noch keiner erklären können, was konkret an dieser Änderung schlimm wäre.

          „Solche vereinfachenden Kurzdefinitionen können der ganzen Bandbreite, Vielschichtigkeit und gegenseitiger Verflechtung menschliche Sexualität niemals auch nur ansatzweise gerecht werden.“

          Ich breche Dinge halt gern auf ihren Wesenskern herunter. Poesie und Philosophie mögen andere betreiben.

        • aber [..] mir hat hier noch keiner erklären können, was konkret an dieser Änderung schlimm wäre.

          Eine opferzentrierte Sicht auf das Strafrecht ist eben seit den 1980ern en voge. „Dank“ der PR-Fuzzis der Politiker – womit wir wieder beim Threadthema wären.

          In einem Rechtsstaat aber ist alleine die Schuld des Täters maßgeblich, und nur mittelbar das Leid des Opfers. Schuld bemißt sich dabei an der Verletzung klar und eindeutig definierter Verhaltensnormen.

          Wenn man eine „heile Welt“-Vorstellung von unserer Justiz ausgeht, ist diese Änderung tatsächlich recht unproblematisch, denn dann würde es, wie Christian darlegte, letztlich beim Alten bleiben: Wenn Jemand „Nein“ sagt und sich nicht entsprechend verhält, dann würde man eigentlich zugunsten des Täters grundsätzlich annehmen müssen, dass der Angeklage dieses „Nein“ nicht ernst genommen haben könnte. Die Neuregelung wäre also bestenfalls wirkungslos, ein symbolicher Akt des Virtue-Signaling unserer hochgeschätzten Politiker.

          Unsere Justiz ist aber leider alles andere als perfekt, und ich sehe nicht ein, warum es statthaft sein soll angebliche „Einzelfälle“ von Menschenrechtsverletzungen billigend in Kauf zu nehmen, bloß weil unsere Politikerzunft sich wieder mal als großer Frauenbeschützer profilieren möchte.

        • Ich breche Dinge halt gern auf ihren Wesenskern herunter.

          Eine fast Katholisch anmutende Vorstellung von „Triebbefriedigung“ ist allerdings, zumindest nach meiner Vorstellung, nicht der „Wesenskern“ der menschlichen Sexualität.

          Ich bezweifle, dass es einen solchen „Wesenskern“ überhaupt gibt.

        • Edit: „In einem Rechtsstaat aber ist alleine die Schuld des Täters strafechtlich maßgeblich“

        • Die Schuld wäre ja gegeben, wenn nachweisbar ist, dass er trotz Ablehnung weitergemacht hat.

          Aber ich nehme Abstand von meiner Zustimmung zu dieser Reform.
          http://www.novo-argumente.com/artikel/nein_zu_ja_heisst_ja_im_strafrecht

    • Der Auto-Vergleich ist doch schön?

      Die Objektifizierung eines Autos ist völlig unproblematisch. Ebenso unproblematisch ist es zumindest bis zu einem ausdrücklichen Verbot erlaubt, ein Auto (auch ein fremdes, so man es dabei nicht beschädigt) anzufassen. Übrigens auch an besonders „kitzeligen“ Stellen wie etwa dem Auspuff.

      Zusätzlich gilt beim Auto im Verkehr auch eine allgemeine Gefährdungshaftung wegen der Betriebsgefahr. Man sollte unbedingt bei Streitigkeiten aus sexuellen Verhältnissen auch eine Betriebsgefahr der Frau berücksichtigen. Dann müsste diese nachweisen, sich wie ein idealer Sexpartner verhalten zu haben.

      Ist doch wunderbar wenn Frau Stokowski sich damit gleichsetzen will?

  5. Fürwahr ein nützlicher Begriff für eine Sache, die schon immer sehr stark war und im Zeitalter des Internets (wo ja mehr gelabert wird) natürlich noch größere Dimensionen annimmt.
    Die Inflation dieser Signale hat wohl auch zu dem Überbietungswahn geführt, nach dem die Bewohner der verschiedenen Filterblasen immer versuchen, NOCH empörter über irgenwas zu sein.

  6. Kann mir jemand mal verraten, in welcher gesellschaftlichen Interaktion „virtue signaling“ keine Rolle spielt? Das ist einfach immer mit dabei.

    Schon deshalb, da „Tugenden“ eben die von der Gesellschaft geschätzten Werte sind, nach der klassischen Definition von Aristoteles in seiner Ethik.

    Und dies sind Werte der „Mitte“ und des „Masshaltens“: „Mut“ ist eine Tugend, aber Feigheit und auch der Übermut nicht.

    Die interessante Schlussfolgerung aus dem aristotelischen Tugend-Begriff ist, dass extreme Moralideologien wie der Feminismus im eigentlichen, begrifflichen Sinne kein „virtue signaling“ haben können, da der Begriff Tugend ihre unmenschlichen Moralvorstellungen nicht beschrieben kann.

    Selbstverständlich wird der Feminismus hier behaupten, Aristoteles sei eben Patriarchat und das mit irgendeinem schwarzen oder weiblichen Autor kontern, der die „Tugend“ über alles stellt.

    • Das ist eben der Unterschied. Die aristotelischen Tugenden kann man eigentlich nur leben; laut herauszuposaunen, man sei für Mäßigung und halte es für wichtig, Freunde zu haben, bringt eigentlich wenig.

      • Das liegt daran, dass die Tugenden nach Aristoteles von der Gesellschaft abhängen, dass es also eine allgemeine Anerkennung für Mut, Wahrhaftigkeit etc pp gibt.
        Wenn die Gesellschaft die Mässigung verloren hat und extreme Werte gelten, dann gelten auch die Tugenden nichts mehr, sind sinnlos geworden. Vielleicht hätte es Aristoteles sogar fern gelegen, einzufordern oder auch nur daran zu denken, dass in diesem Falle das Individuum einspringen muss.

        Obwohl keine absolute oder letzthinnige Begründung für die Tugenden gegeben wird (nur dass das Individuum, ist es tugendhaft, positiv von der Gesellschaft gesehen wird, sie also „gelebt“ werden), lässt sich sein relatives System aber nicht auf jede denkbare Gesellschaft anwenden, da die Werte, die Aristoteles als Tugenden nennt, wenig dehnbar sind.

    • Die interessante Schlussfolgerung aus dem aristotelischen Tugend-Begriff ist, dass extreme Moralideologien wie der Feminismus im eigentlichen, begrifflichen Sinne kein “virtue signaling” haben können, da der Begriff Tugend ihre unmenschlichen Moralvorstellungen nicht beschrieben kann.

      Zum einen:

      Warum kann ich eine Moralvorstellung nicht Tugend nennen, wenn ein anderer sie „Unmenschlich“ nennt?
      Vieles an der Gesellschaft und ihren Vorstellungen in der Aristoteles lebte, würde man heute „Unmenschlich“ nennen (Die Sklaverei, die Kriegsführung, Strafrecht, etc), trotzdem hatten sie doch offensichtlich Tugenden.

      Zum anderen:

      Der (heutige, realexistierende) Feminismus hat imho eigentlich keine sonderlich anderen Tugenden als der Rest der Gesellschaft. Im Gegenteil sind sie imho ziemlich konservativ, letztlich ist selbst Keuschhheit im feministischen Tugendkanon.

      Die Kriterien des „Genug“ werden nur – wie in den meisten Überlegenheitsbewegungen – so gelegt, dass sie sich Überschneiden.

      Nimmt ein weißer Mann beispielsweise die Tugend der Mildtätigkeit ernst genug, und hilft den „Bedürftigen“ Frauen so weit, dass man nicht mehr argumentieren kann, dass er nicht doch noch was schuldet, verletzt er die Tugend der Demut, da er andere Frauen im Feminismus „unsichtbar“ macht, und den Feminismus „hijackt“.

      Konkurriert er mit Frauen wie mit Männern, ist er neidisch, tut er es nicht, ist er (positive diskriminierung) eitel.

      Anders formuliert: Ein Tugendbild wie Aristoteles es vorsieht, setzt voraus, dass das zuwenig einer Tugend nicht das Zuviel einer anderen ist.

      • „Warum kann ich eine Moralvorstellung nicht Tugend nennen, wenn ein anderer sie “Unmenschlich” nennt?“

        Weil diese Tugenden keinen unbedingten Charakter haben können. Das beschreibt A. selbst gut. Im Mut liegt so zB immer Feigheit, nämlich das eigene Leben zu bewahren. Dies sei wertvoller als sich im Übermut Hals über Kopf auf den Feind zu stürzen, was nur allzuschnell im Tod endet.
        Es ist ausserdem allgemein üblich, übertriebene und kontraproduktive Moral als „unmenschlich“ zu bezeichnen. Das mit dem Übermut ist ein klares Beispiel.

        „trotzdem hatten sie doch offensichtlich Tugenden“

        Die Tugenden galten damals natürlich nur für die kleine führende Schicht, die Sklaven, die ganz grosse Mehrheit, wurden als Besitz angesehen. Aber ich würde behaupten, dass dieses keine Rolle spielt und A. hier ein Wertesystem mit allgemeinem Charakter beschreibt. Sonst wäre das alles nur geschichtlich interessant und keiner weiteren Auseinandersetzung wert.

        „Der (heutige, realexistierende) Feminismus hat imho eigentlich keine sonderlich anderen Tugenden als der Rest der Gesellschaft.“

        Die Werte des Feminismus sind: Glauben an eine Doktrin und konsequent danach handeln. Das Individuum ist nichts, die definierten Gruppen alles.
        Das weicht aber ganz erheblich von den Werten im Rest der Gesellschaft ab. Das ist nur noch häufiger bei den Islamgläubigen anzutreffen, was nebenbei erklärt, warum die Feministen die so gut leiden können.

        „Nimmt ein weißer Mann beispielsweise die Tugend der Mildtätigkeit ernst genug, und hilft den “Bedürftigen” Frauen so weit….“

        Die Tugend hier wäre die Grosszügigkeit, im Gegensatz zu Geiz (Gegenteil) und Verschwendung (übertriebene Grosszügigkeit).

        Dabei ist die Bewertung von „bedürftig“ entscheidend, ob man bei „Mildtätigkeit“ grosszügig oder verschwenderisch ist. Haben die das nicht wirklich nötig, wäre es Verschwendung.

        Die „Demut“ ist eigentlich die Tugend der Bescheidenheit. Gegenteil Protzen, Übertreibung wäre totales Zurückhalten.

        Ich sehe nicht, wie Grosszügigkeit und Bescheidenheit miteinander kollidieren könnten, im Gegenteil, sie passen gut zueinander. Die Untugenden Geiz und totales Zurückhalten passen ebenso gut zueinander wie Verschwendung und Protzen.

        Aristoteles hat darauf hingewiesen, dass die Tugenden zusammenhängen und keine vernachlässigt werden sollte, denn eine Untugend zieht leicht die andere nach sich (vgl. auch „die Stossstange ist aller Laster Anfang).

        Der Geiz zum Beispiel das totale Zurückhalten (als Abweichung von der Bescheidenheit). Das Protzen die Verschwendung, etc.

        Also kein Bedenken wegen:
        „Ein Tugendbild wie Aristoteles es vorsieht, setzt voraus, dass das zuwenig einer Tugend nicht das Zuviel einer anderen ist.“

        Wenn Tugenden kollidieren, dann muss da mindestens eine Untugend im Spiel sein.

        Dein konkretes Beispiel:
        „Nimmt ein weißer Mann beispielsweise die Tugend der Mildtätigkeit ernst genug, und hilft den “Bedürftigen” Frauen so weit, dass man nicht mehr argumentieren kann, dass er nicht doch noch was schuldet, verletzt er die Tugend der Demut, da er andere Frauen im Feminismus “unsichtbar” macht, und den Feminismus “hijackt”.“

        Diese „Mildtätigkeit“ könnte nur Verschwendung sein, mit keiner „Demut“ verbunden, sondern nur mit Protzen, also nur einem „virtue signaling“ dienend, welches man nur als „hypervirtue signaling“ bezeichnen könnte.

        Die Tugenden sind die Mitte gewisser Eigenschaftskontinuen, die das Individualinteresse am besten mit dem Gesellschaftsintresse vereinen, würd ich meinen. Aber nur in „guten“ Gesellschaften. Ob A. da nicht vielleicht auch eine ganz, ganz implizite Kritik an seine Gesellschaft mit richtete, ich kann es wirklich nicht sagen.

  7. Virtue Signallin wie arm ist das denn bitte? Noch dümmer gehts nicht. Ich geb offen zu, dass ich keine Ideale mehr habe und mir andere Leute großteils egal sind und mir meine Bedürfnisse wichtiger sind als das Leben anderer oder deren Wohlergehen. Ich kauf auch aus Massentierhaltung, Fairtrade geht mir am Popo vorbei und ob Kellner etc gut bezahlt werden ist mir auch egal. Hab irgendwann gemerkt, dass jedes andere Verhalten dumm ist.

  8. Ich habe ja in meinem Artikel vom 7. April „virtue signaling“ mit Gutmenschentum übersetzt. So wie Du es interpretierst ist es eher Mitläufertum. Letzteres ist nicht notwendigerweise negativ konnotiert. Der Originalbegriff in Englisch und Gutmenschentum sind beide abwertend gemeint. Des weiteren ist eine virtue (Tugend) und ein guter Mensch ja nur dann moralisch so angesehen, wenn die große Mehrheit der Gesellschaft dem zustimmt. Jemand der einer Randgruppe (wie z.B. den Maskulisten) in allen Belangen zustimmt und deren ‚Parolen‘ wiederholt (oder Re-postet) ist eher ein Mitläufer (hanger-on).

    Einer der die Deutschlandfahne zum Länderspiel in den Vorgarten pflanzt ist ein Gutmensch, vor allem wenn er sich das Spiel dann gar nicht anschaut oder Fußball eigentlich gar nicht so mag/versteht. Einer der das mit der verbotenen Nazi-Flagge zu „Führer’s Geburtstag“ macht, weil seine Neo-Nazi-Kumpels ihm das so aufgetragen haben, ist ein Mitläufer (und hat höchstwahrscheinlich einen unterirdischen IQ).

    • „So wie Du es interpretierst ist es eher Mitläufertum“

      Nein, es ist nicht per se Mitlaufen, man kann sich damit zB auch an die Spitze setzen wollen. Es geht eben um das Signallisieren. Darum, dass man anderen deutlich macht, dass man bestimmte Werte verkörpert. Es ist also in gewisser Weise Werbung, allgemein Selbstdarstellung.

      • Wie gesagt, virtue = Tugend. Was eine Tugend ist, hängt i.d.R. von der aktuellen Kultur ab. In religiösen Kulturen ist meist das jungfräulich in die Ehe gehen eine Tugend (in manch moslemischem Land auch eine Notwendigkeit, um als Frau zu überleben). In einer gewissen Sub-Kultur der Feministen ist das Gegenteil eine sogenannte Tugend. Das sehen aber 8 von 10 Menschen anders, auch wenn sie sich nicht daran halten. Also Jungfräulichkeit zu signalisieren ist virtue signaling. Beim Slut-Walk mitzumachen, obwohl man noch Jungfrau ist ist Mitläufertum.

        • @luisman

          Du versuchst etwas objektiv zu definieren, was für den Bereich des virtue Signalling keine Rolle spielt. Solange derjenige, der Signalisiert, meint, dass es für die Empfänger, auf die es ihm ankommt, eine „Tugend“ ist, versucht er auch eine solche zu signalisieren. Da ergibt sich aus einem Slutwalk kein Unterschied

        • @Christian
          Let’s agree to disagree. Wie fast immer.
          Vielleicht findet jemand anders eine noch bessere Definition der wir beide zustimmen koennen.

        • So wie ich dich verstehe, ignorierst du die Zielgruppe der Signale und ersetzt ihn durch die Mehrheitsmeinung. Damit signalisiere ich aber nicht mehr Zugehörigkeit zu einer Subkultur oder bestimmen Gruppe. Mir gegenüber Gutmenschentum zu signalisieren wird nicht den gewünschten Erfolg haben, aber in linken Kreisen wird damit zum coolen Hecht. Virtue ist immer kontextabhängig und relevant ist nur, wer zu dem relevanten Kreis gehört, nicht unbeteiligte.
          Dein Nazibeispiel krankt an dem “ aufgetragen haben“. Wenn er das nicht auf Befehl, sondern so macht, ist das sicher Virtue, nur nicht gegenüber uns. Mitläufertum Leuten zu unterstehen, die mutig sind Minderheiten zu repräsentierten, finde ich schon etwas seltsam.

  9. […] spricht er ja eigentlich recht deutlich „Virtue Signalling“ […]

  10. […] Motive für mein Engagement sind rein egoistisch und eigennützig. Anbiederung, Einschleimen oder Virtue Signalling hab‘ ich gar nicht nötig. Mich als Quoten- oder Alibifrau darzustellen erst recht […]

  11. […] die bereit sind auszuweichen, würden eh der Frau nicht gefährlich werden und haben abseits des Virtue Signalling kein Interesse daran. Das dieses Signalling zudem nur bei einer Fremden sinnvoll ist – vor […]

  12. […] So gesehen scheint das Vorgehen des Feminismus aus dieser Sicht eher unklug. Natürlich hat es als Virtue Signalling innerhalb des Feminismus dennoch einen hohen Wert und kann wie man gerade sieht auch für […]

  13. […] die dafür sprechen, dass man derjenigen glauben kann. In den Chor einzustimmen ist damit „Virtue Signalling“ und ebenso ein Costly Signal, wie es in vielen Religionen verwendet wird. Es ist ein […]

  14. […] lebt zu einem nicht geringen Teil davon, dass dargestellt wird, dass man etwas tut. Eine Form des Virtue Signalling in gewisser Weise, ein „schau Bürger, wir machen etwas“. Aber natürlich auch ein […]

  15. […] ist eine interessante Theorie, die sehr in das sogenannte Virtue Signalling hinein passt. Tatsächlich schadet vieles, was der Feminismus predigt, aus meiner Sicht Frauen […]


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