Bezug der meisten Leute zum Geschlechterthema

Die durchschnittliche Frau ist vom Geschlechterthema gar nicht betroffen: Sie macht ihre Ausbildung in einem Fach mit einem hohen Frauenanteil, sie arbeitet, sie heiratet, sie bekommt Kinder und reduziert deswegen ihren Job, später, wenn die Kinder auf dem Haus sind, stockt sie wieder auf, in der Zwischenzeit wird das Haushaltseinkommen von ihrem Ehemann verdient. Das ist ein Lebensentwurf, der immer noch auf die allermeisten Frauen zutreffen wird, gegebenenfalls mit Zwischenschritten wie etwa einer Scheidung und einer neuen Heirat. Sie interessiert sich in der Regel nicht dafür, dass es eigentlich keine Geschlechter gibt, sie will nicht Vorstandsvorsitzende werden oder in die Politik gehen, sie bemüht sich nicht unbedingt um die Beförderung, weil der Job mit höheren Arbeitsstunden verbunden wäre und sie eh wegen der Kinder zurückstecken muss und will. Natürlich gibt es auch Frauen, die Karriere machen, aber viele bekommen eben trotzdem Kinder, weil sie auch in der Karriere eher im öffentlichen Dienst bleiben und das insofern eher vereinbar ist oder nur bis zu einem gewissen Grad aufsteigen, der ihnen anderweitig Raum lässt.

Der durchschnittliche Mann ist auch nicht per se vom Geschlechterthema betroffen. Er macht seine Ausbildung in einem klassischen Männerberuf, arbeitet, heiratet, die Frau wird schwanger und setzt kurzzeitig aus, während er arbeitet. Die Idee, dass er statt dessen aussetzen könnte, wird von beiden allenfalls für die Vatermonate diskutiert, wenn er im öffentlichen Dienst ist oder sein Arbeitgeber sonst signalisiert, dass das problemlos möglich ist. Er macht am Wochenende und nach Feierabend was mit den Kindern, während sie den Haushalt führt, um dann später wieder in Teilzeit in den Beruf einzusteigen. Er hat ebenfalls nicht das Potential Vorstandsvorsitzender zu werden, er steckt vielleicht sogar in einem Job, in dem es auch keine großen Beförderungschancen hat. Das normale Arbeiten eben. Im Datingbereich hat er vielleicht Probleme mit einzelnen Frauen und ist dann später froh, die richtige gefunden zu haben. Dass sie seine Männlichkeit toxisch finden könnte kommt ihm ebenso wenig in dem Sinn wie die Frage, dass es mehrere Geschlechter geben könnte. Entsprechende Theorien würde er schlicht für verrückt halten. Auch hier kann natürlich eine Scheidung viel ändern, aber auch da werden die meisten Männer eben die Ex scheiße finden oder einfach davon ausgehen, dass es mit dieser nicht geklappt hat, die nächste Freundin aber für besser halten, was sie vielleicht in Bezug auf ihn auch ist.