Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. April 2016

Wie der Feminismus Frauen entmutigt (Erzählmirnix)

Bei Erzählmirnix findet sich (mal wieder) ein gutes Comic

Wie der Feminismus Frauen entmutigt (nach Erzählmirnix)

Wie der Feminismus Frauen entmutigt (nach Erzählmirnix)

Ähnliches hatte ich auch schon mal in dem Artikel „Warum ist der Feminismus so still bei vorteilhaften Berichten für Frauen“ angedacht: Der Feminismus muss die Lage immer so düster wie möglich darstellen, überall Unterdrückung, überall Männer, die auf Frauen herabsehen, überall Einschränkungen für Frauen. Die Botschaft, dass Frauen überall 22% weniger verdienen wird stark verbreitet und das obwohl das in dieser Form schlicht falsch ist.

Gerade innerhalb der eigenen Theorien, die darauf abstellen, dass Rollen und Erwartungen einen prägen und Leute durch Stereotype Threads abgeschreckt werden, müsste hier eigentlich eine wesentlich höhere Sensibilität herrschen.

Sobald aber darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Lagen vielleicht gar nicht so schlimm sind, kommt eher ein Aufschrei, dass man verharmlost als das man sich die Kritik mal ansieht.

Wer ernsthaft an feministische Theorie glaubt, der sollte insofern sogar gegen diese Form von Feminismus sein.

Wer sie für falsch hält erst recht. So oder so schadet Frauen die Betonung der Opferrolle eher.

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Responses

  1. Das passiert, wenn eine Bewegung nicht mehr Mittel zum Zweck ist, sondern Zweck an sich wird. Solange es den „Beruf“ der professionellen Feministin gibt, wird sich das vermutlich auch nicht ändern, denn diese Frauen sind schlicht darauf angewiesen die Nachfrage entsprechend hoch zu halten, damit ihr Angebot auch Absatz findet. Wodurch natürlich umso mehr Frauen diesen „Beruf“ ergreifen. Ein Teufelskreis.

    • Ich glaube weniger dass das politisch ist. Die schlimmeren Nachrichten sind auch interessanter für gewisse Wahnsinnige.

      Vielleicht sollte man mal eine Kampagne starten für aggressiveres ausblenden auf sozialen Medien und dann schauen, was das mit der Macht solchen Blödsinns anstellt

      • Nein, politisch ist das nicht. Oder ich halte es zumindest nicht für solches. Wäre es tatsächlich politisch und gäbe es ein konkretes politisches Ziel, wäre das bei der Masse an Leuten schon durchgesetzt. Klar gibt es immer wieder mal Ansätze, aber im Großen und Ganzen bleibt es eine Beschäftigungstherapie und natürlich Geldquelle.

        Ich mache persönlich mittlerweile immer mal wieder eine Nachrichtenpause. Ich stelle fest: nach der Woche steht die Welt immernoch, die Nachrichten sind mehr oder weniger nahtlos die gleichen, und mir geht es bedeutend besser. Vielleicht wäre eine Entzugstherapie tatsächlich sinnvoll. Kann Angst bzw. Angstmacherei zur Sucht werden?

    • Das könnte auch erklären, weshalb Feministinnen so ruhig in Bezug auf die etwaigen Probleme mit Flüchtlingen sind. Feministinnen benötigen dringend mehr echte Vergewaltigungen, um die eigene Daseinsberechtigung zu rechtfertigen.

      • @xyz

        Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ein solcher Gedanke wäre ja dort bereits ein Verstoß gegen jede ihrer Grundlagen

      • glaub ich auch nicht. man darf da nicht zu sehr was sagen, weil es men of colur sind, die vom weißen mann unterdrückt wurden und werden. vermute ich.

  2. Mit Angst kann man eben wunderbar Politik machen. Das wissen alle extremistischen Gruppierungen.

  3. Ich hab mich angesichts des heutigen Feminismus schon öfter gefragt, wie Frauen ihn eigentlich als ermutigend und unterstützend empfinden können. Tatsächlich kenne ich auch kaum noch Frauen, die sich als feministisch bezeichnen – und wenn sie es tun, dann im Hinblick auf das, was der Feminismus aus ihrer Sicht für Frauen einmal geleistet habe, nicht für das, was Feministinnen heute tun.

    Im Hinblick auf die Vergangenheit finde ich durchaus – gute oder schlechte – Gründe, warum eine Frau dankbar für den Feminismus sein konnte.

    – Fast immer kommt der Hinweis auf das nun etwa 100 Jahre alte Frauenwahlrecht. Das war zwar nicht allein das Verdienst von Feministinnen, und auch ein großer Teil der Männer durfte nicht wählen – aber es ist ein Symbol dafür, dass Frauen Gleichberechtigung erkämpfen konnten. Dass Frauen später ohne Erlaubnis des Ehemannes kein Konto hätten führen und keinen Job hätten annehmen können, ergänzt das – auch wenn Feministinnen notorisch den Nachweis schuldig bleiben, wann denn ein Gericht einer Frauen das tatsächlich untersagt habe.

    – Viele Berufsfelder, in die Frauen neu eintraten, waren nun einmal männlich geprägt. Frauenfreundschaften und feministische Überzeugungen gaben vielen Frauen tatsächlich eine Rückendeckung, die sie brauchten.

    – Es war für viele Frauen tatsächlich nicht selbstverständlich, sich zuzutrauen, dasselbe tun zu können wie Männer – studieren, die Familie ernähren etc. In der Hinsicht waren einige Feministinnen tatsächlich eine Ermutigung für Frauen. Dass es vielen Männern ganz ähnlich ging, musste dabei keine Rolle spielen.

    – Verhalten von Männern wurde nicht selbstverständlich akzeptiert, sondern konnte angezweifelt werden. Nach der eigenen Legende wurde und wird das erst durch feministische Kritik möglich – das allerdings ist natürlich ausgesprochen unglaubwürdig.

    Immerhin gibt es ein paar Gründe, warum der Feminismus nicht bei allen Frauen einen schlechten Ruf hat. Wenn aber tatsächlich einmal etwas Ermutigendes und Aufbauendes hatte, dann ist das heute verschwunden. Die Fixierung darauf, Positionen in Institutionen zu besetzen und öffentliche Gelder sowie rechtliche Privilegien zu beanspruchen, macht auch etwas ganz anderes nötig als „Empowerment“, nämlich das beständige Vorführen von Hilflosigkeit und Schutzbedürftigkeit.

    Die Behauptung, dass diese Hilflosigkeit nicht in der „Natur der Frau“, sondern in der Struktur der Gesellschaft begründet sei, ist nur ein oberflächlicher Unterschied zu den klassischen Damsel-in-Distress-Klischees. So ist denn eigentlich alles am heutigen Feminismus darauf ausgerichtet, die Selbstständigkeit von Frauen zu schwächen – wer sich selbst helfen kann, kann schließlich nicht mehr glaubwürdig Hilfe einfordern.

    – Die beständige Beschwörung einer feindlichen Umwelt zerstört nicht nur, wie im Comic oben, Selbstvertrauen. Sie erschwert auch die Kooperation mit anderen (nicht nur mit Männern, sondern auch mit Frauen, die andere Ansichten haben), die für ein selbstständiges Leben so wichtig ist. In der Verherrlichung der sogenannten „Alleinerziehung“ z.B. wird das Fehlen von (oder die Unfähigkeit zur) Kooperation gar zu einer Heldentat stilisiert.

    – Sich selbst als handlungsmächtig zu erleben, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, auch in schwierigen Situationen stabil und einigermaßen gesund zu bleiben. Das prinzipielle Leugnen weiblicher Handlungsmacht (angesichts umfassender patriarchaler Strukturen, natürlich) ist für Frauen, die das ernst nehmen, also eine erhebliche Belastung. Diese Probleme können dann allerdings wiederum als Bestätigung für die Annahme patriarchaler Strukturen interpretiert werden.

    – Das Fehlen der Handlungsmacht bringt Frauen unweigerlich in Abhängigkeiten, sei es von institutionellen Strukturen oder von GUTEN Männern, die Frauen gegen die patriarchale Übermacht beistehen. (HeForShe) Frauen als grundsätzlich hilflos und abhängig, sich selbst aber als handlungsmächtig erleben zu können, ist m.E. eines der wichtigsten Motive dafür, dass Männer Feministen werden.

    – Die Belohnung dafür, das Gefühl eigener Handlungsmacht aufzugeben, ist die Befreiung von Verantwortung. Das kann tatsächlich eine enorme Entlastung sein, für die Menschen erhebliche Nachteile in Kauf nehmen. Die extremen Feindseligkeiten gegen „Fettlogik überwinden“ z.B. sind wohl darin begründet, dass das Buch zwar Mittel an die Hand gibt, sich selbst besser zu kontrollieren und so handlungsmächtiger zu werden – aber es weist Menschen eben auch die Verantwortung dafür zu. Dieser Preis für Handlungsmacht ist den Gegnern einfach zu hoch.

    – Um aber Verantwortung verlässlich bei anderen zu finden, ist es nötig, Freund-Feind-Strukturen aufrecht zu erhalten. Das gilt nicht nur für das Verhältnis zu Männern, sondern auch für das Verhältnis feministischer Frauen untereinander. Jede ist ständig in Gefahr, auf die Seite des Feindes zu geraten oder nicht vollständig genug auf der Seite der guten, emanzipatorischen Kräfte zu stehen. Kräfteraubende und sinnlose Kämpfe untereinander und ein großer Anpassungsdruck sind aber natürlich erhebliche Hindernisse für ein selbstständiges Leben.

    Dass durch solche Positionen Selbstständigkeit von Frauen erheblich behindert wird, kann dann allerdings wieder auf das Konto patriarchaler Strukturen etc. gebucht werden. Tatsächlich ist der Feminismus – um mal ein Zitat von Karl Kraus abzuwandeln – damit eben die Krankheit, deren Heilung zu sein er vorgibt.

    • Zu den „100 Jahren Frauenwahlrecht“ hab ich mal in einer Amerikanischen Diskussion die schöne Analogie gehört, das sei so, wie zu sagen, dass amerikanische Schwarze die Republikaner wählen sollten, schliesslich war Licoln, der die Sklaverei abschaffte, ein Republikaner. Auf „aber die sind jetzt ganz anders“ kam dann ein „genau mein Punkt“.

  4. Fast noch schlimmer, da subtiler, find ich das schnelle und übertriebene Loben von eher mittelmäßigen Leistungen.

    Eine Frau hat es geschafft, in einem technischen Job nicht so spektakulär zu versagen, dass sie gefeuert wird? „Starke Frau behauptet sich in Männerdomäne“.

    Eine Frau, deren Priviligierung man an der Semesterzahl ablesen kann, landet nach diesem Studium nicht ganz ohne die nötigen connections irgendwo oberhalb des Middle Managements? „Die neuen Powerfrauen kommen“.

    Aber es gibt doch auch unfähige Männer, und männliche reiche Erben? Exakt! Nur an die legt man eben den vernünftigen Maßstab an: Man sagt nicht „Nerd behauptet sich in der Arbeitswelt“ sondern „Intelligenter bleibt durch Sozialunverträglichkeit unter seinen Möglichkeiten“ oder „Qualifikation: Papas Sohn“.

    Und ich mag irgendwie nicht ganz glauben, dass die Frauen wirklich so dumm sind, dass nicht zu bemerken.
    Auch den weniger hellen Kindern fällt irgendwann auf, dass ihre „Kunstwerke“ nur am Kühlschrank und nicht im Louvre hängen.

    Wenn einem Arschlöchter konstant „das schaffst du nie“ sagen, ist das sicher nicht motivierend.
    Aber so richtig hart ist es, wenn „Freunde“ glaubhaft darüber überrascht sind, dass man gelegentlich mal nicht versagt.

    • „Fast noch schlimmer, da subtiler, find ich das schnelle und übertriebene Loben von eher mittelmäßigen Leistungen.“

      Diese ganzen Begriffe wie „Starke Frauen“ oder „Powerfrauen“ sind mir auch irgendwie ein Grauß. Und den „Powerfrauen“ die ich kenne auch. Die machen nämlich einfach ihr Ding, das Frau interessiert sie an der Stelle null. Im Gegenteil klingt gerade solches Lob für Mittelmäßigkeit oft nach „Gratulation, du kannst atmen“.

      Erinnert mich in seiner fremdschämhaftigkeit sehr an dieses Bild, das vor einiger Zeit durchs Netz ging:

      • Ich erinnere immer wieder gern an die männlichen Feministen, die meine Hinweise auf sachliche Fehler bei Sarkeesian damit abbügelten, für eine Frau, die es ja so schwer habe, sei das noch immer eine tolle Leistung und man müsse sie der Fairness halber als Wahrheit behandeln. 😛

        • Das ist auch schön, ja. 😀

          Aber darauf laufen diese Dinge ja generell hinaus. Sie ist nunmal eine Frau und kann es halt nicht besser. Da bleibt mir immer die Sprache weg, vor allem wenn man mir das als Frauenförderung oder Frauenunterstützung verkaufen will.

        • Konnten sie auch irgendwie näher belegen, warum sie es „als Frau“ schwerer hat, Spiele im Singleplayer zu spielen und trotzdem einfache, nicht kontrafaktische Aussagesätze zu bilden? (ich spiele auf ihr „Hitman“-Video an)

      • Powerfrau is doch nett für dicke Frau.

    • „Fast noch schlimmer, da subtiler, find ich das schnelle und übertriebene Loben von eher mittelmäßigen Leistungen.“ Ja, das ist verrückt. Es hängt aber nicht nur mit den Feminismus zusammen, glaube ich, sondern überhaupt mit einer völlig unangemessenen Pädagogisierung menschlicher Beziehungen. Als wären wir allesamt pausenlos dafür verantwortlich, uns einander zum Wachsen und Gedeihen zu bringen.

      Ein Freund von mir, auch Lehrer, hat das (ganz ähnlich wie Paul oben) einmal so formuliert, dass wir die Schüler irgendwann noch dafür loben werden, dass sie es schaffen, selbstständig die Augen offen zu halten. Die Botschaft dabei ist klar: „Von Dir ist nichts zu erwarten.“ Da diese vernichtende Botschaft aber als Lob verpackt wird, ist es schwer, sich dagegen zu wehren.

      Begriffe wie „Powerfrauen“ oder „starke Frauen“ funktionieren m.E. ähnlich wie der Begriff „authentisch“. Jemand, der es tatsächlich ist, kommt in der Regel gar nicht auf die Idee, sich so zu bezeichnen.

      Das schließt sich an an Sprüche wie „Als Gott den Mann schuf, übte sie bloß!“ oder „Rückwarts und auf Stöckelschuhen sind Frauen ebenso gut wie Männer.“ oder „Eine Frau, die so gut sein will wie ein Mann, hat keinen Ehrgeiz.“ Wer anderen Menschen so offenkundig das Ego aufpumpt, signalisiert damit unwillkürlich, dass er ihnen eigentlich nicht viel zutraut. Sonst wär die Pumperei ja gar nicht nötig.

      • „Begriffe wie “Powerfrauen” oder “starke Frauen” funktionieren m.E. ähnlich wie der Begriff “authentisch”. Jemand, der es tatsächlich ist, kommt in der Regel gar nicht auf die Idee, sich so zu bezeichnen.“

        Jupp. In dem Zusammenhang auch einer meiner Lieblingsphrasen: „Strong and Independent“.

        • @Paul und @Lucas

          Destiny’s Child „Independent Women“

          „The shoes on my feet
          I’ve bought it
          The clothes I’m wearing
          I’ve bought it
          The rock I’m rockin‘
          ‚Cause I depend on me
          If I wanted the watch you’re wearin‘
          I’ll buy it
          The house I live in
          I’ve bought it
          The car I’m driving
          I’ve bought it
          I depend on me
          (I depend on me)“

          Da stelle ich mir immer Männer vor, die ständig beteuern, ihre Schuhe, Kleidung, Uhr und das Auto aber auch wirklich selber bezahlt zu haben.
          In Liedform.

          Wird bestimmt ein Hit! 😉

          Gruß, crumar

        • 🙂

        • Schönes Lied. Daran erkennt man, wie selbstverständlich es für Frauen ist, andere für sich zahlen zu lassen.

  5. Feminismus entmutigt. Da hat uns der Christian aber in den April geschickt. Ein Pfundskerl.

  6. Zitat oben: „Und ich mag irgendwie nicht ganz glauben, dass die Frauen wirklich so dumm sind, das [nämlich übertriebenes Lob] nicht zu bemerken. Auch den weniger hellen Kindern fällt irgendwann auf, dass ihre “Kunstwerke” nur am Kühlschrank und nicht im Louvre hängen.“

    Wir sollten vielleicht nicht zu naiv sein. Viele Frauen sind sehr kindisch. Ich meine das gar nicht kritisch. Aber wenn eine Frau auf der Arbeit für eine mittelmäßige Leistung (auch das meine ich nicht kritisch – viele Dinge auf der Arbeit sind so banal, daß man sie gar nicht besonders gut machen kann), wenn also eine Frau auf der Arbeit für eine mittelmäßige Leistung gelobt wird, dann ist das so ähnlich, wie wenn man einem vierjährigen Kind sagt: „Und da hast Du Dir die Nase geputzt! Toll! Und ganz alleine!“

    Das Kind glaubt solche Äußerungen aufs Wort und kommt sich wirklich großartig vor, weil es sich mal eben die Rotze von der Nase gewischt hat.

    Ich habe nicht den Eindruck, daß Frauen in der Arbeitswelt sich auf dieses Lob mittelmäßiger Leistungen groß was einbilden – aber sie nehmen dies als positive Bestätigung doch sehr wohl ernst. Da kommt keine auf die Idee: „Wenn man mich schon für das Erstellen von so einem ollen flip chart lobt, oder für das Verfassen von einem halbseitigen Memo, dann muß man mich wohl für geistig behindert halten …“

    Zu Schoppes Punkt oben von der „unangemessenen Pädagogisierung menschlicher Beziehungen“ ein kleiner Literaturhinweis:

    Everyone’s a Winner: Life in Our Congratulatory Culture. By Joel Best
    University of California Press, 2011.

  7. http://www.welt.de/vermischtes/article153378433/Maenner-verbringen-zu-viel-Zeit-mit-Frauen.html

    passt nicht ganz, setzte ich mal her um zu zeigen, das Männer das eigentliche Problem sind. Selbst wenn, wie in dem Artikel etwas kritisiert wird, was Frauen falsch machen, ist es letztendlich Schuld der Männer, da sie ja nicht angemessen auf die weiblichen Fehler reagieren.

  8. Unabhängig von der Frage der Scheinsicherheit stellt sich aber auch die Frage, was dies hinsichtlich des Umganges der Geschlechter miteinander bedeutet, wenn eine Geschlechtertrennung angeregt wird, um Vorkommnisse oder gar Straftaten zu vermeiden. Es wäre zunächst einmal zu ermitteln ob die Situation für alleinstehende Frauen oder alleine mit Kind(ern) reisende Frauen tatsächlich so dramatisch ist, wie sie erscheint, wenn es dafür eine spezielle Lösung geben soll.

    Ferner wäre zu überlegen, wie man dem Problem sonst zu Leibe rücken könnte und was es für Frauen bedeutet, wenn es heißt „hier in diesem Abteil seid ihr sicher(er)“, aber natürlich nur ein gewisser Prozentsatz der reisenden Frauen in diesem Abteil auch einen Platz bekommt. Sollen sich die anderen Frauen dann weniger geschützt fühlen, da das erhöhte Sicherheitsgefühl ja nur denen vergönnt wird, welche das spezielle Abteil aufsuchen? Wird ggf. dann diese Scheinlösung zur Argumentation „warum sind Sie nicht ins Frauenabteil gegangen“ führen?

    Nicht zuletzt bedeutet diese „Lösung“, so sie den Namen verdient, auch eher eine Erhöhung des Unsicherheitsgefühls. „Wir brauchen Frauenabteile, in denen sich Frauen sicher fühlen“, suggeriert, dass Frauen sich per se unsicher fühlen müssten bzw. sie nicht in Sicherheit sind, gleichzeitig suggeriert es auch, dass Gefahren vornehmlich von männlicher Seite ausgehen und sich ebenso vornehmlich gegen alleinreisende Frauen richten.

    Dies hat nicht zuletzt auch eine ungünstige Wirkung hinsichtlich der Männer, denen, genauso wie den Frauen in den Nichtfrauenabteilen, man zu verstehen gibt: Tut uns leid, aber ihr seid nur zweite Klasse, wenn ihr euch sicher fühlen wollt, dann geht halt ins Frauenabteil. Nur wird den Männern letztendlich gesagt: Pech gehabt, denn für euch gibt es keine solchen Abteile. Dies zementiert weiterhin auch die Vorurteile und die Ansicht des mutigen, starken Mannes, der sich um seine eigene Sicherheit kümmern kann, während die Frau dafür fremde Hilfe benötigt. Dass Transportunternehmen die Sicherheit ihrer Fahrgäste im Auge haben und ihnen bei Not helfen sollten, steht außer Frage, dies sollte aber unabhängig vom Geschlecht geschehen.

    http://www.heise.de/tp/news/Im-Frauenabteil-sind-wir-sicher-Sicher-3160591.html

    • Und es gibt noch an anderer Stelle Sprengstoff.

      Längst nicht alle Frauen wollen unter ihresgleichen reisen.
      Was ist, wenn die Frauenabteile fast leer sind, während in den gemischten Abteilen Männer stehen müssen, weil ein erkläcklich Teil der Sitzplätze von Frauen beansprucht wird?
      Da kommt schnell Unmut auf und bald werden auch die Frauen, die eigentlich mit den Männern reisen wollen, zwangs“umgesiedelt“.

  9. […] schrieb mal wieder einen schönen Kommentar, in dem es darum ging, wofür man als Frau dem Feminismus durchaus dankbar sein kann, warum aber […]


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