Selbermach Samstag 178 (19.03.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

70% der Frauen und 77% der Männer glauben nicht, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger verdienen

Neulich hatte ich schon auf eine Umfrage verwiesen, nach der die meisten Leute sich nicht als Feministen sehen. Hier eine Umfrage nach der die meisten Leute auch nicht davon ausgehen, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger verdienen:

In fact, 7 in 10 employed adults in seven countries believe men and women are paid equally for equal work at their employer. Women still feel the pinch more than their male counterparts: 70 percent of women believe that there is equal pay for equal work at their employer compared to 77 percent of men.

Vielen wird schlicht bewußt sein, dass Frauen eher halbtags arbeiten, dass die, die das gleiche machen, auch mehr bekommen, dass lange Zeiten des Aussetzens vorhanden sind etc. Ihnen ist bewußt, dass der Gender Pay Gap zu bereinigen ist und sich eben nicht auf gleiche Arbeit bezieht:

Die meisten Leuten sehen es auch als gerecht an, dass Männer und Frauen für gleiche Arbeit das gleiche verdienen:

Conducted in the United States, Canada, United Kingdom, France, Germany, The Netherlands and Switzerland, the survey also found an overwhelming majority of employed adults (89 percent) believe that men and women should be paid equally for equal work. Americans (93 percent) are most in agreement that men and women should be compensated equally.

Grauenhaft, diese verbreitete sexistische Einstellung im allgegenwärtigen Patriarchat! Ich bin entsetzt!

The survey also asked if people would apply to work at a company where a pay gap existed and 3 out of 5 employees said they would not. The survey suggests that companies hoping to attract the best talent would be wise to be transparent about their compensation practices. Women are less likely than men to apply for a job where they believe there is a gender pay gap, and in the U.S., U.K., and Canada, younger adults are less likely to apply to work if there is a difference in how men and women are compensated for equal work.

Hier kann man auch schön sehen, warum der Ruf, ungleiche Löhne zu zahlen, von Unternehmen vermieden wird. Was wiederum ein Ansatzpunkt für feministische Propaganda ist, mittels des unbereinigten Gender Pay Gaps (also ungleicher Lohn für ungleiche Arbeit) für Schrecken zu sorgen.

Gegenmaßnahmen für den Fall ungleichen Lohns erwarten viele von den Regierungen:

Also of note – the survey queried respondents on what would help improve the gender pay gap, and nearly half (45%) of U.S. employees who say there is a gap at their employer believe new company policies around pay and compensation will help close the inequity, while more than one-third (39%) are looking to the government for legislation requiring employers to pay all people equally for equal work and experience levels, which was the most popular response in other countries (Canada 38%, UK 41%, France 33%, Germany 41%, The Netherlands 33%, Switzerland 40%).

Auch hier ist die Zahl so gesehen noch relativ niedrig: 41% bedeutet ja auch, dass 59% das nicht als die erste Wahl gesehen haben. Aber es zeigt eben auch, warum Politiker sich für die Frauenquote einsetzen.

Vgl auch

Frühes postnatales Testosteron ist ein Indikator für Sprachfertigkeiten

Eine interessante Studie zu Geschlechterunterschieden bei der Sprache:

Highlights

•There was a sex difference in salivary testosterone in infants aged 1–3 months.
•Testosterone in infancy predicted vocabulary in boys and in girls in toddlerhood.
•The sex difference in vocabulary was mediated by testosterone in infancy.
•Testosterone in infancy may contribute to early language development.

Abstract
During the first few years of life, girls typically have a larger expressive vocabulary than boys. This sex difference is important since a small vocabulary may predict subsequent language difficulties, which are more prevalent in boys than girls. The masculinizing effects of early androgen exposure on neurobehavioral development are well-documented in nonhuman mammals. The present study conducted the first test of whether early postnatal testosterone concentrations influence sex differences in expressive vocabulary in toddlers. It was found that testosterone measured in saliva samples collected at 1–3 months of age, i.e., during the period called mini-puberty, negatively predicted parent-report expressive vocabulary size at 18–30 months of age in boys and in girls. Testosterone concentrations during mini-puberty also accounted for additional variance in expressive vocabulary after other predictors such as sex, child’s age at vocabulary assessment, and paternal education, were taken into account. Furthermore, testosterone concentrations during mini-puberty mediated the sex difference in expressive vocabulary. These results suggest that testosterone during the early postnatal period contributes to early language development and neurobehavioral sexual differentiation in humans.

Wenig Testosteron in einer bestimmten Phase führt also zu besseren sprachlichen Fähigkeiten.

Das passt gut zu der sonstigen Forschung in dem Bereich:

Die Beauftragung von Feministinnen als Versicherung gegen Sexismusvorwürfe

Ein Text beleuchtet, was die Beauftragung von Feministinnen und deren Einbindung in bestimmte Abläufe für einige Firmen attraktiv macht:

“Diversity training” largely serves as malpractice insurance for human resources. Companies know that at any moment they could find their name trending on Twitter as the outrage of the day. “We held a diversity training” is something legal can say to offload liability: “we told people we expected something out of them, so it’s their fault for not following whatever abstract, ill-defined advice they were given, not our fault for ignoring behavior going on in our office.” Hiring a diversity speaker costs less than a lawsuit, and thus there exists a cottage industry of professional-class women who travel the country to lecture engineers about how their very existence upsets professional-class women. Companies trumpet the commencement of diversity initiatives in press releases and on social media, but follow-ups describing the concrete achievements — or failures — of such initiatives are curiously hard to find.

Ich glaube, dass ein Großteil des „feministischen Marktes“ genau diesem Gedankenschema folgt:

  • Man möchte sich gegen einen Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schützen, auch dagegen sexistisch zu sein oder allgemein Fraueninteressen nicht hinreichend beachtet zu haben.
  • Also beauftragt man jemand, den man gut als Entschuldigung vorzeigen kann, falls jemand fragt. Das muss ein ausgewiesener Feminist sein.

Insofern sind eine Großteil der entsprechenden Stellen, Institute, Studien und Forschungsprojekte Costly Signals, die der eigenen Absicherung dienen: Seht, wir beachten Fraueninteressen, seht wir bemühen uns um die Förderung der Frau, seht wir sind keine Sexisten.

Auch wenn dann so etwas wie diese Studie dabei herauskommt:

Glaciers are key icons of climate change and global environmental change. However, the relationships among gender, science, and glaciers – particularly related to epistemological questions about the production of glaciological knowledge – remain understudied. This paper thus proposes a feminist glaciology framework with four key components: 1) knowledge producers; (2) gendered science and knowledge; (3) systems of scientific domination; and (4) alternative representations of glaciers. Merging feminist postcolonial science studies and feminist political ecology, the feminist glaciology framework generates robust analysis of gender, power, and epistemologies in dynamic social-ecological systems, thereby leading to more just and equitable science and human-ice interactions.

kann man jedenfalls einen Haken neben das Anforderungsfeld „Haben sie Gender Mainstreaming berücksichtig oder anderweitig Genderaspekte einfließen lassen?“ und es sieht entsprechend gut aus.

Twitter arbeitet wahrscheinlich auch aus diesem Grund mit radikalen Feministinnen zusammen, weil es dadurch zwar den Unmut einiger weniger Nutzer auf sich zieht (prozentuell gesehen), aber ein Mitarbeiter kann eben einen entsprechenden Haken setzen.

Und die UN wird auch Leute wie Anita Sarkessian einladen, weil sie damit eben eine bekannte Feministin eingeladen haben, bei denen niemand sagen kann, dass sie Fraueninteressen nicht zugehört haben. Natürlich verschärft sich das noch, wenn man entsprechende Stellen schafft, die dann wiederum tatsächlich daran glauben und eine entsprechende Politik umsetzen: Die Entlastungsfunktion bleibt zwar erhalten, indem man auf diese Verweisen kann, aber es hat sich eben auch ein entsprechender Brückenkopf gebildet, der entsprechende Ideen in konkrete Projekte einfließen lässt. Auch das lässt man natürlich zu, denn sich nunmehr gegen diesen zu stellen würde erst recht Frauenfeindlich wirken und das will man ja gerade vermeiden. Es entwickeln sich entsprechende Strukturen, gegen die man nichts machen kann und um die man herum arbeiten muss.

Das man jemanden braucht, den man als Experten auf dem Gebiet ausweisen kann, macht auch Gender Studies als Studiengang so gefährlich. Man hat hier einen „Geschlechterexperten“, universitär mit Abschluß bestätigt, und es gibt ansonsten nichts vergleichbares auf dem Markt. Das ihr Wissen ideologischer Blödsinn und eher gefährlich als nützlich ist, ist dabei unwesentlich. Man hat etwas für einen Stellenausschreibung, was man als Qualifikation angeben kann und keiner kann einem vorwerfen, dass man die Stelle nicht qualifiziert besetzt hat. Das gibt den Gender Studies ein gefährliches Alleinstellungsmerkmal in dem Bereich.

Dieser Mechanismus kann meiner Meinung nach nur über eine Aufklärung über den radikalen Inhalt des modernen Feminismus durchbrochen werden. Erst wenn der Werbungs- und Absicherungseffekt sich in einen „warum beschäftigt ihr radikale Spinnerinnen, die nur auf Feindseligkeit zwischen den Geschlechtern abstellen?“-Effekt umwandelt, wird auch der Effekt zurückgehen.

Arne Hoffmann: Sind Frauen bessere Menschen?

Vielen hier dürfte Arnes Buch „Sind Frauen bessere Menschen“ bekannt sein.

Arne Hoffmann Sind Frauen bessere Menschen

Arne Hoffmann Sind Frauen bessere Menschen

Hier einmal aus einer Besprechung auf Amazon:

Mit der Fragestellung seines Buchtitels gibt Arne Hoffmann der in Öffentlichkeit und Politik ebenso populistisch wie einseitig unter dem Motto „Gewalt ist männlich“ debattierten Geschlechterfrage einen neuen Impuls.
Auf 560 prallen Seiten Text plus „Navigator“-Anhang rückt er denjenigen Zuleibe, welche die einseitig parteiliche Debatte um die Frauen als Opfer mit Schätzwerten regierungsnaher Vereinigungen und Verbände aufzumischen pflegen. Obwohl die persönliche Empörung des Autors zeitweilig polemisch oder sarkastisch, bitter oder traurig, zornig oder spöttisch zu spüren bleibt, überzeugt die in engen Zeilen dargebotene Informationsfülle. Aus weltweit recherierten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, polizeilichen Ermittlungsfakten und statistischem Material im Mix mit sachlich fundierten Literaturzitaten integrer Wissenschaftler bietet sie ein fulminantes Feuerwerk der Thesen und Argumente, dem man sich nicht entziehen kann.
Als Autorin, die selbst Bücher über ausgebeutete und aus dem Leben ihrer Kinder gedrängte Väter geschrieben hat wie „Der gebrauchte Mann“ oder „Ein Vater gibt nicht auf“ oder „Handbuch für Vater nach der Trennung“, kenne ich eine Vielzahl der Informationen und Fakten, die Arne Hoffmann zu einem Plädoyer für einen selbstbewussten Mann zusammengetragen hat. Ich kenne auch die Frauen, die sich heutzutage schon fast schämen,
immer noch mit demselben Mann in einer Langzeitbeziehung zu leben und leben zu wollen.
In einer Gesellschaft, in der nahezu jede zweite Ehe auf Betreiben der Ehefrau geschieden und die Lebensform „Alleinerziehend“ immer öfter von vorn herein bewusst angestrebt wird, scheint eine Frau irgendwie anormal, die in der Gemeinsamkeit mit dem leiblichen Vater ihrer Kinder leben will. In meinem Buch „Die Frau an seiner Seite“ habe ich diese Frauen im Spiegel des Feminismus’ betrachtet und das politisch gezielte Wegrationalisieren der Familie zugunsten der Frauenerwerbsarbeit als sozialistische „Wohltat“ im Sinne von Friedrich Engels entlarvt.
Als Frau hat mich die Lektüre des Buches von Arne Hoffmann dennoch betroffen gemacht, denn die geballte Fülle der Informationen über den feministisch angeheizten Geschlechterkampf zeigt in erschreckender Klarheit, dass es hier längst schon nicht mehr um Gleichheit der Geschlechter und Gleichwertigkeit der Menschen geht.
Indem Männer durch die Verallgemeinerung von Slogans wie „Gewalt ist männlich“ gezielt zum Klassenfeind der Frauen und Kinder abgestempelt werden und die Gewalttätigkeit der Frauen verschwiegen bzw. verharmlost oder gar verleugnet wird, soll Frauen der Nimbus des ewig schwachen, hilflosen Opfers männlicher Ausbeutung aufgesetzt werden. Nur die Schwäche der Frau als Opfer rechtfertigt ja die mit Hilfe solcher Slogans praktizierte Bekämpfung eines Unterdrückers.
In Wahrheit findet durch die Negierung der von zahllosen Opfern ganz real erlebte weibliche Gewalt eine Verhöhnung eben dieser Opfer statt. Ihnen UND der gesamten Gesellschaft wird suggeriert, dass ihre Erfahrungen entweder gar nicht wahr, oder nicht so schlimm oder nicht ernst zu nehmen sind.
Erwachsene und vor allem Kinder, die von ihren Müttern misshandelt wurden und werden, werden durch die öffentliche Negierung der weiblichen Gewalt dazu verdammt, ihre Erfahrungen zu verschweigen; sie müssen ja befürchten, dass ihnen niemand glaubt oder dass es ihnen ergeht wie einem Mädchen, das ich kenne.
Dieses Mädchen war jahrelang von seiner Mutter brutal gefoltert und sexuell ausgebeutet worden. Als das Kind endlich den Mut fand, sich einer Lehrerin anzuvertrauen, lief die Maschinerie der Ermittlungsprozeduren an. Eine davon war das Erstellen eines psychologischen Gutachtens. Der Gutachter befragte das Mädchen, warum es denn nicht mehr zur Mutter sondern lieber in einem Heim leben wolle. Das Mädchen erklärte, dass es Angst vor der Mutter habe. Der Gutachter sagte darauf, ein Kind, das vor der eigenen Mutter Angst habe, müsse krank im Kopf sein. Und ein Kind, das krank im Kopf sei, müsse ins Krankenhaus, um geheilt zu werden. Ob das Mädchen das wolle? Das Mädchen wollte nicht in die psychiatrische Klinik, weil es diese nach einem Selbstmordversuch bereits kennen gelernt hatte. Nun, sagte der Gutachter, dann müsse sich das Mädchen entscheiden, ob es gesund sei und seine Mutter liebe, wie alle gesunden Kinder, und zugebe, gelogen zu haben, oder ob es seine Mutter nicht liebe und dann eben krank sei und in die Klinik müsse. Das Mädchen sagte, es habe gelogen und nahm sich eine Woche später das Leben, indem es sich mit Tabletten vergiftete, die es im Medizinschrank bei der Mutter Zuhause gefunden hatte.
Bücher wie „Sind Frauen bessere Menschen“ tragen maßgeblich zur Meinungsbildung bei. Sie informieren und klären auf. Sie regen zum Nachdenken und zum Debattieren an. Aus meiner Sicht sind sie unverzichtbar.

Lassen Sie mich zum Schluss noch anführen, dass Arne Hoffmanns Kompaktwissen des Geschlechterkriegs zwar an die neue verkaufsträchtige Lexikareihe „populärer Irrtümer“ eines Münchener Verlages erinnern mögen – tatsächlich aber ist Hoffmann ganz anders. Anders und besser, weil er nämlich bei aller Kritik an eben solchen populären Irrtümern beidäugiger hinschaut und somit wesentlich näher dran an der weltweiten Forschung über Frauen- und Männerverhalten ist. Besser auch, weil er direkter und authentischer in der gerechten Empörung und Betroffenheit des Mannes argumentiert, der sich der Anwürfe erwehrt, denen er als Mitglied der Spezies Mann immer öfter und entwürdigender ausgesetzt ist.
Nur scheinbar ist es ein Buch, das vor allem für Männer geschrieben wurde. Ich bin überzeugt, dass gerade Frauen es lesen sollten, denn es ist nicht im Sinne von klugen, lebensbejahenden und mit ihrer Weiblichkeit im Einklang lebenden Frauen, Jungen und Männer generell als die schlechtere Alternative der Schöpfung abzuwerten. Im Gegenteil, Frauen dieser Art genießen es, mit Männern zu leben und sich mit ihnen sowohl gleichwertig als auch gleichberechtigt zu wissen. Gemeinsam werden diese Frauen und Männer die leider ausgeübte Gewalt bekämpfen und dabei ohne Ansehen des Geschlechts gegen jeden Mann und jede Frau vorgehen, die sich als Täter und Täterinnen schuldig gemacht haben.
Behauptungen wie die der Hamburger Justizsenatorin Lore Peschel- Gutzeit, die mir anlässlich einer gemeinsamen Podiumsdiskussion in Berlin sagte, der Beweis dafür, dass Gewalt männlich sei, sitze in den überbelegten Männerhaftanstalten des Landes, halte ich für sogenannte „Killerphrasen“, mit denen Ernst zu nehmende Diskussionen verhindert werden oder doch verhindert werden sollen.
Arne Hoffmann hat mit seinem Buch „Sind Frauen bessere Menschen?“ einen wertvollen Diskussionsbeitrag zur echten Gleichberechtigung geleistet. Jetzt ist es an seinem Leserpublikum, Multiplikatoren seiner Arbeit zu sein. Ich wünsche ihm Glück und Erfolg dazu.

Was sagt ihr zu dem Buch?

Es ist wohl gegenwärtig nur gebraucht oder direkt über Arne erhältlich.

Gesetzentwurf zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung

Das Bundeskabinett hat auf die Vorfälle von Köln reagiert und einen Gesetzesentwurf zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung beschlossen.

Es handelt sich dabei nicht um eine Verschärfung des Vergewaltigungsparagraphen, wenn ich das richtig verstehe, sondern eher um eine Reaktion auf Köln und „Grabschen“.

Die Änderungen zielen auf § 179 STGB:

Bisherige Version:

179
Sexueller Mißbrauch widerstandsunfähiger Personen

(1) Wer eine andere Person, die

1. wegen einer geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung einschließlich einer Suchtkrankheit oder wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung oder
2. körperlich

zum Widerstand unfähig ist, dadurch mißbraucht, daß er unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine widerstandsunfähige Person (Absatz 1) dadurch mißbraucht, daß er sie unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen.

(3) In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu erkennen.

(4) Der Versuch ist strafbar.

(5) Auf Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren ist zu erkennen, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an ihm vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind,
2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird oder
3. der Täter das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt.

(6) In minder schweren Fällen des Absatzes 5 ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

(7) § 177 Abs. 4 Nr. 2 und § 178 gelten entsprechend.

Geplante Änderungen:

Das Strafgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. November 1998
(BGBl. I S. 3322), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 12. Juni 2015 (BGBl. I
S. 926) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
1. In der Inhaltsübersicht wird die Angabe zu § 179 wie folgt gefasst:
„§ 179 Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände“.
2. § 177 Absatz 1 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 1 wird das Komma am Ende durch das Wort „oder“ ersetzt.
b) In Nummer 2 wird nach dem Wort „Leben“ das Wort „oder“ gestrichen.
c) Nummer 3 wird aufgehoben.
3. § 179 wird wie folgt geändert:
a) Die Überschrift wird wie folgt gefasst:
㤠179
Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung besonderer Umstände“.
b) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:
„(1) Wer unter Ausnutzung einer Lage, in der eine andere Person
1. aufgrund ihres körperlichen oder psychischen Zustands zum Widerstand unfähig
ist,
2. aufgrund der überraschenden Begehung der Tat zum Widerstand unfähig ist
oder
3. im Fall ihres Widerstandes ein empfindliches Übel befürchtet,
sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt oder an sich von dieser Person
vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren,
– 4 –
in minder schweren Fällen der Nummern 2 und 3 mit Freiheitsstrafe von drei Monaten
bis zu fünf Jahren bestraft.“
c) In Absatz 2 werden die Wörter „eine widerstandsunfähige Person (Absatz 1)“
durch die Wörter „eine andere Person“ ersetzt und die Wörter „der Widerstandsunfähigkeit“
durch die Wörter „einer in Absatz 1 Nummer 1, 2 oder 3 genannten
Lage“ ersetzt.
d) Dem Absatz 3 wird folgender Satz angefügt:
„Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
1. der Täter eine Lage ausnutzt, in der das Opfer einer Gewalteinwirkung des
Täters schutzlos ausgeliefert ist, oder
2. die Widerstandsunfähigkeit nach Absatz 1 Nummer 1 auf einer Behinderung
des Opfers beruht.“
e) Absatz 6 wird wie folgt gefasst:
„(6) In minder schweren Fällen des Absatzes 5, in denen der Täter eine Lage
nach Absatz 1 Nummer 1 ausnutzt, ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu
zehn Jahren, in den übrigen minder schweren Fällen des Absatzes 5 auf Freiheitsstrafe
von sechs Monaten bis zu zehn Jahren zu erkennen.“
4. § 240 Absatz 4 Satz 2 wird wie folgt geändert:
a) Nummer 1 wird aufgehoben.
b) Die Nummern 2 und 3 werden die Nummern 1 und 2.

Wie immer beim Strafrecht muss man sich bewußt machen, dass hier Vorsatztaten erforderlich sind. Fahrlässigkeit, auch grobe Fahrlässigkeit, reicht nicht aus. Der Vorsatz, also das Wissen und Wollen der Tatbegehung, muss sich dabei auf alle Tatbestandsmerkmale beziehen, man muss also auch Vorsatz bezüglich des Lage haben, bezüglich der Umgehung eines Widerstandes durch Überraschung etc.

Dabei ist der schmale Grad zwischen bewusster Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz wichtig:

Bei der bewussten Fahrlässigkeit kennt der Täter zwar die Gefahr, er vertraut aber (ernsthaft) darauf, dass nichts passieren wird. Beim Eventualvorsatz nimmt der Täter die Verwirklichung der Gefahr in Kauf. Anders gesagt: Bei bewusster Fahrlässigkeit sagt sich der Täter: „Es wird schon nichts passieren.“ Bei Eventualvorsatz sagt er sich dagegen: „Ich hoffe zwar, dass nichts passiert, falls aber doch, so geschieht es eben.“ Die Abgrenzung ist schwierig.

Wer ihr also im Vertrauen darauf, dass sie es will oder es jedenfalls nicht abwehren wird, schnell an den Busen fasst, der handelt nicht tatbestandsmäßig, wer hingegen denkt „ich fasse ihr schnell an den Busen, mir doch egal, ob sie was dagegen hat, ich hoffe mal, dass sie es will, aber wenn nicht, dann hab ich zumindest mal ihren Busen berührt“ der macht sich strafbar.

Was die Rechtsprechung zum Tatbestandsmerkmal „Ausnutzen einer Lage“ entwickeln wird, ob darunter solche Vorfälle wie in Köln im allgemeinen Gewimmel oder auch das schnelle Begrapschen beim Knutschen bleibt abzuwarten.

Andere Beiträge zu dem Thema:

Wie Feministinnen deutlich machen, dass sie nicht männerfeindlich sind

In Diskussionen, in denen es darum geht, ob Feminismus Männerfeindlichkeit ist, stelle ich häufig eine Frage:

 

Kannst du mir einen Artikel zeigen, der die positive Sicht des Feminismus auf Männer darstellt?

 

Hierauf kommt meistens erschreckend wenig, viele retten sich in ein  „Such doch selbst“

Mein Hinweis darauf, dass es doch nicht schwierig sein kann einen solchen Artikel zu finden, wenn der Feminismus tatsächlich nicht männerfeindlich ist, wird üblicherweise unfreundlich aufgenommen. (für die Gegenfrage: zB hier)

Tatsächlich habe ich aber als Reaktion hierauf noch keinen wirklich positiven Artikel gezeigt bekommen. Die Artikel haben eher den folgenden Inhalt:

  • Wir hassen Männer nicht, wir glauben ja, dass Männer besser werden können.
  • Wir hassen Männer nicht einige Männer sind gut
  • Wir hassen Männer nicht, man kann sie umerziehen
  • Wir hassen Männer nicht, wir sind bereit Ihnen zu verzeihen im wenn sie hinreichend büßen und sich ändern
  • Mir persönlich bekannte Männer sind durchaus gut, leider sind nicht alle so
  • Männer sind nicht das Problem sondern die Männlichkeit, also das Verhalten des typischen Mann
  • Wie du als Mann aufhören kannst ein schrecklicher Mann zu sein indem du ein feministischer Ally wirst und deine Privilegien hinterfragst

Es gibt keine tatsächlich positiven Artikel darüber im Feminismus was Männer machen. Es gibt allenfalls Ausführung dazu, wie Männer besser werden können oder dass es einige gute Männer gibt. Selbst selbst die Artikel in denen es darum geht, dass es gute Männer geben sollte haben meistens den Ausgang, dass Männer leider doch schlecht sind obwohl man hohe Erwartungen an sie hatte. Diese hohen Erwartungen, dass Männer doch besser sein können, werden dann üblicherweise enttäuscht, dienen aber als Nachweis dafür dass man doch eigentlich auf gute Männer hoffte, ihn also gut sein zugesteht.

Aus meiner Sicht sind das Artikel, die eher das Gegenteil davon belegen, was sie eigentlich zeigen sollten: Wer einen der oben genannten Ansätze bringt, der macht damit eher deutlich, dass er gegenwärtig Männern gegenüber nicht positiv eingestellt ist (was nicht unbedingt hassen sein muss, aber doch eine gewisse Männerfeindlichkeit beeinhaltet).

Natürlich: Wenn eine mitlesende Feministin mir hier einen feministischen Artikel mit einer positiveren Sicht auf Frauen darstellen kann, dann würde ich mich freuen.