Was hat der Teufel eigentlich Schlimmes gemacht?

Der Karfreitag ist immer ein guter Tag, um etwas dem Atheismus einerseits und der Religionsdiskussion andererseits zu frönen, bekanntlich auch schon Gegenstand verschiedenster Artikel auf diesem Blog:

Heute ist es einmal an der Zeit, den Gegenspieler Gottes zu betrachten, den Teufel:

 

Falsche Propagandadarstellung und Verunglimpfung

Falsche Propagandadarstellung und Verunglimpfung

Tatsächlich kennen wir natürlich nur die eine Seite, die Darstellung aus der Bibel. Die deckt sich aber durchaus nicht mit dem verbreiteten Bild.

Ganz im Gegenteil: Der Teufel lebt anscheinend ebenfalls im Paradies und macht sich hier bereits früh für Aufklärung und Wissenschaft stark: Er ist für gesunde obstreiche Ernährung offen und hinterfragt auch Regeln auf ihre Nützlichkeit sowie Autoritäten auf ihre Berechtigung. Warum beispielsweise soll der Apfel der Erkenntnis allein Gott gehören, wenn er anscheinend in einem allen Menschen zugänglichen Garten wächst?

Des weiteren scheint er sich durchaus mit Gott zu verstehen, es wird verschiedentlich geschildert, dass beide Gespräche miteinander führen und Gott ihn recht freundlich behandelt. Ein allmächtiger Gott würde das tatsächliche Böse sicherlich eher bekämpfen als mit ihm fröhlich Wetten abzuschließen. Auch hier nimmt er einen durchaus vernünftigen Standpunkt ein: Es ist kein Zeichen besonderer Hingabe oder Glaubens, wenn es einem ohnehin gut geht an einen Gott zu glauben. Gott verleitet das dazu, dass er den armen Hiob erst einmal alles wegnimmt, seine Frau und seine Kinder töten lässt, nur um darzulegen, dass er doch einen treuen Fan hat. Wir erinnern uns an eine ähnlich unmenschliche Szene, in der ein Vater aufgefordert wird seinen Sohn zu opfern und erst im letzten Moment darauf verzichtet wird und an unzählige weitere Greueltaten und Völkermorde, nur um ein „auserwähltes Volk“ zu fördern. Dem Teufel ist keine vergleichbare Tat vorwerfbar.

Tatsächlich ist wohl auch die obige Darstellung reine nachträgliche Propaganda, die Bibel selbst sieht ihn als überaus hübschen gefallenen Engel. Das wohl der Wahrheit näher kommende Bild war aber anscheinend zu positiv für jemanden, der Gott auch mal die Meinung sagt.

Auch im Gespräch mit Jesus wirkt er eher wie ein Konkurrent Gottes, es ist insofern nicht verwunderlich, dass er in dessen Buch schlecht wegkommt:

1 Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. (Hebräer 4.15) 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. (2. Mose 34.28) (1. Könige 19.8) 3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. (1. Mose 3.1-7) 4 Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: „Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen.“
8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. (Matthäus 16.26) 10 Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan! denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen.“ 11 Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm. (Johannes 1.51) (Hebräer 1.6) (Hebräer 1.14)

Wieder einmal sieht man den Teufel lediglich als kritischen Mann, der hinterfragt statt unrelektiert zu glauben. Er versucht Jesus mit einem deutlich besseren Gehalt abzuwerben (wir erinnern uns: Gott hatte ihn lediglich in der Position als Zimmermann auf die Erde geschickt). Dieses wird von Jesus, dem Fanatiker, abgelehnt und der Teufel geht darauf hin seiner Wege ohne weiteres anzurichten.

Es stellt sich dabei durchaus die Frage, ob Jesus das Angebot nicht bitterlich bereut hat, er soll bereits kurz danach das Gefühl gehabt haben, von Gott verlassen zu sein und befand sich in einer durchaus als unangenehm zu bezeichnenden Lage:

Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

„Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Dabei scheint insgesamt auf unterhalb der Führungsebene ein Wechsel durchaus interessant:

Nehmen wir an wir haben einen Gott, dem die Einhaltung seiner Gebote wichtig sind und der die Regeln für sich aufgestellt hat. Dann sieht es eh schlecht für mich aus. Ich esse Schweinefleisch, ich haben vorehelichen Sex, ich halte den Sabbat und auch das Sabbatjahr nicht ein, ich tue allerlei was gegen die unzähligen Gesetze verstößt, die in der Bibel stehen. Ich steinige zB auch keine Ehebrecherinnen oder Schwule und ich spreche und (schlafe gelegentlich) mit Frauen, die unrein sind. Auf all dies möchte ich auch nicht verzichten.Ich habe mir “Living biblically” durchgelesen und es scheint mir in der heutigen Zeit unzumutbar alle Regeln der Bibel einzuhalten. Meine Chancen in den Himmel zu kommen sind demnach bei einem Gott, dessen Regeln man nicht interpretieren darf sehr gering. Denn alle modernen Kirchen haben die Regeln ja stark interpretiert. Und angesichts des Verhaltens einiger Kirchenoberhäupter ist die Gefahr recht hoch, dass sie dabei nicht Sprachrohr eines Gottes waren.
Mal ganz davon abgesehen, dass mein Risiko ja recht hoch ist auf die falsche Religion zu setzen.

Der Teufel scheint auch kein so schlechter Kerl zu sein. Wir kennen ja nur die Propaganda der anderen Seite. Aber warum sollte er alle Menschen quälen, wenn er ansonsten für Sex, Alkohol und sinnlose Party ist? Die meisten teuflichen Aktivitäten auf der Erde sind sehr unterhaltsam, vielleicht führt man sie einfach fort, zusammen mit einer Vielzahl von Indern, Asiaten und Afrikaner und den sonstigen überwiegend nicht christlichen Nationen. Eigentlich ist zu erwarten, dass angesichts der umfassenden Selbstverständlichkeit der obigen Regelverstöße für heutige Menschen die meisten meiner Bekannten ebenfalls in der Hölle landen werden.  Da unten werden immerhin die ganzen Leute sein, die gefeiert haben, da mögen die oben sich ruhig mit ihren Harfen und Chorgesängen die Zeit vertreiben.

Immerhin scheint die Hölle beheizt zu sein, was man über den Himmel keineswegs sagen kann. Nach der bisherigen Verhaltensweise des Teufels könnte es ein Ort der Aufklärung und des kritischen Denkens sein und im Gegensatz zum Himmel scheint die Hölle jeden aufzunehmen und insofern wesentlich nachgiebiger und weniger versnobt zu sein.

 

„Der, der sich nicht traut, der will nicht genug“

https://twitter.com/longing_girl___/status/712180534949060608

 

Vernünftiges Aussieben nicht hinreichend Interessierter? (Kosten des Sex)

Typisch weibliche Denke?

Rationalisierung des Umstandes, dass sich die Frau selbst nicht traut?

„er soll mich ansprechen, ich muss nichts dafür machen“ vs „Sprich sie nur an, wenn sie was signalisiert, ansonsten ist es Belästigung“

Ansprechgap?

Diskutieren sie die im Tweet enthaltene Aussage unter den oben genannten Gesichtspunkten!

Sind die Naturwissenschaften zu wettbewerbsorientiert und die Sprache zu schwer für Frauen?

Feministische Forschung beleuchtet die Naturwissenschaften:

This study explored the gendered nature of STEM higher education institution through a feminist critical discourse analysis of STEM course syllabi from a Midwest research university. I explored STEM syllabi to understand how linguistic features such as stance and interdiscursivity are used in the syllabus and how language and discourses used in the syllabus replicate the masculine nature of STEM education. Findings suggest that the discourses identified in the syllabi reinforce traditional STEM academic roles, and that power and gender in the STEM syllabi are revealed through exploration of the themes of knowledge, learning, and the teaching and learning environment created by the language used in the syllabus. These findings inform and extend understanding of the STEM syllabus and the STEM higher education institution and lead to recommendations about how to make the STEM syllabus more inclusive for women.

In der Studie heißt es dann:
Finally, a review of the syllabi for gendered language and discourses involves an exploration for the discourse of STEM higher education as creating a chilly climate, one that is difficult, competitive, and lacks support. The syllabi explored in this study promoted a view of the classroom as academically difficult, with high standards that were not flexible. For example, “please be reminded that all writing you do in this course will be expected to meet a certain standard of competency and quality” (Lower level geology). The language used promotes the idea that the high standards of the course were inflexible and difficult, and exceptions would not be made if students could not meet expectations. That difficulty is reinforced through the use of comprehensive exams,
“Each exam is semi-comprehensive. And the final exam is fully comprehensive. This means that tests may contain information from throughout the semester” (Lower level geology). Also reinforcing the difficulty of the courses was the treatment of prerequisites as skills or topics that the instructor would not have time to cover in the course. Good algebra and trig skills are essential if you expect to be successful in this course. In addition, you are expected to have sufficiently mastered the material
in Calculus I to be able to use it when needed. We will not have time in this class to devote to prerequisite materials (Lower level math).
Instead of only listing prerequisite courses, these syllabi included prerequisite knowledge and skills, creating an even more intimidating view of the course. That language implied that not only would students be held to difficult high standards, but also that there was also a base of knowledge that was required to be successful in the course. While it is not unrealistic to include prerequisites in a syllabus, the language used to discuss the prerequisites indicated that students who had not learned or did not remember that knowledge would be unsuccessful because there was not support within the course or from the instructor. The language used in this corpus of syllabi created an impression of extremely difficult courses, which contributes to the chilly climate in STEM courses, and would be prohibitive for those not confident in those areas, such as women and minorities. Additionally, a chilly climate is reinforced with a focus on the individual instead of the group and is a characteristic of a masculine learning environment (Mayberry & Rose, 1999).

Also das Erwarten von hohen Leistungen und und die Betonung der Leistungen des Individuums statt der Gruppe schrecken Frauen ab, weil es einfach eine männliche Sache ist, alleine Leistung zu zeigen, während Frauen nur in der Gruppe stark sein können.
Weiter heißt es:
Another aspect of the chilly climate is competitiveness, and the STEM syllabi were also framed as competitive courses, exemplified by grading on a curve, “The final grading scale may be curved based on class performance” (Lower level biology). Grading on a curve is one way that the literature has found to be competitive and discouraging to women and minorities (Shapiro & Sax, 2011). Finally, the competitive, difficult chilly climate was reinforced in the syllabi through the use of unfriendly and tough language, “Do not ask me to figure out your grade standing. I’ll be glad to show you how to do it yourself, but the homepage includes that explanation already” (Lower level geology). Like this statement, many of the syllabi used language that was unfriendly and reinforced the individualistic, difficult and competitive nature of the STEM classroom. Throughout the syllabi, the chilly climate was reinforced through language use and the selection of assessments and teaching methods.
Wettbewerb ist eben nichts für Frauen. Das ist der Stand dieser feministischen Studie. Es wundert da wenig, dass Frauen dann nicht Geschäftführer, Politiker oder sonstige Personen in hohen Positionen sind. Ein Mann, der passende Textpassagen als eigene vortragen würde hätte wahrscheinlich in kurzester Zeit einen Shitstorm a la Tim Hunt auf sich gezogen.
Es zeigt auch mal wieder das Doppeldenk im Feminismus: So eine Studie geht da durchaus durch, es gilt dann die Erzählung, dass Frauen eben auf andere Weise Erfolg haben als Männer und zarte Pflänzchen sind, die aber genau die gleiche Leistung bringen. Es ist eine Form des Differenzfeminismus der aber sofort wieder in Gleichheitsfeminismus umschwenkt, wenn man Frauen vorhalten würde, dass sie bestimmte Eigenschaften nicht haben.
Zudem heißt es:
In response to research question three, gender is not explicitly referenced within this corpus but the masculine or male-biased views of knowledge, learning and teaching that are seen in the STEM education institution are reinforced in the syllabus. Throughout the syllabi, knowledge is represented as static and unchanging, with some nods to collaborative and active learning to encourage students to acquire course content. Language used in the syllabi reinforces the unfriendly and difficult nature of STEM courses, and STEM teaching is framed as the instructor’s role to deposit static knowledge into students. In those ways, the syllabi replicate the gendered STEM education institution and are gendered to the disadvantage of women.

Lustig. Männliche Arten des Wissens, des Lernens und des Lehrens sind also:
  • es gibt gesichertes Wissen
  • Der Lehrer bringt es bei

Weiblich wäre anscheinend eine subjektive Sicht auf Wissen. Wie soll man sich das feministisch korrekt vorstellen: E=mc2? Auch nur so eine sexistische Gleichung, die die Lichtgeschwindigkeit priviligiert. Berechnungen in der Physik? Masse kann auch durch gute Worte Empowerd werden, alles andere ist Massshaming.

Gut, dass wir die feministische Forschung haben. Endlich wissen wir, dass Wettbewerb nichts für Frauen ist und sie nicht damit umgehen können, wenn es auf harte Leistung ankommt.

Der Feminismus kennt keinen sachlichen Umgang mit Kritik

Elitemedium twitterte etwas sehr wahres:

Da der Feminismus Instrumente zum sachlichen Umgang mit Kritik nicht kennt, ist er auch nicht in der Lage Streit im eigenen Lager zu regeln.

Einer der Gründe, warum sich der Feminismus so sehr durchgesetzt hat, ist aus meiner Sicht die  starke Ideologisierung, die dazu führt, dass man auf alles losgeht, was irgendwie nicht „Richtig“ ist. Wobei „richtig sein“ bedeutet „Genau richtig sein“, in die richtige Richtung oder fast richtig ist genau so falsch (der „Nicht gut genug Aktivismus„). Feminismus ist ein Wettstreit, wer mehr der richtigen „Opfer“ als solche bewertet und die damit verbundene „Diskriminierung“ bekämpft.

Im IDPOL zählt nur das Opfer und im Intersektionalismus wird das noch einmal erweitert um die „Münchhausen per proxy“ Haltung, dass man andere Opfer erkennen und für sie einspringen muss.

Weil man mit dem Interesektionalismus beliebig viele unterdrückte Gruppen schaffen kann, von denen immer eine von dem anderen nicht nach Gebühr beachtet werden wird, muss es hier immer wieder interne Streitigkeiten geben.

Vernünftige Instrumente eine solche Streitigkeit zu lösen kann es nicht geben, da der moderne (intersektionale) Genderfeminismus denjenigen, der eine erkannte Opferstellung nicht verteidigt und Abweichler angreift, eben als Täter sieht, der selbst Opfer angreift.

Diese aggressive Haltung macht Widerstand gegen den Feminismus so gefährlich, weil ein klarer Feind interne Streitigkeiten am besten blockiert. Solange zB ein MANN ein Hemd mit NACKTEN FRAUEN trägt ist der Feind klar, auch wenn die gleichen Feministinnen sich unter sich vielleicht die Augen auskratzen würden, wenn man sie fragt, ob die nackten Frauen oder weiße nackte Frauen auf einem Hemd das größere Problem sind. Auch das könnte ein guter Grund dafür sein, dass der Streit nach außen, das Anschließen an den Shitstorm so beliebt ist, denn es ermöglicht einfach mal den Kopf auszuschalten und sich auf den Feind zu konzentrieren. Natürlich wird in jeder feministischen Aktion auch eine Feministin was zu meckern haben, aber wenn man Glück hat, dann kann man erst einmal über die Gegenseite herziehen und der In-Group frönen.

Das Gehalt als einziges Kriterium der Jobwahl im Feminismus

Wenn über den Gender Pay Gap gesprochen wird dann entsteht immer wieder der Eindruck, dass das einzige Kriterium der Jobwahl nur das Gehalt sein darf.

Es ist anscheinend nicht vorstellbar, dass auch andere Faktoren neben dem Gehalt, wie  beispielsweise  die Art der Arbeitsstelle, die Entfernung zur eigenen Wohnung, die Anfälligkeit für Überstunden, der allgemeine Stress sich auf die Wahl des Arbeitsplatzes auswirken.

Finde ich gerade deswegen interessant weil  Feminismus üblicherweise von Personen, die eher links sind, vertreten wird. Diese sollten sich eigentlich bewußt sein, das Geld nicht alles ist, dennoch kann sich anscheinend dort kaum eine Frau vorstellen, dass Frauen in diesem Bereich weniger auf Geld fixiert sind und dass das sogar ein mehr an Lebensqualität etc mit sich bringen muss.

Es kann viele Gründe geben, Geld nicht so hoch zu bewerten, etwa weil man mehr Freizeit haben möchte bzw. seine Zeit lieber bei der Familie etc verbringen möchte, weil man Spass an einem Job höher bewertet, weil man für einen besseren Job weiter fahren müsste und das auch weniger Flexibilität und mehr Zeit unterwegs bedeutet, weil mehr Verantwortung auch mehr Stress bedeutet oder kurz: Weil man Karriere gar nicht so wichtig findet.

Das Streben nach Karriere, Status, Geld, ich wäre mir recht sicher, dass viele Feministinnen das durchaus schon unter Patriarchat subsumiert haben, als „typische männliches Verhalten“, welches zu Krieg und Kapitalismus führt.

Bringt man dieses Argument, dann kommen üblicherweise die folgenden Einwendungen:

  • „Alles ist Erziehung, Frauen haben keinen eigenen Willen“: Männer und Frauen sind gleich, alle Unterschiede sind anerzogen und Frauen haben verinnerlicht, dass sie eben Geld nicht als so wichtig ansehen sollen
    Hier finde ich es immer erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit zum einen Frauen der freie Wille abgesprochen wird, eine eigene Lebensplanung zu entwickeln und bestimmte, ja durchaus auch nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig Männern anscheinend weiterhin die volle Agenda zugestanden wird, dies zu tun, auch wenn Karriere ja keineswegs immer ein Zuckerschlecken sein muss
  • „Frauen würden wollen, aber die Männer beuten sie aus“ :Frauen haben gar nicht die Möglichkeit, sich für „Geld“ zu entscheiden, weil die Männer ihnen die Zeit dazu nicht lassen, sondern sie in die kostenlose „Care Arbeit“ drängen. Frauen werden in die Abhängigkeit von Männern gedrängt
    Auch hier haben wir wieder ein Aberkennen eines eigenen Willens und gerade das Abhängigkeitsargument finde ich da alles andere als klar: Zum einen ist er gerade in einer Ehe genau so abhängig wie er: Lässt sie sich scheiden, dann muss er, wenn seine Frau wenig verdient hat, nahezu die Hälfte seiner Rentenanwartschaften an sie übertragen, das Vermögen wird so aufgeteilt, dass jeder innerhalb der Ehe gleich viel verdient hat und er hat die Gefahr mit erheblichen Unterhaltszahlungen belastet zu sein.
    Zudem gibt es genug Ehen in denen sie vollen Zugriff auf sein Gehaltskonto hat und hiervon einkauft etc.
    Ich führe dann gerne die Ehefrau des Ministerialrats an, die hauptsächlich Hausfrau war und in einer funktionierenden Ehe sehr gut gelebt hat und finanzielle Sorgen nicht kannte. Sie hat zwar keine eigene Rente, lebt aber später mit ihm von seiner sehr guten Pension. Im Feminismus ist sie unterdrückt, konnte keine Karriere machen, wurde ausgebeutet und befand sich in beständiger Abhängigkeit.
  • „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“: Ja, Frauen haben andere Vorlieben und sehen wenig Sinn in typischen Karriere kämpfen, aber es ist ungerecht, dass sie nicht trotzdem das Gleiche verdienen. Die Welt sollte so geändert werden, dass dieses Verhalten egal ist und auch Männer das nicht mehr müssen
    Hier überrascht mich immer die Lebensfremdheit dieser Ansichten. Ich frage mich dann immer, ob diese Leute dann auch, wenn sie einen Handwerker bestellen gerne etwas länger warten, weil der Handwerker nur weniger Stunden arbeitet um mehr Zeit mit der Familie zu haben oder ob sie dann seinen Kollegen vorziehen und dem lieber den Job geben, weil der am übernächsten Tag da ist. Oder ob sie bei einer Operation die Ärztin in Teilzeit und langen Aussetzen wegen Kindererziehung mit 100 Operationen oder den Arzt mit 400 Operationen, (aber der dritten Ehe, weil er immer so lange arbeitet), nehmen würden. Der Gedanke, dass das Gehalt überall gleich sein muss und die Konkurrenz ignoriert werden muss, ist so lebensfremd und so abseits des Marktgeschehens, dass er mich immer wieder erstaunt.

Welche Argumente habt ihr in entsprechenden Diskussionen gehört? Wie bewertet ihr sie?
Und welche Faktoren sind euch bei einem Job wichtig?

 

 

 

 

Arne Hoffmann „Männerbeben“

Ein weiteres Buch von Arne Hoffmann ist „Männerbeben“:

 

Arne Hoffmann Maennerbeben

Arne Hoffmann Männerbeben

Hier aus einer Besprechung bei Amazon:

Arne Hoffmann portraitiert in seinem Buch „Männerbeben: Das starke Geschlecht kehrt zurück“ die Geschichte, Zielsetzung und Vorgehensweise der Männerrechtsbewegung in Deutschland, als deren Exponenten er vor allem die Männerpartei und die Bewegung „Manndat“ hervorhebt.

Das Werk untergliedert sich in zwei Teile: Im ersten subsumiert er zunächst die gesellschaftliche Diskussion um Emanzipation und die Stellung des Mannes in der modernen Gesellschaft auf treffende, dabei aber immer neutrale und nicht polemische Art und Weise: Der Mann, so Hoffmann, wurde in der Gesellschaft der westlichen Länder (auch und vor allem in Deutschland) im Zuge der Emanzipation mehr und mehr als minderwertiges und unterlegenes Geschlecht präsentiert, wohingegen Frauen nur noch als Inbegriff aller edlen Tugenden und Vorzüge verklärt wurden. Die Folge davon sei eine soziale Tendenz (Hoffmann nennt es „Hintergrundrauschen“ [S. 14]), die bewirke, dass Frauen – auch realerweise, also im Hinblick auf die Vergabe öffentlicher Ämter und Führungspositionen, Stipendien etc. – übervorteilt, Männer benachteiligt würden.

Hierbei besonders bemerkenswert ist, dass Hoffmann wirklich niemals polemisch, sondern immer sachlich argumentiert. Man könnte ja annehmen, dass ein solch sensibles und – fast schon explosiv zu nennendes – Thema durchaus zur Erhitzung der Gemüter führen könnte, doch Hoffmann erliegt dieser Versuchung sichtbar nicht. Klar strukturiert, untermauert er jedes seiner Argumente auch mit einer Vielzahl von Beispielen und man merkt, dass der Autor sich gründlich in die Materie hineinvertieft hat und sich durchaus ein großes Fachwissen und eine beeindruckende Kompetenz angelesen hat.

Auch gefallen hat mir die Schonungslosigkeit, mit der Hoffmann die oftmals stark diskriminierenden Parolen von radikalen Feministinnen kennzeichnet als „Gefasel“ (S. 22), das bisweilen stark in extrem radikale Gefilde abzudriften pflegt. Hoffmann plädiert zur besseren Entlarvung radikaler feministischer Texte und Meinungen hier für eine Methode, die er als „Austauschmethode“ bezeichnet (und die scheinbar aus der sogenannten „Text- und Diskursanalyse“ stammt, S. 11): Man ersetze „das Wort „Männer“ [in diesen Texten] durch eine gesellschaftliche Gruppe…, für deren Diskriminierung heutzutage deutlich mehr Sensibilität besteht“ (S. 44) und erhält dadurch einen Einblick in die geradezu faschistoide Denkweise, mit der in unserer Zeit an das Thema „Stellung der Geschlechter“ herangegangen wird. Immerhin, aus dem Buchtitel „Wenn Männer lügen“ würde dann zum Beispiel „Wenn Ausländer lügen“ – ich denke, man sieht deutlich, wie das heutzutage wirken würde. Aber: Männer, so Hoffmann, dürfen diskriminiert, verunglimpft und beschimpft werden – so etwas ist zur Zeit salonfähig und ich finde es
erschütternd. Umso wichtiger, dass es endlich mal eine Publikation gibt, die ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, darauf aufmerksam macht.

Im zweiten Teil des Buches kommen Menschen zu Wort, die auf die eine oder andere Art und Weise mit der neuen Problematik zu tun haben. Diese Art Vorgehen ist nichts Neues für diesen Autor; wenn man zum Beispiel seine Veröffentlichung über Menschen ohne sexuelle und Beziehungserfahrung („Absolute Beginner“) liest, erkennt man dieses spezielle Schema auch hier. Diese Taktik gibt dem Buch und den darin vertretenen Meinungen einen real-sozialen Hintergrund und bettet die im ersten Teil geäußerten Thesen in einen Kontext ein, der vom Leser gut verstanden werden kann. Hoffmann zeigt auch auf, dass die Männerrechtsbewegungen hierzulande keineswegs noch vollständig in die Kinderschuhen stecken, sondern sich durchaus auf dem Weg zu schlagkräftigen und handlungsfähigen Organisationen befinden (wenngleich auch dieser Report über den Zustand der entsprechenden Bewegungen, Parteien und Initiativen eher indirekt zwischen den Zeilen hindurchscheint, als dass er explizit formuliert und in einem eigenen Kapitel mit behandelt wird).

Ja, was lässt sich zum Schluss als Fazit sagen? Es handelt sich bei dem Buch „Männerbeben“ um ein brauchbares, gut fundiertes und angenehm zu lesendes Werk mit einem sehr brisanten Thema, welches in der Öffentlichkeit endlich gewürdig werden sollte. Ich finde es nach wie vor schade, dass die Anliegen von Männern in unserer Gesellschaft schlicht und ergreifend einfach denen der Frauen untergeordnet werden, sodass wir von einer tatsächlichen Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. Aber wer weiß, vielleicht wird sich dies eines Tages zum Besseren ändern – jedenfalls hat dieses Buch hier sein Übriges dazu getan.

 Was sagt ihr zu dem Buch? Hat es einer hier gelesen? Man bekommt es zB über Amazon hier

Anne Wizoreks Danksagung an den Feminismus

Zum Weltfrauentag gibt es teils kritische Artikel, teils klassisch feministische Artikel. Anne Wizorek hat eine Danksagung an den Feminismus geschrieben, die ich ganz interessant fand:

Danke, dass ich durch dich gecheckt habe, wie fies verinnerlichter Sexismus ist. Dieses ekelhafte Gefühl, das am Selbstbewusstsein nagt und viel zu lange dafür sorgte, dass ich mich nicht einfach für andere Frauen freuen konnte, sondern sie als Konkurrenz empfand. Klar, so etwas tief Verinnerlichtes ist nichts, was du von heute auf morgen ablegst, aber kaum etwas hat mich so sehr befreit wie die Erkenntnis, dass ich nicht auf andere Frauen scheißen muss, um mich besser zu fühlen und ich selbst wiederum nicht weniger wert bin, wenn andere Frauen erfolgreich sind. (Hierzu kannst du dir jetzt im Hintergrund einen Chor vorstellen, der „Let it go“ schmettert.)

Diesen Teil finde ich sehr interessant, weil er zeigt, wie befreiend eine Schuldverlagerung sein kann. Wo vorher intrasexueller Wettbewerb unter Frauen war, in der man Konkurrentin war, kann man mit der feministischen Theorie alles auf einen Dritten verlagern, der Schuld ist: Es ist eben die patriarchale Gesellschaft, die dazu führt, dass man Sexismus (eigentlich: den Wunsch in der Konkurrenz der Frauen gut abzuschneiden) verinnerlicht hat. Akzeptiert man das, dann nimmt man sich gleichsam aus dem Wettbewerb: Schöneheit? Nur konstruiert, alle müssen mich lieben, wie ich bin. Beruflicher Erfolg? Das Patriarchat will mich zwingen perfekt zu sein, ich kann aber einfach machen, was ich will

Danke dafür, dass du mir die großartigsten Herzensmenschen überall auf der Welt beschert hast. (Mit extra Shout-Out ans Internet!) Und, dass wir gemeinsam nicht nur kämpfen, sondern immer auch lachen können.

Eine In-Group funktioniert halt auch am besten, wenn man eine feindliche Outgroup hat.

Danke dafür, dass ich durch dich verstanden habe, nicht schuld daran zu sein, wenn ich sexualisierte Gewalt erfahre. Von dir höre ich keinen Mist wie „Was hattest du an? Warst du betrunken? War es nicht bloß ein Kompliment?“ Nein, du sagst einfach nur „Ich glaube dir. Was für eine Scheiße. Lass uns dafür sorgen, dass niemand mehr so etwas erleben und gar hinnehmen muss!“

Das „Alles was ich fühle ist wahr“ ein angenehmer Grundsatz ist, bei dem man nichts mehr hinterfragen muss ist sicherlich in der Tat schön. Zumal wenn man gleich noch die verantwortliche Gruppe frei Haus geliefert bekommt. Die Männer sind schuld: Wie erziehen wir sie um?

Danke, dass du mir Wut nicht absprichst, sondern in ihr eine absolut angemessene Reaktion auf unterdrückenden Bullshit siehst – allein, weil Weglächeln eben auch nicht hilft, um Probleme zu lösen.

„Alles was ich fühle ist wahr“ und „wie auch immer ich mich verhalte ist es genau richtig, ich muss mich nicht zurücknehmen, die anderen sind ja die Bösen“ und „“Wehe einer wagt es mich zu hinterfragen“. Klassischer moderner Feminismus eben. Lustigerweise nimmt sie in gewisserweise die Konkurrenz unter Frauen raus und errichtet statt dessen eine neue Kategorie, in der sie ganz oben sitzt und immer Recht hat. Mittels prosozialer Dominanz die Welt verbessert. Und jeden Ton dazu anschlagen kann, den sie will. Sprich: In ihrer Phantasie ist die Hierarchie neu verteilt: Wo sie vorher kämpfen musste um ihren Platz, steht sie jetzt automatisch oben mit den anderen Feministinnen zusammen. Sie nimmt sich also zum einen aus der Konkurrenz und landet dann gleichzeitig an deren Spitze, indem sie meckern und bewerten und alles auf internalisierten Sexismus schieben kann, wie sie will

Danke dafür, dass du kein zynisches Arschloch bist, sondern einfach solidarisch. Dass du mir gezeigt hast, dass es eben nicht nur um mich geht, sondern um Freiheiten für uns alle. Dass unsere Kämpfe dabei nicht alle identisch sind, aber der Wunsch sie nicht mehr führen zu müssen, uns eint.

Es geht glaube ich den Feministinnen zu einem durchaus großen Teil um sich. Sonst würden sie sich nicht an Kleinigkeiten so hochziehen.

Danke dafür, dass du unermüdlich eine geschlechtergerechte Zukunft entwirfst und einforderst, statt in der Vergangenheit zu kleben und Fred-Feuerstein-Geschlechterbilder heraufzubeschwören, die es noch nicht mal zu Steinzeiten gab.

„Geschlechtergerecht“ ist dabei ein großes Wort, wenn man gleichzeitig den Mann zum Sündenbock für alles macht, Frauen entmündigt, indem man ihre Vorstellungen nur als Ausdruck verinnerlichten Sexismus sieht und sich selbst das Recht zugesteht, wütend sein als angemessene Reaktion zu sehen.

Danke, dass du dich dabei um die (vermeintlich) kleinen Dinge genauso kümmerst, wie um die großen und sie nicht gegeneinander ausspielst.

Mit dem einfachem Rezept „alles ist groß, gerade das in meiner Umgebung, wenn man damit die Richtigen beschuldigen kann“

Danke, dass ich immer wieder Kraft und Hoffnung aus dir schöpfen kann. Besonders, wenn die Welt sie mir sonst überall raubt.

Das könnte auch stark daran liegen, dass der Frame, durch den sie die Welt betrachtet, die feministisch vermittelte Opferrolle ist. Diese raubt ihr tatsächlich die Kraft, statt sie ihr zu geben. Das fällt ihr nicht auf, weil sie auch hier wieder verlagert: Das, was sie runterzieht, ist die Welt, nicht ihre verschrobene Sicht darauf. Das was sie aufrichtet, ist eigentlich die Auflehnung gegen Unterdrückungen und Aggressionen, die es so nur in ihrer Fantasie gibt.

 

„Weshalb ich mich dafür schämen muss, eine Feministin zu sein“

Ein interessanter Text, indem sich eine Feministin um Abgrenzung und Kritik am radikalen Feminismus bemüht.

Ausgangspunkt ist eine Debatte anhand eines Bildes, dass sich damit befasst, dass man Frauen gefälligst nur ansprechen sollte, wenn diese das ausdrücklich wollen, alles andere sei sexuelle Belästigung. Sie diskutiert mit den dortigen Feministinnen und kommt dabei zu dem Ergebnis:

mir wurde klar, mit diesen Frauen lässt sich nicht diskutieren. In ihren Köpfen existiert ein Feindbild und dies ist der Mann. Dabei verkennen sie jedoch das echte Problem. Dieses Problem nennt sich Sexismus. Die Frau wird sich nie aus ihrer Position erheben können, solange sie selbst sexistisch ist. Und wenn eine Frau behauptet, es gäbe keinen Sexismus gegenüber Männern und dass sich Männer am Feminismusdiskurs nicht beteiligten dürfen, nur weil sie ein Mann sind, dann muss ich leider feststellen: Frauen, ihr seid keine Feministinnen.

Eine berechtigte Kritik, mit der sie sich aber gleichzeitig schon weit vom gegenwärtigen modernen intersektionalen Feminismus und seiner klaren Einteilung in Unterdrückte ohne Macht und Täter mit instituioneller Macht entfernt.

Wer immer noch glaubt, Männer denken immer nur an das Eine und sprächen Frauen stets nur an, um sie zu objektifizieren (und ja, es gibt einige pick-up artists, die dies tun), hat etwas Grundlegendes über Feminismus nicht verstanden. Feminismus bedeutet nicht, Männer zu hassen. Feminismus bedeutet, Rollenklischees zu überwinden. Wer Männern bestimmte Verhaltensweisen zuschreibt und sie aufgrund ihres Geschlechtes vom Diskurs ausschließt, der ist diskriminierend.

Das wäre ja noch ein Feminismus bei dem man durchaus mitgehen könnte.

Dies durfte ich selbst erleben, als ich es wagte, es als völlig unproblematisch zu sehen, beim einvernehmlichen sexuellen Akt und auf Verlangen der Frau, dieser Frau Sperma ins Gesicht zu spritzen. Als ein guter Freund mir beipflichtete, wurde dieser von den anwesenden Damen in Stücke gerissen. Laut ihnen sei dies die klassische Meinung eines Mannes, der nichts von Sexismus verstünde. Als Mann sei es ihm darüber hinaus überhaupt nicht erlaubt, sich dazu zu äußern.

Frauen ins Gesicht zu spritzen ist also immer sexistisch, weil der Akt des ins-Gesicht-Spritzen symbolisch aufgeladen werden kann. Dies ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch gefährlich. Denn es verlagert den Diskurs auf eine freudianisch angehauchte Symbolisationsebene, deren Repräsentation wenig realistisch ist. Es geht um gesellschaftliche Denkmuster, Rollenverhalten und Klischees, nicht darum, was man einvernehmlich macht, während man erregt ist.

„Das private ist politisch“ würde man ihr da wohl aus dem Feminismus entgegenhalten. Bestimmte Verhaltensweisen transportieren Geschlechterrollen und wenn jeder sie im privaten hinnimmt, dann bleiben eben auch die Rollen. Wobei es ja auch genug Feministinnen gibt, die ihr wohl zustimmen würden, dann aus dem Gesichtspunkt, dass alles andere Slutshaming und auch wieder eine Festschreibung von Rollen ist.

Sexismus erfolgt dort, wo es geschlechtsbezogene Zuschreibungen gibt, die bestimmte Geschlechter definieren sollen. Es erfolgt dort, wo es heißt, Männer müssten mit Autos und Frauen müssten mit Puppen spielen. Es erfolgt dort, wo eine Frau zu Bescheidenheit und Prüderie erzogen wird, mit dem Argument, dass es sich für Frauen halt so gehört. Sexismus erfolgt dort, wo sich Männer ihr Sorgerecht hart erkämpfen müssen, weil man immer noch der Meinung ist, dass sich nur Mütter wirklich gut um ihre Kinder kümmern könnten.

Es wäre ein Verständnis von Feminismus, welches einiges verbessern würde. Denn es werden hier eben Nachteile beider Rollen angesprochen, es sollen insoweit auch „Privilegien“ der Frauen hinterfragt werden. Mit einem Hinterfragen dessen, was man Muss, der festen Rollenzuweisung also, kann ich auch durchaus leben, wenn man gleichzeitig anerkennt, dass es aufgrund der Biologie des Menschen dennoch zu Häufungen in bestimmten Bereichen kommt. Da wäre die Frage, was sie mit einer Erziehung zu „Bescheidenheit und Prüderie“ meint.

Der deutschen Frau stehen heutzutage rechtlich alle Türen offen. Trotzdem verdient sie oftmals weniger Geld und besetzt selten die Toppositionen. Woran liegt das? Am Mann, der sie aus reiner Boshaftigkeit unterdrückt? Oder vielleicht doch nicht nur am Mann, sondern genauso an der Frau, die in der Regel nicht so hart verhandelt wie der Mann, weil sie von der Gesellschaft dazu erzogen wurde, möglichst selten anzuecken? Frauen, die nach mehr Lohn und höheren Positionen verlangen, aber sich trotzdem in ihre Rolle fügen und anerzogenes Rollenverhalten perpetuieren, machen sich mitschuldig. Wenn eine Frau immer noch glaubt, Männer wären aufgrund ihres biologischen Geschlechts besser im Verhandeln als Frauen und sich Frauen besser um Kindererziehung kümmern können und sollten, ist sexistisch und schadet sich selbst.

Einem Teil würde ich zustimmen, einem Teil nicht. In der Tat müsste man für Änderungen wesentlich mehr bei der Frau ansetzen und nicht die Schuld bei dem Mann suchen, wenn man die Änderungen denn tatsächlich will. Gleichzeitig unterscheiden sich Männer und Frauen in bestimmten Eigenheiten auch aus biologischen Gründen, die sich durchaus auch so auswirken können, dass Männer besser verhandeln: Nicht nur sind Männer da in der Regel risikofreudiger, sie sind auch eher bereit einen neuen, entfernteren Job anzunehmen, sie arbeiten eher Vollzeit, sie arbeiten in leistungsorientierteren Berufen, was ihre Verhandlungsposition verbessert. Ihnen ist das Gehalt auch häufig wichtiger, während Frauen andere Kriterien höher bewerten.

Dies bedeutet nicht, dass eine Frau nicht Hausfrau und Mutter werden soll. Doch es bedeutet, dass eine Frau dies nicht werden soll, wenn sie es nur tut, weil es sich so gehört. Jede Frau, die ihre Rolle kritisch hinterfragt und sich letztlich dafür entscheidet Hausfrau, Mutter oder Prostituierte zu werden, ist emanzipiert. Ich habe bereits erwähnt, ich bin eine Feministin. Ich glaube daran, dass Ungleichheiten existieren, die Frauen benachteiligen. Ich glaube jedoch nicht daran, dass es hilft, sich als Frau in die Opferrolle zu begeben und Männer grundsätzlich zu Tätern zu machen. Wir alle sind gleichermaßen daran beteiligt, dass sich deutsche Frauen nicht trauen, bei Gehaltsfragen stärker zu verhandeln oder außerhalb des sozialen Sektors zu arbeiten. Wir alle sind gleichermaßen daran beteiligt, dass Frauen glauben, sie müssten sich in Karrieresachen zurücknehmen und die Kindererziehung alleine stemmen.

Sie glaubt noch an die Diskriminierung, aber sie ist gleichzeitig bereit zu diskutieren und fordert zum eigenen Handeln auf. Es wäre eine deutlische Verbesserung. Sie scheint zudem auch nicht an einer klaren Schuldzuweisung an Männer interessiert zu sein.

Denn immer noch ist das Bild der Hausfrau und Mutter weit verbreitet und als normal angesehen, während ein Hausmann dafür eher belächelt wird – und zwar nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen. Wir fordern von Männern, dass sie groß, stark und super männlich sind. Wir kritisieren, dass Playboy und Hollywood ein stereotypes Bild der Frau präsentieren und gleichzeitig hängt ein Magic Mike Poster an unserer Wand – oder wir himmeln einen Christian Grey an, der ein hypermaskuliner, creepy stalker ist. Solange wir also stereotype Männer begehren, werden wir selbst nie etwas anderes als ein Klischee sein können.

Das ist ein Punkt, auf den ich ja auch immer wieder gerne Hinweise. Feministinnen sehen in Männlichkeit das Böse. Sehr viele Frauen machen es gleichzeitig zur Grundlage ihrer Partnerwahl.

Es ist anfangs sicherlich nicht leicht, aus diesen Denkmustern heraus zu kommen, doch es ist möglich. Wir müssen bei uns selbst beginnen und aufhören, die Schuld auf andere zu schieben. Die Pseudofeministinnen, die immer nur laut schreien und auf ihr Feindbild Mann oder Hausfrau zielen, werden nie etwas anderes erhalten als Ablehnung. Etwas, was die Feminismusbewegung sicherlich nicht gebrauchen kann. Wir brauchen Unterstützung. Nicht nur von den Frauen, sondern auch von allen anderen Geschlechtern. Lasst sie uns ins Boot holen. Wir haben hier genügend Platz.

Hat natürlich etwas von „No real scotsmen“, aber dennoch bleibt erst einmal eine positive Grundaussage, nämlich die des Miteinander und des anerkennen, das man selbst zu bestimmten Zuständen beiträgt und nicht nur die andere Seite schuld ist.