Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. März 2016

„Es gibt kein perfektes Opfer“

Bei einer Vielzahl von prominenten Fällen, in denen es um Vergewaltigung ging, tauchten erhebliche Unstimmigkeiten auf. Die Beschuldigerin verstrickte sich bei der Aussage in Umstimmigkeiten oder zeigte ein Verhalten, welches mit der Tat nicht in Einklang zu bringen ist, etwa indem sie dem angeblichen Vergewaltiger danach noch trafen, ihm nette Nachrichten schicken und sich mit ihm treffen wollen.

Gleichzeitig gilt im Feminismus der Grundsatz, dass eine solche Anschuldigung immer geglaubt werden muss. Eine Anzweifelung einer solchen Tat ist auch dann im radikalen Feminismus nicht möglich, wenn die Tat vollkommen unplausibel wird.

Es war also ein Rettungsanker erforderlich mit dem man die Sicht aufrechterhalten kann und dieser Rettungsanker ist die simple Aussage:

Es gibt kein perfektes Opfer

Damit kann man nahezu jede Abweichung rechtfertigen. Mit dieser Aussage soll gesagt werden, dass ein Opfer sich eben nicht immer typisch verhält, dass es auch vergessen kann, dass bei einer so schrecklichen Tat eben gar keine Anforderungen an die Aussage gestellt werden können und jede Ungenauigkeit damit entschuldigt ist. Es ist also nur ein Strohmann für die Aussage, dass man dem Opfer immer glauben soll.

Natürlich ist es durchaus richtig, dass auch Unstimmigkeiten in einer Aussage auftreten können, weil unser Gedächtnis in der Tat alles andere als perfekt ist. Tatsächlich gilt in der Juristerei sogar der Grundsatz, dass kleinere Unstimmigkeiten, das Nichterinneren an Kleinigkeiten, sogar für die Glaubwürdigkeit sprechen können, weil sie eben dafür sprechen, dass der Zeuge die Aussage nicht zwanghaft schönt und wahr aussagt.

Das gilt aber für Kleinigkeiten und nicht zentrale Punkte oder größere Unstimmigkeiten. In diesem Fall muss schon aus der Unschuldsvermutung folgen, dass das Gericht den Beschuldigten nicht verurteilt. Die implizierte Aussage, dass auf eine Beweiswürdigung verzichtet werden kann und die Aussage immer wahr ist, ist für eine Gerichtsverhandlung eine Aufgabe der Unschuldsvermutung.

Natürlich ist außerhalb einer Gerichtsverhandlung niemand gezwungen, die Unschuldsvermutung einzuhalten, die für den Staat zur Vorbeugung eines Mißbrauchs seiner Macht und zum Schutz des Bürgers eingerichtet wurde. Aber auch hier ist gerade die Phrase „perfektes Opfer“ ein Strohmann. Tatsächlich soll damit jegliche Unstimmigkeit entschuldigt werden. Es ist eine Immunisierungsstrategie, wie so oft in einer radikalen Ideologie, in der eine Position aufrecht gehalten werden muss, auch wenn sie kaum noch zu vertreten ist. Es dürfen dann noch nicht einmal Zweifel zugegeben werden.

Dafür eignet sich diese Strategie sehr gut

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Responses

  1. Solange es den „Perfekten Täter“ gibt (z.B. indem Fehler oder Unstimmigkeiten in seiner Geschichte als belastend gewertet werden) sehe ich nicht, warum man nicht das Perfekte Opfer fordern sollte.

  2. Ich hane nicht verstanden, was Feministen vorschlagen, wie man zwischen unperfekten Opfern und lügenden Nicht-Opfern unterscheiden kann.
    Gibt es da eine Quelle zu?

    • @only me

      Eine Entscheidung ist hinfällig, dem (weiblichen) Opfer ist immer zu glauben (es sei denn intersektionale Bedenken stehen dagegen zB der Täter ist ein PoC, dann bleibt Raum für differenzierung)

    • Braucht man nicht, da es lügende Nicht-Opfer per Definition nicht geben kann.

  3. „Es gibt kein perfektes Opfer“ ist nichts als Agree & Amplify gegen das eigene Unsicherheitsgefühl bei der Anzeige. Zum Glück interessiert sich der Rechtsstaat nicht für die Gefühle von irgendwem, sondern hat leidlich objektive Kriterien.

    Hat sich Semikolon mit ihrer Vergewaltigungssehnsucht beruhigt? Das müsste doch ihr Thema sein?

  4. „Listen and Believe“ im Rechtssystem durchzusetzen würde den Eintritt in eine Willkürjustiz bedeuten, in dem eine Anklage automatisch einem Schuldspruch gleichkommt.
    Ich frage mich, ob Feministinnen auch vehement „Listen and Believe“ vertreten würden, wenn ein Mann eine Frau der Vergewaltigung bezichtigt. Und warum soll der Grundsatz eigentlich ausgerechnet und ausschließlich bei Vergewaltigungen gelten? Was ist, wenn ich einfach behaupte, der werte Blogmaster hätte mich verprügelt, weil ich die heiligen Lehren der Evolution geleugnet hätte? Warum sollte ich lügen? Listen and Believe“! Ergreift ihn! Schleudert den Purschen zu Poten! Oder was ist mit dem Mann, der eine Frau wegen Falschbeschuldigung anzeigt? In diesem Fall wäre er ja das angebliche Opfer, müsste man ihm da nicht glauben? Auch wenn er sich nicht „perfekt“ verhalten hat?
    Aber natürlich gilt „Listen and Believe“ nur für weibliche angebliche Opfer. Denn im Grunde steht dahinter nur wieder das Dogma von der Frau als besserem Menschen und dem Mann als Schwein. Eine Feministin kann sich, trotz gegenteiliger Alltagserfahrung, einfach nicht vorstellen, dass eine Frau jemals lügt. Und ein Missverständnis ist auch ausgeschlossen, weil eine Vergewaltigung immer dann vorliegt, wenn frau sich vergewaltigt *fühlt*. Und selbst wenn der Mann in diesem speziellen Fall tatsächlich unschuldig sein sollte, ist das auch nicht schlimm, wenn er verurteilt wird. Denn schließlich sind ja alle Männer Vergewaltiger. (Gemäßigte Vertreter fügen noch ein „potentiell“ ein, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es weltweit eine Handvoll Männer gibt, die *noch* nicht vergewaltigt haben – vermutlich aus Mangel an Gelegenheit, oder weil sie Loser sind, die keinen hochkriegen).

    Wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht gehen wir auch mit all den Fake-Beschuldigungen gegen Flüchtlinge völlig falsch um? Wir zweifeln und prüfen Fakten nach, das ist doch eigentlich ungeheuerlich. „Listen and Believe“! Warum sollte ein Ar…, ich meine, ein guter Deutscher jemals lügen?

  5. Diese Geschichte ging kürzlich durchs Netz:

    Ich hab jetzt eine Seite mit dem ganzen Dialog gesehen:
    http://ageofshitlords.com/guy-exposes-girl-who-falsely-accused-him-of-rape/

    • Ah-ja, irgendwie ist in Umlauf gekommen, dass er sie vergewaltigt haben sollen, sie hat nichts dagegen unternommen, weil es ihr gerade so paate, er hat Freunde verloren und die Beziehung zu seiner Familie hat darunter gelitten, aber egal, sie will das wieder gute Luft zwischen ihnen ist.

      Hat sie sich entschuldigt?

      • So weit ich weiß, gab es genau den Dialog, den ich verlinkt hab. Also: Nein. Nicht wirklich. Es sei denn, du wertest ihr Anliegen, von ihm Absolution zu bekommen, als unausgesprochene Entschuldigung.

        • Was denkt die sich eigentlich? Denkt die überhaupt?

          „Hey, ich hab aus Bequemlichkeit dein Leben versaut, aber hab dich nicht so. Schwamm drüber, du lebst doch noch und mir ist ja nix passiert. Nu sorg bitte aber noch dafür das mein schlechtes Gewissen verschwindet, das ist nämlich wirklich hart für mich gewesen, die ganze Zeit über.“

        • Jupp, pretty much so scheint es gewesen zu sein.

          Ziemlich exakt die Einstellung aller, die die Yes-means-Yes-Laws für angemessen halten.

          „Unschuldig wegen Vergewaltigung eingesperrt zu werden ist nicht notwendigerweise schlecht. Es gibt dem Unschuldigen die Zeit darüber nachzudenken, ob er sonst nicht doch hätte jemanden vergewaltigen können.“


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